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Full text of "Zentralblatt fuer bakteriologie"

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^(PTMLBUn 



für; 



Bakteriologie und Parafiitenkimde. 



XTL Band« 






izWTRALBLATTMtSn;^ 



für 



Hikterielogie ind Parasiteikuide. 



In YerbindiiDg mit 
Geh. Hofrafh Frofesflor Dr. Leuokart 

in Laiptig 
and 

Prof esflor Dr. Loefner 

in Graiftwald 
hentatgegebeD toh 

Dr. Oscar Ulilizrorin in CasseL 



XYI. Band. 

^ 6 Uthogr. Tafeln, S lildhtdruok-Tafeln und M AbbilduagM 
la Texte. 



Jena, 

Verlag von Gustav Fischer. 

1894« 



BaKteriologie und Parasitenkunde. 

In Yerbindnng mit 

Gel. M. M Dr. Lenckart ui PnfisBor Dr. LofdOer 

tn Lcfpsif In (iralftirild 

heraiugegeben Ton 

Dr. O. ITlilworm in CaiBsel. 



Verlag von Gustav Fischer in Jena. 

ITL Bttld« -o- Jena, den 2. Juli 1894- -^ No. 1. 



Pnla flbr Un Bud (96 VwuMni) 14 Xmrk. 

JfthrKeh crsebsinen swei Binde. 

—»I Za b«ii«hen dveh alle Bachbandlmigen md Postenttalten. |4^ 

I>£0 Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten- 
kunde richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige 
Wik^gehe tut» lÄ^erwng von besonderen Abdrücken ihrer Auf" 
Mae entweder bei der JSineendung der Abhandhingen an die 
BedakUan 4»uf das Manuskript sehreiben zu woUen oder spi^ 
tetiens ntteh Simpfang der ersten Korrektwrahzüge direkt an 
den Verleger, Herrn Qustofv Fischer in Jena, gelangen zu 
Uusen. Die Ver^agshandlung ist leider nicht in der Lage, später 
dmgekende Wünsche berücksichtigen zu kännen. 

Original -NllttlieilungeiL 



GoDokakkenznohtaDg nnd künstlicher Tripper. 

[Aqs dem Laboratorfo bacteriolögico de la Facnltad de Medicina de 

Barcelona.] 
Vorläufige Mitteilung 

Von 

Dr. IL Turrö. 

Meine Arbeit umfaßt folgende drei Punkte: 1) Züchtung des 
Gonoeoccus auf sauren Nährböden; 2) Erzeugung des Trippers bei 
Hoaden und 8) Sctaildening der mikroskopischen Kennzeichen des 
O0BOCOCCU& 

1) Züchtung des Gonoeoccus auf sauren Nährböden. 
'Mpperfaani ist alkalisch, erlangt aber seine natürliche Säure 

2884 



2 IL Tnrr^, 

wieder, sobald der Eiter sich eu Boden gesetzt hat Wenn man 
denselben in den Brütofen bringt, bekommt man am fidgenden Tage 
eine fast reine Kultur des Gonococcus, während auf dem Boden 
sich reichlich Streptokokken und sonstige Bakterien entwickeln. 
Diese auffallende Erscheinung rührt Yon der Säure des Harns her; 
denn man braucht denselben nur leicht alkalisch zu machen und der 
Gonococcus entwickelt sich nicht mehr. Wenn man Harnstoff oder 
irgend eins der natürlich im Harne enthaltenen Salze beifügt, so wird 
das Wachstum des Gonococcus spärlich oder auch ganz aufgehoben; 
wenn man dagegen Vs Proz. Catillon*sches Peptonpulver zusetzt, 
ohne die Säure zu neutralisieren, so wird das Wachstum viel üppiger. 
Wenn man den Peptonzusatz auf 1 Proz. bringt, so kommt trotz 
der starken Säure eine Gonokokkenentwickelung zustande. In ste- 
rilisiertem gesundem Harne, mit oder ohne Peptonzusatz, erhält man 
immer mit Trippereiter, sowohl frischem als altem, eine Gonokokken- 
zucht 

Diese Beobachtungen haben mich dazu veranlaßt, Züchtungs- 
versuche auf saurer Gelatine anzustellen, wozu ich neutrale Rind- 
fleischbrühe mit 10 Proz. nicht neutralisierter Gelatine und Vi — 1 
Proz. Peptonpulver versetzte. Auf solch stark saurem Nährboden 
gedeiht der Gonococcus ganz gut, und selbst der Zusatz eines 
l'ropfens Salzsäure zu 100 ccm bringt nur eine Verlangsamung des 
Wachstums zustande. Eine Stichkultur entwickelt sich bei 22—24^ 
in zwei Tagen von der Oberfläche bis zum Boden in Gestalt einer 
weißen Linie und fällt immer rein aus, da andere Bakterien, auch 
wenn man sie absichtlich hineinsät, wegen der Säure nicht zur Ent- 
wickelung gelangen. Nach Strichsaat entwickelt sich eine weiße 
Linie, die sich zu einem 1 cm breiten Bande gestaltet und durch 
Querstreifung der Kultur ein ganz charakteristisches Aussehen ver- 
leiht. 

Der reine Gonococcus verursacht niemals eine Verflüssigung 
oder Erweichung der sauren Gelatine. Die Kolonieen der Platten- 
kulturen lassen sich mit keinen andern verwechseln. Sie erscheinen 
als weiße Punkte, die sich beim Wachsen wie Segmente einer frisch 
polierten Elfenbeinkugel über die Oberfläche erheben ; das Wachstum 
scheint beständig fortzudauern; denn noch zwischen dem 15. und 
20. Tage konnte mit einem Zirkel eine Ausbreitung konstatiert 
werden. Um die Kolonieen oberflächlich zu erhalten, wurde die 
Saatflüssigkeit auf die erstarrte Gelatineplatte aufgeschwemmt. 

Die Züchtung in Peptongelose und in Peptonbouillon ist ebenfalls 
erfolgreich. Wenn man 10-proz. Gelatinebouillon eine halbe Stunde 
lang einer Temperatur von 125® aussetzt, so erhält man eine 
Flüssigkeit, die das Gerinnungsvermögen eingebüßt hat; setzt man 
derselben 3 Proz. Gelose und ^lf—1 Proz. Peptonpulver zu, so be- 
kommt man Nährböden, auf denen bei 35® schon in 24 Stunden sich 
Kolonieen entwickeln. 

Der Trippereiter ist für den Gonococcus ein starkes Gift, 
welches das Wachstum verringert und Rückbildungsformen zur Er- 
scheinung bringt Wenn man mit destilliertem Wasser verdünnt und 
die Eiterkügelchen durch Absetzenlassen trennt, kommen die ver- 



Oonokokkentüehtnag nad kfinstüdier Tripp«r« 3 

ioderten FormoD nicht mehr zum Vorschein; 24-stündiger Eiter 
kämt auf sanren Nfthrböden ebensowenig als auf nentralen und 
alkalischen. 

Die Lebensfähigkeit des Gonococcns scheint mit der Zeit 
Dor za erlahmen, nicht aber ganz zu erlöschen, da 71 Tage alte 
PeptonboniUonkultaren sich noch fruchtbar erwiesen. Auf alkalische 
Nährböden Qbertragen, wachsen sie ganz gut, wobei sie den Nähr- 
boden trichterförmig zu einem trüben Syrup erweichen; bei der 
swdten Debertragung erlischt die Keimfähigkeit und die Ueberpflanzung 
aafflanr^ Nährboden stellt dieselbe nur unvollkommen wieder her. Wie 
alt aoeb der Tripper sein mag, auf saurem Nährboden gelingt es 
immer, das Neißer*sche Microbium zu zOchten, wie die Unter- 
soduuig bei 11 Dirnen ergab, deren Erkrankung vor drei Monaten 
im jüngsten und vor elf Jahren im ältesten Falle erfolgt war; ist 
der Tripp^ schon sehr alt, so ist es zweckmäßig, den Peptongehalt 
des Nihrbodeos auf 2 Proz. zu erhöhen. 

IMe rasche AJkalisierung des Nährbodens durch den Gonococcus 
ermöglicht die spätere Verunreinigung der Kulturen durch die Eiter- 
koktai, die dann die Gelatine mehr oder weniger schnell verflüssigen. 
Ana altem Eiter entwickeln sich auch auf saurem Nährboden noch 
andere Bakterienarten. Eine derselben ist ein Stäbchen, das sich 
recht bäujGg im Harne findet, in den Bouillonkulturen Fadeogestalt 
annimmt und die Gelatine so ausnehmend rasch verflüssigt, daß es 
den Namen Bacillus voraz verdient Derselbe ist rasenbildend 
ond wichst sowohl afirobisch als anaßrobisch. 

Ein bst stetiger Begleiter des Gonococcus ist ein länglicher 
Diplococcus, der darum wohl Diplococcus commensalis 
gensiiDt werden könnte; vom Gonococcus unterscheidet er sich 
durch die verschiedene Größe und die Asymmetrie seiner Hälften ; 
gegra die Färbeflüssigkeiten verhält er sich gleich; ebenso gedeiht 
er Ulf sauren Nährböden und selbst, wenn auch erst in 3—4 Tagen, 
ia mit Salzsäure (1 Tropfen auf 20 ccm) versetzter Bouillon, die für 
den Gonococcus steril ist Auf saurer Gelatine entwickelt er sich 
iebött, ohne sie zu verflüssigen; der Strich erhebt sich kaum über 
die Oberfläche und nimmt eine goldgelbe Färbung an. Auf neutraler 
BDd alkalischer Gelatine keimt dieser Diplococcus schlecht und 
taagaam, und die gelbe Färbung zeigt sich erst spät. Es ist nichts 
Cagewöhnliches, auf dem weißen Striche einer Gonokokkenkultur gelbe 
Pnnkte und aogar ein den Strich zum Teil oder auch ganz her 
deckeades gelbes Band entwickeln zu sehen. Dieser Diplococcus 
eommensalis findet sich auch im Tripperharne, den man 8 Tage 
itog hat faulen lassen ; Virulenz scheint er nur ausnahmsweise zu 
beaitzeu. Mehrere Male ist er auch im Sputum von Schwindsüchtigen 
beohiditel worden. 

2) Künstlicher Tripper. Im Gegensatze zu der Unschäd- 
lichkeit des auf alkalischen Nährböden gezüchteten Gonococcus 
fsr die Versuchstiere zeigt sich der auf sauren Nährböden erhalten/e, 
hOchat virulent für Hunde. Man braucht diesen nur die Vorhaut 
svodaflatreifen und die Eichel mit einer Kolonieen- oder Strichkultur 
leichthiB zu bescbniieren, um die Infektion zu Wege zu bringen, 

1* 



gltPNTRALBUn 



fBr! 



Bakteriologie und Paiasitenkunde. 



XTL Band« 






iztoTRALBiin'^^i^- 



für 



Bakterioloiie und Parasitenkundn. 



In YerbindiiDg mit 
Geh. Hofrath ProfetMor Dr. Lenokart 

in Leipsig 

und 

ProfetMor Dr. Loeffler 

in GraifswAld 
hersnsgegebeo tob 

Dr. Oscar Xllilizrorxn in CasseL 



XYI. Band. 

I 



Ifit 6 Uthogr. Tafeln, S lAehidndk'-TtMla und M Abbilduagn 

im Texte. 



Jena, 

Verlag von Gustav Fischer. 

1894. 



12 O. M. Caratfo, 

rang des AUgemeinbefiDdens , etwas Appetit Am 19. Juni kein 
Fieber, keine Schweiße, weniger Hasten und Aaswurf. Schall and 
Atmung in den Infraclaviculargruben normal, in den Supraclavicular- 
und Supraspinalgruben noch etwas D&mpfung und einige Rasselge- 
räusche. Sputum bacillenfrei. 10. Juli vollständige Herstellung der 
physiologischen Lungenfunktionen, Allgemeinbefinden ausgezeichnet. 
Das Körpergewicht steigt von 53,3 kg am 26. Juni auf 63,2 kg am 
24. November. Im Dezember wird der Patient an Influenza be- 
handelt, wobei aufs neue konstatiert wird, daß die Lungen völlig 
normal funktionieren. 

Fall 19. Soldat, aufgenommen den 18. April 1893. Hatte vor 
2 Jahren Hämoptoe, seitdem beständig Husten, besonders in den 
letzten Tagen, mit geringem, oft blutig gestriemtem Auswurfe. 
Dämpfung und verschärftes Atmen in beiden Fossae supraspin., 
Dämpfung und feuchte Basseigeräusche in den Supra- und Infracla- 
viculargruben. Appetit gut. Gewicht 60,7 k. Im Sputum Bacillen 
vorbanden. 20. April Beginn der Kur. Nach 8 Tagen Abnahme 
der Rasselgeräusche links. 8. Mai Dämpfung und verschärftes 
Atmen in den Fossae supraspin. geschwunden. 27. Mai. Husten und 
Auswurf haben aufgehört, Atmung und Schall überall normal. Ba- 
cillen nicht mehr zu finden. 

Fall 20. Soldat, aufgenommen am 21. September 1892. Hatte 
seit einem Jahre Husten mit leicht blutigem Auswurfe. Auf der 
linken Lungenspitze verschärftes Atmen und Rhonchi sibilantes ohne 
wahrnehmbare Veränderung des Schalles. Trockene und feuchte 
Rasselgeräusche in den übrigen Lungenpartieen rechts, leichte 
Dämpfung an einer kleinen Stelle auf der Mitte des Thorax hinten. 
Trockene und feuchte Rasselgeräusche auf der ganzen rechten Lunge. 
7. Oktober: Leichte Hämoptoö. 20. Oktober: Auf der linken Infra* 
claviculargrube tympanitischer Schall, amphorisches Atmen, metallisch 
klingende Rasselgeräusche. Auswurf eitrig. 30. November: Beginn 
der Kur nach Feststellung zahlreicher Bacillen im Sputum. 17. Dezem- 
ber: Etwas Besserung des subjektiven Befindens und des Appetites. 
12. Januar 1893: Husten weniger quälend, Auswurf schleimig-eitrig. 
Die gedämpfte Stelle und die Rasselgeräusche im linken Dnterlappen 
sind verschwunden. Kein pathologisches Symptom auf der rechten 
Lunge. Bacillen vorhanden. 25. Januar: Rasselgeräusche fiber dem 
linken Oberlappen nicht mehr zu hören. In der linken Subclavicu- 
largrube klingt das Atmen noch etwas bronchial, der Perkussions- 
schall ist dort beinahe normal. Auswurf schleimig und bacillenfrei. 
15. März: Vollständige Wiederherstellung der normalen Lungenver- 
hältnisse. Körpergewicht 67 kg (30. November 1892 58,9 kg). Im 
Dezember 1893 vollkommen gesund. 

Fall 21. Soldat, aufgeoommen am 10. Januar 1893. Hatte 
wiederholt an Bronchialaffektionen gekrankt, hatte seit einigen Tagen 
heftigen Husten mit starkem Auswurfe. Abgesdiwächtes Atmen auf 
beiden Lungenspitzen, Dämpfung und kleinblasiges j^sseln in den 
Fossae supraspin., besonders links. Das sdileimig-eitrige Sputum 
enthält zahlreiche Tuberkelbacillen. Kein Fieber , Gewicht 60,5 kg. 
11. Januar: Beginn der Behandlung. 1. Februar: Funktion der 



N«ii« Method« d«r Bthandlang der Lnogentuberkalose. X3 

Oberlappen normal bis auf etwas Dämpfung und mäßige Rasselge- 
räusche in den Fossae supraspinatae. 24. Februar: Ueberall nor- 
maler Schall, aber noch einige geringe Rasselgeräusche. Sputum 
gering, fast ganz schleimig, aber noch bacillenhaltig. 7. März: Noch 
einige Rasselgeräusche auf der linken Lungenspitze, Bacillen ver- 
schwunden. 18. April : Als vGllig geheilt entlassen. Gewicht 64,2 k. 

Fall 22. Soldat, aufgenommen am 20. Februar 1893. Stark 
abgemagertes Individuum, hatte 1892 rechtsseitige Pneumonie über- 
standen. Bemerkte seit einiger Zeit Schmerzen in der rechten Brust- 
hälfte, hatte Husten und profuse Nacbtschweiße. Die Untersuchung 
ergab eine Dämpfungszone, welche von der rechten Regio supra- 
spinosa, ausgesprochener werdend, bis zum Angulus scapulae hinab- 
reichte. Ueber dieser Partie hOrte man klein- und mittelblasiges 
Rasseln mit bronchialem Atmen; in den tieferen Partieen war das 
vesikuläre Atmen v5llig verschwunden und der Pektoralfremitus ver- 
stärkt. Schleimiger Auswurf, kein Fieber. Bacillen erst am 10. März 
grfnnden, die Kur am 11. März begonnen. 6. April: Dämpfung ge- 
ringer, feuchte Rasselgeräusche deutlich. Bacillen vorhanden. 13. April: 
Ba^elgeräusche nur noch in der Fossa supraspioata. Keine Bacillen 
mehr. 20. April: Geheilt entlassen. 

Fall 23. Soldat, aufgenommen den 16. Juni 1893. Vor einem 
Jahre Bronchialkatarrh. Symptome eines diffusen Bronchialkatarrhes 
auf beiden Lungen, auf den Lungenspitzen, besonders rechts, außer- 
dem zahlreiche Rasselgeräusche und etwas abgeschwächter Schall. 
Häufige Hustenanfälle, schleimig-eitriger Auswurf. Appetitlosigkeit, 
Abendtemperatur 38,5 ^ Am 21. Juni wird nach dem Auffinden von 
Bacillen im Auswurfe die Behandlung begonnen. 30. Juni : Das Fieber 
geschwunden. 10. Juli: Die Rasselgeräusche sind auf den unteren 
Lungenpartieen nicht mehr, auf den oberen in geringerem Grade zu 
hören« Hasten weniger häufig, Auswurf spärlicher, noch mucopuru- 
lent nnd bacillenhaltig. Appetit und Allgemeinbefinden besser. 
20. Juli: Nur noch in der Fossa supraclav., rechts einige Rasselge- 
räusche. Sputum bacillenfrei. 25. Juli: VGllig normale Lungen- 
fonktionen. 31. Juli geheilt entlassen, nimmt sofort seinen Dienst 
wieder anf. 

Fall 24. Soldat, aufgenommen den 6. März 1893. Auf der 
rechten Spitze krepitierendes Rasseln und Bronchialatmen, abge- 
schwächter Schall. Ueber den tieferen Partieen der rechten Lunge 
ausgesprochene Dämpfung, Bronchialatmen und verstärkter Pektoral- 
fremitus. Quälender Husten entleert rostfarbenes Sputum. Abend- 
temperalur 39,5^. Am 11. März fällt das Fieber kritisch ab, am 
20. ist Resolution der Pneumonie eingetreten, doch bleiben die 
Spitzensymptome bestehen. 16. April: Kleines pleuritisches Exsudat 
links, welches am 26. April den Schulterblattwinkel erreicht. Im 
Spotum Tnberkelbacillen gefunden. 3. Mai Beginn der Kur. Ge- 
wicht 57,8 kg. 13. Mai: Beginnende Resorption des Exsudates, All- 
gemeinbefinden und Appetit vermehrt, Bacillen noch vorhanden. 
27. Mai: Keine Bacillen, auf der rechten Spitze noch etwas Rasseln. 
7. Juni: Langenfnnktion normal, 18. Juni wird Patient geheilt ent- 
lassen. Gewicht 61,1 kg. 



H G. M. Carasso, 

Fall 25. Soldat, aufgenommeD den 8. März 1893. In den 
tiefen Partieen der rechten Lange mittelblasiges feuchtes Bassein, in 
den oberen Schnurren. Mäßiger Husten, Auswarf schleimig, geringe 
abendliche Temperatursteigerang. 13. Mai: Beginn der Behandlung, 
nachdem im Sputum Tuberkelbacillen gefunden worden waren. 15. Mai: 
Keine erhöhte Abendtemperatur mehr. 20. Mai : Die Rasselgeräusche 
in den tiefen Lungenpartieen sind verschwunden, in den oberen 
findet man verschärftes Atmen and trockenes Rasseln. 28. Mai: 
Wiederherstellung der physiologischen Verhältnisse auf den Lungen, 
keine Bacillen mehr, 31. Mai als geheilt entlassen. 

F al 1 26. Soldat aufgenommen den 2. Mai 1893. Von schlechter 
Konstitution, seit 3 Jahren an Bronchialkatarrh leidend, welcher sich 
zum Frühjahre verschlimmert hatte. Seit 4 Tagen quälender Husten 
und Fieber. Rasselgeräusche über dem rechten Mittellappen, Dämpfung 
und zahlreiche Rasselgeräusche auf der Fossa supraspin. und sabra- 
clav. rechts, verschärftes Atmen auf der ganzen linken Lunge. 
Abendtemperatur 39,5 ^ 16. Mai: Untersuchung des Sputums nega- 
tiv. 26. Mai : Nachtschweiße, Kräfteabfall, Diarrhöe und Verdauungs- 
störungen. 6. Juni: Kavernensymptome auf der rechten Infraclavi- 
culargrube. Fortgesetzt blutige Diarrhöen. Keine Bacillen im 
Auswurfe. Abend temperatur 39,8 ^ 16. Juni: Bacillen gefunden, am 
18. die Kur begonnen. 29. Juni: Beständiges Fieber, Diarrhöe un- 
stillbar. Es ist nicht zu hindern, daß der Patient die Sputa ver- 
schluckt. Bei weiterer Verschlechterung des Patienten wird am 
11. Juli die Behandlung aufgehoben. 13. Juli Exitus. Sektionsbefund: 
Drei große Kavernen im rechten Oberlappen, kleinere im Mittel- 
lappen. Peribronchitis tuberculosa in dem ganzen Reste der Lungen. 
Pleuritis tuberculosa. Multiple Ulcerationen im Darme, Tuberkulose 
des Peritoneums, Verkäsung von Mesenterial- und Retroperitoneal- 
drüsen. 

Aus der Krankengeschichte des vorbeschriebenen Falles läßt 
sich folgern, daß die Tuberkulose vor Beginn der nur wenige Tage 
dauernden Behandlung bereits generalisiert war. 

Fall 27. Soldat, aufgenommen den 7. Juni 1893. Hereditär 
belastet. Seit 6 Monaten Husten mit reichlichem Auswurfe, seit einigen 
Tagen Fieber und Nachtschweiße. Auf der rechten Spitze reichliche 
trockene und feuchte Rasselgeräusche, auf der linken verschärftes 
Atmen und Rhonchi. Schleimig-eitriger Auswurf bacillenhaltig. 
Abendtemperatur 39 ^ Ausgesprochene Abmagerung. 9. Juni: Be- 
ginn der Kur. 16. Juni: Kein Fieber, keine Schweiße, Appetit 
besser. 20. Juni: Rasselgeräusche nur noch rechts, Auswurf und 
Bacillenmenge geringer, äo. Juli: Rasselgeräusche nur noch in. der 
Fossa supraspinata rechts. Husten gering, Auswurf schleimig und 
bacillenfrei. 10. August: Normaler Lungenbefund. Kräfte und 
Appetit gut. 21. September: Geheilt entlassen. Gewicht 57,1 kg 
(7. Juni 53 kg.). 

Fall 28. Soldat, aufgenommen den 11. Juli 1893. Herunter- 
gekommene Konstitution. Seit 3 Monaten Husten, Nachtschweiße, 
häufiger Kopfschmerz und Appetitlosigkeit Mittel- und kleinblasige 
Rasselgeräusche auf der rechten Lungenspitze ohne Veränderung des 



N«ae Hethod« der Behandlung der Longentnberkalose. X5 

Schalles. Auch in der linken Fossa supraspin. einige geringe 
Rasselgeräusche und deutlich verschärftes Atmen. Reichliches 
schleimiges, bacillenhaltiges Sputum. 15. Juli: Beginn der Behand- 
lung. 25. Juli : Nachtschweiße fort, Temperatur seit 2 Tagen normal. 
Appetit stärker, Fleischdiät wird verordnet. 5. August: Kräfte ge- 
stiegen, Auswurf und Husten geringer. Links sind keine Rasselge- 
räusche mehr zu hören. 15. August: Nur noch in der Fossa supra- 
spin. rechts einige Rhonchi. Sputum bacillenfrei. 20. August: 
Longenbefund normal. 1. September geheilt entlassen. 

Fall 29. Soldat, aufgenommen den 12. März 1893. Etwas 
kachektisch infolge von Malaria. Seit 6 Tagen Husten, abendliches 
Fieber und Nachtschweiße. Es findet sich etwas Anämie und Milz- 
schwellung. Auf der ganzen linken Lunge schnurrendes Rasseln, 
in der Fossa supraspin. und supraclav. links Dämpfung mit krepi- 
tierendem Rasseln. Sputum bacillenfrei. 14. Mai: Unter Behand- 
lung mit Chininsalzen und Expektorantien schwinden Fieber und 
Milzschwellnng. Dagegen treten auch im rechten Oberlappen klein- 
blasige Rasselgeräusche auf. 16. Mai: Beginn der Kur, nachdem 
Tags vorher Bacillen im Sputum gefunden worden. 26. Mai: Husten 
geringer, desgleichen die Rasselgeräusche rechts, letztere sind am 
6. Juni ganz verschwunden. 16. Juni: Sputum schleimig, noch ba- 
cillenhaltig. 26. Juni: Pleuritisches Reiben in der linken Seite, 
Schmerzen daselbst bei tiefer Inspiration. 6. Juli: Pleuritisches 
Beiben nicht mehr vorhanden. In der Fossa supraspin. rechts noch 
rauhes Atmen. Sputum frei von Bacillen. 16. Juli: Lungen- 
funktiou normal, 17. August geheilt entlassen. Gewichtszunahme 
4,3 kg. 

Fall 30. Aufgenommen den 15. Juli 1893. Wiederholt Bron- 
chialkatarrhe durchgemacht. Auf der linken Spitze feine Rasselge- 
räusche, Sputum bacillenhaltig. 18. Juli : Beginn der Kur. 18. August 
Keine Bacillen, kein Krankbeitssymptom auffindbar. 

Fall 31. Soldat, aufgenommen den 24. Juni 1893. Geschwächte 
Konstitution. Hereditär belastet. Kleinblasiges Rasseln im linken 
Oberlappen und den oberen Teilen des Mittellappens. Quälender 
Husten, schleimig-eitriges, bacillenhaltiges Sputum. Abendtemperatur 
38,5 ^ Nachtschweiße. 27. Juni: Beginn der Behandlung. 7. Juli: 
Fieber und Schweiße sind zurückgegangen. 17. Juli: Bacillen nicht 
mehr auffindbar. Nur noch in der Fossa supraspin. links einige ge- 
ringe Rasselgeräusche. 7. August: Wird ausgemustert und auf 
seinen Wunsch entlassen, mit dem Rate, die Kur fortzusetzen. 

Fall 32. Aufgenommen den 9. September 1893. AUgemein- 
zostand schlecht infolge von Malaria. Seit 2 Monaten Husten, 
Abendfieber, Nachtschweiße und große Schwäche. Schnurren und 
Pfeifen Ober unteren und mittleren Lungenpartieen links, krepitieren- 
des Rasseln Ober der Spitze. Rechts spärliche Rhonchi über dem 
MitteUappen, etwas feines Rasseln auf dem Oberlappen. 15. Septem- 
ber: Im schleimig-eitrigen Sputum werden sehr zahlreiche Tuberkel- 
bacilleo gefunden. 16. September: Beginn der Kur. 26. September : 
Husten geringer, nur gegen Morgen noch stärker, Sputummenge ver- 
mindert. Fieber und Schweiße sind vorüber, der Appetit stärker. 



16 O. M. Carasso, 

6. Oktober: Normales Atmen beiderseits von der Basis bis zur Spina 
scapulae. Hasten zurückgegangen, Sputum schleimig and bacillenfrei. 
10. Okt.: Da der Kranke das Menthakissen h&ufig entfernt, um zu 
rauchen, wird er unter besondere Aufsicht gestellt 16. Okt: Kein 
Bassein mehr in den Fossae supraspin. 6. Nov.: Longenbefand 
normal. 24. Nov.: Gteheilt entlassen. 

Fall 33. Soldat Ziemlich kräftige Konstitution. Litt seit 
einem Bronchialkatarrh im Herbste 1891 beständig an Hasten and 
magerte ab. Im Sommer 1892 finden sich in beiden^ Spitzen In- 
filtrationen und Basselgeräosche. Bacillen in beschränkter Zahl im 
mucopurulenten Sputum. Nach 10-tägiger Kur hebt sich der Appetit 
und der Hasten nimmt ab. Nach 19 Tagen sind die Bacillen ver- 
schwunden und nur links noch einige Ra»elgeräuscbe wahrnehmbar. 
Nach 26 Tagen Lungenbefund normal, nach 40 Tagen P. geheilt 
entlassen. Beim Austritt aus dem Militärdienste im Herbste 189ä 
gesund. 

Fall 34 Soldat, aufgenommen den 7. Mai 1893. Allgemein- 
zustand heruntergekommen. Husten seit 8 Tagen. Ganz feine 
Basseigeräusche rechts in der Fossa infraclav. und supraspin., links 
in der letzteren. Sputum mucopurulent und bacillenhaltig. 8. Mai: 
Beginn der Kur. 18. Mai: Hasten und Auswarf nehmen beständig 
ab. Rasselgeräusche rechts nicht mehr wahrnehmbar. 20. Mai: 
üeberall Vesikuläratmen zu hOren, Sputum bacillenfrei, rein schleimig. 
23. Mai: Ausgemustert und mit dem Bäte, die Kur fortzusetzen,, 
entlassen. 

Fall 35. Soldat, aufgenommen den 14. Mai 1893 mit Syphilis. 
Bekommt am 20. Juni Hämoptoe und wird auf die innere Abteilung 
verlegt Die Hämoptoe wiederholt sich, schwächer werdend bis zum 
1. Juli. Gedämpfter Schall in beiden oberen Lungenhälften und da- 
selbst zahlreiche klein- und mittelblasige Basseigeräusche. Unter- 
suchung des schleimigen Sputums auf Bacillen negativ« 8. Juli: 
Bacillen gefunden, daher 9. Juli Beginn der Behandlung. 19. Juli: 
Menge der Rasselgeräusche und des Sputums herabgesetzt Appetit 
und Befinden besser. 26. Juli: Sputum blutig gestriemt 29. Juli: 
Die Blutstreifen aus dem Sputum verschwinden. Normaler Schall 
auf den Lungen bis zur Spina scapulae nach oben. In der Fossa 
supraspin. rechts etwas abgeschwächter Schall, kein Rasseln, links 
noch Dämpfung und Rasseln. Appetit vorzQglicb, Kräfte zunehmend. 
9. August: Lungenbefund normal bis auf Rasselgeräusche in der 
linken Fossa supraspin. Bacillen nicht mehr zu finden. 15. August : 
Normaler Befund überall. 27. August: Geheilt entlassen. 

Fall 36. Soldat, aufgenommen den 30. Juli 1893. Physisch 
heruntergekommen. Hat zweimal Pneumonie gehabt, seit einem 
Monate Husten mit Fieber, Nachtschweißen und Appetitlosigkeit 
Kleinblasiges Rasseln über der rechten Spitze. Auswurf schleimig- 
eiterig, enthält Bacillen. 15. August: Bacillen nicht mehr vorhanden. 
20. August: Normales Atmen überall. 21. August: Geheilt entlassen. 

Fall 37. Aufgenommen den 6. Sept. 1893. Schlecht genährt 
und anämisch. Vor 4 Monaten Gelenkrheumatismus, seit 2 Monaten 
Husten, abendlich Fieber, Nachtschweiße, schlechter Appetit, blutiges 



N«iM Methode der Bebaadlnng der Langentnberkalose. 17 

Spatom. Auf der linken Spitze klein- und mittelblasiges Rasseln, 
anf der rechten verschärftes Atmen und Rhonchi. Im Sputum 
Taberkelbadllen. 7. Sept: Anfang der Kur. 12. Sept.: Schweiße 
haben aufgehört. 15. Sept.: Rechte Lunge giebt normalen Befund. 

19. Sept.: Befand auf beiden Lungen normal. Keine Bacillen im 
Sputum. 21. Sept : Entlassen, mit der Empfehlung, die Kur fortzusetzen. 

Fall 38. Aufgenommen den 12. Oktober 1898. Leidet seit 
einiger Zeit an Husten. Rasselgeräusche in der rechten Lungenspitze. 
Auswurf mucopurulent und stark bacillenhaltig. 14. Oktober: Be- 
ginn der Behandlung. 23. Oktobei^: Nur wenig Bacillen im Sputum, 
Basselgerinsche auch in der linken Spitze. 29. Oktober: Unter- 
sodiung des Sputums negativ. 9. November: Rasseln links fast 
ganz verschwunden. 25. November: Die Rasselgeräusche bestehen 
fort Pleuritisches Reiben und Schmerz an der Tboraxbasis links. 
18. Dezember: Obwohl noch geringe Rasselgeräusche in den Fossae 
snpraspin. bestehen, muß der Kranke auf seinen Wunsch entlassen 
werden. Er wird am 9. Januar 1894 wieder aufgenommen, hat in- 
zwischen allerlei Aussdiweifungen begangen und Influenza durchge- 
macht Zahlreiche kleinblasige Rasselgeräusche im ganzen Bronchial- 
baume, besonders in den Spitzen, wo sich Dämpfung findet Zahlreiche 
Bacillen. 11. Januar: Wiederbeginn der Kur. 23. Januar: Bacillen 
nicht mehr auffindbar, aber die Atmung immer mehr erschwert durch 
die Bronchitis capillaris. Puls schwach, unregelmäßig, bisweilen 
filiformis. Aufhebung der Behandlung, Goffelninjektionen. 26. Januar: 
Dyspnoe, Cyanose. 27. Januar: Exitus. Sektionsbefund: Pleuraer- 
guß links. Kleine Cavernen über beide Lungen verstreut. Hypostase 
in den Unterlappen. Auf dem Durchschnitte der Lungen schaumiges 
Sekret mit Eiter gemischt 

Fall 39. Soldat, aufgenommen den 15. Oktober 1893. Anämisch 
und heruntergekommen. Feuchte Rasselgeräusche und Dämpfung 
auf den Lungenspitzen, Rhonchi sibilantes in der ganzen linken 
Lunge. Abendtemperatur 39,5 ^ Auswurf münzenförmig und bacillen- 
haltig. Seit einiger Zeit Diarrhöen. 16. Oktober: Beginn der Kur, 

20. Oktober: Das Fieber dauert fort Blutige Diarrhöen und Leib- 
schmerzen. 25. Oktober: Sputum bacillenfrei (bereits nach 10 Tagen 
Behandlungsdauer I). 30. Oktober: Besserung der Lungensymptome, 
Allgemeinzustand verschlechtert Diarrhöe blutig und unstillbar, 
Schmerzen im Leibe. Beständiges Fieber, Herzschwäche. 10. November: 
Die Diarrhöen dauern fort Aeußerste Schwäche, Appetitlosigkeit 
Sputum immer bacillenfrei. 15. November: Linke Lunge giebt 
normalen Befand. Fortdauer der blutigen Diarrhöen. 25. November t 
Tod an Herzparalyse. Sektionsbefund: Die linke Lunge zeigt nichts 
Pathol<^8che8. In der rechten Luoge tuberkulöse Infiltration. 
Darmtaberkulose mit einigen großen Ulcerationen. Der Darm ent- 
hält viel Blut Mesenterial- und Retroperitonealdrüsen verkäst. 
Miliartuberkel in der rechten Niere. 

Die Autopsie stellte in diesem Falle fest, daß die tuberkulöse 
Erkrankung nicht auf die Lungen beschränkt war. Der Lungenbefund 
zeigte eine gewisse Besserung, Todesursache war die Darm- 
tuberkulöse. 
zn.Bi. s 



lg G. M. CarAsso, 

Fall 40. Mann von etwa 35 Jahren, von achlechter KoDstitation. 
Seit 3 Jahren Hasten und Krftfteverlost 1891 Plearitis exsudativa 
sinistra, welche in einigen Monaten hdlte. Fortgesetzt Husten und 
abendliches Fieber, 2inal reichliche Hämoptoe Im Herbste 1893 
findet sich Dämpfung in der Fossa supra- und infraspin. links und 
^mpanitischer Schall in der Fossa subclavic. Unks. Auf diesen 
Partieen findet man zahlreiche klein- und mittelblasige Rasselgeräusche. 
Appetit schlecht, bedeutende Abmagerung. Untersuchung des Sputums^ 
welches schleimig-eitrig und münzenförmig ist, ergiebt Badllen» 
Nach 26-tägiger Behandlung waren keine wesentlichen Aenderungen 
eingetreten, nur die Zahl der Bacillen etwas verringert. Der Kranke 
gesteht zu, daß er des Nachts das Menthakissen fortgelassen habe. 
Nachdem dies verboten worden, sind am 42. Tage die Bacillen aus. 
dem Sputum verschwunden, am 46. Tage sind nur noch in der Fossa 
subclavicularis einige Rasselgeräusche zu hören. Nach 84 Tageiv 
vollständige Wiederherstellung. 

Fall 41 — 44 betrifft Individuen aus der Privatpraxis, welche^ 
sämtlich geheilt wurden. Einer dieser Patienten, welcher die Kreosot- 
Solution nicht vertragen konnte, erhielt nur Menthainhalationen. 

Sclilufsfolgerniigeiu 

Die Krankengeschichten berechtigen uns, folgende Schlüsse in 
Bezug auf die Wirksamkeit der von uns vorgeschlagenen neuea 
Methode zur Behandlung der Lungentuberkulose zu ziehen: 

1) Die Tuberkelbacillen verschwinden aus dem Auswurfe in einer 
Zeitdauer, welche bisher zwischen 10^) und 60 Tagen geschwankt 
hat. Dieses Verschwinden der Bacillen tritt konstant ein, außer 
wenn der Kranke kurze Zeit nach Beginn der Behandlung stirbt. 
Die baktericide Kraft der Essentia menthae, welche in vitro erwiesen 
ist, äußert sich also auch in der Lunge bei Einatmung derselben. 
Die Bedeutung dieser Thatsache kann niemand verkennen. 

2) Alle Kranken mit Lungentuberkulose, welche nicht durch 
tuberkulöse Affektionen in anderen Organen kompliziert war, wurden 
vollständig mit der von uns empfohlenen Behandlungsmethode ge- 
heilt, ausgenommen die Fälle, in welchen das Eindringen der Mentha- 
essenz in die Verzweigungen des Broncbialbaumes durch Blut, das 
in dieselben extravasiert war, erschwert wurde. 

Vollständige Heilung wurde nicht nur in Fällen von Tuberkulose 
im ersten Stadium, sondern auch in solchen im fortgeschritteneren 
Stadium erreicht, auch wenn die physikalischen Zeichen von Kavernen 
zu Tage lagen. Alle Geheilten zeigten kein einziges Krankheits- 
symptom mdir bei der physikalischen Untersuchung der Lungen und 
die Untersuchung des Sputums auf Tuberkelbacillen blieb immer 
negativ. Bei vielen fand sich Gelegenheit, Nachricht Ober ihren 
günstigen späteren Gesundheitszustand zu erhalten und bei einigen 
fand die Heilung schon vor längerer Zeit, vor 4 und selbst 5 Jahren statte 

Wie sich die anatomischen Verhältnisse der Lungenpartieen ge- 
stalten, welche zuerst tuberkulös infiltriert, gelegentlich von weiten 

1) Dieses Minimum wnrde seit VerofiFeDÜichnng der Torlänflgen MitteUang erreicht. 



Heue Methode der Behandlnng der Longentuberknlose. 19 

Kavernen durchsetzt waren und nach der Kur vollständig funktio- 
nierten, das de visu zu konstatieren, fand ich bisher mangels ge- 
eigneten Sektionsmateriales noch keine Gelegenheit. 

Nach den Stadien von Loomis^ über die Heilung von tuber- 
kolOsen LuDgenprozessen, bei welchen er sich auf das sehr reiche 
Material des Krankenhauses Bellevue in New-York stützte, ist die 
NeubilduDg von Bind^ewebe das einzige Mittel, welches der Körper 
zur Heilang benutzt. Dasselbe ersetzt das Parenchym und wandelt 
sich in Narbengewebe um. Dieser Heilungsprozeß muß natürlich in 
der Longe solche Modifikationen hervorbringen, daß man dieselben 
bei genauer physikalischer Untersuchung wahrnehmen kann. Binde- 
gewebsknötchen und kleine Indurationen an der Oberfläche der Lungen 
und von geringer Dicke können freilich keine physikalisch erkenn- 
baren Erscheinungen verursachen. Aber leere Kavernen, Narben, 
welche große Zonen von Lungenparenchym ersetzt haben unter be- 
trächtlicher sekundärer Verminderung des Volumens derselben, und 
noch mehr die kompakten Massen, welche einen ganzen Lappen 
substituiert haben, müssen durch die klinische Untersuchung nach- 
weisbar sein. 

Die Wiederkehr normalen SchaUes und die Wiederherstellung 
des vesiknl&ren Atmens in toto auch in Lungen, welche weite 
Kavernen enthielten, wie es bei einigen Fällen mit unserer Heil- 
methode erreicht wurde, können durch die Beobachtung von Loomis 
nicht ausreichend erklärt werden. 

Es ist zu berücksichtigen, daß nach Klebs*) die Zellen des 
tuberknlOsen Gewebes sich in normale Gewebszdlen umwandeln 
können. Danach kann die Tuberkulose nicht nur durch Narben- 
bildung, sondern auch durch Umwandlung des tuberkulösen in normal 
funktionierendes Gewebe zur Heilung gelangen. Außerdem wurde 
von einzelnen Klinikern (Petrone und Anderen) ein Versuch der 
Gewebsregeneration in der Gestalt der Bildung feiner Palissaden von 
Stack mit Karmin sich fj&rbenden Epithelzellen beobachtet. 

Wir müssen abwarten, daß die SektionsbeAmde uns die ana- 
tomischen Verhältnisse der Lungen von Kranken, welche nach unserer 
Methode geheilt sind, kennen lehren, auch betreffs der Frage, ob sich 
in denselben Tuberkelbacillen im Bindegewebe eingeschlossen und 
Adlig, die Krankheit wieder anzufachen, vorfinden. Was die voll- 
ständige Funktionsfilhigkeit solcher Lungen anbelangt, so ist die- 
selbe nur durch Wiederherstellung des normalen Gewebes zu erklären, 
wdche Möglichkeit, obschon bisher für undenkbar gehalten, doch in 
einigen Beobachtungen eine Stütze findet 

3) Diese einfache und wirkungsvolle Methode läßt sich ohne 
jeden Schaden in Anwendung ziehen. 

4) Mangels geeigneten Materials konnten bisher noch keine Ex- 
perimente gemacht werden, um festzustellen, ob Menthainhahitionen Ver- 
suchstieren Immunität gegen die experimentelle Tuberkulose verleihen. 

1) Loomis, Hodieal Record. 1892. 9. Jan. 

S) Klebf, Blforma m«d. Vol. II. 1892. No. 107. 



20 Wftwolod Lubintki, 



Znr Methodik der Eultor änaerober Bakterien. 

(Erster Teil ans der Arbeit ,,Deber anaSrobe Eiterung der Mikroben*^ 

welche von der medizinischeD Fakult&t mit goldener Medaille und 

Pirogoff's Prftmie gekrOnt ist.) 

[Aus dem Laboratorium der allg. chirurgischen Pathologie von 

Prof. A. Pawlowski zu Kiew.] 

Von 

Wsewolod Lnliliiskl. 

Mit 4 Fignrw. 

Ungeachtet der zahlreichen bekannten Methoden f&r das ZQchten 
anaörober Bakterien läßt die Methodik der anaßroben Kultur noch 
viel zu wünschen übrig. Die Fehler des größten Teiles der gegen- 
wärtigen Methoden bestehen einerseits in technischen Schwierig- 
keiten, welche der Gebrauch dieses oder jenes Apparates darbietet, 
dann auch in Abwesenheit der vollen Anaärobiose bei der einen oder 
anderen Methode. Wenn man sich eine ganz vollkommene Methode 
anaärobischer Kultur vorstellen will, so muß sie nach unserer 
Meinung folgenden Bedingungen entsprechen: 1) Die Abwesenheit 
des freien Sauerstoffes nach der Entfernung desselben muß eine 
möglichst vollständige sein; 2) die Methode muß einfach und nicht 
lästig sein; 3) sie muß die Mikroben bei beliebiger Temperatur und 
auf beliebigen Nährboden züchten lassen; 4) sie muß auch zur Züch- 
tung anaOrober Bakterien auf Platten oder in Pe tri -Schalen dienen. 

Um alle diese Forderungen zu erfüllen, habe ich die zwd fol- 
genden Apparate konstruiert: 

Der erste Apparat (Figur 1) stellt ein GlasgeCäß vor von 
25—28 cm Höhe und 15—17 cm Durchmesser, welches aus dem 
^lindrischen Teile Ä und den ihn ergänzenden verbreiterten Teile 
i besteht. In den cylindrischen Teil Ä reicht ein zugeschliffener 
Teil des Apparates C fest hinein, welcher aus einem Gürtel a^, der 
in eine zugweise Platte a, übergeht, besteht. Letztere hat an zwei 
diametral entgegengesetzten Seiten zwei Oeffnungen, von welchen 
eine in ein kurzes, auf der unteren Fläche der Platte a, aufge- 
lötetes GlasrOhrchen führt. Als Deckel D dient im Apparate ein 
an den Rändern der Fläche a, fest zugeschliffenes Plättchen 6, 
welches einen Griff k und, den Oeffnungen der Platte a, entspre- 
chend, auch zwei Oeffnungen hat, über welche kurze GlasrOhrchen 
{ und m angeschmolzen sind. 

Die Gebrauchsmethode dieses Apparates ist folgende: Nachdem 
wir auf das Röhrchen des Teiles ein GummirOhrchen, welches 
bis auf den Boden des Apparates reicht, aufgelegt und nachdem 
wir die eingeschliffenen Flaschen mit Vaseline eingeschmiert haben« 
stellen wir die Kulturen (auf Platten, in P et ri- Schalen, Reagenz- 
rOhrchen etc.) in den Apparat, richten dann den Teil C her und 
decken den Apparat mit dem Deckel D zu, welchen wir so hin- 
stellen, daß die Oeffnungen des Deckels D mit den Oeffnungen des 
Teiles C zusammenfallen müssen. Nun setzen wir das RObrchea 
l oder m, je nach dem spezifischen Gewichte des zum Versuche ver- 



Zar Methodik der Kultur anairober Bakterien. 



21 



wandten Gases, in Verbindang mit 
dem Gasometer oder mit einem Gas 
produzierenden Apparate nnd lassen 
das Gas 1 Stünde lang hindurch- 
gehen. Beim Gebrauche von CO* yer- 
binden wir das Röhrchen m mit dem 
Gasometer und lassen das Gas in 
den Apparat durch das GummirOhr- 
chen, wdches sich im Apparate be- 
findet, luneindringen, welches, unten 
sich ansammelnd, die Luft durch das 
zweite Glasröhrchen l verdrängen 
muß. Bdm Gebrauche von H leitet 
man denselben durch das Röhrchen l; 
es wird dann H als ein Gas, das 
Idchter als Luft ist, sich oben sam- 
meln und die Luft durch die Gummi- 
röhre ausstofien. Diese Verteilung 
der inneren hinein- und hinausleiten- 
den Oefihungen beschleunigt bedeu- 
tend die Luftverdr&ngung, weil da- 
durch eine mehr oder weniger rasche 
Mischung der Schichten des ein- 
dringenden Gases mit der Luft des 
Apparates erreicht wird. Nachdem 
die Luft aus dem Apparate verdrängt 
ist, dreht man den Deckel D (in 
einem Winkd von 90 Grad), so daß 
der Apparat nun gesperrt ist Dann 
erübrigt noch, um eine Diffusion des 
Gases zu verhüten, das Reservoir B 
soweit mit Wasser anzufüllen, daß die 
am Deckel angeschmolzenen Röhr- 
chen I und m von Wasser bedeckt 
werden und dann kann man sicher 
sein, daß in den Apparat nicht die 
unbedeutendste Menge Luft ein- 
dringen wird, d. h. daß die in den 
Apparat gestellten Kulturen wirk- 
lidi sich unter anaörobischen Be- 
dmgnngen befinden werden. 

Die Kulturen, welche man in 
diesem Apparate anaörobisch züch- 
tet, können mit derselben Bequem- 
lickdt bei Zimmertemperatur wie 
im Thermostaten aufbewahrt werden. 
Im letzteren Falle ist es nötig, auf 
den Deckel B eine bdiebige Last 
aufeulegen, um dn Emporheben des- 
sdben bd der Ausdehnung des 
Gases während der Erhöhung seiner 



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22 



Wiewolod Lttbintki, 



Temperatur zu Yermeiden. Zu diesem Zwecke ist es noch beseer, den 
Apparat gleich mit erwärmtem (35—37^) Gase zu fallen, was man leicht 
erreichen kann, wenn man das Gas in den Apparat durch ein Schlangen- 
rohr eindringen l&ßt, welches in ein heißes Wasserbad versenkt ist. 
Der andere Apparat stellt auch ein cylindrisches Glasge&S von 
derselben Grösse dar (Fig. 2), welches hermetisch mit einem fein- 
geschliffenen Glasstöpsel geschlossen wird. Oben auf den entgegen- 
gesetzten Seiten seiner Wände sind zwei Tubus eingesetzt, in deren 
jedem die VerschlQsse t^ und t^ fest eingeschlififen sind. Die letzten 

erinnern etwas an die 
Wu loschen Gläschen; 
^1 dient zum Hmleiten 
des Gases, t^ zur Ab- 
leitung der Luft. In 
beiden Gläschen (t^ und 
t^) ist der Innenranm 
des Apparates von der 
Außenluft durch eine 
Schicht flüssigen Vase- 
lins oder Paraffins (OL 
vaselini und Ol. paraf- 
fini) isoliert (Wasser 
ist hier nicht zu be- 
nutzen, einerseits, weil 
bei Durchleitung des 
Gases in den Apparat 
zu viel Wasserdampf 
mitgerissen wird, an- 
dererseits, weil es im 
Thermostaten rasch 
austrocknen kann). Da- 
mit die FlQssigkeit aus 
<i bei Verminderung 
des Gasdruckes (z. B. 
bei der Abkühlung) 
nicht in den Apparat 
hinübergezogen wird, dient das obere Kügelchen im Verschlusse <,. 
In diesem Apparate, wie auch im ersten, sind die inneren Ein- 
gangs- und AusgangsöflGoungen in ?erschiedener Höhe angebracht Zu 
diesem Zwecke stehen die in den Tubus eingehenden röhrenartigen 
Teile der Verschlüsse t^ und t^ etwas ins Lichte des Apparates vor 
und sind an seinem Ende zur Aimegung einer Gummiröhre eingerichtet. 
Indem man GummirOhren von entsprechender Länge auf die eine oder 
andere dieser Spitzen auflegt, kann man die innere Eingangsöffnung 
oben oder unten anbringen, so daß das Gas, welches schwere als die 
Luft ist, das Geüäß von unten mit seinen aufsteigenden Schichten 
das leichtere — von oben mit hinabsteigenden — ^Ut 

Nachdem das eingeimpfte Materid in den Apparat gestellt und 
der letztere mit dem Stöpsel geschlossen ist ^), verbindet man den 




Fig. 2. 



1) Die geschliffene Fläche wird mit VaMÜne beechmiert Oberhmlb des StSpseU 



Zur Methodik d«r Kaltar anaSrobM Bakterie. 23 

Apparat mit dem Oasometer oder Kipp 'sehen Apimrate und l&St 
1—1 V> Stunden lang das Gas dnrcbleiten. Ist die Luft aus dem 
Apparate entfernt, so trrant man den Apparat von seiner Ver- 
bindung und legt aufs äußerliche Böhrchen des Verschlusses ^| noch 
«in kurzes Oummirdhrchen an, welches an einem Ende mit einem 
Glaspfiropfen geschlossen ist; der Apparat ist nun fertig, um zur 
Entwickelung der Kulturen weggesetzt zu werden. 

Diese beiden Apparate sind von der Fabrik von Rithin g in 
Petersbui^ angefertigt worden. 

IMe Vorzüge dieser Apparate sind folgende: 

1) Die Manipulationen mit ihnen sind einfach und erfordern 
wenig Zeit und Mühe. 

2) Bei verst&ndiger und gewandter Benutzung geben sie einen 
vollkommen sauerstoffireien Raum, welchen sie längere Zeit in diesem 
Zustande erhalten. 

3) Sie sind leicht, von geringem Umfange und lassen sich gut 
in die Thermostaten einstellen. 

4) Sie gestatten die Anlegung von Beagenzglas- und Platten- 
kultnren und Verwendung aller Nährböden. 

5) Sie sind geräumig; in einem Apparate kann man bis 12 
Petri-Scbalen und bis 40 KulturrOhren atustellen, wodurch man die 
Mö^cbkeit hat, gleichzeitig und unter gleichen Bedingungen eine 
bedeutende Menge von Mikroben zu kultivieren. 

6) Beim Gebrauche des letzteren Apparates kann man, ohne ihn 
aufzumachen, allmählich von der ASrobiose zur Anaärobiose Qber- 
gden, d. b. die Mikroben an die Anafirobiose sozusagen geradezu 
gewöhnen, wie es Scholl bei Cholerabacillen gemacht hat. 

7) Mit Hilfe dieser Apparate kann man den Einfluß verschiedener 
gas- und damp&rtiger Stofife auf Mikroben kennen lernen und 
dabei, da man verschiedene Arten von Mikroben gleichzeitig (in 
einem Apparate) kultivieren kann, den Grad des Verhaltens derselben 
unter dem Einflüsse dieses oder jenes Agens bestimmen. 

8) Der zweite Apparat kann außer seiner speziellen Bestimmung 
auch für andere Zwecke dienen. So kann er mit Bequemlichkeit die 
Apparate zum Sammeln gasartiger Produkte der Kultur ersetzen 
md giebt dabei die Möglichkeit, die GasbildungsOhigkeit derselben 
Mikroben unter aöroben und anaßroben Bedingungen zu vergleichen. 
Im ersteren Falle sflchtet man den gegebenen Mikroben im Apparate, 
ohne die Lufk daraus zu verdrängen; im zweiten verdrängt man 
dieselbe mit einem indifferenten Gase (z. B. N). Um die im Apparate 
entwidodten gasartigen Produkte zu sammeln, fahrt man von t^ ein 
Oommtröhrchen in das Gef&ß, welches mit Quecksilber oder Watte 
geflUlt und in einem Bade mit derselben Flflssigkeit versunken ist 
oad läßt durch t^ aus dem Gasometer N oder ein anderes Gas in 
den Apparat bineindringen. (Anstatt des indifferenten Gases kann 
man zum Verdränge der gasartigen Produkte auch Wasser ge- 
brauchen, indem man dasselbe durch t^ unter einem gewissen Drucke 
dnrcblifit) Die Geräumigkeit des Apparates läßt die Gasprodokte 

kaaa inmn Bocb Ii^eod eine Flflssigkeit (s. B. flflssige VueÜDe) gieBen; sn diesem 
Zveek«, wie mao ee ms der Zeichnnng sieht, stehen die Wftndehen des OeOfies etwas 
ttv dtn Stdpsal hervor. 



24 Wsewolod Labintki, Zar Methodik d«r Kvltor anaerober Bakterien. 

YOD einer großen Anzahl der Kulturen erhalten und gerade die 
Möglichkeit, diese gasartigen Produkte zu jeder Zeit in einzelnen 
Portionen, ohne den Apparat zu Offnen, zur Analyse zu sammeln^ 
macht diesen Apparat zu diesem Zwecke sehr verwendbar. 

FQr einzelne Dauerkulturen anaOrober Bakterien (in Kultur- 
röhrchen) bei voller Abwesenheit des Sauerstoffes bietet der 
Apparat Verbesserungen der L i bor ius 'sehen und Buchner 'sehen 
Methode. 

Bei Anwendung der Liborius 'sehen Methode nimmt man ein 
unter dem Halse vermittelst einer Lampe etwas verengtes Reagenz- 
glas mit einer seitlichen Bohre (Fig. 3), schließt es mit einem per- 
forierten Gummipfropfen, durch welchen ein kurzes, auf freiem Ende 
mit Watte bedecktes GlasrOhrchen eingefflgt ist und sterilisiert. 




Fig. 8. 

Duin wird der Apparat mit Ntiirboden gefallt, noch sterilisiert und 
geimpft. Zum Verdrängen der anwesenden Luft wird die seitliche 
Bohre oder je nach dem spezifischen Gewichte des Gases das durch 
Gummipfropfen durchgefOgte GlasrOhrchen mit dem gasentwickelndeu 
Apparate in Verbindung gesetzt; auf die andere Bohre (Abzugsrohre) 
wird ein langes GummirOhrchen aufgeschoben, welches in ein kleines 
Wulff'sches Glas führt, dessen einfilhrendes BOhrchen nicht be- 
sonders tief ins Wasser versenkt ist. Die letztere Anpassung dient 
als Abschlußmittel, um das Eindringen von Luft in den Apparat, 
wenn der Gasstrom aufhOrt, zu verhindern. Nadi Austreibung der 
Luft werden die seitlichen Bohren und die Verengung abgeschmolzen , 
wobei man die Beibenfolge nach der Bichtung des Gasstromes inne- 
hält; diese Beibenfolge ist deshalb unvermeidlich bei der Lotung, 
weil, wenn man die LOtung von dem Ende, wo das Gas herausge- 
leitet wird, anfängt, dann während der LOtung des anderen Endes 
das durch die Wärme ausgedehnte Gas, welches keinen Ausgang 



P. Nitseh« nsd W. W«ltner, Ueber einen neuen Hmntparmeiten etc. 



25 



findet, oft das gelötete Olas durchreißt und aufier den Gefahren, 
welche die Explosion der Mischung H mit Luft darstellt, die Luft 
in den Apparat hinein dringt und ist das Verfahren verfallen. 

Was die Buchner 'sehe Methode betrifft, so 
Terwende ich dieselbe einerseits, weil ein volles 
md rasches Sauerstoffeinsaugen mit der alkalischen 
Lösung von Pyrogalluss&ure nur bei dem Schütteln 
des Gef&Bes erreichbar ist, was in Buchner's 
Apparate mit Mühe gelingt, andererseits, weil der 
Gnmmistöpsel, mittels welchem der B u c h n e r 'sehe 
Apparat abgeschlossen wird, keinen sicheren Riegel 
ZOT Verhinderung der Gasdiffusion bietet, auf fol- 
gende Weise: In einem gewöhnlichen Glascylinder 
(Flg. 4) von 12 — 15 cm Höhe und 3 bis 4 cm im 
Dorchmesser, welcher fest durch einen geschliffe- 
nen Glasstöpsel geschlossen ist, gießt man 3—4 cm 
hoch die Buchner'sche Lösung und schiebt rasch 
einen breiten Pfropfen (ß) hinein, mit einem durch 
denselben gefügten eingeimpften Kulturröhrchen 
ond mit einer Reihe von ringsum gemachten Oeff- 
nongen. Nachdem man den Apparat mit dem 
St((p6el abgeschlossen hat und die Ränder des letz- 
teren paraffiniert sind, schüttelt man die Pyrogall- 
lOnmg 2—3 Minuten lang, was in diesem Apparate, dank der unbeweg- 
Hcfaen Stellung der Eulturröhren, leicht gelingt, wodurch der Sauerstoff 
nach eingesaugt wird, während das hermetische Verstopfen sein 
Eindringen von außen verhindert. 

Kiew, 12. Mai 1894. 




Wg. 4. 



üeber einen neuen Hantparasiten (Tetramitus 
Nitschei) an Goldfischen. 

Von 

P. Nitsehe und Dr. W. Weltner, 

Mit 4 Fignren. 

Im Jahre 1883 trat in den Aquarien des College de France in 
Paris unter den jungen, 8 Wochen alten Forellen eine Epidemie auf, 
die 80 lange dauerte, als junge Forellen in den Bassins waren (von 
An&Dg Februar bis Ende Mai). Fast der ganze Bestand dieser 
Tiere ging zu Grunde, täglich starben mehrere Hundert Die Krank- 
heitserscheinoD^en äußerten sich in der Weise, daß die Bewegungen 
der jungen Forellen verlangFamt wurden, sie kamen mit dem Bauche 
Btch oben gerichtet an die Vrasseroberfläche oder blieben, auf der 
Seite liegend, unbeweglich am Grunde des Bassins liegen und starben 
bald. Ih*. Henneguy untersuchte die erkrankten Tiere und fand 



26 P* Kitsch« und W. W«ltD«r, 

als Krankheitserreger einen infosoriellen Parasiten, den er Boda 
necator nannte und über den er das Folgende mitteilte ^): 

Die äußere Haut der Fische war so stark mit dem Schmarotzer 
besetzt, daß man kaum die einzelnen Epidermiszellen der Haut er- 
kennen konnte. Die Grestalt des Bodo war biraförmig, das spitze 
Ende ruhte auf der Epidermis des Fisches und saß hier so fest, daß 
man Teile der Fischhaut mit Beagentien behandeln und im Wasser 
stark hin und her bew^en konnte, ohne daß sich die Parasiten yon 
ihr ablösten. In welcher Weise aber das spitze Ende auf der Fisch- 
epidermis befestigt war, konnte Verf. nicht feststellen. Auf der Ober- 
fläche des Schmarotzers bemerkt man eine Furche, welche tou der 
Spitze bis an das breite Hinterende zieht und den Körper in zwei 
ungleiche Hälften teilt; in dieser Furche liegt eine Geißel« die noch 
weit über das Tier nach hinten hinausragt In der Mitte des Körpers 
liegt ein Kern und im Hinterende eine kontraktile Vakuole. Die 
Länge des Parasiten maß 0,02 mm, seine Breite 0,01 mm. 

Eine andere Grestalt als die eben beschriebuie zeigt das Tier, 
wenn es die Fischhaut verläßt, um im Wasser herumzuschwimmen. 
Während der auf der Epidermis des Fisches festsitzende Parasit ein 
spitzes Vorderende besaß und hinten breit abgerundet war, so sieht 
man, sobald der Bodo den Fisch verläßt, daß das vordere Ende 
breit wird, hell erscheint und einen dickeren Band hat, der sich 
nach hinten in das dunklere Hinterende fortsetzt. Das Tier hat 
jetzt die Gestalt eines Napfes angenommen; der Kern und die 
kontraktile Blase liegen im hinteren Ende. Statt der einen Geißel 
bemerkt man jetzt deren drei, welche aus der Mitte des Körpers 
hervorkommen und in der napfförmigen Aushöhlung desselben eine 
Krümmung beschreiben und frei über das Vorderende des Körpers 
in das Wasser ragen. Diese Geißeln sind von ungleicher Länge; 
diejenige, welche man an dem festsitzenden Parasiten in der Furche 
des Körpers nach hinten gerichtet sah, ist viel länger als die beiden 
anderen, die man, wie oben gesagt, an dem ruhenden Bodo über- 
haupt nicht zu Gesicht bekam. 

Die Fortbewegung dieses Schmarotzers ist eine ziemlich schnelle 
und geschieht in plötzlichen Sätzen, wobei sich das Tier oft um 
seine Längsachse dreht; bei dieser Bewegung sind die Geißeln nach 
vorwärts gerichtet 

Der Bodo necator ist ein echter Ektoparasit und geht bald 
zu Grunde, wenti er sich von seinem Wirte losgelöst hat. Bringt 
man den Parasiten in wenig Wasser auf den Objektträger, so wird 
er blasig und granulös und geht zu Grunde. Nach dem Tode des 
Fisches verläßt der Bodo seinen Wirt; es ist möglich, daß er als- 
dann andere junge Forellen aufsucht Ist aber in dem Bassin kein 
anderer Fisch als der gestorbene, so findet man später in dem 
Wasser weder den Bodo necator, noch dessen Ruhezustände. 

1) L. F. Henntguy, Note snr vn Infatoire üagtlU «otoparMlt« d« 1» Traite. 
(Areh. sool. exp. g^n. (%) T. II. 18S4. p. 408— 4U. PI. 21.) Nachdem Bfttsohli, 
Bronn't KUu. n. OrdD. d. Titrreichs, Potosoa. p. 829, daraaf hlngewiMtn hatte, daB 
der Ton Hennegay beschriebene Parasit nicht aar Gattung Bodo gestellt werden 
könne, hat E. Leciereq denselben Costia necatrix amgetanft. (BoU. Soc. beige 
de MioroMopie. Ann. XVI. 1890.) 



U«b«r ainen mo«» HMitparasitan (T«tnm!tii8 Nltsohei) an Goldflsclien. 27 

Die VermehraDg erfolgt durch Qaerteilang; einige Male beob- 
achtete Henneguy auch AndeutuDgeo von Längsteilang. 

DaS dieser Parasit wirklich die Krankheits- und Todesursache 
der jungen Forellen ist, bewies Verf. dadurch, daß er juoge, gesunde 
Fordlen zu den infizierten Fischen setzte; nach 2 Tagen starben die 
aafugfl gesunden Tiere und waren nun ganz mit dem Bodo be- 
setzt Ausgewachsene Fische, Larven von Fröschen und jungen 
ürodelen blieben dag^en von dem Bodo verschont. 

Dm die jungen Forellen von ihren Parasiten zu befreien, wurden 
im College de France verschiedene Mittel versucht Man setzte die 
kruike Forellenbrut in Bassins, deren Wasser durch Schwämme filtriert 
war, andere Forellen brachte man einige Augenblicke in Salzwasser 
nnd noch andere in ein Wasser, dem ein wenig Alkohol zugesetzt 
war und wieder andere in mit JodlOsung versetztes Wasser. In 
keinem Falle wurde eine Heilung der Forellenbrut herbeigeffthrt. Als 
der Bodo im Februar des folgenden Jahres wieder an den jungen 
Fotdlen auftrat, setzte man sie in 10- und in 20-proz. Salzwasser 
und brachte endlich auch noch Salz auf den Boden der Bassins, aber 
auch jetzt starben die Fische in großen Mengen. Die aberlebenden 
worden in ein großes Aquarium mit Sandgrund und Wasserpflanzen 
gesetzt und das Becken stark durchströmt, es gelang auf diese Weise, 
einige Hundert Forellen zu retten. Henneguy ist der Ansicht, 
daß sich die Fische in diesem Aquarium den Parasiten an dem Sande 
und den Pflanzen at^estreift oder abgerieben haben. 

Ibde Februar dieses Jahres beobachtete der eine (Nit sehe) von 
ans auf der Haut ausgewachsener Goldfische seines Aquariums in 
ongebeoerer Menge einen Parasiten, der in vieler Hinsicht mit dem 
von Henneguy beschriebenen Flagellaten übereinstimmt Die 
genauere Untersuchung wurde von Weltner zu einer Zeit ausge- 
fnhit, als ihm die Abhandlung von Henneguy noch nicht bekannt 
war, so daß eine genauere vergleichende Beschreibung des von 
Nitsche entded^ten Parasiten nicht gegeben werden kann. Von 
den Bodo necator Henneguy unterscheidet sich der in dem 
Aipoarium des Herrn Nitsche aufgetretene Ektoparasit durch 
seuie viel geringere Größe, durch den Besitz von vier Geißeln, durch 
das Fehlen der Lftngsfurche auf dem Kdrper, durch die Art der 
Fortbewegui^im Wasser und durch den Aufenthalt auf ausgewachsenen 
Fisdien. Ich (Weltner) stelle diesen Organismus einstweilen zur 
Gattang Tetramitus und nenne ihn Tetramitus Nitschei. 
Seine Gestalt ist wie die des Bodo necator bimf&rmig. Das 
spitze Vorderende sitzt den Epithelzellen der Fische ebenso fest auf, 
wie es Henneguy von seinem Parasiten angegeben hat. Schabt 
man ^was von der Fischhaut ab und bringt es unter das Mikroskop, 
so kann man an den freischwimmenden Tieren beobachten, wie einige 
von ihnen mit dem zugespitzten Vorderende wiederholt gegen die 
Pisch^idermiszellen anschwimmen und dieselbe betasten, wobei das 
Vordereode wie ein Finger gekrümmt und wieder gestreckt wird. 
WAhrend der am Fische ansitzende Tetramitus Nitschei etwa 
binftrmige Gestalt zeigt, bemerkt man an dem freischwimmenden 
Höre, daß dasselbe stark abgeplattet ist und in dieser Ansicht (von 
der Fl&che nämlich) eine ziemlich ovale Form hat; das vordere und 



28 P- Nitsch« nnd W. W«ltB«r, 

faiDtere Ende siDd gerundet und das Vorderende ist meist breiter 
als das hintere und oft abgestutzt. In der vorderen Hälfte liegt 
eine tiefe Mulde, die sich bis an den Vordenand erstreckt und seit- 
lich von dünnen Bändern begrenzt wird. Siebt man das Tier beim 
Schwimmen oder nach der Anheftung an die Fischhaut von der Seite, 
so erscheint die ganze eine Fläche konvex, die andere im vorderen 
Teile ausgehöhlt, diese Aushöhlung ist die eben erwähnte Mulde, 
welche im vorderen Teile von einem dünnen Saume umschlossen 
wird. Der Kern liegt etwa in der Mitte des Tieres, die kontraktile 
Vakuole im hinteren Ende. Letztere hat im Zustande ihrer Aubdeh- 
nung einen gröfieren Durchmesser als der Kern. Wie man sieht, 
gleicht der von uns beobachtete Parasit in seiner Form und in der 
Lage des Kernes und der kontraktilen Blase dem Bodo necator. 
Während aber dieser eine GrOfie von 0,02 mm Länge und 0,'01 mm 
Breite hatte, ist Tetramitus Nitschei nur 0,0136 mm lang und 
bis 0,0051 mm breit, wenn man ihn von der Seite gesehen mißt. 
Liegt er auf seiner breiten Fläche, so stellt sich die Länge zur Breite : 
0,0119 mm zu 0,0085 mm. 

Was nun die Anzahl der Geißeln betrifift, so habe ich an dem 
lebenden Tetramitus stets nur zwei lange Geißeln wahrnehmen 
können, von denen die eine bei der Bewegung oft nach hinten ge- 
richtet war und nachgeschleppt wurde. Als ich die Parasiten in 
gesättigter Sublimatlösung abtötete, zeigte es sich indes, daß vier 
Geißeln vorhanden waren, welche alle im Grunde der vorderen Ver- 
tiefung entsprangen und sich deutlich bis an den Kern hin verfolgen 
ließen. Zwei dieser Geißeln sind länger als die anderen. Ad so 
getöteten Tieren sieht man oft, daß sich die zwei längeren Flagellen 
um den Kern herumbiegen und beim Austritte aus dem Körper des 
Tieres seitlich von diesem abstehen (Fig. 2), und daß die zwd 
anderen kürzeren Geißeln nach vorn gerichtet sind. Die Länge 
der längsten von mir beobachteten Geißel betrug 0,026 mm. 

Die Bewegungen dieses Tetramitus äußern sich in ver- 
schiedener Weise. Im freien Wasser schwimmt das Tier gleichmäßig 
fort, das in der Flächenansicht breitere Ende meist nach vom ge- 
richtet, dabei dreht es sich um seine Längsachse. Einmal von den 
Zellen des Fisches abgelöst und im Tropfen unter dem Deckglase 
gehalten, ist das Tier nicht fthig, längere Zeit weiter zu leben, 
schon in V, Stunde oder in einer Stunde waren so isolierte Tetra- 
miten tot. Vor dem Absterben bewegen sich die Tiere äußerst schnell 
im Wasser fort, die einen überschlugen sich dabei fortwährend, 
andere legten sich auf die Seite und drehten sich in dieser Stellung 
fortwährend um einen Punkt herum, so zwar, daß das spitzere 
Vorderende im Mittelpunkte lag und das breite Hinterende um jenes 
rotierte (vergl. Fig. S). 

Die Diagnose, welche Klebs (Flagellatenstudien. Zeitschr. f. wiss. 
Zool. Bd. LV. 1893. p. 325) von der Gattung Tetramitus gegeben 
hat, lautet: „KOrper breit oder schmal eUR^rmig, hinten meist zu- 
gespitzt. Am Vorderende vier ungleich lange Geißeln, ungefähr von 
einer Stelle ausgehend. Seitlich eine verschieden gestaltete Mulde 
oder Furche, die Mundstelle. Kern stets im vorderen Teile des 
Körpers. Kontraktile Vakuole meist im Hinterende.*' Wenn ich 



Utk» «ioen nmteii HMtpuMiteD (Tetrsmitof Nitsehd) an Ooldflschen. 



29 



rniD den von mir beschriebenen Flagellaten in diese Oattang stelle, 
90 erlaabe ich mir damit auch die Diagnose des Genus dahin zu 
endtm), daß die Geifiein entweder am Vorderende stehen oder von 
der Mitte des Leibes ausgehen und daß der Kern entweder im 
vorderen Teile oder in der Mitte des Körpers liegt. 

Deber die Krankheitserscheinungen, welche der Tetramitus 
Nitschei an meinen Goldfischen herrorrief und über die Mittel, 
die nur Beseitigung des Parasiten bisher von mir eingeschlagen 
wurden, teile idi (Nitsche) Folgendes mit An einigen der Fische 



1. 



e.V.-'.. 



3. 




Fig- 1- Nseh dem L«hen| Ton der Bllohe geeehen. 
Fif. S~4. Kaeh AbtStnng in geeittigter Sablimatidsimg. 
Tig. S BDd 4 TOD dar Seite. 



Fig. 2 Ton der Fliehe, 



be&erkte ich einen weißlichen feinen Belag auf der Oberfläche, der 
u einem hiisekorngroßen Stückchen Epidermis bisweilen tausende 
der oben beschriebenen Flagellaten aufwies und schließlich in blut- 
rote Stellen an Schuppen und Flossen überging. Diese roten Flecke 
worden immer größer, dabei wurde die Freßlust der Fische geringer 
^ die Tiere magerten infolgedessen ab. Ein von der Krankheit 
ergriffener Fisch steht viel still unter der Wasseroberfläche und geht 
I^gsam ein, wenn er nicht rechtzeitig von wenigstens einem Teile 
der Parasiten, die er Öfter, wie die anderen tierischen Ektoparasiten, 
^ Bodengrunde an Pflanzen oder an den Glasscheiben abzustreifen 
^ht, befreit wird. Das erreicht man, wenn man sich etwa zehn 
ScfafisBdn mit frischem abgestandenem Wasser nebeneinander stellt 



30 Origiiuü-B«f«raU aas bakt«riologlfeb«D and parMitologitehtt lattitatoa ttte. 

and in jeder der Schüsseln den Fisch ffinf Miauten bel&ßt. Die 
Parasiten verlassen auf diese Weise den Fisch und werden danx: 
mit dem Wasser fortgegossen. Wird diese Procednr des öftere c 
wiederholt) mindestens 3 Tage hintereinander, so hat man auf kürzere 
Zeit nichts zu befürchten, dann aber treten die oben beschriebeoex] 
Symptome wieder auf, denn die, wenn auch nur wenigen übriggebliebeaec 
Parasiten haben bd ihrer Entwickelung günstigen Verhältnissen eine 
derartige Vermehrangsfahigkeit, daß der Fisch bald wieder von 
ihnen besftet ist, und solange wir nicht wenigstens ein unserei 
Preisaufgabe Teil 1 (vergl. Blätter für Aquarien- und Terrarienfreunde 
Bd. V. 1894. p. 14) entsprechendes Mittel gefunden haben, werden 
wir ^in zufriedenstellendes Ergebnis nicht erreichen. Die einige 
andere tierische Fischektoparasiten sicher vernichtenden Salz- and 
SalicylsäurelOsungen schaden in den Fischen unschädlichen Stärken 
dem Parasiten nicht, und Versuche mit einer großen Anzahl anderer 
Chemikalien hatten dasselbe negative Ergebnis. 
Berlin, 27. Mai 1894. 



Originai-Referate aus bakteriologischen und parasitoiogischen 
instituten, Laboratorien etc. 

Ans dem hygienisclieii Insütate zu OreUbwald. 

Die keimtötende Wirkung des Torfinulls'). 

Von 

Prof. F. Loefller und Dr. Rndolf Abel. 

Die Deutsche Landwirtschafts-Oesellscbaft wünschte die Beant- 
wortung folgender Fragen: 

1) Ist Zwischenstreu von Torfmull imstande, die AbtÖtung der 
in Fäkalien enthaltenen Keime ansteckender Krankheiten, speziell der 
Cholera sicher zu bewirken; unterscheidet sich der Torfmull diesbe* 
züglich je nach seiner Herkunft und Beschaffenheit? 

2) Wird die Sicherheit der AbtÖtung dieser Krankheitskeime 
vermehrt oder wird die Abtötung beschleunigt durch einen Zusatz 
von Stoffen zum Torfmull, welche dem Wacbstume der Kulturpflanzen 
mindestens nicht schädlich, wenn möglich, sogar nützlich sind? 

Um diese Fragen zu beantworten, wurden eine Reihe von Ver- 
suchen mit zwei Sorten von Torfmull mit und ohne Zusatz von 
Kainit und Superphosphatgips betreffs ihres Einflusses auf Cholera- 
Spirillen angestellt. Die Versuche waren so angeordnet, daß Cholera- 
bouillonkulturen in bestimmter Menge in Wasser- oder Präparaten- 
gläser gegossen und mit einem abgewogenen Quantum von Torf, ev. 
mit Zusatz der genannten Salze beschüttet wurden. Ein Durch- 
mischen von Torf und Kultur wurde, wie auch in allen späteren Ver- 
suchen, unterlassen, da unter natürlichen Verhältnissen ein Verrühren 

1) Arbeiten der Dentschen L&ndwirttehftfti-OeseUMhaft. Hefl 1. 



Baktori«n and Wasser. — BAkt«ri«D im Blate. 31 

dv infizierten Fäkalien mit dem Torfe ebenfalls nicht durchgeführt 
werden kann. In bestimmten Zeitintervallen wurden Proben ans der 
EoItorflOssigkeit oder dem damit durchfeuchteten Torfe entnommen 
nnd in Gelatineplatten ausgesät Es ergab sich, daß der schädigende 
EäiifliiS, welchen die Torfyroben allein auf die Cholerabacillen aus- 
übten, ein sehr geringer war, daß derselbe aber wesentiich erhöht 
werden konnte, wenn dem Torfe gleiche Oewichtsmengen Superphosphat- 
gips oder Kainit und Superpbosphatgips zugesetzt wurden. Da es 
nach den Versuchen wahrscheinlich wurde, daß die sauere Reaktion 
des Torfmulles, resp. der Salze, es war, was die Cholerabacillen un- 
günstig beeinflußte, so wurden weitere Experimente mit einem 2 Proz. 
Schwefelsäure haltigen Torfmull augestellt. Bei Versuchen mit Bouillon- 
kulturen zeigte sich, daß ein Zusatz Yon 50 Gewichtsproz. dieses 
Torfes in 2 Stunden, von 10 Gewichtsproz. Torf in 5 Stunden alle 
Cholerakeime abtötete. Wurden Faeoes mit Cholerabouillon vermischt 
nnd mit Torf überschüttet, so waren in 24 Stunden lüle Cholerakeime 
Temichtet, vorausgesetzt, daß die Menge des hinzugefügten Torfes 
mindestens dem Volumen der Fäkalien gleich war. Wird diese letzt- 
genannte Bedingung erfüllt, so kann demnach der 2 Proz. Schwefel- 
säure enthaltende Torfmull wohl als ein Klosettstreumaterial bezeichnet 
werden, welches geeignet ist, Cholerafaeces unschädlich zu machen. 

Weitere Versuche sollten den Einfluß des 2 Proz. H,SO^ ent- 
haltenden Torfmulles auf Typhusbacillen in Kulturen und Faeces er- 
kennen lassen. Es fand sich, daß die Schnelligkeit der Abtötung der 
Tjphnsbacillen im direkten Verhältnis stand zur Menge des ver- 
wendeten Torfmulles, zur Größe der Berührungsfläche zwischen Torf 
und bacillenhaltiger Masse und zum Säuregrade der letzteren. Im 
günstigsten Falle hatte in Bouillonkulturen oder Agarkulturauf- 
schwemmnngen der Typhusbacillen nach ca. 24 Stunden vollkommene 
AbtOtong der Mikroorganismen stattgefunden. In Fäkalien dagegen 
waren die Typhusbacillen erst nach 4 Tagen, gelegentlich sogar erst 
nach 12 Tagen zu Grunde gegangen. Demnach eignet sich dieser 
ImfmüJl nur als Zwischenstreu für Gruben, in welchen die Fäkalien 
wodienlang' lagern, nicht aber für. häufiger gewechselte Tonnen 
oder Kübel, wenn man auf eine sichere Abtötung der etwa darin ent- 
haltenen Typhusbacillen will rechnen können. 

Eigenreferat (Abel- Greifswald). 



Refsrats. 



Glfolloiiey I microorganismi delle acque delT ospedale 
aecoQdario di Portovenere. (Giornale medico del R. 
Esercito e della R Marina. 1893.) 
Beschreibung Yon 19 neuen im Wasser sich findenden Kokken- 

und Badllenarten. Abel (Greifswald). 

Bttlinger, Charles» Etüde sur le passage des microbes 
pathog&nes dans le sang. [Tb^.J 4^ 147 p. Paris 189S. 



32 BakUri«ii and Blut. — loflatnsa. 

Die Arbeit gliedert sich in den schematischen Ueberblick einer 
infektiösen Krankheit mit den Beweisen der Blatinfektion and der 
Technik der Blatuntersuchung, während der zweite Teil sich befaßt 
mit der Infektion , welche verursacht ist darch Streptokokken , 
Staphylokokken, Pneumokokken und dann das typhdse Fieber, die 
Tuberkulose, die puerperale Eklampsie etc. bespricht. 

Beim typhösen Fieber ist die Infektion auf das Lymphsystem 
beschränkt, aber in einer kurzen Spanne Zeit enthält das Blut selbst 
Mikroben, welcher es sich freilich auch wieder entledigt 

In der Tuberkulose ist die Blutinfektion besser charakterisiert 
und man trifft stets Bacillen in der Blutbahn der Erkrankten. 

In den Krankheiten , welche durch den Pneumococcus, 
Streptococcus und durch Staphylokokken verursacht werden, ist die 
Blutinfektion durchweg als eine sehr seltene zu bezeichnen. Der Mensch 
verfQgt über eine relative Immunität diesen Mikroben gegenüber, 
welche den meisten Tieren abgeht Diese kann man nach der Em- 
pfänglichkeit in drei Kategorieen teilen. Die einen sind vorzugsweise 
der Infektion unterworfen, wie die Mäuse der durch den P n e u m o - 
coccus oder den Streptococcus, andere erfreuen sich einer 
relativen Immunität, wie der Mensch z. B. gegenüber der Pneumonie 
und dem typhösen Fieber; die dritte Abteilung ist den Keimen 
gänzlich unzugänglich. Auch dem Menschen gegenüber verhalten 
sich manche Ansteckungsstoffe ähnlich. So ist die Syphilis der ersten 
Gruppe zuzuzählen, die Diphtheritis ist der geeignetste Vertreter 
einer anderen. E. Roth (Halle a. S.). 

Bftumler, Ch«, Die Influenzaepidemie 1893/94 in Freiburg 
i. B. (Münchener med. Wochenschrift 1894. No. 9.) 

Bei dieser Epidemie konnte die Diagnose schon bei dem 3. auf- 
genommenen Falle mit Sicherheit aus dem Vorhandensein der Pfeiffer- 
schen Influenzabacillen gestellt werden. Es ist dies um so bemerkens- 
werter, als man bei den Kranken zunächst gar nicht daran dachte, 
daß es sich um lofiuenzakatarrh und -Pneumonie handelte. Bald 
begann die Krankheit im Hospitale sich in einzelnen Sälen auszubreiten ; 
nachdem ein Kranker von draußen in ein Krankenzimmer aufgenommen 
war, begannen die darin schon befindlichen Patienten der verschieden- 
sten Art unter den klinischen Erscheinungen der Influenza (Fieber, 
Kopfschmerz, katarrhalische Erscheinungen, Gelbfärbung der Sklera, 
geringe Milzvergrößerung) zu erkranken. Auch bei einer Anzahl 
solcher Hospitalinfektionen wurden die Bacillen gefunden. Der kon- 
tagiöse Charakter war bei dieser Epidetnie deuüich ausgeprägt und 
konnte gut verfolgt werden, da die Entwickelung eine langsame war. 

Sehr bemerkenswert sind 4 Fälle, in welchen bei scheinbar 
typischer krupOser Pneumonie zuerst nur Diplokokken von 
dem Aussehen der Fraenkel-Weichselbaum'schen gefanden 
wurden, etwas später aber der Nachweis der Influenzabacillen ge- 
lang. „In diesen Fällen war im Anfange nur das gewöhnliche rostfarbige, 
glasig-zähe Sputum vorhanden, und erst im Stadium der Lösung, 
wobei der Auswurf reichlicher und eiterig wurde, fanden sich dann 
auch die Influenzabacillen. Hier hatte es sich zweifelsohne von Anfang 
an um Influenza, kompliziert mit krupöser (Diplokokken-) Pneumonie 



Bacillas pyocyanras. 3^ 

gehandelt, aber erst als die Bronchitis mit reichlichem Auswurfe einher- 
ngehen anfing, wurden aus der Tiefe, aus einzelnen feinen Bronchien» 
die inzwischen daselbst in Reinkultur gewachsenen Influenzabacillen 
emporgehustet.^' 

In einigen Fällen, bei denen der Nachweis der Influenzabacillen 
nicht oder erst später gelang, fanden sich Reinkulturen eines Goccus 
teils frei im Schleime, teils nach Art der (xonokokken in den Eiter- 
zellen liegend. Verf. hält denselben vielleicht mit dem von Seifert 
in den Volckmann'schen Heften (1884. No. 240) beschriebenen 
identisch und hat den Goccus schon Öfter als einzigen bei akutem 
Katarrh der Luftwege gesehen. 

Das Studium der Lebenseigenschatten des Pfeif fernsehen Ba- 
cillus wird nach der Ansicht des Yerf.*8 auch die epidemiologischen 
Fragen klären. Da der Influenzabacillus außerhalb des KOrpers 
nicht lange lebensfähig beibt, so kann iQr die Forterhaltung und zeit- 
weise auftretende massenhaftere Verbreitung der Bacillen nur an die 
Möglichkeit gedacht werden, daß dieselben in einzelnen Kranken, wohl 
nur in mit (ironischen Erkrankungen der Lungen und Luftwege Be- 
hafteten, sich lange halten, beziehungsweise sich, ohne weitere Er- 
Bcheinangen zu machen, vermehren können. Unter den während der 
Epidemie in der Klinik beobachteten Fällen waren ein paar Mal noch 
4 Wochen nach dem B^nne der Erkrankung in der vorgeschrittenen 
B^onvalescenz Influenzabacillen im Auswurfe nachweisbar. Durch 
solche Individuen könnte die Krankheit unter begünstigenden äußeren 
Verhältnissen leicht auf andere empfängliche übertragen werden. 

Dieudonn6 (Berlin). 

Kossei, Zur Frage der Pathogenität des Bacillus pyo- 
cyaneus für den Menschen. (Zeitschr. für Hygiene und 
Infektionskrankh. Bd. XVL Heft 2. p. 368—372.) 

Eine ganze Anzahl Arbeiten beschäftigen sich neuerdings mit 
dem Bacillus pyocyaneus und suchen zu entscheideD, ob der- 
selbe für Menschen pathogen ist oder nicht Verf. beobachtet das 
Vorkommen vonBacillus pyocyaneus in eiterigem Exsudate bei 
Otitis media und konnte konstatieren, daß derselbe, der sich beim 
Erwachsenen meist als unschuldig erwies, für den jugendlichen 
Körper, speziell im Säuglingsalter, im höchsten Grade gefährlich 
werden kann. 

Die Krankengeschichten von 4 Fällen werden im Auszuge mitge- 
teilL Unter 52 bakteriologisch untersuchten eiterigen Exsudaten aus 
der Paukenhöhle von Säuglingen fand K. den Pyocyaneus 8mal, 
in 3 Fällen bei der Sektion auch im Blute. Die kulturellen Merk- 
male der gefundenen Pyocyaneusbacillen entsprachen in jeder Hin- 
sicht dem bekannten Bilde, zeichneten sich sogar durch intensive 
Farbstoflfbildnngen und starke Virulenz für Meerschweinchen aus. 
Die Temperaturkurve der letzteren sank erst kurz ante mortem, im 
G^ensatze zur Cholera. 

Verf. kommt zu dem Endresultate, daß der Pyocvaneus von 
Hautwunden aus sekundär schädlich, aber nicht invasiv pathogen wirken 
kann. Im kindlichen Organismus wirkt er entweder direkt durch 

ZVLBi. * 



34 SepsU, Pyimie und Osteomyelitis. 

Invasion in die Blutbahn und als Erreger von Leptomeningitis oder 
indirekt durch seine giftigen StofTwechselprodukte und ist daher für 
den Menschen im Kindesdter als pathogen anzusehen. 

O. Voges (Danzig). 

Canon, P., Zur Aetiologie der Sepsis, Pyämie und 
Oste^omyelitis auf Grund bakteriologischer Unter- 
suchungen des Blutes. [Aus dem städt. Erankenhause 
Moabit (Berlin), chirurgische Abteilung des Herrn Prof. Dr. 
Sonnenburg.] (Deutsche Zeitschrift für Chirurgie XXXVII. 5 
und 6.) 
In der Einleitung bespricht Verf. zunächst die Technik der 
Blutgewinnung fQr die Untersuchung. Da die Untersuchung 
des lebenden Blutes, sei es, daß man es durch Einstich mit 
einer Nadel aus der Fingerkuppe oder durch Einführen einer Pra- 
yaz 'sehen Spritze in eine oberflächliche Hautvene (Vena mediana) 
gewinnt, vielfachen Fehlerquellen unterworfen ist, so verlangt G. stets 
Als Kontrolluntersuchung die des Blutes einer oberflächlichen 
Armvene so kurze Zeit als möglich nach dem Tode. Zahlreiche 
Beobachtungen haben ergeben, daß die Anwesenheit von Mikroorga- 
nismen kürzere Zeit (bis zu 24 Stunden) nach dem Tode in einer 
Armvene ein absolut sicheres Zeichen dafür ist, daß dieselben Keime 
auch schon im lebenden Blute kreisten. Nicht einwandsfrei dagegen 
ist die Untersuchung des Herzblutes, weil in dieses von den Lungen 
aus Keime hineinwuchero können. Die Untersuchung des 
Leichenblutes aus der Armvene ist wichtig in jedem 
Falle, bei dem irgendwie Verdacht auf Sepsis vorliegt. 
Da die Zahl der Bakterien nach dem Tode rasch zunimmt, so 
empfiehlt es sich, sobald als möglich zu untersuchen. Impft man 
aus dem lebenden Blute, so muß man, um überhaupt ein Resultat 
zu erbalten, große Mengen verwenden (30—40 Oasen der Platin- 
nadel). 

Die Untersuchungen Canon 's erstrecken sich auf 70 Fälle von 
Sepsis, Pyämie und Osteomyelitis; nach ihrem Verlaufe teilt er sie 
in drei Gruppen, je nachdem bei Anwesenheit von Mikroorganismen 
Metastasen bestanden oder nicht; und in solche, wo Metastasen ohne 
Anwesenheit von Keimen im Blute vorhanden waren. 

I. Positiver Blutbefund ohne Metastasen. 
Unter diese Gruppe fallen 20 Beobachtungen; in dem Blute 
der Armvene nach dem Tode fanden sich in der großen Mehrzahl 
der Fälle Streptokokken, seltener Staphylokokken, einmal 
wurden Pneumokokken, ein ander Mal das Bacterium coli 
und in einem dritten Falle ein nicht genau zu differenzieren- 
der Bacillus (a) gefunden. Dieselben Pilze fanden sich in den 
primären Herden mit der Einschränkung, daß in zwei Fällen, wo 
sich primär neben Streptokokken der Staphylococcus albus 
fand, nur die ersteren im Blute der Vene nach dem Tode aufge- 
funden wurden. Das lebende Blut wurde sieben Mal untersucht, 
dreimal davon mit positivem Erfolge. 



Sepsis, Pyimie und Osteomyelitis. 35 

IL Positiver Blutbefund mit Metastasen. 

Diese Gruppe umfaßt wieder 20 Fälle; 11 von diesen Fällen 
haben die verschiedensten primären Eingangsherde, 5 sind Ost eo» 
myelitiden und 3 septische Erkrankungen im Anschlüsse an C h o 1 e - 
lithiasis« 

Bei den ersten 11 Fällen mit verschiedenen Primärherden wur- 
den*in allen Herden und im Blute nach dem Tode meist Strepto- 
kokken oder Staphylokokken, in einem Falle Pneumo- 
kokken, in einem anderen ein großer unbestimmbarer Bacillus 
geftiDden. Das lebende Blut wurde in 5 Fällen, darunter in 4 mit 
positivem, jedoch so wechselndem Resultate untersucht, daß diese Be- 
fimde geeignet sind, eher die Wertlosigkeit der Blutunter- 
SQchung während des Lebens bei Sepsis zu beweisen. 

Was die 5 Fälle von sehr schwerer Osteomyelitis anbetraf, so 
wurde hier das lebende Blut stets mehrfach und uur in einem Falle 
mit negativem Erfolge untersucht. Es fand sich meist im lebenden 
Blute und im Eiter der Staphylococcus aureus, einmal der 
albus und einmal ein Diplococcus. Außerdem wurden noch 3 
Fälle leichter Osteomyelitis mit negativem Kutbefunde untersucht, 
in deren Eiter sich Staphylokokken fanden. Aus den Blutbefunden 
scheint hervorzugehen, daß „bei Osteomyelitis sich verhält- 
nismäßig leicht Eiterkokken im lebenden Blute nach- 
weisen laasen^^ 

Von besonderem Interesse ist es, zu lesen, daß Canon, auf die 
Aetiologie der akuten Osteomyelitis zurückkommend, 
ganz die Anschauung entwickelt, wie sie Referent schon früher ver- 
treten hat (Münchener medizinische Wochenschrift. 1893. 47 und 48). 
Wenn er auch, wie Jordan, die Osteomyelitis acuta als eine 
pyämische Erkrankung der Wachstumsperiode auffassen will, so 
muß er doch die Einschränkung machen, daß die Staphyokokken 
besonders geeignet sind, bei Kindern Knochenmarkerkrankungen zu 
verursachen. Er glaubt, daß unter den Staphylokokkenpyä- 
mieen der Entwickelungsperiode die größte Mehrzahl 
Osteomyelitiden sind, während sich nur ein verschwindend 
kleiner Teil von Streptokokkenpyämieen als Osteomye- 
litis zeigt Die Osteomyelitis ist also die Staphylokokken- 
pyämie der Wachstumsperiode. 

Wenn in diesem letzten Satze Canon auch die Ansicht des 
Refnenten von der ätiologischen Bedeutung der Staphylo- 
kokken wiedergiebt, so glaubt dieser doch auch hier darauf auf- 
merksam machen zu müssen, daß Fälle von wirklicher akuter 
Osteomyelitis durch andere Erreger als die Staphylokokken beim 
Menschen bisher überhaupt noch nicht beobachtet sind. Auch der 
hier vom Verf. beschriebene, durch Diplokokken erzeugte Osteomye- 
Htiifall kann nach des Ref. Ansicht nicht als solcher aufgefaßt 
werden; es handelt sich nur um eine periostische Erkrankung. 
Während die Staphylokokken bei Kindern im Allgemeinen Osteomye- 
litiden erzeugen, rufen andere Pilze (Streptokokken, Typhusba- 
cillus, Pneumokokken, DiphtheriebaciUen u. a.) Periostitiden 
iedoch auch bei Erwachsenen hervor. Für den Typhusba- 

8« 



36 BroncbopoMimoiiie. 

eil las ist diese Ansiebt des Ret neaerdiags durch Vidal nnd 
Chantemesse bestätigt worden, welche in 14 Fällen sogenannter 
Typhusosteomyelitiden aoßer periostitischen Veränderungen einen 
Enochenherd nicht fanden. 

In der dritten Gruppe yon Erkrankungen nach Cholelithia- 
sis wurden Pneumokokken und Staphylokokken gefunden. 

UL Negativer Blutbefund und Metastasen. 

Die Erkrankungen dieser Gruppe, welche im Anschluß an alle 
möglichen Ursachen (Phlegmone, C)oxitis, komplizierte Fraktur, Ab- 
ort, Entbindung) auftraten und nie entweder intra oder post vitam 
einen positiven Blutbefund ergaben, zeichnen sich durch einen meist 
sehr langen Verlauf ans. Sie haben mit der weitbeschriebenen 
Gruppe das Uebereinstimmende der Metastasenbildung. Diese 
Metastasenbildung muß erzeugt sein durch das Einschleppen von 
Keimen ins Blut Während nun aber bei der Gruppe II diese Keime 
im Blute sich vermehren, verschwinden sie hier wieder. In der 
„Vermehrung von Mikroorganismen im Blute, anderer- 
seits in der Einschleppung derselben ins Blut ohne Ver- 
mehrung, wird der Hauptunterschied zwischen Sepsis und 
Pyämie im Wesen bestehen^S Die Fälle der IIL Gruppe gehören 
also zur Pyämie; die Pyämie ist im Wesen nicht eine Allge- 
meininfektion in dem Sinne, daß die Bakterien im Blute selbst zur 
Vermehrung kommen; diese setzen sich vielmehr nur da an, wo sie 
mit Hilfe größerer Emboli hingelangt sind, während sie im Blute 
selbst bald zu Grunde gehen. 

Aetiologisch unterscheiden sich Sepsis und Pyämie dadurch, 
daß bei der Sepsis die Vermehrung von Eitermikroorganismen im 
Blute das Wesentliche ist, während das Wesen der Pyämie in der 
bloßen Durchschleppung von Eiterkokken auf dem Blutwege und «der 
Metastasenbildung beruht Bei beiden Krankheiten wenlen Eiter- 
kokken ins Blut eingeschleppt. 

Zum Schlüsse giebt Verf. eine Besprechung ttber die Tozin- 
wirkungen; als Resultat derselben ergiebt sich: „Die Toxine 
allein ohne Mikroorganismen führen bei der Sepsis nur sehr selten 
zum Tode; wenn die Diagnose „Intoxikationssepsis^ gestellt wird» 
müssen andere Umstände, welche als Todesursache in Betracht 
kommen, auszuschließen sein.^ Kurt Mflller (Halle). 

Alfleri, Nota batteriologica su un caso di Broncopol- 
monite fetida. Milano (Vallardi) 1893. 
In einem Falle von Bronchopneumonie züchtete A. aus dem 
fttiden Bronchialsekrete einen Bacillus, welcher ähnlich dem 
Typhusbacillus wuchs, aber sich nach Gram filrbte und in 
Kulturen Gestank produzierte. Derselbe bildete keine Sporen, wuchs 
auf Kartoffeln in der Farbe des Substrates und verflüssigte Eiweiß, 
Eigenschaften, welche ihn vom Bacillus lactis aörogenes und 
den drei Rosen b ach *schen saprogenen Bacillen trennen lassen. 
Für Versuchstiere schien er mehr giftig als virulent zu sein. A» 
identifiziert den Organismus mit einem von Bern ab ei bei derselben 
Erkrankung gefundenen. Abel (Greifewald). 



Peritonitit. — Endocarditis. — StomatftU. 37 

SordolUeti Louis, P6ritoiiite sans Perforation et bac- 
terium coli commane. 4^. 41 p. Paris 1893. 

Die Beobachtangen führen Verf. dazu, dem Bacterium coli 
com man e allein eine große Reihe der Bauchfellentzttndangen ohne 
Perforation zuzuschieben. Der Weg des Bacillus durch die 
Wandung wird bald durch eine kleine Abschuppung im Epithel der 
Schleimhaut, bald durch eine tiefergehende Verletzung der Wände, 
bald durch eine Schwächung in der Ernährung gebahnt. 

Einmal im Peritoneum angelangt, verbreitet sich der Es eher ich- 
sehe Bacillus rapid durch den ganzen Körper; man trifft ihn in 
der Leber, der Milz, den Nieren, der Lunge, bis in das Gehirn. 

K Both (Halle a. S.). 

J>imoff, Jean, Contribution ä Tötude des endocardites 
infectieuses. Endocardite infectieuse apyrötique. 
[Th^.] 4<». 50 p. Montpellier 1892. 

Den verschiedenen Abarten der infekti^Vsen Endocarditis ist eine 
neue an die Seite zu stellen, welche ohne Erhöhung der Temperatur 
imd physische Zeichen vor sich geht. 

Die sämtlichen afiroben Mikrokokken vermögen wahrscheinlich 
diese Krankheit hervorzurufen. 

Es giebt eine infektiöse Endocarditis, in welcher das patholo- 
logiache ^ens nicht von außen kommt. 

In diesem Falle handelt es sich um Mikroben, welche sich im 
oonnalen Zustande indifferent verhalten, in besonderen Fällen aber 
pathogen werden. K Roth (Halle a. S.). 



lyA^yLa bocca di quelli che fanno eure mercuriali. 
(La Biforma med. 1893. p. 247, 248.) 

Die merkurielle Stomatitis wird von einigen Autoren auf eine 
dirdcte Wirkung des Quecksilbers zurückgeführt, von Anderen wird 
wieder angenommen, daß der Gebrauch des Quecksilbers an der 
Mundschleimhaut nur einen Locus minoris resistentiae schafft, an 
welebem Agentien fortkommen, welche mit einem heftigeren pathogenen 
Vermögen aas gestattet sind, als jene, die man auf der Mundschleim- 
haat gesunder Menschen gedeihen sieht 

Um der Entscheidung dieser Frage näher zu rücken, unternahm 
R. die Arten der auf gesunder und auf obige Weise erkrankter 
Mundschleimhaut vorfindbaren Mikroorganismen zu prüfen. 

Seine zahlreichen, mittels Bouillon- und Peptonagarkulturen aus 
dem Speichel gesunder und kranker Personen ausgeftlhrten Unter- 
suchungen ergaben nun, daß bei merkurieller Stomatitis Mikroorga- 
nismen regelmäßig nachweisbar sind, welche im Speichel Gesunder 
nur ausnahmsweise vorkommen. Es sind dies insbesondere ein gelber 
Traoben- und ein verflüssigender Kettencoccus. 

Dieses Ergebnis sagt uns demnach, daß sich bei merkurieller 
Stomatitis in der Mundhöhle Mikroorganismen ansiedeln, welche auf 
normaler Schleimhaut nur ausnahmsweise ihr Fortkommen finden. 

Kamen (Czernowitz). 

Chapouui» Benla, Les microbes urinaires en g6n6ral et 
rUrobacillus liquefaciens septicus en particulier. 



38 UrobteUln« liqvefAeieni septievs. 

Contribation k T^tude de la pathogönie de Tin- 
fectioD urinaire. [Thtee.] 4^ 65 p. Montpellier 1893. 

Man vereinigt heutzutage unter der Bezeichnung Infektion der 
Hamorgane alle lokalen Zufälle, welche die Folge bUden von einer 
Vermehrung und Ansammlung von Mikroorganismen in den Geschlechts- 
wegen, wie auch die allgemeinen Erscheinungen, welche in der Blat- 
cirkulation durch die Verbreitung dieser Mikroorganismen oder ihrer 
Sekretprodukte entstehen. Die Worte Cystitis, Pyelonephritis, urinöse 
Vergiftung u. s. w. bezeichnen keinesw^ genaue krankhafte Einheiten^ 
sondern stellen nur Wirkungen ein und derselben Ursache, der In- 
fektion dar, welche sich je nach der Natur der Angrifbstelle yer- 
schiedenartig entwickeln. 

Um die Arbeit nicht zu weitl&ufig werden zu lassen, beschränkt 
sich Chapman darauf, nur den Urobacillus liqnefaciens 
septicus seinen Untersuchungen zu Grunde zu legen, zumal die 
Gruppe des Bacterium coli, welche Gelatine nicht yerAQssigt» 
im Gegensatze zu der anderen, welcher diese Eigenschaft zukommt, 
in letzter Zeit den Gegenstand zahlreicher Arbeiten bildete. 

Der erste Teil enthält alles, was wir bisher über die Harn- 
bakteriologie wissen, identifiziert die Mikroben, welche trotz Ueber- 
einstimmung verschiedene Bezeichnungen tragen und teilt sie nach 
einem einfachen und bequemen Verfahren ein. Die zweite Abteilang 
beschäftigt sich speziell mit dem Urobacillus liquefaciens 
septicus in bakteriologischer Hinsicht, während der Schluß klinischen 
und experimentellen Erörterungen gewidmet ist. 

Rovsing beschäftigte sich, um die Vorgänger hier nicht zu 
berühren, hauptsächlich mit den Mikroben des Urins ; nach ihm teilt 
man sie ein in pyogene und nichtpyogene. Zu ersteren gehören Ba- 
cillus tuberculosus, Staphylococcus pyogenes aureus^ 
albus, citreus, ureae, Diplococcus pyogenes ureae, 
Goccobacillus pyogenes ureae, Micrococcus pyogenes 
ureae flavus; die letzteiren umfassen Diplococcus ureae 
trifoliatus, Streptococcus ureae rugosus, Diplococcus 
non pyogenes ureae, Goccobacillus ureae non pyogenes. 

Vier Wege vermitteln nach demselben Forscher den Eingang der 
Infektion : Die Urethra, Entzttndungsverbreitung eines benachbarten 
Organes, die Nieren, die Gefäße. 

Verf. vereinigt die Arten, welche Bovsing als pyogen und nicht- 
pyogen bezeichnet, unter einen Namen und giebt folgende Uebersicht : 

{UquefaeientM UrobadUiu Uqaefaciras tepticot 

«ft« ii»«.A.«u»*«. i B»cteriam coli comman« 

SUpbyloooceas aareus 
„ albus 

,, citreus 



Microeocci 



liqaefacientos 



j, liqnsfadsDS 

Diploeocciis sabflaTiis 

non liqnefaclentes | Strapto««»" «rysIlHÜ^tis 
V uwu iiHuoLvniuM» ^ MicTOCoccus albicans amplns 

Ueber die morphologischen Eigenschaften des Urobac liquef. 
septic. können wir hier wohl als bekannt hinweggehen ; die Lebens- 
dauer ist sehr beträchtlich, die Vermehrung nahezu als unbegrenzt 



Bacterinrie. — Cystitis. 39. 

anzusehen; die pathogenen Eigeoscbaften sind sehr offenbar. Mäuse 
starben in kurzer Zeit, Kaninchen überdauerten eine Woche kaum; 
subkutan und in das Bauchfell eingespritzt trat sofort Eiterung auf. 
Bouülonkulturen erwiesen sich virulenter als solche von Gelatine, 
Agar oder Blutserum. Der Bacillus erzeugt ein Ptomafn, welches 
eine ähnliche, nur etwas schwächere pathogene Wirkung ausübt. 

Den Schluß bildet der Ausspruch: „Unser Bacillus ist derselbe,, 
welchen Krogius entdeckt und studiert hat, welchen Doyen halb 
and halb erkannte und dem Schnitzler wie Reblaub wertvolle 
Untersuchungen gewidmet haben." Roth (Halle a. S.). 

Krogius, Sur la bact^riurie. (Annales des maladies des organea 
g^nit. Urin. HI. 1894.) 

Unter „Baktcriurie*' versteht der Verf. ein ziemlich seltenes 
Krankheitsbild, das sich besonders bei Individuen findet, die mit 
Katbetern und Sonden behandelt sind, oder bei solchen, die in un- 
gesunder Malariagegend leben oder wie die Mediziner in den Sezier- 
sälen in schlecht ventilierten Zimmern arbeiten oder endlich bei 
solchen, die einen Prostataabsceß hatten, der sich nach dem Rek- 
tum entleert hat Ein Umstand, der die Affektion zu einer sehr 
interessanten macht, ist der, da£ die Bakteriurie, ohne Symptome 
Ton Seiten der Blase zu machen, oft zu schweren Symptomen einer 
Allgemeininfektion führen kann, deren Ursache sich nur durch eine 
genaue Untersuchung des Urins finden läßt. 

K. bringt 8 Krankengeschichten — fast ausschließlich selbst 
beobachtete Fälle — nach denen er das Krankheitsbild folgender- 
maßen schildert. Der Urin hat eine leichte opake Färbung — wie 
wenn feiner vreißer Staub in der Flüssigkeit suspendiert wäre und 
leichte Wolken bildet. Er hat meist einen fötiden, ekelerregendeu 
Gerach, reagiert sauer, ist frei von Eiweiß. Beim längeren Stehen 
wird die Trübung noch stärker. Bei der mikroskopischen Unter- 
BQchang zeigt sich nur sehr wenig Eiter, dagegen eine enorme Menge 
von Bacillen; dieselben sind beweglich, an den Enden abgerundet,, 
oft isoliert, oft auch zu zweien und in Ketten. Zumeist ist es das 
Bact coli commune, das sich oft in Reinkultaren findet. 

Bisweilen kommt es zu sehr heftigen Allgemeinerscheinungen. 

Ueber die Pathologie und Pathogenie der Affektion ist wenig zu 
sagen; es bleibt sehr auffallend, daß in diesen Fällen das Bact. coli 
commune nicht zu einer Gystitis führt; K. erklärt sich das durch 
das Fehlen der Retentio urinae oder einer andern causa adjuvans. 

Die Prognose hängt von der rechtzeitig gestellten Diagnose ab. 
Bei riditiger Therapie pflegt die Affektion sehr schnell zurück- 
zugehen. Das beste therapeutische Agens ist Arg. nitr. entweder in 
lostillationen ^1^^ oder Ausspülungen ^/gooo* Lasch (Breslau). 

Hnber, A^Zur Aetiologie der Cystitis. (Virchow's Archiv^ 
CXXXIV. 2. 1893. November.) 
Nach einer kurzen historischen Einleitung, der Besprechung der 
Befunde von Bumm, Rovsing, Clado, Albarran und Hall6, 
Achard und Renault, Moreke, Krogius, Schnitzler und 
Wreden geht H. auf eigene Beobachtungen über. Unter 6 Fällen 



40 Tierische ParMitoii. — PflaoMnknmkbelton. 

von Cystitis beobachtete er in fttnfen Stäbchen, beim sechsten 
einen Streptococcus. Drei von den gefundenen Bacillen glaabt 
er unter die Gruppe der Eolonbacillen rechnen zu können, uod 
zwar zu den Abarten, wie sie von Boy sing als transparente und 
opake Variation beschrieben sind. Die Beobachtung VI, welche einen 
Streptococcus betrifft, sieht er als unvollständig an. Diebeiden 
sonst noch gefundenen Bakterien, welche sich bei Tieren schwer toxiscb 
erwiesen, lassen sich unter keine bisher bekannte Gruppe bringen. 

Im allgemeinen glaubt er, daß zum Znstandekommen der Cystitis 
die Anwesenheit der spezifischen Mikroben nicht genügt ; eine Alte- 
ration der Blase anatomischer oder funktioneller Art ist Vor- 
bedingung; eine zweite Forderung ist die, daß der in die Blase ge- 
langte Mikrobe ohne freien Sauerstoff gedeihen kann. In 
klinischer Hinsicht kann er die Angaben Mttller*s bestätigen, welcher 
den Harn auch nichttuberkulöser Blasenkatarrhe in der größten Mehr- 
zahl der Fälle nicht alkalisch, sondern sauer fand; er berechnet in 
65,7 Proz. sauere, in 34,3 Proz. alkalische Reaktion und in 23,8 Proz. 
ammoniakalische Gärung. Diese Angaben sprechen durchaus für das 
Ueberwiegen des saueren Blasenkatarrhs. 

Kurt Malier (Halle). 

Wheeler, A. S», 1) Einige Beobachtungen Aber innere 
Parasiten bei Haustieren. (The Veterinarv Magazioe. 
1893. p. 37—38.) 

2) Bemerkungen, gemacht in dem Schlachthause 

der Crescent city. (Ibid. p. 117—118.) 

In dem ersten Aufsatze berichtet der Verf. Aber 8 Fälle von 

Filaria immitis bei Hunden und erklärt sie fttr die häufigste, 

wenn nicht einzige Ursache der Wassersucht in den SAdstaaten. Die 

Besprechung geht yom klinischen Standpunkte aus. 

In der zweiten Arbeit giebt der Verf. an, daß in dem Schlacht* 
hause yon New-Orleans wJ^rend des Jahres 1891 die Lebern von 
2Ö00 Rindern wegen der Gegenwart des Di Stoma hepaticam 
verworfen worden sind. (Wahrscheinlich bezogen sich viele dieser 
Fälle auf F. magna. Ref.) Der Verlust wird auf 1900 $ geschätzt. 
Hydatiden von Taenia echinococcus sollen bei Schweinen ganz 
gemein sein. Stiles (Washington, D. C). 

JanetyCh., Sur les nömatodes des glandes pharyngiennes 
des fourmis. (C. R. Ac. sc. Paris. T. CXVII. 1893. p. 700—708.) 
In den PharynzdrAsen der Ameisen (Formica rufa L., Lasiua 
flavus Fab. etc.) hat der Verf. zahlreiche, jugendliche Nematoden 
(PeloderaJaneti n. sp. Lac-Duth.) gefunden und konstatiert, daß 
die geschlechtsreifen Tiere frei im Detritus der Ameisenhaufen leben. 
Im Abdomen der Ameisen ist trotz zahlreicher Untersuchungen nur 
einmal eine Mermis beobachtet worden. 

M. Braun (Königsberg i. Pr.). 

Kosmahly A., Ueber parasitische Pilze im Walde. (Forst* 
wissenschaftliches Centralblatt. XV. 1893. p. 89-108.) 
Verf. beschreibt die im Laufe von 24 Jahren in dem Staats- 
forstrevier Markersbach bei Schandau beobachteten, durch Pilze 



PflftDMBkmikheitoii. 41 

beiTorgenifenen PflaDzenkrankheiten und die Regen dieselben zur 
Bekämpfung ergriffenen Maßregeln, Die Gelbfleckenkrankheit 
der Fichte, erzeugt durch Chrysomyza abietis Dng., trat so 
Terderbfieh anf, daß ein Heraushauen der BAume und Verbrennen der 
Aeate stattfinden mußte. Die Hexenbesen und Krebsbeulen 
der Tanne konnten ebenfalls durch Verbrennen der kranken Teile 
mit Erfolg bekämpft werden. Das Coleosporium Gampanulae 
L6?^ weldies nach den gelungenen Kulturyersachen v. Wettstein *s 
zu dem Aecidium elatinum Alb. et Schw. der Hezenbesen ge- 
hdreo adl, wurde reichlich auf Campanula persicifolia, G. patula, 
C. rapunculoides, seltener auf Phyteuma spicatum und Ph. 
orbicnlare gefunden. Der Bindenblasenrost der gewöhnlichen 
Kider trat mäir&ch verderblich auf; durch Entfernen der zahlreichen 
beüallenen St&mmchen wurde demselben befriedigend entgegengetreten; 
vorgenommene Kultunrersuche zur Ermittelung des Zwischenwirtes 
geUungen nicht Wenig sch&dlich zeigte sich der Nadelblasen- 
roat, and nur vereinzelt fand sich der Bindenblasenrost der 
Weymouthskiefer. Die Bing- oder Kernschäle der Nadel- 
hölzer, veranlaßt durch Trametes Pini (Thoro) Fr., hatte flber- 
wi^end die Kiefern befallen, aber auch Fichte und Tanne nicht 
verachont. Von der Wurzelfäule der Nadelhölzer, hervor- 
gemfien durch Trametes radiciperda Hrtg. [Heterobasidion 
a so OS um (Fr.) Bref.], mit dessen Fruchtkörpern die Wurzeln reich 
besetzt waren, konnte ein befallener, mit Fichte und Kiefer bestandener 
Bezirk durch sorgfältige Bodung und durch Bepflanzung mit Lärchen 
b^eit werden. Auch die Krebskrankheit der Nadelhölzer 
zeigte durch sorgfältiges Ausgraben und Verbrennen der durch 
Agaricus melleus Vahl getöteten, resp. erkrankten Fichten- 
aüUDiiichea eine erfreuliche Abnahme. Bezüglich des Lärchen- 
krebses bestätigen die Untersuchungen des Verf.'s die Verschiedenheit 
von Peziza Willkommii Hartig von P. calycina Schum.; 
erstere bat intensiv rote Scheiben und doppelt so große Sporen als 
die letztere, welche nur blaßrote Scheiben besitzt und keine Krebs- 
stelieii erzeugt Auch hier führte Vernichtung der mit Fruchtkörpern 
boetzten Aeste und der mit Krebsstellen behafteten Baumteile, resp. 
die Tollständige Beseitigung der erkrankten Lärchen ziir Ausrottung 
des Krebses. Die durch Hysterium-Arten verursachten Nadel- 
krankheiten der Kiefer, Fichte und Tanne und der 
Ahornrunzelschorf, Bhytisma acerinum Fn, traten ebenfalls 
radir oder weniger schädlich auf, ohne daß aber gegen sie ein- 
geschritten zu werden brauchte. Schließlich wird noch das Auftreten 
von Cladosporium herbarum Lk. besprochen, welches in Saat- 
kampen auf einjährigen Pflänzchen der Fichte und vonPinus rigida 
paraaitisch auftrat und dieselben vernichtete. 

Die ganzen Ausführungen beweisen, daß man bei sorgfältiger 
frOhzeitiger Anwendung der fQr die Krankheit angeratenen Gegen- 
maBregeln wohl in der Lage ist, dieselben erfolgreich zu bekämpfen. 

Brick (Hamburg). 



42 SchattimpAmg, kftoiü. laltktioiMknuikMtea, Kntwick^lmifshumnwng tte. 

Schutzimpfting, kOnstllche Infiiktionskrankhelten, Entwtek- 
lungshemmung und Vernkditung der Bakterien etc. 

Blehardson, The action of light in preventing putre- 
factiye decompositiou: and in induciog the formatio n 
of hydrogen perozide in organic liquids. (Transactions 
of the Chemical Society. 1893.) 
Down 8 und Blunt hatten schon 1878 gefunden, daß faulende 
Flassigketten durch Belichtung mit Sonnenstrahlen nur bei Gegen- 
wart von Sauerstoff an weiterer Zersetzung verhindert werden. Sie 
glaubten daher, daß die Zerstörung der Fftulniserreger durch einen 
Oxydationsprozeß bewirkt werde und schrieben diesen der Einwirkung; 
des Lichtes auf die Organismen direkt zu. R. gelang es nun, in 
(JriDy welcher dem Sonnenlichte ausgesetzt worden war, einen Saner- 
stoff&berträger, Wasserstoffsuperoxyd, nachzuweisen. Dasselbe bildete 
sich, wenn frischer Urin unter Sauerstoffzutritt besonnt wurde und 
erhielt sich ziemlich gut in sterilisiertem Urin, w&hrend es bei 
Gegenwart von Organismen schnell zersetzt wurde. Bei der Zerlegung 
des H^O, gingen die Organismen aber selbst zu Grunde. 

Frischer Urin besaß, nachdem er dem Lichte ausgesetzt gewesen 
war, antiseptischc Eigenschaften, welche auf den Gehalt an Wasser- 
stoffsuperoxyd zurückzuführen waren. 

R. schreibt den Haupteffekt, wenn nicht den gamsen Erfolg bei 
der Sterilisation von Urin durch Licht, der Einwirkung des H,0, 
auf die Bakterien zu. Abel (Greifiiwald). 

Schllow, P. F., Ueber den Einfluß des Wasserstoffsuper- 
oxydes auf einige pathogene Mikroorganismen. (St. 
Petersburger medizinische Wochenschrift 1894. No. 6.) 
Die mehr oder weniger widersprechenden Resultate, zu denen 
frtlhere Autoren bei ihren Untersuchungen über Wasserstoffsuperoxyd 
gelangt sind, sind nach der Ansicht des Verf.'s durch die Unreinheit 
der Präparate bedingt. Seh. benutzte deswegen die Angabe von 
Cr ism er, daß man durch Extraktion des HiO, aus seinen Lösungen 
mit Aether neutrale wässerige Lösungen ohne anorganische Salze er- 
halten kann, und es wurden nach dieser Methode Präparate gewonnen, 
welche keine Mineralsäuren enthielten, sich nicht mit SUbernitrat 
trübten und wobei der Niederschlag nach Zusatz von Aetzbaryt sich 
klar in Salzsäure löste. 

Der Einfluß dieses Wasserstoffsuperoxyds wurde nun auf folgende 
Mikroorganismen untersucht: Cholera asiatica, Typhus, Milzbrand- 
sporen, Staphylococcus aureus und Diplococcus pneu- 
moniae Fraenkel. Die Gholerabacillen waren bei einem Gehalte 
von 1 : 200 nach 3 Minuten getötet; bei einem Gehalte von 1 : 300 
wurden sie selbst nach 1 Stunde nicht getötet Ein Unterschied in 
der Wirkung auf 1-, 2-, 4- und 8-tägige Kulturen war nicht zu be- 
merken. Daß der zur Tötung von Cholerabadllen in Kulturen er- 
forderliche Gehalt an H.O, direkt abhängig ist von der Anzahl der 
Bacillen in 1 ccm der Kultur^ beweisen folgende Versuche. Es wurden 



:, kflattl. lofaktioiMlirMikheiteQ, Botwiekelinigsh«iiinwQg eto. 43 

4 Beagenzglischen mit je 5 ocm Bonillon genommen, zum ersten wurde 
0,6 ocm einer eintägigen Knitar zugefügt; das Gemisch wird sorg- 
fiütig geschUttelt und aus ihm 0,5 ccm in das zweite Glas gegeben, 
ans dem zweiten ins dritte. Dann wurde in diese Gläschen soviel 
H, O, gegossen, daß die Konzentration in jedem 1 : 5000 betrug. Das 
vierte Glas wurde infiziert und zur Kontrolle ohne H,0« gdassen. 
Nach 1 Stunde wurde auf irische Bouillon ttbergeimpft; nach 24 Stunden 
hatten sich die Bacillen in dem KontrolhrOhrchen entwickelt In der 
Booilloii, auf die ttbergeimpft worden war, hatten sich die Bacillen 
nmr im ersten Beagenzglase entwickelt, d. h. in demjenigen, in welchem 
die Zahl der Bacillen in 1 ccm lOmal kleiner war, als in der ur- 
sprODg^dien Kultur. Bd höherem Alkaleszenzgehalte der Bouillon- 
kulturen war eine größere Menge von H,0, erforderlich. 

Typhusbacillen wurden bei einem Gebalte von 1 : 100 bis 
1 : 300 H.0, in 10 Minuten, bei 1 : 300 bis 1 : 400 in 20 Minuten, 
bei 1 : 500 nach V» Stunde, bei 1 : 600 bis 1 : 1000 nach 3 Stunden 
f^elAtet. In Bouillon mit HtO, -Gehalt von 1 : 15000 wuchsen die 
BadlleD nicht, bei 1 : 20000 zuweilen. 

Milzbrandsporen waren in einer 14-proz. Lösung in weniger 
als 3 Minuten, in einer 8— S-proz. in weniger als 30 Minuten, in 
einer 2-proz. in weniger als 1 Stunde getötet; eine 1-proz. Lösung 
tötete sie im Veilaufe 1 Stunde nicht, eine ^/,— W4-proz. tötete sie in 
weniger als 18 Stunden. Staphylococcus pyog. aureus war in 
eiDtagiger Kultur bei einem Gehalte von 1 : 100 innerhalb 10 Minuten 
getutet, während bei einem Gehalte von 1 : 200 hierzu auch 15 Minuten 
nicht genügten. Mehrtägige Kulturen waren bei einem Gehalte von 
%5 : 100 erst nach 20 Minuten abgetötet. Interessant ist, daß die 
Kultarai beim Hinzufügen des H,0, eine Menge Gas ent- 
wickelten. Die Erscheinung (welche auch schon von Gottstein 
beobaditet wurde, Ref.) trat bei alkalischer und saurer Reaktion der 
Kultur ein und beruht wahrscheinlich auf Zersetzung des H^Oi ; die 
GaseDtwickelung wird hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich durch 
Stoffwechselprodukte des Staphylococcus und nicht durch die 
Kokken selbst bewirkt, da sie auch an filtrierten und angesäuerten 
Kulturen, wenn auch etwas schwächer, zu beobachten war. Von 
anderen darauf hin untersuchten Mikroorganismen zeigte nur der 
Bacillus pyogenes foetid. dieselbe Gasentwickelung, aber in 
viel schwächerem Maße. 

Versuche mit dem Diplococcus pneumoniae ergaben, daß 
dei Zusatz von H^G. im Verhältnis von 1 : 10000 bis 1 : 18000 
die Bouillon fQr das Wachstum der Diplokokken untauglich macht, 
LBsongen von 1 : 200 machten eine eintl^ge Kultur nach 15 Minuten 
entwidEdungsnnOhig. Kleine Dosen, wdcme die Entwickelung des 
Diplococcus nicht aufhalten, scheinen seine Virulenz herabzusetzen. 

Dieudonn6 (Berlin). 



»9 Ch.9 Variolo-Vaccine. Gen^e (H. Georg), Paris 

(6. Massen) 1894. 

Entgegen Cheanveau behauptet der Verf., gestützt auf Ver- 

sndie an sieben Variolastämmen , daß sich die Variola stets auf 

Küber ObciioipfeD l&Bt, wenn man nur eine gendgend große Fläche 



44 SohBtiimpAug, ktiwtl. InfektioMkraaUMltMi, SatiHektluifftliMBaiWif eCe. 

mit der Lymphe ioiziert Von Kalb m Kalb weiter geimirft, hat 
dann die Variola bald alle Charaktere der Vaceine aDRenommen und 
brioRt auch beim Menschen keine Allgemeineruption mehr hervor, 
sondern wirkt wie die Vaccine, der sie also im Notfalle substituiert 
werden könnte. Abel (OreiÜBwald). 

Boinm, Ueber die verschiedenen Viralenzgrade der 
puerperalen Infektion and die lokale Behandlung 
beim Puerperalfieber. [Bericht Ober die Verhandlungen der 
Abteilung fi&r Geburtshilfe und OynAkologie auf der 65. Versamm- 
lung deutscher Naturforsdier und Aerate in Namberg vom IL bis 
16. September 1893, erstattet von Straßmann.] (Archiv für 
Gynäkologie. Bd XLV. Heft 2.) 
B. hat 50 F&lle bakteriologisch und mikroskopisch untersucht 
In allen schweren F&Uen ging die Infektion vom Endometrium aus. 
Die vom Damm and der Scheide ausgehenden Prozesse sind selten 
und bleiben lokal. Die Therapie muß daher eine intrauterine sein. Bei 
putriden Prozessen (Abort, Piacentarreste) giebt Ausriamung und 
Desinfektion gute Resultate, w&hrend bei eigentlich septischen 
Prozessen, bei denen die Keime in den Uterus gedrungen sind, 
der Erfolg der lokalen Therapie inkonstant ist 

Bei schweren Infektionen (durch direkte Uebertragung von 
Erysipel, Diphtherie, Puerperalfieber) ist jedel okale Therapie erfolglos. 
Wie Schimmelbusch lokal infizierte Tiere durch sofortii^e 
Desinfektion der infizierten Wunden vor der Allgemeininfektion nicht 
retten konnte, findet auch B. schon kurz nach der Infektion bereits 
Bakterien im Blute. 

Von den weiteren haupts&dilich klinisch interessanten AosfQh- 
rungen sei nur hervorgehoben,'^ daß bei AUgemeinbehandlung mit 
Ergotin sich mikroskopisch dort, wo die Muskulatur kontrahiert iat^ 
die Bakterien auf das Endometrium verdrängt zeigen, während sie 
sonst im lockeren Muskel anzutreffen sind. AusfQhrliche Mitteilungen 
Ober die Virulenzverschiedenheiten behält sich B. vor. 

Schloffer (Graz). 

Schiffer, J., Ueber Desinfektionswert des Aethylen* 
diam in Silber Phosphats und Aethylendiaminkresols, 
nebst Bemerkungen Ober die Anwendung der Centri- 
fuge bei Desinfektionsversuchen. (Zeitschr. f. Hygiene 
u. Infektionskrankh. Bd. XVI. Heft 2. p. 189—248.) 
In einer sehr ausfQhrlichen Arbeit bespricht der Verf. zunächst 
seine Untersuchungen Qber das von der Sc her in gesehen Fabrik ge- 
lieferte Aethylendiaminsilberphosphat. Dasselbe ist eine farblose 
klare Flüssigkeit, welche im Dunkdn aufbewahrt werden muß und 
alkalische Reaktion zeigt Sie hat gegenüber den bekannten Anti- 
septicis den großen Vorzug, daß sie, mit Eiweißstoffen verschiedenster 
Art zusammengebracht, keine unlöslichen Verbbidungen eingeht, sradern 
tiefer in die Gewebe eindringt Die Giftigkeit dieses Mittels ist ab- 
hängig vom Silbergebalte und ist diraelbe so gering, daß für die 
Praxis in dieser Hinsicht nichts zu flirchten ist In schwacher Kon- 
zentration wirkt dieses Silbersalz wie die Obrigw Argentumlösungen 



ScimtsiinpAing, kflnttl. Intokiiüftkr>n1rh<itao, Entwiekelimgsbaintnaiig etc. 46 

geftBYereDgend. Die Prüfung auf die Desinfektioosfähigkeit des 
Mittels geschah unter Berücksichtigung der von Gepp er t, Gruber 
und Anderen angegebenen Kautelen. Die in jeder Beziehung aus- 
fflfarlichen Versuche, welche ia der Originalarbeit genauer gelesen 
sein wollen, ergab, daß die Desinfektionskraft des Aethylensilber- 
pbosphats derjenigen einer entsprechenden Argentum-nitricum-Lösung 
bei weitem überlegen war. Als Testobjekte wurden außer Milzbrand- 
sporen die verschiedensten Bakterien gewählt. Da Verf. sein Mittel 
besonders für die Behandlung der Gonorrhöe empfiehlt, so konstatierte 
er, daß die abtötende Kraft des Aethylendiaminsilberphosphats 
gegenüber Gonokokken die größte unter einer ganzen Anzahl der 
Gonnorrhöemittel ist 

[Wir vermissen bei den zahlreichen Versuchen nur den einen, aber 
die Hauptsache ausmachenden, ob nämlich auch in Geweben die 
Bakterien abgetötet werden, was doch für die Praxis von grund- 
legender Wichtigkeit ist, da das Silbersalz immerhin in den Geweben 
in eine unvrirksame — wenn auch lösliche — Modifikation überge- 
ffthrt werden könnte. Ref.] 

Außer dem Aethylensilberphosphat prüfte Verf. noch ein von 
Schering hergestelltes Aetbylendiaminkresol. Dasselbe löst sich in 
Wasser 1 : 1,8, giebt mit eiweißhaltigen Flüssigkeiten und Körpern 
weniger Gerinnung als eine KresoUösung, greift Metallinstrumente 
nicht an, macht die Hände nicht schlüpfrig. Vergleichende Unter- 
suchungen, die ähnlich angestellt waren wie die obigen, ergaben eine 
entschiedene Ueberlegenheit über Kresol und Karbolsäure in gleicher 
Konzentration. 

Es hatte sich bei den verschiedenen Versuchen herausgestellt, 
daß die Zeit der Abtötung der Bakterienaufschwemmungen nicht zum 
kleinen Teil vqü der Beichlichkeit der Bakterien abhängt und konnte 
Verl feststellen, daß dieses bei den höheren Konzentrationen nicht 
durch den Verbrauch an desinfizierender Substanz bedingt war, 
sondern wohl in der verschiedenen Widerstandsfähigkeit der einzelnen 
Bakterieniodividuen begründet lag. Verf. macht im letzten Teile 
seiner Arbeit noch auf die Fehlerquelle aufmerksam, welche durch 
die Mitübertragung des Desinfiziens auf den neuen Nährboden be- 
dingt sind. Geppert vermeidet ihn durch chemische Umwandlung 
des Desinfiziens in eine unwirksame Modifikation, da für das Aethylen- 
diaminsilberphosphat und Aethylendiaminkresol derartige Umwand- 
lungen nicht bekannt sind, so bediente er sich der Gentrifuge. 
Durch Zusatz von Talk und ähnlichen Pulvern ist man imstande, die 
Bakterien wenigstens in der Mehrheit auszucentrifugieren und konnte 
man sie auf diese Weise von der Desinfektionsflüssigkeit trennen. 
Kontrollversuche mit chemischer Neutralisation von Sublimatlösungen 
zeigten, daß das neue Verfahren das Nämliche leistete, so daß diese 
Fdilerquelle auch durch Centrifugieren vermieden werden kann. 

Auf Grund seiner Versuche hält Verf. es für berechtigt, zur 
Anwendung der Mittel in der Praxis aufzufordern und verspricht 
sich namentlich gute Erfolge bei der Behandlung der Gonorrhöe mit 
Aechylendiaminailberphosphat. O. Voges (Danzig). 



46 



Neue Litteratur 




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Sebiitdmpfta«, kiaitUeha InfahtiwM- 
knmkhiritOT, BntwiakelnagtbOTiMng «le. 



Ueber die Terschledenen Vlrolens- 
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Sebftffer, J., Ueber Desinfektionswert des 
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Aber die Anwendung der Centrifoge bei 
Deeinfektionarersueben, p. 44. 

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Wasserstofisuperozydes auf einige patho- 
gene Mikroorganismen, p. 42. 

Hmm Uttaratur, p. 46. 



• BetM 



PohMlaJ« 



Bakteriologie und Farasitenkunde. 

In Terbindung mit 

(lii.M. M Dr. Lemtart m PnfiBor Dr. lomiir 

la Ldpiiff tat OfiaUinrald 

hemugegeben von 

Dr. O. inilvorm in CasseL 



Verlag von Gustav Fischer In Jena. 

XYL Band« -<^ Jen», den 9- JuH 1894. -<>- No. 8* 



TMif nr dm Buid (M Vimim«») 14 lUxk. 

Jlhrfieb erscheiiiwi swei BXnde. 

-i»| Zu b«B«hen durch aUe Bnchbandlnngen und Postanstalton. |#«* 

Die Redakti<m des „CentrcUbktits für Bakteriologie und Parasiten- 
kund^ richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige 
IRtamehe ufm lAeferung von beaanderen Abdrücken ihrer Avf^ 
säiMe eniweder bei der Binsendung der Abhandlungen an die 
Redaktion auf da» Manuskript schreiben zu wollen oder spdf^ 
iesiene nach JEmpfang der ersten Korrekturahzüge direkt an 
den Verleger, Herrn Ousta/v Fischer in Jena, gelangen 9U 
i as sen m Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später 
eingehende Wünsche berücksichtigen zu MhMMn» 

Original -MtttheilungeiL 

Schizosaccharomyces octosporus, eine aohtsporige 
Alkoholnefe. 

Von 

M. W. Beyerinck 

in 

Delft 

Mit 1 Tafel. 

Die Aoffindang einer Maltoaehefe, welche große Ascen mit kon- 
itast 8 Sporen erzeugt nnd Aber ihre Natur als Ascomycet durch- 
aos keinen Zweifel übrig I&ßt, ist botanisch interessant, weil dadurch 
die yon de Bary und Rcress ausgesprochene Ansicht über die 
wahrscheinliche systematische Stellung der Saccharomyceten gesichert 
xnML 4 



50 M. W. Beyerlnek, 

wird. Für die Histologie der Pilzzelle verspricht die Pflanze als 
leicht kaltivierbares Laboratoriumsobjekt und wegen der außerordent- 
lichen Durchsichtigkeit des Inhaltes einige neue Aufsdilüsse. Auf 
dem Gebiete der Gärungsphysiologie ist die Stellung der neuen Hefe 
insoweit einzig, weil noch kein Beispiel da war von einer sich nur 
durch Teilung und durch Sporen vermehrenden Alkoholhefe, deren 
Kulturen auf Gelatine und in Würze sich schließlich gänzlich in wasser- 
klare achtsporige Ascen von 12 bei 20 fi verändern. 

Die neue Hefe gehört zu der vor kurzem von Lindner auf- 
gestellten Gattung SchizosaccharomycesO- Lindner's Art 
wurde aus Hirse hier isoliert, welches im Jahre 1890 durch Major 
W iß mann aus Ostafrika importiert war, jedoch fand die Isolierung 
erst im Jahre 1893 durch einen Herrn Zeidler statt, also aus einem 
lange aufbewahrten Muster, worin die meisten übrigen Arten abge- 
storben waren. Die Art erzeugt nur wenig Ascosporen und ist 
dann meistens viersporig. Sie ist nach Lindner's guter Figur 
von der meinigen wesentlich verschieden. 

1. Natürliche Fundorte der Maltosehefen. 

Schizosaccharomyces octosporus wurde von Korinthen 
yon Zante isoliert, und zwar von schlechten Mustern, welche lange aufbe- 
wahrt waren und worauf die ursprünglich vorhandene Weinhefe jedenfalls 
größtenteils abgestorben war. Ich habe alle Ursache, zu glauben, 
daß Schizosaccharomyces octosporus auf Korinthen all- 
gemein vorkommt und nur deshalb bisher übersehen wurde, weil das 
Wachstum davon langsamer ist, wie bei den übrigen auf Korinthen vor- 
kommenden Hefen, so daß leicht ein Ueber wuchern in den Kulturen 
stattfinden muß. Ich wurde auf die Art aufmerksam, als ich bei 
einem Versuche neben derselben nur Bakterien, Chlamydomucor 
racemosus und Penicillium erhielt, wogegen sie konj^urrenz- 
fähig war. 

Ehe ich weitergehe, dürfte ein Wort über das Vorkommen der 
aktiveren Aikoholhefen, worunter ich in erster Linie die Maltosehefen 
verstehe, nicht überflüssig sein. 

Zunächst will ich bemerken, daß Prof. F. Ludwig auf das 
Vorkommen von Alkoholhefen im Schleimflusse der Bäume aufmerk- 
sam gemacht hat, wobei er als Ursache andere Pilzarten erkannte^). 
Ich wünsche in dieser Beziehung zu bemerken, daß ich als eine, 
wenn auch nicht die nächste, Ursache des Schleimflusses der Eiche 
die Weidenraupe, Cossus ligniperda, erkannte. Der Schleimfluß 
kommt bei vielen Bäumen vor und die kranken Stellen werden 



l)Schizo8acchftromyce8Poxnb6, «in naner G&rangserreger. (Wocbenschr. 
f. Brauerei, Jahrg. X. 1893. p. 1298.) Das Wort ,,Pombe'' ist, wenn ich Lindner 
wohl verstehe, der ostafrikanische Name fQr Hirsebier. Als dieser Aufsatz schon an 
die Redaktion eingesandt war, erhielt ich durch die Güte des Herrn Dr. C. B 7 km an , 
Direktor des Laboratoriums fUr Bakteriologie und Pathologie au Batavia auf Jara^ 
Miiltip ijJijhNamen „Arakhefe** eine Schiz osach charomyceskultur, worauf Lind- 
y^^^'^ r^ltV (fP 5r!a9^^*'*^i^°^ vollständig pafiL Herr Eykman schreibt mir, dafi er dartiber 

^^^^^^^V^'^^^^^^^^S^ boUnUchen QeseUschaft Bd. IV. 1886. p. 17. 









ScfaiiottccliaromyeeB oetosponis, eine achtsporige Alkoholhefe. 51 

TJel&ch TOD Wespen und anderen Insekten besucht, welche dadurch 
die Hefen verbreiten können. 

Die frfiher gehegte Vermutung, daß der Blumennektar und der 
Bienenhonig natürliche Fundorte der Alkoholhefen sind, bat sich bis- 
her Dicht bewährt, denn aus vielen (auch von mir angestellten) Ver« 
soeben geht hervor, daß Gärungshefen darin entweder gar nicht 
vorkommen, oder nur ganz schwache Glukosehefen» welche vielleicht 
nur Sporidien höherer Pilze sind. Jedoch ist diese sehr ausgedehnte 
Frage einer weiteren Untersuchung bedürftig. 

In Bezug auf den Honigtau der Blattläuse, sowie über den 
phjfsiologiflchen Honigtau der Holzgewächse liegen überhaupt keine 
Dntersodittngen vor. 

Dagegen sind die süssen Früchte durch die großartigen Expe- 
rimente der Gärungsindustrie in dieser Beziehung besser bekannt 
geworden ^). Sie bilden unzweifelhaft natürliche Vermehrungsorte der 
Alkohoihefen. Zwar ist die Annahme berechtigt, daß der Boden der 
dgeotlicbe und ursprüngliche Wohnort der Hefen ist, jedoch wird 
darin nur selten eine reichliche Vermehrung stattfinden und diese 
rnnt wohl meistens durch Kontakt mit süßen Früchten vermittelt 
werden. Zu Boden gefallene Früchte müssen in dieser Beziehung 
besonders günstige Bedingungen für die Vermehrung der Alkoholhefe 
abgeben. Diese letztere Deberlegung hat mich veranlaßt, Versuche 
aoazaffihren mit im Laden gekauften Korinthen und Rosinen 
ohne Kerne, welche Früchte in ihrem Heimatlande zu Boden 
iallen nnd durch Zusammenfegen geerntet werden. Ich habe mich 
in meiner Erwartung nicht nur nicht betrogen gefunden, sondern 
dieselbe wurde durch das Auffinden einer Beihe von Arten, worunter 
mehrere interessante, fibertroffeo. Besonders auffallend wurde das 
Verbalten durch den Kontrast mit den Suitanarosinen, von welchen 
ich nor relativ selten Weinhefe und Saccharomyces Myco- 
derma var. vini, immer dag^en Schimmelarten erhielt, und mit 
frischen Trauben aus Holland, wovon neben Schimmel nur Saccharo- 
myces apicalatus zu kultivieren war. 

Von kernlosen Rosinen erhielt ich z. B. 1) echte Weinhefe (Sacch. 
ellipsoideus) von ca. 8 fi Länge. 2) Eine gute Maltoseheie von 
^Vi fs wovon kurz nach der Isolierung alle Zellen in den 
Kokttieen auf Würzegelatine und viele während der Gärung in 
imger Würze Ascosporen erzeugten. Ich nenne diese Art 
Saccharomyces passularum. 3) Eine kaum von Bierhefe zu 
QDterscheidende Form, wahrscheinlich zu Saccharomyces cere- 
^isiae gehörig. Von zahlreichen schwachen Glukosehefen ohne 
besondere Eigenschaften soll hier nicht weiter die Rede sein. 

Von Korinthen wurden als besonders interessant gewonnen: 1) 
Eine neae Weinhefe, welche durch ihre außerordentliche Schwere nach 
der ersten Isolierung technisch bemerkenswert war '). Die Vergä- 

1) Di« yoraehiedeiurtigstoD Beerensäfte geraten in spontane Gftrnng dnreh, aUer- 
^*P Uagsam gSrende, Maltosehefen. 

t) Die Eigenschaft des schnellen Absetsens hat sich bei Versnchen im Grofien, 
*«^ diese Hefe aJs LnfUiefe kultiviert warde , noch gesteigert Dagegen ist das 
P^ sptsifische Gewicht in den Gelatineknitoren sehr bald inrückgegangen. Ich kann 

4« 



52 ^' W. Beyerinek, 

rang 7on MalzwQrze ist raach und vollständig. Die Größe beträgt 
7 fji. 2) Eine sporenerzeugende Essigätherbefe (Saccbaromyces 
acetaethylicus). 3) Scbizosaccharomyces octosporus 
und neben dieser noch eine Sechszahl weniger bemerkenswerter Maltose- 
nnd Olakosehefen. Daß auf kernlosen Rosinen und Korinthen die 
Mocorhefe niemals fehlt, braucht wohl nicht besonders hervor- 
gehoben zu werden. Auch kommt bei diesen Versuchen Asper- 
gillus niger so gut wie ausnahmslos zur Entwickelung. 

In Bezug auf meine Versuchsanstellung wünsche ich noch zu be- 
merken, daß dieses die denkbar einfachste ist: In mit Paste ur- 
schem Glashelm abgeschlossenen Kölbchen mit sterilisierter Gersten- 
malzwürze, von 10 Saccharometergraden, werden 5 — 10 Rosinen oder 
Korinthen geworfen und dann tagelang bei 28^ G im Thermostaten 
aufbewahrt. Da es sich hierbei meistens um das Auskeimen scharf 
getrockneter Ascosporen handelt, muß man dem Versuche Zeit 
lassen. Durch die Extraktion des Zuckers aus den Korinthen findet 
eine nicht unbeträchtliche Steigerung des Saccharometergrades statt. 
Es können dadurch sowohl Glukose- wie Maltosebefen zu Gärunge- 
erscheinungen Veranlassung geben. 

Es kam mir nötig vor, diese Abschweifong Ober den Fundort 
neuer Hefen und das zur Auffindung derselben befolgte Kulturverfahren 
vorauszuschicken. Man sieht, daß es nicht reiner Zufall war, daß mir 
die neue Form in die Hände kam, sondern eine Ueberlegung Aber den 
natürlichen Vermebrungsort der Alkobolhefen war dazu Hauptveran- 
lassung. Allerdings wurde mir insoweit durch das Glück geholfen, 
daß sich in einer Versuchsprobe keine andern Hefen wie die acht- 
sporige befanden, so daß ich sofort gewissermaßen eine Reinkultur 
bekam und nur von Bakterien und Fadenpilzen zu reinigen hatte, 
was selbst ohne die Gelatinemethode leicht ausführbar ist Wenn 
einmal die Eigenschaften gut bekannt sind, zweifle ich nicht daran, 
daß das Herausfinden einzelner Kolonieen von Scbizosaccharo- 
myces aus einem Gemische anderer Hefen auf Gelatineplatten ge- 
lingen wird. Das relativ langsame Wachstum und die auflbllende 
Aehnlichkeit der Kolonieen mit denjenigen von Saccbaromyces 
cerevisiae werden dabei dem geübten Auge zu Hilfe kommen. Den- 
jenigen, welche sich für Wiederholung des Versuches interessieren, 
rate ich, schlechte, d. h. mit viel Boden vermischte Korinthen zu 
verwenden, welche lange aufbewahrt und scharf getrocknet sind. 



es nicht unterlassen, hier in bemerken, dafi frisch ans der Natur isolierte Hefen sich 
oft auf eigentftmliche Weise verhalten. So ■. B. auch in Besag auf das VermSgen 
der Ascosporenbildung, das anfangs i. B. bei Saccbaromyces passalamm 
in 100 Pros, der Zellen sutcfindet, am in alten Kaltaren auf 60 & S6 Pros, lorfioksalaafien. 
Alte Laboratoriumskalturen müssen immer mit Vorsicht beurteilt werden. So wird auf Gmnd 
der Untersuchung solcher Prftparate Überall wiederholt, daB Saceharomyoes 
apiculatus keine Ascosporen erseugt. Nichtsdestoweniger ist diese Angabe un- 
richtig. Wttnscht man sich von der Eigenschaft der Sporenbildung su flbeneugen, so 
braucht man diese Hefe nur frei ans der Luft oder aus trockenem Staube von Frfieht«n 
SU isolieren, man wird dann, allerdings selten, Kulturen antreffen, worin einielne Zellen 
SU Ascen init 4 — 6 Ascosporen angeschwollen sind. Umgekehrt ist es auch sehr leicht, 
yon echter Weinhefe asporogene Varietftten, einfach durch Kolonieen - Auswahl , %u 
gewinnen. 



ScUsoModiaromycM octotpomi, «Ine »ehtoporige Alkoholhefe. (3 

2. Morphologie von Schizosaccharomyces octosporus. 

Unsere Hefe kann in drei Hauptformen angetroffen werden, 
«eiche jedoch keineswegs scharf getrennt, sondern durch allerlei 
Uebergaogsstadien verbunden sind. Die Hauptformen werden am besten 
erkannt in jugendlichen Kolonieen auf WQrzegelatioe, in Gärungen 
oad in ausgewachsenen Oelatinekulturen. 

Zunächst sei bemerkt, daß eine sauer reagierende Würzegelatine 
dn guter Nährboden ffkt Octosporus ist Auf diesem Boden wird 
das Wachstum noch sehr bedeutend gesteigert durch Zusatz von 
3-^ Proz. Glukose oder Laevulose. Dicke Gelatineplatten in Glas- 
doseo mit oberflächlich liegenden Kolonieen sind für das Mikroskopieren 
besMiderB geeignet 

Untersucht man die ganz jungen Kolonieen, so findet man aus- 
schliefflich nur das in Fig. 1, Taf. II gezeichnete Bild. Darin 
kommen in Zweiteilung begriffene Zellen von symmetrischer Gestalt 
mid einzelne, aus den paarigen hervorgegangene vor, welche etwas 
nnsymmetrisch und entweder ganz frei sind oder noch am dickeren 
Ende seitlich zwei zu zwei durch eiDe feine Verbindung zusammen- 
häDgen. Die Ursache dieser sonderbaren Paarbildung besteht darin, 
daS die in Zweiteilung begriffenen Zellen zur Zeit, wo sie aus- 
gewachsen sind, anstatt direkt auseinander zu fallen, um einen 
Punkt der Trennungswand, sich wie um ein Scharnier drehen, bis die 
zwei Teilzellen sich parallel gestellt haben. Schließlich wird 
die Trennung vollkommen, die Gestalt wird symmetrisch und eine 
neue, in der Mitte auftretende Zellwand giebt zur Entstehung 
eines neuen Zellpaares Veranlassung. 

Die unsymmetrische Gestalt der sehr jungen Zellen besteht 
darin, daß das eine Ende derselben, und zwar das Ende, welches der 
Teüwand entspricht, dicker ist wie das andere. Untersucht man die 
Wand des dicken Endes genau, so kann man in vielen Fällen daran 
aine deutliche Kappenbildung (Fig. 1 oben rechts) sehen. Lindner 
hat diese Erscheinung bei seiner Schizosaccharomyces Pombe 
ebenfalls gesehen und erklärt dieselbe als die nach außen sich vorwölbende 
QisprOngliche Teilwand, welche durch irgend eine mit ihrem Ursprünge 
nisammenbängende Ursache weicher ist und schneller wächst, wie die 
Utere ursprQngliche Außenwand des dünneren Teiles der Zelle. Daß 
diese Erklärung zutrifft» ist nicht zu bezweifeln. Besonders die großen 
iscen (Fig. 5) eignen sich zur Aufklärung der Kappenbildung. 

W&brend die jungen Kolonieen ein sehr gleichmäßiges Bild ab- 
geben, trifft dieses nicht mehr zu beim fortschreitenden Wachstume, 
denn dabei verändern sich die Zellen mehr und mehr in Ascen, so daß 
es achliefilich schwierig ist, überhaupt noch vegetative Zellen zu finden. 

Die Ascen messen gewöhnlich 12 bei 20 fi. Die Vergrößerung 
der Zellen ist deshalb bei der Fruktifikation sehr beträchtlich, da 
die nrsprOnglichen Teilzellen der Zellpaare 5 ä 6 bei 8 /ex messen und 
deshalb einen noch kleineren Inhalt haben, wie die gewöhnlichen Bier- 
Mezellen von 7 bei 8 ju. Bei den letzteren fehlt die Anschwellung bei 
der Asceobüdung so gut wie gänzlich. Die ansehnliche Größe der 
AiceD ¥00 Schisosaccharomyces octosporus ist ein guter 



54 M- ^' Beyerinck, 

Unterschied von Schizos. Pombe, bei welchem nach Lindoer's 
Beschreibung vegetative Zellen und Ascen ebenfalls gleich grofi sind. 

Wie gesagt, wird die Kappenbildung bei den Ascen oft mit 
überraschender Deutlichkeit wahrgenommen (Fig. 4 u. 5). Oft, ob- 
Bchon nicht immer, kommt dabei an beiden Polen der Zelle eine 
Kappe vor. Ich führe letzteres darauf zurück, daß die Ascen nicht 
in den allerjüngsten Entwickelungsstadien der Kulturen, welche nur 
vorwiegend aus Dyaden und deren Teilzellen (Fig. 1) bestehen, son- 
dern sich in den späteren Stadien derselben bilden, zur Zeit, wo darin 
viele dreizellige und selbst vierzellige „Fäden^' vorkommen. Wenn 
die Teilzellen solcher Komplexe frei und zu Ascen werden, 
müssen die mittleren Zellen davon zwei Kappen erzengen, da sie an 
den beiden Polen durch Querwände begrenzt waren. Die sich an den 
Endzellen entwickelnden Ascen werden dagegen nur eine Kappe be- 
sitzen. Bei sehr starker Vergrößerung ergiebt sich, daß die scharfe 
Linie, durch welche die Kappe sich vom Zellkörper abhebt, die 
Grenze andeutet zwischen dem dickeren Teile der ursprünglichen 
Längswand und dem dünner gebliebenen der ursprünglichen Quer- 
wand (Fig. 5). 

Die zweite Hauptform der Octosporuszellen wird in gärenden 
Würzen angetroffen. Da die Lüftung auf die Anschwellung der Zellen 
und auf die Ascosporenbildung von durchgreifendem Einfluß ist, ließ 
sich erwarten, daß auch in den gärenden Flüssigkeiten ein großer 
Reichtum von Zellformen vorkommen könnte, wenn Luft frei hinein- 
dringen kann oder eingeblasen wird. Gleichmäßig dagegen wird 
das Bild der Zellen dann, wenn der Luftzutritt nur ein beschränkter 
ist In Fig. 2 sieht man die Darstellung einer als „Unterhefe*' fun- 
gierenden Kultur in einer gewöhnlichen Malzwürze, welche mit Milch- 
säure schwach angesäuert und mit 3 Proz. Glukose versetzt war, um 
die Gärthätigkeit zu erhöhen. Da in diesem Falle die Loft noi 
sehr langsam zu den Zellen vordringen kann, weil oberhalb dei 
gärenden Flüssigkeit eine Kohlensäureschicht liegt, kann eine solch« 
Gärung als eine anaörobe Kultur unseres Fermentes betrachte 
werden. 

In Fig. 3 sieht man die Darstellung einer ähnlichen Gärung 
worin jedoch die Glukose durch Laevulose ersetzt war und wozu sovie 
Aepfelsäure hinzugesetzt wurde (10 cm> Normallauge notwendig fa 
Neutralisation von 100 cm> angesäuerter Würze), daß dadurch di 
Gärung erheblich verlangsamt und das für jede Zelle erreichbare Luft 
quantum also vergrößert wurde. Die in Fig. 3 dargestellten Gestalte 
kann man deshalb als die aörobe Gärform des Fermentes bezeichne! 
Wie man sieht, besteht die anaörobe Gärform vorwiegend aus länglicb 
runden, seltener ganz kugeligen Zellen, welche auf die gewöhnlich 
Weise durch Teilung entstehen, durch Scbarnierbewegung eigentün 
liehe, ziemlich lange, zusammenhängende Dyaden erzeugen, worin nicl 
selten schon vor dem Freiwerden der Zellen die neuen Teilwänd 
sichtbar werden, wodurch sehr charakteristische Tetraden entstehe 
(Fig. 2 unten). Die achtzähligen Zellfamilien, welche sehr oft i 
solchen Kulturen vorkommen, können sowohl aus jenen Tetraden en 
stehen, wenn diese vor dem Auseinanderfallen noch eine Teilung e 



Bchiiosaecharomyces ootosporo», eine achtoporige Alkobolhefe. 55 

&hren, ^ie auch direkt aus den achtsporigen Ascen, indem die 
Sparen, bei der Auskeimung, lange miteinander verklebt bleiben. In 
Flg. 2, welche sich auf eine Gärung bezieht, wobei mit Material, 
wdches Ascosporen enthielt, geimpft war, kommen beide F&lle vor. Es 
ist eine allgemeine Regel, daß die Zellen unserer Art in den Gä- 
mi^en ziemlich lange Zeit zu Familien Yerbunden bleiben, welche 
nicht selten aus 12, Ja 20 Einzelzellen bestehen. Die dadurch ent- 
standenen kleinen Flöckchen sind leicht mit der Lupe zu erkennen; 
sie sind sehr schwer und setzen sich schnell ab, so daß eine 
vollständige Trennung der gärenden Flüssigkeit von der Hefe auch 
ohne Filtrieren gelingt Ganz lose Zellen werden in den GäruDgen 
nur relativ selten angetroffen. Die Größe der Gärform ist etwas 
feisehieden, je nach der Ausgiebigkeit der LOftung. Die in Fig. 2 
gezeichneten Zellen stimmen mit mittelgroßen Bierhefezellen überein, 
sie messen ca. 7V,— 8 /u. In Fig. 3, wo die Lüftung eine reich- 
lichere war, ist die Größe beträchtlicher, jedoch auch viel ungleicher 
fär verschiedene Zellen. Die Zellen dieser Figur messen etwa 7 
bis 9 /i in der Dicke und werden bis 18 fi lang. Solche große Zellen 
sind immer im Begriff, Ascosporen zu erzeugen, wie in der in Fig. 3 
dargortellten Gärung auch zahlreiche Ascen vorkamen. 

Wenn man in eine mit Octosporus geimpfte Würze Luft 
hineinbläst, so wird das Wachstum sehr gefördert und man erntet 
darai» ein Gemisch, welches der Hauptsadie nach aus Ascen und 
nnr zum kleineren Teil aus vegetativen Zellen besteht. Fleischwasser 
mit Glukose versetzt, ist eine gute Oärflüssigkeit für Octosporus 
und erzeugt ähnliche Zellformen, wie Laevulosewürze, worunter zahl- 
reiche Ascen vorkommen. 

3. Die Ascosporenbildung. 

Schizosaccharomyces zeigt in vielen Beziehungen Ver- 
wandtschaft zu der Bierhefe und muß ohne Zweifel zu den Saccharo- 
myoeten gebracht werden, wenn auch durch die Entdeckung unserer 
neuetk Gattmig die alte Diagnose von Saccharomyces nicht länger 
aufrecht zu erhalten ist Die Homologie der Ascosporen von Sac- 
charomyces mit denjenigen der übrigen Ascomyceten ist durch das 
Verhalten von Schizosaccharomyces aus der Dunkelheit, welche 
darQb^ in der letzten Zeit geworfen wurde, wieder Ids rechte Licht gestellt 
imd damit ist die Frage nach dem Vorkommen eines Zellkernes bei S a c- 
charomyces in ein neues Stadium getreten, weil der Zellkern bei 
Schizosaccharomyces zwar schwierig zu finden ist, jedoch 
onzweifelhaft vorkommt, so daß der gleiche Schluß für Saccharo- 
myces gezogen werden muß. 

Der Zellkern von Octosporus liegt bei den jungen Ascen 
irgendwo in der Mitte der Zelle, ganz nahe der Zellwand als kleines 
durchsichtiges Körperchen ohne sichtbare Struktur (Fig. 4). An 
dieser Stelle wird die Zelle gewöhnlich quer durchsetzt durch eine 
ziemlich dicke Protoplasmaplatte (Fig. 3, 4, 6), wodurch der Zellraum 
in zwei große Vakuolen geteilt wird, in welchen dann noch feinere 
ProtoplasmabAnder und Arme vorkommen können. Im Protoplasma 
liegen auch zogleich kleine Vakuolen, welche nur schwierig von 



56 M. W. BeyarSnek, 

2^11kenieii zu anteracheiden aiod^ da sie sich ziemlich stark darch 
Farbstoffe fiLrben, wohl infolge der Gegenwart von zahllosen kleinen, 
oft in Molekolarbewegnng verkehrenden Teilchen. Famer li^^ im 
Protoplasma Granula von sehr verschiedener Größe zerstreut 

In der mit Aepfelsäure und Laevulose versetzten, früher be- 
sprochenen Würze sah ich in den meisten Vegetationszellen eine 
scharf abgegrenzte seitliche Anhäufung des Protoplasmas (Fig. 3X 
worin in manchen F&Uen der eingeschlossene Zellkem erkannt werdoi 
konnte. 

Der Zellkem ist zweifellos die Grundlage, wovon die Ascosporen- 
bildung ausgeht, acht Kerne sind die Vorläufer der acht Asco- 
Sporen. Da die Kerne aus dem ursprünglichen Zellkerne entstehen, 
so können auch Zellen mit 2 und 4 Kernen angetroffen werden, doch 
finden die sucoessiven Teilungen so schnell statt, daß es nicht leicht 
ist, diese Debergangsstadien anzutreffen. Die jungen Kerne und die 
daraus entstehenden Ascosppren bleiben gewöhnlich dicht nebeneinander 
in einem Haufen vereinigt liegen, können aber auch durch das Proto- 
plasma an die verschiedensten Stellen der Zelle geführt werden. 

Die reifen Ascosporen (Fig. 6) [sind Kugeln von 4V9 ^ Mittel- 
linie. Sie besitzen einen deutlichen Kern und bei starker Vergröße- 
rung (Fig. 7) ergiebt sich, daß das Protoplasma rings um diesen Kern 
eine strahlenförmige Anordnung besitzt. 

Die Auskeimung der Ascosporen ist sehr leicht zu beobachten, 
da dieselbe bei reichlicher Ernährung innerhalb der Ascen statt- 
findet Dieselbe besteht einfach in einer Anschwellung (Fig. 8) und 
wird, wenn die normale Zellgröße erreicht ist, durch die Teilung nach- 
gefolgt. Eine Abstreifung der Sporenwand findet nicht statt Schon 
wenn die erste Teilung stattfindet, ist die Ascuswand durch den 
inneren Druck zerrissen und der zusammenhängende 8-zähiige Zell- 
komplex wird frei. Erst später verlassen die Zellen einander. 

Wie man sieht, ist dieser Vorgang etwas verschieden von deno, 
was man bei Saccharomyces findet, wo die zunächst aus den 
Sporen sich entwickehide gekrümmte Zellgestalt eine charakteristische, 
von den erwachsenen Stadien abweichende ist 

Obschon alle Zellen sich schließlich in Ascen verwandeln, glaube 
ich nicht, daß der Ascus eine notwendige morphologische Entwicke- 
lungsphase ist Vielmehr spricht alles dafür, daß die vegetative Ver- 
mehrung ununterbrochen stattfinden kann, wenn dafür nur günstige 
Bedingungen obwalten und daß die Ascosporen nur ein Verbreitungs- 
und Dauerorgan darstellen, welches den Zellen eine besondere Lebens- 
zähigkeit verleiht und g^en Austrocknen widerstandsfähig macht. 
Es ist leicht durch Versuche festzustellen, daß sie wenigstens in iets« 
lerer Beziehung den vegetativen Zellen weit überlegen sind. 

Nirgendwo ist es klarer wie hier, daß der Ascus und die Asco- 
sporen ohne einen Sexualakt entstehen. 

4 Gärungserscheinungen und Ernährung. 
Die Turgorkraft von Seh. octosporus ist eine sehr ge- 
ringe, schon der mechanische Widerstand einer 7-proz. erstarrten 
Gelatine ist für das Wachstum ein so erheblicher, daß die auxano- 



SeUsoaaeeharomycas oetosponu, eine aehtsporige Alkoholbefe. ' 57 

graphische Untersuchang« welche auf das Einschließen der Zellen in 
Gelatine beruht, hier nicht durchfQhrbar ist Zur Feststellung der 
£ro&hnii]^bedingungen muß deshalb der etwas umständlichere Weg 
der flitaigen Kulturen eingeschlagen werden. Dabei lernt man zu 
^dier Zeit die Gärungserscheinungen kennen. 

In Bezug auf die assimilierbaren Formen des Stickstoffes ist 
Seh. octosporus sehr wählerisch. Mit Ammonsalzen und Aspa- 
ragin konnte unter Obrigens den besten Bedingungen nur ein kaum merk- 
bares Wachstum erreicht werden. Selbst Pepton siccum, welches 
l&r die Bierhefe eine ausgezeichnete Stickstoffquelle darstellt, erlaubt 
nur sehr sehwaches Wachstum. Nur die natürlichen Stickstoffver- 
bindimgen, wie sie im Malze und in Rosinen gefunden werden, sind 
ab die eigentlichen Bezugsquellen des Stickstofb aufzufassen. Sind 
diese Körper vorhanden, dann läßt sich leicht feststellen, welches die 
übrigen Emährungsbedingungen sind. Wie zu erwarten, liegt hier 
das dualistische Schema vor: Nuf dann findet Vermehrung statt, wenn 
iigeod ein Kohlehydrat als Kohlenstoffquelle auftreten kann. Auch 
in Besag auf letztere ist unsere Hefe jedoch in ihrer Wahl sehr be- 
schränkt, nur Glukose, Laevulose und Maltose verursachen kräftiges 
Wachstum, Mannit und Olycerin nur ein sehr schwaches, Rohrzucker, 
Erythrit, Milchzucker, Rafnnose, Dulcit, Quercit, Arabinose und Inosit 
durchaus keines. In Bezug auf den Rohrzucker hat dieses Resultat mich 
überrascht Alle bisher bekannten Hefen, welche kräftig Maltose 
assimilieren, können auch Rohrzucker zu ihrem Wachstume verwenden. 
Octosporus ist von dieser Regel die erste Ausnahme und wieder 
ein Beweis für die sehr speziellen Beziehungen der Hefen zu den 
Zuckerarten. 

Was nun mehr im besonderen die Gärung betrifft, so ergiebt 
skh, daß aus dem assimilierten Zucker immer auch nebenbei 
Alkohol entstehen kann, nur für Mannit, welcher auch auf das 
Wachstum überhaupt nur schwach wirkt, konnte das nicht fest- 
gestellt werden. Glukose, Laevulose und Maltose veranlassen sogar 
kräftige, wenn auch viel langsamer wie bei Bierhefe verlaufende 
Giro^^en. Die Beziehungen zum freien Sauerstoff sind hier ahn- 
lidi wie beim Kahmpilze: Nur untergetauchte Zellen, welche mit 
Sauerstoff getränkt sind, können auch im sauerstofffreien Räume 
Gärung verursachen. Dasselbe Verhalten trifft zwar ebenfalls für 
Biorhefe zu, jedoch mit dem Unterschiede, daß die Bierhefezelle viel 
weniger gespeicherten Sauerstoff für Gärung und Wachstum braucht, 
wie EabmpÜze und Octosporus. Ijobhafte Gärungen, wie man 
solche am besten erhält in mit 3—6 Proz. Glukose oder Laevulose 
versetaEter und angesäuerter Malzwürze, besitzen einen sehr eigentüm- 
Bdiep, nicht eben angenehmen Geruch, und das dabei entstehende 
Bier ist zwar ebenfalls charakteristisch, doch für meinen Geschmack ent- 
schieden schlecht Geschmackssachen sind jedoch so relativ, daß ich 
nicht behaupten will, Octosporus sei für die Bereitung eines 
neoeD gegorenen Getränkes unbrauchbar. Der abdestillierte Alkohol 
iu der gewöhnliche Aethylalkohol ; die darin vorkommenden Verun- 
leinigungen sind jedenfalls teilweise charakteristisch. 



68* P.Ludwig, 

Als Lufthefe in gewöhnlicher gekochter MalzwQrze in Bdnkultar 
. kultiviert, ist der Ertrag an trocken abgepreßter Preßhefe (mit 76 Proz. 
Wassergehalt) ca. 30 Proz. in Bezug auf das Gewicht der verwendeten 
Gerste. Für einen Laboratoriumsversuch ist das eine sehr hohe Aus* 
beute, da man unter gleichen Bedingungen von Bierhefe höchstens 
22 Proz. in Bezug auf das Gewicht des verwendeten Getreides ernten 
kann. Demgegenüber ist jedoch die Gärzeit bei Octosporus, 
auch bei starker Lüftung (welche das Wachstum ganz fiberraschend 
fördert), noch 12 Stunden länger wie bei Bier- und Weinhefe, und 
das Saccharometer kömmt in einer Octosporusgärung nur schwierig 
von lO^' auf 4<^ B a 1 1 i n g , während es bei Bierhefe schell auf V k2^ (in 
der gekochten Würze in Reinkultur) zurückgeht Natürlich ist der Al- 
koholgehalt solcher vergorener Würze gering und erreicht höchstens 
0,7 Proz. in Bezug auf die Gärflüssigkeit 

Bringt man die abgepreßte Hefe in Brotteig und vergleicht nach 
dem üblichen Verfahren die Triebkraft mit deijenigen von gewöhn- 
licher Preßhefe von guter Qualität, so findet man, wenn die Kohlen- 
säureentwickelung pro Zeiteinheit bei letzterer auf 100 gestellt wird, 
für frische Octosporushefe höchstens 60. 

Delft, 14. Mai 1894. 

FigttrensrU&miig ni Tafel L 
Alles bezieht sich aaf Schisosaeoharomyces octoaporas. 

Vergrofsening Fig. 1, 2, 8, 4, 6 und 8 tansendfacb, Fig. 5 und 7 sweltaasendCach. 

Fig. 1 (1000). Sehr juDge Zellen aus Eolonieen auf WQrzegelatine. Teilung, 
Kappenbildang, ,,ScbarnierbewegaDg*< and Zellpaare. 

Fig. 2 (1000). Kräftige Oftnmg in sauerer Glnkosewarse. Unten in der Fignr 
Dyaden, Tetraden und Oktaden. 

Fig. 8 (1000). OXning in stark sauerer LaevulosewDrae. In den meisten Zellen 
eine seitliche ProtoplasmaanhSnfhng, worin der Zellkern. 

Fig. 4 (1000). Ascen in yerschledenen Stadien der AscosporenbÜdung. Die Kappen 
deutlich sichtbar. 

Fig. 6 (2000). Mit Plkrinsfture Ozierter junger Aaeus. 

Fig. 6 hoOO) und 7 (2000). Ascosporen in Freiheit gestellt. 

Fig. 8 (1000). Keimung der Ascosporen durch Anschwellung. 



Weitere Beobachtungen über Pilzflüsse der Bäume. 

Von 

Prof. Dr. F. Ludwig 

in 

Greiz. 

1) Eine neue Gummöse der Hainbuchen. 
Im Sommer 1893 übersandte mir Herr cand. med. Karl E. 
K lug k ist in Leipzig Rindenstücke der Hainbuche mit i^röfieren 
Massen eines rubinroten, durchscheinenden Gummis, welches er am 
2. Juli an kranken Garpinusstämmen an der Rudelsburg bei Kdsen 
an der Saale gesammelt hatte. Dasselbe enthielt kleine, sichelförmig 



»nrralbhitt /urBakf(*rioIoiftf'/it^ AI 7. 



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Weittre B«obacbtiiagea über PiliflttiM dn BKnin«. 59 

gekrömmte, das Licht stark brechende Eörperchen in solcher Menge, 
daS es ansBchliefilich daraus zu bestehen schien. Die lebhafte Be- 
weglichkeit der Eörperchen und die leichte Färbbarkeit durch Anilin- 
farben hatte Herrn Klugkist anfangs veranlaßt, dieselben für 
Bakterien zu halten. Dieselben ließen sich jedoch auf keine Weise 
io den fiblichen Bakterienboden weiter züchten und wurdm von mir 
sofort als Mikroconidien (,,Spermatien'^ Pyknosporen) eines Hypho- 
myeeten erkannt Diese Sporen messen (8— )11— 12 » 2—3 und 
sind sdbBt farblos. Ihre Beweglichkeit bei der mikroskopischen 
ÜDtersuchuDg ist auf die bei der Lösung des erh&rteten Gummi» 
entstehenden Strömungen offenbar zurfickzufflhren. Die massenhafte 
ProdnktioD der Pyknosporen — die Gummimassen, welche fast ganz 
daiaos bestehen, bilden dem Kirschgummi ähnliche Klumpen yon 
mehrten Gentimetem Durchmesser — beweist, daß der Hyphomycet,, 
dem sie angehören, die direkte Ursache der Gummöse ist Der rote 
Gunmifluß bricht aus dem Holze hervor und tritt streifenförmig an 
ahlreichen Stellen auf, an denen die Binde abgestorben und zerstört 
ist. Sämtliche Bäume, die den Gummifluß zeigten, erschienen kränk- 
lich. Herr Klugkist schildert nach einem zweiten Besuche am 
2. Oktober 1893 den Zustand der befallenen Hainbuchen folgender- 
maBcD: „Von 20 dickeren Carpinusstämmen sind etwa 7 oder 8 
kraok, einer ist tot. Sämtliche kranken, dagegen keiner der gesunden 
hatten Bohrlöcher von Insektenlarven.'' [Solche sind oft auch die 
EiDgangspforten für den Urheber des weißen Schleimflusses Leuco- 
Dogtoc Lagerheimii bei Pappeln.] „Manche Teile der Binde bei 
den kranken waren tot, andere Teile im Absterben und nur an diesen 
absterberden Rindenteilen, nicht an völlig vertrockneten, auch nicht 
ao dem erwähnten toten Stamme fand sich 1) der rote Gummifluß 
Dost in ^/i Fuß hingen senkrechten Streifen, 2} spärlich ein wässe- 
riger braunschwarzer Fluß in kleinen, mehr rundlichen Stellen/' Der 
l^tere bildet, wie das übersandte Material beweist, dasselbe schwarz- 
glänzende Gummi, welches nach der Leuconostoc-Endomyces- 
krankheit der Eichen, Birken, Pappeln etc., wie nach dem braunen 
Schleimflusse (Micrococcus dendroporthos — Torula mo« 
nilioides) der Boßkastanien u. s. w. auftritt und von mir in diesem 
CeDtndblatte früher beschrieben wurde; er tritt wohl immer nur im 
Gefolge anderer Pilzkrankheiten auf und enthält nur spärlich Ele- 
mente der Pilze, welche jene verursachten. Der rote Gummifluß, der 
bisher nur von Klugkist an Hainbuchen beobachtet wurde, ist 
iMgdgen ohne i^len Zweifd ebenso eine direkte Pilzwirkung wie die 
piofose Gummöse der Amygdaleen (durch Goryneum), Leider 
dürften die kranken Garpinusstämme nach der Mitteilung des Herrn 
Klagkist inzwischen der Axt erlegen sein, so daß der Urheber der 
roten Gummöse an ihnen nicht mehr zu ermitteln sein wird. Die 
PycDoeporen, welche so massenhaft und — soweit ich das reiche 
Material, das mir Herr Kand. Klugkist freundlichst überließ, 
dardisucfat habe — ausschließlich das Gummi erf&llen, gleichen 
jedoch so auffällig denen eines zweiten zu beschreibenden Pilzes, daß 
die Pyknidenfirfichte, welchen sie ihren Ursprung verdanken, möglicher- 
weise die des letzteren sind. 



gO F. Ludwig, Weitere B«ob«chtiiogen fiber Pilifldsse der Bftame. 

2) Pathologische Erscheinungea an Gaatanea vesca in 

Frankreich. 

Herr Prof. Dr. L. Gri6 in Bennes sandte mir wiederholt von 
Gastanea vesca, die an einer vielverbreiteten Krankheit leiden, 
Wurzel-, Zweig- und HolzstQcke, deren Untersuchung außer Bakte- 
rien, die die prim&re Ursache der Erkrankung zu sein schienen, 
besonders regelmäßig jene sichelförmigen Spermatien des von Klug- 
kist entdeckten Garpinusgummis ergab. So &nd ich unter der 
Rinde yon Kastanienzweigen, die am 19. Januar an mich gesandt 
wurden und welche eine nach Alkohol riechende Zersetzung mit 
Bräunung gezeigt hatten, eine gallertige Itasse, die neben Hefe- 
sprossungen hauptsächlich aus den winzigen Sichelpyknosporen be- 
stand. Ein Stammstack von einem kranken Baume, welches mir 
Herr Gri6 am 8. April gesandt hatte und dessen Gefäße von sehr 
dünnen, knorrigen Mycelfäden durchzogen waren, enthielt denn auch 
in großer Menge die Pykniden, denen diese Körperchen ihren Ur- 
sprung verdanken. Beim Spalten des Holzes fiel mir auf der frischen 
Spaltfläche eine eigentQmliche Maceration schon ohne optische Hilfs- 
mittel auf. Das Holz schien der Länge nach wie durch winzige 
Lärvchen ausgefressen, so daß nur dQnne Gangwände übrig geblieben 
waren, und schwarze, pelzartige Massen in diesen Gängen schienen 
auf die Zerstörung der Holzmasse durch tierische Feinde hinzudeuten. 
Um so mehr war ich erstaunt, als ich unter der Lupe und dem Mikro- 
skope in den pelzartigen Massen flaschenförmige Pycniden mit langem, 
borstenförmigem Stoma erkannte, welche durch lange, derbe, haar- 
ähnliche, dunkelbraune Rhizoiden im Holze festsaßen und von ihnen 
aus die streckenweise knotig und knopffftrmig verdickten Mycelfäden 
in die Gefäße sandten. Sie waren es, welche jene sichelförmigen 
winzigen Pyknosporen im Innern erzeugten. Da Herr Gri6 wieder- 
holt von einer Gummöse der Kastanien gesprochen und die mit 
langem Stoma versehenen Pykniden inmitten des Holzes sich 
fanden (erst an der frischen Spaltfläche zu Tage treten), unterliegt es 
mir keinem Zweifel, daß die larvenartige Durchhöhlung des Holzes 
durch eine Umwandlung desselben in Gummi und Entleerung des 
letzteren nach außen zustande kommt Mit ihm werden dann wohl 
die massenhaft erzeugten „Spermatien^^ zu Tage gefördert Ich wüßte 
sonst absolut nicht, wie ich mir die langen Stomata der inmitten des 
Holzes befindlichen Pykniden deuten sollte. Auch bei der G a r p i n u s - 
gummöse kann es, da die gummöse Pyknosporenmasse aus dem 
Holze hervorquillt, sich nur um solche endoxyläre Pykniden handeln, 
deren Sporenentleerung der zereetzenden, das Holz in Gummi um- 
wandelnden Wirkung der Hyphen (oder der ihnen symbiontischen 
Bakterien?) angepaßt ist 

Die Pykniden der französischen Gastanea vesca sind schwärz- 
lich, elUpsoidisch-fiaschenförmig, ca. 425 fi lang, mit 2 — 3 mm langem 
und 14 — 18 fi dickem, borstenförmigem Stoma versehen, der bauchige 
Teil derselben besitzt parenchymatische Wandung und ist reich mit 
schwärzlichen, langen, starren Haaren besetzt, welche bei stärkeren. 
Vergrößerungen ein feinwarziges Aussehen haben. Sie gehören nach 



Lnts, Beobachtung«!! üb«r die als T. nana a. flayopactata bekanDten Bandwürmer. Ql 

Saccardo der Imperfektengattuiig Sphaeronaema an und mögen 
ihres merkwQrdigen Vorkommens halber als Sp. en doxyl on be- 
zeidmet werden. Die gekrümmten, stäbchenförmigen, an den Enden 
abgemndeten hyalinen Sporen messen ca. (8 — )10— 14 ^ 1—2. Die 
Carpinaspyknosporen, welche sicherlich einer nahe verwandten 
Pyknidengattung angehören, unterscheiden sich nur durch etwas größere 
Dicke, ich fand sie (7— )11— 12 ^ 2—3. 

Wie Klugkist als sekundäre Erscheinung bei Carpinus das Her- 
▼orbrechen des zuerst Yon mir bei Eichen, Pappeln, Kastanien u. s. w. im 
Gefolge verschiedener Pilzkrankheiten beobachteten schwarzen Gummis 
konstatierte, so erhielt ich auch durch Cr 16 „un liquide noir pro- 
Tenant d'un tronc de Gastanea malade^S eine Flüssigkeit, welche 
eingetrocknet mit dem schwarzen Eichengummi im Aussehen völlig 
flbminstimmte und auch wie jenes und im Gegensatze zu dem roten 
Pyknidengummi der Hainbuchen nur Spuren von Pilzelementen ent- 
hidt 

Greiz, 6. Juni 1894. 



Beobachtungen über die als Taenia nana nnd flavo- 
pnnctata bekannten Bandwürmer des Menschen. 

Von 

Dr. Adolph Lutz 

in 

St. Paulo (Brasilien). 

Der noch ziemlich beschränkten Kasuistik der früher als Taenia 
flavopunctata und nana bekannten Gestoden möchte ich in 
dieser vorläufigen Mitteilung einige neue Beobachtungen anreihen, 
vdche zugleich fQr mein Wirkungsfeld (Brasilien) die ersten be- 
kannten Falle darstellen. Da weitere Beobachtungen leicht auf sich 
warten lassen könnten, so scheint es besser, mit dieser Veröflfent- 
lidumg Dicht länger zu zögern. Ich bebalte mir aber vor, auf ver- 
schiedene Punkte der Naturgeschichte dieser Gestoden später zurQck- 
zokommen. 

Die Bandwurmgruppe, zu welcher die beiden uns besphäftigenden 
arten gehören, ist von Weinland unter dem Namen Hymeno- 
lepis abgetrennt worden und hat neuerdings von Baphael 
Blanchard eine ziemlich eingehende Bearbeitung erfahren^). Da 
dieselbe ein Verzeichnis der Litteratur und der einschlägigen Fälle 
bis zum Jahre 1891 enthält, neuere Mitteilungen über diesen Gegen- 
stand mir auch nicht bekannt sind, so werde ich mich ausschließlich 
auf diese Monographie beziehen. 

Blanchard führt von Taenia flavopunctata nur 4 Fälle 
an. Es sind dies: 



1) Baphael Blanchard, Histoire aoologiqae et midioale des Tiniades du 
I BTüMiiolepifl Weinland. 4^ Paris. (Sod^M d'Mltiont Boientifiqnei, B. Antoine- 
Dabob) 1S91. 



62 Adolph Lata, 

1) Ein Fall von Ezra Palmer, 1842. Es handelte sich um 
6 WQrmer ohne Kopf yon je 80—30 cm Lftnge. Dieselben worden 
von Weinland beschrieben und benannt; auch Leuckart nnter- 
suphte Fragmente derselben. 

2) Fall von L e i d y. Fragmente dreier Wflrmer, von W, Pep p c r 
gesammelt, welche einem 8-jahrigen Kinde in Philadelphia nach 
Santoningebrauch abgegangen waren. 

3) Fall von Parona. 4 Wflrmer mit Eop^ von einem 3-jftbrigen 
Kinde in Varese (Italien) abgetrieben, nachdem zuvor die Eier im 
Stuhle konstatiert worden. 

4) Fall von GrassL Nach Einnehmen eines Bandwnrmmittels 
entleerte ein 12-jähriges Mädchen neben dner Taenia solium 
zwei Hymen olepis von 25—80 cm Länge, davon eine mit 
Kopf. 

Endlich wäre noch anzuführen, daß ein helminthologisches Ex- 
periment von Grassi die Entwickelung einer größeren Anzahl hier- 
hergehOriger Bandwürmer ergab ^). 

Dieser kurzen Kasuistik habe ich folgenden Fall beizufügen: 

Im Mai 1893 wurde dem bakteriologischen Institute in St Paulo, 
dessen Direktion ich kurz vorher übernommen hatte, von einem 
hiesigen Arzte, Dr. Faria Rocha, eine Taenia zur Bestimmung 
übergeben, welche von dem im zweiten Lebensjahre stehenden Kinde 
eines hier angesessenen Portugiesen nach Santoningebrauch abge- 
gangen war. Das in Spiritus aufbewahrte, ziemlich brüchig gewordene 
Exemplar erwies sich als Kopf- und Gliederkette einer kleinen Band- 
wurmart. Erstere ließ olme weiteres vier ziemlich große Saugnäpfe 
erkennen; ein zwischen denselben gelegenes, wenig entwickeltes 
Bostellum ohne Hakenkranz war weniger auffällig, konnte indessen 
zweifellos erkannt werden. Die Gliederzahl betrug drca 960, unter 
denen sofort einige sterile auffielen. Die letzten Proglottiden, welche 
sich als kleine Kette abgelöst hatten, waren vollständig mit Eiern 
gefüllt 

Es konnte sich hier entweder um eine neue Art handeln oder 
um eine bereits beschriebene, aber seltenere Form. Als solche konnte, 
wie schon eine oberflächliche Orientierung ergab, nur die T. f lavo- 
punctata Weinland *s in Frage kommen. Die genauere Unter- 
suchung zeigte, daß es sich unzweifelhaft um eine Hymenolepis 
handelte, welche im allgemeinen mit dem von Weinland beschrie- 
benen Parasiten gut übereinstimmte. Die Abweichungen von den 
gegebenen Beschreibungen waren durchweg aus der verschiedenen 
Konservation der Exemplare, sowie aus verschiedenen Untersuchungs- 
bedingungen zu erklären« 

Nachdem wir also unseren Bandwurm unter den menschlichen 
Parasiten glücklich untergebracht hatten, blieb uns noch ein anderer i 
Punkt zu erledigen. Grassi hat nämlich, in Erwägung, daß ein so , 
selten bei Menschen gefundener Parasit kaum auf diesen als regel- 
mäßigen Wirt angewiesen sein könne, nach einem identischen Parasiten ' 
bei anderen Wirten gesucht Er fand, daß eine als T. lepto-i 

. I 

1) Jedoch nur bei einer von iwei Veraiiehspenpiieo. 



BMbMhtanfni ftb«r die «b T. luuw ood fUrapiioeUU bekannten Bandwftrmer. g3 

<:ephala 1885 von Greplin besehriebeDO, bei Nagetieren, besondera 
Batteo, Yorkommende Art mitT. flavopanctata identisch sei 
OBd deshalb mit diesem Namen bezeichnet werden mflsse. Nach R. 
Blanchard hat dieser Wurm aber schon 1819 yon Rudolphi 
den Namen T. diminnta erbalten, der nach dem Oesetze der 
Prkmtfit beizubehalten sei ^). 

Obgleich die Grassi^sche Angabe durchaus vertrauenswfirdig 
schien, hielt ich doch eine Nachprüfung für geboten. Besonders 
wfloBchte idi festzustellen, ob hier in St Paulo ein mit dem von 
Dir beobachteten Wurme gleidiwertiger Gestode bei Ratten h&ufiger 
gdasden werde. 

In der That fand ich bald, daß Mus decumanusin St Paulo 
recht h&ufig einen Bandwurm beherbergt, der dnerseits mit den 
Beschreibungen von H. diminuta (T. leptocephala), andererseits 
mit dem vom Menschen stammenden Exemplare bestens übereinsimmte, 
venu Ton den durch die Konservation herbeigeführten Veränderungen 
abgeeeben wurde. Ich schließe mich daher Orassi an, wenn er in 
den Hatten den gewöhnlichen Wirt der H. flavopunctata des 
Menschen sieht 

An dem von Ratten gewonnenen Materiale hatte ich Gelegenheit, 
den Wurm noch weiter und namentlich auch im frischen Zustande 
za studieren. Die dabei gewonnenen Besultate sollen später be- 
sprochen werden. 

Während ich noch mit diesem Gegenstande beschäftigt war, ent- 
deckte ich bei einer mikroskopischen Fäkaluntersuchung Bandwurm- 
eier, y<ui denen ich sofort vermutete, daß sie zu Taenia nana ge- 
hören möchten. Eine Vergleichung mit den mir vorliegenden Be- 
schreibongen machte dies noch wahrscheinlicher, besonders da auch 
die an dem Tr&ger beobachteten Erscheinungen dafür sprachen. 

Es handelte sich um ein 2V9-jähriges Mädchen von fremden 
Eltern, aber in San Paulo aufgewachsen, welches vor einem Jahre 
v^eo Symptomen eines Darmleidens längere Zeit behandelt worden 
var and auch allerlei nervöse Symptome gezeigt hatte. Namentlich 
nien auch mehrmals unregelmäßig^ Fieberanfälle aufgetreten, nebst 
«äderen Erscheinungen, wie sie in der D^titionsperiode vorzukommen 
pflegen; doch schienen sie mit derselben nicht im Zusammenhange. 
(Einige Male waren auch Ascariden abgetrieben worden.) Bei einem 
•oidien unmotivierten Fieberanfalle sah ich die Patientin und unter- 
jochte die O^ektion^. Es fanden sich neben vielen Flageliatencysten 
Dod Trichocephalusdem auch die Bandwurmeier in ziemlich geringer 
2ahL Es wurde nun eine Kur mit Extractum aethereum Filicis maris 
«ingdeitet, nachdem ein Stillstand im Fieber eingetreten war. Trotz- 
<kai ich qieziell auf Taenia nana fahnden ließ, konnten keine Frag- 
iMote gefunden werden; dagegen ließ sich eine jede größere Tänien- 
art sicher aasschließen. Da das Extractum filicis hierzulande 
B>tt8t wenig wirksam gefunden wird, ließ ich eine Probe von Carlo 
Erb a in Mailand kommen. Mit dieser wurde ein zweiter Versuch gß- 
>n^t Vorher wurden nochmals die Faeces untersucht : Die H y m e n o - 

l) W«iton 871MU17111A find: T. varesSna £. Pafoiia and T. minima Orassi. 



^ Adolph Lats, 

1 e p i 8 eier waren so spärlich, daß sie nur durch die Sedimentiermethode 
nachgewiesen werden konnten. Nach der ersten, wohl etwas klein 
bemessenen Dose (0,3 Extr. fil.) erfolgte ein Stuhl, der 5 Ketten 
einer kleinen Taenia enthielt; zwei weitere gleiche Dosen, je nach 

2 Stunden gegeben, förderten nichts zu Tage. Obgleich nirgends 
ein Kopf zu nnden war, vielmehr der ungegliederte Hals überall in 
nächster Nähe des Kopfendes durchgerissen schien, konnte ich doch 
mit Bestimmtheit feststellen, daß es sich um Taenia nana handelte. 
Die Zahl der Glieder betrug im Durchschnitte 190, im Maximum 200; 
die Eier, von ovaler Form und etwas wechselnder Größe, zeigten 
deutliche Papillen an den Polen oder inneren Eischale; sie waren 
mit den abgegangenen übereinstimmend. 

Auch die Taenia nana ist von Grassi als identisch mit 
einer Hymenolepis der Ratte und der Maus, H. murina Dujardin, 
erklärt worden. Von dieser Art wies er nach, daß sie in der Darm- 
schleimhaut des definitiven Wirtes auch ihr Cysticercoidenstadium 
durchmacht. Folgerichtig würde also auch bei Menschen die Infek- 
tion durch Verschlucken von Eiern herbeigeführt werden, welche 
wenigstens zuerst von einem anderen infizierten Menschen oder Tiere 
herrühren müssen, während sich später der Wirt mit den Eiern 
seiner eigenen Bandwürmer infizieren kann. Ist die Identität der 
Menschen- und Rattentaenia thatsächlich, dann kann sich 
der Mensch mit den Eiern der letzteren infizieren ; wäre dagegen die 
T. nan a eine selbständig auf den Menschen angepaßte, mit H. m u rina 
nur verwandte Art ^), so hätte man auch bei ihr eine Entwickelung 
ohne Wirtswechsel anzunehmen. Die Vermittelung eines Zwiscben- 
wirtes aus der Klasse der Insekten, wie sie für H. diminuta und 
andere Arten gilt, könnte die öfters beobachtete Infektion mit Tau- 
senden von Exemplaren kaum erklären, selbst unter Voraussetzung 
einer Vermehrung des Cysticercoiden durch Sprossung. 

Hymenolepis nana ist bekanntlich nur in Italien häufiger 
beobachtet; außerdem wurde sie in Aegypten einmal von dem Ent- 
decker Bilharz 1851, femer 1885 von Walter Innes gefunden. 
Ferner wurden hierher gehörige Eier von Ransome in Nottingham 
bei einem 9-jährigen Mädchen wiederholt in den Faeces gefunden. In 
Belgrad trieb Dr. Holez 1885 5mal je 50 Exemplare von einem 
7-jährigen Mädchen ab. Außerdem wurde dieser Wurm von Spooner 
1872 bei einem jungen Manne in Philadelphia beobachtet, während 
Wernicke in Buenos Ayres (1890?) bei der Sektion eines argen- 
tinischen Seemannes 30—40 Exemplare desselben fand. In Sicilien 
ist der Wurm nach Grassi und Calandruccio ziemlich häufig. 
Auch in Italien selbst wurde er mehrfach gefunden^). 

Da die Einwanderung aus Italien nach Sfidamerika bekanntlich 
eine sehr bedeutende ist, so liegt es nahe, anzunehmen, daß durch 
dieselbe der Parasit in Argentinien und Brasilien eingeschleppt 
wurde. Andererseits wäre es möglich, daß derselbe in diesen Ländern 

1) Difl«e Vonnatiiiig wnrd« von M o n i e s aafge8t«llt, and R. Blanobard schlieret 
sich derselben sn. Die Gr&nde, welche der Letstere dafür anfahrt, sind indessen darch- 
ans nicht stichhaltig, wie ich später nachweisen werde. 

S) Näheres siehe bei B. Blanchard, dem auch diese Angaben entnommen sind. 



B— b a chtnng en Aber die «Is T. oaiut uod flayapanetAU bekanntoD Bandwarmer. g5 

bei Nagetieren öfters gefunden würde« und diese die Infektionsquelle 
ftr die Menschen bildeten. Ich habe daher auch diesen Wurm bei 
der Waoderratte gesucht und nach mehreren erfolglosen Versuchen 
wirklich gefunden. 

Zorn Zwecke des Studiums der H. diminuta hatte ich mir 
mehrmals aas derselben Lokalität Ratten verschafft, welche fast 
immer denselben Parasiten enthielten. Da derselbe aber häufig noch 
nicht bis zur Bildung reifer Eier entmckelt war, wie denn meistens 
auch nur jüngere Tiere in die Falle gingen, so sah ich mich veran- 
li&t, einige Ratten längere Zeit am Leben zu erhalten und von Zeit 
zu Zdit die Exkremente auf Eier zu untersuchen. Eine derselben 
wurde tot im Käfige gefunden, nachdem sie mehrere Wochen in 
der Gefangenschaft zugebracht hatte und auch zu einem bakterio- 
logischen Experimente verwendet worden war. Bei der Sektion zeigte 
sidi der Mi^n mit Massen gefüllt, welche deutlich fäkalen Cha- 
nkter trugen. Bei der mikroskopischen Untersuchung fanden sich 
darin dicht gedrängte Eier von H. diminuta, dazwischen etwas 
seltener Eior, welche mit denen von T. nana übereinstimmten, was 
deutlich bewies, dafi hier ein Fall von Ileus vorlag. Im Dünndarme 
fanden sich zwei aui^ewachsene Exemplare von H. diminuta und 
eine große Zahl von kleinen Bandwürmern, welche vollständig der 
EL nana glichen, daneben noch ein Männchen eines wiüirscheinlich 
nabeschriebenen S t ro n g 7 1 u s. In der Leb» fanden sich zahlreiche 
Eier von Trichosoma, welche bei den hiesigen Ratten einen kon- 
stanten Befund bilden. Da weitere Läsionen nicht gefunden wurden, 
glaube ich den Tod des Tieres auf die Helminthiasis zurück- 
fahren zu müssen und den Ileus durch Darmobstruktion von Seite 
der U. diminuta erklären zu sollen. 

Es war mir bisher nicht möglich, zwischen der kleineren 
Hymenolepisart des Menschen und der Ratte einen Unterschied 
za finden, so daß ich auch hierin Grassi beistimme. Durch Auf- 
findung eines neuen Falles von H. murine beim Menschen konnte 
ich die Yergleichung auch auf die Scolices ausdehnen. 

Diesmal handelte es sich um ein 4-jähriges Mädchen, ebenfalls 
von fremden Eltern in San Paulo geboren, welches seit wenigstens 
2 Jahren an beständiger Diarrhöe und zeitweiligen Fieberanfällen 
Utt Weda: eme sorgfältig gewählte Diät, noch eine Behandlung in 
Europa hatte irgend welche Besserung herbeigeführt. Es waren, wie 
auch in dem ersten Falle, Symptome eines perversen Appetites vor- 
handen, indem z. B. Kalk von den Wänden gegessen wurde, während 
nenrtee Symptome nur wenig ausgesprochen waren. Auch hatte die 
Eraihrong nicht in dem Maasse gelitten, wie man es bei der Dauer 
der Krankheit hätte erwarten sollen, was wohl der guten Pflege zu- 
zoschieiben ist Durch die Aehnlichkeit der Symptome mit den- 
jeaigea im oben erwähnten Falle wurden die Eltern zu einer Konsul- 
tation veranlaSt, und ich fand in den ganz flüssigen Entleerungen 
zieoilich sabireidie Eier von der Form deijenigen der H. nana. Es 
wurden 4,0 Extr. filids maris aether. von Carlo Erba in Emulsion 
venbfeieht Darauf erfolgten zwei Entleerungen, weldhe eine Dn- 
nasse von kleinen Tänien zu Tage förderten. Ich isolierte davon 

XTLB«. 5 



Qß La 1 1 , BeobacbtiiDgen ttb«r die Als T. xuma u. flAvApuieteta bokaiiDtaii Bandwürmer. 

850 und zählte weit Ober 2000, konnte aber ans äufieren Gründen 
die Z&hluDg nicht zu Ende führen. Den meisten Bandwarmketten 
fehlte der Kopf; nur in etwa 10 Proz. warde er gefunden. Der- 
selbe wurde schon makroskopisch durch seine dem dünnen Halse 
gegenüber bedeutende Dicke leicht erkannt Die mikroskopische 
Untersuchung zeigte, daß der Kopf öfters fast abgelöst war, so daß 
anzunehmen ist, daß derselbe manchmal erst nach der Entleerung 
sich abgetrennt hatte. Sehr häufig fanden sich auch kleine Ketten, 
die nur aus reiferen Gliedern bestanden. 

Während bei den langsam abgestorbenen Tänien der Ratte der 
Rüssel meistens ausgestreckt war, fand ich ihn bei den vom Menschen 
abgetriebenen Exemplaren überall eingezogen« Durch Erwärmung 
auf Bluttemperatur konnte bei den letzteren kein Lebenszeichen 
henrorgerufen werden. 

Durch diesen zweiten Fall wird es wahrscheinlich gemacht, daß 
bei Beobachtung "ähnlicher Krankheitszustände noch weitere Fälle 
von T. nana tüerzulande zu finden sein werden. Für sehr häufig 
kann ich diesen Parasiten indessen nicht halten, da ich in ca. 600 
schon früher wegen Symptomen von Helmintbiasis oder Darmleiden 
gemachten Fäkaluntersuchungen nur einmal ein ähnliches Bandwnrmei 
gefunden habe. 

üeber den weiteren klinischen Verlauf der Fälle von Taenia 
nana habe ich noch Folgendes nachzutragen: 

Das zweite Kind, bei dem am 22. März über 2000 Würmer ab- 
getrieben worden waren, wurde am 10. April 1894 einer neuen Kur 
mit 2,5 g desselben Extraktes unterworfen. Es gingen diesmal our 
26 Ketten ab, welche etwa zur Hälfte einen Kopf aufwiesen. Der 
kleine Patient darf nun als ziemlich geheilt angesehen werden, da 
alle Beschwerden verschwunden sind. Während Mher trotz der 
sorgfältigsten Diät der Stuhlgang immer diarrhoisch war, ist derselbe 
fest geworden, obgleich das Kind jetzt alles genießt. 

Nicht so glatt verlief der erste Fall. Obgleich nach den beiden 
ersten Kuren, wovon die letztere nur 6 Ketten zu Tage geföidert 
hatte, eine deutliche Besserung eingetreten war, nachdem die Folgen 
der Kur selbst überwunden waren, so erfolgte doch keine definitiTe 
Heilung. Anfangs Mai d. J. hatten sich die alten Symptome: Leib- 
schmerzen, Durchfall, unruhiger Schlaf und leidender Oesichtsausdnick 
wieder eingestellt. Es wurde wieder eine Kur eingeleitet, und zwar 
mit 3 g Er barschem Extrakt auf einmal gegeben. Das Resultat 
war, daß circa 100 Ketten abgingen, davon 10— '20 mit Kopf^ 
außerdem 2TrichoncephaluB weibchen. Heute, 2 Wochen später^ 
sind die Symptome, obwohl etwas gebessert, noch nicht ver- 
schwunden. 

Ich muß bemerken, daß dasselbe Extrakt sich in 2 Fällen von 
Taenia saginata, welche zuweilen 4--5 Kui^n widerstanden 
hatten, ausgezeichnet bewährte, indem jedesmal der Kopf abge- 
trieben wurde. (Der eine Fall betraf die Mutter des ersten 
Patienten.) 

Wir sehen also, daß selbst bei Anwendung eines guten Präparates 
der Wurm häufig ohne den Kopf entleert wird. Audi die reiferen 



S. HivrA, TrichomoiiM TagumlU Im fidsebgelMseoen Urin «ioM Maimts. 67 

Glieder haben sich gewöhnlich yon der eigentlichen Kette abgeltet 
und bilden ein oder mehrere Fragmente. Es verhält sich also auch 
dioer Udnere Bandwurm ganz wie die großen Tänien. Um so 
sonderbarer ist es, daß alle Autoren uns den Eindruck geben, als ob 
b ihren Fällen die Würmer immer mit dem Kopfe abg^angen 
viieo. In meinen Fällen sind übrigens offenbar nicht nur äle 
Ketten abgegangen, sondern auch wo der Kopf nicht an der Kette 
BttzeDd gefonden wurde, 'war der Erfolg meist ein radikaler, indem 
ach z. B. im zweiten Falle nur etwa 1 Proz. der Würmer regene- 
riert hatte. Das Paradoxe, daß im ersten Falle durch die zweite Kur 
mit demselben Präparate nur 6^ bei der dritten dagegen 100 Ketten 
aifiogen, erklärt sich durch eine Reinfektion, welche aus später zu 
erörternden Gründen sehr leicht stattfindet Deswegen folgte auch 
der zweiten Kur eine lange Zeit, wo alle Symptome nachließen. 
El whrd sich daher auch in allen Fällen dieser Art empfehlen, die 
Kor so lange zu wiederholen, bis keine Ketten mehr abgehen, wobei 
ein Zwischenraum yon 2 Wochen am zweckmäßigsten erscheint Nur 
Inf schwarzem Grunde, z. B. in einer photographischen Tasse, 
können die Würmer alle ziemlich rasch und sicher aufgefunden 
werden; in einem weißen Gefäße ist es beinahe unmöglich. Darauf 
Kt bei der Kontrolle des Resultates, welche möglichst durch den 
Arzt seihet zu geschehen hat, ganz besondere Rücksicht zu 
nehmen. 



Trichomonas vaginalis im frisohgelassenen Urin 
eines Mannes. 

Von 

Dr. E. Hlun 

in 

Tokio. 

Hit 4 AbbUdnngeo. 

Die Beobachtung, welche dem folgenden Aufsatze zu Grunde liegt, 
ist Ton zwei Gesichtspunkten aus interessant; erstens war ein In- 
faorinm im friachgelassenen Harne enthalten, was meines Wissens bisher 
röAi beobachtet worden ist, und zweitens kam ein Infusorium, welches 
Inher nur im Vaginalsekrete der Frauen gefunden wurde, im uro- 
pottischen Apparate emes Mannes ^or. 

In die Poliklinik, weiche ich im IL Universitätsspital zu Shitaya, 
Tokio, hatte, kam unter Ko. 3665 am 22. Juli 1893 ein 52-jähr. Mann, 
desMn Klage anfier Husten und Auswurf in Schmerzen der linken 
FliDke beäaikL Die objektive Untersuchung des Kranke ergab 
Bronchitis diffusa catarrhalis und eine geringe Druckempfindlichkeit 
m der Hnken Nierengegend. Der f risch^olassene Harn, etwa 200 ccm 
ii Menge, yon gelblicher Farbe und saurer Reaktion enthielt weder 
BireiS, noch Zocker, wohl aber mehrere, etwa 2—5 mm lange, £aden- 



<58 KMinr», 

f5rmige oder flockige Gebilde, ähnlich etwa einem kurzen Tripper- 
faden. Die mikroskopische Untersuchung derselben ergab reichliche 
Rundzellen, eingebettet in eine farblose, schleimige Masse, Yerschieden 
gestaltete Plattenepithelien und — zu unserer Ueberraschung lebhaft 
sich bewegende Infusorien, etwas größer als die Eiterkörperchen, 
zwischen denen sie sich befanden. Dieselben hatten zum Unterschiede 
von den letzteren schärfere Konturen und geringere Granulation und 
zeichneten sich durch Besitz von Geißeln und undulierenden Saum ans. 
Nachdem wir nun den Kranken einigemal in der Poliklinik unter- 
sucht hatten, ließen wir ihn behufs genauerer Untersuchung am 26. Juli 
ins Shitaya-Hospital eintreten (Zimmer No. 10, Abteilung des Herrn 
Prof. Aoyama, dem ich hier fQr seine freundliche Unterstatzung 
meinen herzlichen Dank ausspreche). 

Krankengeschichte. 

Yokiohi Takahathi, 52-jähriger Holshftndler, verheiratei. 

Anamnete. Vater ist im vorigen Jahre im SO. Lebentjahre an 
einer anklaren Krankheit, Matter vor 37 Jahren an Karbunkel ^e* 
sterben. 

Yen den drei Oesohwiatem ist eine duroh tehwere Oebnrti z^rei 
durch Krankheiten der Atmungaorgane gestorben. 

Patient selbst war Ton der SUndheit an schwäohlioh, hat im 5. Lebena- 
jahre Impfpocken and im , 21. Lebensjahre Masern dorohgemaoht. In 
seiner Jugend will er öfters an habitaellem Kopfschmerz, ünterleiba- 
schmerzen und Dyspepsie gelitten haben. Als er 21 Jahre alt war, 
litt er an Bozema marginatum scroti und einmal bemerkte er ein 
hirsekomgrofses Knötchen an der Yorhaut des Penis, welches durch 
Kratzen in eio kleines Oeschwürdhen überging, aber bald heilte. — Kie 
litt er an Schanker oder Gonorrhöe. In seinem 25. Lebensjahre wsur 
er wegen irgend einer fieberhaften Erkrankung etwa 9 Monate lang 
bettlägerig. Seither gesand bis zur jetzigen Krankheit. 

Beginn der jetzigen Krankheit: Anfang Juli fühlte er sich wie er- 
kSltety hatte Kopfschmerzen, Fieber und Frösteln, femer Husten und 
Sputa. Seit ein paar Tagen fröstelt er Ton 10 ühr Tormittags bia 
gegen Mittag, um dann heifs zu werden und zu schwitzen. Appetit 
gaty Stuhl normaL Keine Klagen Ton selten des ürogenitalapparatea. 

Stat. praes. (aufgen. am 27. Juli 1S93). Bin magerer, schlanker 
Mann Ton mittlerer Statur und bräunlicher Hautfarbe klagt Über Husten, 
Kopfschmerz mit zeitweisem Hitzgef&hL Puls 84, Respiration 18 pro 
Miaute, Temperatur 88,8® C. Haare teilweise weiCi. Sinnesorgane 
normal. Zunge weifsgelblich belegt. Hals dünn und lang, keine Drüsen- 
anschwellung. Perkussionsschall der Lungen überall hell und nieht 
tympanitisch. Exspiration stellenweise yerlftagert und bei tiefer Inapi- 
ration hört man hie und da Bassein. Herz normal. An den unter- 
leibsorganen ist nichts Abnormes nachweisbar. Abdomen auf der linken 
Seite überall druckempfindlich, besonders in der linken Flanke. Kein 
Oedem an den Beinen« 

Während des Hospitalaufsnthaltes Tom 28. Juli bis 11. Auguat 
schwankte die Körpertemperatur awischen 86,7 und 87, Puls zwiaehen 



Trichomonas ragiiialis im firitchgtlassenen Urin eines Hannes. Q^ 

60—80. Die 24-tt8ndig6 ürinmengey toirie das Bpei. Gewicht, in den 
mten lügen nioht gemessen, betrag im weiteren Verlaufe, wie folgt: 
81. Jnli bis 1. Angnst Menge 1800 spei. Gewicht 1010 

1. Angnst» 2. „ „ 1300 „ „ 1011 

2. „ „ 3. „ „ 1600 „ „ 1009 

8. „ „ 4. „ „ 1200 „ „ 1016 U.S.W. 

Die Farbe war nadh der Vogel 'sehen Skala zwischen hellgelb 

lod gelbbraun. Reaktion immer sauer. Der Harn enthielt niemals 

fiweifi oder Zucker. Die auf einmal gelassene ürinmenge schwankte 

nriKhen 150 — 220 ocm. 

Makroskopische Untersuchung der im Harne 
enthaltenen Flocken. 

Fast jede Portion Urin ohne Ausnahme enthielt ein, zwei oder 
mehrere Flocken yon gallertig-schleimiger Beschaffenheit und von 
ybopaker, weißlicher Farbe. Sie waren etwa 1—2 mm breit und 
mdirere mm lang, makroskopisch fast gar nicht von jenen Urethral- 
&den onterscheidbar, die wir bei dironischer Gonorrhöe anzutreffen 
gewohnt sind. 

Die Flocken schwimmen anfangs im Urine und sinken bei längerem 
Stehen dessdben allmählich zu Boden, um beim Schütteln, Rühren 
oder Lofteinblasen wieder in die Höhe zu steigen. Sie sind entweder 
gerade oder gebogen oder gerollt und scheinen aus dichteren oder 
dflnoeren Partieen zu bestehen, je nachdem sie mehr oder weniger 
KÜige Elemente enthalten. Die Enden der Flocken ziehen sich 
licht selten in schleimige, durchsichtige Fäden aus. 

Mikroskopischer Befund an den Flocken. 

Sammelt man den Urin in ein reines Spitzglas, hebt eine Flocke 
mittels einer Pipette aus demselben hervor und untersucht sie unter 
dem Mikroskope in der natürlichen Flüssigkeit, so fllllt zunächst ein 
groler Beichtum des Präparates an Rundzälen auf. Dieselben liegen 
didit beisammen und werden hie und da von größeren und kleineren 
Epithelzellen unterbrochen. 

Bei aufmerksamer Betrachtung fällt uns auf, daß da und dort 
Ichhaft sich bewegende Organismen sich befinden. Dieselben sind 
aost bimförmig, nach beiden Enden zu mehr oder weniger zuge- 
spitzt, nach hinten freilich mehr als nach vom. Der Leib dieser 
Organismen ist schärfer konturiert, heller und weniger stark granu- 
fiert, ab der der Rundzellen. In dem fein granulierten Protoplasma 
^^ben liegen ein oder mehrere rosarote Tröpfchen, entweder in 
^ Mitte oder am Ende derselben. Das hintere Leibesende zieht 
^ in einen dünneren Fortsatz aus, an dessen proximalem Ende 
iDui nicht selten eine knötchenförmige Anschwellung bemerkt (vergl. 
^ 4 a). Mittels dieses Schwanzes kleben sie sich am Rande der 
MithelzeUen (vergl. Fig. 1) oder an der Unterfiäche des Deckglases 
tt, om einen festen Punkt zu gewinnen und um sich entweder um 
m eigene Achse zu drehen oder um kriechende Lokomotionen aus- 



70 



K. Mlvra, 



Die LAnge des ScbwanzfortsatBes ist durchschnittlicb etwa ^/^ d 
Körpers, er ist aber auf Kosten der KOrperl&nge etwas debnbar. 

Am vorderen Ende des Körpers befinden sieb eine, selten zw 
oder drei lebhi^ sieb bewegende, dorchsebeinende Geitehi, welcl 




?9^ Flg. 1.* f Ans Priparmttn Tenohledencr Floekui ■oMmmengeitoUt Triehomoi 
▼ Ag. in ▼erichi«deneB Beiregiuigsswtftnd«! iwitchcn Plfttt«nepitlieU«i vnd Bnndtal 
sentreiit. 






Fig. f— 4. Triehomonas TagioAlis in 1000fiMh«r VargrCBwong ; di 
Fig. t Yon d«r Baekenflieh« «os betnehtot; die Membran acfaeint innerhalb des Kdt 
an liegen, iie itt in schneller Undolation ; Fig. 8 n. 4 aoUefe Anficht, Membran teil 
auierhalb dei Kdrpere an liegen, ile ist in Ungeamer Ündolation. Bat • ein KnSt< 
an der Baeia dei SchwaDafortaataes. 



sieb nacb der Spitze zu etwas veijüngen. Die Bewegung dersell 
ist frei naeh allen Riebtungen, sie werden bald naeb der Seite, b 
nacb binten und vom gescbleudert und legen sieb aucb wobl an i 
Leib an. Bei toten Tieren wurden sie sebr oft vermiBt i 

An der einen Seite des Körpers, und zwar an seiner Yorde 
H&lfte, ziebt sieb von der Geiüelbasis berab etwa bis zur Mitte 



TriekoMOBM TigiiMUf im friwhf Umwiot üria tlnet MuiaM. 71 

{Lörpen mnid midiiliemde Membran, welche an der Bauchseite des 
Leibes so angeheftet sa sdn scheint, daß sie lon der Rückenfl&che 
te Kdrpm etwas flberragt wird. Daher glaubt man bei der 
FücheDansicht desselben ein flimmemdes Gebilde im Innern des 
Körpers m erUicken (Fig. 2), w&hrend ein anderer Anblick — etwa 
sdiief Ton der Seitenflfiche her — jene Membran aufierhalb des 
Körpers treten lifit (Fig. 3 and 4). Bei schneller Schwingong des 
Siimes nimmt derselbe ein spitzz&hniges, xackiges Aussehen an, 
liodich den Wimpern, womit man sie auch verwechselt hat Bei 
bogttmerer Bew^;ang jedoch tritt die Membrannatur jenes Gebildes 
deatlicher henror, indem die zugespitzten Zacken in abgerundete 
teilen flbeq^hen. die, von vorn beginnend, allm&hlich nach hinten 
breiten, nicht unfthalich einer vom Winde getriebenen Fahne. 

Die KootrakUIit&t des Leibes verleiht ihnen femer die F&higkeit, 
^eschiedeaartige Gestalten anzunehmen: Unglich, rundlich oder 
Qsichmsl eingeschnOrt wie eine Sanduhr, wenn sie durch einen 
tBgpaS, wie z. B. zwischen den Eiterkörperdien oder den Epithelien, 
skh hindurchzwängen (veigL Fig. 1). 

Die Verlftngerungsfilhigkeit des Schwanzfortsatzes, wie ich es 
whin erw&hnte, ist auch dieser Kootraktilit&t des Leibes zuzu- 
schreiben. Vermöge dieser Eigenschaft, sowie mittels der GeiBeln 
Bad des Schwanzes sind sie imstande, ihren Ort zu wechseln und 
imriuüb weniger Sekunden das Gesichtsfeld des Mikroskops zu 
dv^krenzen (bei Zeiß, OkuL 2, Obj. E, Tubusl&nge 155 mm). 

Die hiofigste Bewegung, die sie an Ort und Stelle ausfuhren, 
besteht in lebhaftem Hin- und Herschwenken der Geißeln und der 
sdudlen Oscillation der Membran. Sodann machen sie, während sie 
sid mit ihrem Schwanzfortsatze an irgend einem Gegenstande fest- 
setzen, durch Kontraktionen ihres Körpers oscillierende Bewegungen 
Each sllen Seiten hin, manchmal auch um den Anheftnngspunkt 
drdiend. 

Folgende Zahlen sind Maße, die ich aus 10 Messungen mit Zeiß, 
OkoL 2, Obj. E und bei 155 mm Tubuslänge berechnet habe. 

^Bnlte — 



jLIng« — 0,017 
KSrpv« 

^Bnlte — 0,011 



G-M«.n-o/>io(J|j^lj2?5r 



SchwMuling« >« 0,006 



\Mla. -» 0,011mm 
Mtf. — 0,016 mm 
Min. ^ 0,01 mm 



' Mmx. — 0,007 mm 
Min. » 0,00f mm 



Epikrise. 
Dis lofusorium, welches wir innerhalb der Flocken des Urins 
^efofiden haben, war, wie aus der obigen Schilderung henrorgebti 
Bichts anderes als Trichomonas vaginalis, welches seinen ge- 
vohoficben Aufenthaltsort verlassen und in unserem Kranken eiDon 
^^ Wirt gefunden hatte. Herr Prof. Ijima in der hiesigen zoo- 
'OgiflcheD Abteilung der Universität hatte die Gate, über die Natur 
dieser im Urin gefundenen Parasiten sein Urteil zu geben und sie 
^^coUlsalsTrichomonas vaginalis anzusprechen. Um nun diese 



72 K. Minra, 

Thatsache über allen Zweifel za erhebet), werde ich im Folgenden die 
wichtigBten Punkte in Bezug auf Trichomonas vaginalis aus 
der Litteratnr hervorheben und mit dem Befunde an unseren Para- 
siten vergleichen. Weiter werde ich den Aufenthaltsort dieser 
Infusorien in unserem Falle, sowie die vermutliche Infektionsweise 
auseinanderzusetzen versuchen. 

1. Die Gestalt des Trieb, vag. wird von verschiedenen Autoren 
(Leuckart, Kent, Blochmann, Bütschli, Kachenme ister) 
entweder als länglich oval oder birnförmlg mit ziemlich bauchigem, 
ovalem Leibe, „irregulär ovate^ etc. geschildert, was bei unseren 
Parasiten auch zutrifft. 

2. Die Länge des Körpers mit Ausnahme von Schwanzfortsati 
und der Geißeln betrug in unserem Falle 0,012—0,022 mm, im 
Mittel 0,017 mm; Trieb, vag. der Autoren mißt zwischen 0,01 bis 
0,023, im Mittel 0,014 mm (Leuckart, Bloch mann. KOchen- 
meister, Batschli). Somit stimmen die Maße auch im großen 
Ganzen Oberein. 

Ueber die Breite des Körpers sind die Angaben der Autoren 
mangelhaft, so daß ich darauf nicht näher eingehen kann. 

3. Was den Schwanzfortsatz am hinteren Leibeseode betrifft, so 
wird dessen klebrige Eigenschaft von Kent folgendermaßen ge- 
schildert: „Often adherent by a gelatinous taiMike Prolongation of 
the posterior extremity of the body.^' Die Länge desselben wird von 
Blochmann zu „ungefähr halb so lang wie der abrige Körper'^ 
und von Leuckart' etwa gleich dem Durchmesser des Körpers 
geschätzt. 

4. In Bezug auf die Zahl der Geißeln am vorderen Körperende 
kann ich mich mit den Autoren nicht einigen; denn während man 
bisher zwei oder drei (Geißeln als Norm annahm, finde ich bei den 
meisten Exemplaren nur eine einzige, während zwei oder drei Geißeln 
zur Ausnahme gehören. Allerdings wQrde man geneigt sein, das 
Vorhandensein von zwei oder drei Geißeln anzunehmen wenn man 
sie bei lebhaftem Hin- und Herschwanken beobachtet, doch eine Be- 
obachtung bei ruhiger Undulation derselben setzt uns außer allen 
Zweifel, daß nur eine einzige Geißel am vorderen Körperende als 
Regel existiert (Beobachtung wiederholt sowohl bei den im Urine ge- 
fundenen Trichomonaden, als auch bei denjenigen aus der Scheide 
der Frauen). 

5. Die undulierende Membran an der einen Seite des Körpers 
wurde lange Zeit fälschlich fOr Wimpern gehalten; erst neuere 
Unsersuchungen von Blochmann u. A. haben zur Entdeckung 
von dner Membran und somit zur Identifizierung derselben mit der- 
jenigen von Trieb. Batrachorum geführt. Üebrigens vermutete 
W. S. Kent schon eine undulierende Membran an Stelle der soge- 
nannten Wimpern; auch ich bin durch eine genaue Beobachtung zu 
der Deberzeugung gekommen, daß es sich hier um eine Membran 
handelt, deren freier Saum sich in wellige Falten legt und so die 
Wimpern vortäuscht. 

6. Die Existenz jener Borsten, welche KQchenme ister abbildet 
und beschreibt, kann ich ebensowenig bestätigen wie Leuckart 



IVicbomoiMs TtgiiuüU im Miebg«lMMn«]i Urin «Idm MAnnet. 73 

Wo war der Aufenthaltsort dieser Parasiten in unserem 
Falle; Niere, Ureter, Blase oderürethra? 
Um diese Frage zu beantworten, haben wir folgende Versuche 
bei unserem Patienten angestellt. 

1. Gaben wir ihm zwei Dringläser neben einander und ließen 
die Anfangs- und Endportion des Urins gesondert sammeln. Bei den 
wiederholt angestellten Versuchen dieser Art konnten wir nach- 
weisen, daß die erste Portion stets mehr Flocken, somit auch mehr 
Trichomonas enthielt, als die zweite. 

2. Der Patient ließ zuerst Urin, um alle Flocken auszutreiben. 
Darauf l^ten wir ihm Verweilkatheter an. Die so erhaltene Portion 
Urin wurde zunächst beiseite gestellt und nun die weitere Portion 
gesammelt. Etwa nach einer Stunde bekam ich 155 ccm klaren, 
gelben Urin (spez. Gewicht 1013) ohne eine einzige Flocke. Selbst 
auf einem Filterpapiere, durch welches ich den Urin filtrierte, konnte 
ich keine Infusorien mehr nachweisen, wfiiirend das im spontan 
gelassenen Urine jedesmal möglich war. 

So glaube ich den Sitz des Trichomonas in die Urethra 
verlegen zu dQrfen. 

Wie ist Trichomonas vaginalis in die Urethra dieses 

Mannes gelangt? 

Da wir die Infektion desselben von der Scheide der Frau aus 
nach Art der Gonokokken für möglich hielten, haben wir am 
2. August die Frau des Patienten zu uns kommen lassen und aus 
der verhältnismäßig engen Scheide derselben ein weißliches, etwas 
stinkendes Sekret hervorgeholt, welches außer Plattenepithelien, 
Elterkörperchen und Spaltpilzen mehrere Infusorien enthielt, die in 
der Größe und Form mit denjenigen in den Urinflocken überein- 
stimmten. Es wäre kein kühnes Wagnis, hieraus zu schließen, daß 
die Tri eh. vag. in unserem Falle von der Scheide der Frau in die 
Ureihra des Mannes im Momente des Beischlafes eindrang und hier 
üuea neuen Aufenthaltsort fand. 

Bei der H&ufigkeit dieser Parasiten beim Weibe (nach Kö llik er 
imd Scanzoni bei der größten Hälfte), nach Haussmann unter 
200 Schwangeren 37mal, unter 100 Nichtschwangeren aber 40mal) 
würde man in der Zukunft bei darauf gerichteter Aufmerksamkeit 
noch Öfter ähnlichen Fällen zu begegnen Gelegenheit haben. 

Tokio, 27. April 1894. 

UttomtwarMiebnis. 

F. Blochmann, Beai«rkaiigen Aber einige Flagellftten. (Zeltsehr. f. wltieneeh. 
Zeelegi«. Bd. XL. 1884. p. 41.) 

BroBD« KUaeen nnd Ordnnngen des Tierreichs. Bd. I: Protosoa (Btttschli); 
AbtiiL L: lUstigopliora. 

Ben D ig. Der Katarrh der weiblichen Geschlechtsorgane. Leipiig 1870. 

Bansanann, Die Parasiten der weiblichen Cksehleehtsorgane. Berlin 1870. 

Kdiliker v. Scaosoni in Scansoni's BeitrKgeo aar Oebnrtskaude. Teil II. 
WArabnrg 1856. 

Kftehenmaiiter n. Z&rn, Die Parasiten des Menschen. 1878—1881. p. 16—17. 

Lenckart, Die Parasiten des Menschen. Bd. L Lieferang 1. 1881. p. 818. 

W. BaTlUa Kent, Manual of the Infosoria. Vol. I. p. 808. London 1880—81. 



74 K. Miara, Trichomoami Tiginalis im frischgtlMMoen Urin «Idm Muwm. 

Bemerkung za der Torstehenden Arbelt 

▼on 

F. Marcband in Marburg. 

Ein sonderbarer Zufall fQgte es, daß ich das Manuskript der 
vorstehenden Arbeit durch Herrn Miura aus Tokio (am 7. Jani) 
zugesandt erhielt, um deren Veröffentlichung zu bewirken. Die 
Sendung war am 27. AprU d. J. tod Tokio abgegangen, also kaum 
3 Wochen, nachdem meine eigene Arbeit Aber denselben Gegenstand an 
die Redaktion dieses Blattes abgesandt worden war (s. No. 19/20 d. Bl). 
Beide Beobachtungen sind (selbstverständlich) ganz unabhängig von 
einander; die des Herrn Miura datiert bereits aus dem vorigen Jahre. 
Seine von den meinigen abweichenden Angaben bezQglich der Zahl der 
Geißeln sind wohl darauf zurückzufahren, daß M. mit nicht hin- 
reichend starken Systemen und nur an lebenden Objekten beobachtete. 
Der von ihm festgestellte Aufenthalt der Infusorien in der Harnröhre 
dürfte auch in meinem Falle der wahrscheinlichste sein. Der Nach- 
weis der so nahe liegenden Herkunft der Trichomonaden, welchen 
Miura erbringen konnte, war bei den meinigen aus äußeren Gründen 
nicht möglich. 

Ich möchte bei dieser Gelegenheit erwähnen, daß der Kranke, dessei^ 
Harn der Gegenstand meiner Mitteilung war, nach mehrwöchent- 
licher Abwesenheit in gutem Eräftezustande wieder hierher zurück- 
gekehrt ist. Ich erhielt am 8. d. M. eine neue Probe des frisch ent- 
leerten Harnes, welcher etwas trübe und hellgelb, nur schwach eiweiß^ 
haltig war und deutlich sauer reagierte. Beim Stehen setzte er etwas 
weißlichen Bodensatz (aus Eiterkörperchen) ab, außerdem eine Anzahl 
Schleimflöckchen, welche wie gewöhnlich Eiterkörperchen, gequoUenc 
Epithelzellen und wiederum eine sehr große Anzahl TrichO" 
monaden enthielten. Diese waren in dem abgekühlten Harne meist 
kugelig und enthielten zahlreiche große Vakuolen; bei der Beob' 
achtung in der Wärme schwanden diese Vakuolen sehr bald; dei 
Körper der Tiere wurde matt glänzend und zeigte die mannigfaltig' 
sten, z. T. sehr lebhaften Bewegungserscheinungen der früher be 
schriebenen Art Außerdem waren wiederum in großer Anzahl die« 
selben bewegungslosen, längere Fäden und dichte Haufen bildeodei 
Bacillen vorhanden. 

Eine durch Herrn Dr. Ab6e auf meine Bitte mit dem Kathete 
entnommene Hamprobe enthielt nur einzelne Epithelflöckchen , il 
welchen die Infusorien ebenfalls vorhanden waren, doch würde die 
noch nicht gegen den Aufenthalt derselben in der Harnröhre sprechet 
während andererseits ein weiteres Hinaufwandern in die Blase nicfa 
ausgeschlossen ist. Schließlich erwähne ich noch, daß der Beginn de 
Leidens bei dem Patienten, wie ich nachträglich erfuhr, aaf ei 
Trauma (Fall auf die Darmgegend mit nachfolgender Harnverhaltung 
zurückzuführen ist Die Harnröhre soll etwas verengt sein. 

Marburg, im Juni 1894. 



BaktMin and L«ft. 75 



Roforate. 



8aBft]lee,FnnMseo9 Suir aria di alcuni ambienti abitatu 
Bicerche dMgiena (Annali deir Istituto dlgiene sperimentale 
di Borna. Vol. UI. Fase. lU.) 

Verf. hat die Luft von Schulen, Fabriken, Druckereien, Hospit&lern, 
ISffeDtlichen Schlafr&amen und Bauernhütten in Bezug auf VentilatiOD) 
Feoebtigkeit, Temperatur, Kohlensäure, oi^sanische Substanz, Am- 
moniak, aalpeterige Säure nnd Mikroorganismen untersucht. Verl 
benutzt hierzu bereits bekannte Methoden mit geringen Modi- 
fikationen; bezüglich der Bestimmung des Oehaltes der Luft 
an Mikroorganismen ist zu erwähnen, daß Verf« nach verglei- 
chender Prüfung der verschiedenen Methoden einen aus vier 
unter sich durch OlasrOhren verbundenen Glascylindem beste- 
henden Apparat konstruierte, welche Cylinder er mit je 10 com 
einer 5-proz. Lösung von Glycerin in Aqua destillata beschidLte, weil 
eine solche weder schädlich für Mikroorganismen, noch ihre Vermeh- 
rung begünstigt. Durch einen Aspirator wurde eine gemessene Menge 
Luft durchgeleitet. Eb erwies sich dieser Apparat leistungsfähiger, 
ab die bis jetzt bekannten. Die Untersuchungen ergaben in den 
meisten Bäumlichkeiten eine die normale Grenze stark übersteigende 
Menge Kohlensäure, die grtttte in den Schulen und Bauemhütten 
(bis 3,9 und 4,1 Prom.). Es zeigte sich keine Beziehung zwischen 
Kohlensäure, organischer Substanz und Zahl der Mikroorganismen 
und Temperatur. 

In Gerbereien war der Gehalt an Kohlensäure, organischer 
Substanz und Mikroorganismen ein geringerer, als in den anderen 
gewerUiehen Bäumen. 

In BleigieSereien wurde der Gehalt der Luft an Bleistaub fest- 
gestellt. 

Die organische Substanz war in größter Menge in der Anatomie, 
in den Banemhüttaa und in Butterfabriken vorhanden, reichlicher im all- 
gemeinen in Gkisform, als in Sospension. Die Gegenwart von 
Leichen, Fetten in flüchtigem Zustande und von vielen Leuten 
steigerte sie. 

Oft fanden sich mehr Mikroorganismen in Bäumen mit offenen 
Fenstern, als in solchen mit geschlossenen. 

Es fiuiden sich fast immer die gleichen Mikroorganismen, die 
gewöhnlichen Saprophyten, chromogene Bacillen und verschiedene 
Arten Hyphomyceten. 

In einem Schul- und einem Schlafraume waren Staphylo- 
coccos pyogenes und typhusähnliche Bacillen vorhanden. Durch 
Imirfdng konnte fast immer im Bodenstaube der Bacillus des 
maUgnen Oedems und des Pseudo- Ödems nachgewiesen werden, 
hier und da der Streptococcus septicus liquefaciens und 
der Tetanusbacillus. 

Anlehnend an die Versuche von Brown-S6quard und 
d'Arsonval, Gavarret und Hammond, sowie verschiedener 



76 BAkt«ri«n und Lnlt. 

anderer citierter AutoreD suchte Verf. die Frage des Gehaltes der 
Luft aD toxischen Substanzen zu lösen durch Tieryersuche, die er 
mit der Luft von Bauernhütten vornahm. KontroUversuche mit 
reiner Luft unter im übrigen gleichen Verhältnissen zeigten, daß die 
mit verdorbener Luft erhaltenen positiven Resultate nicht ohne 
weiteres die Annahme toxischer Substanzen gestatten. Verf. hält 
daher die Frage noch nicht für spruchreif. H. Kerez (Bom);^J 

Paraaeandolo, C, Ricerche batteriologiche delT aria 
di una camera per operazione chirurgiche nelT ospe- 
dale degli incurabili (La Rif. med. 1893. p. 269, 270.) 

In der erwähnten Anstalt befindet sich ein kleinerer, aber sonst 
sauberer Raum, der zum Operationszimmer adaptiert wurde. Bevor 
eine größere Operation vorgenommen wird, wird dasselbe in folgender 
Weise hergerichtet: 

Die Wände werden abgekratzt und sodann zweimal getüncht. Der 
Asphaltfußboden wird mit in Sublimat getränkten Sägespähnen aus- 
gekehrt und darauf reichlich mit 2®/oo Sublimat Übergossen; das 
überschüssige Sublimat fließt durch eine am abschüssigen TeU de& 
Fußbodens angebrachte Oefbung ab. Alle im Zimmer handlichen 
Gegenstände werden mit Sublimat gewaschen. 

24 Stunden vor einer Opwition wird eine Ventilationsvorrichtung, 
welche in den Raum nur filtrierte Luft eintreten läßt, in Thätigkeit 
gesetzt, das Zimmer gesperrt und erst unmittelbar vor der Operation 
geöffnet. Vor jeder neuerlichen Operation wird der Fußboden und 
der untere Teil der Wände mit direkt eingeleitetem Flußwasser ab- 
gespült. 

Es war von Interesse, zu erfahren, ob das Zimmer auf diese 
Weise aseptisch gemacht wird oder nicht Zu diesem Behufe unter- 
suchte P. mit Hilfe des MigueTschen Apparates die Luft des 
Operationszimmers vor dessen oben geschilderter Herrichtung und 
sodann 12 und 24 Stunden nach derselben, also nach einer ebenso 
lange anhaltenden Funktionierung des Ventilationsapparates. 

Der berechnete Keimgehalt der gesamten Zimmerluft betrug 
beim ersten Versuche 836350 Keime 
„ zweiten „ 278460 „ 

„ dritten „ 16716 „ 

Von pathogenen Mikroorganismen fanden sich der gelbe Trauben« 
coccus und der Erysipelcoccus nur beim ersten Versuche and 
fehlten dieselben bei den beiden letzteren. Wie die angestellten Tier^ 
versuche ergaben, waren beide Arten virulent Die flbrigen vorge- 
fundenen Bakterienarten gehörten zum größten Teile zu solchen, 
welche auch im Wasser häufig vorgefunden werden. 

P. schließt aus diesem Ergebnisse: 

1) daß in der Luft der chirurgischen Operationssftle sich pathogen^ 
Mikroorganismen, insbesondere der Staphylo coccus pyo 
genes aureus und Streptococcus erysipelatisreichlicl 
vorfinden ; 

2) daß man daselbst zahlreiche Mikroorganismen vorfindet, welche 
im Wasser vorkommen; 



Allgem«ine Infektioiiskrmiikhdten. 77 

3) dafi man auch ohne den Gebrauch des Sprays einen Operations- 
raum aseptisch machen Isann, und 

4) daB hierzu als ein ausgezeichnetes Mittel die Anbringung einer 
Ventilationsvorrichtung, welche nur filtrierte Luft eintreten l&sst, 
und Feuchthaltung der W&nde und des Fußbodens empfohlen 
werden kann. Kamen (Gzemowitz). 

ikftttuadfB^ Studio suUa febbre infettiva. 1* communi- 
cazione. II veleüo della febbre nei batterii. (La Rif. 
med. 1893. No. 256.) 

Setzt man Kulturen in flOssigen Medien ohne Pq>tonzu8atz durch 
3 Stunden einer Temperatur von 60^ aus, kocht sodann ebenso lange 
unter bestfindigem Zusätze des verkochten Wassers, filtriert durch 
äne Thonkerze, kocht das Filtrat zur Syrupsdicke ein und ffiilt das- 
selbe mit Alkohol aus« so enthält dieses PrfiiCipitat das Fiebergift 
gemischt mit anderen Sutetanzen, als Bestandtheilen des Nährbodens, 
Bakterienprodukten und anderen. Löst man nun dieses Präcipitat 
und dialysiert dasselbe, so Obergeht das Fiebergift in das die 
Pergamentsäckchen umgebende Wasser und kann aus dieser wässe- 
rigen Lösung durch Alkohol gefällt werden. Durch wiederholtes 
Lösen und Ausfällen kann dasselbe in ziemlich reinem Zustande ge- 
wonnen werden. 

Dieses wirksame Prinzip des Fiebers, welches vom Verf. „Bak- 
terien-Pyrotoxin^ benannt wurde, ist in Wasser und bis '90-proz. 
Alkohol löslich, ebenso auch in Glycerin; in Aether und Chloroform 
hingegen ist es unlöslich. Es ist demnach ein Körper, der nicht in 
die Gruppe der albuminoiden Substanzen gehört. 

Injiziert man das Pyrotozin Kaninchen, erfolgt nach einer halben 
Stunde ein Temperaturabfall von bis 1,5 ^ welcher von einem rapiden 
Ansteigen der Temperatur bis 39—41,5® gefolgt wird, welche Akme 
ca. 2 Stunden nach der Iqjektion erreicht wird, um nach kurzem 
Anhalten dnem raschen Temperaturabfiille Platz zu machen. 

Die Temperaturkurve kann durch nachträgliche Pyrotozininjek- 
tionen beliebig variiert werden. 

Nach mehreren solchen oder auch nur nach einer einzigen 
starken Injektionen tritt Abnahme des Körpergewichtes, mitunter 
audi voUständiger, binnen wenigen Wochen zum Tode fahrender 
Marasmus ein. 

Dieees Gift findet sich nicht nur in alten Kulturen der patho- 
genen, sondern auch der nichtpathogenen Bakterien, verschwindet 
jedoch ans den Kulturen aporifizierter Arten, so daß es sehr wahr- 
scheinlich ist, dafi es in den Sporen aufgenommen und von diesen 
flicht wieder abgegeben wird. Dasselbe scheint ein Degenerations- 
produkt der Bakterien zu sein und vom Cbromatin alnustammen. 
Es ist anßerordenfUch haltbar. Kamen (Gzemowitz). 

(kmtnmi^ E. e Bniseliettiiil, A^ Studio della febbre infet- 
tiva. 2* commanicazione: L^antitossina della febbre 
batterica. (La Bif. med. 1898. p. 257.) 
Während Centanni den Nachweis gelirfert hat, daß das Fieber 



78 laflueoML 

bei Infdctionskrankheiten durch ein eigenes von den Bakterien produ- 
ziertes Oift erzeugt werde, fand Bruschettini bei seinen Immuni- 
sierungsveisuchen gegen Influenza, daß die Tiere bdd aufhören, selbst 
auf große Dosen des Impfstoffes zu reagieren, und daß das Blutserum 
dieser Tiere nicht nur die Infektion hemmt, sondern auch einen merk- 
lichen Temperaturabfall hervorzurufen imstande ist Es konnte daraus 
geschlossen werden, daß, da das Fyrotoxin der Influenzabacillen das- 
selbe ist wie das üderer Bakterienarten, das Serum gegen Influenza 
immunisierter Tiere ein antagonistisches Prinzip enthalte. Thatsäch- 
lich ergaben auch die zahlreichen Versuche, daß entweder präventiv, 
oder gleichzeitig oder kurativ, d. h. sdion im Verlaufe einer kOnst- 
lichen Infektion mit den verschiedensten Bakterienarten gemachte 
Injektionen des Serums das Fieber im Vergleich zu den Kontroll- 
tieren wesentlich herabsetzten und auch den Verlauf der Krankheiten 
langsamer und weniger stOrmisdi gestalteten, wenn auch insbesondere 
bei kleineren Quantitäten injizierten Serums der tödliche Ausgang 
nicht verhütet werden konnte. Der Tod trat aber in solchen Flülen, 
welche fieberfrei und ohne das charakteristische Bild des diesbezüg- 
lichen Prozesses verliefen, ganz unerwartet ein. 

Ebenso ergaben auch den Pyrotoxinizqektionen vorausgeschickte 
und kurative Serumiigektionen eine wesentiiche Herabminderung der 
Fiebertemperatur. 

Es äußert also das Serum der gegen Influenza immunisierten 
Tiere auch auf die Infektionsfieber der verschiedensten Bakterien und 
deren Pyrotozine eine anti^nistische Wirkung. Diese Wirkung ist 
eine konstante und dehnt sich nicht nur auf das Fieber, sondern auch 
auf alle anderen sekundären Symptome aus. 

Schliesslich ist diese Wahrnehmung wohl imstande, die Ansicht 
Gentanni's über die Einheitlichkeit des Pyrotoxins der verschieden- 
sten Bakterienarten zu bestätigen. Kamen (Gzemowitz). 

Borchardt^ M.9 Beobachtungen über das Vorkommen des 
Pfeiffer'schen Influenzabacillus. (Berl. klin. Wochen- 
schrift. 1894. No. 2.) 
Seit den Mitteilungen Pfeiffer 's über die Aetiologie der 
Influenza ist bis jetzt von klinischer Seite wenig verOfitentlicht zur 
Bestätigung oder Widerlegung derselben. V^. untersuchte deshalb 
etwa 50 Flüle von Influenza, welche auf der F r ä n k e 1 'sehen AbteUang 
des Krankenhauses am Urban zur Behandlung kamen und konnte bei 
85 derselben im Sputum die Pfeiffer'schen Stäbchen nachweisen. 
Zur Anfertigung mikroskopischer Präparate muß man sich, wenn 
man keinen Mißerfolg erleben will, genau an die Pfeiffer'schen 
Vorschriften halten, insbesondere ist frisches Sputum zu ver- 
wenden, welches in sterilem Wasser von den oberflächlich anhaften- 
den Bakterien befreit werden muß. Aus der Mitte der gereinigten 
Sputumballen macht man dann m(yglichst dünne Deckglaspräparate, 
die man mit verdünnter Ziehl'sdier Lösung färbt (1 : lObisl ; 20), 
mit Wasser abwäscht oder in verdünnter Essigsänre entfärbt. Die 
Influenzabacillen findet man dann manchmal mit anderen Bakterien 
gemischt, manchmal in Beinkultur. Die Stäbchen liegen in guten 



InfluMiM. 79 

Pri|MurateD gleidunftfiig über das Gesichtsfeld Terteilt, meist frei- 
liegend, aber ancb nicht selten in Zellen eingeschlossen oder in 
Scheimflöckchen une Fischschwftrine angeordnet oder in Kdonnen 
anfiBiiWBchiert Derart charakteristische Bilder findet man bei keinen 
aadereo Mikroorganismen des Spatums. Die Inflaeosabacillen lassen 
sieh wochenlang in den Spntis von Kranken nadiweisen, in einem 
Falle waren sie am 28. Krankheitstage noch in Beinkdtar vorhanden. 
Die mikroskopische Untersachang genflgt auch für den Erfahrenen 
nicht stets zmr Erkennung der Influenzabadllen, da dieselben in 
ihren GröBenverhflltnissen wie in ihrer Fftrbbarkeit nicht unbetrftcht- 
liehe DiflEsrenzen zeigen. Besonders leicht können dieselben Diplo- 
kokken Tortftnschen, wenn nftmlich die beiden Pole stärker tingiert 
sind, als die Mitte. Znr Identifiziernng dient in zweifelhaften Fällen 
die Koltor« welche in ihrer Ansfühmng häufig mit Schwierigkeiten 
veriniapft ist Man kann entweder dne gut ausgewählte Sputum- 
flocke in Bouillon bringen, fein darin Tortdlen und davon auf Agar 
ttberimpfen, welches, schräg erstarrt, mit steril entnommenem Blute 
übergössen ist oder auch die Flocke direkt auf dem beschriebenen 
Nährboden ausstreichen. In ersterem Falle entwickeln sich nach 
24 Standen schön isolierte Kolonieen, in letzterem Falle, schon nach 
12—16 Standen, üppiger, aber auch häufiger neben anderen Bakterien- 
kolonieen. Borchardt hat auch Platten aus Agar hergestellt, 
welchen er mehrere Oesen steril entnommoien Menschen- oder 
Eanincbenblutes beigemischt hat und gute Resultate mit diesem 
Verfahren erzielt. Mit schwacher Yergrüierung kann man auf diesen 
Platten die kleinen, homogenen, strukturlosen Influenzakolonieen von 
den übrigen Bakterienkolonieen unterscheiden. 

Der Influenzabacillus kommt nach Verl nahezu regel- 
mäflig Im Auswurfe der Influenzakranken vor und sein Nachweis ist, 
wie insbesondere an einem typhusverdächtigen Falle gezeigt wird, ge- 
eignet zar Stellung der Diagnose. Ger lach (Wiesbaden). 

Ceroiuido, Tomas, Con firm aciön del microbio delagrippe 
en Cnba y su importancia bajo el punto de yista 
clinice. (Crönica m6dico-quirürgica de la Habana. 1893. No. 17. 
September.) 
Verf. berichtet über 10 Fälle von Influenza, bei denen er immer 
im Spatom den Diplobacillus (Teissier, Bouz, Pittion) 
ond meist auch im Blute den Streptobacillus gefunden, nach- 
dem er im ersten Falle statt des erwarteten Tuberkelbacillus 
(die Diagnose war akute Lungen- und Kehlkopfschwindsucbt ge- 
wesen) zahlreiche, ihm damals unbekannte Diplokokken und Strepto- 
kokken ähnliche Mikrobien entdeckt Er fand, daß die Däyalos- 
sche Modifikation der Ziehrschen Fürbemethode die Influenza- 
milorobien zu stark ftrbt und erreichte darauf mit Methylenglycerin 
besseie Erfolge. Die Arbeit ist Ton einer Tafel mit Abbildung von 
4 Präparaten (3 in roter und 2 in bhumr Färbung) nach Leitz^ 
Okobf a^ Immersioo Vttf Vergr. 880 begleitet 

Sentifion (Barcelona). 



gO Milibrand. — Pockeo. 

Merkel, F., Ein Fall von Oehirn-Milzbrand. (MQnchener 
med. Wochenschrift 1892. No. 47.) 
In dem Krankenhause zu NQmberg kam am 15. IX. 93 ein 
Tüncher unter schweren Krankheitssymptomen zur Aufoahme. Fat 
wies an der Haut nichts Besonderes auf. Im Vordergründe des 
Krankheitsbildes standen schwere Gehirnsymptome: Bewußtlosigkeit, 
Pupillen reagieren nicht, Blick nach oben gerichtet , Rotation der 
Bulbi um ihre vertikale Achse. Ziemlich hohes Fieber, Puls 120. 
Die Lunge und Pleura waren ebenfalls krank. Druck auf die Leber- 
gegend schien schmerzhaft zu sein. Nachdem noch epileptiforme An- 
fälle, Chayne-Stokes'sche Atemphänomene aufgetreten und der 
Patient den Drin unter sich gelassen, trat in der Nacht um 10 Uhr 
Exitus letalis ein. Bei der Sektion erwies sich außer dem Magen mit 
seiner stark iiyizierten, auch teils hämorrhagischen Schleimhaut be- 
sonders das Gehirn und die Pia im entzandlichen Zustande. Im 
Schmierpräparate des Saftes der ziemlich vergrößerten Milz fanden 
sich spärliche Stäbchen von verschiedener Größe, ohne irgend welche 
charakteristischen Merkmale. Weitere Kulturen und Impfversucbe 
mit Mäusen ergaben diese Stäbchen unzweifelhaft als Milzbrandbacillen. 
In Schnittpräparaten aus dem Gehirn, der Milz und einem DrOsen- 
konvolut im Mediastinum posticum konnten dieselben Stäbch^ nach- 
gewiesen werden. Im Gehirn waren die Bacillen an die Gefäße und 
deren sie umgebendes Extravasat gebunden, im etgenUicben Gehirn- 
gewebe fanden sie sich nicht — Eine Eingangspforte far die Milz- 
brandbacillen war nicht nachzuweisen. Verl weist darauf hin, daß der 
Patient Tüncher war und so mit Pinseln zu thun hatte. 8 Tage vor 
seinem Tode hatte er einen Satz neuer Pinsel gekauft und alle in 
(Gebrauch genommen. Auch die Möglichkeit einer Infektion durch 
Einatmung läßt Verf. zu. Knüppel (Berlin). 

Grandhomme, Eine Pockenepidemie zu Frankfurt a. M. 
und Umgebung. ( Vierteljahrsschr. f. gerichtl. Med. 1894. Heft 2.) 
Verf. hatte Gelegenheit, in der Zeit von April bis Juli 1893 eine 
Pockenepidemie zu Frankfurt a. M. und den naheliegenden Ort- 
schaften Eschersheim, Niederraden, Bensheim und Lecheim zu be- 
obachten, in welcher 15 Personen erkrankten und welche auf eine 
Einschleppung der Krankheit aus Russisch-Polen durch zugereiste 
landwirtschaftliche Arbeiter zurückzufflhren war. Es zeigte sich, daß 
auch hier, wie meist beobachtet wird, gerade leichtere Variolafälle zur 
Verschleppung der Krankheit fährten, weil sie nicht richtig und recht- 
zeitig erkannt wurden. Von den 15 erkrankten Personen starb Vsi 
nämlich 5, und zwar als überhaupt nicht geimpft 1 Kind von zwei 
Jahren; außerdem 4 Peisonen im Alter von 45—67 Jahren, bei 
welchen Zeichen einer erfolgreichen Impfung nicht vorhanden und 
die jedenfalls nicht revacciniert waren. Bei sämtlichen von der 
Kranklieit befallenen Personen war eine Bevaccination seiner Zeit 
entweder erfolglos verlaufen oder aus irgend weichen Gründen über- 
haupt unterblieben. Die Arbeit ist ein interessanter statistischer 
Beitrag zur Impffrage und verdient als solcher die Beachtung weiterer 
Kreise. Maaß (Freiburg l B.). 



DyMDteri«. 8 1 

&B8e, W. and Pasquale, A«, Untersuchungen Ober Dysen- 
terie und Leberabsceß. (Zeitschr. £. Hygiene. XVI. 1894. 1.) 

Die Verff. berflcksichtigen in der Einleitung eingebend die Lit- 
teratar^ welche auf die Aetiologie der Dysenterie Bezug hat: Wah- 
rend eine Reihe von Forschem Bakterien als die Erreger der Ruhr 
hinstellt, bringen Lösch, R. Koch, Kartulis und andere Autoren 
Amöben mit der Entstehung des Ruhrprozesses in Zusammenhang. 
Später worden wieder Amöben im dysenterischen Stuhle von einigen 
Forschem vermißt, und andererseits waren Amöben auch in nicht 
dysenterischen Stahlen nachgewiesen worden. K. und P. prüften die 
verschiedenartigen Befunde vom ätiologischen und weiterhin auch 
vom patbologisdi- anatomischen Gesichtspunkte aus durch Unter- 
suchungen, welche sie im Herbste 1892 in Aegypten anstellten. 

Zunächst wird Ober Untersuchungen des normalen Darminhaltes 
berichtet. In Italien wurden bei dem einen der Verff. im Stuhle 
Amöben öfter gefunden, bei dem anderen wurden dieselben verhältnis- 
mäßig selten beobachtet. In Aegypten wurden die Faeces von 35 
nicht an Dysenterie leidenden Personen untersucht und nur bei zweien 
AmM>en gründen. Diesen Unterschied des Befundes bei den Unter- 
snchuDgen in Italien und Aegypten erklären die Verff. mit der Ver- 
schiedenheit der Lokalität: Während in Italien (und auch in Deutsch- 
land) im menschlichen Darminhalte häufig Amöben sich finden, ist 
dteser Befund in Aegypten selten. Grass i und Kartulis haben 
ähnliche Beobachtungen gemacht. Die Amöben im nicht dysenteri- 
schen Stahle sind relativ unschuldige Schmarotzer, dagegen sind „von 
diesen morphologisch nicht unterscheidbare Organismen die Erreger 
einer echten Dysenterie^. 

Die Größe der Amöben des dysenterischen Stuhles wechselt von 
10 §1 Darchmesser (Größe eines weißen Blutkörperchens) bis gegen 
50 fi. Wenn sie sich bewegen, läßt sich das zähflüssige Protoplasma 
in ein Ento- und Ektoplasma scheiden. Das Entoplasma ist entweder 
fast strakturlos oder ein ,)Kömerprotoplasma^^ ; es kann Vakuolen 
oder Fremdkörper (rote Blutzellen, Bakt^eo) enthalten. Die Amöben 
besitzen dnen Kern, welcher nach Zusatz von Essigsäure, Sublimat 
u. B. w. deutlicher hervortritt und sich schwer färben läßt nach dem 
FIxiereD. Die Amöben werden fixiert und konserviert, indem Schleim- 
Hocken in FizierfiOssigkeiten gebettet werden (dieselben werden dann 
wie Organstückchen geschnitten) oder Ausstrichpräparate nach oder 
besser vor dem Austrocknen in Fixiermittel eingelegt werden. An 
der Bewegung ist das Ektoplasma vorwiegend beteiligt, bei Körper- 
warme ist die Bewegung am ausgesprochensten. Der Stuhl muß 
friseh untersucht werden, nach 24 Stunden sind die Amöben gewöhn- 
lich zerstört Basische Anilinfarben nehmen die Amöben, solange 
sie leben, nicht an; wenn sie abgestorben sind, färben sie sich in 
geringer Weise damit. 

Die Amöben finden sich besonders in den Schleimmassen der 
Faeces. Von 60 Fällen ägyptischer Dysenterie wurden sie nur in 
10 vermißt FOr den Befund war das Stadium der Erkrankung von 
Wichtigkeit: so wurden in 8 Fällen aus der ersten Woche der Er- 

XTLM. • 



92 DyMotarie. 

krankang die AmObeo nur Imal ^ermißti in ebensoviel Pälien, dii 
ülter waren als 1 Monat, dagegen 4mal. In sp&teren Stadien dei 
Erlurankang werden die Amöben von anderen Mikroorganismen Ter^ 
drängt. Nur in der Hälfte der positiven Fälle wurden bewegliche 
Amöben gefunden. 

Außer auf Amöben wurde der Stuhl auch jedesmal auf Bakterie] 
untersucht; die Untersuchungen wurden auch bei 10 Dysenterie 
Autopsieen (eine war mit Leberabsceß kompliziert) und 4 Autopsieei 
von Leberabscessen yoi^genommen« ferner bei 10 Leberabscesseo 
welche nicht zur Autopme kamen. Bei den Autopsieen wurden auci 
innere Organe bakteriologisch untersucht. Es wurden neben de 
mikroskopischen Untersuchung jedesmal Glycerinagarplatten angeleg 
und größere Mengen Materials dazu verwoidet 

In den Präparaten vom dysenterischen Stuhle wurden außer dei 
Amöben kdne spezifischen Elemente gefunden, meist handelte es sie] 
4im ein dichtes Gewirr von Bakterien aller Art, niemals wurde eii» 
Form vorherrschend gefunden. Auf den Platten wuchsen in de 
Hälfte der Dysenteriefälle und aus 5 Leberabscessen, bei 4 Autc 
psieen auch aus den MesenterialdrQsen und der Leber Streptokokkei 
yerschiedener Art. ,,Typhu8ähnliche" Bacillen wurden in V4 de 
Fälle in 25 verschiedenen Arten gezüchtet (FQr das beste UitU 
zur Differentialdiagnose zwischen „typhusäbnlichen^^ und Typhus 
bacillen halten die Verff. nach ihren Untersuchungen die Parallel 
kultur auf Kartoffeln.) 

Bei 4 Autopsieen wurde, auch in den inneren Organen, ei 
„Bacillus clavatus^' gefunden, welcher mit dem Pseudo 
diphtheriebacillus identisch zu sein scheint In einigen F&ilei 
wuchsen Staphylokokken und der Bacillus pyocyaneus. 

Die pathologisch-anatomischen Untersuchungen ergaben Schwe] 
lung und Hyperämie des Dickdarmes (Zeichen des ELatarrhes) um 
in den meisten Fällen dysenterische Oeschwfire. Durch histologiscb 
Untersuchungen wurde erwiesen, daß bei den dysenterischen 61 
schwüren der Ulcerationsprozeß in der Submucosa seinen Anfani 
nimmt; „er wird bedingt durch eine eigentümliche nekrotische Um 
Wandlung der letzteren ohne wesentliche Beteiligung einer zellige 
oder fibrinösen Exsudation.^^ Das makroskopische Bild des Gc 
schwüres ist das mit wallartig aufgeworfenen, unterminierten Rändern 
die Größe wechselt von Erbsen- bis Tbalergröße, die Verteilung de 
Geschwüre am Dickdarme ist eine unregelmäßige. 

Bei Fixierung mit Oämiumsäuregemischen sind die Amöben i 
den Schnitten stets mit deutlichem Kerne verseben, bei Fixierung i 
absolutem Alkohol ohne deutlichen Kern. 

Die Amöben bilden einen regelmäßigen Befund i 
den typischen Geschwüren, der ägyptischen Dysen 
terie; sie wurden in der Submucosa, zuweUen in den tiefere 
Schichten, niemals in der Schleimhaut gefunden. Die Amöben sin 
in jedem Falle von Bakterien begleitet. Je früher nach dem Tod 
untersucht wurde, um so mehr Amöben wurden gefunden. 

Die Leberabscesse, weldie die Verfif. untersuchten, hatten ent 



Dysantoria. g3 

weder eine feste fibrflse oder eine morsche nekrotische Wand; die 
ersCeren sind die älteren; oft fanden sich Ueberginge zwischen den 
beiden Arten. In 6 Abscessen« welche in Beziehnng zu Dysenterie 
standen, wurden Amöben gefanden, in den 9 anderen (idiopathischen) 
DichL Die Amöben fonden sich zahlreicher im Eiter als in der 
AbsceBwand. 

In 11 von 16 Abscessen wurden Bakterien gefunden, Strepto- 
kokiceD, tTphus&hnliche Bacillen und Staphylokokken; in 8 idio- 
pathisehen war der Bacillus pyocyaneus vorhanden. 

Ueber 100 ZQchtungSTersuche der Amöben blieben erfolglos. 
Die Veiff. weisen nach, daß die von Kartulis angeblich in Stroh- 
infns gezflchteten Dysenterieamöben nidits anderes als Strohamöben 



4S Tierversuche wurden vorgenommen, haupts&chlich an Katzen; 
das Impfiomterial wurde in den Mastdarm iqjiziert und derselbe mit 
Katgat zugen&ht Von 16 Versuchen mit dysenterischen Faeces 
ergiUien 8 ein positives Resultat, d. h. eine Reproduktion von Amöben 
und eine Erknmkung des unteren Darmteiles (hftmorrhagischer Katarrh 
mit Schwellang, auch Vereiterung der lymphatischen Gewebe). Von 
7 ähnlichen Versuchen mit Eiter aus dysenterischen Leberabscessen 
gjQckten 3. Bei diesen 3 positiven Versuchen fanden sich im Eiter 
die Amöben rein, ohne Bakterien. Dadurch erscheint der Beweis 
erbracht, daS die Amöben die spezifischen Erreger der auf Katzen 
öbertmgbaren Dysenterie sind. Die Erkrankung der Versuchstiere 
wurde um so leicnter hervorgerufen, je zahlreicher und lebensfähiger 
die Amöben in den Faeces oder dem Eiter waren. 

Das Ergebnis der lojektionsversuche mit Reinkulturen der aus 
den Faeces isolierten Bakterien war ein negatives. Andere Versuche 
zeigten, daß die Amöben der normalen menschlichen Faeces und 
ebenso die aus Strohinfus gezflchteten im Katzendarme unschäd- 
lich sind. 

Die Verff. trennen die pathogene Amöbenart (Amoeba 
dysenteriae) von der nicht infektiösen (Amoeba coli). 

In dem Schlußkapitel „Verschiedene Formen der Dysenterie^^ 
werden 3 Formen derselben nebeneinander gestellt: 

1) Die Amöbendysenterie, die Dysenterie der Tropen. 

2) Die japanische Dysenterie, als deren Erreger Ogata einen 
kurzen Bacillus beschrieben hat Dieser Befund bedarf noch 
weiterer Bestätigung. 

3) Die Ruhr unseres Klimas, welche bisher vom ätiologischen Stand- 
punkte aus noch nicht genflgend studiert worden ist. 

Die erste und dritte Form unterscheiden sich darin, daß Leber- 
absoesse bei der letzteren fast völlig fehlen, während sie bei der 
Tropendysenterie häufig sind; jedoch ist wahrscheinlich, daß die Ent- 
stdnmg von Leberabscessen an sich von klimatischen Umständen 
abhängt 

Ein weiterer Unterschied betrifft die pathologisch-anatomischen 
Verhältnisse: Während bei der einheimischen Ruhr nach den Unter- 
sodiangen von Virchow und anderen deutschen pathologischen 

6* 



g4 Bakteri«D in der Urathra. » ToUwiit. 

Anatomen, abgesehen von katarrhaUschen Prozessen, diphtherische 
Geschwüre si(£ entwickeln, welche flach sind und TOn der Oberfläche 
ausgehen, nehmen die Oeschwttre bä der Tropendysenterie ihreo 
Aosgang von der Submucosa und hiU>en unterminierte Binder. 

Canon (Berlin). 

ftawTOnsky, N.^ Deber das Vorkommen von Mikroben in 
der normalen Urethra des Weibes. [Ans dem hygienischen 
Institute der UniTorsit&t München.] (Mfinchener med. Wochenschr. 
1894. No. 11.) 
Verf. untersuchte in einer gröfieren Beihe ton Fällen die normale 
Urethra des Weibes unter Anwendung einer besonderen Methode auf 
ihren Bakteriengehalt Nur solche Frauen wurden untersucht, bei 
welchen sich keine Symptome ein«: Erkrankung der HamrOhre oder 
Blase fanden. Unter 62 Fällen war das Ergebnis in 15 F&llen 
(24 Proz.) positiv, und zwar fanden sich 3mal Streptococcus 
pyogenes, 8mal Staphylococcus pyogenes aureus, Imal 
Staphylococcus pyogenes albus, Imal Bacterium tho- 
loeidenm Geßner und 2mal Bacterium coli commune. Dieser 
letzte Befund ist deshalb sehr bemerkenswert, da es scheint, daß 
das Bact. coli spontan aus der Urethra in die Blase gelangen und 
CystitiB hervorrufen kann; Reymond hatte unter zahlreichen Fällen 
▼on Cystitis 7mal Bact coli bei nicht sondierten Kranken als 
Ursadie der Erkrankung gefunden. Auch die negativen Resultate 
sind zum Teil interessant, da z. B. bei Frauen mit peri- und para- 
metritischem Exsudate, ferner in einem Falle mit der klinischen 
Diagnose ,,frQhere Gonorrhöe^' und in 3 Fällen von Gravidität keine 
Bakterien in der Urethra nachgewiesen werden konnten. 

Dieudonn6 (Berlin). 

CFoIdschmldt, Une 6pizootie et une öpidömie aigues de 
rage k Madöre. (Annales de llnstitut Pasteur. 1894 No. 1.) 
Verf. beschreibt eine Tollwutepidemie auf Madeira, welche des- 
halb besonders interessant ist, weil dieselbe die erste auf dieser 
Insel war, und ein neuer Beweis dadurch fQr die bekannte Thatsache 
geliefert wird, daß Infektionskrankheiten in einem frtther verschonten 
Lande viel heftiger wüten. Anfangs Juni 1892 wurden die ersten 
Fälle bei Hunden bemerkt. Die Zahl der gebissenen Menschen war 
eine große, aber man achtete Anfangs nicht darauf. Erst Ende Juni 
und anfangs Juli kamen aus sämtUcben Gegenden der Insel Nach- 
richten über Erkrankungen von Hunden, Ziegen und Katzen. Die 
Inkubationszeit betrug bei den Hunden durchschnittlich 25—30 Tage, 
die Dauer der Krankheit 4—5 Tage. Während des Höhepunktes 
der Epidemie wurden 300 Todesfälle von Hunden gemeldet, außer- 
dem wurden mehr als 1000 totgeschlagen. Von der Bevölkerung 
starben 9 Personen (von 60000 Einwohnero); die Epidemie wurde 
wahrscheinlich durch einen aus Lissabon im Mai in Madeira an- 
gekommenen Hund, welcher im Juli an Wut starb, eingeschleppt 
Mittels strenger Durchführung des Maulkorbzwanges gelang es, die 



FUariose. 85 

Epidemie rtsch zum Verschwinden za bringen. Die Inkubationszeit 
hm Mensdien betrag durchschnittlich 40—60 Tage, die Dauer der 
Krankhdt S— 4 Tage. Die Behandlung war ohne Erfolg, ein Patient 
wurde im Pasten raschen Institute behandelt und befindet sich seit 

1 Jahre wohl. Dieudonn6 (Berlin). 

Font, IL, De la filariosis. Exposiciön del primer caso 
esporddico obseryado en Europa. (Revista de Ciendas 
mMicas de Barcelona. 1894 No. 4^ 5.) 

Nach einer ausfahrlichen Darstellung alles dessen, was bisher über 
Filaria sanguinis hominis und die dadurch hervorgerufene 
Krankheit bekannt geworden, berichtet Verf. Ober den ?on ihm selbst 
beolmchteten Fall. 

Ende Juni 1893 wurde ihm ein Harn zur Untersuchung über- 
geben, der sich makro- und mikroskopisch sowie analytisch als 
h&matochylnriach erwies, in dessen Sedimente jedoch Verf. Filaria- 
embryonen zu entdecken glaubte. Dm sich zu vergewissem, ließ er 
den Kranken selbst au sich kommen, der sich denn auch am 4. Juli 
ak ein 36-jähriger Feldarbeiter von mittlerer Statur und eher kr&ftigem 
ab schwichlicbem Aussehen vorstellte und über seine Krankheit 
folgende Aussagen machte: 

Ende 1876, als er IS^s J^hre alt war, empfand er eines Tages 
befugen Schmerz in der linken Schulter und blieb davon 24 Stunden 
belastigt. Nach 8 Tagen wiederholte sich der Schmerz an derselben 
Stella) ging aber darauf aufs Hypogastrium über, mit Ausstrahlung 
nach der linken Ereuzbeingegend; diese Schmerzen hielten ungefähr 
8 Wochen lang an und nach dieser Zeit zeigte sich auf der linken 
Histerseite des Skrotums eine Geschwulst, die nach weiteren 8 Wochen 
aufbrach, wobei Eiter mit halbgeronnenem Blute abfloss; nach 5 — 6 
Tagen schloß sich die Oeffnung, an deren Stelle eine Verhärtung 
zorackblieb. Die Leistendrüsen waren dabei nur mäßig angeschwollen. 
Bo Jahr später trat eine ungeheure Hodensackgeschwulst ein und 
Piitient bemerkte den Abgang von blutig«milchigem Harn, der un- 
gedhr 4 Monate lang anhielt. April 1878 wurde er Soldat und 
ds solcher nach San Sebasti&n geschickt, wo er aber bald ins 
^larett anfgeBommen, dann nach Vitoria transportiert und schließ- 
lich am 16. Aagust desselben Jahres als zum Militärdienst untang- 
Ui entlassen wurde. Nach seiner Heimat zurückgekehrt, hat er 
fieitdem mehr als 15 Anfälle seiner Krankheit gehabt, die in plötz- 
iKhem Schmers im Skrotum und Hypogastrium, Schüttelfrost und 
Hiniatodiyliirie bestehen, wozu sich zuweilen starker und hartnäckiger 
I^^Dchfall gesellt. Die Anfälle sind nach und nach weniger heftig, 
^ dafür länger und häufiger geworden. So hat der vorletzte 
^ Monate gedauert und schon nach 3 Monaten trat der gegenwärtige 
^ Vor zwei Jahren sind nach einem Anfalle von Nierenkolik zwei 
Udoe Hamsänresteine abgegangen. Im Jahre 1883 verheiratete er 
^ and ist Vater eines Mädchens von 10 und eines Knaben von 

2 Jahren, die durchaus gesund zu sein scheinen. Abgesehen von 
^ erwähnten Beise nach San Sebasti&n hat er seine Heimat nie 
Terlaaaen. 



86 FiUriM«. 

Objektiv ist nar eine nicht nmlangreiche Infiltratioii des Skrotums 
und leichte LymphaDgiektasie in den Leisten festsnstellen. Ans einer 
Fhigerspitze sogleich, S Uhr nachmittags, entnommenes Blut liefert 
negativen Befund. Um Mittemacht wird eine neue Untersachang im 
Beisein eines Kollegen vorgenommoi und schon gleich im ersten 
Pr&parate zeigen sich die Fädchen; in einem der sofort ange- 
fertigten Dauerpitoarate werden 25 gezählt Am folgenden Tage 
wurden auch im Hamsedimente nach 12-8tflndigem Stehenlassen die 
Filarien in gleich lebhafter Bewegong wie im Blate gefunden. Der 
Kranke fuhr nach seinem 41 km nOrdlich von Barcelona an der KOste 
gelegenen Heimatsorte Canet de Mar (41^ 37' n. B.) zurflck und 
ließ nichts mehr von sich hören. Das veranlaßte Verf., ihn dort selbst 
Anfangs dieses Jahres aufzusuchen. Er erz&hlte, daß er infolge 
fleißiger Seebäder seit drei Monaten ganz geheilt seL Augenschein- 
lich hatte er an Gewicht zugenommen; der Hodensaek war abge- 
schwollen und der Harn frei von Blut und Lymphe. Trotzdem wurde 
um Mittemacht eine Blntuntersuchung vorgenommen, die wider Er- 
warten das Vorhandensein der Filariaembryonen ergab; eine gleich- 
zeitig vorgenommene Zählung der roten BlutkOrperdien konstatierte 
deren 4526000 im ccm. 

Nachdem Verf. sich durch Nachfragen beim Bürgermeister und 
anderen Leuten überzeugt, dsß der Kranke wirklich sein ganzes 
Leben daheim zugebracht, stellte er denselben in dar Sitzung vom 
14 Februar 1894 dem Aerzteverein (Academia y Laboratorio de 
Cüencias mödicas de Gatalufia) vor, wo er vor den Anwesenden 
frische Blutuntersuchungen vornahm und die Gegenwart der Filaria 
demonstrierte. Die Untersuchung des an jenem Tage gelassenen ELams 
ergab: Spez. Qem.: 1,021; Reaktion: stark sauer; Farbe: normal; 
Aussehen: leicht getrübt; Eiweiß: 1,25 pro 1000; Sediment: wenige 
rote und weiße Blutkörperchen, etliche Harnsäurekryst&Uchen, keine 
Gylinder. 

Der Arzt des Stftdtchens (5000 Einwohner) schrieb, daß er in 
den 12 Jahren, die er dort wohnt^ noch zwei F&lle von intermittierender 
Hämatochylurie beobachtet, und zwar bei einem 29-jfthrigen Manne, 
bei dem die Krankheit 3 Jahre anhielt, aber nun seit 11 Jahren nicht 
wieder aufgetreten ist, und bei einem 23-j&hrigen, halb blödsinnigen 
Frauenzimmer, das in 4 Jahren 3 Anfiüle gehabt, den letzten vor 
nun schon 8 Jahren. In keinem dieser Flüle wurde Blut noch Harn 
untersucht. 

In dem St&dtchen, das reichliches und gut kanalisiertes Trink- 
wasser besitzt, wohnen yiüe Leute, die sich in Amerika ein Ver- 
mögen gemacht haben. 

Der Mitteilung liegt eine Tafel mit 6 Photographieen bei, von 
denen 5 bei 110 Durchmessern und eine bei 460 aufgenommen. 

Sentifion (Barcelona). 



SchvtximpftiBg, kfiasü. Infektlonskniiklieitto, EntwiekehmgtfaMDiimng et«. g7 

Schutzimpfbng, künstliche Infektionskrankheiten, Entwick- 
Imifislieninung und Vernichtung der Bakterien etc. 

Langenbueh, Nochmals über die erste Versorgang der 
LeicbtverwandeteD aaf dem Schlachtfelde. (Deutsche 
med. Wocheoschr. 1894 Nr. 9-- 12) 

Verl trat vor 2 Jahren (Deutsche med. Wochenschr. 1892. 
Nol 18) mit dem Vorschlage an die Oeffentlichkeit, eine Sekandär- 
infektion der im Kriege erfolgten SchnßYerletznngen durch Naht- 
und Pflasterverband der Ein- und AnsschuBöffnung zu verhüten. 
Die omi^hlene Wundbehandlung sollte bereits auf dem Schlacht- 
fidde, und zwar bei Mangel an Aerzten durch das in dieser Hin- 
sicht auszubildende untere Sanitätspersonal erfolgen und die Mög- 
lichkeit bilden, die Verwundeten ohne Erneuerung des Verbandes 
auf weite Strecken zu transportieren. Langenbuch 's Vorschlag 
fand auf dem Berliner Chirurgenkongresse des Jahres 1892 wenig 
BeifeüL Es wurde eingewendet, daß der Pflasterverband den Abfluß, 
der Wnndsekretion verhindern würde, und daß jede von nicht&rzt- 
lidier Seite mit Wunden vorgenommene Manipulation einer erheb- 
lichen Infektionsgefahr gleichbedeutend sei. Verf. erneuert nun seinen 
Vorsdilag, indem er von den dagegen angebrachten Einwänden be- 
sonders den ersten bekämpft. 

Jenem Einwände lag die Voraussetzung zu Grunde, daß eine 
große Zahl der Schußwunden primär infiziert ist, daß, wie K5nig^ 
sagte, das Oesdioß von jeder Hose, welche es durchdringt, schäd- 
fidbe Mikroorganismen mitbringt. Von der Wirkung dieser EntzQn- 
duDgserreger muß, so nahm man an, eine Wundsekretion fast regel- 
mäßig erwartet werden; ein fester Verschluß der Wunde führt daher 
zu Sekretverhaltung und bedingt damit die Ge&hr der diffusen 
Phlegmone. In dieser Voraussicht hielt man es für angezeigt, die* 
oflnie Wandbehandlung für den Krieg beizubehalten. 

Langenbuch erwartet indessen von der offenen Wundbehand- 
lung nicht die ihr zuerkannten Vorteile. Der Durchmesser der 
Wunden, welcher am Einschuß eines kleinkalibrigen Geschosses 4, 
am Aoascfauß 10 mm beträgt, ist ihm zu gering, um für den Ausfluß 
etwaiger Wundsekrete aus dem langen SchuBkanale einigermaßen 
genügende Bedingungen zu gewähren. Auch würde, wie er aus- 
führt, die kleine Wunde durch Blutgerinnsel und Schwellung ihrer 
Bänder zur Zeit des Beginnes der Absonderung bereits verl^ sein. 
Durch ihr Offenlassen wird also der Sekretverhaltung nicht vorge- 
beugt, sondern nur der Sekundärinfektion freier Spielraum gelassen 
werden. Tritt andererseits die Sekretverhaltung in jedem Falle> 
gkichgiltig, ob die Wunde offen bleibt oder durch Pflaster ver- 
schleesen wird, ein, so ist es auch belanglos, ob vor Ausführung der 
dnrdi sie bedingten chirurgischen Eingriffe erst ein Pflaster von der 
Wade gdflst werden muß oder nicht. 

Oebrigens ist die Primärinfektion der Schußwunden keineswegs. 



38 Schotiimpliuig, kftnstl. Infaktlonskraokbelton, EDtwiekelaiigth«mm«ng etc. 

die Regel. Es spricht gegen das Vorlcommcai derselben der gewöhn- 
lich Yerhftltnism&ßig sp&te, nach Fi seh er 's Beobachtungen an den 
Verwundeten von Spichern etwa am 4. — 6. Tage erfolgende Be- 
ginn des Wundfiebers nach Schoß Verletzungen. Es sprechen ferner 
dagegen von Bergmannes günstige Erfahrungen mit der konser- 
vativen Behandlung der Knieschtisse im mssisch-tttrkischen Kriege 
1877. Während es frflher unter den Kriegschiruiigen als Grundsatz 
galt, daß bei KniesdiQssen, deren Komplikation mit Knochenverletzung 
festgestellt war (nattirlich durch Untersuchung mit dem in der vor- 
antiseptischen Zeit wohl in der R^el nicht desinfizierten Finger), die 
Amputation vorgenommen werden müsse, falls nicht durch die un- 
ausbleibliche Vereiterung des Gelenkes oder durch Osteomyelitis 
das Leben des Verwundeten gefährdet werden sollte, beobachtete 
von Bergmann, daß solche Knieschüsse auch unter mangelhaften 
Verbänden in großer Zahl mehr oder weniger reaktionslos heilten. Von 
59 entsprechenden, beim Donauübergange der Russen bei Simnitza 
erfolgten Verletzungen heilten 21 ohne jede nur irgendwie erhebliche 
Eiterung; bei einem später aus anderweitiger Ursache Verstorbenen 
unter den übrigen Kranken war die Wunde geheilt; zu den Seiten 
der knorpligen Menisken waren mehrere Tuchfetzen reaktionslos 
eingewachsen. Von 15 vor Plewna Verwundeten, deren sämtlich 
mit Knochenverletzung komplizierte Knieschüsse zunächst mit den 
feldmäßig umhergetragenen Verbandsstoffen bedeckt und frühestens 
24 Stunden später in die Behandlung von Bergmannes gelangt 
waren, sind 14 und von diesen 8 ohne oder so gut wie ohne Eiterung 
geheilt, obwohl anf die Amputation verzichtet worden war. In acht 
dieser Fälle trat Fieber auf, aber nur Imal am zweiten Tage nach 
der Verletzung, sonst am 12., 13., 14., 25., 35. und 42. Tage. 

Verf. entnimmt diesen Beobachtungen, daß die Ablehnung eines 
möglichst früh nach der Verletzung anzulegenden Pflasterverbandes 
mit der Gefahr der Primärinfektion der Schußwunde nicht begründet 
werden kann. Im besonderen hält er die Befürchtung einer Wund- 
infektion von den durch das Geschoß durchlochten Kleidungsstücken 
aas für übertrieben, nachdem Pfuhl (vgl. Referat in dieser Zeit- 
schrift. Bd. XV. p. 176.) nachgewiesen hat, daß solche Dniformfetzen 
in der Mehrzahl der Fälle eine Infektion gar nicht bewirken. 

In einer Anzahl von Verletzungen, welche der Verf. mit dem 
von ihm empfohlenen Verbände behandelte, hat der Erfolg zu gunsteo 
des eingeschlagenen Verfahrens gesprochen. 

Kühler (Berlin). 

Henlus, Bemerkungen über die Desinfektion nach an- 
steckenden Krankheiten. (Deutsche med. Wochenschrift 
1894. No. 11.) 
Die in der Berliner medizinischen Gesellschaft erfolgte Ablehnung 
einer von Zadek beantragten Besulution zu gunsten der Gebühren- 
freiheit für die Desinfektion von Wohnungen und Efiekten nach an- 
steckenden Krankheiten giebt dem Verf. zu dem Bedauern Anlaß, daß 
der Uebergang zur Tagesordnung, durch welchen die Ablehnung er- 



ktutL InCiktioaskniiUieitoii, BalvidfceloiigsheBniiiiig «te. 89 

folgte, die MO^ichkeit einer Debatte Ober den Nutzen der Desinfek- 
tion abgeschnitten habe. Er Termutet, daß bei einer Aussprache 
ftber diesen Gegenstand you den beschäftigten Aerzten zahlreiche 
Beobachtungen mitgeteilt worden wären, welche die Erfolglosigkeit 
der flblichea Desinfektion in Mietswohnungen, für Scharlach und 
Di^tberie wenigstens, außer Zweifel gestellt hätten. Er hält die 
Ausrottung der Erreger jener Krankheiten mit Rücksicht auf die 
Beschaffenheit der Wohnungen und des in diesen stattfindenden Ver- 
kehrs Dicht für ausführbar. Zwischen den Eltern und den kranken 
Eindeni, zwischen der Küche und dem Krankenzimmer würden immer 
Bezi^ungen bestehen bleiben, welche die Verschleppung der Keime 
durch die ganze Wohnung herbeiführen müssen. Nadi Beendigung 
der Krankheit würden aber höchstens 2 — 3 Räume desinfiziert 
werden, und wenn man auch die ganze Wohnung desinfizieren möchte, 
80 würde man die Keime doch nicht bis in aUe ihre Schlupfwinkel 
Terfidgen können. Verf. bezieht sich dabei auf einen Voigang, 
in welchem 2 Kinder und deren Mutter der Reihe nach an Scharlach 
erkrankten, obwohl nach jedem Krankheitsfalle eine gründliche Des- 
infektion stattgefunden hatte. „Aehnliche Beispide^', so meint er, 
,^öonte jeder beschäftigte Arzt zu Dutzenden anführen/^ 

BeL hält die von dem angesehenen Berliner Arzte gegebene 
Anregung für nützlich, freilich nicht ganz im Sinne des Verf.'s. Es 
fehlt in der That noch an Material, um zu beurteilen, welche Erfolge 
die nunmehr in mehreren Städten eingeführte Zwangsdesinfektion 
gezeitigt hat. Möchten daher nur recht viele Beobachtungen darüber 
voQffBDtlicht werden, es kann damit der Sache nur genützt werden. 
Lauten sie günstig, so erkennt man, daß der eingeschlagene Weg 
richtig ist, im umgekehrten Falle wird Verfahren und Technik ver- 
bcBsert werden müssen. Ein abschließendes Urteil, zu dem der Verf. 
bomts sehr geneigt ist, kann jedoch vorher nicht gefällt werden. 
Mittetlnngeo, wie die von ihm gegebenen, beweisen nicht viel, denn 
aus dem kurzen Berichte über den als Beispiel der Erfolglosigkeit 
der Deeinfektion gewählten Vorgang ist nicht einmal zu entnehmen, 
ob eine Uebertragung von Person zu Person in den 3 Krankheits- 
fiUlen ausgeschlossen war. Auch können Fehler bei der Desinfektion 
Torgekmnmen sein u. s. w. Aber auch theoretisch scheint dem 
Bei die Beweisführung des Verf.'s zur Verurteilung der Des- 
infektion nicht auszureichen. Wenngleich eine Verschleppung der 
Keime durch die ganze Wohnung stattfinden kann, so wird dennoch 
das Bett des Kranken und das von ihm bewohnte Zimmer neben 
seiner Person und seinen Ausleerungen immer die Hauptstätte des 
AasteckungBstoflfes bilden. Vernichtet man daher die Keime von 
Bett, Krankenzimmer und Dgektionen — daß dies nicht möglich 
sein soll, kann Ref. nicht einsehen — , sondert man den Kranken so 
lange vom Verkehre mit anderen Personen ab, bis eine Debertragungs- 
ge&dir von seinem Körper her nicht mehr zu befürchten ist, so ist 
daadt die Gefahr für spätere Bewohner der Bäume immertiin be- 
deuicDd beschränkt Wenn sie nicht ganz beseitigt ist, so muß man 
Bch eben mit der UnvoUkommenheit aller menschlichen Leistungen 



90 BehaüiimpftuiK, kfiasü. Infektioukrankheitoii, Botwiek^liuigalMimiiiiiig ete. 

trösten. Wird man doch auch in der Krankenbehandlong auf ein 
Heilverfahren nicht versieh ten, weil es zuweilen versagt 

Der Verf. tadelt an der üblichen Desinfektion aber aach das 
Zuviel. Er empfiehlt, vor allem dahinzustreben, „daü in der Umge- 
bung des Kranken die möglichst gröfite Sauberkeit herscht, daß 
seine Ezkretionsstoffe durch Vermischung mit (den Armen uDcntgelt- 
lich zu überweisenden) bakterientötenden Mitteln unschädlich ge- 
macht werden, daß auch den untersten Klassen der Bevölkerung in 
Erkrankungsfällen (nötigenfalls durch öffentliche Mittel) die Fähigkeit 
gegeben wird, die Wäsche öfter zu wechseln und die gebrauchte vor 
dem Waschen längere Zeit in Seifenlösung zu legen, daß die Kranken 
und ihre Pfleger möglichst wenig mit der Außenwelt in Berührung 
kommen/^ Gewiß recht nützliche und beherzigenswerte, wenn auch 
nicht neue Vorschläge; indessen meint Ref. doch, man wird das 
Eine thun müssen und das Andere nicht lassen dürfen. Man wird 
auf die öffentliche Desinfektion solange nicht verzichten können, 
als nicht zuverlässig erwiesen ist, da£ man sich in den auf sie ge- 
setzten Erwartungen getäuscht hat. Vielleicht gelingt es der Zukunft, 
zu vervollkommnen, was etwa unvollkommen und zu vereinfachen, 
was zu umständlich ist. Auch in der Wundbehandlung hat es Jahr- 
zehnte gedauert, bis man seit Liste r 's Entdeckung und den durch 
sie herbeigeführten kostbaren Verbandverfahren zu einfacheren 
Methoden gelangt ist. Kühler (Berlin). 

Stabenrauch, L. v«, Das Jodoform und seine Bedeutung 
für dieGewebe. Eine monographisch-experimentelle 
Studie. (Deutsche Zeitschrift für Chirurgie. Bd. XXXVII. 1893. 
5. u. 6.) 
Im ersten Abschnitte seiner umfangreichen Arbeit bespricht 
V. St. die in der Litteratur niedergelegten, zum Teil außerordentlich 
differenten Ansichten der Autoren über die antibakterielle 
Wirkung des Jodoforms. Einige Autoren führen die Thatsache, 
daß der Eiter längere Zeit mit Jodoform behandelter kalter Abscesse 
steril ist, auf eine direkte antibakterielle Wirkung dieses 
Körpers zurück, während andere in einer Reizwirkung des 
Jodoforms auf die Gewebe das Primäre sehen und erst 
sekundär infolge Veränderung des Nährbodens den Tod der Bak- 
terien herbeigeführt glauben. Diese noch offene Frage versucht 
V. St. an der Hand einiger Experimente im zweiten Abschnitte 
zu lösen und kommt zu folgendem Schlußsatze: 

„Die in den fungösen Abscessen enthaltenen Bacillen gehen unter 
der Jodoformbehandlung thatsächlich zu Grunde; indes ist es nicht 
sicher erwiesen, daß d^e Abtötung der Bacillen auf einer spezifisch 
antituberkulösen oder direkt antibakteriellen Wirkung des Jodoforms 
beruht, vielmehr gewinnt die Annahme an Wahrscheinlichkeit, daß 
die Wirkung des Jodoforms auf die Gewebe eine große Rolle spielt, 
daß gewissermaßen die experimentell ja bewiesene geringe anti- 
bakterielle Kraft des Jodoforms im Vereine mit der Gewebewirkung 
die Vernichtung der TuberkelbadUen herbeiführt; die genannte 



Sehntsimpftuig, kflnstL InfektioiMkrAiikhoiten, Bntwickelangshemmaiig eto. 91 

keUende Wirkung des Jodoforms ist aber aller Wahrscheinlichkeit 
nach nicht dem unzersetzten Jodoform oder Jodoformdämpfen, son- 
dern Zersetzangsprodukten desselben zuzuschreiben/* 

Der dritte Abschnitt, welcher sich mit der Wirkungsweise 
des Jodoforms, resp. der entstehenden Zersetzungsprodukte desselben 
bebfit, ergiebt zunächst, daß die in der Litteratur hieraber nieder- 
gelegten Ansichten die Frage nach der Wirkung nicht klären. Um 
der Lösung der Frage näher zu kommen, unternahm Verf. eine Zahl 
sinnreich angeordneter Experimente, wobei er vor allen Dingen auf 
das lösende Vehikel des Jodoforms und darauf Gewicht legte, 
ob die Lögung sterilisiert war oder nicht; besonders die Ste- 
lilisierung ist geeignet, die Lösungen des Jodoforms zu zersetzen 
and demgemäß seine Wirkung auf die Gewebe zu beeinflussen. 

Er kommt zu folgenden Schlössen: 

,J)as Jodoform zersetzt sich in Vehikeln, welche nicht eine 
L5sang des Jodoforms darstellen, wie Wasser, Gummilösung, Glycerin, 
sowohl im zerstreuten Tageslichte, wie auch im Brütschranke bei 
Körpertemperatur. Schon Noißer hatte auf den Umstand aufinerk- 
sam gemacht, daß Jodoform durch Uebergießung mit heißem Wasser 
zersetzt wird, um so begreiflicher wird die Thatsache, wie sie aus 
den Experimenten sich ergiebt, daß in der Sterilisationswärme große 
Mengen von Jod freigemacht werden können. Am stärksten ist die 
Jodspaltung bei der in der Chirurgie üblichen Jodoformglycerin- 
mischong, da das Glycerin eine organische Flüssigkeit ist. Sehr 
große Mengen von Jod finden sich nach der Beendigung des Ste- 
rilisationsprozesses in den einzelnen Vehikeln dann, wenn die Mischung 
in engen, Yerschlossenen Gläsern vorgenommen wird, welche das 
Entweichen der Joddämpfe während der Sterilisation verhindern. 
Werden derartige sterilisierte Mischungen in Gelenke injiziert, so 
treten heftige Reaktionserscheinungen auf. Das abgespaltene Jod 
bleibt übrigens nicht frei, sondern wird sofort von der im Vehikel 
enthaltenen organischen Substanz gebunden, wo sie jederzeit durch 
Säare- oder Chloroformzusatz nachgewiesen werden können/* 

Der vierte Abschnitt untersucht, welche Gewebsverän- 
derungen unter dem Einflüsse des Jodoforms eintreten. 

Lokal sowohl, wie vom Blute aus wirkt es auf drüsige 
Organe derart, daß ein degenerativer Zerfall der epithelialen 
Elemente eintritt 

Auch die pathologische Gewebsneubildung wird durch 
das Jodoform in hohem Grade beeinflußt 

Auf das tuberkulöse Gewebe wirkt es wahrscheinlich in der 
Weise, daß der Zerfall der dem Untergang anheimgegebenen epithe- 
loiden Zellpartieen durch das Jodoform beschleunigt, der Widerstands- 
obigere Teil der epithelialen Elemente aber zur Umwandlung in 
gesundes Gewebe vorbereitet wird. Kurt Müller (Halle). 

^koniy, Ueber die Beteiligung chlorophyllführender 
Pflanzen bei der Selbstreinigung der Flüsse. (Arch. 
t Hyg. Bd. XX. Heft 2. 1894.) 



92 l^M« Litteimtv. 

Es ist eine bekannte Thatsache, daß grflne Pflanzen organiache 
Stofife anfoehmen und verwenden können; ebensowenig ist es zweifel- 
haft, daß die Wasserbakterien Anteil an der Wasserreinigong haben 
und daß die Bakterien eine sehr wichtige Bolle spielen, solange der 
Grehalt des Wassers an organischen Substanzen ein sehr hoher ist 
Die Frage nach dem Anteile der grünen Pflanzen an der Selbstreini- 
gung der Flüsse sucht Verf. auf Grund seiner Experimente zu ent- 
scheiden. Bei Phanerogamen ist bereits früher der Beweis für ihre 
Ernährung mit organischen Substanzen, wie Zucker, Glycerin u. a. 
erbracht worden. Verf. beschäftigte sich hauptsächlich mit dem 
Verhalten der Algen, besonders der Diatomeen, gegen die Fäulnis- 
produkte und Bestandteile des Harns. Flüchtige Fettsäuren, Amido- 
säuren, Indol, Scatol, Phenjlessigsäure, Harnstofif etc. wurden in ge- 
eigneten Lösungen bei Lichtzutritt und Kohlensäureatechluß den 
A^en dargeboten. Die Resultate waren meist positiv. Auch andere, 
bei der Fäulnis auftretende flüchtige Fettsäuren, wie Buttersäure, 
Baldriansäure, sowie aus der Reihe der Amidokörper Glykose, Leudn, 
Tyrosin, vermögen den Algen als Nahrung zu dienen. Selbst Ham- 
Btofi wirkt, in richtiger Verdünnung angewandt, ernährend auf Algen. 
Wir können also behaupten, daß eine beträchtliche Anzahl der ge- 
lösten organischen Stoffe, die den Flüssen durch Einleiten der Side 
zugeführt werden, durch Wasserpflanzen v^nichtet werden. Daß 
daneben auch die Wasserbakterien einen beträchtlichen Teil der 
Arbeit thun, ist nicht zweifelhaft Beide wirken zusammen und 
befreien durch ihre gemeinsame Thätigkeit die Flüsse von den 
gelösten organischen Substanzen. — Am Schlüsse seiner Arbeit 
giebt Verf. noch einige botanische Notizen über Flußv^etation, 
bezüglich deren wir auf das Original verweisen müssen. 

Maaß (Freiburg i. B.). 



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(Boilanf , Schweineeeacbe, Wlldseaehe.) 

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Tk swiae^ever (inlbcted areaa) Order of 1894. (VerdffenU. d. kaiserl. Geeandheita-A. 

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i ^• 

I [Fbato, Bandwilrmer, Triehinen, EchiBOkokken, Pllaria, Oeatraalanref Aacaria, 

Aaehjkietomam, Triehoeephalaa, Oxjnria.) 

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Xffiiaiiiirni rwg$miii BuMwrim vmd Partium bm PfUmmtm, 

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HeUrerfSüiren gegen Tuberkuloee. 

^t^ffiii« B., Contribüto allo studio della Immunitk Taecinale. (Biv. dlglene e san. 

F«bbL 1894. Ho. 6/7. p. 177—803.) 
* BmI, L et Tmvall, ff. B., La rage exp4rimenUle chea le ehat. (Annal. de l'Inst. 
^««r. 1894. No. 5. p. 338—846.) 
^t*^ W. , MalleinimpfoDgen auf Onibe Heinits- Decken and der MalleinimpAing 

J4ooitiadier Wert. (DtMbe tierirati. Wcbscbr. 1894. No. 99. p. 177—181.) 
'*^*>ai,A, Scraminlektionen gegen Sypbilia. (Verhandl. d. Gas. dtscb. Naturforscher 
J- Aenu SB NBmberg ) Teil U. Hftllte 9. p. 800—809. Leipsig 1894. 
Mir, 1, Poadatioa d'nne Station antirablqne k Tonis. (Annal. de Tlnatitut Pastenr. 

im. Ho. ö. p. 346—348.) 
'^'^ 8., Dtir aomento del potere battericida delle aolnsloni di soblimato corroeivo 

^ i'afgisoU di aeidi e di elornro dl sodio. (Annali d. ist. d'iglene sperim. d. «niv. 

^ Äoa». 1898. p. 699- 637.) 



06 



Yonriaelwl, E , Resolute der H^Uaeramtherapie bei Diphtherie. (Dtsche med. Wefaaohr. 

1894. No. n. p. 479—484.) 
Wolf; K., Ueber DefinfekUon mit SapokreML (Aroh. f. Hygiene. 1894. Bd. XZ. No. S. 

p. 919—941.) 



Inhalt. 



Origüi«lmitteUiiiig«i&. 



Beyoriiiek, IL W. , Behiiosaecharomyees 
oetosponu, eine achtsporige Alkoholhefe. 
(Orig.), p. 49. 

Lndwig, F., Weitere Beobachtungen aber 
Pilaflflsiie der B&ume. (Orig.), p. 68. 

Lata, Ad<dph, Beobachtungen Aber die als 
Taenia nana und flaTopunetata bekann- 
ten Bandwürmer des Menschen. (Orig.), 
p. 61. 

mura, K., Trichomonas vaginalis im friseh- 
gelassenen Urin eines Hannes. (Orig.), 
p. 67. 

Marchand, F., Bemerkung lu der vor- 
stehenden Arbeit, p. 74. 

Befante. 

Borehardt, M., Beobachtungen Aber das 

Vorkommen des Pfeiffer'schen Inflnensa- 

bacillns, p. 78. 
Gentamd, E., Studio snlla febbre infettira. 

1« communicaaione. II veleno deUa 

febbre nei batterii, p. 77. 
Gentanni, E. e BrnaehettiBi, A. , Studio 

della febbre infettiva. 9* oommnnica- 

sione: L'antitossina della febbre batte- 

rica, p. 77. 
Coronado, Tom4i, Confirmaci6n del micro- 

bio de la grippe en Cuba j su impor- 

tanoia bigo el punto de vista clfnico, 

p. 79. 
Font, M., De la filariosis. Ezposieiön del 

primer caso esporAdico obsenrado en 

Europa, p. 86. 
Qvwumäkj , H., Ueber das Vorkommen 

▼on Mikroben in der normalen Urethra 

des Weibes, p. 84. 



Ooldiehmidt, Une 4pisootie et une ipid^ 

mie aiguSs de rage k Madbre, p. 84. 
Orandhomma, Eine Pockenepidemie sv 

Frankfurt a. M. und Umgebung, p. 80. 
Xroae, W. n. Pasqnala, A., Untersachmi- 

gen aber Dysenterie und LeberabaceA, 

p. 81. 
Msrkel, F., Ein Fall von Oehira-Milsbrand, 

p. 80. 
Paraaoaadolo, 0., Ricerebe batteriologiche 

deir aria di una camera per opermsione 

chirurgiche nell' ospedale degll inenrabilif 

p. 76. 
Saafolioei Franeeioo, SuU* aria di alcom 

ambienti abitati. Bicerebe d*i^eiie, 

p. 76. 

Sehntiimpfiuig , kOBifUelia Infaktlms- 

krmnkhalteii. BntvtekalvngikeBMvag 

und YoTBiditimg der Baktarian. 

vnd ParaaiteA. 

Bokomy, Ueber die Beteiligung chloropliyn- 
führender Pflansen bei der Selbstreini- 
gung der Flttsse, p. 91. 

Heniiu, Bemerkungen Aber die Daainfek- 
tion nach ansteckenden Krankhaifeen, 
p. 88. 

LaBganbaeh, Nochmals Aber die erste Ver- 
sorgung der Leichtverwundeten auf dem 
Schlacbtfelde, p. 87. 

Stnbenraiicih , L. t. , Das Jodoform und 
seine Bedeutung lOr die Oewebe. Bine 
monographisch - experimentelle Stadie, 
p. 90. 

Heaa littanitsr, p. 92. 



tTromaoanMeh« Bnohdrooker»! CBennaiu Fohle) la J« 



Bakteriologie und Parasitenkunde. 

In Yerbindimg mit 

(}eLM.MDr.Leiiiikifftiii Pnfisar Dr. LoeHtar 

taLüpUff teOtüftwiOA 

Dr. O. Uhl-Brorm in CasseL 



Verlag von Gustav Fischer In Jena. 

XTL BmiL -«- Jen», den 23. Juli 1894« -o- No. 8» 

~ Pf«U IBr doi Bu4 (M Hunaifln) 14 Xurk. 

Jihrlieh encheineii swei Binde. 
-4| Zu bcaiafaeii durch all« BaeUumdlniifsii und Postaastalton. |«^ 

Die Redaktion dee „Centralblatte für Bakteriologie und Parasitenr- 
kimd^ richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige 
W l Uie e h e uim Ideferung von besonderen Abdrüeken ihrer Amf^ 
Mee emt wed er bei der JBUneendung der ÄhkanMwngen an die 
Bedaküen Ofuf dae Mannahript eehreiben au ufoUen oder epä^ 
iedeme neieh JBmpfang der ereten KorreiMwrabaüge direkt an 
^m VertegeTf Herrn Oueiav Jneeher in Jena, gegangen au 
l ee een . Die Veriagshandhmg ist leider nicht in der Lage, epäier 
dagekende W^neehe berOokeiehHgen au 



Original -Mitttieiiungen. 
Mikrobiologisches über die Arrakfabrikation in Batavia. 

Von 

Dr. C. Eyknun 

in 

Batavia. 

Mit 1 Tmfiil und 1 Figur. 

Die Arrakfabrikation wird in Batavia und an anderen Orten 
JiTAs ron Qiinesen betrieben. Dem von ihnen dabei in Anwendung 
gebrtchten Verfahren mag wohl das in ihrem Mutterlande seit Jahr- 
hooderten geObte zum Vorbilde gedient haben, dennoch weichen sie 
u^ einem IButoptpankte wesentlich ?on einander ab, was in hiesigen 
l^^kalen Verbfiltmssen seinen Grund findet W&hrend nämlich in 
XTL14. 7 



100 aEMkmaii, 

in kurzer Zeit ein neaes Mycel, welches sofort wiederum neue Gem-I 
men bildet 

Der Sdiimmelpilc IftBt sich leicht in Reinlcoltur gewinnen. Er 
bevorzugt schwach sauer reagierende Nährböden, wächst sowohl in 
flüssigen als festen Substraten und bedarf zu seinem Fortkommen 
nicht notwendig die Anwesenheit von Stärke oder Zucker. Gelatine| 
wird langsam von der Oberfläche her von ihm verflQssigt 

Wie sein so gut wie ausschließliches Vorkommen in den ersten 
Tagen der Reisgärung schon erwarten ließ, kommt ihm in hohem 
Orade das Vermögen zu, Stärke zu verzuckern, d. h. in Dextrin und 
Maltose, zuletzt auch in Glukose aberzuführen, was durch Verroitte- 
lung eines von dem Pilze produzierten diastatischen Enzyms vor sich 
geht Ein größerer oder geringerer Teil des Zuckers wird weiter in 
Milchsäure zerlegt. 

Unser Pilz erscheint der Beschreibung nach demjenigen sehr ahn- 
lieh, der zuerst von Calmette in chinesischer Hefe aufgefunden und 
Amylomyces Rouzii benannt wurdet. Während Calmette 
aber über die Stellung seines Pilzes im botanischen System völlig 
im Dunkeln blieb, bin ich glücklicher gewesen, indem ich mit Be- 
stimmtheit aussagen kann, daß es sich um eine Mucorspedes handelt. 
Als Beleg dafür mögen die beiliegenden Photogramme dienen. 

In Fig. 1 sieht man aus dem gemmenführenden Mycel die mit 
den Mucorköpfchen gekrönten Sporangienträger über die durch eine 
wellenförmige Linie angedeutete Ober&che des Nährsnbstrates em- 
porsteigen. Fig. 2 zeigt die Mycelbildung durch auskeimende Sporen. 
Die beiden abgebildeten Kulturen wurden in einer dünnen, zwischen 
zwei parallelen Glasplatten eingeschlossenen Schicht von Zuckeragar 
zur JBntwickdung gebracht. 

Die Sporenfrüchte bilden sich an der Oberfläche sowohl von 
festen als flüssigen Nährsubstraten, für gewöhnlich schon vom 2. Tage 
an nach der Aussaat. Auf Tapej werden sie oftmals vermißt oder 
finden sich nur an einzeben Stellen in Häufchen zusammen, durcb 
ihre schwärzliche Färbung deutlich von der weißlichen Unterlage sich 
abhebend. Dahingegen erzeugen die von den Sporen als Ausgangs- 
material angelegten Reinkulturen in gekochtem Reis eine so enorme 
Menge von Sporenfrüchten, daß gesagter Nährboden gänzlich schwan 
davon aussieht. 

Die reifen, kugelrunden Sporangien enthalten schwärzlich durch- 
scheinende, rundliche Sporen und eine große, kugelrunde Golumella 
Die branngeftrbten, hier und da von Querwänden versehenen Frucht- 
träger sind stark verzweigt und senden von ihrem ünterende worzel 
artige Hafthyphen (Rhizoiden) nadi der Unterlage. Gemmen werden 
an den Frodithyphen vermißt 

Zygosporenbildung wurde bei unserem Mucor nicht beobachtet 

Neben der oben geschilderten, und mithin unter ganz gleicher 
äußeren Bedingungen wie diese, entwickeln sich aus der Hefe in ge- 
eigneten Nährsubstraten noch andere Wuchsformen des in Red< 
stehen den Schimmels, die deswegen, sowie wegen ihrer Beständigkeil 






ty.-M für Baeteriologie Bd. XVI. 



Fig. 1. 








Tafel IL 



Fi«. -2. 



' ^u^t.iv Fischer («i fenjL 




^ ->• ' ■'■..•• % 



^**. 



''"'-.H 






JV\A^ 



aV' 



Mikfobiologiiebes fiber die Airakfabrikmtion in BaUTia. 101 

in auf einander folgenden Generationen und unter den verBcbiedensten 
Ern&hmngsverhältnissen als wirkliche Varietäten aufzufassen sind. 
Es bandelt sich dann entweder um ein abweichendes Verhalten der 
SporenfrQchte und Sporenträger, insofern diese weniger dunkel ge- 
fi&bt bis ganz farblos sein können oder um das gänzliche Fehlen 
derselben. Die asporogene Varietät unterscheidet sich, soweit ich 
in Elrfiüirung bringen konnte, in biologischer Hinsicht dadurch, daß 
ibre diastatische Wirkung besonders stark hervortritt, indem sie nur 
geringe Neigung zeigt, den gebildeten Zucker weiter in Milchsäure 
zn zerlegen. Diese Varietät ist es offenbar, die Calmette unter 
den Angen gehabt und die ihm naturgemäß besondere Schwierigkeiten 
betrefEs der Artbestimmung bereiten mußte. 

Der freundlichen Vermittdung yon Dr. Pin au, dem Nachfolger 
Calmette's, verdanke ich es, daß ich Gelegenheit hatte, auch 
die Saigonhefe zu untersuchen. Dabei stellte sich heraus, daß der 
Amylomyces Rouxii in der That ein Mucor ist, so daß es ange- 
zeigt erscheint, kQnftighin von Mucor amylomyces Rouxii zu 
spiecben. Die von mir an demselben aufgefundenen Sporangien 
waren nur schwach bräunlich gefärbt und deswegen wenig in die 
Aogen fallend; die Fruchthyphen boten insofern ein abweichendes 
Yerbalten dar, daß sie stellenweise gemmenartige Anschwellungen 
zeigten. 

Was die Herkunft des in Rede stehenden Schimmels betrifft, so 
fand Calmette die Keime desselben an der Oberfläche der unge- 
schälten Reiskörner haftend und erblickt darin die Erklärung der 
Tbatsache, daß es von den Fabrikanten für nötig gehalten wird, in 
jeden frischen, noch teigigen Hefeballen einige befeuchtete Reispilze 
bindnzustecken. Hierzulande ist solches nicht gebräuchlich, auch 
fand ich, daß die geschälten Reiskörner, wovon die Hefe angefertigt 
wird, fflr sich ebenso Träger der Mucor keime sind. 

Es finden sich weiterhin in der hiesigen chinesischen Hefe, gleich- 
wie Ton Calmette bezQglich der Saigonhefe erwähnt wird, noch 
unterschiedene Mikrooi^anismen, unter denen den Hefepilzen als 
Alkobolgärem die meiste Bedeutung zukommt; ich fand darunter 2, 
die überdies eine ausgesprochene diastatische Wirkung besitzen. 

2) Die Melassegärung. 
Nach dem Obengesagten sollte man erwarten, daß den Hefepilzen 
die Hauptrolle bei der Gärung der Melasse zukäme. Dem ist aber 
nicht sa Man findet während der ganzen Dauer der Gärung in bei 
wehem aberwiegender Menge in der gärenden Flüssigkeit verteilt 
eineB in der Hefe nicht vorkommenden, stäbchenförmigen Mikroben, der 
sicfa dnrcb Spaltung vermehrt und ein kräftiger Alkoholgärungspilz ist. 
Die Dicke beträgt 0,005—0,006 mm, die Länge 0,020—0,040 mm. 
Bure aus Gellulose bestehende Wand hebt sich durch doppelte Kontur 
deutlich gegen den feinkörnigen Inhalt ab. Die Spaltung vollzieht 
sidi in einer in der Mitte sich bildenden Quermembran. Die freige- 
iBonunenen Enden runden sich ab, aber die Tochterzellen bleiben 
■iditsdestoweniger, und zwar in Winkelstellung mit einander ver- 



102 



C. Bijkman, 




banden. Diese V-fftrmigen Doppel- 
stäbchen sind von Vordermann), 
der sie zuerst beschrieb, sehr tref- 
fend mit der Gestalt eines Dresch- 
flegels verglichen worden. 

üeber die systematische Stel- 
lang der in Rede stehenden Mifaro- 
organismen wage ich es nicht, mich 
mit Bestimmtheit aaszasprechen. 
Nach obigem w&ren sie bei den 
Spaltpilzen anterzubringen, wo sie 
sich alsdann durch die kolossalen 
Dimensionen hervorheben wQrden. 
Mitunter findet man aber, wie aus der nebenstehenden Abbildung er- 
sichtlich, auch Wuchsformen, die an einfache Hyphomyceten erinnern. 
Deber ihre bis jetzt noch nicht näher studierten biologischen 
Eigenschaften haben meine Untersuchangen folgendes ergeben: 

Die Stäbchen lassen sich leicht in geeigneten festen, namentlich 
zucker- oder stärkehaltigen Substraten reinkultivieren. Auf den fQr 
Bakterienkulturen üblichen Gelatine- und Agarnährböden kommen 
sie nicht auf; weder Pepton noch Glycerin kann ihnen als Eohlea- 
stofifquelle dienen. Auch Milchzucker sagt ihnen nicht zu. In Bohr- 
zuckergelatineplatten bilden sie weißliche, kugelrunde, scharf am- 
schriebene, nicht verflüssigende Kolonieen. Auf Zuckeragar, Reis, 
Kartoffeln u. s. w. bilden sie dick aufliegende, durch keine auffeilen- 
den Merkmale charakterisierte, weiße bis gelblichweiße Kulturen. 

Sporenbildung wurde niemals beobachtet, auch starben die 
Stäbchen in Kulturen relativ schnell ab. 

Eine nennenswerte diastatische Wirkung geht ihnen ab, sie in- 
vertieren aber Bohrzucker und vergären denselben, nebst der 
Alkoholgärung findet eine ziemlich beträchtliche Säurebildung 
statt. 

Nachdem man in mit Wasser verdünnte und darauf durch Hitase 
sterilisierte Melasse eine Beinkultur der Stäbchen hineingebracht 
hat, tritt, je nach der benutzten Menge, nach 2—4 Tagen eine leb- 
hafte Schaumbildung ein, die 1—2 Wochen andauert, bis der Zucker 
vergoren ist Das Destillat hat alle Eigenschaften von gptem Arrak; 
derselbe hat nur einen ganz geringen Faselgehalt, sein charakte- 
ristischer Geruch rührt, wie schon erwähnt, von der Melasse her. 
Der Destillationsrückstand ist ziemlich stark sauer; ich ftind darin 
u. a. Milchsäure, bin aber nicht näher darauf eingegangen. 

Was den Ursprung der Stäbchen anbetrifft, so werden dieselben, 
wie schon V Order man*) sich auf Grund seiner mikroskopischen 
Beobachtung aussprach und ich, gestützt auf wiederholte Kulturver- 
suche, bestätigen kann, weder in der Hefe, noch in dem gärenden 
Beis angetroffen. 



1) OeneMk. Tydaehr. ▼. N«d. Indie. 1898. 
%) a. m. O. 



ICkrobioloirischet fiber die Arrakfabrikaüon in BataTia. 103 

' Wenn man verdünnte Melasse nach yorheriger Sterilisation mit 

Hefe oder gärendem Reis zusammenbringt, vollzieht sich die Gärung 
zwmr regelrecht und es wird am Ende auch ein arrakähnlicbes 
Destillat gewonnen, aber in der gärenden Flüssigkeit werden, ab- 
gesehen von einer Unmenge uns hier nicht weiter interessierender 
Miboorganismen, nur Hefepilze nebst den in Zerfall begriffenen 
Schläuchen des Mucors vorgefunden. Alle diese fehlen auch nicht 
hl der g&renden Melasse der Arrakfobriken, jedoch sind sie hier, wie 
schon bemerkt, weitaus in der Minderheit gegen die dreschflegel- 
bfldendeo Stäbchen. 

Woher diese stammen, konnte nicht mit Sicherheit ermittelt 
werden. Die Vermutung liegt nahe, daß. sie entweder schon 
in der Melasse oder im zur Verdünnung derselben verwendeten 
Flußwasser vorhanden sind. Die daraufhin angestellten Versuche 
haben jedoch kein unzweideutiges Eesultat ergeben. Nur einmal 
wurden Organismen gefunden, die, wenn nicht identisch mit den 
Drescbfiegelmikroben der Arrakfabriken, denselben wenigstens sehr 
nahe standen. In diesem Versuche war, nach dem in Arrakfabriken 
befolgten Verfahren, die Mischung von Melasse und Flußwasser ohne 
vorherige Sterilisation mit Tapej in Gärung versetzt worden. In 
spontan gärender, verdünnter Melasse aber wurde, trotz wiederholter 
Untersuchung, niemals etwas derartiges beobachtet. 

In den hiesigen Arrakfabriken erscheint des Dreschflegelmikroben 
als ein konstanter Begleiter der Melassegärung. Einmal in den Gär- 
bottichen anwesend, ist sein Fortbestehen gesichert durch das übliche 
Verfahren, die in Gärung zu versetzende Melasse immer wieder mit 
schon gärender Melasse zu vermischen. Die naheliegende Vermutung, 
daB der Bataviasche Arrak seine anerkannte Superiorität vielleicht 
dem beschriebenen Mikroorganismus zu verdanken habe, erwies sich 
nicht als zutreffend. Auch in von mir untersuchten Proben gärender 
Melasse aus anderen Orten Javas (Surabaja, Tegal, Gheribon) 
wurden die nämlichen Organismen in überwiegender Menge ange- 
troSeo. 

Was schließlich die Ausbeute an Alkohol bei der hiesigen Arrak- 
iabrikation anbetrifft, so gestaltet sich dieselbe nichts weniger als 
güDStig. Sie beträgt nur ungefähr 20 Gew.-Proz. des vergorenen 
Zuckers. Aehnliches haben die mit Reinkulturen der Dreschflegel 
angestellten Gärproben ergeben. Die bei der Gärung auftretende 
aanere Reaktion weist schon darauf hin, daß noch andere Umsetzungen 
dabei stattfinden. 

Auch unter den übrigen in der gärenden Melasse, bezw. in der 
Hefe angetroffenen Mikroorganismen fanden sich keine besonders 
wirksamen Alkoholgärungspilze. Die meisten zeigten sich sogar nicht 
iBStande. koozentriertere ZuckerlOsungen vOUig zu vergären und 
stditeo iure Wirksamkeit ein bei einem Alkoholgehalte von 4—6 
! VoL-Proz. 



104 C. Kornaatb, 



Die Bekämpfang der Mäoseplage mittels des Bacillas 

typhi murium'). 

[Mitteilung der k. k. landw.-chem. Yersachsstation in Wien.] 

Von 

Dr. C. Komauih. 

Za den lAstigsten Feinden der Land- and Forstwirtschaft ge- 
hören die Mäuse. Sie schädigen dadurch, daß sie alles annagen und 
fressen, oder in den Bau ffir die Jungen schleppen ; sie können aber 
auch Katastrophen herbeifQhren, denn in gQnstigen Zeiten ist ihre 
Vermehrung eine so kolossale, daß sie alles, was überhaupt auf dem 
Felde ihnen erreichbar ist, zerstören. 

Unter dem Sammelnamen „Maus** werden von den Landwirten 
ganz verschiedenartige Individuen verstanden: 

Die Zwergspitzmaas (Sorez pygmaeus Fall.) und die ge- 
wöhnliche Spitzmaus (Sorex vulg. L.)« sowie die Wasserspitzmaus 
(Sorex seu Crossopus fodiens Fall.) kommen oft mit den 
Feldmäusen gemeinsam vor und werden auch trotz ihrer Verschieden- 
heit oft verwechselt und mit Unrecht verfolgt. Die Spitzmäuse sind 
sehr gefräßig, nähren sich aber nahezu ausschließlich von ^Enger- 
lingen, DrahtwQrmern und anderen Insekten, Schneckenlarven etc.; 
nur die Wasserspitzmaus ist in gewissem Maße der Fischzucht 
schädlich. 

Ganz anders treten die der Familie der Mäuse angehörenden 
Gattungen auf. Zunächst der Hamster (Crice tu s frumentarius 
Fall.), welcher bei uns, namentlich in Polen und Ungarn, ungeheuere 
Verwüstungen anrichtet. 

Von dem Auftreten der Hamster giebt unter anderen Lenz eine 
Vorstellung, indem er für die Stadt Gotha nachweist, daß da- 
selbst im Jahre 1817 allein 111817 StQck gefangen und vertilgt 
worden sind. 

Sonstige Mitglieder dieser angenehmen Familie sind noch die 
Hausmaus (Mus musculus), Waldmaus (Mus sylvaticns LX 
Brandmaus (Mus agrarius Fall.), Zwergmaus (Mus minuta 
Fall.) und die gc^ürchtete Wanderratte (Mus decumanus 
Fall). 

Eine andere ebenbQrtige Familie ist jene der Wühlmäuse, zu 
deren gefQrchtetsten Vertretern die Wühlratte (Arvicola amphi- 
bius L), Ackermaus (Arvicola agrestis L.), die unterirdische 
Wühlmaus (Arvicola subterranea de Selys), und endlich 
die Feldmaus (Arvicola arvalis L.) gehören. 

Alle diese Arten und Spedes sind polyphag. Sie nähren sich 
von den unterirdischen Teilen der Fflanzen, namentlich Klee und 
Körnerfrüchten, gehen aber auch auf Hackfrüchte, namentlich Rüben^ 



1) Ein« Arbelt desMlben InhalU Ist in der Oesterr.-Üngar. Zeitochrift für Zacker- 
indoitrie und Landwirtschaft. Jahrg. XXII. p. 19S TerÖffenUSeht worden. 



Di« B«kimpftio9 der MXmepIage mittels des Btcillas tjphi mnriam. 105 

welche sie voItetäDdig aashöhlen, und nagen auch junge B&ume an; 
je manche Arten beißen die jungen, schon anndicken B&umchen 
Tälig durch. 

Von allen diesen Arten wird aber keine so lästig, als die Haus- 
msQS und so zerstörend, als die Feldmaus. 

Die Naturgeschichte der ersteren ist bekannt 

Die Feldmaus hftlt sich namentlich im festen, bindigen Lehm* 
und Thonboden auf, meidet aber auch den in Kultur befindlichen 
Sandboden keineswegs. 

Wo der Boden den Feldmäusen zusagt, ist alle Jahre die 
Gefahr der M&useplage vorhanden, denn ihre Vermehrung ist eine 
unglaublich starke: 

„Eine erwachsene Feldmaus, die auf dem Felde überwintert hat, 
bringt bei jedem Wurfe 5—10 Junge zur Welt; und nicht nur ge- 
baren alle diese Jungen in demselben Jahre noch 2— Smal, sondern 
es können im Herbste noch die erstgeborenen Enkel wieder Junge 
zur Welt bringen. Allein die jungen Feldmäuse, welche noch nicht 
überwintert haben, bringen jedesmal nicht mehr als 4 — 7 Junge zur 
Welt. Je 5 Wochen, nachdem eine Maus das letzte Mal geworfen, 
kann sie wieder Junge gebären und eine Maus von 8 Wochen ist 
iörtpflanzungsfthig. Und so kann, falls keine störenden Einflüsse 
stattfinden, ein Pärchen Feldmäuse, welches den Winter auf dem 
Acker zubrachte, im Herbste des nächsten Jahres 200 oder mehr 
Nachkommen haben ^y 

Eb würde nun an Orten, wo Feldmäuse gerne vorkommen, ein 
Anbau ganz unmöglich sein, denn eine Vertilgung derselben mittels 
FaUen oder ähnlichen Yertilgungsmitteln ist den Millionen Mäusen 
gegoiüber undurchführbar. 

Zam Glück tötet der strenge Winter, sowie etwaige Frühjahrs- 
überschwemmungen eine große Menge dieser Tiere, ferner haben sie 
auch an Wieseln, Hermelin, Iltis, Fuchs, Spitzmäusen, Igel, Eulen, 
dem Bussard und anderen Raubvögeln erbitterte Feinde, so daß in 
der B^el doch nur verhältnismäßig wenige Paare den Winter über- 
stehen. 

Auch durch Krankheiten leiden die Feldmäuse bei massenhaftem 
Auftreten« 

Sind die Mäuse genötigt, nur durch Rübeo und Kartoffeln oder 
andere saftige Pflanzenteile ihren Hunger zu stillen, bekommen 
sie den Durchfisll und verenden. Ebenso macht ein nicht näher 
studierter Pilz, ein F avus, den Feldmäusen rasch den Garaus. 

Doch kommen gewöhnlich alle diese Hilfsmittel der Natur zu 
spAt, denn wenn einmal, durch einen milden Winter begünstigt, eine 
ffTöBere Anzahl Mäusepärchen im Frühjahre auftritt, vernichten deren 
Nachkommen alle Ernten und daß schließlich mit dem mangelnden 
Futter die Mäuse zu Grunde gehen, ist nur ein magerer Trost 

Yertilgungsmittel giebt es mancherlei: 



1) TIaiitcbe SebädÜDge und Nfittlinge etc., von Bitiema- B os. Berlin (Paul 
Pvej) 1891. 



X06 ^' Kornanth, 

Das Graben cylindrischer Löcher, namentlich in den die Aecker 
umaäamenden Rainen; die Mäuse fallen in die Löcher und können 
nicht mehr heraus. 

Bauchmaschinen, mittels welchen ein dichter Bauch erzeugt 
und in die Löcher eingeblasen wird. 

Phosphorbreipillen oder Strychnin auf Boggen- oder Haferkömern 
fixiert, werden in die Löcher geworfen. 

Endlich sucht man auch durch Schweineeintrieb auf die von den 
Mäusen besetzten Felder den Mäusen entgegenzutreten. 

Alle diese Mittel können bd kleinen, abgeschlossenen Kultur- 
flächen manchmal sich wirksam erweisen, auf großen, von Millionen 
Mäusen bewohnten Flächen hingegen werden sie aber entweder zu 
kostspielig oder ungenügend. 

Nur eine seuchenartig unter den Mäusen hervorzurufende, mit 
dem Tode derselben endigende Krankheit könnte bei solchen Kalami- 
täten erfolgreiche Dienste leisten. 

Der Gedanke, durch künstlich hervorgerufene Seuchen einen in 
Massen auftretenden Kulturschädling zu vernichten, ist schon öfters 
aufgetaucht und zu verwirklichen gesucht worden. 

Man hat durch eine Infektion verschiedener Schädlinge (Heu- 
schrecken, Fliegen, Kaninchen, Nonnenraupen, Engerlingen etc.] 
mittels Schimmelpilzen und Spaltpilzen schon früher versucht, Seuchen 
hervorzurufen, doch ohne Erfolg. 

Erst Prof. Loeffler in Greifswald ist es geglückt, einen füi 
Mäuse spezifisch wirkenden Spaltpilz aufzufinden, durch dessen Ver- 
wendung es nahezu ausnahmslos gelungen ist, den Mäuseplagen, so- 
weit sie von auf diesen Bacillus reagierenden Mäusen hervorgerufen 
werden, ein Ende zu machen. 

Ueber die Auffindung dieses Bacillus sagt Prof. Loefflei 
Folgendes: 

„Im Oktober 1891 trat unter den im hygienischen Institute zi 
Greifswald zu Versuchszwecken gehaltenen weißen Mäusen ein epi 
demisches Sterben auJE. In kurzer Zeit war über die Hälfte der ii 
einem Glasbehälter gehaltenen etwa 50 Mäuse zu Grunde gegangei 
Tag für Tag lagen Leichen in dem Behälter und es schien, als o1 
sämtliche Tiere zu Grunde gehen würden. (Jm der Epidemie Einhai 
zu gebieten, wurden die noch lebenden Tiere des Behälters jedes fü 
sich isoliert. Es starben dann noch einzelne vos der Isolieninj 
bereits infizierte Tiere und damit war die Epidemie zu Ende. Di 
nähere Untersuchung der gestorbenen Tiere ergab, daß sämtlich 
Kadaver in den inneren Organen kleine winzige Stäbchen entbieltei 
welche nach den gewöhnlichen bakteriologischen Methoden rei 
kultiviert werden konnten. 

Da die Kadaver der verendeten Tiere fast alle angefresse 
waren — es war ihnen meist die Leber und das Gehirn herausge 
fressen — so lag die Vermutung nahe, daß die Krankheit auf di 
gesunden Tiere durch Annagen der Erkrankten sich weiter verbreite 
hatte. Um diese Annahme wissenschaftlich festzustellen, mußten nii 
den Beinkulturen des Bacillus Fütterungsversuche an Mäusen yoi 
genommen werden. Diese Versuche ergaben denn auch, daß in de 



Di« Btkimpfnng d«r MXnMpUg» mittels des BmUIoi tjpbi murium. J07 

Tiuit eine Infektion gesunder M&ase durch Aufnahme der Bacillen 
Bit der Nahrung stattfand. Die gefütterten Tiere starben aus- 
Bahmslos. 

um nun die pathogenen Eigenschaften des Bacillus näher su 
studieren, wurden an einer ganzen Reihe von verschiedenen Tierarten 
Fimerongsversuche angestellt Hierbei ergab sidi zunächst ids 
buchst wichtiges und interessantes Ergebnis, daß die Feldmaus, die 
Arvicola arvalis, hervorragend empfänglich war für die Fütte- 
nmg mit dem Bacillus, da alle gefütterten Feldmäuse starben, 
eine am so bemerkenswertere Thatsacbe, als gegenüber manchen 
anderen pathogenen Bakterien die Feldmäuse sich gerade entgegen- 
gesetzt verhalten als die Hausmäuse. 

Aofierdem aber stellte sich heraus, daß alle anderen Tiere für 
die FQtterung nicht empfänglich waren. Es zeigte sich, daß sämt- 
liche Vogelarten, femer der natürliche Feind der Mäuse, die Katze, 
aoBerdem Schweine, Schafe, Kaninchen und auch Meerschweinchen 
Dich der Fütterung mit dem Bacillus nicht starben, ja daß sogar 
einige Mäusearten, so vor allem die Ratte und die durch einen 
schwarzen Längsstreifen auf dem Rücken ausgezeichnete Brandmaus 
gänzlich unempfänglich waren für den Bacillus.'' 

Hatte schon diese Veröffentlichung großes Aufsehen erregt, so 
worde diese Entdeckung noch bedeutungsvoller durch die gelungene 
Anwendung dieses Bacillus (wegen verschiedener Aehnlichkeiten 
mit dem Bacillus des Unterleibstyphus von dem Entdecker 
Bacillustyphi murium genannt) anläßlich einer großen Mäuse- 
plage in Thessalien. 

Von der griechischen Regierung berufen, hatte Prof. Loeffler 
zun erstenmale Gel^enheit, den Wert seines Bacillus im Großen 
za erproben. Es gelang ihm, der dortigen Mäuseplage, hervorgerufen 
dorcb die Arvicola Güntheri (einer großen Feldmaus), ein voU- 
st&odiges Ende zu machen und die verloren gegebenen Ernten zu 
retten. Die griechische Regierung hat auch den Erfolg Loeffler 's 
Inrcbaos anerkannt 

Auf Grund des in Thessalien wahrhaft mustergiltig durchge- 
fthrten Versuches wurden in den verschiedensten Gegenden Deutsch- 
bnds and einigen Grenzgebieten Oesterreichs Versuche gegen die 
MlQseplage mit Hilfe des Loeffler'schen Bacillus typhi 
Barium eingeleitet und mit wenigen Ausnahmen erfolgreich durch- 
geführt fi3 würde zu weit führen, alle die gemachten Versuche 
kier anzuführen, es seien bloß jene erwähnt, welche von bedeuten- 
ileren Körperschaften oder Behörden ausgeführt worden sind. 

Dahin gehören die Versuche der Botaniker Dr. Müller und 
^f. Heinz, mehrerer Bürgermeister, vieler Vorstände von land- 
virtKhaftlichen Vereinen und endlich des königlich sächsischen Kri^[S- 
Ministeriums, welch letzteres solche glänzende Resultate mit dem 
Bacillus typhi murium erzielte, daß es den landwirtschaftlichen 
Vereinen Sachsens bekannt machte, es sei bereit, ihnen Kulturen des 
Hinsetyphusbacillus auf Wunsch kostenfrei zu übergeben. 

DieErfolgeLoef f 1 er's in Thessalien haben auch das k. k. Acker- 
Ministerium veranlaßt, der Sache näher zu treten, da viele Teile 



108 ^- Kornaath, 

Oesterreicbs ungemein viel und oft von Mäusen zu leiden haben, und 
hat dasselbe der k. k. landwirtschaftlich-chemischen Versuchsstation in 
Wien die Vornahme der einschlägigen Versuche aufgetragen, von deren 
Seite wieder der Referent mit der Durchführung betraut worden ist. 

unter Einem hat das k. k. Ackerbauministerium auch Veran- 
lassung genommen, die landwirtschaftlichen Vereinigungen einzuladen, 
wenn sich bei ihnen Mäuse in bedeutenderer M^ge vorfänden, sich 
mit der k. k. landwirtschaftlich-chemischen Versuchsstation in Wien 
ins Einvernehmen zu setzen, da dieselbe angewiesen sei, kosten- 
frei die Mäusevertilgungsversuche mit dem Mäusetyphusbacillus vor- 
zunehmen. 

Auf diese Einladung hin haben sich aus den Kronländem Nieder- 
österreich, Steiermark, Tirol, Erain, Görz, KOstenland, Salzburg und 
Mähren im ganzen 57 Teilnehmer, allerdings nahezu sämtlich land- 
wirtschaftliche Vereine oder ganze Gemeinden und einige Grossgrund- 
besitzer, gemeldet. 

Diese Zahl ist eine beschämend geringe, denn das Vorjahr war 
iil sehr vielen Gegenden Oesterreicbs ein Mäusejahr und es ist die 
Zurückhaltung der Landwirte einesteils wohl in der Scheu, mit ge- 
fürchteten Bakterien zu arbeiten, als auch vielleicht in der regen Pro- 
paganda Wasmuth's zu gunsten des Strychninhafers zu suchen. 

Den anfragenden Interessenten wurde vorerst folgende Zuschrift 
gesendet: 

„Antwortlich Ihres Geehrten vom . >n . . . . d. Mts. teilen wir 
Ihnen mit, daß wir gerne bereit sind, Ihnen mit Rat und That be- 
züglich der Vertilgung der Mäuse an die Hand zu gehen; vorerst 
aber ersuchen wir, uns einige Exemplare der bei Ihnen hausenden 
Mäuse zu senden, damit wir vorher deren Art und deren Infektions- 
fähigkeit gegen den Bacillus erproben. 

Die Mäuse werden am besten in einer durchlochten Papp- oder 
Holzschachtel versendet und wird denselben nasser Hafer als Futter 
mitgegeben/^ 

Diese Zuschrift erschien sehr notwendig. 

Von mancher Seite langten Wühlmäuse und sogar Maulwürfe 

iScheermäuse) als Feldmäuse ein; von den ersteren war die Infektions- 
ähigkeit damals noch nicht sichergestellt; die letzteren kommen schon 
durch ihre Lebensweise außer Betracht. Jene Parteien, welche unter 
den verschiedensten Ausreden, oder auch ohne solche, keine Mäuse 
einsendeten, konnten wohl von vornherein als wenig vertrauenswert 
für die genaue Beachtung der Vorschriften über die Verwendung des 
Mäusebacillus angesehen werden. 

Die Versuchsansteller, welche Mäuse eingesendet hatten, erhielten 
eine gewisse Anzahl (3 bis 6 Stück) von Kulturröhrchen (in welchen 
sich auf Peptonagar gezüchtete Mäusetyphusbacillen befanden) zuge- 
sendet, denen folgende Vorschrift zur Verwendung derselben beilag: 

„Belehrung über die Anwendung des Loeffler^schen 
Mäusetyphusbacillus. 
In einem ca. 3 Liter fassenden, mit Deckel verschlossenen Topfe 
(besser einem Dampftopfe) werden 2 Liter Wasser oder Heuabsnd 



Die Beklmpfong der MSoseplage mittele des Bacillus typhi murium. 109 

oder Fldschbouillon unter Zugabe eines Theelöifels Kochsalz minde- 
stens eine Stunde lang im Sieden erhalten und sodann bedeckt ab- 
ktUüen gelassen. Nach dem Erkalten der FlQssigkeit wird ein Röhr- 
chen mit derselben nach vorsichtigem Entfernen des BaumwoUpfropfes 
sur Hälfte angefüllt, mit einem gut schließenden, vorher mit heißem 
Wasser abgebrühten Kork- oder Kautschukstopfen gut verschlossen 
und aodaaemd (3—5 Min.) geschüttelt. Dadurch löst sich die Bak- 
terienkultor von der Unterlage ab und mischt sich innig mit der 
Flüssigkeit. Man gießt dieses Gemisch in den Topf zurück, zer- 
drückt auch noch das Agarstückchen, auf welchem die Kultur fest- 
gewachsen war, in der Flüssigkeit und mengt noch innig durchein- 
ander. Dann werden möglichst viele, ca. 1 ccm große (d. L etwa hasel- 
soügroßeX aus altbackenem Weißbrote geschnittene Brotstückelchen in 
der FlQssigkeit vollsaugen gelassen und je eines in die Mauselöcher 
geworfen; man sucht am besten jene Löcher auf, die von den Mäusen 
frisch eröffnet worden sind. Nach ca. 14 Tagen werden die Mause- 
löcher zugetreten und beobachtet, ob neue lieber von den Mäusen 
airfgegraben worden sind. In letzterem Falle wiederholt man die 
Prcoedur. 

Werden kranke, sich mühsam fortschleppende Mäuse gefunden, 
80 wollen dieselben auf unsere Kosten möglichst rasch anhergesendet 
werden. Aufgefundene tote Mäuse werden in hochgradigen Spiritus 
geworfen und an uns gesendet. 

Direktes Sonnenlicht tötet den Bacillus und sind daher alle Ope- 
rationen unter Schutz vor der Sonne auszuführen. 

Ein Böhrchen reicht für 2 Liter Flüssigkeit aus und können mit 
derselben ca. öOO bis 1000 Brotstückchen getränkt und als Köder 
beoützt werden.^ 

Nach Verlauf weniger Tage bis mehreren Wochen liefen bereits 
frische oder in Spiritus konservierte Mäusekadaver ein, die auf den 
Yersnchsflächen aufgefunden worden waren. Die stets sofort vorge^ 
nommeoe bakteriologische Untersuchung der Kadaver ergab mit voller 
Scberheit, daß die betreffenden Mäuse am Mäusetyphus zu Grunde 
g^angen waren. 

Nach Ablauf einer geraumen Zeit wurden an die Versuchsan- 
steDer Tabellen versendet, Fragebogen, in welchen folgende Fragen 
gotellt waren: 

1) Tage des Aus Werfens der Köder; 

2) Wie viele Personen waren beschäftigt? 

3) Beiläufige Anzahl der Mäuselöcher per Quadratmeter; 

4) Größe des Versuchsfeldes (Gartens), wenn möglich durch eine 
Zeidmong zu veranschaulichen. 

5) Anbau des Versuchsfeldes; 

6) Was grenzt an das Versuchsfeld? 

7) In welcher Entfernung ist Wald; 

8) Bodenbeschafienheit; 

9) Wann wurden tote oder kranke Mäuse gefunden? (Wenn 
skli nach dem Zutreten der Mäuselöcher keine Mäuse mehr zeigen, 
daasn soll nachgegraben werden.) 



110 ^^ Kornaath, 

10) Fanden sich bei den Nachgrabungen tote Mäuse vor? 

11) Anmerkung. (Bemerkungen über den Erfolg des Mittels.) 
Den Tabellen wurde ein Ersuchen beigelegt, die Beobachtungen 

möglichst unparteiisch einzutragen und sich bei eventueller Unsicher- 
heit eher zu Ungunsten als zu gunsten des Loeffler*schen Mäuse- 
bacillus auszusprechen, in Anbetracht der Tragweite, die eventuell 
den Berichten zukommen könnte. 

Außer den vom Referenten persönlich durchgeführten Versuchen, 
welche günstig verliefen, kamen auf Grund der Tabellen noch 36 Be- 
richte an die k. k. landwirtschaftlich-chemische Versuchsstation. 

Diese Zahl ist allerdings keine besonders große, aber in Anbe- 
tracht dessen, daß von Versuchsteilnehmern an solchen und auch 
anderen Versuchen in der Regel ein großer Teil sich nie äußert, 
kann das Verhältnis der antwortenden Versuchsansteller doch als ein 
recht günstiges betrachtet werden. 

Aus den Tabellen gingen ganz interessante Daten hervor: 

Von den 36 Berichterstattern hatten 30, d. i. 83,3 Proz. einen 
positiven, teilweise glänzenden Erfolg; wahrscheinlichen Erfolg fanden 3, 
d. i. 8,3 Proz. und keinen Erfolg hatten 3, d. i. 8,3 Proz. . 

Die Größe der Versuchsflächen betrug zwischen 0,2 bis 864 Joch 
und es waren Klee, Topinambur, Gerste, Weizen, Hafer, Kartoffeln, 
Fisolen, gelbe Rüben, Zuckerrüben, Mais, Kraut, — in den Gärten 
Weinstöcke, wildes und veredeltes Obst und Gemüse von den Mäusen 
gefährdet. 

Auch die Bodenbeschaffenheit war in allen Schattierungen, zwi- 
schen sandig und lehmig wechselnd, ebenso war der Wald in manchen 
Fällen nahe, in anderen Fällen entfernt von den Versuchsfeldern. Die 
Nähe des Waldes ist insofern von großem Einfluß, als aus demselben 
ein bedeutender Zuzug der Feldmäuse stattfinden kann. 

Die Wirkung des Mäusebadllus war eine gleichmäßig gute, so- 
wohl nahe als entfernt vom Walde, auf sandigem oder lehmigem 
Boden, und auf kleinerem oder großem Areale. 

Zahlreiche Versuchsansteller haben angegeben, daß ihre bereits 
verloren gegebene Ernte durch das angewendete Mittel gerettet wor- 
den ist 

In den Baumschulen hausten meist Wühln&nse, auch diese ver- 
schwanden laut den eingelaufenen Berichten« und hin und wieder 
langte auch eine am Mäusetyphus eingegangene Wühlmaus zur Unter- 
suchung ein. 

Ebenso hatten in verschiedenen Schulen und Privathäusem, vom 
Referenten auch im Wiener k. k. Tierarznei-Institute und einer der 
bedeutendsten Wiener Blumenhandlungen eingeleitete Vertilgunga- 
versuche gegen Hausmäuse ausnahmslos einen durchschlagenden 
Erfolg. 

Die Hausmäuse verschwanden nach kurzer Zeit (8 bis 10 Tagen) 
wie durch Zauberei und nur die hier und da aufgefundenen Kadaver 
blieben von ihnen übrig. 

Manche Berichterstatter hatten keine kranken oder toten Mäuse 
gefunden, während doch die typhuskranken Mäuse nach den Beob*- 



Die Bekimpfniig der Mftaseplage mitteli des Bacilliu typhi marinm. Xll 

AcbtiiDgeii Prof. Loeffler's sich auf die Oberfläche der Felder etc. 
begeben und dort wie gelähmt eiDherscbleichen sollten. 

Bei den Hausmäusen und in geschlossenen Räumen ist dies auch 
beobachtet worden, bei den Feldmäusen dürfte diese Beobachtung 
schwieriger za machen sein, weil die zahlreichen Feinde der Mäuse 
die kranken Mäuse um so leichter erhaschen und verzehren können. 

Damit im Einklänge steht auch die Beobachtung, daß an man- 
chen Orten seit dem Auswerfen der Köder auffällig viele Katzen auf 
die Versuchsflächen gingen. 

Im ganzen sind also die Versuche als sehr gelungen 
ond der Wert des Bacillus typhi murium als Mäuse- 
vertilgungsmittel sichergestellt zu betrachten. 

NatOrlich sind auch Mißerfolge zu verzeichnen. Dieselben können 
verschiedene Ursachen haben. Wenn auch von einer fehlerhaften Ver- 
woidong der Kulturen abgesehen wird, ist noch fraglich, ob nicht die 
Bacillen durch die Einwirkung des direkten Sonnenlichtes oder das 
Eintrocknen des Nährbodens überhaupt unwirksam geworden sind. 

Es sollen daher die Kulturen möglichst bald nach 
dem Einlangen verwendet und vor dem Sonnenlichte 
genflgend geschützt werden. 

Auch die Menge der Bacillen, welche von einem in- 
fizierten Brocken aufgesaugt wurden, ist von großer 
Wichtigkeit. Zu den vom Referenten ausgeführten 
Versuchen sind vorsichtshalber pro ca. 1000 Brot- 
stückcben 2 bis 3 Kulturröhrchen verwendet worden, 
denn für eine gelungene Infektion sind eine gewisse 
Menge Bacillen, resp. des Infektionsstoffes notwendig, 
unter welcher Menge keine Infektion stattfindet, son- 
dern manchmal sogar das Individuum immun, d. h. un- 
empfänglich gegen die hervorzurufende Krankheit 
wird, indem sich dessen Organismus langsam jenen 
Veränderungen anpaßt, welche durch Mikroorganismen 
oder deren Stoffwechselprodukte hervorgerufen 
werden. 

Die Beschickung der Mäuselöcher erfolgt am 
besten abends nach Sonnenuntergang, resp. im 
Schatten, und es sollen möglichst nur frisch von den 
Mänsen ergrabene Mauslöcher beschickt werden. 

Wenn auf die Beschickung der Mauslöcher ein 
Regen folgt, ist die Prozedur jedenfalls zu wieder- 
holen, da die Gefahr vorliegt, daß die Bacillen aus 
den Brotstückchen ausgeschwemmt worden sind und 
nutzlos zn Grunde gehen. 

DieBrotstückchen sind möglichst tief in dieMaus- 
locher zu legen, damit nicht andere Tiere dieselben 
aufnehmen. 

Endlich, wenn alle diese Punkte genau erfüllt worden sind, kann 
noch eine Erklärung für manchen Mißerfolg darin gesucht werden, 
daß es ja erfahrungsgemäß auch immune Orte giebt und das Wesen 
der Immunität noch keineswegs genau erforscht ist. 



112 C;. Koraaath, DU B«klmpliug der MftuMpUg« ete. 

Von vielen Seiten wird entgegen dem Loeffler^schenMänse- 
bacillus reklamehaft der hohe Wert des Strychninhafers hervorge- 
hoben. 

Es ist ganz richtig, daß der Strychninhafer ein eminent gates 
Mittel ist, die Mäuse zu vertilgen, und seine Anwendung bietet den 
Gennßi daß jede Maus, die von ihm frißt, nahezu momentan verendet 
und des anderen Tags tot in dem Loche gefunden wird. 

Aber dem entgegen steht die Schwierigkeit des Bezuges, sowie 
die Gefährlichkeit des Manipulierens mit Strychnin fOr den Arbeiter, 
and die Möglichkeit, daß auch Haustiere und Vögel von dem Strychnin- 
hafer fressen und verenden können. 

Auch kann der Strychninhafer nur jene Mäuse töten, die voq 
ihm gefressen haben, beim Bacillus tvphi murium ist aber 
gerade das von so großer Wichtigkeit, daü die kranken Mäuse von 
den gesunden Kollegen angefressen werden und sich dadurch die 
Krankheit eben seudbenartig weiter verbreitet. 

Daß dies thatsächlich geschieht und wirklich die kranken Mäuse 
von den gesunden Mäusen auch in der Freiheit angefallen and ge- 
fressen werden, hat außer anderen VersuchsaDstellem Referent dieses 
an vom k. u. k. Tierarznei-Institute eingebrachten Mäusen selbst kon- 
Btatirt 

Dadurch erweist sich die gegenteilige Behauptung einer eng- 
lischen Kommission, welche den Auftrag hatte, die Sache zu studieren, 
als ganz irrig. Uebrigens sind in dem betrefienden Kommissions- 
berichte auch sonst zahlreiche Unrichtigkeiten enthalten, so daß aul 
denselben kein Wert zu legen ist. 

Nun zum Schlüsse. Natürlich kann sich die Wirksamkeit des 
Mäusebacillus nicht ins Unendliche erstrecken und man kann nicht 
verlangen, daß von einer kleinen Menge Mäuse, welche infiziert wor- 
den sind, ununterbrochen in konzentrischen Kreisen alle Mäuse eines 
Erdteils vernichtet werden. 

Daher müssen bei eintretenden Mäuseschäden 
die gesamten Interessenten des betroffenen Land^ 
Striches, eventuell des ganzen Landes einheitlich 
gegen diese Schädlinge vorgehen. Bei anderen Schädlingen 
hat man auf diese Weise ganz erfolgreich gearbeitet, manchmal frei- 
lich erst dann, wenn ein Landesgesetz erlassen worden ist. 

Auch ist mit der einmaligen Vernichtung der Mäuse an irgend 
einem Orte nicht auch das gethan, daß nie mehr wieder Mäuse dort 
vorkommen werden, denn nach Ablauf einer gewissen Zeit werden 
Mäuse von entfernteren Gtegenden, namentlich wenn ihnen dort 
Futtermangel droht, zuströmen. Aber dies dauert doch eine geraume 
Zeit, während welcher die Ernten gerettet sind und die dann an- 
langenden Mäuse werden wegen der ungünstigen Futterverhältnisse 
sich kaum gefahrdrohend vermehren können. 

Die Anwendung des Loeffler'scben Mäusebacillus bietet 
also, wie aus dem Vorerwähnten ersichtlich ist, gar keine Schwierig- 
keiten dar. Die Ausführung ist eine leichte und billige. Weil die 
Brocken abends ausgeworfen werden, können diese Arbeit, wo es 
möglich ist, Kinder ausführen und es stellen sich die Kosten dadurch 



Ernst Fnnck, Zur Frage der Reinigung der Deckgläser. 113 

soch niedriger. Von einer Gefahr fttr die Kinder kann, wie schon 
früher erwiübnt, keine Rede sein. 

Am geeignetsten ist die Anwendung des M&use* 
bacillas im Frühjahre, wenn den Mäusen noch keine 
Auswahl im Futter zu Gebote steht. Doch hat es sich ge- 
zeigt, daß die M&use auch bei sonstig reichlichem anderen Futter 
die Brotstückchen gierig verzehren. 

Es ist das erstemal, daß es gelungen ist, durch künstlich hervor- 
gemfene Epidemieen Schädlinge zu vemichten und nur zu hoflfen, 
daß es auch bei anderen landwirtschaftlichen Schädlingen gelingen 
möge, ähnliches zu erzielen. 



Zur Frage der Beinigmig der Deckgläser. 

Von 

Ernst Fnnck, 

Apotheker 
in 

Dresden-Neustadt. 

Nach dem von Prof. Dr. Zettnow in Berlin im Gentralbl. far 
BakterioL u. Parasitenk. unterm 17. April 1894 angegebenen Rei- 
nigungsverfahren gebrauchter Deckgläser sei noch nachstehende ein- 
fadiere Methode angegeben. Bei diesem Verfahren kommt neben der 
ehemischen Einwirkung zugleich die mechanische Reinigung vorteil* 
haft zur Geltung. 

Man läßt die mit Eanadabalsam , Oelen und Farbstoffen ver- 
sehenen Gläser einige Zeit in Terpentinöl liegen, kittet möglichst die 
Deckgläser von den Objektträgem ab und bringt dieselben in ein 
weites Becherglas, giebt 2 — 3 Messerspitzen chlorsaures Kali und 
etwa 30 com Salzsäure hinzu, erhitzt einige Minuten im Wasserbade, 
bis die Deckgläser entfärbt sind. Man deckt dabei am besten eine 
Glasplatte auf das Becherglas wegen des sich entwickelnden Chlors. 
Hierauf spfllt man die entfärbten Deckgläser mit heißem Wasser ab, 
ftgt eine Mischung von gleichen Teilen pulverisierter Soda, Talcnm 
und abgesiebter Sägespäne hinzu und setzt nur soviel Wasser zu, 
daß man eine dichte, breiige Mischung hat; unter öfterem Um- 
^weoken des Becherglases erhitzt man nun ^/^ Stunde im Wasser- 
bade. Die Soda wirkt auf die restierenden Oele und Harze ver- 
seifend und in der grobpulverigen Form mit den Sägespänen und 
dem Talcumpulver durch das Umschütteln zugleich mechanisch 
reinigend, wobei die Sägespäne und das Talcumpulver leicht die 
▼erseiften Fette absorbieren. Man spült nochmals die Gläschen mit 
heißem Wasser ab und fügt noch einige ccm schwacher Salzsäure- 
od^ Essigsänrelösung (nicht Schwefelsäure) hinzu. Diese nachträg- 
liche Säurebehandlung muß besonders da stattfinden, wo sich auf 
den Deckgläschen ein weißer Beschlag von Galciumkarbonat gebildet 

XTL B«. 8 



llß Hitteilaogen aus dem XI. ioternationalen medisiniaeheii KongresM in Rom. 

liehen Zerstörung des Lungengewebes begleitet waren, so daß man 
in diesen Fällen am Präparate bis za einem gewissen Punkte auf 
den physischen Zustand der Respirationswege schliefien konnte: wenn 
die katarrhalischen Erscheinungen und mit ihnen das Fieber zu- 
nahm, zeigten sich die Streptokokken auf den Präparaten häufig uod 
in großen Massen. 

Dieses Kriterium der Häufigkeit wurde immer an einer großen 
Anzahl von Präparaten festgestellt. 

Der Verf. ist dahher der Ansicht, daß die tuberkulösen Yer« 
änderungen in den Geweben günstige Bedingungen fOr die Verviel^ 
faltigung und Verbreitung der Streptokokken schaffen, welche nicht 
selten zu einer wahren Septikämie führen können. Das klinische 
Bild der Schwindsucht, das hektische Fieber, welches man besser 
das septische nennen sollte, wäre der Ausdruck dieser sekundären 
Infektion, welche zu der tuberkulösen, schon vorhandenen, hinzu^ 
kommt 

Die Streptokokken sind daher, nach dem Verf. ein sehr wich* 
tiges Faktum für die Prognose der tuberkulösen Affektionen. 

Pasqnale, A. (Neapel), Studien über die Cholera desJahrei 
1893 in der zweiten Marineabteilung. 

Der Verf. hat seine Untersuchungen in dem von ihm geleitetet 
Laboratorium an den Abgängen, dem Harne und den Leichen dei 
Gholerakranken angestellt, welche sich in Neapel unter dem von dei 
königl. Marine abhängenden Personale befanden. Er hat sich außer 
dem auch mit dem Studium der Verbreitungsmittel dieser Epidemie 
und teilweise auch der Desinfektionsmittel beschäftigt. 

In den Abgängen der Cholerakranken hat er nie Amöben, auch nichi 
Infusorien mit Geißeln gefunden; dagegen häufig Eier von Tricho 
cephaltts dispar und von Ascaris lumbricoides. Die Unter 
sucbung des choleraerzeugenden Spirillum ist, sei es direkt ver 
mittelst platter Agar- und Oelatinekulturen, sei es vermittelst wieder 
holter Kulturen im Koch^schen Pepton, methodisch vom Anfan| 
des Anfalles an bis über die Konvalescenz hinaus angestellt worden 
Nur in einem einzigen, klinisch als Cholera festgestellten Falle ha 
sich das choleraerzeugende Spirillum nicht gefunden. Der Verl 
bemerkt jedoch, daß die Untersuchung erst dann angestellt werde! 
konnte, als der Kranke sich schon am Anfange der Konvalescen 
befand. 

In einem Falle wurde das choleraerzeugende Spirillum in de] 
Abgängen isoliert vom Anfang des Anfalles an bis 27 Tage nachhei 
als der Kranke schon seit längerer Zeit geheilt war und natürlicl 
gebildete Faeces von sich gab. 

Unter 53 angestellten Analysen wurde das choleraerzeugend 
Spirillum nur in 4 in reiner Kultur gefunden. Die anderen Mal 
war es vermischt mit anderen Mikroorganismen. Die beständigste! 
unter diesen, ja, in den meisten Fällen, die einzigen waren einig 
bewegliche Bacillen aus der Gruppe des B. coli communis. Ihr 
Anzahl vermehrte sich nach und nach auf Kosten der cholera 



mttailnngen aus dem XL internationAlen mediBlnlschen Kongresse in Rom. HJ 

erzeugenden Spirillen bis zum vollständigen Verschwinden der 
letzteren. 

Diese Thatsache, welche der Verf. im menschlichen Mastdarme 
festgestellt hat, konnte derselbe auch durch successiv wiederholte 
Untersuchungen cholerischer Faeces, welche einige Tage lang in seinem 
Laboratorium aufbewahrt waren, konstatieren. 

Oft haben diese beweglichen Bacillen in den ersten Kulturen 
die Indolreaktion gegeben, so wie sie das choleraerzeugende S p i - 
rillum giebt. 

Man kann nach dem Verf. keine Beziehung zwischen^ der 
Anzahl der choleraerzeugenden Spirillen und der Schwere des 
Prognostikons annehmen; es scheint vielmehr, daß diese von der 
verschiedenen Virulenz dieser Krankheitserreger (welche wahrschein- 
lich an morphologische und biologische Verschiedenheiten gebunden 
ist) abhängig ist, oder von sekundären Invasionen von selten anderer 
Bakterien, unter welchen diejenigen der Gruppe des B. coli com- 
munis die erste Stelle einnehmen. 

Die Untersuchungen des choleraerzeugenden Spi rillum, welche 
in dem eiweißhaltigen Harne der Cholerakranken angestellt wurden, 
ergaben ein negatives Resultat; ja in einem Falle einer bis über den 
fünften Tag ausgedehnten Anurie (der Kranke lebte noch weitere 
14 Tage und starb infolge einer Parotitis suppurata) zeigte die mi- 
kroskopische Untersuchung des Bodensatzes häufig Wachs- oder £1- 
weißfettcylinderchen. Die chemische Analyse hat erwiesen, daß der 
Grad der Albuminurie in umgekehrtem Verhältnisse zu der Schwere 
der Krankheit stand. 

Die Untersuchung der Leichen hat nur in einem einzigen Falle 
die Anwesenheit desCholerabacillus außerhalb des Darmkanales, 
in dem Peritoneum, erwiesen. Somit haben sowohl die Leichenbe- 
fonde als die Harnuntersuchungen gezeigt, daß es sich bei Cholera 
um eine wahre Toxiämie handelt und daß folglich die Nephritis 
toxisdien Ursprungs ist. 

Bei der Erforschung der Diffusionsmittel der Epidemie hat Verf. 
zuerst an das Meerwasser des Militärhafens gedacht, gegen welches 
sich großer Verdacht erhoben hatte. Die mit der größten Sorgfalt 
imd mit der größten Ausdauer gemachten Untersuchungen, welche in 
jener Zeit und an jenem Orte, wo die Wahrscheinlichkeit einer Ver- 
unreinigung am größten war, vorgenommen wurden, sind in be- 
treff der Anwesenheit der Choleraspirillen vollständig erfolglos ge- 
blieben. 

Verf. hat seine Untersuchungen auch auf die Stuhlgänge von 
nicht an Cholera erkrankten Individuen ausgedehnt und konnte bei 
dnem von solchen Fällen den Vibrio cholerae asiaticae 
isolieren. 

Diese und die obenerwähnte Thatsache der Anwesenheit dieses 
Mikroorganismns in den festen Faeces eines Individuums bis zum 27. 
Tage nach dem Choleraanfalle (d. h. nachdem er als genesen erklärt 
war) mit den bestimmt festgestellten epidemiologischen Daten in 
Beziehung gebracht, beweisen nach dem Verf., daß bei dieser Epidemie 
nicht das Wasser, sondern der relativ gesunde Mensch, welcher sich 



113 Ititteilangen aus dem XI. internatioDalen mediBinlsehen KongreBse in Rom. 

leicht der sanitären Ueberwachung entziehen kann, das wichtigste 
Verbreitungsmittel dieser Epidemie gewesen ist. 

Nachdem Verl seine Experimente und Analysen der Flüssigkeit 
und der Pulver Wollmar's mitgeteilt hat, erklärt er, daß wir bis 
jetzt keine anderen Desinfektionsmittel besitzen, welche, sowohl in 
Ansehung des geringeren Preises, als wegen anderer Vorteile, die- 
selben bei der Desinfektion der Dejektionen der Cholerakranken er- 
setzen können. 

Verf., welcher schon seit 1891 in seinen bakteriologischen Ver- 
suchin über die Cholera von Massaua (Giomale medico del R. Eser- 
cito e della R. Marina. 1891. Maiheft) der Erste war, welcher die 
Möglichkeit von Choleraspirillenvarietäten zugegeben hat, sagt, daß 
er bis jetzt zur. Stütze seiner Ansicht ein ausgedehntes experimen- 
telles Material beisammen hat, über welches er bald referieren zu 
können hofft. 

Bnjwid, 0. (Krakan), Ueber verschiedene Arten der 
Wasserfiltration. 

Für größere Städte geben die bedeckten Sandfilterbassins die 
besten Resultate. 

Die in Warschau durch W. Lindley vor 6 Jahren angelegten ' 
funktionieren sehr gut und das Weichselwasser, welches vor der 
Filtration oft 1000—50000 Keime pro ccm enthält, weist nach der 
Filtration gewöhnlich nur 20—40 Keime auf. Bei der letzten 
Choleraepidemie hat sich, während in den an beiden Weichselufeni 
gelegenen Dörfern und Städten hie und da Ausbrüche vorgekommen 
sind, kein einziger Herd in Warschau gebildet. Typhuserkrankungen 
haben in derselben Zeit so stark abgenommen, daß nur sehr seltene 
Fälle vorgekommen sind. 

Die Sandfiltration hat nur dann einen guten Erfolg, wenn das 
Flußwasser ein wenig Schlamm enthält, welcher auf der Sandober- 
fläche die wirkliche filtrierende Schicht bildet. Bei den Flüssen, 
welche denselben nicht enthalten, liefert die Sandfiltration kein gutes 
Wasser, wie dies bei der Newa der Fall ist. 

Von den verschiedenen Hausfiltem liefern nur die Chamber- 
land'schen und die Nordmey er-Berkef eld'schen Kerzen gute 
Resultate. Aber beide verunreinigen sich nach einigen Tagen, indem 
die Bakterien durch die Wände durchwachsen. Die Berkefeld- 
schen sind gewöhnlich schon nach 3 Tagen, die Chamberland- 
schen nach 5—7 Tagen infiziert. Man muß dann diese Kerzen in 
kochendem Wasser eine Stunde lang sterilisieren, nachdem die 
Oberfläche mit einem Stück Leinwand in laufendem Wasser gut ab- 
gewaschen worden ist. 

Bqjwld, 0. (Krakau), Die Cholera in Russisch-Polen im 
Jahre 1892—93. 
Die Cholera ist nach Polen aus Rostow (Don) durch ein Kind, 
welches an Choleradiarrhöe litt, eingeschleppt. Rostow ist von 
Bishupice, wo die Epidemie ausbrach, 3 Tage Eisenbahnfahrt ent- 
fernt Von Bishupice verbreitete sich die Cholera in verschiedenen 



Qirnng. 119 

Ricfatiiogen durch Flüchtlinge und nar in einzelnen Fällen, wie es 
scheint, auch durch Flußwasser. In den Entleerungen sind fast 
ohne Ausnahme die Gholerabakterien gefunden worden, welche von 
den alten Kulturen sich nur dadurch unterscheiden, daß die Gelatine 
vid stärker verflfissigt wurde. Die Gholerarotreaktion ergab bei den 
ersten Untersuchungen während des sehr heißen Sommers, als man 
die Gelatine nicht zum Erstarren bringen konnte, entschieden gute 

Resultate. (Fortsetsang folgt) 



Referate. 



Dvebrax, Sur les analogies entre les procös de fermen- 
tation et de combustion solaire. (Annales de Flnstitut 
Pasteur. 1893. Nov. p. 751.) 

D. fand eine Reihe bemerkenswerter Analogieen zwischen den 
Ginmgsprozessen nnd den chemischen Umsetzungen, welche sich 
unter dem Einflüsse des Sonnenlichtes vollziehen. 

Glykose nnd Laktose gehen, in alkalischer Lteung der Sonne 
ausgesetzt, in Alkohol, Kohlensäure und eine geringe Spur von 
Ameisensäure über, ebenso wie bei der Gärung; nur ist das sich 
bildende Quantum Alkohol ein bedeutend geringeres. Eine weitere 
Analogie zeigte sich, wenn die Zuckerlösung durch verschiedene 
7jisatzfltissigkeiten alkalinisiert wurde. Bei der Alkalinisierung 
durch Baryt fand D., daß sich sowohl bei der Gärung als bei der 
Besonnnng kein Alkohol, sondern Milchsäure bildete; die Milchsäure 
lieferte jedoch selbst wieder Alkohol, sobald ihr Kali zugesetzt 
wurde, es ergab sich, allgemein ausgedrückt, daß der Zucker bei der 
Gegenwart aller Alkalien (Kali, Ammoniak, Baryt, Kalk etc.) Milch- 
säure lieferte, daß aber nur bei Gegenwart von Baryt das so ge- 
heferte Laktat keinen Alkohol bildete, welcher hier erst nach Zu- 
sata von Kali nachweisbar wurde. 

IKe unter dem Einflüsse des Sonnenlichtes entstehende Milchsäure 
war ebenso wie bei der Gärung bald rechtsdrehend, bald links- 
drehend, bald optisch inaktiv. 

Die Saccharose, welche für eine große Zahl von Fermenten nn- 
aogrdfbar ist, widersteht auch der Sonne; wird sie aber der Sonne 
zunächst in saurer Lösung ausgesetzt, so wird sie invertiert und ist 
dann, in alkalische Lösung gebracht, angreifbar. D. kommt nadi 
diesen Ergebnissen zu dem Schlüsse, daß Sonne und Mikroorganismen 
trotz aller Verschiedenheit mit demselben Mechanismus zu arbeiten 
schdnen. W. Petersen (Zürich). 

Lang^ HL und Freudenrelcli, Ed« r., lieber Oldium lactis. 
(Undw. Jahrbuch. Bd. VII. 1898. p. 229—237.) 
Li der Einleitung geben die Verff. zunächst einen kurzen üeber- 
blick über die spärlich vorhandenen Untersuchungen dieses Pilzes, 



120 Gimng. 

wobei sie besonders Brefeld's Arbeiten über die physiologischen 
Funktionen (Vergärung von Zucker) desOldium lactis und über 
seine Morphologie, die auch Hansen und Grawitz zum Gegen- 
stande näherer Untersuchungen machten, sowie die Mitteilung von 
Duclaux über Zersetzungen von Milch durch diesen Pilz, hervor- 
heben. 

Oldium lactis wächst meist nur auf saurer Milch, die Be- 
obachtung aber, daß sterile Milch, mit demselben geimpft, nach 
einigen Wochen einen „käjseartigen'' Geruch verbreitete, veranlaßte 
die Verff. zu einer eingehenderen Untersuchung der Zersetzungs- 
produkte des Pilzes, woran sie das Studium der Gärfunktionen sowie 
der Biologie desselben anknüpften. 

Ueber die Stellung des Oldium lactis im System der Pilze 
glauben die Einen, daß die Form des Wachstums (langverzweigte 
Hyphen oder Fäden, die später in sog. Oldienketten zerfallen) als 
ein abgeschlossenes Ganzes zu erblicken sei, während Brefeld u. A. 
es nur mit einer besonderen Wachstumsform, etwa eines höheren 
Pilzes, zu thun haben wollen. Verff. beschränken sich darauf, die 
kulturellen Merkmale des Oldium lactis zu beschreiben. 

Die makroskopische und mikroskopische Beobachtung von Gelatine- 
plattenkulturen ergab, daß die zahlreichen Verzweigungen, die nach 
allen Seiten ausstrahlen, meist aus Schnüren kleiner Perlen bestehen, 
die Bruchstücke der Hyphen oder Fäden sind und sich in den ersten 
Tagen des Wachstums in kurze Glieder oder Oldien auflöse. Diese 
Wachstumsvorgänge haben die Verff. im hohlen Objektträger in 
Gelatine und Agar unter dem Mikroskope zu wiederholten Malen 
verfolgt und dabei stets die gleichen Entwickelungsphasen beobachten 
können. Hiernach schien es richtiger, die kurzen Glieder, in welche 
die Hyphen zerfallen, nach dem Vorgange Brefeld's „Oldien^^ zu 
nennen statt Sporen oder Conidien. 

Des Weiteren wurde das Wachstum des Pilzes auf festen Nähr- 
böden (Gelatine, Brot, Kartoffeln, Kasein) wie auch in flüssigen 
(Milch, Bouillon, Bierwürze, Zuckerlösungen u. s. w.) unter den ver- 
schiedenartigsten Bedingungen — - Luftabschluß, Luftzutritt, in Wasser- 
stoffatmosphäre u. s. w. — studiert: Der Pilz gedeiht in Zimmer- 
temperatur, wie in Brutwärme, saure Reaktion des Nährbodens sagt 
ihm am meisten zu. Auch über seine Widerstandsfähigkeit gegenüber 
der Wärme und einzelnen Desinfektionsmitteln stellten die Verff. 
Versuche an. Von 60^ an konnte nach 10 Minuten bereits eine Ver- 
langsamung des Wachstums konstatiert werden. Hier scheint die 
Temperaturgrenze zu sein. 2V9-proz. Karbolsäure tötete Oldium 
lactis schon nach 30 Sekunden. Gegen Sublimat, selbst 1-proz., 
zeigt es in manchen Fällen starke Widerstandskraft. Formaldehyd 
in Vi 00 Konzentration tötete den Pilz nach 30 Minuten noch nicht 
Pathogen wirkt er nicht 

Die Resultate der Gärversuche weichen etwas ab von denen 
Brefeld's, nach welchem das Oldium lactis im natürlichen 
Vorkommen keine Gärung hervorrufen soll. Zuckerhaltige Lösungen 
enthielten nach Brefeld erst nach 3-monatlicher Gärung eine 
Alkoholmenge von 1,2 Proz. Alkohol. Die Verff. fanden jedoch, daß 



Qinmg. 121 

in TnmbenzackerlöSDDgen schon nach 10 Tagen 0,55 Vol.-Proz. und 
nach 5 Wochen 1 Vol.-Proz. Alkohol nachzuweisen war. Bei Milch- 
zucker waren die Resultate ganz ähnlich; geringere Mengen Alkohol 
bildeten sich in Rohrzucker- und Maltoselösungen. Das OKdium 
lactia vergärt also, entgegen dem Verhalten der meisten Gärungs- 
hefen, nicht direkt vergärbare Zuckerarten, wie Milchzucker, Rohr- 
zucker, Maltose. Somit würde zwischen 0][dium lactis und den 
Ton Daclaux, Adametz und Kajser beschriebenen selteneren 
Hefen, die auch Milchzucker vergären, eine gewisse Verwandtschaft 
bestehen. 

Der in der Milchzucker-Maltosenährlösung (Peptonbouillon) stark 
anftretende Geruch nach Weichkäse (Limburger) bestätigte die Ver- 
matnng der Verfif., daß neben der Vergärung des Zuckers gleichzeitig 
eine tiefere Zersetzung der Eiweißstoffe einhergehen muß. Die Ver- 
suche nach dieser Richtung wurden mit steriler Milch, deren Gesamt- 
sückstoffgehalt ermittelt und nach Einwirkung von Oldium lactis 
kontrolliert wurde, ausgeführt. Die Kulturen wurden teils nach 3 
and 6 Wochen, teils nach öVs Monaten untersucht. Die entstandenen 
Zersetzungsprodukte (peptonartige Eiweißstoffe und Eiweißzersetzungs- 
produkte) wurden durch Fällen mit Phosphorwolframsäure und Gerb- 
säure getrennt und dann in denselben der Stickstoffgehalt ermittelt. 

Aus ihren Untersuchungsresultaten ziehen Werk, den Schluß, 
daßOl'diam lactis außer seinem Gärungsvermögen auch in hervor- 
ragendem Maße die Eigenschaft besitzt, eiweißartige Stoffe zu zer- 
B^zen. Die Werte für die peptonartigen Körper wie auch für die 
Eiweifizersetzungsprodukte nehmen mit dem Alter der Kulturen der- 
maßen zu, daß man zur Annahme berechtigt ist, daß bei noch 
längerer als der von ihnen beobachteten Zeitdauer alles Kasein eine 
Umwandlung erleiden wird. Bai er (Kiel). 

P^i€, Sur la formation des acides lactiques isom^riques 
par l'action des microbes sur les substances hydro- 
carbon6es. (Annales de Tlnstitut Pasteur. 1893. Nov.) 
P. hat in Befolgung des Duclaux 'sehen Satzes, daß es zum 
weiteren Studium der Bakterien vor allem nötig sei, dieselben nach 
ihrer Nahrung und ihren Stoffwechselprodukten genauer als bisher 
zu trennen, 4 Bakterienspecies in ihrem Verhalten gegenüber ver- 
schiedenen ZuckerlGsungen eingebend untersucht; es waren dies der 
Bac. typhi, ein Bac. coli vom Menschen, ein Bac. coli vom 
Tiere und eine sog. Mikrobe D, die aus „fromage de Brie^^ gezüchtet 
wurde und mit den drei anderen Formen große morphologische und 
knlturelle Aehnlichkeit hatte. Alle 4 Formen brachten Glykose zur 
Gärung, alle vier, außer dem Bac. typhi, griffen die Laktose 
an und bildeten in Peptonlösung Indol. Ferner zeigten sie sich 
darin biologisch gleichwertig, daß sie aus Glykose Linksmilchsäure 
erzeugten, deren Zinksalz rechtsdrehend war ; dies jedoch nur, wenn 
als einzige N-Quelle in der Nährlösung sich NH3 fand; da- 
gegen zeigten sich bei Zusatz von Pepton bemerkenswerte Unter- 
schiede. Jetzt produzierten der Bac. typhi und der Baa coli 
(Mensch) eine Linksmilchsäure, deren Zinksalz rechtsdrehte, hingegen 



122 Qlrmig. 

der Bac. coli (Tier) und die Mikrobe D eine Rechtsmilchsäare, 
deren Zinksalz linksdrehte. Es zeigte sich also, daß gewisse 
Bakterien aus Olykose nur Linksmilchsäure, unter besonderen Be- 
dingungen auch Rechtsmilchsäure zu erzeugen vermögen; es scheint 
demnach, als ob die Bildung der Linksmilchsäure leichter und ihre 
Zerstörung schwieriger sei wie bei der isomeren Rechtsmilchsäure. 

Bei der Untersuchung der Wirkung der 4 Bakterienarten auf 
andere Zuckerarten als die Glykose ergab sich nur bei dem Bac. 
coli (Tier) eine bemerkenswerte Thatsache; dieser bildete aus 
Dextrose eine Rechtsmilchsäure mit linksdrehendem Zinksalz, wo 
[a] D = —3,40 war und aus der Galaktose eine Linksmilchsäure mit 
rechtsdrehendem Zinksalze, wo [a] D = —4,20 war. 

W. Petersen (Zürich). 

Leldunann, O^.. Ueber eine schleimige Gärung der Milch. 
(Landw. Vers.-Stat. XLIIL V. p. 375—398.) 

An Milcbproben, welche zum Zweck von Sterilisationsversuchen 
längere Zeit bei ca. 50^ C im BrAtschranke gehalten wurden, beob- 
achtete Verf. neben einer von der gewöhnlichen abweichenden 
Gerinnungsart auch verschiedene auffallende Gärungserscheinungen. 
Nach vollendeter Gerinnung kam es zuweilen vor, daß sich in der 
Milch eine von heftiger Gasentwickelung begleitete Gärung bemerk- 
bar machte, in vielen anderen Fällen wurden die Molken schleimig 
und fadenziehend und in einigen Fällen verliefen beide Erscheinungen 
nebeneinander. 

Id der vorliegenden Abhandlung teilt Verf. zunächst seine Be- 
obachtungen über die schleimige Veränderung der Milch 
bezw. der Molken mit 

Dieselbe trat bei der Milch stets erst nach dem Beginne der 
Gerinnung ein, nahm dann an Intensität allmählich zu, um endlich 
wieder vollständig zu verschwinden. Sie zeigt somit in ihrem Ver- 
laufe eine gewisse Aehnlichkeit mit dem sog. „Zähwerden^^ mancher 
Weine. 

Aus solchen fadenziehend und schleimig gewordenen Molken iso- 
lierte Verf. einen Organismus, der die gleiche Erscheinung in sterili- 
sierter Milch hervorrief. Derselbe stellt sich dar als ein schlankes, un- 
bewegliches Stäbchen mit abgerundeten Ecken nnd kommt meist 
einzeln oder zu zweien, selten in kettenförmigen Verbänden vor. 
Der Bacillus färbt sich gut mit den gewöhnlichen Anilinfarben 
und es wird dabei die die Stäbchen gleichmässig umhüllende Schleim- 
kapsel in ihrer Begrenzung sichtbar. Die Kapsel selbst, welche im 
allgemeinen den Farbstoff schwer aufnimmt, färbt sich am besten 
mit Anilinwassermethylviolett unter Erhitzen und nachfolgender Ent- 
färbung mit Alkohol. 

Die bei 37 — 40^ auf Agar entstandenen Kolonieen des Bacillus 
besitzen, ähnlich wie die damit infizierte Milch, vorübergehend eine 
fadenziehende Beschaffenheit. Im schräg auffallenden Tageslichte 
zeigen sie eine eigentümliche Lichtbrechungserscheinung. Die runden 
Kolonieen erscheinen in vier abwechselnd helle und dunkele Qua- 
dranten geteilt. Beide Eigenschaften sind nach den Angaben des 



Gfcnng. 123 

Verf.^ charakteristische Erkennangsmerkmale fCLr diesen Organismus. 
SporeDbildong hat er an demselben nicht beobachtet Hinsichtlich 
weiterer WachstamseigentQmlichkeiten sei auf die Abhandlung selbst 
▼erwiesen. 

Was die Gärwirkung des Bacillus in flQssigen Substraten an- 
betrifft, 80 tritt dieselbe in steriler Milch erst bei BrQttemperatur 
durch Schleimig- und Sauerwerden derselben hervor, bei Zimmer- 
temperatur zeigt mit dem Bacillus geimpfte Milch längere Zeit 
keine Veränderung. 

Das Optimum des Wachstums und der Gärfähigkeit des Bacil- 
lus li^ zwischen 45 und 50® C; bei 55* C stellt er bereits Wachs- 
tum und Gärthätigkdt ein; 2-stündiges Erwärmen auf 70® G 
tötet ihn. 

Beim Suchen nach geeigneten künstlichen Nährlösungen beob- 
achtete Verf., daß in einer Nährlösung durch einen bestimmten 
Gehalt an Trockensubstanz erst eine Vorbedingung für die 
Möglichkeit des Schleimigwerdens geschaffen sein muß. Das Schleimig- 
werden selbst hängt dann von der Gegenwart von Zucker ab. Eine 
zuckerhaltige Nährlösung, die aber keinen genügend hohen absoluten 
Gdialt an Trockensubstanz besitzt, braucht also nicht schleimig zu 
werden, zeigt dagegen wohl Wachstum des Bacillus und Säure- 
bildung durch denselben. Als ein sehr geeignetes künstliches Nähr- 
medium fand Verf. schließlich die Fleischwasserpeptongelatine in 
flüssigem Zustande bei Brüttemperatur. Nach dem Erkalten erstarrt 
dieselbe stets wieder, also findet eine Verflüssigung der Gelatine 
durch den Bacillus nicht statt. Die mikroskopische Untersuchung 
lehrte, daß das Schleimigwerden der mit dem Bacillus geimpften 
flüssigen Substrate nicht auf eine Quellung der Zellmembranen des- 
selben zurückzuführen ist, sondern auf einen aus dem Zucker ent- 
standenen, eine schleimige Lösung gebenden Körper, dessen nähere 
Identifizierung allerdings nicht möglich war. Außer dem Milchzucker 
unterliegen einer Schleimgärung durch den Bacillus auch Trauben- 
zucker, Fruchtzucker, Galaktose, Rohrzucker und Maltose, ebenso 
auch das Dextrin, nicht aber Stärke und Mannit. Durch die Nicht- 
yergärbarkeit des letzteren unterscheidet sich dieser Organismas von 
einem lAnlichen von Schmidt-Mülheim beschriebenen. Die bei 
der Schleimgärung stets nebenher gebildete Säure erwies sich als 
AethyHdenmilchsäure; andere Säuren ließen sich nicht nachweisen. 
Gasbildung findet bei dieser Schleimgärung nicht statt. Als ein 
weiteres bei der Gärung entstehendes Stoffwechselprodnkt konnte 
Verf. noch Aethylalkohol nachweisen. Sauerstoffzutritt ist für die 
Gärung nicht nötig. G. Schulze (Geisenheim). 

ThOmer, WUh., Ueber einen Milchfehler und seine Ur- 
sachen. (Chem. Zeitung. 1894. No. 33.) 
Der Verf. untersuchte Milchproben, die ihm von einer Molkerei 
eingeliefert worden waren und die einen unangenehmen, fauligen 
Genich besaßen, der sich auch den Molkereiprodukten, namentlich 
Butter, mitteilte. — Die bakteriologische Untersuchung ergab neben 
Tiden Milcbsäarebakterien und anderen Arten, daß besonders viele 



124 Oirnsg. 

Zellen einer Pilzart, Schimmelpilzen gleichend, darin enthalten waren. 
An Ort und Stelle untersuchte Proben, die von einzelnen Kühen wie 
von mehreren zugleich entnommen worden waren, zeigten denselben 
fauligen Geruch. Letzterer war in denjenigen Kulturen, die am 
meisten Schimmelpilze aufwieseni am intensivsten. Gleichzeitig unter- 
warf Verf. auch Wasserproben aus einem zur Tränkung des Viehes 
benutzten Gebirgsbache, sowie auch Brunnenwasser einer bakterio- 
logischen Prüfung. 

Die Resultate derselben waren aber bezüglich des erwähnten 
Filzes negativ. Der Urheber des Milchfehlers war also in Gestalt 
eines Pilzes, der auf Nährgelatine in Form eines grauweißen, schimmel- 
artigen Rasens auftrat, gefunden und kann derselbe mutmaßlich nur 
durch die Stallluft in die Milchgefäße gelangt sein, da er nicht in 
allen Gemolken gefunden worden war. 

Zur Identifizierung des Pilzes hat Verf. einige Photogramme der 
Wachstumserscheinungen angefertigt; er gehört zu den stark aeroben 
Arten ; interessant ist seine ausgebildete Schichtung oder Gliederung, 
welche auf eine leichte Spaltbarkeit bezw. Absprossung schließen 
läßt. Er ist vielleicht identisch mit dem Bacillus foeditus 
lactis, welchen C. O. Jensen und H. P. Lünde als Ursache 
eines Milch- bezw. Butterfehlers gefunden haben und welcher eben- 
falls einen stark fauligen Geruch in Milch u. s. w. hervorrufen soll ; 
hiergegen spricht allerdings die Thatsache, daß letzterer den fauligen 
Geruch auch in stark saurer Milch hervorbringen soll, was bei dem 
oben beschriebenen Bacillus nicht der Fall ist. Bai er (Kiel). 

Kedrowskl, W., Ueber zwei Buttersäure produzierende 
Bakterienarten. (Zeitschn f. Hygiene. Bd. XVI. p. 445.) 
No. 1. 300 g Rohrzucker uod 1,5 g Weinsäure wurden in 1,3 1 
kochenden Wassers aufgelöst. Nachdem die Lösung einige Zeit bei 
Zimmertemperatur gestanden hatte, wurden etwa 12 g fauligen Käses 
und ranziger Rahmbutter, vermengt mit 400 ccm saurer Milch und 
150 g feinzerstoßener Kreide, zugefügt. Die Mischung wurde in den 
Thermostaten gestellt. Nach 3—4 Wochen wurde ein wenig voai 
Bodensatze der Mischung mit sterilisierter Pipette entnommen und 
in Peptonbouillon übertragen, aus welcher der Sauerstoff durch 
Wasserstoffzuleitung vertrieben wurde. Das Gefäß mit der sauerstoff- 
freien Nährflüssigkeit kam in den Thermostaten und nach 3—4 Tagen 
fanden sich einige Arten stäbchenförmiger Bakterien. Zur Isolierung 
einer durch ihre Form und Sporen besonders interessierenden Art 
erwärmte Verf. die infizierte Bouillon 10 Min. lang auf 79—81 ^ C 
und bereitete sodann Anaörobeoplatten, die dann nur einige Kolonieen 
derselben Art zeigten. Sie bestanden aus schlanken, mitunter leicht 
gebogenen Stäbchen, die schnelle, schlangenförmige Bewegung zeigten^ 
wenn nämlich die Kulturen bei hoher Temperatur gezüchtet waren 
und in flüssigen Nährböden (Bouillon, Milch, Stärkelösung) nur nach 
Entfernung des Sauerstoffes wachsen. In Gelatine- uod Agarstich- 
kulturen beginnt das Wachstum stets in den tiefen Schichten und 
kann später erst die Oberfläche erreichen. In Gelatineplatten mit 
IVt Pi'oz. Traubenzucker bemerkt man am 3.-4. Tage zarte, perl- 



G*nmg. 125 

natterfarbene Bläschen mit scharfeo Konturen, welche aus einem 
bltßgelben, unregelmäßigen Gentrum und einer verflüssigenden Peri- 
pherie bestehen und welche allmählich die freie Oberfläche der 
Gelatine erreichen und diese verflüssigen. Auf Agarplatten, die 
IVi I^oz. Traubenzucker enthalten, zeigen sich bei 37— 38* C die 
Kolonieen schon am zweiten Tage, grauweißlich und scharf begrenzt 
oder auch ganz unregelmäßig gelappt. Im Nährboden entstehen dann 
zahlreiche Spalten durch reichliche Entwickelung übelriechender Oase, 
die sich am Boden des Gefäßes ansammeln und oft die ganze Platte 
des Nährbodens emporheben. Im Prinzip desselben Charakters sind 
die Stichkulturen in Gelatine und Agar. Gewöhnliche Bouillon wird 
bei 37—38^ C durch die Bacillen bald getrübt; dieselbe hellt sich 
aber nach einiger Zeit wieder auf und zeigt dann auf dem Boden 
des Gefäßes einen aus Bakterien, Sporen und 2^rfallsprodukten be- 
stehenden Satz. In Bouillon- und Agarkulturen beginnt schon am 
Anlange des dritten Tages die Sporenbildung, indem die Stäbchen 
anschwellen und bis 2mal größer werden, als sie ursprünglich waren. 
Die Sporen treten in der Mitte des Stäbchens oder an einem Pole 
desselben auf. Die besten mikroskopischen Bilder resultieren, wenn 
man den hängenden Tropfen eintrocknet, mit 1-proz. Osmiumsäure 
fixiert (nicht durch die Flamme ziehen!) und dann mit ZiehTschem 
Fuchsin ö— 10 Minuten in der Wärme färbt. Nach Entfärben mit 
2Vs*proz. Schwefelsäure und Behandlung mit schwacher Methylen- 
blaulösung erhält man schöne Doppelfärbung. Der Kedrowski'sche 
Bacillas hat, wie auch aus seinem Verhalten zur Milch hervor- 
geht, Aebnlichkeit mit dem von Pasteur und Prazmowski be- 
schriebenen, dessen Reinkultur auf festen Nährböden bislang aber 
nicht gelungen war. 

No. 2. Etwa ^/^ 1 einer schwachen Milchsäurelösung wurde bei 
Siedetemperatur mit Kreide gesättigt und mit einer geringen Menge 
fauliger Käsemilch und ranziger Rahmbutter versetzt. Nach 3—4- 
wöchentlichem Aufenthalte in 37—39® C wurde genau so verfahren, 
wie im vorhergehenden Falle. Es gelang Verf., ein streng anaörobes 
Bakterium zu isolieren, welches sich als ziemlich dickes, gerades oder 
leicht gekrümmtes Stäbchen darstellt. Die Gelatinekultur giebt 
dasselbe Bild wie bei dem vorher beschriebenen Bacillus, von welcher 
sie sich fast nur durch erheblich schnelleres Wachstum unterscheidet. 
Das Gleiche gilt von der Bouillonkultur. Die Beweglichkeit des 
Bacillas No. 2 ist nicht groß und nicht konstant. Der Bacillus 
bildet Sporen in gewöhnlicher Gelatine am 4. — 5. Tage bei Zimmer- 
temperatur, schon am 2.-3. Tage in Bouillon bei 37—38® C. Die 
Sporen befinden sich in der Mitte des Stäbchens oder an einem Pole; 
^e sind meist oval, selten rund. Bei der Sporenbildung behält der 
Bacillus seine frühere Größe und Form. Erst mit fortschreitendem 
Wachstume nehmen die Sporen an Umfang zu und blähen das Stäb- 
chen auf. Diese Aufblähung kann dann so stark werden, daß fast 
der gesamte Inhalt des Stäbchens zu einem ovalen, glänzenden 
Körper, der Spore, wird, der nur von einem dünnen Ringe des übrig- 
gebliebenen Protoplasmas umgeben ist. 



126 GÄrun». 

Zur Herstellung von Plattenkulturen anaSrober Bakterien benutzt 
Verf. Grlasschälchen (Petri), welche er in mit Wasserstoff gefüllte 
Gefäße stellt. Zu diesem Zwecke werden sowohl in eine Glasdose, 
als auch in den gut aufgeschliffenen Deckel je 2 einander gegenüber- 
liegende Oeffnungen gebohrt Die Sterilisation der Glasdose geschieht 
in der gewöhnlichen Weise, doch müssen hierbei die Löcher des 
unteren Teiles derselben mit denjenigen des Deckels korrespondieren. 
Beim Herausnehmen aus dem Sterilisationsschranke wird der Deckel 
leicht gedreht, so daß die Oeffnungen nun nicht mehr korrespondieren 
und die direkte Luftcirkulation aufgehoben ist. Der Deckel der 
Glasdose wird nun vorsichtig abgenommen und der geschliffene Rand 
mit Vaseline bestrichen. Während dieser Zeit wird der untere Teil 
der Glasdose unter eine Glasglocke gestellt, damit nicht Keime 
hineinfallen. In den unteren Teil der Glasdose wird nun der mit 
der infizierten Nährsubst^nz beschickte untere Teil einer Petri- 
sehen Doppelschale mittels ausgeglühter Pipette gestellt; die Glas- 
dose wird mit ihrem Deckel versehen und durch eine der korrespon- 
dierenden Oeffnungen mit dem Kip paschen Wasserstoffapparat in 
Verbindung gesetzt. Nachdem durch den Wasserstoffstrom der Sauer- 
stoff verdrängt ist, giebt man zu dem vorher schon eingebrachten 
Pyrogallol mittels einer Pipette das Aetzkali; erst nachdem hebt 
man die Verbindung des Getäßes mit dem Kipp 'sehen Apparate auf^ 
Eine kleine Drehung des Deckels auf der Glasdose schließt dieselbe 
rasch und sicher. Ger lach (Wiesbaden). 

Benys, J. et Brion, E., £tude sur le principe toxique du 
Bacillus lactis agrogenes (Bacillus pyogenes d'Al- 
barran et HalU). (La Cellule. VUI. 1892. 2" fasc. p. 305.) 
In Wasser oder physiologischer Kochsalzlösung in bestimmtem 
Verhältnis (10 Gewichtsprozente) suspendierte und durch Chloroform^ 
oder Aetherein Wirkung abgetötete Kartoffelkulturen desEscherich^ 
sehen B. lactis aörogenes töten Kaninchen bei intraperitonealer 
Impfung mit starken Dosen rapid unter Erscheinungen, welche aul 
eine energische Wirkung des Giftes auf die Nervencentren hindeuten. 
Die langsamer verlaufende Vergiftung mit mittleren Dosen führt zu 
beträchtlicher Abmagerung und zu einem wahren Marasmus. Filtriert^ 
Kulturen töten weniger sicher und weniger prompt, als die durcl^ 
Sedimentieren keimfrei gemachten Kulturen. Allein die Verschieden* 
heit der Wirkung ist nicht wesentlich, woraus geschlossen werdet 
kann, daß die Filter (Chamberland oder Nordtmeyer) nu^ 
wenig Gift zurückhalten. Die Giftigkeit der durch Filtration odei 
Sedimentierung gewonnenen Kulturflüssigkeiteu ist eine weit geringere, 
als jene der mittels Chloroform oder Aether abgetöteten Kulturen^ 
obzwar manchmal auch die sedimentierten aus unbekannten Gründen 
ein hohes toxisches Vermögen entfalten. Von solchen Ausnahmen 
abgesehen, entsprechen 2—3 ccm filtrierter oder sedimentiertei 
Kultur einem ccm aufgeschwemmter Kultur in Bezug auf die toxische 
Wirkung für das Kaninchen. Das Toxin widersteht einer 20 Minuten 
langen Erhitzung auf 100^ ohne nachweisbare Abschwäcbung. Der^ 
selben Temperatur 45 Minuten und 3 Stunden lang ausgesetzt, zeigt 



GäruDg. 127 

das ToxiD eine deatliche, dennoch unbeträchtliche Abschwächung. 
Erst die 6 Stunden lange Einwirkung von 100^ setzt dessen Giftig- 
keit auf etwa V« J^D^^ der nicht erhitzten Au&chwemmung herab. 
Temperaturen von 120^ bewirken bis zur einstündigen Behandlungs- 
daaer eine mäßige Abschwächung. Weder nach der Brieg er 'scheu 
Methode und jener von Gautier, noch mit den besten Lösungs- 
mitteln fOr Alkaloide und ihre Salze gelingt es, die toxischen Produkte 
des B. lactis aärogenes zu isolieren. Hingegen läßt sich das 
Toxin aas seinen wässerigen Lösungen durch Alkohol praecipitieren. 
Es dialysiert nicht, wird aus seinen Lösungen durch Kalciumphosphat- 
Biederschläge mitgerissen, widersteht aber auch der Pepsin- und der 
IfTpainverdauung und der Einwirkung des Luftsauerstoffs und der 
Insolation. Kräl (Prag). 

Denys, J» et Martin, J«, Sur les rapports du Pneumo- 
bacille de Friedlaender, du ferment lactique et de 
quelques autres organismes avec le Bacillus lactis 
aärogenes et le Bacillus typhosus. (La Cellule. IX. 
1893. Fase. L p. 261.) 
Eingehende vergleichende Untersuchungen über das kulturelle 
und pathogene Verhalten des B. lactis aärogenes, des B. 
pneumoniae Friedländer (zwei Kulturen von Baum garten, eine 
fon Netter und eine vom Ref. stammend), des Milchsäure- 
bacillus, des B. typhi abdom., sowie einige Versuche mit dem 
B. rhinosclerom., B. pseudopneumon., B. crassus sputig. 
and dem B. enteritidis Gärtner gaben die nachfolgenden Re- 
sultate : 

Die vier Pneumobacillen verschiedener Provenienz unterscheiden 
sich von dem B. lactis aärogenes morphologisch gar nicht und 
kulturell bloß durch eine minder rasche Entwickelung auf den ver- 
schiedenen Nährböden, mit Ausnahme der Kartoffel, woselbst die 
PneumobaciUen ebenso rasch und üppig gedeihen, als das B. lactis 
aärogenes. In Milchkulturen äußert sich die Vitalitätsenergie 
nicht nur der Pneumobacillen und des B. lactis aärogenes, 
sondern auch jene der ersteren unter einander in verschiedener 
Weise. Durch Reihenkulturen in Milch werden diese Vitalitäts- 
differenzen zum Verschwinden gebracht. Die vier Pneumobacillen 
koagulieren dann die Milch ebenso rasch wie das B. lactis aäro- 
genes. Die pathogene Wirkung der Pneumobacillen auf Kaninchen, 
Hund und Meerschweinchen ist identisch mit jener des B. lactis 
aärogenes. Die beiden Mikroorganismen sind demnach nicht als 
zwei distinkte Arten, sondern als Varietäten einer und derselben Art 
anzusehen. Als die Kulturen der Pneumobacillen nach etwa 11- 
monatlidiem Weiterzüchten auf Gelatine wieder auf ihr Fermentations- 
Termögen geprüft wurden, stellte es sich heraus, daß drei Pneumo- 
bacillen (der Netter*sche war abgestorben) die Fähigkeit, bei 
Gegenwart von Olukose oder Laktose Gas zu bilden, verloren hatten 
und überdies auf Kartoffel sehr ähnlich dem Typhusbacillus 
wachsen, während sie die Milch noch energisch, allerdings in einer 
Ton der früheren etwas abweichenden Weise koagulierten. Wurtz 



128 Girong. 

und Leudet haben die Identität des B. lactis aSrogenes und 
des Milchsäurebacillus nachzuweisen versucht. Verff. be- 
stätigen die Angaben der genannten Autoren und erweitern sie durch 
Anführung neuer analoger Eigenschaften der beiden Mikroorganismen. 
Der B. rhinosclerom. verhielt sich auf den verschiedenen Nähr- 
böden wie ein kümmerlich gedeihendes B. lactis aärogenes. 
Der B. pseudopneumonicus scheint eine Varietät des B. coli 
commune zu sein, desgleichen der B. enteritidis. 

Kräl (Prag). 

Pammel, L. H., An aromatic bacillus of cheese (Bacillus 
aromaticus n. sp.). (Extracts from the Jowa Agriculture 
Experim. Station. Bullet. No. 21. 1894. p. 1—5.) 

Gelegentlich einer üntersuchuDg im Jahre 1892 über Fäulnis- 
erscheinungen an einem Kohlkopfe isolierte Verf. einen Bacillus, 
der, in Bouillon gezüchtet, den Geruch nach altem, gutgereiftem 
Limburger Käse, auf Agar einen nußartigen, aromatischen Geruch 
hervorrief. Käse, die unter Benutzung einer Kultur des Bacillus 
und mit gewöhnlicher, nicht zuvor erhitzter Milch gewonnen worden 
waren, verhielten sich wie sog. „Kleekäse'S Verf. glaubt, daß die 
gute Qualität des damaligen „Junikäses^^ möglicherweise der Wirkung 
verschiedener Bakterien, welche auf Klee u. s. w. vorkämen, zu- 
geschrieben werden muß. 

Käse, die mit pasteurisierter Milch unter Zusatz einer solchen 
Bakterienkultur angefertigt wurden, hatten einen schärferen Geschmack 
als gewöhnlicher Käse. Auch zeigten erstere starke Lochung und 
Neigung zum Blähen, da die Bakterie viel Gas produziert. 

Anschließend an die Ergebnisse der praktischen Versuche be- 
schreibt Verf. kurz die Eigenschaften des Bacillus. Derselbe ist 
unbeweglich, mit abgerundeten Enden, von 0,9 — 1,2 /u Länge und 
0,3 — 0,& // Breite; er zählt zu den fakultativ anaöroben Arten, 
wächst auf den verschiedenen Nährböden, wie Agar, Gelatine, Milch, 
Blutserum u. s. w., namentlich sehr schnell in zuckerhaltiger Bouillon, 
die er unter starker Gasentwickelung zersetzt Bei einer Temperatur 
von 70® C verliert er seine Lebensfähigkeit nach 10 Minuten; 
Wasserstoffsuperoxyd (1 : 250) vermag ihn nach 10 Minuten noch 
nicht abzutöten, während er in Sublimat (1 : 1000) nach dieser Zeit 
vernichtet wird. 

Am Schlüsse der Abhandlung sind einige Wachstumsvorgänge 
in Photogrammen wiedergegeben. Bai er (Kiel). 

Pammel, L. H., Some bacteriological work in the dairy. 

(Extracts from the Jowa Agriculture Experim. Station. Bull. No. 21. 

p. 6—13.) 
Nach einem kurzen Rückblicke über den heutigen Stand der 
bakteriologischen Forschungen auf dem Gebiete der Milchwirtschaft 
teilt Verf. die Ergebnisse einiger Arbeiten mit Er studierte den 
Einfluß des Wasserstoffsuperoxydes und einer Salicylsäuremischung 
mit Borax auf das Reifen des Käses. Dabei hat sich ergeben, daß 



Baeteriam coli commune. 129 

ersteres die Käsereifung zu hemmen imstande ist, während letztere 
die BeifuDg nicht zu beeinflussen vermag. 

Ferner stellte Verf. Untersuchungen über den Bakteriengehalt 
TOD Kfiselab, speziell des Käselabextraktes an, wobei er, analog den 
Toa Fritz Baumann gefundenen Resultaten, fand, daß Käselab- 
extrakt eine bedeutend größere Zahl von Bakterien enthält, als Lab- 
tibletten. 

Auch die Temperatureinflüsse auf die Bakterien des Labs prüfte 
er. Nach 10 Minuten langem Erwärmen des Käselabs auf 65^ C 
war der Bakteriengehalt von 3057040 auf 835200 pro com zurück- 
gegangen. — Die Labbakterien brauchen zu ihrer Entwickelung sehr 
lange, gewöhnlich die doppelte Zeit, als man sonst beim Bakterien- 
wachstume gewöhnt ist. Verf. spricht die Ansicht aus, daß die 
Bakterien des Labs beim Reifen des Käses keine so große Rolle 
spielen, wie die in Milch vorkommenden. Am Schlüsse beschreibt 
Verl noch einige Bakterien, die er gelegentlich seiner Studien über 
den fSnfloß der Bakterien auf die Käsereifang gefunden und iso- 
liert hat Bai er (Kiel). 

Wlnogndflky, S., Sur Tassimilation de Tazote gazeux 
de l'atmosphöre par les microbes. (Gomptes rendus de 
Paris. 1894 12 f^vrier.) 
Ans den im Boden lebenden Bakterien konnte W. ein Gemisch 
von 3 Bacillen isolieren, welche an ein stickstofifreies oder stickstoff- 
armes Medium angepaßt waren, doch schien nur eins derselben mit 
der Fähigkeit der Assimilation des gasförmigen Stickstoffes begabt 
zu sein. Mit diesem Gemische hat W. eine Reihe von Versuchen an- 
gestellt, mit wechselndem Dextrosegehalte der Lösung. Stickstoff 
fehlte entweder ganz in der Lösung oder war auch in wechselnder 
Menge vorhanden. Bei vollständiger Abwesenheit des Stickstoffes, 
oder wenn sein Gehalt ®/iooo ^^^^^ überstieg, fand eine Zunahme an 
Stickstoff in der Lösung statt, dio in einem bestimmten Verhältnisse 
rar benutzten Dextrosemenge stand. Die Reinkultur des stickstoff- 
asaimilierraden Bacillus wollte anfänglich nicht glücken, sie gelang 
erst, als er unter Sauerstoffausschluß kultiviert wurde. Das Sauer- 
stoffbedürfniB der anderen Arten sorgt dafür, daß unser Bacillus 
in den obigen Lösungen als anaörobes Bakterium leben kann. Als 
beste Koltnrbedingungen erweisen sich: Eine Zuckerlösung, frei von 
gdKindenem Stickstoff, in sehr wenig tiefer Schicht und in Berührung 
mit einer Atmosphäre aus reinem Stickstoff. Unser Bacillus 
wichst weder in Bouillon noch in Gelatine. Bei Luftabschluß ver- 
gärt er die Glukose, dabei entstehen: Butter-, Essig- und Kohlen- 
sfaire und Wasserstoff. Namentlich an letzterem sind die Gase reich 
(70 — 100 Proz.). Verf. vermutet, daß der im Innern des Plasmas 
entstehende Wasserstoff sich mit dem Stickstoffgase zu Ammoniak 
Terbinde und auf dieser Synthese die Anreicherung der Lösung an 
Süßstoff beruhe. Der Gewinn an Stickstoff in einer Reinkultur ist 
folgender: 

IVLBd. 9 



130 Bacterium coli commone. — Angiocholitia. 

1. 2. 

Dextrose in g 20,0 20,0 

o^- 1 * « • i anfänglich 0,0 0,0 
Stickstoff m mg ((j^^i^*^ 28,0 24.7 

Wieler (Braunschweig), 

StoeckUn, Recherches sur la mobilit6 et les cils de 
quelques r6pr6sentants du groupe des Coli-Bacilles. 
(Annales Suisses des sciences m^dicales.) 
Die Resultate der S t o e c k li n 'sehen Arbeit, welche aus T a v e Ts 

Laboratorium hervorgegangen ist, sind folgende: 

1) Der Name ., Bacterium coli commune** bezeichnet keine 
einheitliche, scharf abgegrenzte Species, sondern eine ganze Gruppe 
von intestinalen Bacillen. Der vorherrschende Charakter dieser 
Gruppe, welcher allen Individuen gemeinsam ist, besteht in der 
Eigenschaft, Gelatine nicht zu verflüssigen und sich nach der G ram- 
schen Methode nicht zu färben. 

2) Die Gruppe setzt sich zusammen aus beweglichen und un- 
beweglichen Arten. Die beweglichen Formen bilden '/g, die unbe- 
weglichen ^/g der gesamten Gruppe, soweit sie in menschlichen 
Stühlen vertreten ist; das Alter und das Geschlecht des Individuums 
können dieses Verhältnis etwas ändern, das übrigens auch von einem 
Falle zum anderen schwankt. 

3) Im Gegensatze zu den allgemein herrschenden Anschauungen 
wurden die beweglichen Formen immer ganz außerordentlich beweglich 
gefunden und niemals konnten die trägen Bewegungen beobachtet werden, 
wie man sie sonst dem Bacterium coli commune zuschreibt 

4) Die Geißelfärbung nach der Loeff 1er 'sehen Methode bildet 
ein wertvolles Hilfsmittel zur Differentialdiagnose der Intestinal- 
bacillen unter sich, sowie auch der Typhusbacillen. 

5) Bei ihrer Anwendung auf 17 Proben von Intestinalbacillen 
gestattete obige Methode 14 scharf begrenzte Arten zu unterscheiden, 
von denen 12 zur Gruppe „Bacterium coli commune'' gehören. 

Der Arbeit sind 4 mikrophotographische Abbildungen beigegeben. 

W. Petersen (Zürich). 

Bmochowskl und Janowskl, Zwei Fälle von eiteriger Ent- 
zündung der Gallengänge (Angiocholitis suppura- 
tiva), hervorgerufen durch das Bacterium coli com- 
mune. (CentralbL f. allgem. Pathologie und patholog. Anatomie. 
1894. No. 4) 
Zu der von vielen Seiten bestätigten Behauptung, daß das von 
Escherich in den normalen Darmausleerungen gefundene Bacte- 
rium coli commune durchaus nicht stets ein harmloser Parasit 
ist, liefern die Verff. einen neuen Beitrag. Der erste von ihnen mit- 
geteilte Fall bezieht sich auf eine Kranke, die, nachdem sie Monate 
lang Schmerzen in der Magengegend gehabt, in das Hospital zn 
Warschau kam, woselbst die Diagnose auf Cholangioitis purulenta e 
lithiasi; Peritonitis acuta circumscripta; Pleuritis serosa dupjex lautet. 
Bei der diese Diagnose bestätigenden Sektion fand sich die Leber 



TypbM. 131 

zweimal so groß, als im normaIeD Zustande, weich, gelb und an den 
Bindern abgerundet. An ibrer Oberfläche bemerkte man zahlreiche 
gelbe bis gelblichgrüne Flecke von Hanfkorn- bis Haselnußgröße, von 
welchen sich beim Aufschneiden zeigte, daß sie Ober Abscessen von 
verschiedener Größe lagen. Alle Galleng&nge, selbst die kleinsten, 
waren mit Eiter angefüllt, in welchem mehr oder weniger Bakterien 
nachweisbar waren, die sich in der Kultur als Bacterium coli 
commune erwiesen. Da andere Organismen sich nicht fanden, 
sprechen die Verff. den genannten Mikroorganismus als die Ursache 
der Erkrankung an. 

Auch bei der Sektion des zweiten von den Verfi. beschriebenen 
Falles, der klinisch nicht diagnostiziert war, fanden sich die Gallen- 
ginge mit Eiter gefüllt, welcher viele Bakterien enthielt, die in der 
Knltur als Bacterium coli commune erkannt wurden. 

Hit den in Beinkultur gezüchteten Organismen versuchten die 
Verff. die geschilderten anatomischen Veränderungen bei Hunden 
durch Injektion der Kulturen in den Ductus choledochus hervor* 
zurufen. Die Erfolge waren durchweg negativ; nicht ein einziges 
Mal ließen sich Veränderungen der Gallengänge nachweisen. Um 
festzustellen, ob die gezüchteten Bakterien, subkutan injiziert, Eite- 
rung erregen, wurden Versuche mit Hunden angestellt. In 3 von 
12 Fällen entstanden ziemlich bedeutende entzündliche Prozesse ; bei 
3 anderen Fällen wurde Eiterung im Unterhautzellgewebe hervor- 
gerolen und 2mal führte die Injektion des Bacterium coli com- 
mune zum Tode des Tieres unter septikämischen Erscheinungen. 
Das von den Verff. gezüchtete Bacterium coli commune ist 
demnach auf eine Stufe zu stellen mit den übrigen pyogenen Mikro- 
iN^anismen, den Staphylokokken und Streptokokken» deren Verimpfung 
ja auch manchmal erfolglos bleibt, während es in anderen Fällen zu 
Entzündung, zu Eiterung oder zu Septikämie bezw. Pyämie kommt. 

Ger lach (Wiesbaden). 

Bnrel9E»,Osservazioni cliniche e ricerche sperimentali 
solle suppurazioni da Bacillo tifico. (Archivio italiano 
di clinica medica [Rivista clinica]. 1893.) 

Borci giebt zunächst die Krankengeschichten von zwei Typhus- 
knmken, bei welchen sich während der Rekonvaleszenz A bscesse ent- 
wickdten (bei dem einen Falle ein Rippenabsceß, bei dem anderen 
ein sobkutaner Absceß in der Achselgegend, welcher mit einem 
Empyem kommunizierte). In dem Eiter wurden beidemale Bacillen 
in Reinkultur gefunden, welche B. unter Verwendung aller üblichen 
und bekannten differential-diagnostischen Methoden als Typhusbacillen 
erkannte. 

Eine Serie von Experimenten am Kaninchen und Meerschweinchen, 
m welcher den Tieren Bouillon- oder aufgeschwemmte Agarkulturen 
von Typhasbacillen subkutan injiziert wurden, bewies dem Verf., daß 
Bildung von Abscessen, in welchen sich nur Typhusbacillen finden, 
dabei viel häufiger zustande kommt, als andere Autoren angegeben 
babim. Auch bei Injektion von Typhuskulturen in die Blutbahn be- 
kam er mehrmals Absceßbildung an verschiedenen Körperstellen; es 

9* 



132 Typhni. 

war dazu nur nötig, größere Mengen (1 — 2 ccm) von hochvinilenten 
Kulturen zu injizieren, welche durch Züchtung in Kaninchenserum 
an den Körper dieses Tieres allmählich gewöhnt waren. Bei einigen 
Tieren entstanden die Abscesse an locis minoris reststentiae (Steilen, 
wo lange vorher Typhusstoffwechselprodukte injiziert worden waren, 
mechanisch gereizte Partieen, trächtiger Uterus), bei anderen, aber 
langsamer, an beliebigen Körperstellen. 

Wurden Kaninchen oder Meerschweinchen die abfiltrierten Stoff-* 
Wechselprodukte von Typhusbadllen in Bouillonkultur subkutan in^ 
jiziert, so bekamen die Tiere keine Abscesse; wohl aber bekamen 
sie Abscesse, welche sich weder in Beschaffenheit des Eiters noch 
histologischem Aufbau der Wand von den durch lebende Typhus« 
bacillen hervorgerufenen unterschieden, wenn ihnen Injektionen deä 
ausgewaschenen und bei 56^ sterilisierten Filterrückstandes (also der 
BaciUenleiber) gemacht wurden. Bei Einbringung von Kulturfiltrat 
und toten Badllenleibem in Kapillarröhrchen unter die Haut äußerten 
die letzteren ein stärkeres Attraktionsvermögen auf die Leukocyten, 
als jenes. 

Burci schließt aus seinen Versuchen, daß der Typhus- 
bacillus Eiterungen zu erregen vermag, aber langsamer, als die 
pyogenen Kokken, und daß diese Fähigkeit an die Substanz der 
äicülen, nicht an ihre Stoffwechselprodukte gebunden ist. 

Des weiteren stellt der Verf. aus der Litteratur 50 Fälle von 
Eiterungen vor und nach Typhus zusammen. In einer Zahl von 31 
dieser Fälle wurde der Typhusbacillus allein im Eiter gefunden^ 
Referent möchte allerdings bezweifeln, daß es sich dabei stets wirk- 
lich um Typhusbacillen gehandelt hat) Sie zeigen das Eigentüm- 
liche, daß die Eiterungsherde sich meistens erst während der Rekon- 
valescenz entwickeln und sehr langsam sich vergrößern. Die Haupt« 
lokalisationen bilden die Pleura, die Thyreoidea, der Testikel, aber 
vor allen Dingen der Knochen. 

Bei den übrigen Fällen von posttyphösen Eiterungen wurden 
Staphylokokken und Streptokokken gefunden. Baumgarten hat 
die Hypothese aufgestellt, daß diese auch in den Fällen, in welchen 
nur der Typhusbacillus gefunden worden ist, die Eiterung her- 
vorgebracht haben, dann aber dem Typhusbacillus unterlegen und 
zu Grunde gegangen sind. Bei Zusammenzttchtung der pyogenen 
Kokken mit Typhusbacillen in Bouillon konnte B. feststellen, daß der 
letztere bald Ueberhand gewinnt, Streptokokken auch wohl ganz 
vernichtet. Infizierte er aber Tiere subkutan mit Mischkulturen, so 
verschwanden die Typhusbacillen sehr bald im Absoeßeiter, während 
die Kokken prosperierten. Man könnte daher auch entgegen 
Baumgarten behaupten, daß in den posttyphösen Eiterungen mit 
Kokkenbefund diese die anfangs mit darin enthaltenen Typhus- 
bacillen überwuchert und zum Absterben gebracht haben. 

Abel (Oreifswald). 

Kellogg J* H«9 The relation of recent bacteriological 
studies to the etiology of typhoid fever. (Modern medi- 
cine and bacteriological review. 1894 No. 2. p. 29.) 



Typhus. 133 

(Selegentlich einer Typhusepidemie, zo der der Genuß von 
Wasser aas einem zwischen Latrinen liegenden Brunnen Anlaß ge- 
geben haben soll, untersachte Verf. das Wasser dieses Brunnens; der 
Cnt«rsachangsbefand wird aber erst später von ihm eingehend ge* 
schildert werden. Verf., welcher von der Identität des Bact coli 
ond des Typhnsbacillus überzeugt ist, führt aus, daß Trinkwasser, 
welches mit Latrineninhalt und dadurch auch mit dem Bact. coli 
verunreinigt würde, Typhus erzeugen könne und glaubt, daß auch 
Milch, welche beim Mdken mit Exkrementen der Kühe besdimutzt 
wird, aus demselben Grunde Typhus hervorrufen könne. 

Verl prüfte Bact. coli aus normalem Stuhle und aus dem 
Stahle ivon Typhnskranken und den Thyphusbacillus in ihren 
bkilogiscben Eigenschaften, das Verhalten beider in Latrineninhalt, 
sowie ihre Pathogenität für Tiere und will aus seinen Untersuchungen 
folgende Schlüsse ziehen können: 

1) Das Bact coli und der Bac. Eberth haben so enge biolo- 
gische Beziehungen, daß keine der bisherigen Methoden fest* 
stehende Unterschiede ergiebt; 

2) beide rufen bei Tieren die gleichen pathologischen Veränderungen 
hervor; 

3) das Bact coli nimmt bei der Passage durch den Tierkörper 
die Eigenschaft des Typhnsbacillus an; das aus Kloaken 
gezüchtete Bact coli ist virulenter, als das aus dem Körper 
stammende und als der Bac. Eberth; 

4) das Bact. coli ist widerstandsfähiger gegen schädigende Ein- 
flüsse als der Bac. Eberth, wächst in Fäkalien, während letz- 
terer darin abstirbt; 

5) das Bact coli teilt mit dem Bac Eberth die Fähigkeit, 
Typhus zu erzeugen; letzterer ist nur eine abgeschwächte Form 
des ersteren; 

6) mit Kuhexkrementen und deshalb auch mit Bact coli verun- 
rein^te Milch kann Typhus erzeugen; 

7) da das Bact coli im Grubeninhalte sehr virulent wird und 
die Möglichkeit einer Verunreinigung des Trinkwassers durch 
Latrinen große Gefahren in sich schließt, sollte eine ständige 
Desinfektion der Kanäle, Gruben u. s. w, geschaffen, oder 
wenigstens eine Fortschaffung der Fäkalien und Abwässer auf 
weite Entfernungen von menschlichen Wohnungen geboten werden. 

Lösen er (Berlm). 

Sfirlg^ Beiträge zur Bakteriologie der Typhuskompli- 
kationen. [Mitteilungen aus Kliniken und mediz. Instituten der 
Schweiz. I. Heft. 9.] Basel u. Leipzig (Carl Sallmann) 1894 
Die Frage, ob eine Typhuskomplikation mit der Primärinfektion 
durch Typhusbacillen direkt in Zusammenhang zu bringen ist oder 
i^ndir durch andere Mikroorganismen bedingt ist, hat in den 
letzten Jahren in einer Reihe von Einzelfällen ihre Entscheidung 
gefunden. In den „spezifisch-typhösen'^ Gaumenerkrankungen und 
der Typhosnephritis Wagner 's fehlte der Nachweis von Typhus* 
badUen, ebenso in Freund 's Fällen von Periostitis typhosa. 



134 Typhos. 

Fraenkel und Simmonds fanden bei folgenden Typhaskompli- 
kationen: einer eiterigen Parotitis, einer lobulären und zwei lob&ren 
Pneumonieen, einer eiterigen Meningitis und einer eiterigen Pleuritis 
nur Kokken, Seitz bei 2 Fällen von Typhuaerjsipel Streptokokken 
(in der Niere mit Typhusbacillen zusammen), während Rheine r 
nach dem mikroskopischen Befunde firysipelas typhosum angenommea 
hatte. Seng er fand in einem Falle verrucöser Endocarditis nach 
Typhus Streptokokken in den warzigen Auflagerungen und Mesenterial- 
lymphdrüsen, aber keine Typhusbacillen. Curschmann sah bei 
aufsteigender Paralyse nach Typhus im RQckenmarke Typhusbacillen 
und Chantemesse und Vidal in den Meningen und dem Oebirn. 
Silva, Kamen und Adenot lassen lokale Erscheinungen ebenda 
von Typhusbacillen abhängig sein. Bei Typbuspneumonie fanden 
Neumann und Karlinski nur Kokken, Foä und Bordoni- 
Uffreduzzi, Myer und Belfanti, Polguöre und Arusta^ 
moff aber vielfach auch den Typhusbacillus. Die 1887 zuerst 
von A. Fraenkel behauptete Fähigkeit des Typhusbacillus- 
Eiterung zu erzeugen, fand Bestätigung durch Tavel (Hoden- 
eiterung), Belfanti, Boux und Vinay (Milzabsceß), Gilbert 
und Girode (Gallenblasenempyem), ferner im Eiter von Periostitis 
und subkutanen Abscessen durch Ebermeier, Orlow, Achalmc, 
Valentini, Raymond, Colzi, Hoffmann, Rosin, Hirscbel 
und Melchior, ferner bei einer Mesenterialdrüseneiterung und einer 
Peritonitis: Lehmann. In den Nieren wurden durch Gaffky, 
Konjajeff und Faulhaber die Typhusbacillen durch Kultur 
nachgewiesen; bei seröser Pleuritis wurden sie gefunden durch 
Fernet, Loriga und Pensuti, sowie Kelsch, bei eiteriger 
durch Valentini und Belfanti. Tavel fand sie zweimal allein 
und Spirig einmal mit Kokken zusammen bei Strumavereiterung. 
KFraenkel fand bei komplizierenden Abscessen stets nur Kokken, 
nie den Typhusbacillus. 

Diesen Beobachtungen reiht Verf. 3 Fälle an, und zwar ein 
Empyema pleurae typhosum, bei welchem mikroskopisch und durch 
Kultur nur Typhusbacillen gefunden wurden, eine Nephritis typhosa, 
bei welcher aus der Niere bei der Autopsie durch Kultur und Impfung 
nur Typhusbacillen nachweisbar waren, und eine Pyämie bei Typhus, 
bei welcher es gelang, gelegentlich der Sektion aus dem Absceßeiter 
Typhusbacillen und Staphylococcus aureus zu zfichten. 

Schill (Dresden). 

Bucüuoy, L*öpid6mie r6cente de fiövre typholde. fLe 
Bulletin M^d. VIII. 1894. No. 35. p. 418.) 
Die letzte Typhusepidemie zu Sens und zu Paris muß nach 
Verf. mit einer kleinen Typhusepidemie in Zusammenhang ge- 
bracht werden, die während des Winters 1892—93 in einem an der 
oberen Vanne gelegenen Weiler, Rigny-Ie- Ferren, herrschte. In 
dieser Gegend wird das Vannewasser dem Hauptaquädukt zuge- 
führt. Die Epidemie in Rigny erlosch bereits im Mai 1893; das 
Vannewasser wurde aber erst im Januar 1894 zum Träger nnd Ver- 
breiter der Typhuskeime. Die hydrologischen Beobachtungen geben 



Typhös. 135 

hierf&r eine einfache Erklärung. Sommer und Herbst 1893 blieben 
r^nlos, 80 dafi eine Verschleppung der Keime auch nach der DQnger- 
Periode nicht stattfinden lionnte. Erst am 14. Januar 1894 trat 
Regenwetter ein und 3 Wochen später — die normale Inkubations- 
daner — zeigten sich in Sens die ersten Typhusfälle. Daß das 
Wasser der Vanne der Virus Verbreiter war, geht daraus hervor, 
daß die einzige nicht mit Vannewasser versehene Vorstadt von Sens, 
St. Paul, voB der Epidemie verschont blieb. Kr&l (Prag). 

Peehire, Y« et Funck, M.^ Le Systeme nerveux dans la 
fi^vre typholde. (Extrait des Annales publi6es par la Sociötä 
royale des sciences mödicales et naturelles de Bruxelles. T. II. 
1893.) 
Die von der kOnigl. Gesellschaft der Medizin und der Natur- 
wissenschaften zu BrQssel preisgekrönte Arbeit giebt gemäß dem 
Deaesten Stande der Wissenschaft eine eingehende Darstellung der 
beim Abdominaltyphus auftretenden nervösen Erscheinungen, ihre 
pathologische Anatomie, ihre Aetiologie und Pathogenie, ihre Dia- 
gnostik, Prognose und Therapie. So werden auf Grund der Litteratur 
and von 200 selbst beobachteten Typhusfallen die Kopfschmerzen, 
die {sychischen, die meningitischen Erscheinungen, die centralen und 
bolbäreo Störungen und die Neurosen, ferner die RQckenmarks- 
erschdnangeD, die Neuritiden und endlich der Experimentaltyphus be- 
sprochen. So sehr die Arbeit den Kliniker interessiert, so wenig 
Neues bietet sie dem Bakteriologen. Nur dadurch verdient sie in 
diesem Blatte hervorgehoben zu werden, daß sie durch die zusammen- 
hangende Darstellung der nervösen Symptome beim Abdominaltyphus 
demjenigen, der den Experimentaltyphus beim Tiere näher studiert, 
eioen Anhaltspunkt zur Vergleichung der etwaigen Resultate mit der 
mmschlichen Pathologie bietet. In diesem Sinne mag besonders hin- 
gewiesen sein auf die Abschnitte, die von den Gehirnaffektionen und 
den RQckenmarkslähmungen handeln. Die bisher bekannten Fälle 
▼OD Hemiplegie mit subcortikaler Aphasie, von transitorischer Aphasie 
und von Neuritis sind in tabellarischen Uebersichten zusammen- 
gestellt Was die Lähmungen beim Typhus, die nicht selten beobachtet 
suid, anbetrifft, so sind die Verff. geneigt, dieselben in der Mehrzahl 
der Fälle eher einer Neuritis als einer Poliomyelitis zuzuschreiben. 
GemäB der Analogie mit der Diphtherie führen sie die nervösen 
St&mngen auf die Giftstoffe des Typhusbacillus zurQck. Die 
Verfil nahmen daraufhin Experimente an Tieren vor. Sie stellten 
sich nach dem Vorgange von Sidney Martin die Giftstoffe aus 
Typbaskalturen dar und injizierten sie Kaninchen, in der Erwartung, 
dadurch Lähmungen zu erhalten. Das trat nicht ein. Ueberhaupt 
erwies sich das von ihnen gewonnene Typhotoxin nicht als ein be- 
sonderer Giftstoff, so daß die Tiere nur ein vorübergehendes Un- 
vohlseiB zeigten und nicht starben. Knüppel (Berlin). 

Lueatello, Beitrag zur Pathogenese der Kehlkopfs- 
affektionen beim Typhus. (BerL klin. Wochenschr. 1894. 
No. 16.) 



136 Paerperale Bepsii. » Chorea. 

Die Untersuchangen bei einem Falle von Typhus ließen den 
Eberth-Gaffky'schen Bacillus am zwölften Tage der Krankheit 
im Speichel und post mortem in der entzündeten Mncosa des Kehl- 
kopfes feststellen. Ueber die Pathogenese der Kehlkopfsn^ektionen 
bei Ih^phus muß man sich nach Verf. folgende Anschauung bilden: 
Die Prozesse, welche die DrOsenschicbt event. bis zur Geschwflrs- 
bildung befallen I müssen ausschließlich dem spezifischen Mikroben 
des Typhus zugeschrieben werden. Die dazutretende Zerstörung der 
Mucosa macht die Ansiedelung anderer Mikroorganismen — darunter 
auch der pyogenen — möglichi und so bilden sich zwischen Knorpel- 
haut und Knorpel Abscesse, die ohne Zweifel den sekundären In- 
fektionen zuzuschreiben sind. 6 er lach (Wiesbaden). 

Bassety E. L^on, La septic6mie puerperale attönu^e, 
formes cliniques, bact^riologie, traitement. [Tb^] 
4^ 169 p. Paris 1893. 
Die puerpurale Sepsis ist vom praktischen Arzte sehr zurückge- 
drängt worden und eingeschränkt durch die prophylaktische Anti- 
sepsis, aber doch nicht gänzlich verschwunden. Der die Infektion 
bewirkende Mikroorganismus ist der Streptococcus pyogenes 
und seine verschiedenen Entwickelungsstadien. Die klinische Er- 
scheinung bietet beinahe stets dieselben konstanten Merkmale dar, Erhö- 
hung der Temperatur nach vorhergegangenen Fieberschaudem, rapide 
Pulssteigerung, stinkender Durchfall. Verschleierte Fälle lassen sich 
nur durch bakteriologische Untersuchungen sicher diagnostizieren 
und geben unfehlbar in Kulturen die charakteristischen Erscheinungen 
des Streptococcus. Letzterer nimmt progressiv in seiner Viru- 
lenz ab und tritt mit jedem neuen Falle schwächer auf. Die Krank- 
heit ist erst als vollständig gehoben zu betrachten, wenn wiederholte 
Untersuchungen das Fehlen einer jeden Mikrobe erwiesen haben. 
Der Streptococcus ist der einzigste Organismus, welcher der 
prophylaktischen antiseptischen Behandlung der Uterinhöhle leicht 
Widerstand leistet und sich bei nicht ganz sorgfältiger Reinigung 
und Beinhaltung sofort stark vermehrt Verf. teilt eingehend zwanzig 
einzelne Fälle mit, wozu er allein p. 99—166 verwendet 

E. Roth (Halle a.S.). 

Oulzzetti, P., Contributo alla etiologia ed alla anatomia 
patologica della corea del Sydenham. (La Rif. med. 
1893. p. 262, 263.) 
Verr. schildert im obigen Aufsatze die Resultate seiner an einem 
Falle von tödlich verlaufener Sy den hämischer Chorea gemachten 
pathologisch-anatomischen Befunde, welche dahin lauten, daß die vor- 
gefundenen Veränderungen hauptsächlich das Groß- und Kleinhirn be- 
trafen und in hochgradiger Hyperämie nebst zahlreichen punktförmigen 
Extravasaten, zwei kleinen Erweichungsherden im Kleinhirn und 
Leukocytenansammlung in den Lymphscheiden der feineren Blut- 
gefäße bestanden. Die Milz normal, die Nieren hyperämisch, die 
Kanälchenepithelien im Zustande beginnender trOber Schwellung. An 



Cainaom. 137 

der Mitralklappe mehrere bereits organisierte endokarditische Vege- 
taüaneo. 

Diese Ver&Ddenuigeii des nervösen Centralorganes waren iden- 
tisch mit jenen, welche 6. an der Leiche eines an Herzl&hmong 
gestorbenen, mit Mitralinsnfficienz behafteten jungen Mannes vorfand 
DBd grundverschieden von jenen, welche das Gehirn von zwei an 
Typhus mit Gehimerschetnungen Verstorbenen darbot. Dieser Unter- 
sdiied bestand zun&chst in einer bei weitem reichlicheren Leukocyten- 
anhanfoDg am die kleinen Gef&ße, so daß stellenweise an eine klein- 
idUge Infiltration gedacht werden mußte und femer in zahhreicheny 
in den kleinen Venen sitzenden, aus Typhusbacillen bestehenden 
Thromben, während in dem Gehirne des Choreatikers weder mikro- 
skopisch noch mittels Kultur irgendwelche Mikroorganismenart nach- 
gewiesen werden konnte. Ebenso fielen auch die ZQchtungsversuche 
SOS dem RQckenmarke, dem Herzblute und aus der Milz negativ au&. 

Der Verf. schließt aus diesem Ergebnisse, daß die vorgefundenen 
Veränderungen keineswegs auf ein infektiöses Agens zurückgeführt 
werden müssen und ungezwungen als Folgen der eingetretenen 
Grkuiationsstörungen betrachtet werden können, welche schließlich 
zur Bildung von Erweichungsherden und infolge dieser zum Auftreten 
der choreatischen Symptome führen können. 

Kamen (Czernowitz). 

TinNIessen, Ueber Krebserreger. (Centralblatt für die medi- 
zinischen Wissenschaften. 1894. Mai.) 
Die Frage nach der Aetiologie des Carcinoms tritt neuerdings 
wieder besonders in den Vordergrund des Interesses. In der letzten 
Kommer (26. Mai) des Centralbl. f. d. med. Wiss. findet sich eine 
^Torläofige Mitteilung^' des Verlas, welcher bei Gelegenheit von Blut- 
Qfid Gewebsuntersuchungen eines Falles von Carcinoma uteri neben 
Tersdiiedenen anderen Mikroben einen schwarzgrünen Pilzrasen merk- 
würdiger, zwischen Sproß- und Fadenpilzen stehenden Myoceten fand, 
die mit den sogenannten Epithelzellennestem des Carcinoms außer- 
ordentliche Aehnlichkeit hatten. Eine eingehende Besprechung und 
Olostrieriing der Einzelheiten sowie eine kritische Zusammenstellung 
der für die Beurteilung erwachsenden Folgerungen behält sich VerL 
ftr eine ausführliche DarstelluDg vor. Doch glaubt er sich jetzt 
schon zu dem Schlüsse berechtigt, den kausalen Zusammenhang jener 
KlzforiD mit dem Carcinom für erwiesen zu erachten und daher den 
VOzea die Bezeichnung „Canceromyces^' beizulegen. 

Maaß (Freiburg i.B.). 

Soree and Glles^ Sporozoa and Cancer. (The Report a. 
Proceedings of the Royal Society. 1893.) 
B. und O. möchten zur Erklärung der Zelleinschlüsse in Car« 
Gnomen vor allem die endogene Zellbildung herangezogen wissen, 
iiiehr als die Invaginations- und Degenerationserscbeinungen , die 
iber Ansicht nach zur Zeit zu sehr in den Vordergrund gerückt 
Verden« G^en die parasitäre Natur der Einschlüsse sprechen ihnen 
besonders folgende Gründe: 1) die verhältnismäßige Harmlosigkeit 



138 CardnoiiL 

der bekannten parasitären Sporozoen ; 2) das starke Vorwiegen von 
cystischen Formen unter den bisher beschriebenen Einschlüssen, so- 
wie das Fehlen von deuUichen Pseudopodien und Cilien; 3) das 
Fehlen der fOr die Sporozoen so charakteristischen sicbeU&nnigen 
Sporen; 4) ihre außerordentlich verschiedene Größe, die in schroffem 
(iegensatze zu den regelmäßigen Sarcosporidienformen stehe, 5) das 
Fehlen der den Sarcosporidienformen eigentOmlichen festen, meist 
chitinhaltigen Kapsel. W. Petersen (ZQrich). 

Cazin, Maorleet Des origines et des modes de transmis- 
sion du Cancer. 8^ 95 p. Paris (Soci6t6 d'6ditions seien tifi- 
ques) 1894. 

Dans les nombreuses publications qui, depuis quelques ann6es, 
ont 6t6 consacrto k Tötude du Cancer, beaucoup de faits contradic- 
toires sont* venus singuliörement augmenter la complezit6 de la ques- 
tion de la nature et des origines des nöoplasmes. Le travail de Tauteur 
vient k propos nous donner un expose de I'ötat actuel des connais- 
sances relatives ä Tötiologie et k la pathog6nie des tumeurs malignes, 
d*aprte les recherches faites dans ces demi6res annöes, et auxquelles 
Duplay et Gazin ont apport6 une contribution importante. 

Les conclusions de cet ouvrage n'ont pas la prttention de donner 
la Solution d^une question qui soul^ve en ce moment tant de discus- 
sions, le plus souvent, malheureusement, trop th6oriques; elles cher- 
chent simplement k mettre au point certaines parties de l'histoire 
des Cancers, sur lesquelles on a peut-6tre ^mis un peu prämatur^- 
ment des id6es non suffisamment justifi6es par les faits. 

L'auteur 6tudie d'abord le röle des diverses influences gtoörales 
(h6r^dit^, alimentation, climat, races) au point de vue de 
la pr6disposition au d^veloppement des n^oplasmes, et il discute 
ensuite Taction des causes locales, telles que Tinflammation et 
les traumatismes. 

MM. Duplay et Gazin ont cherch6 k döterminer exp6rimen- 
talement ce que peu faire rinflammation chronique, qui a 6t6 
souvent incrimin6e comme pouvant pr6c6der et favoriser T^volution 
d*un Cancer. Ils ont donc entretenu chez des animaux des inflam- 
matioDS de diverses natures, notamment au moyen d'irritations mtea- 
niques fröquemment renouvelöes, ou en employant certains produits, 
comme le goudron et la suie, qui paraissent d6terminer chez rhomme 
des inflammations cbroniques susceptibles de se transformer dans la 
suite en l^sions canc6reuses. G*est ainsi que MM. Duplay et 
Gazin ont, sans aucun r6sultat durable, produit pendant des mois 
entiers une inflammation chronique, en combinant des grattages de 
surfaces Epitheliales, k Taide de la curette, k Taction de la suie 
firdquemment appliqu6e sur ces surfaces traumatismes. Les granula- 
tions de suie ont 6t& retrouvöes, renfermdes k Tint^rieur de leuco- 
<7tes, k une assez grande distance de la suriface libre des vögEtations 
infiammatoires obtenues par ce traitement, mais jamais les auteurs 
n^ont pu constater la moindre prolif^ration du revötement Epithelial 
Ces exp6rieDces n*ont cependant pas eu une dur6e assez grande et 



Cardnom. 1S9 

D'ont pas 6X6 snfiGsamment moltipliöes pour quo Ton puisse en tirer 
des oondnsioiis dtf nitives. 

DsDS üoe antra sörie de racherches, MM. Duplay et Gazin 
<ttt Studio rinfluence des traamatismes sar le d6veloppement des 
Dfoplasmes, et ils ont, k idusieurs reprises, traamatisö des organes 
glandalairea, a?ec oa sans adjonction de greffes ntoplasiques, sans 
jamais obtenir autre chose que des tumöfactions passag&res. 
;^ : H. Cazin, aprts avoir r^um6 ces expärieoces, passe en rayue 
te difförentes thtories ^mises sur la natore et les origines des Can- 
cers» et, k propos de la Uiöorie parasitaire, il insiste snrtout sor 
kB raisoDS qni ne permettent pas encore d'accepter d6finiti?ement 
TeDstence des parasites rteemment d6crits dans le canoer par diff6- 
rents auteurs. 

I Dans une seoonde partie, consacröe 4 T^tade de rinoculabilitö 
et de la oontagion directe du canoer, Tautear rappelle les fidts acquis 
antMenrement sur ce siget, et donne nn räsumö des r6sultats exp6ri- 
mentanx obtenos dans une longue ^6ne de rechercbes faites en com- 
nnn avec M. le Professeur Duplay. Tous ces rösultats, ni6roe en 
oe qni conceme la transmission directe dans une möme espöce, ont 
Üi n^atifs, cbaque fois qu'il s^agissait de tumeurs nettement can- 
cireiKes. Dans quelques cas, MM. Duplay et Gazin ont en, il 
est yrai, des rfeultats positife, et ont vu des tumeurs expörimentaies 
86 d^elopper k la suite d'inoculations faites avec des fragments de 
tomears spontan^es provenant d^animaux de la möme esp^. Ils ont 
obtenu notammenti cbez un rat, k la suite d'une inclusion sous-cntanto 
an niveau d'une mamelle, une volumineuse tumeur exp^rimentale qui 
le pesait pas moins du quart du poids total de Tanimal. Malheu- 
reos^neot cette tumeur, comme d'autres nöoplasmes ezp^rimentauz 
obtenos cbez le cbien, n'ayait aucun caract&re 6pith^lial et rantrait 
dans la cat^rie des nöoplasmes b6nins d'origine conjonctive. 

En pr^aence des rösultats expörimentaux, qui sont aujourd*bui 
soffisanunent nombreuz, M. Gazin pense que la contagion directe 
da Cancer ne doit s'efifectuer que dans des cas tris rares et que Ton 
fi'est pas en droit, par oons6quent, de oonsid^rer les canc6reuz comme 
des oontagieux, ao sens absolu du mot En r6sum6, la question de 
r^tidogie des Cancers est encore k r6soudra enti^rament, et, pour ce 
Vd conceme la natura parasitaire des nöoplasmes maÜns, il serait 
oeora pr6mBtxLr6 d*6mettre en ce moment des conclusions definitives. 

Autoreferat. 



240 UnteniiBhii2igtin«thoden, Inflrnment« etc. — - Neoe Litteratiir. 

Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 



Elselmig^ Zur Technik der Gelloidineinbettung. (Zeitschr. 
f. wissenschaftL Mikr. Bd. X. Heft 4. p. 443.) 
Zur Gewinncmg einer möglichst wasserfreien CelloidinlOsung em- 
pfiehlt E. folgendes Verfahren, welches das häufige Oeffnen der 
Gefäße zwecks Umrühren der Lösung etc. unnötig machen soll. Die 
gut getrockneten GeUoidinwfirfel werden zunächst mit soviel absolutem 
Alkohol übergössen, daß sie gut davon bedeckt sind ; so bleiben sie 
24 Stunden stehen, werden nur einigemd gut umgeschüttelt Jetzt 
erst wird die gleiche Menge Aetiier zugegossen, worauf sich das 
Gelloidin fast augenblicklich löst, um dann beliebig verdünnt werden 
zu können. Bezüglich der weiteren Technik hält £, die von Apathi 
gegebenen Vorschriften (Zeitschr. f. wissensch. Mikr. Bd. VI. p. 164) 
nlr die besten. W. Petersen (Zürich). 

Sehelffel, Ueber eine Verbesserung der J. af Elercker- 
scben Vorrichtung zum Kultivieren lebender Orga-* 
nismen unter dem Mikroskope. (Zeitschr. f. wissenschaftl- 
Mikr. Bd. X. Heft 4. p. 441.) 
Die von Seh. empfohlene Verbesserung besteht darin, daß das 
Deckgläschen nicht mehr durch Eautschukringe befestigt wird, 
sondern durch einige Tröpfchen Terpentinharz, die auf die Mitte 
jener Kanten des Deckgläschens aufgetragen werden, welche den auf 
den Objektträger aufgekitteten Deckglasstreifen parallel gehen. Da- 
durch fällt der zweite, sonst zur Unterlage nötige Objektträger fort 
und es wird eine ausgiebigere Benutzung des Abb6*schen Beleuch- 
tnngsapparates ermöglicht. W. Petersen (Zürich). 



Corrigendom. 

In Bd. XV. No. S6 ist statt C. Kl«in lu Umh: I. Klein. 



Neue Litteratur 



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144 



Inhalt 



Inhalt. 



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Keblkopfuiffektionen, p. 186. 
TAn KiesMn, Ueber Krebterreger, p. 187. 
Pammel, L. S., An aromatie baciUiu of 

cheese (Bacillas aromaticos n. sp.), p. 128. 
, Some bacteriologieal work in tbe 

dalry, p. 128. 
Paeb^re, ▼. et Fonek, M., Le syitto» 

nerveax dans la fi^vre typholde, p. 135. 
P4r4, Sar la formation des addes laeUqoM 

isom4riqaes par l'action des mierobes sor 

les salMtances hydrocarbondes, p. 181. 
Spirig, Beitrftge sor Bakteriologie der 

Typhaskomplikationen, p. 188. 
Btoeoklüi, Becherches sar la morbilit^ et 

les cils de quelques r4pr^sentanti da 

gronpe des Coli-BaoUleSf p. 180. 
IMmn, Wilh., Ueber einen MUchfehler 

und seine Ursachen, p. 128. 
WiBOgxmdfky, B., Sar l*assimllation de 

Tasote gaseaz de Tatmosph^re per les 

mierobes, p. 129. 

Untenmnhmigimrthoden, Ingtriumts ste. 

Wiebnig , 2or Technik der Celloidin* 

einbettang, p. 140. 
Seheiffsl, Ueber eine Verbesserang der 

J. af Klercker'scben Vorricbtung sam 

KaltiWeren lebender Organismen anter 

dem Mikroskope, p. 140. 

Oorrig«adiim, p. 140. 
K«M Utt«ratnr, p. 140. 



• itooMTMlMni CHuriMnn ^ohU) laJawu 



Bakteriologie und Parasitenkunde. 

In Yerbindung mit 

OfilL Holt. Prot Dr. LendDirt m Mesor Dr. Loeilliir 

In Ltipsic O» GreiCnnld 

herMsgageben Ton 

Dr. O. IThlizrorni in Cassel. 



Verlag yon Gustav Fischer in Jena. 

XTl Band« -o- Jon», den ii. August 1894. -<>- No. 4/6- 

Pnlt fttr dm Band (96 Komm«») 14 lUrk. 

Jährlich ertcheinen swei B&nde. 

-<»| 2a besiehen durch alle Bachhaodlangen and PosUnsUlton. %^^ 

Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten- 
kunde richtet an die Herren Mitarbeiter die ergihene Bitte, etwaige 
W(tH»eiKe um lAeferung von besonderen Abdrücken ihrer ^fi/- 
Mxe entweder bei der Einsendung der Abhandlungen an die 
-BedoMon wuf das Manuskript schreiben zu wollen oder spä^ 
bestens nach Empfang der ersten Korrekturabzüge direkt an 
^en Verleger, Herrn Ousta/v Fischer in Jena, gelangen »u 
'^U'en. Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später 
^^^^ende Wünsche berücksichtigen zu kifnnen. 

Original -Mittheilungen. 
Das Verhalten der Hefen gegen Qlykogen. 

Von 

Alfred Eoeh und Hans Hosaens. 

Hefe, die man nach Entfernung der abgegorenen Flüssigkeit in 
diekbrengem Zustande oder unter Wasser sich selbst überl&ßt, zeigt 
b^ntlich die Erscheinung der Selbstgftrung, d. h. sie bildet auf 
Kosteo ihrer KOrpersubstanz Alkohol und Kohlensäure. 

Aber auch noch in anderer Weise zersetzt die Hofe die im 
Ionen ihrer Zellen abgelagerten Reservestoffe und scheidet Um- 
vaadlnngsprodukte derselben aus. Wortmann^) hat z.B. darauf 

1) Wortmann, Untanachanffen Aber reine Hefen. Teill. (Landwirtsch. Jahrb. 
IWlp. m.) 

XUM. 10 



146 Alfred Koch und Hani Hoiaens, 

hingewiesen, daß verschiedene Weinhefen in gelflftetem Bosinenmoste 
mehr Kohlensäure bilden, als nach der Theorie aas dem yerbrauchten 
Zucker durch alkoholische Oärung gebildet werden sollte. Er erklärt 
dies in der Weise, daß die Hefe den ihr infolge des regelmäßigen 
Durchleitens von atmosphärischer Luft zugefQbrten Sauerstoff daza 
benutzt, um einen Teil der in ibr enthaltenen Beservestoffe, Glykogen 
und Fett, welche sie während der Zeit der lebhaften Entwickelung 
und Ernährung aufspeichern konnte, wieder zu veratmen. 

Es fragt sich nun, welches die Reservestoffe sind, die die Hefe 
bei der Selbstgärung oder Atmung verbraucht. Während der Selbst- 
gärung soll der Inhalt der Hefezellen mehr und mehr die Eigenschaft 
verlieren, sich mit Jod rotbraun zu färben 0. Diese Färbung, die 
auch bei vielen anderen Pilzen beobachtet werden kann und bekannt- 
lich von de Bary bei dem Epiplasma der Askomyceten entdeckt 
wurde, wird nach dem Vorgange von Errera auf einen Grlykogen- 
gehalt der Hefezelle zurückgeführt, weil das aus Leber oder anderen 
tierischen Körperteilen dargestellte Glykogen ganz ähnliche Reaktionen 
zeigt ^). Wenn man aber das thatsächlich wirklich Festgestellte 
herausschält, so wird klar, daß immer nur angegeben wird, daß die 
Hefe imstande ist, auf Kosten ihrer Körpersubstanz Alkohol und 
Kohlensäure zu bilden und daß während dieses Prozesses ein Körper 
aus der Hefezelle verschwindet, der mit dem tierischen Glykogen die 
Farbenüance der Jodreaktion gemein hat 3). 

Laurent^) hat zwar sogar das in der Hefe abgelagerte G-ly- 
kogen indirekt quantitativ zu bestimmen versucht, entweder indem 
er es durch Säure in Zucker überführt und diesen bestimmt oder 
den Substanzverlust der Hefe während der Selbstgärung durch 
Wägung ermittelt oder seine Menge aus dem bei der Selbstgärung 
entstehenden Alkohol berechnet. Es ist aber klar» daß der Autor 
bei diesen Versuchen die Beziehung des Glykogens zur Selbstgärung 
als festgestellt voraussetzt und seine Beobachtungen daher nicht als 
Beweis dafür anzusehen sind, daß der Selbstgärungskörper wirklich 
und ausschließlich Glykogen ist. 

Es könnten ja als Material bei der Selbstgärung sehr wohl auch 
Fett oder die mannigfachen Kohlehydrate, die in der Hefe nach- 
gewiesen sind, dienen. 

Ein sicherer Beweis dafür, daß Glykogen als Reservestoff von 

1) H. Will, Allgem. Brauer- and Hopfenzeitang. 1892. No. 67. (Citiert nach 
Wort mann, 1. c.) 

2) Errera, L'ipiplasme des AscomycHes. [Thöse.] BmxeUaa 1882. — Sur Je 
Olyeogine chei les Hacorin^es. (Ac. royale de Belgiqae. Ball. S^rie 8. Tome IV. 
1882. Norembre. No. 11.) — Sar le Olyoogöne ehes Iw Basldiomyc^tes. (Ac. royalo de 
Belgiqae. BaU. S^rie 8. Tome VUL 1884. No. 12 et M<m. Tome JLXXVll. 1886.) — 
Sar Teziatence da glycog&ne dans la levore de bi^re. (Comptes rendas. Paris. Tome CI. 
1886. p. 253.) — Zweifel an der Beweiskraft der mikrochemischen Reaktion anf Olykogen 
in Fftlleo, wo keine intensive Braanfftrbang mit Jod aaftritt, KaBerte schon Wort mann 
in einer Besprechang der Torletat genannten Arbeit von Errera (Bot Zeitg. 1886. 
p. 200). Errera erwiderte bieraof in demselben Bande (p. 818) anter dem Titel: 
„Ueber den Nachweis des Glykogens bei Pilsen**. 

3) Bezttglich der makroehemischen Darstellang von Glykogen aas Hefe siehe spSter. 

4) Ann. soc. beige de mierosc Tome XIV. 1890. Vgl. Alfred Koch 's Jahres- 
bericht. 1890. p. 54. 



Dm Verhalten der Hefen gegen Glykogen. 147 

der Hefe abgelagert and wieder yerbraacht wird, wäre indessen nicht nur 
in Besag aoi die Selbstg&rung, sondern überhaupt von großem physio- 
logischem Interesse, weU Errera die sehr bestechende Theorie ver- 
todjgt hat, daß der charakteristische Reservestoff sehr vieler Pilze über- 
haupt das Glykogen, die ^tierische St&rke'' sei, ebenso wie die höheren 
Pflanzen in so zahlreichen Fällen Stärke als Reseryestoff anhäufen« 

Als Material zur Beurteilung der Errera'schen Hypothese und 
der herrschoiden Ansicht von der Selbstgärung schienen uns Ver- 
sadie darüber zunächst einmal am Platze zu sein, ob denn Hefe 
überhaupt imstande ist, künstlich der Nährlösung zugesetztes, aus 
Tmn dargestelltes Glykogen zu verarbeiten. Wir stellten derartige 
oad ^tere sich daran anschließende Versuche daher im Laufe des 
Sommers 1893 im pflanzenphysiologischen und agrikulturchemischen 
Institute der Universität Göttingen an. Wir operierten dabei zunächst 
in der Weise, daß wir beobachteten, wie stark Hefe in derselben 
kohlehydratfireien Nährlösung, als welche eine 1-proz. Lösung von 
Kemm er ich'schem Fleischextrakt*) benutzt wurde, mit oder ohne 
Zosatz einer kleinen Menge Glykogen sich vermehrt, ob sie dieses 
SlykogeD dabei aufoimmt und verbraucht. Für den Fall, daß letz- 
teres nicht der Fall war, konnte dem Gedanken Baum gegeben 
werden, daß die Hefe erst mit Hilfe eines für sie leicht assimilier- 
baren Kohlehydrates zu kräftiger Entwickelung gebracht werden 
nioBte, ehe sie imstande waf, das Glykogen anzugreifen, denn es 
konnte ja z. B. sein, daß die Hefe vor Verbrauch des Glykogens dies 
erat dorch ein von ihr produziertes Ferment umwandeln event. ver- 
ZQckem mußte und daß daher erst die Möglichkeit zur Bildung einer 
ordentlichen Portion Hefe in der Flüssigkeit gegeben sein mußte, ehe 
30 viel Ferment gebildet wurde, daß das Glykogen deutlich abnahm *). 
penn im Vergleich zu den minimalen Glykogenmengen, die die Hefe 
in ihren Zellen eventuell zu zersetzen hat, stand sie in unseren Ver- 
^sflflssigkeiten verhältnismäßig recht beträchtlichen Quantitäten 
^eses Körpers gegenüber, wenn auch nur Konzentrationen von ^j^ bis 
'i'io Proz. benutzt wurden. Es wurde auf Grund dieser Ueberlegung 
ttch eine Versuchsreihe angestellt, in der der Hefe in Fleischextrakt- 
lösong neben Glykogen ^/^ Proz. Dextrose in Form des bekannten 
^erikanischen Traubenzuckers (von Trommsdorff bezogen) ge- 
Iwten wurde. 

Die Versuche wurden nebeneinander mit drei Hefen angestellt, 
enteiis einer aus der Betriebshefe einer Göttinger Brauerei rein- 
MtiTierten Form (weiterhin kurz als „Bierhefe'* bezeichnet), zweitens 
^er ebenso aus Preßhefe gezogenen Hefe (als „Preßhefe'* bezeichnet) 
^d drittens mit der Frohberg- Hefe der Berliner Brennerei- und 
^nereiversuchsstation, weil diese mit energischeren chemischen 
^igkeiten hinsichtlich der Vergärung von Maltodextrinen >) begabt 

1) Die klMsen GlykogenmengeD, die nach Kemmerieh im Fleischextrakte vor- 
^^■■«a (12—14 PromUle) können hier anSer Betracht bleiben. 

}^ Vgl Selerotinia, die nach de Bary (Bot Zeitg. 1S86) saprophytisoher 
***^i bedarf, am die aom Gedeihen auf lebenden Pflansenteilen nötige Menge celln- 
'^^'lÖNDdtD Fermentes bilden in können. 

S) Alfred Koeh's Jahresbericht 1891. p. 128 n. 189, 1892. p. 120. 

10» 



148 



Alfred Koch und Hani Hosaeai, 



ist als andere Bierhefen und daher die Möglichkeit vorlag, daO si 
auch Glykogen leichter angreift, wie die beiden anderen Versachs 
hefen. 

Die Versuche wurden bei 28—30^ mit je 20 ccm FlOsagkeit i 
kleinen Erlenmeyer 'sehen Kölbchen angestellt, so daß dieFlflsäj 
keitsschicht etwa 1 cm hoch war; der Hefe stand demnach reichli( 
Sauerstoff zur Verfügung, was deshalb wichtig erschien, weil d 
Verbrauch des angeblich in den Hefesseilen Torhandenen Olykogei 
bei freiem Luftsutritte viel schneller vor sich gehen soll, als wel 
die Hefe sich in Flüssigkeit untergetaucht befindet 

Tabelle 1. 



1 Pros. Fleischeztrakt, 

0|5 Pros. Kaninchen- 

glykogen 



1 Prot. Fleisch- 

eztrakt, 
0,6 Pros. Kalbs- 

glykogen 



1 Pros. Fleischextrakt, 

0,5 Pros. Dextrose, 
0,5 Pros. Kalbsflykogen 



1 Proi. 
Fleischextrt 



Prohberg-Hefe. 



80 Tage beobachtet: Sehr 
schwach gewachsen, 
aber kriftige, plasma- 
reiche ZeUen , meist 
fest snsammenhKngende 
SproBfamilien. Nlhr- 
lösong seigt noch starke 
Olykogenreaktion. Zel- 
len seigen nur sehr 
selten etwas Glykogen- 
reaktion. 



28 Tage beobachtet: 
Sehr schwach ge- 
wachsen, aber krif- 
tixe ZeUen. Flfis- 
sigkeit seigt noch 
kr&ftige Glykogen- 
reaktion. In ZeUen 
kein Glykogen. 



25 Tage beobachtet: Beide 
Kulturen aelgen in der 
FlOssigkeit noch gute 
Glykogenreaktion. Nar 
^in einer Kultur gans 
▼ereinselte ZeUen Gly- 
kogenreaktion. 

Hefe gut Termehrt. 



20 Tage bei 
achtet: Mi 
gewachsen 
aber krifti 
plasmareid 
Zellen, 
semmenhi 
gende Spi^ 
famiUeo. B 
Glykogen 
den Zelle] 



Preihefe. 



25 Tage beobachtet : FlOs- 
sigkeit und ZeUen frei 
von Glykogen. Kul- 
tur war aber durch 
Bakterien Torun- 
r ein igt, die wohl 
das Glykogen versehrt 
hatten. 



25 Tage beobachtet: 
In beiden Kulturen 
seigt die Flüssig- 
keit Glykogenreak- 
tion, die kräftigen 
Zellen aber nur 
gans ▼ereinaelt an- 
deutungnweise. 



Wie 6. EbenfiUls 
Kulturen. 



swei 



Wie oben 
ter 4. 



Bierhefe. 



10 



11 



12 



28 Tage beobachtet Die 
Plfissigkeit seigt starke 
Glykogenreaktion, die 
Hefe und einige su- 
lUlig hineingekommene 
Schinunelpilskolonieen 
nicht. 



28 Tage beobachtet: 
Sehr schwach ge- 
wachsen. Kräftige 
Zellen seigen keine 
Glykogenreaktion, 
wohl aber gut die 
FlOssigkeit. 



20 Tage beobachtet: Eine 
Kultur durch Bak- 
terien Terunrei- 
nigt und -* wie oben 
unter 5 — auch hier 
Glykogen aus der FlOs- 
sigkeit Terschwunden. 
Andere Kultur seigt 
Glykogenreaktion stsrk 
in der FlOssigkeit, aber 
nicht in den kräfti- 
gen, stark ▼ermehrten 



Wie oben 
ter 4. 



Das Verhalten der Hefen gegen Olykogen. 
Tabelle t. 



149 



d«r NihrlSenog 


Frohberg-Hefe 
Zellensahl 


Bierhefe 
Zellensahl 


PreBhefe 
Zellensahl 


1 Pros. Pleischeztrakt 1 
(KemnMiich) j 


444 000 000 


196 000 000 


309 000 000 


1 Phos. FleiachwEtrakt 1 
J Prom. Kalbegljkogen ( 


S69 000 000 


188 000 000 


196 000 000 


1 PMw. Fl«iaeliextnkt \ 


169 000 000 


78000 000 


177 000000 


1 PtoB. Flaiseheztrakt \ 
0,5 ProL Kalbsglykogen 
OJ Proa. Dextrose J 


870 000 000 


276 000000 


1110 000 000 



TabeUe 8. 
ffis alnd ^e Besoltate der Tabelle 8 dadurch flbersichUieher gemacht» daB die* Hefen- 
I 1 Pros. Fkiseheztrakt vnd 0,6 Pros. Kaninchenglykogen «s 10 gesetst nnd die 
ftbrigen entsprechend naogerechnet sind. 



der BTShrlSsnng 


Frohberg-Hefe 


Bierhefe 


PreBhefe 


1 Pros. FUlschcxtrakt \ 


10 


10 


10 


1 Pros. Fleisebeztrakt \ 
0,6 Pros. Kalbsgljkogen / 


91 


84 


11 


1 Proa. neischeztrakk 


96 


96 


17 


1 Prom. Fleisehextrakt 1 
0^ Pros. Kalbsglykogen 
M Ptaa. Deoitrose J 


61 


86 


68 



Die in den vorstehenden Tabellen niedergelegten Resultate dieser 
ersten Versncbsreihe zeigen, daß das Glykogen während der Ver- 
snchsdaoer von fast einem Monate dnrch die Hefe nicht verbraacht 
wurde, daß es dagegen sogleich g&nzUch verschwand, wenn in der 
Flüssigkeit Bakterien sich entwickelteo. Das Glykogen war anderer- 
seits nie von den Hefezellen in deutlichem Maße gespeichert worden, 
was ttbrigens nicht unbedingt dafQr spricht, daß das Glykogen über- 
haupt von der Hefe nicht aufgenommen wurde, da es ja sogleich in 
der Zelle weiter verarbeitet worden sein konnte. 

Die Bestimmung der VermebruDgsintensität in den verschiedenen 
oben aiigef&hrten und in den Parallelkulturen derselben Hefeart gleich 
stark bieten N&hrlOsungen führt schließlich zu der sehr merk- 
würdigen und unerwarteten Beobachtung, daß ein Glykogenzusatz zu 
i& zackerfreien Nährlösung die Hefevermehrung nicht nur nicht 
steigert, sondern sogar deutlich vermindert, und zwar tritt dies 
stets bei dem Kaninchenglykogen in stärkerem Maße hervor, als bei 
dem Kalbsglykogen. Beide Präparate wurden genau nach der Vor- 
schrift von Eülz'), aber von verschiedener Hand aus Leber dar- 



1) Kflls, Zar qnnntitsliTen Bestimmnng des Glykogens. (Zeitschr. f. Biologie. 
Bd. 2Xn. p. If 1.) 



150 Alfred Kooh «od Hans Hoiaens, 

gestellt. Ob diese Differenz auf einer Verschiedenheit der Glykogene 
verschiedener Tierarten beruht, ähnlich wie die Stärke aus verschie- 
denen Pflanzen etwas verschiedene Eigenschaften zeigt, maß natOrlich 
ausführlicheren Untersuchungen überlassen werden, aber immerhin 
darf wohl die Aufmerksamkeit der Tierphysiologen auf unsere Be- 
obachtung gelenkt werden. Die hemmende Wirkung eines Glykogen- 
Zusatzes kann selbst in Hängetropfenkulturen leicht beobachtet werden. 

Die Gründe dieser retardierenden Wirkung des Glykogens auf 
die Hefevermehrung sind gleichfalls völlig dunkel. Nahe liegt die 
Vermutung, daß von der Reindarstellung her dem Glykogen ein 
giftig wirkender Körper als Verunreinigung anhaftet. Man könnte 
da an das Quecksilber aus dem Jodquecksilberkalium denken. Aber 
es ist uns äußerst ud wahrscheinlich, daß hierauf die beschriebene 
retardierende Wirkung des Glykogens zurückzuführen sein sollte, 
zumal nach mehrfachen neueren Erfahrungen Gifte in sehr kleiner 
Menge, und um eine solche könnte es sich doch hier nur handeln, 
nicht mehr retardierend, sondern im Gegenteil anregend auf Hefe 
und Bakterien ^) und auch höhere Pflanzen wirken. Hierbei sei auch 
noch bemerkt, daß uns Herr Professor To Ileus freundlichst eine 
kleine Menge eines Glykogenpräparates überlies, welches ihm Herr 
Professor Külz seinerzeit selbst gesandt hatte. Dieses Original- 
material wurde bei einem Vorversuche zu 0,25 Proz., in Hefewasser 
gelöst, verwendet. Frohberg- und Preßhefe wuchsen in dieser 
Lösung ebenfalls sehr schwach, ebenso schwach wie in Hefewasser 
mit 0,25 Proz. Kalbsglykogen unserer eigenen Darstellung. Hefe- 
zählungen wurden hier nicht vorgenommen. Die Hefezellen in der 
Lösung mit Külz'schem Glykogen waren kräftig, zeigten aber keine 
sichere Glykogenreaktion. 

Die Resultate dieser ersten Versuchsreihe gaben Veranlassung, 
zu prüfen, ob die verwendeten beiden Glykogensorten auch in einer 
für Hefe besonders günstigen Nährlösung, nämlich frisch bereiteter 
Bierwürze, in der gleichen Weise retardierend auf die Hefevermehrung 
wirkten. 

Die verwendete Bierwürze für diesen wie für die folgenden 
bezüglichen Versuche wurde aus 250 g gemahlenem Darrmcdz auf 
1 1 Wasser bereitet Dieses Gemisch wurde in bekannter Weise 
zuerst 1 Stunde zur Verzuckerung auf 6b ^ gehalten, dann koliert 
und die P'lüssigkeit bis zur völligen Ausfällung der Eiweißstoflfe 
gelinde gekocht. Die Würze wurde dann filtriert und zum Ersätze 
des verdampften Wassers auf 1 1 aufgefüllt. 

Die in der folgenden Tabelle 2 enthaltenen Zahlen zeigen, daß 
die Resultate dieser Versuchsreihe mit denen der oben besprochenen 
übereinstimmen. Auch hier in der sehr günstigen Nährlösung hatte 
das Kalbsglykogen die Vermehrung der Frohberg-Hefe merklich 
geschwächt und das Kaninchenglykogen zeigte auch hier dieselbe 
Wirkung in noch etwas stärkerem Maße. Der zweite mit Ealbs- 



1) Riebet, De TACtioii de qaelqaes sels metolliqaee eor 1» fermentetiOD Uetiqae. 
(Conptee rendns. Paris. T. CXIV. 189S. p. 1494.) Vgl. Alfred Koch '9 Jdireebericlit. 
1892. p. 170. 



Der VerhAlton der Hefen gegen Glykogen. 



161 



glykogen angestellte Versuch maß hier bei der Betrachtung aus» 
geschlossen werden, da er aus unbekannten Gründen viel schwächer 
gewachsen war, als alle anderen. 

Die FlQssigkeit aller Qlykogenkulturen zeigt auch hier am 
Schlosse des Versuches noch starke Glykogenreaktion mit Jod. 

Tabelle 4. 

Je iO ecm friaehe BienrÜrse besKet mit der gleichen Zellensahl frischer Prohberg- 

Hefe in E rl enmejer-KSibeben. Abgebrochen nach 7 Tagen. 80®. 



Sa 


Wfirse allein 


Wttrae mit 0,5 Proi. 
Kalbaglykogen 


WQne mit 0,5 Pros. 
Kaninchenglykogen 


Hefeemto 


1 Zelle der 

Aosaaat rer- 

mehrt aaf 


Hefeemte 


1 Zelle der 
▲nssaat ver- 
mehrt anf 


Hefeemte 


1 Zelle der 
Aassaat ver- 
mehrt auf 


1 
2 


1050000000 
lOSOOOOOOO 


6i2 
660 


996 000 000 
787 000 000 


609 
461 


919 000000 
968 000 000 


558 
589 



Eine weitere Versuchsreibe wurde angestellt, um zu untersuchen, 
eb der Grad der Vermehrungsschwächung in geradem Verhältnisse 
zu der Menge des zugesetzten Glykogens stände. Die Versuche 
bejahten diese Frage, denn die Vermehrung war bei Zusatz yon nur 
0,1 Proz. Kalbsglykogen zu Fleischeztrakt weniger geschwächt, wie 
bei Zusatz von 0,§ Proz. Die mit 0,5 Proz*. Glykogen versetzte 
Flüssigkeit zeigte am Schlüsse des 12 Tage bei 30^ im Gange 
gehaltenen Versuches noch starke, die mit nur 0,1 Proz. Glykogen 
versetzten Proben schwache Glykogenreaktion mit Jod. 

Tabelle 5. 

Je 30 eoB 1-proa. FleiscbextrakUSsmig mit oder ohne Zusati von Kalbsglykogen oder 

Dextrose in kleinen Erlenmeyer-KSlbchen. „Pre9hefe*<. 12 Tage bei 80 ^ 



Zaeati aar l«pros. Fleiaeheztrakt- 



Hefeernte 
Zellensahl 



Glykogenreaktion der 
FltUsigkeit am Schlosse 



0,5 Fr»- Kalbsglykogen 
0,1 Pros. Kalbsglykogen 



^S Pro«. Dttztrose 



808 000 000 

/ 854 000 000 
\ 851 600 000 

878 000000 

580000 000 



stark 

schwach 
sehwach 



Zwei in diese Versuchsreihe aufgenommene Kulturen mit 1 Proz. 
Fleischeztrakt, 0,5 Proz. Dextrose und 0,5 Proz. Kalbsglykogen waren 
leider so ungleich gewachsen, daß sie von der Diskussion aus- 
geschloesen werden mußten« Auch sie zeigten aber am Schlüsse noch 
starke Glykograreaktion. 

Weiter machten wir dann einen größeren Versuch, ob aus mit 
Ealbs^ykogeD yersetzter Bierwürze Bierhefe mehr Alkohol produzier^ 
als aus reiner Wflrze. Zu diesem Zwecke wurden zwei Kolben mit 
je 400 ccm derselben frischen Bierwürze beschickt, in den einen 



]52 Alfred Koch and Hans Hosasas, 

Kolben 2,6695 g Kalbsglykogen gebracht und beide Gefllfie mit kleinei> 
Mengen frischer Bierhefe versetzt Die mit den durch den Einen 
von uns beschriebenen Sublimatverschlflssen ^) versehenen Kulturen 
standen zunächst etwa 10 Tage bei 30 ^^^ dann noch etwa 45 Tag» 
im März und April im ungeheizten Zimmer. Beide Kulturen warea 
am Schlüsse des Versuches nach mikroskopischer Untersuchung und 
Plattenkultur rein. Die Alkoholbestimmung ergab Folgendes: 
Würze mit Glykogen 16,6752 g Alkokol, 
„ ohne „ 26,574 „ 

Demnach war infolge des Glykegenzusatzes nicht nur kein Alkohol 
gebildet worden, sondern die Gärung war durch das Glykogen^ 
ebenso wie in den oben besprochenen Versuchen die Hefevermehrung^ 
sogar gehemmt worden. Das Resultat stimmt also aberein mit dem 
der oben genannten, bezflglich des Einflusses des Glykogens auf die 
Vermehrung der Hefe angestellten Versuche. 

Ein weiterer hierher gehöriger Versuch, der zeigen sollte, ob 
aus Glykogen Alkohol gebildet würde, wurde leider unrein; es ist 
aber doch vielleicht von Interesse, ihn hier anzuführen. 

300 ccm 1-proz. Fleischeztraktlösung wurde mit 2,6533 g Kalbs- 
glykogen versetzt und in einem etwa '/^ 1 haltenden Kolben mit 
einer kleinen Menge Bierhefe versetzt; die Kultur stand im ganzen 
3 Monate bei 28—30^ und wurde in der ersten Zeit mit Hilfe eines 
in die Flüssigkeit tauchenden, in der oben erwähnten Weise mit 
Sublimat gesperrten Rohres täglich gelüftet Es fiel sofort auf, da& 
die Hefe in dieser Kultur sich nicht merklich entwickeln wollte. Es 
wurde daher im Verlaufe von 2 Monaten im ganzen 4mal frische 
Hefe hineingebracht. Und zwar wurde die Hefe in ein steriles 
Kapillarröhrchen aufgesogen und der ganze Inhalt dieses Röhrchens 
in die Kultur gebracht, so daß es an reichlicher Aussaat nicht fehlte. 
Trotzdem entwickelte sich die Hefe auch nach dem vierten Hefe- 
Zusätze nicht merklich. Wahrscheinlich bei einer dieser wiederholten 
Aussaaten war die Kultur dann leider durch Bakterien verunreinigt 
worden. Jedenfalls zeigte die Flüssigkeit am Schlüsse des Versuches 
noch starke Glykogenreaktion und keine Spur Alkohol. 

Es spricht daher auch dieser Versuch nicht für eine Veigftrung 
des Kalbsglykogens. Die mangelhafte Entwickelung der Hefe in 
dieser Flüssigkeit im Vergleich zu den oben erwähnten kleinen Ver- 
suchen mit Fleischextraktglykogen kann vielleicht so erklärt werden,, 
daß es der Hefe trotz der Lüftung in den tieferen Flüssigkeits- 
schichten an dem zum Wachstume nötigen Atmungssauerstoffe ge- 
brach, da sie durch Glykogenvergärung Energie nicht gewinnen 
konnte. Wir wollen aber auf diese Betrachtung weiter kein Crewicht 
legen, da, wie gesagt, der Versuch durch die hineingekommenen 
Bakterien seine Beweiskraft verlor. 

Da alle diese Versuche nicht dafür sprachen, daß Kalbs- oder 
Kaninchenglykogen der Hefe als Nähr- oder Gärmaterial dienen 
könne, entstand die weitere Frage, ob vielleicht das hypothetische 



1) Alfred Koch, Üeber Verschlüsse and LttftaDgseiDrichtnogen fftr reine Kaltnreo. 
(Centralbl. f. Bakteriologie. Bd. XIIL 1898. No. 8/9.) 



Dm Verhalteo der Hefen gegen Glykogen. ]^53 

Glykogen der Hefe andere EigenBchaften habe und seinerseits für 
Hefs verwendbar sei. Wir versachton daher aas Hefe selbst Glykogen 
daizüstelleo« 

Zur Bereitung des Hefeglykogens wurde etwa 1 kg st&rkefreie 
Preßhefe zunftchst in einer großen Schale mit Bierwflrze aufgegoren 
und w&hrend mehrerer Tage durch successiven Zusatz von Bohrzucker 
zur FlOsaigkeit der Hefe Gelegenheit zur Ansammlung von Beserve- 
stoffen gegeben. Eine besonders kräftige Glykogenreaküon der Hefe- 
zelleu konnte indessen nicht erreicht werden. Die in Wasser auf* 
gerührte Hefe wurde dann mi% 20 g Kali auf dem Wasserbade 
ezhitzt und die FlQssigkeit bis auf 700 ccm eingeengt. Dann wurde 
«nges&tt^ alkalisch gemacht und wieder 3 Stunden auf dem Wasser- 
bade erhitzt. Da eine Filtration auch dann noch als unmöglich sich 
herausstellte, wurde mit dem doppelten Volum 93-proz. Alkohols 
gefallt, nachdem die FlQssigkeit angesäuert und mit etwas Jod* 
quecksilberkalium yersetzt war. Nach 12 Stunden wurde dann der 
Alkohol vom Bodensatze abgehebert und aus dem Bodensatze das 
Glykogen mit Wasser herausgelöst Die saure Flüssigkeit konnte 
indeesen weder kotiert noch filtriert werden. Als sie deshalb alkalisch 
gemacht wurde, setzte sich aber nach einiger Zeit die Hauptmengß 
der wasserunlöslichen Stoflfe in großen Flocken ab und letztere 
konnten abfiltriert werden. Die Flüssigkeit wurde dann wieder an- 
gesäuert, das in Iiösung befindliche Eiweiß mit Jodquecksilberkalium 
gefällt, filtriert und das Filtrat wieder mit dem doppelten Volum 
d3-proz. Alkohols versetzt. Nach Ablauf von abermals 12 Stunden 
wunie der Alkohol abgehebert und der Bodensatz mit Wasser be- 
handelt. Jetzt bewirkte in dieser wässerigen Lösung Jodquecksilber- 
kalium keinen Niederschlag mehr. Nun wurde zur Entfernung einer 
leichten Trübung filtriert und wieder mit 93-proz. Alkohol gefällt 
Der Niederschlag wurde nach dem Abhebern der überstehenden 
Flüssigkeit zuerst mit 40-proz. Alkohol, dann mit absolutem, endlich 
mit Aether gewaschen und über Schwefelsäure getrocknet. 

Diese umständliche und langwierige Operation ergab schließlich 
ungefähr 2 g eines Körpers, dessen wässerige Lösung mit Jod eine 
ähnliche Färbung wie tierisches Glykogen, aber mit einem deutlichen 
Stiche ins Violette, also an die Erythrodextrinreaktion erinnernd, 
zeigte, die beim Erwärmen verschwand und nach dem Erkalten 
wiederkam. Die Lösung reduzierte Fehling'sche Lösung nicht. 
Eine genauere chemische Untersuchung unseres Produktes mußte in 
Rücksicht auf die geringe Ausbeute und die in Aussicht genommenen 
größeren Gärversuche unterbleiben. Ganz neuerdings hat — nachdem 
Errera früher schon versuchte, aus Hefe Glykogen makrochemisch 
darzustellen — Crem er (Münch. med. Wochenschrift. No. 26. 
Sitaui^berichte der Gesellschaft für Morphologie u. Physiologie zu 
München. 1894. Heft 1. Vortrag vom 19. Juni 1894) aus 250 g 
trockener Hefe 13 g Glykogen nach dem Verfahren von Brücke 
isoliert Das Produkt stellte ein weißes neutrales Pulver dar. Seine 
Lösung in Wasser opalisierte, gab mit Jod rote Färbung, mit Baryt- 
wasser einen Niederschlag, reduzierte Fehling^sche Lösung auch 
beim Kochen nicht, wird durch Speichel, Pankreasferment und 



154 Alfred Koeh und Haas Hoiaeaty 

Diastase invertiert und stimmt anch in seiner spezifischen Drehmig^ 
jedenfalls sehr nahe mit dem Leberglykogen Qberein (z. B. ao + 198,9). 
Beim Invertieren mit Salzsäure liefert es Tranbenzuc^er (quantitative 
Bestimmung). Nach Erhitzen mit verdfinnter Oxals&ure unter Druck 
erhielt Cremer wie beim Leberglykogen neben Olukosazon auch 
ein in heißem Wasser und kaltem Alkohol leicht Iteliches Osazon^ 
welches er fQr Isomaltosazon hftlt. 

'Eß ist hier an eine, uns freilich nur aus einem Referate bekannte 
Notiz von Salkowsky^) zu erinnern, wonach Hefecdlulose durch 
langdauemdes Kochen mit Wasser etwa zur Hälfte gelQst wird und 
Alkohol aus dieser L5sung einen Körper fällt, der in der Jodreaktion 
völlig mit dem tierischen Glykogen übereinstimmt, stark rechts dreht^ 
mit Säure gärungsfähiffen Zucker bildet, übrigens aber nicht mit dem 
tierischen Glykogen identisch ist Der glykogenartige Körper aus 
Hefe läSt sich nämlich durch Erhitzen auf 180^ nachdem er vorher 
etwas angefeuchtet worden war, wiederum teilweise in Gellnlose über- 
führen. 

Es muß dahingestellt bleiben, ob die von uns nach dem oben 
geschilderten Verfi^ren aus Preßhefe dargestellte Substanz teilweise 
das von Salkowsky angegebene Cellulosederivat sei. Es sei hier 
auch noch bemerkt, daß wir in den meisten unserer oben beschrie- 
benen Kulturen, und zwar nicht nur in den mit Glykogen oder Zucker 
versetzten, sondern auch in den reinen Fleischeztraktlösungen sehr 
regelmäßig vereinzelte Hefezellen fanden, die sich mit Jod vollkommen 
gleichmäßig rotbraun färbten. Diese Zellen trugen nie junge Sproß- 
zellen und enthielten nur noch Reste von Plasma. Sie waren dem- 
nach offenbar tot und ihre Jodfiärbung rührte vielleicht von dem 
Salkowsky^schen Körper her, der in der absterbenden Hefezelle 
aus der HefeceUulose sich gebildet hatte. 

Mit dem von uns aus Hefe dargestellten Glykogen wurde nun 
eine Versuchsreihe in ähnlicher Weise wie früher mit tierischem 
Glykogen angestellt. Es wurden wieder kleine Erlenmeyer- 
Kölbchen verwendet, von denen jedes 20 ccm Nährlösung der in 
Tabelle 6 angeführten verschiedenen Zusammensetzung enthielt 

Jedes Kölbchen erhielt die gleiche Anzahl Zellen von frisch 
gezogener Bierhefe und die Versuche blieben 28 Tage, und zwar die 
Hälfte der Zeit bei 30®, die andere Hälfte bei Zimmertemperatur im 
Mai stehen. Wie die Tabelle 6 zeigt, war in den zuckerfreien Hefe- 
glykogenkulturen (A und 5) kein Alkohol gebildet worden und in der 
einen der beiden Kulturen (5) war am Schlüsse die Glykogenreaktion 
noch sehr deutlich. In der anderen (4) war aus unbekannten Gründen 
kein Glykogen mehr aufzufinden. Eine Verunreinigung durch Bak- 
terien war nicht nachzuweisen, die Hefe sah kräftig aus. Aus- 
geschlossen ist natürlich nicht, daß im Anfange des Versuches hier 
Bakterien ihr Wesen trieben und das Glykog^ verbrauchten und 
daß nachher die Hefe die Bakterien überwucherte. 



1) E. Salkowiky, FermentatlTe ProiesM In den Gtoweben. (ArehW f. Physlo- 
logid. 1890. p. 654. Alfred Keob's Jihreebericht 1891. p. 90.) 



Dm TarlMltoD der Hefen fegen Glykogen. 
Tkbelle 6. 



166 



c 
2 


der MihrKSeasg 


In der Flflssig- 

kdtseinheltder 

ZUüksmoier 

Zellen 


Glykogen 
▼orhsnden? 


Alkohol 


Zaeker 


, / 0,5 Pros. KAlbsglykogenl 
^X 1 Pros. Flebehextrekt f 


40,1 


Ja 


Nein 


Nein 


t 


«8,4 


Je 


Nein 


Nein 


ll 


«7.8 


Je 


Nein 


Nein 


. rO,5 Pto«. HefeglTkogen \ 
^\ 1 Pkoi. FleisebestrAkt/ 


15,8 


Nein! 


Nein 




^ 


«8,5 


Ja 


Nein 


Nein 


6 . 1 Prom. Flelsehextrakt 


86,8 








r0,5 Pros. Hefeglykogen 
7|.0,5 Pros. Dextrose 
l 1 Pros. Flettekextraktj 


«6,7 


Ja 


Ja 




8. ! 


69,4 


Ja 


Ja 


Nein 


9. „ 


61,0 


Ja 


Ja 


Nein 


0,5 Pros. Kalbegljkogen] 
10. 0,5 Pros. Dextrose 

1 Pros. FlelsebextrsktJ 


61,0 


Ja 


Ja 


Ndn 


11. i n 


67,5 


Ja 


Ja 


Nein 


It . » 


96,8 








,^ f!o,5 Pros Dextrose \ 
" { l Pro». Pleischextrskt/ 


68,8 








14. 


63,4 








'M 


M 


68,« 









In der -dextroeefreien Hefeglykogenkultur (6), welche die Qlyk<^en- 
reaktion mit Jod in der FlQssigkeit am Sdilnsse noch kr&ftig zeigte, 
war in den Hefezellen nnr hin nnd wieder etwas diffuse Glykogen- 
firbnng zu beobachten. 

Auch in den Hefeglykogendextrosekultoren (7, 8, 9) war auch 
am Schlosse das Glykogen noch in der Flüssigkeit sehr kräftig nach- 
zuweiaeo. 

In den dextrosefreien Kalbsglykogenkulturen (1, 2, 8) war auch 
bJCT kein Alkohol entstanden und kein Feh ling 'sehe LOsung redu- 
zierender Zucker aus dem Glykogen durch die Hefe gebildet worden. 
In dieaen und den dextrosehaJtigen Kalbsglykogenkulturen 10, 11, 12 
war am Schlüsse des Versuches das Glykogen noch sehr stark in der 
FHtasigkeit nachzuweisen. 

iüle Untersuchungen auf Alkohol wurden in abdestillierten Proben 
mit Hilfe der Jodoformreaktion yorgenommen. 

Eine retardierende Wirkung des Hefe- oder Ealbsglykogens tritt 
in den dextrosehaltigen Kulturen (7—16) hier nicht hervor. In den 
dextroeefreien Kulturen (1—6) war die Hefevermehrung bei Gegen- 
wart TOD Kalbsglykogen etwas und bei Gegenwart von Hefeglykogen 
Dodi etwas mehr gegenober deijenigen in reinem Fleischextraükte 



156 



Alfred Koch und Harn Hoift«ai, 



geschwächt, doch bedarf dieser Befund der NachprQfung, weil der 
HefeglykogeDversuch No. 4, wie oben erwähnt, unsicher ist und ein 
weiterer Hefeglykogenversuch, sowie zwei weitere Kulturen in reinem 
Fleischeztrakte bald unrein wurden und aus der Versuchsreihe leider 
entfernt werden mußten. Außerdem war Versuch 1 erheblich stärker 
als die beiden anderen ebenso zusammengesetzten (2 und 3) ge- 
wachsen. 

Fast der ganze Rest des von uns dargestellten Hefeglykogens 
wurde nun zu einem Versuche verwendet, welcher zeigen sollte, ob 
Bierhefe in Wtirze, also einer ausgezeichneten Nährlösung, aus dem 
Hefeglykogen Alkohol bildet Zu dem Zwecke wurde zu 900 ecm 
frisch nach dem oben angeführten Rezept bereiteter Bierwürze 
1,9122 g Hefeglykogen gesetzt und ein zweiter Versuch mit der 
gleichen Menge derselben Bierwürze ohne Hefeglykogen angesetzt 
Beide Versuche befanden sich in Va Liter-Kolben, die mit Kautschuk- 
pfropfen und Sublimatrohren verschlossen waren. Beide Flüssigkeiten 
wurden mit frisch gezogener Bierhefe besäet und 75 Tage der 
Gärung überlassen. Anfänglich wurden die Kulturen öfters gelüftet 
und standen bei 30*, später wurden sie in sommerlicher Zimmer- 
temperatur gehalten. 

Am Schlüsse wurde gefunden, daß die Kulturen rein geblieben 
waren und daß folgende Alkoholmengen sich gebildet hatten. 

Tabell« 7. 



Probe 



g Alkohol 
in 100 ccm Wfine 



Spes. Gewicht des Destillates ▼on 
50 ecm auf 100 ccm aufgefüllt 



Wfirie ohne 
Olykogen 

Wfine mit 
Olykogen 



4,34 
4,16 
4,20 

8,84 
8,20 
2,81 



0,99222 
0,99262 
0,99246 

0,99392 
0,99416 
0,99482 



Von jeder Kultur wurden also 3 Proben zum Vergleich analysiert. 

Es ergiebt sich also auch hier das sonderbare Resultat, ganz wie 
bei dem oben angeführten Versuche mit Bierwürze und Ealbsglykogen, 
daß bei Zusatz von Hefeglykogen zur Würze nicht nur nicht mehr 
Alkohol gebildet wird, sondern sogar merklich weniger wie in 
glykogenfreier Würze. Demnach wird auch aus unserem Hefeglykogen 
kein Alkohol durch Bierhefe gebildet, ja es wirkt das Glykogen sogar 
etwas g&rungshemmend. 

Wir haben also gefunden: 

1) Daß Anwesenheit von Glykogen in einer Nährlösung die Ver- 
mehrung der Hefe nicht, wie es sonst gute N&hrstoffe, z. B. 
Dextrose, thun, erhöht; 

2) die dargebotenen kleinen Glykogenmeagen auch nach langer Zeit 
unter dem Einflüsse der verwendeten Heferassen aus der Nähr- 
lösung nicht verschwinden, während sie von verschiedenen, in 
unseren Kulturen als Verunreinigung aufgetretenen Bakterien 



Dm Varhalten der H«f«B gegen Glykogen. 157 

Bchnell 80 serseist werden, daß die NfthrldsuDg nachher die 
GlykogeojodreaktioD nicht m^r zeigt; 

3) auf Kosten des gebotenen Glykogens kein „Glykogen" in der 
Hefesselle auftritt i); 

4) aaf Kosten des in der Nährlösung gebotenen Glykogens kein 
Alkohol von den drei Heferassen gebildet wird, wie zahlreiche 
kleinere und große Kulturen uns zeigten; 

5) aUe diese Erscheinungen auch die Frohberg- Hefe zeigte, 
welche sich vor anderen Hefen dadurch anazeichnet, daß sie 
Maltodextrine noch zu vergftren yermag, wozu andere Bierhefen 
nicht imstande sind; 

6) die verwendeten Glykogensorten die bemerkenswerte Eigenschaft 
zeigten, daß ihre Gegenwart die Hefeemte und die Menge des 
bei der G&rung gebildeten Alkohols sogar etwas vermindert, 
sowohl in schlechterer N&hrlOsung (Fleischeztrakt), wie in sehr 
gpter (Bierwttrze); 

7) die drei verwendeten, von uns nach Külz*schem Rezept aus 
Kaninchenleber, Kalbsleber oder Preßhefe dargestellten Glykogen- 
aorten sich in allen den angedeuteten Beziehungen qualitativ 
gleich verhielten, quantitativ zeigten sie hinsichüich der Ver- 
mindernng der Hefevennehrung kleine Unterschiede. 

Aus diesen Versuchen folgt, daß unsere Hefen auf Kosten des 
in der NÜurlOsung gebotenen Glykogens weder sich zu ernähren, noch 
dasselbe in ihrem Innern zu speichern, noch zu vergären vermögen. 
Daß sie das Glykogen nicht direkt aufnehmen, erscheint erklärlich, 
da nmn annimmt, daß Glykogen mit Wasser keine eigentliche Lösung 
(Errera, Epiplasme des Ascomycdtes), sondern eine Art dünnen 
Kleisters giebt. Aber unsere Versuche ergeben auch, daß die Hefen 
kein in die umgebende Flüssigkeit diffundierendes Ferment bilden, 
wdcbes ans tierischem oder Hefeglykogen eine gärungsfähige, diffu- 
siUe Substanz bildet Denn sonst hätten wir in unseren Glykogen- 
koltoren Alkohol finden müssen. Daß aber andererseits gärungsfäbige 
Zoekerarten aus Leberglykogen unter dem Einflüsse von Fermenten 
eotstehen, ist genugsam bekannt und Gremer^) zeigte ganz neuer- 
diags, daß das von ihm isolierte Hefeglykogen durch Speichel, 
Pankreas und Diastase^) invertiert wird und daß aus durch Auf- 
getoteter Bierhefe Speichel oder Diastase das Glykogen ent- 



Dagegen lassen unsere Besultate immerhin die H(telichkeit noch 
daß Hefe das in ihrem Innern aus hineindiffundierten Zucker« 
artea oder auf andere Wase entstandene Glykogen mit oder ohne 
vorhergegangene fermentative Umwandlung zu vergären vermag, wie 
die herrschende Selbstgärungshypothese annimmt. Aber unsere Re- 

1) JHm battitigt Ar Lebergi/kogeD «In« gmis neuerdingi too Gr«m«r gemachte 
MitteilBt (ZtMbr. f. Biologie. Bd. XXXI. 1S94. Heft S), wfthrend Laurent (Kocb'a 
J^neberiekt. 1890. p. 57) daa Gegenteil angiebt. 

1) MfiBcb. BMd. Woebensehr. 1894. Mo. 26. 

8) Hefe bildet nach Laurent aacb etwas Diaetase. (A. Koob's Jabresberiobt. 
1890. II. 87.) 



158 A. J. Wiltiehar, 

soltate scheinen uns immerhin zur Vorsicht bei der Annahme dieser 
Hypothese zu mahnen und zu weiterer PrOfong derselben aufzu- 
fordern j). 

Geisenheim, ?• Juli 1894. 



Neuere Data zur Bakteriologie der Gtiolera. 

Von 

Dr. A. J. Wiltsehnr, 

ordiniarender Arst am itidütcheii Obaehow-HospiUl ia St. P«tenborg. 
Kits Figmn«) 

Zehn Jahre sind bereits vergangen seit der epochemachenden 
Koch'schen Entdeckung des ,,Kommabacillus^\ Trotzdem in 
dieser Zeitperiode auf dem Gebiete der Bakteriologie im allgemeinen 
Bedeutendes geleistet worden ist und trotz des groSen Fleißes, der 
auf das spezielle Studium des Eommabacillus verwandt worden 
ist, ist die Frage von der Abhängigkeit derOholera asiatica von 
letzterem bis jetzt noch nicht definitiv entschieden; neben Forschern, 
die diese Abhängigkeit zugeben, giebt es wieder andere, die dieselbe 
leugnen und andere Bakterien als ätiologisches Moment anführen. 

Die Geschichte dieser Frage läßt sich in wenigen Worten wieder- 
geben: Als im Jahre 1883 in Egypten die Cholera ausbrach, rüstete 
» die deutsche Regierung eine wissenschaftliche Expedition aus, an 
deren Spitze B. Koch stand, mit der Aufgabe, die Krankheit an 
Ort und Stelle zu studieren. 3^/, Wochen nach seiner Ankunft in 
Egypten berichtete K. dem Minister Bütti eher, daß es ihm gelungen 
sei, in den Stühlen Cholerakranker ein Bacterium zu finden, das 
er als spezifisch für Cholera asiatica ansehe. Da die Epidemie 
in Egypten bereits im Erlöschen begriffen war, so bat K. seine 
Regierung um eine Kommandierung nach Indien zur Fortsetzung 
seiner diesbezüglichen Studien. Im ganzen konnte er in Indien und 
Egypten 174 Cholerafälle beobachten und sind die Ergebnisse seiner 
Studien der ganzen medizinischen Welt wohl bekannt Nach seiner 
Rückkehr aus dem Oriente in Berlin enthusiastisch empfangen, fesselte 
der geniale Forscher eine Zeitlang die Aufinerksamkeit der ganzen 
gelehrten Welt. Um den wissenschaftlichen Triumph, der K. zu teil 
wurde, zu bereifen, muß man einen kleinen Rückblick machen. 
Heutzutage ist man an die bakteriologischen Entdeckungen gewöhnt 

1} In einer nach AbsehluA dieses Mannskriptea «nchieDenen Arbeit Ober alko- 
holische Gftrang findet Übrigens Ghndiakow (Landw. Jahrbttcher. 1894. Heft S/8), 
daA Hefe fiberhanpt nor „Selbstglmng** leigt, wenn ihr Glykose rar Verffignng steht 
Diese Glykose könne ans den Hefesellen selbst stammen, wenn die Hefe In snoker- 
faaltiger Flfissigkeit vorkultiviert wurde, oder sie könne dnroh der Hefe beigemengte 
Bakterien ans dem Sehleime, den die Hefe secernlert, oder ans dem ans absterbendeo 
Hefesellen heraustretenden ,fGlykogen'* gebildet werden. Diese Besnltate Chudis- 
kow's würden also indirekt die unserigen beetfttigen. 

S) Die Autotypieen sind, um ein sehlbferes Bild ra enielen, auf */,|| rerkleliMrt 
worden. Bed. 



Neuere Data snr Bi^teriologie der Cholera. X59 

QDd im Gegenteil Terhält man sich denselben gegenüber eher etwas 
flkeptisch. Anders war es vor etlichen 15—20 Jahren. Ein Forscher, 
der damals hätte sagen können : ,,Hier in diesen Reagenzgläsern be- 
fioden sich die Keime aller schrecklichen Krankheiten, die das 
Menschengeschlecht decimieren und kann ich mit denselben nach 
Belieben Tuberkulose, Diphtherie, Rotzkrankheit, Typhus abdominalis, 
Errsipelas, Pyämie eta hervorrufen'S würde ein allgemeines Aufsehen 
erregt haben. Dem Erfolge von K. auf dem Gebiete der Cholera- 
atiologie kam der Umstand zu gute, daß er erst yor kurzem den 
Toberkelbacillns entdeckt hatte. Ungeachtet aber aller Be- 
stechlichkeit der K.'schen Entdeckung, ungeachtet des streng wissen- 
schaftlichen Verfjfthrens, das er dabei angewandt, wurde seiner Theorie 
eine strenge Kritik zu teil, besonders seitens eines Forschers, der, 
dank seinen großen wissenschaftlichen Verdiensten, auf dem Gebiete 
der Hygiene und Epidemiologie als der kompetenteste Richter in 
dieser Frage angesehen wurde. Ich erinnere hier an die Einwürfe, 
diePettenkofer Koch gegenüber auf der ersten Berliner Cholera- 
konferenz machte. P. (1) sprach dem Kommabacillus jede 
ätiologische Bedeutung ab, sah einen Widerspruch darin, daß K. 
Bicht imstande war, bei Tieren die Krankheit experimentell heryor- 
^orufeD, ferner, daß er bei dem von ihm beschriebenen Mikrooiga- 
nismus keine Sporen fand etc. Dank diesen Einwürfen ist die erste 
BerliD^ Konferenz, kann man wohl sagen, zu keinem Resultate 
gelangt. Bald nach derselben brach in Europa die Cholera aus. 
Auf diese Weise hatte man die Gelegenheit, die von K. ge- 
woDDenen Ergebnisse einer weiteren Prüfung zu unterziehen. Als im 
Jahre 1886 nach der südeuropäischen Epidemie in Berlin die zweite 
Cholerakonferenz (2) zusammentrat, erschienen K.'s Gegner daselbst 
AOflcheinend mit einem neuen Vorrate von Thatsachen gerüstet P. 
stfltzte sich jetzt auf eine ganze Reihe bakteriologischer Unter- 
SQchuDgen. Er hielt die von Finkler-Prior bei Cholera nostras 
koQstatierten Vibrionen, sowie die von Miller (in kariösen Zähnen) 
Qod von Deneke (in altem Käse) beschriebenen Mikroorganis- 
men für ganz identisch mit dem Koch'schen Kommabacillus. 
Aaler diesen sozusagen negativen Thatsachen verfügte P. anscheinend 
aach über einige positive Data. Er führte die Beobachtungen von 
Emmerich (3) an, der während der Choleraepidemie in Neapel 
«ineo Bacillus fand, welch letzterer bei Tieren eine choleraartige 
Erkrankung hervorzurufen imstande war und den er auch für den 
qiezifischen Choleramikroorganismus hielt K. dagegen fand eine 
BestAtiguDg seiner Ansicht 1) darin, daß es ihm damals bereits ge- 
longen war, bei Tieren die Oiolera experimentell hervorzurufen 
jMdi Nentralisierung des Magensaftes und subkutane Injektion von 
T. Opii), 2) in den Experimenten von N icat i und Riet seh (Unter- 
mndang des D. choledochus) und 3) in den Untersuchungen anderer 
rorscher, die während der Cboleraepidemie in Europa den Komma- 
bacillus ebenfalls üetaden. Indem ich hier die Details des höchst 
mteressanten und geistreichen Streites zwischen K. und P. auf der 
zweiten Berliner Cholerakonferenz übergehe, muß ich bloß noch hinzu- 
ftgen, daß andi diese Konferenz resultatlos verlief. 



160 A. J. Wilttehnr, 

Die meisten Forseber, die die sQdeQropäische Choleraepidemie 
beobachteten, bestätigten K.'s Ansichten. Hierher gehören die Arbeiten^ 
▼on Cornil und Bab^s (4^ in Paris, von Ermengem (5) in 
Marseille und in Spanien, Nicati und Rietsch (6) in Marseille, 
Watson-Cheyne (7)und Do7en(8)in Paris. Schottelius (9) 
gab auf Grund seiner Turiner Beobachtungen an, daß es ihm stet» 
gelungen sei, denKommabacillns in Kulturen zu finden, dagegen 
bei mikrosicopischer Untersuchung gelang ihm dies nicht immer, 
weswegen er auch seine bekannte Methode (Bouillonkulturen) yor- 
schlug. Simone (10) bestätigte K^s Angaben auf Grund seiner 
Beobachtungen in Palermo. Dasselbe gilt auch von Caneatrini 
und Marpurgo (11) in Padua, Tizzoni und Cattani (12) in 
Bologna, Lustig (13) in Triest. Weißer und Frank (14) 
untersuchten mikroskopische Präparate aus Cholerastühlen von 90 
Kranken, dieK. aus Indien von Dr. Dissent geschickt wurden, and 
fanden in 83 Fällen den klassischen Kommabacillus. Nur 
Klein (16), der von der englischen Regierung nach Kalkutta ge^ 
schickt wurde, um K.'8 Angaben an Ort und Stelle zu prüfen] 
leugnet auf Grund seiner Beobachtungen jede ätiologische Bedeutung 
des Kommabacillus und hält denselben für ganz identisch mit 
den von Lewis beschriebenen Vibrionen. Aus dieser kurzen Ueber^ 
sieht ergiebt sich, daß die in verschiedenen Gegenden Europas ge^ 
machten Cholerabeobachtungen die Angaben von Koch vollständig 
bestätigen. Trotzdem traten als seine Gegner folgende Forscher auf i 
Emmerich (16), Pettenkofer(17),Kl ein undBochefontainfl 
(19). Die beiden letzten Forscher beriefen sich auf Versuche, die si^ 
an sich selbst angestellt, indem sie aus frischen Cholerastahlen be^ 
reitete Pillen verschluckten. Nach AnfhOren der Choleraepidemie ifl 
Europa beschäftigten sich die meisten Forscher in den Laboratorieil 
mit Dtudien von CSiolerakulturen und die Frage trat in eine ändert 
Phase ein: Man experimentierte an Tieren mit frischen Kulturen, mii 
durch das Kocben abgetöteten Kulturen, mit Stoffwechselproduktei] 
des Kommabacillus etc. Man studierte femer die biologischen 
Eigenschaften des Bacillus, seine Lebensfähigkeit im Flußwasser 
in sterilisiertem Wasser, im Boden, in den Stühlen in (Jemeinschafi 
mit anderen Bakterien und erst im Jahre 1890 gab Cunninghan 
(20) seine Arbeit über Cholera in Kalkutta heraus» C. beschreibi 
zahlreiche Gholerafälle, in denen er keine Spur von Kommabacille^ 
fand. Dieser Umstand veranlaßte ihn, die letzteren in den Fället 
ihres 'Vorhandenseins genauer zu studieren. Als Resultat diese^ 
Studien waren 10 Species von Vibrionen, die er durch ihre Größe 
Form der Windung, Wachstum auf Gelatine von einander unter 
scheiden konnte. Auf Grund dieser Beobachtungen leugnet er jed< 
ätiologische Bedeutung des Kommabacillus und behauptet, K 
hätte willkürlich eine der von ihm beschriebenen (10) Species ah 
Choleramikroorganismus angenommen. Nach C.^s Ansicht ist del 
Kommabacillus nicht die Ursache der Cholera, sondern derselbe 
tritt in den Cholerastühlen erst sekundär auf. Peter (21), au! 
Grund seiner Beobachtungen während der letzten Pariser Epidemie 
nimmt die Identität der Cholera nostras und der Cholerf 



Nentre Data lor Baktoriologia der Cholera. 161 

aaiatica ao. Wenn die Cholera in Mekka und Gaogesdelta andere 
Eigenschaften hat, so hänge dies nach P.'s Ansicht davon ab, daß 
es dort wärmer und schmutziger sei. Nur mangelhafte Sanitäts- 
Terfaältiiisse seien imstande, eine Epidemie hervorzurufen; der 
Kommabacillus sei aber daran gar nicht schuld. Eine erOßere 
Arbeit Qber Cholera asiatica ist in den „Annales de rinstitut 
Pastear"' von Lesage und Macaigne (22) erschienen. Dieselben 
habeo bakteriologische Untersuchungen an 201 Cholerakranken im 
Hospital St. Antoine, in der Abteilung des Prof. Hayem w^rend der 
letzten Pariser Choleraepidemie angestellt Alle von ihnen unter- 
suchten Fälle haben sie in 4 Kategorieen eingetheilt: 1) in Fälle, in 
denen man neben einander Kommabacillus und Bact. coli 
communis fand; 2) Fälle, in denen die beiden ebengenannten 
Spedea gleichzeitig mit anderen Bakterien vorkommen ; 3) Fälle, in 
denen nur Bact» coli commune als Reinkultur konstatiert 
wurde, und endlich 4) Fälle, in denen Bact coli commune 
in Gemeinachaft mit anderen Bakterien angetroffen wurde, bei 
totaler Abwesenheit des Kommabacillus. Die Yerff. heben 
hervor, dafi im klinischen Verlaufe der Fälle kein Unterschied 
zu konstatieren war, gleichviel von welcher Bakterienspecies 
die Krankheit anscheinend abhängig war. Infolge dieser Ergeb- 
nisse ihrer bakteriologischen . Untersuchungen stellen die VertT. 
die Frage au( als was sollte man die Pariser Epidemie von 1892 
anfisasen? Sollte man dieselbe als ein gleichzeitiges Auftreten von 
Cholera nostras und Cholera asiatica oder als letztere allein an- 
sdien? Die Verff. entscheiden diese Frage im letzteren Sinne und 
nehmen an, daß die Cholera asiatica in den von ihnen be- 
obachteten Fällen teils durch Bact coli commune, teils durch 
den Kommabacillus, teils durch ein Gemisch verschiedener 
Bakterien hervorgerufen worden wäre. 

Benon (23) fand bei 4 Cholerafällen 2mal den klassischen 
Kommabacillus und 2mal Bact coli commune. 

Bartoschewitsch(24)fand bei 26 Cholerafällen den Komma- 
bacillus nur ISmal. 

Saawtschenko (25) referierte in der Gesellschaft Kijewer 
Aerzte ttber die von ihm während der letzten Epidemie in dieser 
Stadt beobachteten verschiedenen Arten von Cholerabakterien. Leider 
pAi er keine morphologische Beschreibung derselben und begnügt 
sidi nur mit deren Unterscheidung nach verschiedenen Graden der 
Virulenz. 

Am la Febr. (a. St) 1898 referierte Prof. Lösch in derselben 
Gesellachaft aber die Choleraepidemie in K^ew. Eigene Beobach- 
tongen, sowie Studien diesbezflglicher Utteratur zwangen L. zu der 
Annahme, der Kommabacillus sei nicht die einzige Ursache der 
Cholera. Bei der Untersuchung von Cholerastahlen von 14 Kranken 
{und er in allen einen dem Kommabacillus ähnlichen Mikro- 
otgamaous und neben ihm zahlreiche cholerabacillusartige Mikroorga- 
nimen und Vibrionen, sehr verschieden nach Größe, Form und Be- 
wegungen. £s ist unmöglich, anzunehmen, sagt er, daß dies nur 
verschiedene £ntwickelungsstufen desselben Mikroorganismus seien. 



182 ^' ^' Wiltsohur, 

Wie wir gesehen haben, haben die Einwürfe, die vor 10 Jahren K. 
seitens P. gemacht wurden, auch heutzutage noch zahlreiche An- 
hänger. Und dies ist auch der Grund, daß die seinerzeit yon Koch 
aufgestellte Theorie nicht allgemein acceptiert ist. 

Die schon frQher erwähnten Experimente von Roche fontaine 
und Klein mit aus Gholerastflhlen bereiteten Pillen, sowie die 
neuesten Experimente von Pettenkofer und Emmerich mit 
Reinkulturen von Cholerabacillen haben viele Forscher sozusagen ganz 
in Verwirrung gebracht. 

Indessen von der theoretischen Ueberzeugung des Arztes hängen 
auch die von demselben anzuordnenden Maßregeln ab. Allerdings 
ist du Teil dieser Maßregeln während einer Epidemie obligatorisch, 
unabhängig von der persönlichen Ueberzeugung des Arztes, aber es 
ist ein großer Unterschied, ob der Arzt von der Zweckmäßigkeit 
ditöer Maßregeln überzeugt ist, oder aber, ob derselbe sie nur auf 
Befehl der hohen Obrigkeit ausführt Endlich sind auch die W011 
Staats wegen angeordneten sanitären Maßregeln von dieser oder j^ner 
gemeinschaftlichen Theorie abhängig. 

Auf diese Weise stehen wir demnach, 10 Jahre nachrder Koch- 
seben Entdeckung des Kommabacillus, nach vpie vor vor der 
Frage: Wodurch wird die Cholera asiatica herforgernfen? Wird 
diese Krankheit durch den obenerwähnten M(kroor(|anismus allein 
oder durch denselben in Gemeinschaft mit Khderen Mikroorganismen 
hervorgerufen ? Verdankt dieselbe nicht^ am Ende ihre Entstehung 
dem Bacillus coli communis unter gewissen, nicht näher be- 
kannten Bedingungen ? Oder kommt dabei in Betracht ein^ ganzes 
Gemenge von Bakterien, die mit dem Kommabacillus nichts 
gemein haben? 

Da ich in den Jahren 1892 und 1893 im städtischen Obucbow- 
Hospital eine Choleraäbteilung leitete, so habe ich Gelegenhdt ge- 
habt, einige klinische und bakteriologische Beobachtungen zu machen. 
Indem ich die Besprechung meiner klinischen Beobachtungen mir 
einstweilen noch vorbehalte, will ich in vorliegender Arbeit nur Ton 
den bakteriologischen Beobachtungen sprechen. Im Jahre 18S3 
standen unter meiner Beobachtung 106 Gholerakranke. Von diesen 
wurden 70 bakteriologisch untersucht, d. h. ihre Stahle wurden 
mikroskopisch untersucht, auch wurden aus denselben Kulturen (Platten) 
bereitet. Und bei dieser Gelegenheit fand ich in allen 
Plattenkulturen ohne Ausnahme im Anfange Mikro* 
Organismen, die weder in morphologischer noch in 
biologischer Beziehung an den Kommabacillns er- 
innerten, wie solcher von K. beschrieben wurde. Ich 
verfuhr bei meinen Untersuchungen folgendermaßen: Aus frischen 
Cholerastühlen machte ich mikroskopische Präparate, auch i?urden 
aus denselben Plattenkulturen auf 10 Proz. F. P. G.*) (alkalische) in 

1) Ich tage absichlHch auf »IkalUeber Gelatine. Noch Im Jahre 189S (»8) wi«« 
ich darauf bin, dab die ichwaeh alkaliseh reagierende and noeh mehr die leioht saiMr 
reagierende Gelatine sehr leicht Veranlastang lu falMhen Sohlflasea geben k5iiii«n; 
und wahrscheinlich geben derartige Gelatinen nicht selten negatire Besaltate, wo ia 
den Stühlen höchst wahrscheinlich lebende Cholerabacillen waren. Nach der Hambiir|(«r 



M«iMre D«U stir Bakteriologi« der Cholera. IQg 

Petri'seheo Schalen bereitet Plattenkultaren blieben bei Labo- 
morioiDstemperataren und im Thermostaten bei 80^ C. Nach 1—3* 
Dtti a Standen worden dieselben untersucht Kolonieen von ver- 
Bchiedeoem Aussehen wurden su mikrosicopischen Präparaten benuixti 
isner wurden aus denselben Kolonieen auch Sticbkuituren gemadit 
Prlptrate von Plattenkulturen wurden mit denen von Stichkulturen 
urglichen. Aus erhaltenen Beinkulturen wurden weitere Kulturen 
gODacht Letztere wurden auf F. P. 6., F. P. B. und F. P. A. 
wimpft, desgleichen auck auf sterilisierte Milch und alkalislerte 
Kirtofid. KfthrbMen, die die Körpertemperatur yertrugen, wurden im 
AenDostaten bei 37^ gehalten. Die Details der bakteriologischen 
CDtermchang als allgemein bekannt voraussetzend, muß ich nur 
kiozofagen, daß jede untersuchte Kolonie genau studiert wurde und 
tUe ÜDtersuchungsmethoden , die dabei zur Anwendung kamen, 
Ktiert wurden. Jede der bei mir aufbewalirten Kulturen bat ihre 
Gaealogie, mit der Krankengeschichte des betreffenden Patienten 
ufuigeod und mit der letzten Impfung in 10.— 20. u. s. w. Generar 
^ endend. Nach 24—36 Stunden zeigten die Plattenkulturen, 
lie bei 20^ C aufbewahrt waren, ein außerordentlich originelles 
AiBBehen (Fig. 1): die ganze Platte erschien wie besftet mit 
Ueisen Stearintropfen von verschiedener Größe. Auf dem durch- 
schtigen Gelatinefond waren regelmäßige milchweiße Kreise mit mehr 
daoUeD Punkten im Centrum deutlich sichtbar. Wenn 2 oder 
aehrere Kolonieen nebeneinander lagen, so änderte sich demgemäß 
^ das Aussehen der Kolonieen (Fig. 1)^). Das Wachstum 
te Kolonieen (auf Platten) beginnt nadi 10—18 Stunden, indem 
uf der Oberfläche weiße Punkte erscheinen. Um die letzteren 
IttQm beginnt bereits die VerflQssigung der Gelatine; in dem Maße, 
^ die letztere verflQssigt wird, erscheint die ursprOngliche Kolonie 
ii der verflOssigten Gelatine wie aufgelöst Je jQnger eine Kolonie 
K desto schärfer ist deren centraler Teil (Fig. 1) ausgeprägt 
*^ weiter der VerflOssigungsprozeß fortschreitet, desto stärker 
TerUeisert sich die im Centrum der Gelatine gelegene Kolonie 
vd verwandelt sich dieselbe in einen kaum sichäaren Punkt 
(% 1), oder sie erscheint vollständig aufgelöst, so daß die 
me K(4onie in dieser Periode ganz homogen ist (Fig. 2). 
™delt es sich um eine spärliche Aussaat, so kann eine Kolonie 
^ 3->4 Tagen die Hälfte einer P et r loschen Schale ein- 
^hmen, dabei ihre runde Form beibehaltend. Aber nicht in allen 
^eo ist das Wachstum der Kolonieen so energisch. Gewöhn- 
^ hat die Platte nach 36—48 Stunden das Aussehen, wie es 
^ der Flg. l dargestellt ist Dieser unterschied in der Wachs- 
^^ergie wurde nicht allein bei Kulturen konstatiert, die ver- 
^^Äedeoen Kranken entnommen wurden, sondern auch auf ein 
^d derselben Platte, wie Fig. 1 zeigt. Daß alle diese Kolonieen 
^[^ versc hiedene Entwickelungsstufen ein und derselben Spedes 

y^nU wirdm di« Fofteh«. dAnmf aofnMrkMun, nnd Jetit besteht darttber bereits 
^pvCw Utterater. 

i) Alle Pbotogramme wurden too Magister A. A. Berghols «nfgeiiomtteo, woRbr 
''^ 9n sehr deokber bin. 



164 A. J. Wiltiehnr, 

waren, habe ich mich darch Kontrollimpfangen (aaf Platten) aoi 
yerschiedeDen Kolonieen Oberzeagt Unter dem Mikroekope pdk 
sentieren sich die Kolonieen (Fig. 3) lareisruod, mit scharf g& 
zeichneten Bändern. Ihre Stniktar ist konzentrisch. Die aoferi 
Zone: ist von brauner Farbe, die mittlere fast dmxhsichtig and di( 
innere dunkelbraun; im Centrum des Kreises liegt ein dankte 
Punkt, entsprechend dem Punkte der Kolonie, wie man es auf d« 
Fig. 1 sehen kann. Das ganze Gebilde ist yon körniger Beschaffen 




Fignr 1. Pe tri- Schale in Datflrlicher GröB«. Platteokiiltar aas CholvraatlU 
nach SB-stfiDdigem VerwtileD im Thennostaten bei tO* C. Laotar Cholarakoloni^ 
JQngare mit deutlieh aiugebildetem Centralteii und mit lehmaler VerflttssigBiigsaoiiey ftl 
mit kaun wahrnehmbarem Centralteii in Gestalt eines Pnaktes und mit Terhaitnisn^ 
breiter Verflfissigongssone ; endlich gani alte — gani verAfissigte und homogene. 

heit. Wenn eine Kolonie von homogener Beschaffenheit ist, d\ 
präsentiert sich dieselbe unter dem Mikrosk<^ fast ganz hell, 
hellgrauer körniger Beschaffenheit, mit schmalem, hellgrauem Ra 
an der Periphorie und mit ähnlich gefärbter geringfügiger Masse 
Gentrum (Fig. 2). 

Stichkulturen in Beagenzgiftschen auf F. P. G. 24 Standen 
Thermostaten bei 20® R gehalten, glichen den Gholerakultaren s 
mit dem Unterschiede, daß die letzteren eine derartige Entwicke] 
erst nach 72 Stunden darbieten und daß das Luftbläschen im ob< 
Teile in meinen Kulturen fast stets fehlte (Fig. 3). 



Keocre DaU mr BftkUriolofl« dtr ChoUrm. 105 




RgvS. 

nteia 



hoBiOKtne Koloni« in omtflrlieber GröB« oaeh 40-fttflDdlf«iii Vtr- 
iMi SO* C. 




Rfv S. Bm KoIobI« TOD Fig. 1, mit «ioMi Puikt« ia Centmoi. SöomiI tmt- 



166 



▲. J. Wiltsehar, 



Nach 24 Standen ging die Verflaeeigang im BeagenzgUschen w 
rasch vor sich, daß bereits nach 4— ömd 24 Standen fsst die ganze 
Gelatine verflüssigt and die ganze Koltar za Boden gesanken wai 
(Fig. 4). 

Im allgemeinen erinnert das Wachstam in diesem Falle sehr ai 
das des Finkler-Prior'schen Bacillas. 

Was den Unterschied in der Geschwindigkeit der VerflflasigODi 
von P. F. G. betrifft, so war derselbe bei Stich- and Plattenkultaren gam 
gleich. Aaf schief erstarrtem Agar war das Wachstam aach eii 
sehr rasches: nach 24 Standen präsentierte sich die ganze Agar 
fl&che bedeckt mit grauem Anflug. In F. P. B. bildeten sich keim 




No. 1. 



No. S. 



No. 8. 



No. 4. 



Figur 4. Boinknlttireii in natttrlieber GrSfte: RoagensfrlM No. 1 — 86 Stnod« 
nach der Impftmg; No. 2 — 50 Standen; No. 8 — 7S Standen; No. 4 — 601 
S4 Standen nach der Impfling. 

Häntchen weder bti Laboratoriumtemperaturen, noch bei 20—37 ^ ( 
Sterilisierte Milch gerann nach Smal 24 Stunden (Fig. 4). 

Auf alkalisierter Kartoffel erhielt man einen hellgrauen Anfla 
nicht allein bei dV C, sondern auch bei 20<>. Nach lOmal 24 Stunde 
hatte der Anflug einen gelb -rötlichen Stich. Unter dem Mikroskof 
sah man (Fig. 5) auf Präparaten aus verschiedenen Koloniee 
(Gelatine-, Agar-, Bouillon- und Kartoffelkulturen) stets kurze Stäl 
chen mit deutlich gefärbten Enden und deren Mitte dagegen he 
und sehr schwach gefärbt war. Zur Färbung bediente man sie 
eines 1-proz. Karbolfuchsins, wässerigen Fuchsins, Gentianaviolel 
and anderer Anilinfarben. Länge und Breite der Stäbchen war vei 
schieden, je nach dem Nährboden. Dicker erscheinen dieselben ai 
F. P. B.- und Kartoffel- (alkalisierten) Präparaten, dünner dagege 
und kQrzer auf F. P. A.-Präparaten. Im hängenden Tropfen zeigte 



Umamn DaU rar Baktcriolofi« 6» Cbol«nu 167 

& obenerwAhnten St&bchen, die ich der Kflrze wegen als bhKiIare 
bezeidiDeo mfichte, Behr lebhafte Bewegangen. BoailloD- and Oelatine- 
fadtoreii gaben mit MiDeralsäure die bekannte Reaktion (Cholera- 
rotreaktion) (Fig. 6). 

Das obenerwähnte bipolare StAbchen mit allen seinen morpbo- 
logocben and biologischen Eigenschaften fand ich ausnahmslos in 
lUa TOD mir untersuchten 70 CholerafUlen und fast immer als 
Bdnkultnr. Dasselbe unterscheidet sich so weit vom Komma- 
bacillos, dafi man die beiden Mikroorganismen miteinander an- 
si^dnend gar nicht Tergleichen kann, üa man dieses bipolare 
Subchen fast in Reinkultur in allen Stadien von typischer Cholera 




rigor 6. PripArml, «ntnoinaiaii €io«r Kolooi« auf F. P. O. lOOOnftl TergrdB«rt; 
'lebiiaflrbuig. 

^d, von denen nicht wenige tödlich yerliefen, so mufi man un- 
tilllifirlich annehmen, daß die Cholera entweder abhängig ist, wie 
B«>che Forscher (Cunningham, Klein, Lösch) behaupten, 
TOD TerBcbiedenen Bakterienspecies, oder, aber daß dieselbe von einer 
bestimmten Bakterie abhängt, welch letztere bis jetzt nodi nicht 
^tdecltt ist, oder endlich, daß sie von dem eben von mir beichrie- 
benen bipokren Stäbchen abhängt 

Der einzige dagegen sprechende Umstand war der, daß man in 
^b mikroskopischen Präparaten aus CholerastOhlen (3 Fälle aus- 
kommen) auch fische Komroabacillen konstatieren konnte. 
All^ings unterscheiden sich dieselben bedeutend (was Länge und 
IHcke betrifft) von den von Koch beschriebenen Kommabacillen, 
Aber nichtsdestoweniger waren dieselben so typisch, daß man schon 



168 



A J. Wiltscbur, 




Figor 6. Präparat aui Cboleraatfiblen. Kommabaciilua (IKngliebe Formen).! 
lOOOmal rergröiert; Facbtinfftrbiiog. , 




Figur 7. Naab eioer Kolonia, walcbe ihrerteiti Ton der Koloni« abstammt, 
aui welcber das Präparat auf Fig. 6 angefertigt ist. lOOOmal TergröBert; Karbol- 
fucbsinflürbaDg. 



Nencr« Data aar Bakteriolog!« der Cholera. 



169 



nach dem Präparate allein eioe strikte Choleradiagnose stellen konnte 
(Fig. 6). 

Neben dem typischen Cholerabacillus fand sich in allen 
aas Cholerastflhlen bereiteten Präparaten auch das bipolare Stäbchen. 
In Beinknituren, ?rie bereits gesagt, erhielt man ausschließlich das 
letztere allein. 

Deber diese Erscheinung nachdenkend und f&r dieselbe eine 
Erklärung suchend, untersuchte ich die Präparate von einer möglichst 
groSen Anzahl von Kolonieen. Bei dieser Gelegenheit gelang es mir 
znweilen, in Präparaten von Reinkulturen, außer bipolaren Stäbchen 
mach typische Kommabacillen zu finden. Diese Beobachtung brachte 
mich auf den Gedanken, daß ich es hier mit einer Varietät des 
Kommabacillus zu thun habe. Und in der 
Tbat, indem ich weitere Impfungen von bipolaren 
Stabchen auf verschiedepe Nährböden machte und 
dieselben im Thermostaten bei 3V züchtete, erhielt 
ich in 10—15 Generationen aus meinen Kulturen 
den typischen Kommabacillus (Fig. 7). 

Nachdem es mir gelungen war, meine bipolaren 
St&bchen in gewöhnliche Kommabacillen zu ver- 
wandeln, veränderte sich deren Wachstum in Reagenz- 
gläachen (auf F. P. G.) sofort in dem Sinne, daß 
die Verflüssigung langsamer vor sich ging und 
das Aussehen der Kulturen mehr trichterförmig 
wurde, gerade wie dies von K. beschrieben wurde 
(flg. 8). Auf F. P. B. erschien ein Häutchen und 
die Plattenkulturen zeigten von nun an ihr cha- 
rakteristisches Aussehen, wie es von K. angegeben 
wurde. Wie man aus Fig. 8 ersieht, trat die Ver- 
flüssigung in diesen Fällen verhältnismfißig rasch 
ein, aber bei weitem nicht so rasch, wie im An- 
fang (Fig. 4, Reagenzgläschen No. 3). 

Auf diese Weise waren die von mir im Obuchow- 
Hoepitale beobachteten Cholerafälle von einer Va- 
«rietät des Kommabacillus — einem bipolaren 
St&bchen — abhängig. Anhänger von Naegeli 
und Zopf werden in diesem Falle eine Bestätigung 
ihrer Ansichten (Polymorphismus der Bakterien), die von Koch und De 
Bary dagegen — Erscheinung einer Involution (Rückbildung) — finden. 
Ohne mich auf die Entscheidung dieser Frage einzulassen, bemerke ich 
meinerseits nur, daß gegen die Auffassung des von mir beschriebenen 
bipolaren Stäbchens als Involutionsform folgendes zu sprechen 
scbeint: Bekanntlich büßen die Bakterien in der Involutionsperiode 
ganz und gar die Fähigkeit, sich zu vermehren, ein, oder die Ver- 
mefamng geht sehr langsam von statten. Die obenerwähnte Fähig- 
keit nimmt erst nach Erneuerung des Nährbodens zu. Involutions- 
fonnen haben in der Regel ein monströses (faß-, kugelförmiges) Aus- 
sehen. In günstigere Wachstumsverhältnisse einmal versetzt, nehmen 
dieselben ihre tniischen Eiffenschaften wieder an und behalten die- 
selben daoemd. Diia von mir beschriebene bipolare Stäbchen bietet aber 




Figur S. Rein- 
kultur dertelben Her- 
kunft wie Figur 7. 
Nach 72 Stunden. 



170 A. J. Wiltsehnr, 

ganz entgegengesetzte Erscheinungen dar: Es vermehrt sich sehr 
rasch, rascher als -der Mikroorganisnms, von dem es abstammt und 
behält hmge seine morphologisdien und biologischen Eigenschaften. 
Außerdem sind weder der klinischen noch der experimentellen Bak- 
teriologie tödlich verlaufende F&lle beisannt, veranlaßt durch eine 
Infektion mit Involutionsformen, wobei sich diese Formen er- 
halten hätten, selbst nach Durchgang durch einen tierischen 
Organismus, wie dies bei dem von mir beschriebenen bipolaren 
Stäbchen der Fall war. Indem ich auf die Diskussion dieser rein 
botanischen Frage verzichte, glaube ich» daß man berechtigt sei, 
mein bipolares Stäbchen als eine Formänderung, welcher Art dieselbe 
auch sei, des typischen Kommabacillus auifzufassen, eine Form- 
änderung, entstanden unter dem Einflüsse unseres strengen Winters, 
unserer klimatischen und Bodenverhältnisse, welche Verhältnisse mit 
denen der ursprflnj^lichen Heimat des Kommabacillus nicht 
übereinstimmen. Die geschilderte Formänderung ist wahrscheinlich 
nidit plötzlich, sondern allmUiIich entstanden, unter dem Einflösse 
verschiedener äußerer Einwirkungen, denen derKommabacillas 
auf seiner Wanderung aus Indien über Persien, Baku, das Wolga- 
gebiet nach Petersburg ausgesetzt war. Da die Lebensbedingungen 
des Kommabacillus unterwegs nicht flberall dieselben waren, so 
sind auch die Veränderungen seiner morphologischen und biologischen 
Eigenschaften selbstverständlich nicht Überall die gleichen ge- 
wesen. 

Von diesem Standpunkte ausgehend, ist es mir gegenwärtig 
klar, warum Ssawtschenko (29) in Kijew und Kasansky (30) it 
Kasan verschiedene Varietäten des Komma hacillus beschrieben 
haben. Ferner ist es mir klar, warum Wyssoko witsch (31) in 
Charkow im Anfange seiner Untersuchungen lauter Kulturen erhallei 
hatte, welche er geneigt war, als Verunreinigung anzusehen. Des< 
gleichen ist es mir klar, warum Lösch (32) in Kyew, in seinei 
Kulturen anscheinend verschiedene Mikroorganismen findend, dei 
Glauben an die ätiologische Bedeutung des Kommabacillus voll 
ständig verlor. Es ist auch verständlich, warum bei uns in Rußland 
während der vorjährigen Epidemie zahlreichere Varietäten voa 
Kommabacillus beschrieben wurden, als in Sfldeuropa im Jahn 
1885, weil unsere klimatischen und Bodenverhältnisse auf der Strecke 
von Baku bis Petersburg mannigfaltiger sind, als in SQdeuropa. Dl 
auch in Petersburg selbst die Bedingungen, unter denen de 
Kommabacillus überwintert hat, nicht in allen Herden dieselbe] 
waren, so mußten selbstredend auch Fälle vorgekommen aeic 
in denen auch typische Formen vom Kommabacillus zu.konsta 
tieren waren, und halte ich es fQr reinen Zufall^ daß mir dieselbe 
nicht begegnet sind. 

Diese verschiedenen Varietäten des Kommabacillus sin 
auch daran schuld, warum im Anfange einer Choleraepidemie ein 
strikte bakteriologische Diagnose nicht gleich gelingt. Dies is^ 
meines Wissens, im vorigen Jahre hier in Petersburg und auch i 
Hamburg passiert. So wurde z. B. Eugen Fraenkel in d^ 
Deutschen medizinischen Presse beschuldigt, die Cholera nicht gleic 



Mratn DaU iv Bakteriologie der Cholera. 



171 



erkannt zu haben. Die letztere warde erst offiziell erkannt, nach- 
dem Plattenkultaren an Koch nach Berlin gesandt und von Letz- 
tfifem als Cholerakulturen erkannt waren. Es ist klar, daß die uns 
iDteresaerenden Kulturen anfänglich nicht charakteristisch waren, so 
daft eine strikte Diagnose auf Grund derselben nicht möglich war. 
£. F., der die Hamburger Kulturen beschreibt (ci Deutsche med. 
Wocheoschr. 1892. No. 46) konstatiert, daß dieselben von den 
fischen Kulturen abweichen, welchen Unterschied er der alkalischen 
Reaktion des Nährbodens zuzuschreiben geneigt ist Höchst wabr- 
aeheinlich hatte er es mit einer Varietät des Kommabacillus zu 
thoD. In der Dissertation von Dr. Wlajeff, hervorgegangen aus 
dem Laboraterium von Prof. Pasternazkv, wird 
ein Yibrio beschrieben, der vom Kommabacil- 
las bedeutend abweicht, trotz dem daß derselbe 
▼oa einer zweifellos choleraJsranken Frau herstammte. 
Zu meinen Untersuchungen zurückkehrend, muß ich 
bemerken, daß im Anfange der Epidemie das von 
mir beschriebene bipolare Stäbchen so klein erschien, 
seine Enden so rund und stark gefärbt waren, wäh- 
rend der mittlere Teil so undeutlich hervortrat, daß 
man erst bei einer Vergrößerung von 2250mal ent- 
scheiden konnte, daß es sich um ein Stäbchen und 
nicht um einen Diplococcus handelte. Um die 
Yon mir erhaltenen Kulturen aus der beschriebenen 
Yarietät in die normale Stäbchenform zu verwan- 
dein, brauchte ich circa 3 Wochen und der Zweck 
war erst bei der 15.— 20. Generation erreicht. 
Kiegen das Ende der Epidemie hin gelang dies viel 
leichter: bereits in der 4—^. Generation, nach 
.5 — 6mal 24 Stunden. Bei mir im Laboratorium 
befinden sich F. P. G.-Kulturen, 13 Monate alt. Der 
Ifäbrboden ist ganz trocken geworden und nur am 
Boden sieht man eine dunkle Masse von Honig- 
koBsistenz. Ich habe versucht, diese Kultur durch 
Impfungen auf verschiedene Nährböden und durch 
PlaSttenkulturen wieder zu beleben. Nach einiger Zeit 
erhielt ich auf Platten homogene Kolonieen, die die 
<Seiatioe nicht verflüssigten und den^TyphuskoIonieen ähnlich sahen. In 
Stichkolturen verflüssigten dieselben die Gelatine, wenn auch ganz lang- 
sam. Das Aussehen der verflüssigten Gelatine erinnerte sehr an das 
dorcb den Kommabacillus bewirkte (Fig. 9). Bei weitereu Im- 
pfongen trat die Verdünnung früher ein. In den Präparaten erhielt 
ich Kokken, die häufig zu 2—3 verbunden waren. Einige Diplo- 
kokken schienen durch eine hyaline Interstitialsubstanz mit einander 
▼erbnnden zu sein, so daß dieselben anfänglich an das Aussehen der 
bgiolaren Stäbchen erinnerten und glichen ganz und gar den von 
Fr^ Podwjssozky (34) beschriebenen Involution^ormen des 
Kommabacillus auf sauerer Kartofiel. Solange ich diese 
Bakterienform in die typische Form nicht umgewandelt habe, bin 
ich zur Behauptung nicht berechtigt, daß dieselbe vom Komma- 




Figar 9. Von 
einer Kaltar von vo- 
rigem Jahre ; nach 
96 • »tüodiffem Ver- 
weilen im Tbermoste- 
teo bei 80® C. 



172 ^* ^' Wiltsehar, 

bacilluB abstamme, oicbtsdeatoweniger muß man das Faktum her- 
Yorbeben (Fig. 9). 

Im allgemeinen resultiert aus meinen Untersucbungen folgendes: 
In allen yon mir untersuchten Gholerafällen (3 aus 
genommen) fand icb in mikroskopiscben Pr&para.ten 
aus GbolerastQblen Kommabacillen (Kocb'sche). Diese 
Kommabacillen unterscbieden sieb von den vont.K. 
bescbriebenen durch ihre Oröße: Dieselben waren 
3— 4mal größer als die gewöhnlichen Kommabacillen 
und erinnerten an die Vibrionen, die in Kulturen vor* 
kommen, wenn das Näbrmaterial in den letzteren bei- 
nahe ganz erschöpft ist und die Kultur i hrem Ab- 
sterben nahe ist. Neben diesen Vibrionen fand ich in 
den Präparaten auch das oben beschriebene Stäbchen. 
Letzteres entwickelt sich recht flppig, auf Nährböden 
eine eigentümliche, oben beschriebene Wachstumsart 
darbietend. 

Das bipolare Stäbchen ist eine Formänderung 
des Kommabacillus, entstanden unter unseren kli- 
matischen und Bodenverhältnissen« Der Kommabacil- 
lus gehört zu den Bakterien, welche die Fähigkeit 
besitzen, unter dem Einflüsse verschiedener äußerer 
Einwirkungen ihre morphologischen und biologischen 
Eigenschaften bis zur Unkenntlichkeit zu ändern. 

Darin liegt wohl auch der Orund, warum verschie- 
dene Forscher zu keinem positiven Ergebnisse ge- 
kommen sind. Als ein in dieser Hinsicht sehr lehrreiches Bei- 
spiel kann ich folgendes anfahren : Ein Arzt, der sich während dieser 
Epidemie sehr gewissenhaft mit dem Studium von Kulturen aus 
Gholerastühlen beschäftigte, die von mir beschriebenen Kolonieen auf 
Platten findend, hielt dieselben naturgemäß fflr nicht typisch und 
betrachtete die von ihm beobachteten Fälle in bakteriologischer Hin- 
sicht als negative. "* 

Dieser Kollege, der einmal bei meiner Untersuchung anwesend 
war und dem meine Beobachtungen bereits bekannt waren, nahm 
sich seiner frtiher als unbrauchbar aufgegebenen Kulturen wieder an, 
isolierte das bipolare Stäbchen und wandelte dasselbe in den typischen 
Kommabacillus um. Aehnliche Mißverständnisse mögen während 
der voijährigen Epidemie häufig vorgekommen sein, sowohl bei uns, 
wie auch im Auslande. Ich bin weit entfernt, deswegen irgend einen 
Vorwurf zu machen. Ich will damit nur gesagt haben, daß zweifel- 
lose Cholerafälle in bakteriologischer Beziehung fQr negativ gehalten 
werden mußten, wenn man den Kommabacillus mit seinen 
typischen, von K. ursprünglich beschriebenen Eigenschaften nicht 
konstatieren konnte. Blei seh (86), der aus frischen Stählen eines 
unter Gholerasymptomen in 24 Stunden zu Qrunde gegangenen 
Kranken ein Stäbchen isolierte, das auf F. P. O. wie der Komma- 
bacillus wuchs, hielt denselben nicht für den typischen Cholera- 
vibrio, da er auch auf anderen Nährböden sehr rasch wuchs, 
ohne ein charakteristisches Wachstumsbild zu geben. Ich glaube. 



MeMr« DaU rar Bakteriologie der Cholera. 173 

daß B. d>eDfall8 eine Variet&t des Eommabacillas vor sich hatte, 
der Ton ihm nicht näher studiert wurde. 

Als Ursache der Cholera ist ausschließlich der 
Kommabacillus von Koch und dessen Varietäten an- 
za sehen. Von den gegen die Koch'sche Theorie angefahrten Ein- 
wänden, nach welcher Theorie die Verbreitung der Cholera durch 
Trinkwasser and mit ChoIerastQhlen verunreinigte Nahrungsmittel ge- 
schehen soll, erscheinen einige selbst den Anhängern dieser Theorie 
als berechtigt. Diese Einwände lassen sich folgendermaßen resü- 
mieren : 1) Auf welche Weise kann das Trinkwasser ab Ansteckungs- 
iaelle dienen, wenn die Cholerabacillen darin recht rasch (in einigen 
'sgen) zu Grunde gehen (nach den Untersuchungen der Koch'schen 
Schule), indem dieselben im Kampfe ums Dasein mit gewöhnlichen 
Waaserbakterien unterliegen? 2) Auf welche Weise können die 
CholerastOhle gefährlich werden, indem dieselben in die Senkgruben 
gerate, wenn die Kommabacillen in den Stühlen noch rascher zu 
Grande gehen, als im Wasser? Und wenn es dann wirklich so ist, 
lohnt es sich dann, Millionen für die Desinfektion von Choleraaus- 
leerungen auszugeben? Diese Punkte müßten, meinem Dafürhalten 
nach, einer recht eingehenden Diskussion unterworfen werden, da 
fluao einmal weiß, daß der Kommabacillus unter ungünstigen 
Wachstumsbedingungen Formen annehmen kann, die denselben un- 
keontlich machen können. Vielleicht würden experimentelle ünter- 
sachungen über Symbiose des Kommabacillus mit Wasser aus 
Faeoesbakterien ganz andere Resultate ergeben. 

Zum Schlüsse erlaube ich mir, einige Bemerkungen allgemeiner 
Art über Cholera asiatica zu machen: Da der Kommabacillus 
die Fähigkeit besitzt, seine Form und sein Verhältnis zum Nähr- 
boden zu ändern, so ist es ganz natürlich, anzunehmen, daß auch 
seine Lebensfähigkeit, d. h. seine Lebensdauer außerhalb seüier ur- 
sprünglichen Heimat^ unter ungünstigen Lebensbedingungen sidi 
ebeiEalls ändert: Auf diese Weise könnte man die verschiedene 
Dauer von Choleraepidemieen und den verschiedenen Verlauf in ver- 
schiedenen Gegenden erklären. Auf diese Weise wäre auch das Auf- 
hören von Epidemieen verständlich^). Darin finde ich auch eine 
Versöhnung der Ansichten von Koch und Pettenkofer, welch 
Letzterer behauptet, daß zum Ausbruche einer Choleraepidemie, außer 
Invasion von Choleragift, noch eine örtliche und zeitliche Disposition 
gehören. K. hat recht, wenn er sagt, daß die Cholera durch den von 
ihm entdeckten Vibrio hervorgerufen werde; aber auch P. hat 
recht, der nachzuweisen sucht, daß zur Entwjckelung einer Epidemie, 
aofier eben erwähntem Vibrio, noch örtliche und zeitliche Disposition 
gehören. 

In Anbetracht der großen Aehnlichkeit des klinischen Bildes, 
die die Cholera nostras mit Cholera asiatica hat, in Anbetracht der 
mir konstatierten Fakta, kommt man unwillkürlich auf den 



1) S«llMtT«ntliidUeh wird dadurch die Bedontiiiig der gegen die Seuche geriehte- 
tea MeflregeJn nleht Terringert. 



174 A. J. Wiltschnr, NeotN DaU lor Bakteriologie der Cholera. 

Gedanken der Identität beider Krankheiten. Man könnte wohl an- 
nehmen, daß die 8og. Cholera noetras auch dem Kommabacillns 
ihre Entstehung Terdanke, der, von froheren Epidemieen zorQekge- 
blieben, in eine bis jetzt nidit genauer studierte Variet&t überge- 
gangen sei. 

St Petersburg, 19./31. Mai 1894. 



!! 



Uttaratv. 

Deutsche med. Wocheneehr. 18S4. No. St and SSa. 

BerUner kUn Woeheaeehr. 18S5. Mo. STa. 
S) Deotaohe med. Woeheoaehr. ISSi. Mo. SO. 
i) VIrohow'a ArehiT. Bd. XGUL 1SS6. 

5) Becherehee aor le microbe du ehol^ra aaiatique. Parle et Brazelles 1SS5. 
•) ArehiTOs de phjreiologie normaie et patbologiqne. 1SS6. 
7) The British Medioal Jovmal. 1SS5. (Citiert Dach CentnlUatt Ar klla. Hedlafai. 

1SS5. Mo. SS.) 
S) ArehiTOs de phjaiologle normale et patholoftqne. 1SS5. 
9) Dentsehe med. Woeheasehr. 1S86. Mo. 14. 

10) Giomale intematioiiale delle Seieaee mediehe. ISSS. Fase. S (Cldert aaeh Baam- 
gartea's Jahneberieht.) 

11) CItlert aach Baamgartea's Jahreeberiebt. 1SS7. 
11) CeatralblaU Ar die med. Wiaeeasob. 1SS8. Mo. IS. 
IS) Zeiuchr. Ar Hygieoe. 18S7. 

^ Zeitsehr. Ar Hygieae. ISSS. 

The BritUh Medical JoaraaL ISSS. (Gitiert aaeh Ceatialblatl Ar die med. Wissen- 
sehaftea. 1SS6. Mo. SS. 
IS) L c. 

17) l. e. 
IS) 1. c. 

19) Oomptes readas des s^aaeee de l'Aeaddmie des seleaees. T. XOIX aad C. 

10) Citiert aach Baamgartea's Jahresbericht 1S91. 

11) La Semalae m^dlcale. 1S91. Mo. 17. 

tl) Aoaales de riastitat Pastear. 1S98. 16. Jaa. 

18) Ibidem. 

14) Wratsch. [Bassisch.] 1S98. 

15) Ibidem. 
IS) Ibidem. 

17) Mttaoheaer BMd. Woeheasehr. 1S91. 16. Mot. 

IS) BolaitM^haiJa Qaieta Botl^iaa. ISSS. 

IS) 1. c 

SO) Wratsch. 1S98. Mo. 17. 

81) WratMh. 1898. 

81) 1. c. 

88) DisserUtioo. [Bassisch.] St Petersbarg 1S98. 

Wratsch. 1S98. Mo. 18 aad 14. 

Zeitschrift Ar Hjgieae aad InfektiOBSkiaakheltea. Bd. XIU. 



16) 



84) 
86) 



Otto Bast«, Ueb«r pwMitftr« Zellolnsehlllue und ihre Zflobtasf. 175 



üeber parasitäre ZeUainsohlüsse nnd ihre Züohtang. 

Von 

Dr. Otto Busse, 

I. Amtmu am pftthologifehea Instituto d«r UaiTortitlt OroiftwftM. 
Hit 4 Flgaron. 

Nachdem in den letzten Jahren so viele Mitteilungen Aber Zell- 
euiachlfiase bekannt geworden sind nnd deren Natur als parasitäre 
Oq^anismen mehr oder minder wahrscheinlich gemacht worden ist, so 
bin ich jetzt in der Lage, Ober einen Fall zu berichten, bei dem es 
Dir gelangen ist, ZelleinsdüOsse aus menschlichem Oewebe erfolgreich 
auf Tiere zu flbertragen und außerhalb des Tierkörpers auf Nfthr- 
subatraten in Beinkultur darzustellen. 

Am 16. Juni d. J. wurde dem hiesigen pathologischen Institute 
von der chirurgischen Klinik behufs Feststellunff der Diagnose dn 
Präparat flbersandt, dessen Begleitzettel die Aufechrift trug: „Frau 
Kapp, 31 Jahre, chronische subperiostale £ntzQndung der Tibia (er- 
weichtes Sarkom ?).'' 

Auf dem Teller lagen mehrere OewebsstQcke, die sich sehr 
glichen, und deren größtes etwa 6 cm lang, 4 cm breit und 2 cm 
dick war. Es war unschwer zu erkennen, daß sie die Wandung 
eines Hohlraumes gebildet hatten, was auf Nachfragen auch bestätigt 
wurde. Wir erfuhren, daß in der Höhle eine schmutzig braunrote» 
dickflüssige Masse enthalten gewesen war, in der sich Entzflndungs- 
erreger der gewöhnlichen Art nicht nachweisen ließen. Wir erfuhren 
ferner, daß der schmerzhafte Tumor an der Tibia sich sehr langsam 
entwickdt hatte, und daß bedeutende Schwellung der linksseitigen 
AchaddrOsen und rechtsseitigen SupradaviculardrQsen bestände. 

An dem Präparate ließen sich drei Schichten unterscheiden, die 
äußere bestand aus einer porösen Knochenlamelle, der eine Schicht 
derben fibrösen Gewebes auflag, die ihrerseits wieder von einer etwa 
1 cm dicken Lage eines rotbraunen, sehr wdchen Gewebes bedeckt 
wurde. 

Die oberflächliche Betrachtung eines frischen Zupfpräparates 
zeigte 80 viele Riesenzellen, daß ich meine aus dem makroskopischen 
Veriialten vermutete Diagnose auf Rtesenzellensarkom bestätigt 
glaubte. Auffallend und ton den gewöhnlichen Befunden abweichend 
waren indessen helle, glänzende, kreisrunde oder ovale Körperchen, 
deren Größe vom Umfange eines kleinen Zellkernes bis zu dem 
einer Leberzelle schwankte und die in großer Menge innerhalb und 
außerhalb der Riesenzellen gelegen waren. Ihr Glanz im frischen 
Präparate erinnerte an die in Echinokokken so häufig anzutreffenden 
Kalkkonkremente, so daß ich mit verdünnter Salzsäure eine Auflösung 
versuchte — aber ohne Erfolg. Gegen Natronlauge erwiesen sich 
die Gebilde resistent und zeigten hier so eigentflmllche, doppelt 
konturierte Formen (Fig. 1), daß mir Herr Prof. Grawitz die be- 
stimmte Vermutung aussprach, daß es sich um eine Art niederer 
Orgsnismen, vielleicht aus der Gruppe der als Mikrosporidien, 



176 



Otto Balte, 



Oq 



»••'.s 

%'%• 




Fig. 1. 






Flg. t. 




Flg. 8. 



CorDalia'sche Eörperchen oder 
Coccidien beschriebenen Gebilde 
handeln müsse und mir die An- 
regang gab, durch Kulturversuche 
u. 8. w. eingebende Untersuchnogen 
mit dem vorhandenen Materiale an- 
zustellen. Ich verfolgte meine Aof- 
gabe nun in dreiÜBicher RichtoDg: 

1. Untersuchung des er- 
krankten menschlichen Ge- 
webes. 
An den frischen Zupfpr&paraten 
fand ich, daß alle diese gl&nzenden 
Gebilde einen scharf gezeichneten 
doppelten Kontur besaßen. Oft ent- 
hielten sie in ihrem Innern einen 
oder mehrere kleine starkgl&nzende 
Rörperchen. Einzelne von ihnen 
besaßen einen breiten, hellen Hof, 
der sie wie eine dicke Kapsel um- 

Sb und in seiner äußeren Cirkum- 
-enz vielüach ausgefranst war. Oft 
lagen zwei dieser eingekapselten 
Gebilde unmittelbar neben einander, 
derart daß die centralen, doppelt 
konturierten Formen sich berührten 
und der beide umgebende Hof ein 
biskuitfSrmiges Aussehen darbot. 
In Deckglaspräparaten färbten sich 
die inneren doppelt konturierten 
Körper intensiv mit Methylenblau, 
Karbolfuchsin , Hämatoxylin und 
nach Gram, das äußere breite 
Band dagegen blieb ungefärbt. 
Fig. 1 entstammt einem in Alkohol 
gehärteten, mit Natronlauge auf- 
gehellten ungefärbten Schnittpräpa- 
rate, die Uiesenzelle der Fig. 2 ist 
ein auf dem Deckglase angetrock- 
netes, schwach gefärbtes Ausstrich- 
objekt 

Durch Alkobolbärtuuff werden 
die Gebilde außerordentlich ver- 
ändert, so daß man sie kaum wieder 
erkennt Gefärbte und in Kanada- 
balsam eingebettete Schnitte bieten 
wenig Auffallendes, wenn man nicht 
durch die vorhergehende Unter- 
suchung des frischen Präparates 



Ueber parasStlre Zelleinschlfisse nnd ihre Zflchtung. 177 

auf die bellgläDzenden Gebilde aufmerksam geworden ist Die kleineren 
Elemente ohne Hof insbesondere sind stark verzerrt und geschrumpft 
(Fig. 3). 

Wirklich gute Bilder erh&lt man nur durch Natronlaugezusatz 
ond Untersuchung in Wasser. Dann quellen, auch wenn die Stocke 
in Alkohol gehärtet nnd in Paraffin eingebettet geschnitten worden 
nnd, die Formen wieder auf und sie treten klar und scharf wie im 
frischen Zustande hervor. Niemand, der auf ZelleinschlQsse unter- 
sucht, sollte verfehlen, sich durch Natronlaugezusatz die Bilder deat- 
lieh zQ machen. Letzteres ist in der That weit besser als irgend 
welche komplizierten Färbungen geeignet nach Härtung die Form 
der ZelleinschlüBSe in natürlichem Zustande zu zeigen. 

Das Gewebe, in dem diese Parasiten lagen, bestand, wenn wir 
von dem Knochen und der Bindegewebsschicbt absehen, aus einem 
■ehr seilenreichen Oranulationsgewebe, das in großer Zahl Riesen- 
zellen mit wandständigen Kernen enthielt und namentlich in den 
Schichten, in welchen dichte ZQge von Spindelzellen mit RiesenzeUen 
abwechseh, durchaus dem Aussehen von Biesenzellensarkomen glich. 
Ab anderen Stellen lagen die Parasiten in Konglomeraten zusammen^ 
ind^QD sie zwischen sich nur ein feinkörniges Material enthielten, 
welches zwar den Leib einer Riesenzelie vortäuschte, aber von der 
feinkörnigen zerfallenen und kernfreien Umgebung nicht scharf abge- 
grenzt war. 

2. Tierversuche. 
Von der Gewebsmasse brachte ich am 16. Juni minimale 
Mengen einem Kaninchen in das Knochenmark der rechten Tibia. 
Um durch Stauung eine Schwächnng des Gewebes herbeizuführen^ 
legte ich dnen Gummischlauch um den Oberschenkel und ließ ihn 
24 Stunden dort liegen. Infolgedessen wurde das Bein gangränös, 
als ich es aber 3 Tage nach Anlegung der Wunde amputierte, war 
das ganze Knochenmark der Tibia mit den Zelleinschlflssen übersäet 
nnd es bestand kein Zweifel, daß eine erhebliche Vermehrung dei^ 
selben stattgefunden hatte. Noch deutlicher war dies an dem folgen- 
den Falle zu konstatieren. Einem mittelgroßen Hunde brachte ich 
ebeafall« am 16. Juni geringe Geschvrulstmengen unter das Periost 
der Tibia. Die durch Naht geschlossene Wunde verheilte anfangs, 
brach aber nach 8' Tagen wieder auf. Es entleerten sich große 
Quantitäten eines klaren, dünnflüssigen Sekretes, das zahlreiche 
Bterk9rperefaen und in oder außerhalb der Zellen wieder massenhaft 
die oben beschriebenen Gebilde enthielt. Die Eiterung hielt unge- 
fthr 12 Tage an. Bei den täglich vorgenommenen Untersuchungen 
worden die fraglichen Organismen stets in großer Menge gefunden, 
nnd zwar wurden sie um so zahlreicher, je tiefer man mit der 
PlalinDoe in die Wunde einging. 

Gelang es, etwas von dem dem Knochen aufsitzenden Granu- 

lationagewebe zu fassen, so sah man auf Zusatz von Natronlauge, 

daß die doppelt kontutierten hellglänzenden Gebilde darin überall 

verstreut lagen. In den späteren Tagen mischten sich den Eiter- 

, kdrperctai auch größere Zellen bei, die einen oder mehrere der 

I ZTLBi. i< 



178 Otto Boise, 

Parasiten enthielten. In den letzten Tagen fanden sich Formeo, die 
in der That fQr Biesenzellen gelten konnten. Nachher schloß sich 
die Wunde. Jetzt — also 3 Wochen nach der Infektion — besteht 
eine über dem Knochen verschiebliche Narbe der Haut und eine er- 
hebliche Verdickung und Auftreibung des Knochens. Am 22. Juni 
iqizierte ich 0^5 ccm dieses Eiters einem Kaninchen in die Bauch- 
höhle, das Tier ging am 2ö. Juni, also 3 Tage nach der Infektion, 
ein. Bei der Sektion fand sich eine leichte, fibrinöse Peritonitis, 
die Dannschlingen waren frisch verklebt, aber keine FlQssigkeits- 
ansammlung in der Bauchhöhle; außerdem fand sich eine frische 
Hyperplasie der Mesenterialdrüsen und mehrere hämorrhagische 
EntzQndungsherde, etwa 5-Pfennigstflck groß, subserös an verschie- 
denen Stellen der Bauchdecken. 

Sowohl diese Lymphdrüsen wie auch die hämorrhagischen Ent- 
zündungsherde enthielten die Parasiten. Ich schnitt die betrefifenden 
Stdlen unter aseptischen Kautelen aus den Bauebdecken heraus und 
implantierte Stücke davon einem Kanineben in die Bauchhöhle und 
einem Hunde unter die Haut des Oberschenkels. Das Kaninchen 
hat bisher keine Erscheinungen irgendwelcher Erkrankung darge- 
boten, beim Hunde dagegen brach die ursprünglich verheilte Wunde 
wieder auf und sonderte eine Wundflüssigkeit ab, die dem oben be- 
schriebenen Eiter absolut glich. Hin und wieder hatte ich beim 
Abtasten der Wunde mit der Platinöse das Gefühl, als ob ich in eioe 
etwa erbsengroße Höhle geriete. Der Inhalt dieser Höhlen bestand 
fast aus Beinkulturen dieser Parasiten, dichtgedrängt lagen sie in 
großen Massen nebeneinander. 

Die Eiterung und damit auch die Ausscheidung der Parasiten 
hält zur Zeit noch an. 

Es ist somit gelungen, Zelleinschlüsse aus dem menschlichen 
Körper durch drei Tierkörper hindurch lebend zu erhalten and zor 
Vermehrung zu bringen. Ueber den pathologischen Prozeß, den diese 
Gebilde im Tierkörper hervorrufen, läßt sich zur Zeit noch nichts 
Bestimmtes sagen. Die Eiterung bei den Hunden darf keinesfalls 
so ohne weiteres als durch sie hervorgerufen angesehen werden, 
weil sich in dem Eiter Staphylokokken und Bakterien in großer An- 
zahl befanden; diese Verunreinigung ließ sich nicht vermeiden, da 
uns das Präparat nicht steril eingeliefert worden war. Wie weit 
die Verdickung des Knochens bei dem erstefwähnten Hunde der 
Wirkung dieser Organismen zuzuschreiben ist, wird sich erst mit 
der Zeit heraussteUen, vorerst muß sie wohl in der Hauptsache als 
Folge der durch 14 Tage hindurch bestandenen Eiterung angesehen 
weiden. Andere Tierversuche, die ich in größerer Anzahl und in 
der verschiedensten Modifikation vorgenommen habe, lassen wegen 
der Kürze der Beobachtungszeit, noch weit weniger, als die eben be« 
schriebenen, einen Schluß ziehen auf die Art der durch die Infektion 
mit diesen Organismen hervorgerufenen pathologischen Prozesse. 

3. Kulturversuche. 
Ich besäte am 16. Juni sofort Bouillon, Gelatine, Blutserum und 
Agarröhrchen mit der Tumormasse. In den ersten Tagen entwickele 



üeber paratiUre Zelleinsohlftase und ihre Zü^tnng. 179 

ten sich reichlich Ueine» weiße, oft glasig aussehende, über dem 
Kirea« erhabne Kolonieen, die nur aus diesen runden Gebilden etwa 
vna der Qrö&e weißer Blutkörperchen zusammengesetzt waren. Die 
meisten Kolonieen gingen aber in den sp&teren Tagen ein oder 
worden von Kokken oder Fäulnisbakterien allmählich überwuchert 
Nor auf einem Agarröhrchen entwickelte sich getrennt von den Ver- 
oBreinigmigen mit der Zeit eine große Kolonie. Von dieser wurden 
andere Böhrchen wieder besät, so daß zur Zeit Beinkulturen auf 
Agar, Glycerinagar, Gdatine, Blutserum, Kartoflfelgdatine und Kar- 
toffel vorhanden sind. 

Auf Gelatine und Agar bilden die Kulturen einen weißen Belag, 
iier die Oolaüne nicht verflüssigt Auf Blutserum sehen sie fast 
kristallklar aus und liegen wie eine Tauperle dem Nährboden au£ 




Fig 4. 

Am üppigsten und schnellsten wachsen sie aber auf Kartoffeln. 
Schon 24 Stunden nach der Aussaat findet man einen dicken Wulst 
eotsprechend dem Aussaatstriche. Anfangs ist die Farbe desselben 
ftchmatzig weiß, später wird sie graubraun und scheint als anßer- 
onieotli(£ dickflüssige Masse über den Nährboden hinzufließen. 

Die Formen aus den Kulturen unterscheiden sich insofern von 
iwai des Originals, als sie meistens den doppelten Kontur ver- 
BUBBen lassen (Fig. 4). Jedoch finden sich immer auch doppelt kon- 
tarierte Gebilde darunter. Sehr häufig sind die Sproßverbände in 
des Knlturprftparaten; die Größe der einzelnen Gebilde ist außer- 
ordentlidi wechselnd. 

Baß hier nicht andere Organismen als die des Originals vor- 
N^t das zeigen Impfversuche auf Tiere. Im Tierkörper kehrt so- 
«fft der doppelte Kontur wieder, kurz nehmen die Formen vollständig 
wder das Aussehen des Originales an. 

Es fragt sich nun, zu welchen Organismen diese Gebilde zu 
2Üüea lind. Die Formen im Originale wie auch im Tierkörper ent- 

12» 



180 Hugo Liter, 

sprechen ganz den AbbfldoDgeti und BescbreiboDgeo, die z. B. 
Wickham nfid Darier von den ZelleinschlflsBen bei der Paget*» 
dieease geben, aach was sie von der Entwickelong der Dinge er^ 
wfibnen, würde ganz gvt mit dem bisher von mir Beobachteten über- 
einstimmen. Trotzdem ist es im höchsten Orade fraglich, ob es sieh 
um Coccidien oder Psorospermien handelt Vieles im Aussehen und 
in der Entwiekelung erinnert vielmehr an Hefe und Herr Prof. 
Loeffler, dem ich Präparate und Kulturen am 6. Juli vorstellte^ 
sprach sich ' mit großer Bestimmthmt dahin aus, daß es sich hier 
höchstwahrscheinlich um ein pathogene Hefenart handele. 

Ich besäte nun ein Pflaumendekokt und konnte schon nach 24 
Stunden eine bedeutende Wucherung konstatieren. Außerdem stellte 
ich auf Rat von Herrn Prof. Loeffler sowohl mit dem Pflaumai- 
dekokt wie auch mit Traubenzuckerbouillon Gärungsversuche an. 
Es fand eine außerordentlich reiche Kohlensäureentwickelung statte 
die ihren Höhepunkt bei einer Temperatur von 23® C 36 Stunden 
nach der Besäung erreichte. 

Durch das Wachstum auf saurem Nährboden, wie auch durch 
die Gärung wird die Wahrscheinlichkeit, daß es sich um Hefepilze 
handelt, noch beträchtlich vermehrt. Zur endgiltigen Entscheidung 
dieser Frage müssen jedoch noch weitere Untersuchungen angestellt 
werden. Heute genügt es mir, die Thatsache zu konstatieren, daß 
es mir gelungen ist, Zelleinschlüsse 1) erfolgreich auf Tiere überzu- 
impfen und im Tierkörper zur Vermehrung zu bringen; 2) in Rein- 
kulturen auf verschiedenen Nährsubstraten darzustellen; 3) diese 
Kulturen wieder erfolgreich auf Tiere übertragen zu haben. 

Greifswald, 7. Juli 1894. 



Die makroskopische Wassmintersuchang durch An- 
Wendung von Wasserstofiisnperozyd. 

(Aus dem hygienischen Institute der Universität zu Königsberg i. Pr.] 

Von 

Dr. Hugo Laser* 

In Bd.CXXXIII. Heft 2 von Virchow's Archiv für pathologische 
Anatomie und Physiologie und für klinische Medizin veröffentlichte 
Adolf Gottstein einen Aufsatz unter der Ueberschrift „Ueber 
die Zerlegung des Wasserstoffsuperoxyds durch die Zellen, mit Be- 
merkungen über eine makroskopische Reaktion für Bakterien^. 

Gottstein geht von der (^kannten Eigenschaft vieler tierischer 
und pflanzlicher Zellen, Wasserstofisuperoxyd in Wasser und Sauer- 
stoff zu zerlegen, aus. Der Stoff, an welchen die zerlegende Wirkung 
gebunden ist, ist das Nudeln. Gottstein scblieCt daraus, daß die 
kräftige katalytische Wirkung der Bakterien auf ihren Gehalt an 
Kemsubstanz zu beziehen sei. Diese Eigenschaft der Bakterien will 



Di« nakroskopJBcbe .WMMrantorfaehuDg ete. 231 

er Htm beoatzen, um nicht zu kleine Mengen derselben makro- 
skopiech nachzaweiseo, so z. B. in Wasser. Er setzt zu 10 ccm 
eüier so oniersuchenden Wasserprpbe 10 ccm Wasserstoffsaperoi^yd 
za QRd beobachtet makroskopisch die Oasentwickelung in dem Reagenz« 
glaee, am dadurch Schlüsse über die Menge der im Wasser befind- 
lichen Mikroorganismen zu ziehen« Als Ergebnis einer größeren 
Anzahl von Versudien erhielt Gottstein folgende zwei Punkte: 

1) Die Quantität des entwickelten Sauerstoffes, sowie die Inten- 
sität seiner Abspaltung ist direkt proportional der Menge der in der 
Miaehung enthaltenen Bakterien. Mit bloßem Auge kann man aus 
der Htftigkeit der Gasentwickdung den Grad der Verunreinigung 
mit Bakterien beurteilen. 

2) Die EmpfindUchkeit der Probe ist eine verhältnism&ßig ge- 
ringe; die untere Grenze, bei welcher nach Ablauf einer Viertelstunde 
eine, wenn auch spärliche, doch für das bloße Auge deuUicbe Gas- 
bl&schenbildung an den R&ndern des Reagenzglases und an der 
Oberfläche der Flüssigkeitsschicht erkennbar war, erhielt G. bei mehr 
als 1000 Keime im ccm. Unterhalb einer Zahl von 1000. Keimen 
war das Ergebnis in hohem Grade zweifelhaft oder negativ; je nach 
dw Art der verwendeten Bakterien ergaben sich gewisse Schwan- 
kungen in der Zahl 

Hiernach behauptet nun Gottstein, daß gerade diese schwache 
Empfindlichkeit der Beaktion derselben in Anbetracht ihrer leichten 
Ausführbarkeit eine praktische Bedeutung geba „Denn überall, wenn 
in einem Wasser eine, wenn auch noch so schwache Gasblasen- 
entwickelung bei Zusatz von H,0, auftritt, darf man auf das Vor- 
handensein von mehr als 1000 Bakterien im ccm schließen/' 

Nach diesen Resultaten siebt G. diese Beaktion als ein ein&ches 
und beqnemes Mittel an, um zu kontrollieren, ob z. B. Filter gut 
funktionieren^ als „Vorprobe'' und zum teilweisen „Ersatz, für die 
umständlichere Plattenkulturmethode". 

Sollte sich alles das bestätigen, was Gottstein bei seinen 
Versuchen konstatieren konnte, dann würde tnan allerdings jetzt ein 
ganz einfaches Verfahren besitzen, um Verunreinigungen in Wasser- 
probep mit Leichtigkeit nachzuweisen; denn jeder, der keine Uebung 
in den bakteriologischen Untersuchungsmethoden hat oder nicht die 
nOtigm Instrumente und Apparate besitzt, wäre jetzt imstande, in 
kflruster Zeit zu entscheiden, ob ein Wasser im ccm mehr oder 
. weniger als 1000 Keime enthalte. 

Bei der großen Bedeutung, die eine solche Beaktion haben würde, 
schien es mir wünschenswert, eine Nachprühing anzustellen, deren 
Besoltate indes fast durchgehende völlig negativ ausfielen. Nur bei 
einer einzigen Wasserprobe, die aus dem Bodensatze eines Eiskastens 
eDtnoBmea wurde und über 100000 Keime im ccm enthielt, fand 
eine lebhafte Gaseatwickelnpg statt; in ca. 20 anderen verschiedenen 
Proben, deren Keimgehalt zwischen 40 und 11 520 schwankte, traten 
die Bitten dagegen in einer Weise auf, daß ein sicherer Schluß sich 
absolut nicht ziehen ließ; ein Wasser mit weniger als 1000 Keimen 
zeigte oftmals eine lebhaftere Gaablasenbildung, als ein solches mit 
mehr als 1000 Keimen. 



182 Pavl Ernttg 

Von der bekannten Eifahiung aosgebend, daß durch eine poröse 
Substanz die Öasblasenbildnng in einer sch&umenden FIflssigkeit, 
z. B. in Bier, Champagner u. s. w., verstArkt wird, legte ich bei 
ferneren Versachen aof den Boden des Reagenzglases ein sterilisierteB 
Stack nnglasierten Thones, nachdem dasselbe Torher in Wasser aos- 

S kocht war, am alle in demselben befindlichen Loftteüchen zu ent- 
-nen. Aber auch trotz Anwendung dieses Mittels fielen die Resul- 
tate so zweifelhaft aus, ganz ebenso wie bei den ersten Versuchen, 
daß ich die Anwendung des 6 ottstein 'sehen Ver&hrens zur 
Wasseruntersuchung nicht empfehlen kann, um so weniger, als auch 
bei PrQfung eines destillierten und selbst eines sterilisierten Wassers 
nach Zusatz von Wasserstoffsuperoxyod zahlrriche, ganz kleine Gas- 
blftschen gebildet wurden. Dieses Verfahren kann daher weder als 
„Vorprobe^* noch als „Ersatz fQr die Plattenlrolturmethode^ heran- 
gezogen werden. 

Königsberg i. Pr., Juli 1894. 



FärbnngsversQobe an Sporen mit Hilfe der Maoeration. 

Nach Untersuchungen des Herrn Dr. Einscherf mitgeteilt 

▼on 

Prof. Dr. Paul Ernst, 

AisittMiten am pathol. Inttitat in Heidelberg. 

Bei Aolaß der Sporenfärbung mit Hilfe der M5ller*schen 
Chromsfturemaceration in einem meiner bakteriologischen Kurse kam 
Herr Dr. Kinscherf auf den Gedanken, ob sich nicht macerierte 
Sporen auch der Gram^scben Methode willfiLhrig erwiesen. Ein 
hübsches positives Resultat zog andere nach sich und führte allmäh- 
lich zu folgender Ueberlegung: Die meisten Sporenftrbungsmethoden 
sind mehr oder weniger modifizierte TuberkelbacillenlbrbungeD *)< 
Nun fi&rben sich Tuberkelbacillen auch nach Gram und Lustgarten, 
ja nach Spina, Ehrlich und Lichtheim sogar mit gewöhnlichen 
wässerigen FarbUysungen. Geht nun yielleicht der Parallelismus 
zwischen Tuberkelbacillen und Sporen soweit, daß auch diese letzteren 
jene genannten Methoden annehmen, wenn durch Maceration dei 
Widerstand der Sporenmembran gebrochen wird, wie es nach 
Möller 's Methode doch den Anschein hat? 

Ich gebe die Versuche im kürzesten Protokollauszug: 
Baoillui tnbtiliB auf Agar 8mal 24 Btd. bei 87<». IS— 15 Mio. 
auf 5 Pros. Ghromtäure, Wasser, 18 8td. auf GentaanaTiolet(*Anilin- 
Wasser, 2—3 Min. LugoTsehe Lösung. Günther's saurer Alkohol, 
96-pros. Alkohol, Wasser, Bismarekbraun. TrefKliobe soharfs Kontrast- 
fllrbung. 

1) Aosflbrlieli iii«d«rgel«gt in seintr DiiMrUtion. 

9) Vergl. Gaffky't erste Vennche; Mitteil. ans dem keU. Oeaandheitsamte. 
Bd. II. 1884. p. 84. (B. Koeh, Aetiologisehe TnberknloM.) 



PirbongsTerraehe An 8por«n mit Hilfe d«r Maeendoo. Ig3 

Karioffolbaoillas. 10 Tage auf Kartoffel, 18 Min. aufö-pros. 
CbTomsSioe. 18 Std. Ehrlioh'sche Lösung n. e. w. 

WiiTselbaoilltti 2 Tage aaf Kartoffel bei 19<^ G, 15 Min. in 
5*pxos. Chromsänre n. &• w. 

Meaentericns yalgaris 8 Tage auf Kartoffel. 86 — 80 Min. 
in 6-pros. Chromftttnre n. i. w. 

Milabrand 24 Std. auf Agar bei 87<» C, 24 Std. bei 20», 24 Std. 
bei 19^ 28 Min. 5-pros. Chromiänre, 18 Std. Ehrlich't Löaung, 
38-proa. Salpetersäure (also Methode der Tuberkelbaoillenfärbung !)• 

Bin zweites Deckglas derselben Kultur: Entfärbung oaoh Günther- 
Gram« 

Sin drittes Deckglas nach Lustgarten entfärbt: 5 Sek. in 5-pros. 
Kali hypermanganieum, 8 Sek. in wässeriger Lösung von sohwefeliger 
Säore. 

Nach vorhergehender Maoeration nehmen also Sporen Ehrlich % 
6 r a m ' s und Lustgarten 's Methoden an wie die Tuberkelbacillen, 
und zwar ohne alle Erhitzung. 

Wenn nun der Widerstand der Sporen nicht auf spezifisch 
chemischer Differem ihres Protoplasmas, sondern auf der Undurch- 
dringlichkeit und Dichtigkeit ihrer Membran beruht, wie das ja nun 
auch für die TuberkelbaciUen angenommen wird, wenn es gelang, 
durch Maceration die Sporen für die Färbung zugänglicher zu machen, 
wenn femer erwogen wird, daß die Tuberkelbacillenfärbung den 
höchsten Widerstand der Membran besiegt, daß aber auch die 
Membran der Tuberkelbadllen der Entfärbung am längsten wider- 
steht, so müßte es gelingen, durch stärkere und längere Maceration 
die Sporen dahin zu bringen, daß sie die Färbung nach der Ehr- 
lich sehen Methode wieder abgäben an die Säure, daß sie aber die 
Gram*8che und Lustgarten 'sehe Methode annähmen, denn diese 
bdden setzen eine geringere Dichtigkeit der Membran und einen 
gerillteren Widerstand den entfärbenden Einflüssen gegenüber 
Toraos. 

Milzbrand auf Agar 24 Std. bei 87» G, 24 Std. bei 25^ C, 24 Std. 
bei 19^ G. 16 Min. auf 5-proz. Ghromsäure» Wasser, 18 Std. auf 
OentianaanilinwaBser. Ein Deckglas nach £ h r 1 i o h » eins naoh G r a m ^ 
•ins naoh Lustgarten behandelt. Kur in den beiden letzten gute 
SporenfSrbung. 

Länger dauernde Maceration nimmt also den Sporen die Fähig- 
keit, die Ehrlich*8che Färbung der Säure gegenüber zu be- 
haupten, läßt ihnen aber die Gram'sche und Lust gar ten'sche 
Färbung. 

Lastgarten 's Bacillen färbten sich nicht nach Gram, Ba- 
cillen, die sich nach Gram färben, nehmen im allgemeinen Lust- 
garten 's Methode nicht an (die TuberkelbaciUen ausgenommen). 
Welche der beiden Methoden überwindet die größere Dichtigkeit? 

Dieselbe Milzbrandkultur wie yorher 180 Min. in Chromsäure, 
18 Std. in Ehrlioh's Lösung. Ein Deckglas naoh Lustgarten be- 
Hsadelt, hat die Farbe Terloren. Ein zweite», nach Gram behandelt, 
behält lie« Danaoh ist es freilieh nicht recht begreiflich, warum sioh 



134 PavlBrntft, Fftrlmogs versuch« an Sporen etc. 

Lustgarten '• Bacillen nioht naoh Gram gef&rbt haben. VermatUoli 
fehlte ihnen die Beständigkeit dem Jod gegenüber. Bei der problema- 
tischen Nator der Syphilisbaoillen mag dies dahingestellt bleiben. 

Bringt nun die Maceratioo die Sporen auch dara, einfach wftase- 
rig« Farbstoffe airfsunehmen? 

Hilsbrandknltur je 34 Std., bei 87^ 26^ 19<» mit Tielen fireien 
Sporen. 18 — 20 Btd. in Ghromsäure, wässerige FuchsinlSsnng oder 
Bismarckbraun. Sporen in kurzer Zeit gefärbt 

Nehmen auch Tuberkelbacillen nach der Maceration Methoden 
leichter aaf, die sie sonst nur schwer oder nach langer Zeit auf- 
nehmen? 

In bacillenreichem Sputum können bei Färbung nach Gram 
(8—10 Minuten) und Entfärbung nach Ofinther keine Tuberkel- 
bacillen nachgewiesen werden, wohl aber nach vorhergeheoder 
Maceration in Chromsäure (21 Minuten lang). Die Identität der ge- 
färbten Stäbchen mit Tuberkelbacillen wird an parallelen Präparaten 
nach Ehrlich und Gram erwiesen. 

Das Sporenplasma yerbält sich also Farben gegenüber nicht 
spezifisch anders, als das Bacillenplasma. Die spezifischen Färbungs- 
metboden (Ehrlich, Gram, Lustgarten, Hueppe-Neißer) 
setzen also kein besonderes, chemisch eigentümlich gestaltetes Plasma 
voraus, sondern nur eine größere Dichtigkeit und Undurchlässigkeit 
der Membran. Die Ehrlich'scbe Tnberkelbacillenmethode durch- 
dringt die größte Dichtigkeit, dann folgt die Lustgarten ^sche und 
endlich die Gram'sche Methode. Die Maceration setzt den Wider- 
stand YOtt Stufe zu Stufe herab und ermöglicht oder erleichtert bei 
Tuberkelbacillen und Sporen die Anwendung allgemeinerer Methoden. 
Die scheinbare Spezifität der Methoden ist dadurch auf graduell 
und quantitativ verschiedenes Verhalten der HflUen zurQckgefahrt 
Damit gewinnt die Parallele zwischen Sporen und Tuberkelbacillen 
neue Stützen, ihr ähnliches Verhalten neue Klarheit und mit größerem 
Rechte können wir die Proportion aufstellen : Aehnlich wie Tuberkel- 
bacillen zu anderen Bacillen verhält sich die Spore zu ihrer vege- 
tativen Form, selbstverständlich nur in ihren tinktoriellea Eigen- 
schaften. 

Heidelberg, 5. Juli 1894. 



MitteiliiDgon ans d«m XI. interoaticiuJeii mcdiiinischen Koogr«B6e in Rom. Jg^ 



Bakleriologiscbe und parasitologische Kongresse. 

Mitteilimgen ans dem XI. internationalen medizinischen 
Kongresse in Bom. 

BefereDt: Dr. 6. Sanarelll, Privatdozent in Rom. 

(FortsetiODg.) 

Tirelll, Y. (CoUegno-Turio), Die Mikroorganismen des ver- 
dorbenen Maises. 

Nachdem Verf. seine Versuche über denselben Gegenstand er- 
wähnt hat, versucht er die morphologischen and biologischen Eigen- 
schaften jener Organismen festzustellen, welche man mit auffallender 
Leichtigkeit auf jedem verdorbenen Maise züchten kann. 

Ab Yersuchsmaterial hat sich Verf. vieler Arten spontan oder 
künstlich verdorbeneu Maises bedient; außerdem hat er die getrock- 
aeteo, verdorbenen und die gesunden Maissorten sowie WdzenkOrner 
«ntersucht Mit jeder dieser verschiedenen Eomarten bat Verf. 
Gelatinekulturen und Kulturen auf Maisbrei gemacht. Die Gelatine- 
kaltaren (12 — 15-proz. je nach der Jahreszeit) wurden entweder flach 
aof P et ri kapseln oder gerollt nach Esmarch mit gewöhnlicher 
oder alkalischer oder gar sauerer Gelatine gemacht Die Kulturen 
auf Ifeisbrei wurden so gemacht, daß man auf den mit gesundem 
Maise angefertigten und in Pe tri kapseln eingeschlossenen und 
sterilisierten Brei verdorbenes Maismehl säete. Verf. hat auch das 
Verhalten des mit gesundem oder verdorbenem Mehle gefertigten, 
getrockneten oder ungetrockneten Breies studiert, nachdem er den- 
Mlben während ^/| Stunde, die durchschnittliche Zeit, welche ge- 
wöhnlich zum Kochen eines solchen Breies verwendet wird, einem 
Dampfetrome ausgesetzt hatte. Die Weizenmehlsorten wurden vom 
Verf. nur in Gelatine kultiviert. 

Nach einer detaillierten Beschreibung der isolierten Mikroorganis- 
men und deren Entwickelungseigenschaften auf neutraler, alkalischer 
and sauerer Gelatine, sowie auf Agar, in Bouillon, in Blutserum, auf 
Kartoffeln und auf Maismehlbrei kommt Verf. zu den Ergebnissen 
seiner Untersuchungen: 

1) Die EntWickelung der Keime fehlt ganz bei den sorgfältig 
getrockneten, gesunden oder verdorbenen Maissorten, ist in der R^el 
sehr gering bei den anscheinend gesunden, sehr stark bei den evident 
verdorbenen. Sehr oft aber kommt es vor, daß man aus äußerlich 
gesondem Maise eine große Anzahl Keime zOchten kann, welche 
zweifellos dorch den Hilus ins Innere des Kornes eingedrungen sind. 
Diese Thatsache ist von einer großen praktischen Bedeutung, weil 
fiese Maissorten wegen ihres gesunden Aussehens jedenfalls in großer 
Menge zur Nahrung verwendet werden. 

2) Die Keime, welche man aus dem verdorbenen Maise zflchten 
kann, gehören vielen Species auch außer den schon beschriebenen an. 
Einen großen Teil derselben findet man auch in den verdorbenen 



Igg MittoiltmgMi ans d«m XI. intornationAleii mediKiiiisehen Kongresse in Born. 

Weizenkörnern and deshalb muß ihre Bedeutung eine sehr relative 
sein. Oewisse Species, welche zu den Wasser- und Fäulnisbakterien 
zu rechnen sind, mflssen sicherlich von Bedeutung sein, da sie aus- 
schließlich, aber ohne Ausnahme in den yerdorbenen Maissorten vor- 
kommen. 

3) Die Keime sind sehr widerstandsfähig und entwickeln sich 
auf jedem Nährboden von irgend welcher Reaktion. Sie ziehen aber 
jene von alkalischer Reaktion und den Maisbrei als Nährboden vor. 

4) Das Kochen des verdorbenen Maises bei Zubereitung des 
Maisbreies ist nicht genügend, um alle Keime zu töten, es ist sogar 
wahrscheinlich, daß die übrigbleibenden Sporen nachher in der ver- 
mehrten Feuchtigkeit günstigere Bedingungen zu ihrer Entwickelung 
vorfinden. 

5) Die fluorescierenden Bacillen der Gewässer verlieren auf dem 
Maisbrei ihre charakteristische Eigenschaft der Fluorescenz, und 
somit wird ihre Anwesenheit versteckt, so daß die Einführung der- 
selben und der toxischen Produkte ihrer Fäulnis in den Organismas 
möglich wird. 

6) Infolge der gewöhnlichen Gesetze des Bakterienlebens und 
des Einflusses, welchen die einen auf den Stoffwechseln der anderen 
ausüben, wird die Entwickelung der Keime in den verdorbenen Mais- 
mehlen bald aufgehoben, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß diese 
Thatsache mit der geringeren Frequenz und Intensität der Pellagra- 
vergiftungen in gewissen Jahreszeiten verbunden ist 

Verf. schließt mit der Bemerkung, daß die Giftigkeit des ver- 
dorbenen Maises außer der durch die Mikroorganismen hervorgerufenen 
chemischen Umwandlung auch den Stoffwechselprodukten der Mikro- 
organismen selbst zuzuschreiben ist 

Pellizzl, G.B. und TtreUlyY. (Ck)ilegno-Turin), Aetiologie der 
Pellagra in Beziehung zu dem Gifte des verdorbenen 
Maises. 
Die Verff. beginnen damit, hervorzuheben, daß in der Pathologie 
der Pellagra, welche Theorie man auch in betreff ihrer Aetiologie 
annehmen mag, die Mikroorganismen des verdorbenen Maises ohne 
Zweifel von der größten Wichtigkeit sind, namentlich in Bezug auf 
die von demselben hervorgebrachten giftigen Substanzen. Von diesem 
Prinzipe ausgehend, haben sie sich vorgenommen, die Giftwirkung des 
Stoffwechsels dieser Mikroorganismen auf Kaninchen und Hunde zu 
studieren. Das zu diesem Zwecke verwendete Material wurde ans 
Kulturen in Gelatine und Maisbrei (Polenta), sei es aller Mikro- 
organismen zusammen, sei es eines jeden, entnommen. 

Die Kulturen in Gelatine wurden nach ihrer vorgängigen Schmel- 
zung bei 31^ in einen Kolben Bouillon gegossen, in welchem man 
sie sich 10 Tage lang entwickeln ließ, und, bevor man sich derselben 
bediente, wurden sie sorgfältig in der Hitze sterilisiert und filtriert 
Die in Polenta wohl entwickelten Kulturen waren zuerst bei niederer 
Temperatur ausgetrocknet und aus dem fein zerriebenen Residuum 
wurden die giftigen Substanzen mit Glycerin und destilliertem Wasser 



Mltteilungm mns d«m XI. internationalen medisinisehen Kongresee in Rom. X87 

Mit diesen IfaterialieD erzeugten die Verflf. bei den oben genannten 
Tieren Tennittelst Einspritzungen unter die Haut und in die Venen 
akute Vergiftung. 

Die erst^en brachten bei den Hunden im Verhältnis von 2,3 ccm 
auf 1 kg Gewicht immer das Bild einer schweren, akuten Vergiftung 
heryor, wdche in einer Periode von 48—72 Stunden verläuft, indem 
sie zuerst durch an durch allgemeine Mattigkeit mit hervortretender 
spastischar Parese der Hinterbeine charakteristisches Stadium geht, 
dann durch ein zweites, schwereres Stadium mit tiefer und allgemeiner 
Moskelspannung, Zittern auf der Oberfläche der Haut oder sehr 
starken Eontraktionen der Muskeln, Schlafsucht, hoher Temperatur, 
kleinem, schnellem Puls, beklommener Respiration, Aufhebung der 
BeBexe, Katarrh der Darm- und Eonjunktivalschleimhäute. Schon 
nach 2 Tagen beginnt das Tier sich zu erholen und dann sind die 
Ersdieinangen spastischer Parese an den Hinterbeinen sehr hervor- 
tretend, welche in den darauf folgenden Tagen abnehmen, bis sie 
nadi 5 — 6 Tagen ganz verschwinden. 

Sie Injektionen in die Adern bei Kaninchen, mehrere Tage in 
demselben Verhältnis wiederholt, rufen ein dem beschriebenen ana- 
loges Bild hervor, mit Kontraktionen, weldie mehr die Gharakterzüge 
dn tetanusartigen pellagrösen Zustandes als die eines epileptischen 
Anfalles tragen. Aus diesem Stadium findet ein schneller üebergang 
zu dem paralytischen statt, welcher mit dem Tode endigt. Bei der 
Autopsie wurden Hämorrhagieen unter der Pleura und des Endo* 
oodiams konstatiert Bei analogen Injektionen in die Hunde wieder- 
holen sich dieselben Erscheinungen bis zum Tode, jedoch unter 
Vorwiegen der Erscheinungen psychischer Erschlaffung und Ein- 
schlafens der Bewegungsorgane. 

Aus der Gresamtbeit dieser Untersuchungen vermochten die Verff. 
verschi^ene Thatsachen, die schon von einem von ihnen beschrieben 
waren, sicherzustellen und neue zu gewinnen, nämlich: 

1) Die vorwiegende, ja exklusive Giftigkeit des Stofifwechsels 
der floresderenden Bacillen der Gewässer und deren Fäulnis. 

2) Die häufige große Giftigkeit vieler Maiskörner, welches von 
anfien &st gesund scheinen und welche vielleicht durch die Erwei- 
diong des HOus hervorgerufen wird, infolge der Feuchtigkeit und weil 
die oben erwähnten Keime auf jenem Wege eindringen. 

3) Die ffrOßere Giftigkdt der Kulturen in den Monaten, die un- 
mittelbar aaf die Ernte folgen bis zum Mai, und die fortschreitende 
imd evidente Verminderung dieser giftigen Wirkung des Maiskorns 
vom Mai bis späten Diese Thatsache, welcher die größere Entwicke- 
hmgsaktivität der Keime des verdorbenen Maises im Frül^abre ent- 
ipridit, kann die Verstärkung der pdlagrösen Erscheinungen in jener 
Jahreszeit erklären* 

4) Die rasche Gewöhnung der Versuchstiere an die Wirkung 
Boldier Gifte and die Schwierigkeit die Tiere lange Zeit unter dem 
Boflttsse derselben zu erhalten infolge der durch die reizende Wir- 
kung der Flüssigkeit hervorgebrachten starken lokalen Wirkung. 



138 Mittellnogaii ans dem XI. iDt«nuUiOD*leii mediBinigeben KongresM in Bom. 

6) Der Einflaß der Species auf die Wirkung dieser Vergiftung^ 
d. h. das Uebergewicht der reizenden Pliänomene auf die paralytischen 
bei den Kaninchen und das Entgegengesetzte bei den Hunden. 

Verff. sind der Ansicht, daß die von ihren Versuchstieren auf- 
gewiesenen Phänomene sehr analog vielen klinischen ErscheinuageDt 
und sogar der wichtigsten bei der Pellagra sind. Deshalb legen sie 
der toxischen Wirkung der Stoflfwechselprodukte der Mikroorganismen 
des verdorbenen Maises und besonders der Fänlnisbacillen eine große 
Wichtigkeit bei. 

Obwohl die Verff. die Möglichkeit vieler Einwendungen zugeben, 
glauben sie doch, daß ihre Versuche der toxisch-chemischen Pellagra- 
tiieorie von Lombroso zur Stütze dienen. 

Sanarelll, Gt. (Rom), Die Gifttheorie des Abdominal- 
typhus. 

Der Abdominaltyphus, so wie man ihn bei dem Menschen stu- 
dieren oder bei den Tieren experimentell hervorrufen kann, stellt 
einen vor vielen anderen uns wohl bekannten Krankheiten so ver- 
schiedenen Typus dar, daß trotz der zidilreichen in der letzten Zeit 
ausgeführten Untersuchungen sein biologischer Mechanismus noch 
fast vollständig unbekannt ist. Dennoch ist sowohl bei der mensch- 
lichen Infektion wie bei der experimentellen ein Umstand, welcher 
keines Beweises mehr bedarf, hervorzuheben, und zwar die Nicbt- 
proportionalität zwischen der Zahl der in den Geweben vorhandenen 
Mikroben und der Schwere der von ihnen hervorgerufenen Erschei- 
nungen. Dieser Umstand deutet auf die Existenz eines Giftes hin, 
auf welches Verf. seine Aufmerksamkeit gerichtet hat. 

Die Untersuchungen über das Typhusgift, besonders jene von 
Brieger und Fraenkel, welche uns einige Kriterien über seine 
chemische Natur und sdne biologischen Eigenschaften zu geben 
suchten, hatten diese wichtige Frage nicht genügend beantwortet. 
Sie hatten keine besonders aktiven Substanzen erhsdten, mit welchen 
man nicht jene morbösen Gesamterscheinungen hervorrufen konnte, 
welche man als das Resultat einer wahren und spezifischen Typhus- 
vergiftung betrachten konnte. 

Verf. hat gedacht, daß es, um das Typhusgift zu erhalten, vor 
allem nötig sei, sich ein sehr aktives Virus zu verschaffen, und hat 
diesen Zweck durch successive Durchgänge des gewöhnlichen Typhas- 
giftes durch das Peritoneum einer großen Anzahl von Meerschwein- 
chen erreicht 

Hierauf hat er mit diesem Virus glycerinhaltige Bouillon geimpft 
und die sie enthaltenden Kolben während eines Monats bei 37^ 
erhalten, dann sterilisiert und während anderer acht Monate bei 
Zimmertemperatur gelassen. Nach dieser Periode wurden die Kolben 
geschlossen und während einiger Tage bei 60^ erhalten und dann, 
ohne die Flüssigkeit der Wirkung irgend eines Reagenz zu unter- 
stellen, wurde die Wirkung auf Tiere untersucht. Diese Flüssigkeiteo, 
welche nicht nur die eventuellen Stoffwechselprodukte des Ebert- 
schen Bacillus, sondern auch jene der Zerstörung des Mikroben- 



ICtttUiuftii aas dem ZI. intornmtionAlen medlsinisohen Koiigr«sM in Born. 189 

Protoplasmas eotbalten, haben sich sogldch von einer großen Giftig- 
keit erwiesen. 

Dorch die Dosis eines ccm fQr jede 100 g Körpergewicht tötete 
sie Kaninchen; bei sehr kleinen Dosen unterlagen aach weilie M&aso; 
die Meerschweinchen starben infolge von IVs ccm fflr jede 100 g 
Körpergewicht; die Affen selbst erwiesen sich gegen dieses starke 
Gift äofierst empfindlich. 

Aber die Nator der mikrobischen Gifte soll sich nicht nur in 
dem Tode des geimpften Tieres äußern, sondern sie müssen auch 
jene morbösen Erscheinungen hervorrufen, welche mit deqjenigen, 
welche man bei dem kranken Menschen beobachtet, sn vergleichen 
sind. Verf. hat dieses charakteristische morböse Gesamtbild besoo'- 
ders bei den Meerschweinchen und bei den Affen erhalten. 

Bei den Meerschweinchen rufen die Inokulationen von Typhus» 
tozin jene klassische Symptomatologie des Abdominaltyphus hervor, 
welche Verl in einer anderen Arbeit genau beschrieben hat Diese 
Symptomatologie fängt ca. 1 Stunde nach der Impfung der toxischen 
Hflssigkeit an sich zu entwickeln und äußert sich zunächst in einer 
starken abdominalen Trommelsucht, welche von außerordentlicher 
Empfindlichkeit bei der Berflhrung und einer zunehmenden Hypo« 
thennie begleitet ist 

Die gewöhnlich so lebhaften Meerschweinchen bleiben bewegungs- 
los, ihr Rflcken biegt sich, ihre Pfoten sind auseinander gespreizt, 
ihre Bauchwände zeigen eine sehr große schmerzliche Sensibilität 
und alles deutet darauf hin, daß die Abdominalhöhle anfängt, der 
Sitz einer schweren Verletzung zu sein. 

Dieser ersten Periode großer Schmerzen und Reizbarkeit, welche 
etwa 4 — 5 Stunden dauert, folgt eine zweite von einer relativen Ruha 
Die Versuchstiere liegen alsdann kraftlos, unter einem allgemeinen 
beständigen Zittern, und es stellt sich eine oft hämorrhagische Diar- 
rhöe ein, welche bis zum Tode dauert Die Autopsie zeigt charak- 
teristische Verletzungen, reichliches Transsudat in dem Peritoneum, 
die Milz ist vergrößert, zerreiblich und sehr dunkel gefärbt, die 
Därme stark hämorrhagisch, besonders die Wände des DQnndarmes 
sind erweitert, erschlaffe, dünner geworden und vollständig mit Blut 
durchdrangen, ihr Inhalt ist diarrhöisch und blutig. Die Schleimhaut- 
oberfläche ist gerötet und die mit Blut durchdrungenen lymphatischen 
Haufen treten durch ihr Aussehen und ihre Dimensionen deutlich 
hervor. In den Atmungs- und üterusschleimhäuten häuft sich eben- 
falls unter dem Einflüsse des Typhusgiftes Blut an und sie zeigen 
ndi in der Mehrzahl der Fälle wesentlich verändert Ungefähr die- 
sdbeo Erscheinungen entwickeln sich auch bei den Affen. 

unter dem Einflüsse des Toxins allein hat Verf. bei diesem 
Tkre das Erscheinen der charakteristischen Typhusoscola beob- 
achtet, deshalb glaubt er, daß sowohl die schweren Schleimhaut- 
Verletzungen, als das Typhusexanthem der Wirkung des Giftes zu- 
nschreibcn sind, welches gegenüber den verschiedenen Geweben und 
Organen identische lokale Wirkungen auszuüben scheint, gleich den- 
jenigen, welche bis jetzt als eine Folge von mikrobischen Lokali- 
ntioQeo angesehen worden sind. Unter den histologischen, durch 



192 MitteUnngen aiu dem XL intoroatiooftlaa medisinisehen Kongresse ia Rom. 

2) Außer den aUgemeinen toxischen, vielen anderen Giften eigenen 
Erscheinungen, hat das Typbustoxin eine sehr energische Wirkung anf 
alle Schleimh&ute im allgemeinen und speziell auf die Darmschleim- 
haut, da es gewaltige venöse Kongestionen, ausgedehnte embryonale 
Infiltrationen, die Hypertrophie der Pey er 'sehen Follikeln, akute 
Entzündungsödeme, Hämorrhagieen und Geschwürbildungen in dem 
Yerdauungskanale und besonders in dem Dünndärme hervorbringt. 

3) Alle diese anatomischen Ver&nderunffen , deren Sitz der 
Darmkanal ist, und welche sich unter dem Einflüsse des Typhustoxins, 
aber unabhängig von der Anwesenheit der Mikroben entwickeln, sind 
von solchen charakteristischen objektiven Erscheinungen begleitet, 
daß sie die engste Analogie mit der Symptomatologie des mensch- 
Jichen Typhusfiebers darbieten. 

4) Weder bei dem experimentellen noch bei dem menschlichen 
Abdominaltyphus findet man Eber th 'sehe Bacillen in dem Darm- 
inhalte; dies bestätigt die Ansicht, daß die bei dieser Krankheit be- 
obachteten Darmverletzungen als von toxischem Ursprünge herrührend 
zu betrachten sind und entzieht der alten Ansicht, nach welcher 
4er Abdominaltyphus ausschließlich als ein in dem Darme ent- 
standener und lokalisierter Infektionsprozeß anzusehen ist, jeden 
Wert. 

5) Diese Abwesenheit der Eber t haschen Bacillen in dem Darme 
-des Menschen und der Tiere kann zweifach erklärt werden: a) da- 
<lurch, daß der Abdominaltyphus nur eine Infektion des lymphatischen 
Systems ist und daß das Virus sich hier vorzugsweise lokalisiert und 
vermehrt; b) dadurch, daß, sobald dieses Gift durch Uervorrufung 
der anatomischen und funktionellen Veränderungen der Krankheit 
seinen Einfluß auszuüben anfängt, das Bacterium coli defl 
Darmes pathogen wird und sich außerordentlich entwickelt und der 
einzige Vertreter der Darmflora zu werden strebt, indem es alle 
anderen Mikrobenspecies zerstört. 

6) Bei dem Vorhandensein aller dieser schweren anatomischen 
und toxischen Veränderungen der Darmschleimhaut bildet diese untei 
dem Einflüsse des Typhusgiftes stattfindende bedeutende Entwicke^ 
lung des Bacterium coli den wichtigsten Grund aller deijenigen 
bei dem Abdominal typhus durch das Bacterium coli hervorge- 
rufenen so bekannten und häufigen sekundären Infektionen und 
Lokalisationen. 

7) Die gegen den Typhusbacillus geimpften Tiere sind 
auch gegen das Bacterium coli geschützt, letzteres fängt alsdann 
auch aus dem Darme, wo es sich gewöhnlich befindet, zu verschwinden 
an, indem es vielleicht von den Epithelzellen selbst zerstört wird 
wdche sich in diesem Falle ihm gegenüber wie jede andere phago 
cytäre Zelle des geimpften Organismus verhalten würden. 

8) Wenn aber das Bacterium coli unter dem Einflüsse des 
Typhustoxins den Darm verläßt, nachdem das Tier zum Teil schoi 
gegen den Abdominaltyphus geimpft ist, so ruft es keine allgemeine 
Infektion hervor, sondern veranlaßt je nach dem Grade der von 
Organismus erlangten Immunität in den Serösen chronische, lokali- 



Chemotropinras dtr Pllsa. 193 

Hrte, mdir oder weniger schwere EDtasOndongsproEeBse, welche ge- 
vChaUdi Yon sdbst heUen. 

Fawtowaky (^ew), Behandlung und Heilung des Mils- 
brandes mittels einiger Proteine. 
Verl hat die Wirkung einiger Prottfne, welche eine positive 
Chanotaade geben (Papaiotin, Alerin) bei der Behandlung des Milz- 
brandes untersucht und gefunden, daß diese Stofle die Phagocyiose 
eriüHieD mid das Tior heilen, indem es dabei auch die Immunit&t 
gegen qiätere Ifüzbrandinfaktionen erlangt Zur Behandlung der 
PoBtula maligna beim Menschen schlügt Vorf. die Einimpfungen von 
obigen ProMdien vor. (FortMUimg folgt.) 



Rstbrats. 



BjeahlybnabB, üeber Ghemotropismus der Pilze. (Botan. 

ZätoBK. 1894. Heft 1. 1 Tal 27 p.) 
VecBdüedene Beobachtungen an Pilzen, z. B. unter anderem das 
EiodrisgeD der parasitischen in ihre Wirtspflanzen, machen es wahr- 
srheinlich, daS die Pibse chemotropisch reizbar sind. Die Aufgabe 
der ¥Qriiegenden Arbeit ist es, diesen Punkt zu prOfen, und zwar 
wuden die Versuche angestellt mit Mucor Mucedo, M. stolo- 
aifer^Phycomyces nitens,Penicillium glaucum, Asper- 
gillus niger und Saprolegnia ferax. Die Methode ist aber 
folgende: Man ließ im feuchten Baume die Sporen auf mit Löchern 
oder OeAumgen Tersehenen H&uten keimen und legte diese auf die zu 
prifonden Ifedien. Wirkten letztere anlockend, so mußten die Hyphen 
oaA den Oeffhungen hin und durch dieselben hindurchwachsen. 
AfidereafidlB wuchsen sie ruhig weiter, unbekQmmert um dieOefihungen. 
Ais sekr «eignet erwies sich die Wahl TonBlftttemvonTradescantia 
fesieoior und T. procumbens, welche mit der Lösung des zu 
i^ersiiclieDden Stofcs injiziert wurden. Die Pike wuchsen durch 
die Spehflffiiujigen. Kamen aber durchlochte C!ollodiumh&ute oder 
Gfimmeiplittcben oder die Oberhaut von Allinm Cepa zur An- 
leBdimg, 80 wurden sie mit der Unterseite auf eine Lflsung gelegt, 
vdehe den betreffenden Stoff enthielt, oder auf Gelatine, der derselbe 
kägenisclit war. Außerdem kam nodi eine andere MethodOi aber 
veaiger anagiebig, zur Anwendung, da ihre Ergebnisse nicht von 
gindkr Sieherbeit sind. Enge Kapillaren wurden mit dem zu 
pitfenden Stoffe gef&Ut und zu den unter dem Dedcglase wachsenden 
Hjphen zogesdioben. Am geeignetsten erwies ttch diese Methode 
ffr Saprolegnia. 

War dar zu prOfeade Stoff ein Beizmittel, so wuchsen die 
SeM*«riift ihm entgegen uod drangen durekt in die Oeffnung ein 

xim. ift 



194 Ch«ttoferoplimnt dtr Plli#. 

oder machten vorher eine enteprecbende Krflmmung auf sie zo. i 
mal durchgedningen durch die Oeffnangen, wachsen sie in dem d 
unter befindlichen Medium weiter. Diese Ablenkung ist thatsächl 
auf chemotropischen Beiz zurflckzuflUiren. Durch verschiedenarl 
Versuche wurde ermittelt, daß kein Kontaktreiz mit im Spiele 
Auch Geotropismus wirkt nicht mit. Durch die Versocbsanstelli 
war Sorge getragen, daß Differenzen im Feuchtigkeitsgehalte ud^ 
der Intensität des Lichtes ausgeschlossen waren. Uebrigens wo 
noch besonders ermittelt, daß das Licht einflußlos ist Den Ein 
der Temperatur auf den Beizyorgang hat Verl nicht untersucht, 
Experimente wurden bei einer Temperatur zwischen 17 und 21 
angestellt. Unter „Ghemotropismus'' werden die KrAmmungsbe 
gungen verstanden, welche die Hyphen nach der Reizquelle hin c 
von ihr weg ausfahren. Vollst&ndig davon zu scheiden ist die hil 
damit Hand in Hand gehende ,4okale Vermehrung^', d. h. die i 
mehrte Bildung von oft vielfach verzweigten Seitensprossen, was a 
Folge eines chemischen Reizes sein kann. 

Die jungen Keimschläuche finden ihren Weg noch aus e 
Entfernung, welche das 12— ISfache der Sporenl&nge betr 
Das wurde so ermittelt, daß man auf ein nur mit wenigen Loci 
versehenes Gollodiumhdiitcfaen Sporen auss&te, Schläuche, we 
sich innerhalb obiger Entfernung noch befanden, richteten ihr^'Si 
einer OeShung zu. 

Auf ihre Reizwirkmg wurden geprüft: Phosphate, Mitrate, I 
fate, Ghloride, Ghlorate, Garbonate, anorganische und (^anii 
S&uren, Alkalien, Kohlehydrate und Mischungen wie Fleischeitr 
Pflaumendekokt u. a. Substanzen. „Von diesen Stoffisn waren ei 
gute Lockmittel, andere erzeugten wenigstens eine leidliche pos 
chemotropische Wirkung, noch andere wirkten nachteilig, zum i 
desten nicht anlockend. Abgesehen von diesen in der Natur 
Stoffe begründeten Unterschieden war aber auch eine spezifi^ 
EigentflmlichkeH der verschiedenen Pilzarten denselben Stoffen gej 
über zu bemerken. Unsere 5 Schimmelpilze verhielten rieh zieno 
ähnlich, Saprolegnia jedoch zeigte ein etwas abweichaides ^ 
halten.'' Die Pilze werden angelockt durch Ammonverbindui 
(Ammonnitrat, Ammonchlorid, Ammonmalat, Ammontartrat), PI 
phate (Kaliumphosphat, Natriumphosphat, Ammonphosphat), Fleii 
extrakt, Pepton, Zucker, Asparagin etc. Von anorganischen Sa 
wirkte besonders gut AmmonphosphaL „Zuckerarten, zumal R* 
und Traubenzucker, waren für Schimmelpilze vorzflgliche, für Sa p 
legnia nicht ganz so gute LockmitteL Dextrin zog alle kri 
an. Die ausnahmslos anziehende Wirkung des Fleischextraktes } 
zweifellos durch die in ihm enthaltenen Phosphate bewirkt An( 
phosphorhaltige Stoffe, wie Lecithin, übten auf Saprolegnia 
ziel^ung aus, ebenso Knop'sche Nährlösung, jedenfalls auch w< 
der darin enthaltenen Phosphate. — Es giebt auch einige Stoffe, 
keine oder kaum eine Wirkung haben, z. B. Glycerin und Gu; 
arabicum inl— 2-proz. Lüsung. In höheren Konzentrationen wir! 
sie etwas,^ Bq^ulsiv wirkten alle freien anorganischea uad e 



ChenotropUmiu dar PUm. 195 

niscfaen S&aren, Alkalien, Alkohol und einige Salze, z. B. weinsaufes 
Kiliam-NatriuiQ, Kalisalpeter, cblorsaares Kali, MagnesiumsolfiEit etc. 
Alle diese Stoffe kamen in so schwachen LOsangen zur Anwendung, 
dsB sie nicht schädlich wirken konnten« Repulsiv können auch nodi 
gute Lockmittel wirken, wenn sie in entsprechend hoher Konzentra- 
tion in Anwendung kommen. Die Ursache der Repulsion ist entweder 
in dner osmotischen Wirkung oder in den spezifischen Eigenschaften 
des betreffenden Stoffes zu suchen. Die repulsive Wirkung eines 
Stoffes wurde in der Weise ermittelt, daß er einem als anlockend 
bekannten Stoffe beigemischt wurde. Wird die Wirkung des letzteren 
mdit beeinträchtigt, so schließen wir auf Indifferentismus des zu 
prttfenden Stoffos, bleibt die Anlockung aus, auf Repulsion. 

Es best&tigt sich fflr die Pilze, daß dem N&hrwerte eines Stoffes 
8dne chemotropische Reizwirkung keineswegs entspricht. Salpeter 
osd Glyoerin sind gute Mährstoffe und doch wirkt ersterer abstoßend 
Qod dies verhält sich indifferent. „Einige der besten Lockmittel 
haben sehr kleine „Schwellenwerte**, d. h. schon sehr kleine Mengen 
lisseD eine Reizwirkung zu Tage treten. Der Schwellenwert des 
Flöacheztiaktes z. B. fQr die Keimschläuche der Saprolegnia 
wir eine 0,006-proz. Lösung, der des Traubenzuckers fttr Mucof 
Mucedo nnd stolonifer eine 0,01 -proz., der des Ammonnitrates für 
dieselben Pilze eine 0,05-proz.** „Vergleicht man diese Schwellenwerte 
mit den Yon Pfeffer ffir Apfelsäure und Rohrzucker bei der Ein- 
virknng auf Spermatozoiden gefundenen, so erscheinen sie bedeutend 
höher, doch darf man dabei nicht vergessen, daß unsere Versuchs- 
aoOTdnung eine allmähliche Verminderung der Konzentrationsdifferenz 
mit sich bringen mußte. Ohne diese würden die Schwellenwerte 
Biedriger gefunden werden, und man darf annehmen, daß die chemo- 
tropisdie i^pfindlichkeit der Pilze der chemotaktischen der Samen- 
fibden nichts nachgebt Bei letzteren f&hrt eben die schnelle Reaktion 
zum Erfolge, ehe die Konzentrationsdifferenz sich erheblich verschieben 
lumnte.** Somit können die betreffenden Werte nur annähernde sein. 

Yerf. giebt eine eingehende Liste der untersuchten Stoffe und 
der angewandten Konzentrationen nebst ihrer Einwirkung auf die 
Pihe. Auf die Liste muß hier verwiesen werden, nur soll dn Beispiel 
aBgeftthit werden. „Traubenzucker wirkte auf M u c o r stolonifer 
sctoi in 0,01-proz. Konzentration schwach, aber deutlich ein. Bei 
Q,l-pros. wurde die Anziehung bedeutender und stieg weiter mit 
wa^^aender Konzentration. Von 2—5 Proz. erreichte die Wirkung 
ihren Höhepunkt, hier wurden alle Hyphen ohne Ausnahme stark 
uch der Reizquelle abgelenkt unter Bildung reichlicher Sproßung.*^ 
50-proz. Lösung wirkt repulsiv. 

Die Abhängigkeit der Reizwirkung von dem Konzentrations- 
Yerhaltnisae richtet sich nach dem W ehe raschen Gesetze, me sich aus 
den Versachen ergiebt. Ein mit Sporen besätes durchlochtes 
OoQodiamhäntchen wurde zwischen zwei sich rechtwinkelig kreuzende 
FlieSpapierstreifen gelegt. Durch jeden strömte eine Lösung ver- 
•chiedeaer Konzentration, pnd zwar durch den unteren Streifen die 
höher konzentrierte. Erst wenn diese das lOfache der oberen er- 



196 Typ»»«. 

reicht, findet eine Ablenkung der Hyphen in der Richtung auf sie 
zu statt 

Auch die parasitischen Pilze Botrytis Bassiana und B. 
tenella zeigten deutliche Ablenkung bei Anwendung von 2 Proz. 
Fleischextrakt oder 2 Proz. Pepton. Schwacher war die Beizwirkung 
durch 2 Proz. Harnstoff und mit 2 Proz. Rohr- und Traubenzucker 
wurde keine Ablenkung bemerkt. Uredo linearis wurde durch 
einen Dekokt von Weizenblftttem gereizt 

Daß die Hyphen die Zdlw&nde durchbohren, wurde mit Peni 
cillium glaucum, Aspergillus niger, Mucor Mucedo 
M. stoloniferi Botrytis Bassiana, B. tenella nachgewiesen 
Waren sie in die iigizierten Trade scantiablfttter hineingewachsen, 
durchdrangen sie bald alle Oewebe und durchbohrten die ZeUwftnde, 
Lagen Zwiebelschalenepidermen oder kftnstliche Celluloseh&ute N&hr 
medien auf, so wurden diese Membranen ?on den Hyphen durch- 
bohrt, weil diese chemotropisch gereizt werden. Wahrscheinlich be- 
dingt ein solcher Reiz auch das Eindringen parasitischer Pilze durch 
die Membranen in ihre Wirtspflanzen. Wieler (Braunschweig). 

SanarelU, Etudes sur la fiövre typhoide exp^rimentale. 

K.us dem Laboratorium von E. Metschnikoff im rasteur^schen 
stitute.] (Annales de Tlnstitut Pasteur. 1894. p. 193.) 
Verf. setzt sich als Ziel die Beziehungen zwischen Tvphusgift 
und den charakteristischen Veränderungen bei menschlichem und 
experimentellem Typhus festzustellen. Er kommt dabei zu folgenden 
Bonitäten : 

1) Der E b er t hasche Bacillus bildet nach seinem Eindringen 
in den Organismus eine sehr wirksame toxische Substanz, weiche 
durch Einwirkung auf die nervösen Centren eine rapide Yergiftang 
entstehen I&ßt, die den Tod durch Kollaps herbeiführt. 

2) AuSer den allgemeinen toxischen Erscheinungen, welche das 
Typhusgift mit vielen anderen Giften gemein hat, wirkt dasselbe sehr 
energisch auf die Schleimhäute, insbesondere auf die Darmschleim- 
haut ein, indem es venOse Stauungen, Infiltrationen, Hypertrophie 
der Peyer*schen Plaques, Entzündungen, Hämorrhagieen und Ulce- 
rationen im ganzen Darmkanale, am meisten aber im Dünndarme 
hervorruft. 

8) Alle diese von dem Typhusgifte, unabhängig von der Anwesen- 
heit von Typhusbacillen , hervorgebrachten anatomischen Verände- 
rungen sind von objektiven Erscheinungen begleitet, welche genau 
mit den Symptomen des Typbus beim Menschen übereinstimmen. 

4) Bei dem experimentell erzeugten Typhus finden sich die 
Eberth 'sehen Bacillen ebenso wie beim Typhus des Menschen, 
gewöhnlich nicht im Darminhalte. Diese Thatsache bestätigt, daß die 
Darmafiektionen bei T;^phu8 ausschließlicb auf Giftwirkung beruhen, 
daß also die alte Ansicht, welche in dem Typhus eine Allgemeio- 
infektion mit Lokalisation im Darme sieht, falsch ist. 

5) Die Abwesenheit der Typhusbacillen im Darme erklärt sich 
erstens daraus, daß der Typhus nur eine Infektion des lymphatischen 



Mtaiogitli. — Vibrio Meteehnikorl. 197 

Systems dantellt, in welchem die Erreger sich hauptsächlich auf- 
balteDy vermehren und ihr Gift produzieren. Der zweite Grund liegt 
darin, daS Yon dem Augenblicke ab, in welchem das Gift die beschrie- 
beom Lftsionen der Darmwandungen verursacht, das Bacterium 
coli, welches sich stets im Darminhalte findet, pathogen wird, sich 
imgdieiier vermehrt und alle übrigen im Darme vorhandenen Bak- 
terien durch Ueberwuchem vernichtet 

6) Die unter dem Einflüsse des Typhusgiftes vor sich gehende 
ongebeore Vermehrung des Bacterium coli bildet die erste 
Ursache der Infektion und der anatomischen Veränderungen der 
DarmHChlfiimhant 

7) "Wenn das Bacterium coli aus dem Darme auswandert, 
wihrend der Tiericörper durch Impfung schon gegen den Typhus 
geschützt ist, so entsteht niemals eine Allgemeininfektion; es kommt 
dann viehnebr, je nach dem Grade der erworbenen Immunität, zu 
chronischen entzündlichen Prozessen der serOsen Häute, die mehr 
oder weniger schwer sind und durch Heilung endigen können. 

8) Die nere, welche Impfschutz gegen den Typhusbacillus 
erworben haben, besitzen solchen auch gegen das Bacterium coli. 
Letsteree verschwindet in diesen Fällen aus dem Darmkanale, vielleicht 
veil es von den Schleimhautzellen des vaccinierten Organismus zer- 
stört wird. Gerlach (Wiesbaden). 

fiiwsset, Pneumococcie m^ning^e. (La Semainem6dicale.l894. 
Na 14.) 
Beschreibung und Epikrise der Krankengeschichten von 3 Fällen 
einer Geiebroqpinalmeningitis, welche sämtlich Soldaten des zweiten 
franiönsehen Genieregimentes betrafen und im Winter 1893/94 zu 
Montpellier beobachtet wurden. Die beiden ersten Fälle endeten mit 
dem Tode; nach der Sektion der Verstorbenen ergab sich ans der 
1)akteriologischen Untersuchung das Vorhandensein von Pneumokokken 
in dem meningitischen Exsudate und in dem flüsdgen Inhalte der 
Himhfihlen. In dem einen Falle scheint eine Erkrankung der Lunge 
licht vorausgegangen zu sein, in dem anderen hatte der Verstorbene 
for Beginn der Meningitis bereits an Mandelentzündung, Otitis und 
doppetaeitiger Lungenentzündung gelitten. Die dritte Ericrankung 
eodete mit Genesung; der Erkrankte hatte früher mehrmals Gelenk- 
Aeamstiamiis überstanden. Kühler (Berlin). 

PfUd^ Ueber das Vorkommen des Vibrio Metschnikovi 

(Gamalela) in einem öffentlichen Wasserlaufe. [Aus 

dem bstitate f&r Infektionskrankheiten in Berlin.] (Zeitschr. für 

Hygieiie lud Infektionskrankheiten. 1894. p. 234.) 

Verl hat ans dem Wasser des Nordhafens in Berlin einen 

Vibrio isoliert, der sowohl in seinem morphologischen, als auch in 

Kmem kulturellen Verhalten und in seiner Pathogenität dem Vibrio 

Ketsch nikoff entspricht, und welchen er als mit letzterem iden- 

tiich betrachtet. Es scheint demnach, daß derselbe ein Bewohner 



198 Cholei». 

der öffentlichen Wasserläufe ist, worauf bei Dntersnchung tou Wasser- 
proben auf Cholerabacillen Racksicht zu nehmen ist 

6erlach^(Wie8baden). 

Leo H. und Sondermann R., Zur Biologie der Cholera- 
bacillen. [Aus dem Laboratorium der medizin. Klinik zu Bonn.] 
(Zeitschrift für Hygiene. XVL p. 505.) 
Verff. studieren den Einfluß der Galle, des Harnstoffes und des 
Borax auf das Wachstum der Cholerabacillen. 

In Bezug auf die Galle ist zwischen dem alkalisch reagierenden 
reinen Sekrete und dem durch Vermischung mit der Salzsäure des Haffen- 
Inhaltes entstehenden sauren Gemenge zu unterscheiden, in welchem 
außer der ttberschttssigen Salzsäure sich auch die freien Gallensäuren 
befinden. Da die Salzsäure auf die Cholerabacillen abtötend wirkt, 
wird zur Zeit des Abflusses von salzsäurehaltigem Mageninhalte in die 
oberen Partieen des Darmkanales eine Propagation der Cholerabacillen 
nicht stattfinden können. Unter pathologischen Verhältnissen, in 
welchen die Salzsäureproduktion des Magens häufig damiederliegt, 
sowie auch bei normaler Salzsäuresekretion, besonders bei Aubahme 
stark säurebindender Nahrung, kann die Galle auch in den oberen 
Darmabschnitten ihre alkalische Reaktion behalten. Das Gleiche gilt 
für Säuglinge, bei welchen freie Salzsäure (nach Leo) erst nach 
völliger Entleerung des Magens nachweisbar wird. Cholerabacillen 
sind aber gerade dann infektionstüchtig, wenn sie den Magen passieren, 
während freie Salzsäure in demselben nicht vorbanden ist Daher 
isf die Untersuchung des Verhaltens der unveränderten Galle gegen 
Cholerabacillen von Interesse. Leubuscher hat in einer ausfOhr- 
lichen Arbeit (Zeitschr. f. klin. Medizin. XVIL p. 472) gezeigt, daß 
Cholerabacillen, wenn sie in reichlicher Menge der reinen Grdle zu- 
gefügt werden, sich gut weiterentwickeln. Verff. prflfen, wie sich ge- 
ringe Baeillenmengen der Galle gegenflber verhalten und welchen Ein- 
fluß die Höhe des Gallengehaltes im Nährboden auf das Wachstum 
der Bacillen hat. Versuche mit Hamatoff und Borax werden dem 
angeschlossen, weil ersterer bei der Anurie des Cholerakranken im 
Darm auftreten kann und weil letzterer dyspeptische Erscheinungen 
bekanntlich in sehr günstiger Weise beeinflußt. 

Die frische Rindsgalle wurde, soweit sie sich nicht als keimfrei 
erwies, durch mehrtägige fraktionierte Sterilisation (60® C) vorbe- 
reitet; Harnstoff und Borax wurden in Wasser gelöst und im Dampf- 
kochapparate sterilisiert. Zur Feststellung der entwickelungshemmen- 
den be^w. befördernden Wirkung der Substanzen wurde Nährgelatine 
mit verschiedenen Mengen derselben vermischt, von einer äiolera- 
kultur aus geimpft und zur Platte ausgegossea Um die abtötende 
Wirkung auf Cholerabacillen festzustellen^ wurden die betr. Lösungen 
direkt mit Eommabacillen geimpft und davon kleine Proben mittäst 
Platindse nach bestimmter Zeit auf gewöhnliche Nährgelatine über' 
tragen. Die Gelatineplatten wurden bei 22^ C gehalten. Ein Ge- 
halt des Nährbodens an Galle bis zu 50 Vo oder etwas darüber läßt 
eine sehr deutliche Begünstigung des Wachstums der Kommabacillao 



Cholera. 199 

akenooB, während eio erheblich höherer Gehalt an Galle eine Ent- 
ikkelangshemmaDg, aber keine abtötende Wirkung erzielt Die 
Fordeinog des Wachstums durch Zusatz von nicht zu großen Mengen 
m Galle zum Nährboden liegt wahrscheinlich in der Steigerung der 
Alkalttcenz desselben, welche in ihrem günstigen Einflüsse die ent- 
fiddungshemmenden Bestandteile der Galle übertrifft. Viele Parallel- 
venoche mit Wasserzusatz haben jedoeh gezeigt, daß die durch Zu- 
satz der Galle bewirkte Verdünnung des Nährbodens die Hauptrolle 
ia dieser Hinsicht spielt und daß ebenso wie in verdünnter Bouillon 
loch in verdünnter Nährgelatine die Gholerabacillen besser wachsen, 
&b in den konzentrierteren Medien. — Die entwickelungshemmenden 
Kiifie der Galle liegen wohl in den gallensauren Salzen ; auch dem 
HanstoSe, einem konstanten Bestandteile der Galle, kommt ein Teil 
<ler Wirkung za. Im Organismus wird die entwickelungshemmende 
Eigeoschaft der Galle wohl niemals zur Geltung kommen, da der 
DmsiBlialt selten mehr als 60% Galle enthalten wird. 

Seut man der Nährgelatine 1,45 % Harnstoff zu, so zeigt sich 
IQ derselben schon eine deutliche Entwickelungshemmung der Komma- 
!»cilleD, die bei hüherem Gehalte an Harnstoff gesteigert wird. Mehr 
üs 4^% Harnstoff verträgt die Nährgelatine aber nicht, ohne Ein- 
biite an ihrer Erstarruogsfthigkeit zu erleiden. Eine 10-proz. Harn- 
^tofflfisong hat die Fähigkeit, bei SO-stündiger Einwirkung auf Gholera- 
badHeo diese abzutöten. Es ist also anzunehmen, daß die wäh- 
rend der Cholera bei Anurie auftretende Ausscheidung von Harnstoff 
dvch die Dannschleimhaut einen direkt schädigenden Einfluß auf 
die Entwickelung der Kommabacillen ausübt. 

Ein Gebalt der Nährgelatine an Borax in der Höhe von 1 : 1000 
'^i eine deutliche Wachstumshemmung eintreten, während eine solche 
^«i einer Höhe Ton 1:5000 nicht mehr zu beobachten ist. Schon 
nne O^proz. Boraxlösung läßt abtötende Eigenschaften gegen Cholera- 
fe^Hen erkennen; eine ö-proz. Boraxlösung tötet dieselben nach 17 
MoDden sicher ab. Da der Borax 10 Moleküle Krystallwasser ent- 
eilt, 80 war der wirkliche Gehalt an Natr. biboracicum nur halb so 
^1, ab die mitgeteilten Zahlen angeben. 

Gerlach (Wiesbaden). 

PiAomoil^ Zur Biologie des Gholeravibrio und über 
deggen Verhalten auf einigen Nahrungsmitteln. 
(PrvtokoUe der Kaukasischen medizinischen Gesellschaft 1893/94 
So. 9.) 

P. hat tU>er die Dauer dor Lebensfähigkeit des Cholera- 
Vibrio auf verschiedenen Obst- und Gemüsearten Untersuchungen 
^ipiteUt Er gelangt hierbei zu Ergebnissen, welche den fast 
deidiieitig publizierten Resultaten von Friedrich (Arbeiten aus 
'c& Kaiserüchen Gesundheitsamte. Bd. VIII.) so ziemlich nahe- 
kouen. P. hebt noch die Thatsache hervor, dafi die Cholera- 
^lea viel Unger auf gekochtem Gemüse (rote Rüben, Zwiebel) 
^uf rohem sldi erhalten. Sacharoff (Tiflis), 



200 Chol«». 

letsehidkoff, E., Becherches Bor le cboUra et les 
▼ibrioDü. Troisiöme memoire. Sor la Variation 
artificielle da yibrion chol6riqiia A?ec one planche. 
(Annales de rinstitut Pasteur. 1894. No. 6.) 
Verf. unterzieht zunächst einige neuere deutsche Arbeiten über 
Cholera einer eingehenden kritischen Besprechung, so besonders die 
▼on Dräsche, Oruber, femer die ?on Pfeiffer und Issaeff. 
Unter den Choleravibrionen, welche aus Dejektionen oder aus Wasser 
isoliert werden, kann man zweierlei morphologisch verschiedene Arten 
unterscheiden: kurze und lange dflnne. Als Beispiel fttr letztere 
wird die Cholera Massauab angeführt Diese Typen sind stets kon* 
stant und behalten ihre Form auf allen Nährboden, man hat deshalb 
schon 2 Arten der Choleravibrionen unterschieden, was aber nsch 
der Ansicht des Verf.'8 unrichtig ist. Man kann nämlich leicht die 
eine Art in die andere übergehen lassen, sobald man dieselben dnrch 
immunisierte Meerschweinchen gehen läßt, wobei sie von Leukocyten 
aulgenommen werden. Impft man die langen Massauahvibrionen intra- 
peritoneal auf Meerschweinchen, so erhält man ans dem Exsudate 
kurze Formen, wdche den kurzen, von Koch ursprünglich beschrie* 
benen gleichen. Diese Veränderungen sind jedoch nicht konstant and 
es besteht stets Neigung, bei weiteren Umzüchtungen die ursprüng- 
liche Form wieder anzunehmen. Metschnikoff gelang es, dorcb 
langsame Einwirkung äußerer Einflüsse eine kurze t^ische Form 
dauernd zu verändern. Er benutzte hierzu eine aus emem Cholera- 
fall in Angers isolierte Kultur, welche für Meerschweinchen, Kanin- 
chen und Tauben hochgradig pathogen war. Dieser hohe Virolenz- 
grad veränderte sich aber im Verlaufe von 8 Monaten um mehr als 
die Hälfte, während die morphologischen Eigenschaften auch unter 
dem Einflüsse antiseptischer Mittel stets konstant blieben. Wnrde 
nun diese Kultur lange Zeit in 1-proz. Peptonwasser bei 36 ® gehalten, 
so wurde die Form in dem Maße, als die Flüssigkeit verdampftei 
immer mehr lang und dünn. Nach 26 Tagen, als von der 
Nährflüssigkeit nur noch 5 — 6 ccm vorhanden waren, hatte schon 
der größere Teil, nach 43 Tagen hatten alle Vibrionen lange und 
dünne Formen angenommen, welche sie nun konstant auch bei 
weiteren Umzüchtungen und nach der Passage durch den Tierkörper 
behielten. Die Virulenz dieser künstlich abgeänderten Art war nin 
die Hälfte geringer, als die der ursprünglichen. Bei einer aus einem 
CholeraCall in Brest isolierten Kultur gelang diese Umwandlung 
nicht Ein in Cassino von Sanarelli isolierter Cholera- 
vibrio zeigte dagegen so verschiedene, zum Teil bizarre Formen, 
daß man oft an eine Mischknltur dachte. 

Nach alledem sieht Verf. den Choleravibrio als eine der 
pleomorphsten Bakterien an; je mehr sich die Kenntnisse der morpho- 
logischen Eigenschaften der Bakterien erweitem, um so schwieriger 
wird es, dieselben in scharf gekennzeichnete Species einzuteilen; statt 
dessen muß man mehr oder weniger große Gruppen unterscheiden. 
Bei dieser Variabilität des Cholera vi brio in Bezug auf seine 
Form, Viralen« etc. ist die Diagnose natürlich äußerst schwierig; 



ChoUra. 201 

aber aacb Befunde bei Immanisierungsveraochen werden bei dem 
iDkoDBtanten Verhalten der Vibrionen nur schwer sich beurteileii 



> I Andererseits trägt die Kenntnis dieser Variabilit&t viel zur 
Ki&rung vowhiedener Fragen bei. Es ist gut möglich, daß der 
CholeraYibrio im Wasser oder im Darme des Menschen sein 
kann, ohne Infektion hervorzurufen, und daß derselbe, um eine 
Kiankheit zu verursachen, in besonders günstigen Bedingungen leben 
muß. Det Arbeit liegen zwei Photogramme bei, welche den Unter- 
sdiied der kurzen und der künstlich veränderten langen Form deut- 
häi veraDSchaulichen. Dieudonnö (Berlin). 

Btrionl-Ulfrediizzl und Abba^ Ueber eine vom Menschen 
isolierte Varietät von Gholerabakterien und über 
die bakteriologische Choleradiagnose. (Hygienische 
Rundacbau. 1894. p. 481.) 
Eine von Nizza, woselbst eine Choleraepidemie bestand, kommende 
Frau verstarb nach 48-stündigem Kranksein in Turin unter den Ecr 
scheinungen der asiatischen Cholera. Fünf Stunden nach dem Tode 
worden vom Danninhalte Platteidculturen und Kulturen in salzhaltiger 
BouilloD, sowie von dem Milchsafte und dem Herzblute Platten- 
kaltUFeo auf Agar angelegt. In allen Kulturen wurde derselbe ge- 
krümmte Bacillus gefunden. Das makroskopische Aussehen 
der Kulturen auf Agar und der Stichkulturen in Gelatine entspricht 
genau demjenigen der Cholerakulturen, nur geht die Verflüssigung 
der Gelatine viel schneller als bei jenem vor sich. Das mikro- 
skopische Bild ist aber schon bei den jungen Kulturen ein anderes, 
als bei Cholera. Die jungen Kulturen auf Gelatine besteben am 3. 
Tage aus einem grauweißen, glänzenden, kömigen Centrum, welches 
von einem Hofe flüssiger Gelatine umgeben ist, welche durch eine 
dentlidie kreisförmige Linie begrenzt ist. Die Bacillen sind dicker 
ood kürzer als diejenigen der asiatischen Cholera, auch findet man 
neben den gdurümmten zahlreiche gestreckte und selbst kurze, dicke, 
fast wie Kokken aussehende Formen. In flüssigen Nährböden tritt 
die Krümmung deutlicher hervor, doch kommt es nicht zur Spirillen- 
biMung. Der bewegliche, mit einer einzigen Geißel versehene Ba- 
cillus wächst in Bouillon oder kochsalzhaltiger Peptonlösung gut 
and bildet ein Häutchen auf der Oberfläche. Milch macht er erst 
oadi 8 Tagen gerinnen. Mit Lackmus g^ärbte Bouillon entfärbt er 
bei 37® C nach 12 Stunden, die Bouillon nimmt aber nach 3 Tagen 
wieder die blaue Farbe an. Auf Kartoffehi bildet der Bacillus 
bei 24 — 34® C eiuen dunkelgelben Belag; auf alkalischer Kartoffel 
zeigt er dieses Bild schon bei einer Temperatur von 20^ C. Von den 
gewtiulUehen Gholerabacillen unterscheidet er sich durch erst naok 
4 Tagen eintretendes Wachstum auf erstarrtem Kalbsserum (bei 37^ C), 
IHe Kitrosoindolreaktion giebt derselbe wie die echten Cholera- 
imhareB. 

Injiziert man de» Organismus Meerschweinchen in 

tohle» 80 steigt die Temperatur in den ersten 4 ak((rae^\f|^df-^ 






202 Cholerm. 

2^ C, darauf folgt eioe Abnahme bis zam Tode, der nacb 24—28 
Stunden eintritt. Die Sektion zeigt die Erscheinungen der Peri- 
tonitis mit Vermehrung der Bacillen im Peritonealexsudate und im 
Blute. Subkutane Impfung ruft nur eine vorfibergehende Tempera- 
tarerhöhung hervor. Tauben erkranken nach der Impfung, gehen 
aber an derselben nicht zu Grunde. 

Nach 9-monatlicher Züchtung ist der Mikroorganismus dem 
Cholerayibrionentypus in seinem morphologischen und Kulturyer- 
halten, sowie in seiner Pathogenität immer ähnlicher geworden. 

Die nun auf Agar gewachsenen Bacillen sind lang und meist ge- 
streckt, während die gekrümmten Formen in flüssigen Nährsubstraten 
überwiegen. Die Entwickelung auf Gelatine und die Verflüssigung 
der letzleren geht viel langsamer von statten als anfänglich. Größere 
Mengen (1 ccm) einer dicken Aufischwemmung von einer 24 Stunden 
alten Agarkultur töten Meerschweinchen unter den Erscheinungen 
einer einfachen Vergiftung, ohne daß eine Vermehrung der injizierten 
Mikroorganismen stattfindet. 

Die Untersuchungen desVerf.'s lassen zwei Thatsachen erkennen: 

„1) Daß der Cholerabacillus auch unter natürlichen Ver- 
hältnissen bisweilen einen solchen Grad von Virulenz besitzen kann, 
daß er beim Menschen eine allgemeine Infektion zu erzeugen und 
sich im Blute und in den inneren Oranen zu verbreiten imstande 
ist, geradeso wie man dies experimentell beim Tiere konstatiert, 
wenn man einen sehr virulenten Bacillus zur Impfung verwendet; 
und 

2) daß es in gewissen Fällen Schwierigkeiten machen kann, die 
Cholera bakteriologisch zu diagnostizieren, wegen morphologischer 
und biologischer Abweichung der gefundenen Bakterien von dem all- 
bekannten Typus.'^ 

Thatsächlich sind neuerdings einige Formen beim Menschen, 
mehr solcher im Wasser gefunden worden, axd welche der vor- 
stehende Satz (2) paßt 

Durch bakteriologische Untersuchungen Turiner Brunnenwässer, 
sowie des Po- Wassers, wobei nur dem Choleravibrio entfernt 
ähnliche Formen gefunden wurden, stützen die Verff. die von Dun bar 
ausgesprochene Anschauung, daß sich dem Cholerabacillus sebr 
ähnliche, fast mit ihm identische Organismen nur in dem Wasser 
solcher Orte finden, an welchen die Cholera geherrscht hat, oder an 
welchen sie sich in der Folge entwickeln wird, während an anderen 
Orten sich Bakterien finden können, die zwar mit dem Erreger der 
asiatischen Cholera einige Aehnlichkeit besitzen, aber sich doch 
leicht von diesem unterscheiden lassen. Ger lach (Wiesbaden). 

Hesse, W., lieber die Beziehungen zwischen Kuhmilch 
und Cholerabacillen. (Zeitschrift f. Hygiene und Infektions- 
krankheiten. 1894 p. 238.) 
Zur Herstellung der zu seinen Versuchen verwendeten Agar- 
platten giebt Verf. folgende Vorschrift: Die zum Versuche benötigten, 
mit 2-proz. Nähragar beschickten Reagenzgläser von reichlich 1 cm 



Cholera. 203 

lichter Weite waren nebst 2 Thermometern, deren eines sich in einem 
weiten, mit Wasser halb gefüllten Reagierglase befindet, in ein Blech- 
geftß verbracht Letzteres wird bis über die Oberfläche der Nähr- 
böden mit Wasser gefüllt. Das Wasser wird bis zum Sieden erhitzt 
und 80 lange gekocht, bis das im Beagierglase befindliche Thermometer 
ebenfalls den Siedepunkt erreicht hat. Hierauf wird das Wasser durch 
Zogabe kalten Wassers auf 40® C abgekühlt und durch ein kleines 
Fl^mchen auf dieser Temperatur erhalten. Sobald das im Reagier- 
glase befindliche Thermometer ebenfalls 40® C anzeigt, sind die Agar- 
gliser zum Gebrauche fertig. Nachdem der Agar mit einer kleinen 
Oese des zu untersuchenden Materials beschickt ist, ¥rird letzteres 
durch mehrmaliges Durchfahren des Agar mittelst einer an starkem 
Platindrahte befestigten, ans schwachem Platindrahte zusammengerollten 
Scheibe von 1 cm Durchmesser sehr gleichmäßig in dem flüssigen 
Mrboden verteilt. Danach wird das Gremisch in eine Petri'sche 
Schale ausg^ossen. — Verdünnungen des Inhaltes eines Agarglases 
Verden dadurch bewirkt, daß man nach dem Mischen mit der Platin- 
sdieibe schnell in ein zweites Agarglas und von diesem in ein drittes 
übergeht. Die Schalen werden, nachdem der Agar gut erstarrt ist, 
ein&tch umgekehrt, so daß der Nährboden nach oben zu liegen kommt, 
imd dauernd in dieser Lage belassen. In so behandelten Schalen 
findet auch im Brütschranke weder Ausscheidung von Flüssigkeit aus 
dem Agar, noch auch zu schnelles Austrocknen des Nährbodens statt. 
Zur Lteung der im Titel der Abhandlung gegebenen Frage wurde 
eine sehr große Reihe von Versuchen angestellt, welche in übersicht- 
lichen, im Originale einzusehenden Tabellen geordnet sind. Hesse 
&ßt die Resultate seiner Versuche in folgende Sätze zusammen : 

1) Frische rohe Kuhmilch ist nicht nur kein Nährboden für den 
Cholerabacillus, vielmehr geht letzterer in ihr zu Grunde. 

2) Der Abtötungsvorgang beginnt in dem Augenblicke, in welchem 
Cholerabadllen der Milch zugefügt werden. Er ist fast ausnahmslos 
W Zimmertemperatur ri5 — ^20® C) binnen 12 Stunden, bei Brüt- 
tenperatur binnen 6—8 Stunden beendet. Hierbei ist es gleichigltig, 
viealt die der Milch zugefügten Cholerakulturen sind, in welchem 
Nährboden sie gezüchtet wurden, und ob mit den Bacillen Teile des 
Nährbodens in die Müch gelangten. Am längsten widerstanden der 
Ibtötnng — aus naheliegenden Gründen — Abstrichklumpen von 
Choiera-Agarkalturen. 

3) Die Abtötung ist unabhängig von dem Säuregehalte der Milch 
^d unabhängig von den Milchkeimen und deren Stoffwechselprodukten, 
^ ist vielmehr als eine Lebensäußerung der lebenden Milch ^) anzu- 
sehen, die mit dem Erhitzen der Milch (auf 100^ G) augenblicklich 
erlischt. 

4) Lange, 3 Stunden und darüber, dem strömenden Dampfe aus- 
gesetzt gewesene Milch ist ebenfiüls kein guter Nährboden für den 
^olerabacillus. Als Ursache hierfür dürfte die mit der Dauer der 
Bowirkung des Dampfetromes zunehmende Säuerung der Milch an- 
^hen sein. 

1) I>tr Bede Sinn ist uns dunkel. Ref. 



204 Cholera. 

5) Kurze Zeit, bis IVs Stunde, dem Dampfstrome ausgesetzte 
Milch ist vorübergehend ein guter Nährboden für den Cholerabacillus. 
Die nach einigen Tagen erfolgende Umkehr in das Gregenteil ist dar- 
auf zurückzufahren, daß die Milch unter dem Einflüsse des Wachstums 
der Cholerabacillen — bis zur Gerinnung des Kaseins — sauer wird. 
Immerhin kann solche saure und geronnene Milch noch wochenlang 
entwickelungsfähige Cholerabacillen enthalten. Letztere selbst er- 
fahren in der säuernden und sauren Milch eine auiSiallende Verände- 
rung ihrer Form. 

Man wird demnach die rohe Kuhmilch gegenüber der gekochten 
Milch als unverdächtig in Bezug auf die Anwesenheit von Cholera- 
bacillen zu h^ten haben (für den Typhusbacillus gilt etwa dasselbe). 
Auch die in kleinen Portionen sterilisierte Kindermilch ist in Rücksicht 
auf ihren schnellen Verbrauch und den luftdichten Verschluß der 
Flaschen unverdächtig. 

Wie sich die durch das Wachstum der Cholerabacillen sauer ge- 
wordene Milch, bezw. die in derselben gewachsenen Cholerabacillen 
bei Infektions- und Immunisierungsversuchen verhalten, bleibt festzu- 
stellen; ebenso, ob rohe Milch oder Buttermilch in Cholerazeiten pro- 
phylaktisch und kurativ zu verwenden ist. Ger lach (Wiesbaden). 

Boueek, Die Cholera im Podebrader Bezirke. Eine 
epidemiologische Studie. Mit Plänen der Städte Pode- 
forad, Sadskä, Pecky und 38 Gemeinden des Podebrader Bezirks. 
München und Leipzig (Lehmann) 1894. 
Boucek hat lediglich auf Grund der Sterbelisten der Epide- 
mieen 1836, 1849 und 1866 eine epidemiologische Studie über die 
Cholera im Podebrader Bezirke verfaßt Er brennt sich als Anhänger 
von y. Pettenkofer's Anschauungen, hat aber den Einfluß der 
BodenbeschafiPenheit nur bei Schilderung der Cholera in der Um- 
gebung (nicht der Stadt selbst) von Podebrad berücksichtigt, besitzt 
auch, wie er selbst angiebt, keine Daten über die Schwankungen des 
Grundwassers. Gegenüber der drohenden Cholera sieht er sich ganz 
machtlos; von der Desinfektion hält er nichts, empfiehlt vielmehr 
Cunningham's Rat zur Nachachtung; „Beim Ausbrudi der Cho- 
lera ist das Verlassen der verseuchten Lokalität das beste und un- 
zählige Male erprobte Mittel, auch dann, wenn die Bewohner ihre 
Kranken und ihre Vorräte mitnehmen/^ Die am Schlüsse angefügten 
Resultate enthalten nur die v. Pettenkof er 'sehen Dogmen; ihre 
Begründung durch die in der Arbeit erörterten Thatsachen ist eine 
höchst mangelhafte. Schill (Dresden). 

Eluczenko und Kamen, Die Cholera in der Bukowina im 
Jahre 1893. (Zeitschrift für Hygiene. Bd. XVL 1894. 
Heft 3.) 
Die Bukowina war trotz wiederholten Ausbruches heftiger 
Choleraepidemieen in Rußland hart an der bukowinischen Grenze 
früher cholerafrei geblieben, einmal weil wegen der spärlichen Kom- 
munikationsmittel und des durch strenge Paßkontrolle und ärztliche 



Cfaolenu 205 

Revision der Reisenden erschwerten Orenzverkehrs die Einschlep- 
pongsgefabr von Rußland her auf das geringste Maß beschr&nkt 
war« dann aber, weil die 6 größeren FlQsse der Bukowina in ihrem 
Laufe nach Rußland zu gerichtet waren. Erst als die Cholera in 
GalizieD ausbrach und sich am oberen Laufe des Pruth eingenistet 
hatte, dauerte es auch nur wenige Wochen, bis die ersten Fälle in 
der Bukowina auftraten, und zwar in dem weiter unterhalb am 
Pmth gelegenen Czemowitz, nach mehreren Wochen weitere Er- 
krankungen am Dniester. ^ 

Die Verff. geben die ausführlichen Krankengeschichten; es 
handelt sich um 20 F&lle aus der*3|it vom August bis November 
1893; Yon diesen wurden 7 gesund, 13 starben (65 Proz.). Die 
bakteriologische Untersuchung wurde nach den gewöhnlichen Methoden 
forgenommen (Peptonverfahren, Tierversuch u. s. w.) 

Besonderes Interesse beanspruchen noch 2 im Anschluß hieran 
ndtgeteilte Erkrankungsfiälle, welche gerade um dieselbe Zeit vor- 
kamen, der eine ebenfalls in Czernowitz und ganz unter dem kli- 
Biachen Bilde der asiatischen Cholera tödlich verliefen, mit Erbrechen, 
Leibschmerzen, Durchfällen, Wadenkrämpfen, Anurie. Die bakterio- 
logische Untersuchung dieser als choleraverdächtig behandelten Fälle 
ergab ein negatives Resultat, die Obduktion erwies bei dem einen 
als Todesursache Darmdiphtherie, bei dem anderen mit Wahrschein- 
lichkeit akute, toiusche Gastro-enteritis durch übermäßigen Alkohol- 
genuß. Bei letzterem fanden sich im Stuhle den Cholerabacillen 
ähnliche Eommaformen, die aber auf der Gelatineplatte nicht zur 
Entwickelung von Cholerakolonieen führten. Bei verschiedentlich 
vorgenommenen Wasseruntersuchungen gelang der Nachweis der 
Cholerabacillen nicht ; dagegen wurde in dem Wasser eines Brunnens 
ein den ebengenannten Kommaformen ähnlicher Bacillus gefunden, 
welcher vielleicht mit ihm identisch ist. Derselbe unterscheidet sich 
▼om Cholerabacillus dadurch, daß die Plattenkolonieen rund 
and scharfrandig sind, die Verflüssigung in den Gelatinestichkulturen 
ojcht l&nss des ganzen Stichkanales, sondern nur von der Oberfläche 
aus stattfindet und daß er keine Indolreaktion giebt. 

Eine eingehendere Schilderung dieses „Vibrio aquatilis^ 
blribt vorbehalten. 0. Voges (Danzig). 

ilt, Konrad, Einwirkung des Choleragiftes auf das 
Nervensystem. (Nach Vorträgen, gehalten in der Naturforschen- 
den Gesellschaft zu Halle a. S.) 
Schon im Herbste 1892 hat Alt seine Ansichten dahin aus- 
gesprochen, daß der Gholerakranke Stoffe in sich birgt, die auf das 
Herveosystem eine deletäre Wirkung ausüben und Zerstörung der 
oervOsen Elemente herbeiführen, daß somit das Wesentlichste bei der 
(%olera die Vergiftung und nicht die durch Wasserverlust bedingte 
Eindickiuig des Blutes ist. Weitere Untersuchungen haben diese 
Ansicht nun bestätigt und ergeben, daß die Nervenfasern sowohl im 
Gebiete der Hinterstränge (sensible Nerven), als auch im Gebiete der 
Pjramfdenseitenstränge (motorische Nerven) durch das Gift zerstört 



206 Cholera« 

werden. Auch in dem RQckenmarke eines Hundes, der mit — von 
Prof. Brieger aas Cholerakaltaren gewonnenen — Tozalbuminen 
langsam getötet worden war, konnte der gleiche mikroskopische Be- 
fund nachgewiesen werden. Alt glaubt, daß die bei Cholerakranken 
so häufig beobachteten Muskelkontrakturen nicht nur durch den 
Wasserverlust des Blutes, sondern hauptsächlich durch die Reizung 
der motorischen Nervenfasern im RQckenmarke bedingt werden. 

Vor allem das verlängerte Mark ist bei der mikroskopischen 
Untersuchung ins Auge zu fassen: denn gerade in dem Gebiete des 
Vagusursprunges fanden sich zahlreiche kleinere und größere 
Blutungen, und es erscheint (laher nicht auffällig, wenn bei solchen 
Veränderungen an der Ursprungsstelle eines der lebenswichtigsten 
Kenen trotz aller therapeutischen Maßnahmen Hilfe nicht zu schaffen 
ist. Alle Autoren, die nach der letzten Choleraepidemie ihre An- 
schauungen kundgegeben haben, stinunen darin Qberein, daß das 
Wesentlichste bei der Cholera die Vergiftung ist. 

Ueber die Natur des Choleragiftes jedoch besteht die größte 
Meinungsverschiedenheit Vor nicht langer Zeit ist die Behauptung 
aufgestellt worden, die Choleraerkrankung sei eine Nitritvergiftung, 
den Cholerabacillen wohne in hohem Grade die Eigenschaft inne, 
Ifitrate in Nitrite umzuwandeln und so eine akute Nitrityergiftuog 
auszulösen. Diese Ansicht wurde im wesentlichen damit begründet, 
daß 1) das klinische Bild der Nitritvergiftong und der Cholera bei 
Tieren und Menschen identisch und daß 2) in dem Blutspectrum der 
choleravergifteten und der nitritvergifteten Tiere der MeUiämoglobin- 
streifen nachzuweisen sei. Alt hat genau nach den betreffenden 
Angaben Nitritvergiftungen bei Tieren (weißen Ratten, Kaninchen, 
Meerschweinchen, Hunden) angestellt und keine Uebereinstimmung 
mit den nach Gholeravergiftung eintretenden Symptomen gesehen. 
Insbesondere fehlt bei der Nitritvergiftung die bei Choleravergiftung 
von vornherein auffallende und stets zunehmende Apathie. Auch 
die Krampfformen sind bei beiden Vergiftungen sehr ver- 
schieden. Ferner konnte bei choleravergifteten Meer- 
schweinchen ein Temperaturabfall von 38^ aä 20® festgestellt 
werden, während nach Nitritvergiftung die Temperatur um 
höchstens 4® sank. Was das Auftreten des Methämoglobinstreifens 
in dem Blute anlangt, so bedeutet dies nichts weiter, als daß eine 
bestimmte Zersetzung des Blutfarbstoffes — wie das bei den ver- 
schiedensten Vergiftungen beobachtet werden kann — eingetreten ist 
Vorbedingung ist nur, daß das Gift längere Zeit auf das Blut ein- 
gewirkt hat; in dem Blute derjenigen Tiere, die kurze Zeit nach der 
Nitritvergiftung gestorben sind, kann der Methämoglobinstreifen im 
Spektrum nicht nachgewiesen werden. Es sei noch bemerkt, daß 
Dr. Klemperer in Berlin mit Cholerakulturen, denen die Eigen- 
schaft, Nitrate in Nitrite umzuwandeln, genommen war, gleichwohl 
typische Vergiftungserscheinungen auslösen konnte und umgekehrt 
durch alte, nahezu ungiftige Cholerakulturen noch ausgiebige Nitrit- 
bildung zu erzielen vermochte. 

Alt hat die Auffassung, daß die Vergiftungserscheinungen bei 



Cholera. 207 

Cholera durch eiweißartige EOrper, die den Peptonen nahe 
Terwandt sind und anter dem Einflüsse der Cholerabakterien im 
Dtnnkaoale gebildet werden, zustande kommen. Ob die Giftigkeit 
der Eiweißkörper durch eigenartigen Aufbau oder etwa durch ein 
damit verbundenes Alkaloid bedingt ist, muß vorderhand dahin- 
gestellt bleiben. O. Brandes (Halle). 

T^ies, 0*9 Ueber die intraperitoneale Gholerainfektion 
der Meerschweinchen. [Aus dem Stadtlazarette Olivaerthor 
Danzig.] (Zeitschrift f. Hygiene und Infektionskrankheiten. XVIL 
p. 196.) 
Im Anschluß an die Arbeiten von Hueppe, Klein (dieses 
Gentralbl. XIII), Fischer und Sobernheim, welche zu dem 
Besttltate gelangen, daß sich das typische Pfeif fer'sche Erankheits- 
bild der Cholera auch durch intraperitoneale Iiyektion des Spirillum 
Finkler, des Bacillus coli, des Bacillus prodigiosus, des 
Bacillus typhosus und anderer erzeugen lasse und daß es geUngt, 
Meerschweinchen durch Vorbehandlung mit lebenden oder abgetöteten 
Knitoren beliebiger Bakterienarten gegen intraperitoneale Cholera- 
infektion zu schützen, tritt Verf. der Frage näher, wie man diese 
merkwürdimn Besultate zu erklären habe. Er weist zunächst nach, 
daß es gdfingt, durch Uebertragung von Peritonealexsudat eines im 
?ierten Pfeif fernsehen Cholerastadium erlegenen Tieres eine unbe- 
grenzte Reihe ¥on Meerschweinchen an Cholera zu töten, sobald die 
iDjizierte Menge größer ist, als die Menge, welche durch die bakteri- 
tiden Kräfte des Tieres vernichtet wird. Dabei scheint die Zeit bis 
xam Eintritte des Todes nur in sehr geringem Maße von der Dosis 
abzuhängen. Es sei noch erwähnt, daß im Blute wie im Darme sich 
stets Cbolerabacillen durch die Kultur nachweisen ließen. Eine 
Virulttzsteigerung bei der Passage durch eine Reihe von 10 Tieren 
ließ sich nicht nachweisen; ob eine Verminderung der Virulenz ein- 
tritt, wurde nicht festgestellt. Die geschilderten Serienimpfungen 
mit positivem Resultate sind nach Verf. nichts für die Cholera 
Charakteristisches, sie gelingen z. B. auch mit dem Bac. pro- 
digiosua. 

Eine Erklärung f&r das Zustandekommen des der Cholera ent- 
sprechenden Krankheitsbildes sucht Hueppe in einer Enzym Wirkung 
nsd Voges bestätigt diese Behauptung durch Versuche, welche er 
mit Papayotin anstellte; auch hier fand sich fast genau dasselbe 
Krankheitsbild, wie nach IiyektioD großer Dosen von Cbolerabacillen. 
Der einzige Unterschied bestand darin, daß die Tiere infolge der 
Papayotininjektion nicht, wie bei Injektion von Cbolerabacillen, anfangs 
eine Temperatursteigerung zeigen. Das Ueberstehen einer Papayotin- 
vergiftong ist jedoch nicht imstande, einen giftfesten Zustand gegen 
eine nachfolgende intraperitoneale Cbolerainfektion zu erzeugen. Die 
darch Papayotin erzeugte Krankheit hat demnach mit der durch 
Bakterien erzengten nichts zu thun und deshalb ist auch nach Verf. 
die Wirkung der Cbolerabacillen keine Enzymwirkung, wenigstens 
käoe der Papayotin Wirkung analoge. 6 er lach (Wiesbaden). 



208 Tetanus. 

Yalllard et Bonget» Note au Bujetde r^tiologieda t^tanos; 
(Annales de rinstitut Pasteur. 1893. Nov. p. 755.) 

Die Yerff. hatten bereits früher (gemeinsam mit Vincent) 
nachgewiesen, daß Tetanussporen, welche durch Erwärmung auf 
80^ von den anhaftenden Toxinen befreit wurden, selbst in enormer 
Anzahl (IV,— 2V2 Millionen) auch für die empfänglichsten Tiere, 
wie Meerschweinchen, unschädlich sind; die Sporen gehen durch 
Phagocytose zu Grunde. Dagegen genügten nur wenige Sporen^ 
welche auf Sand verteilt oder in Berzeliuspapier eingehüllt, vor der 
direkten Einwirkung der Phagocyten geschützt waren, um mit Sicher- 
heit den Tod herbeizuführen. Die Wirkung der in Wunden ein- 
gedrungenen Tetanuskeime wird erst ermöglicht durch das Trauma 
oder durch die Beimischung anderer Bakterien. In vorliegender Arbeit 
wenden sich die Verff. gegen Einwände, die ihnen von Klip st ein und 
von R n c a 1 i gemacht wurden. K 1 i p s t e i n hatte sowohl mit ausge- 
waschenen als auf 80^ erwärmten Sporen eine tödliche Infektion hervor- 
rufen können. Seinen Untersuchungen wird zunächst zum Vorwurfe 
gemacht, daß die Tetanussporen nicht lange genug ausgewaschen 
worden seien. Wenn ferner nach der Einführung der erwärmten Sporen 
doch ab und zu noch eine tödliche Infektion erfolgt sei, so sei zu 
bedenken, daß einmal eine l-stündige Erwärmung auf 80® nicht mit 
Sicherheit alle Toxine zerstöre, daß ferner der Schutzkraft der 
Phagocyten auch eine Grenze gezogen sei ; bei einer übergroßen Zahl 
von eingespritzten Sporen müßten diese Sieger bleiben — wisse man 
doch auch von anderen im allgemeinen für unschädlich gehaltenen 
Mikroben, daß sie in sehr großer Dosis tödlich wirken könnten. 
Schließlich seien bei den Klip stein 'sehen Versuchen Trauma und 
Hämorphagie nicht mit Sicherheit ausgeschlossen. 

In ähnlicher Art weisen die Verff. die Einwürfe Ran cali's 
zurück. Auch er habe die Tetanussporen nicht genügend lange aus- 
gewaschen; wenn das ablaufende Wasch wasser nicht mehr toxisch 
gewirkt habe, so sei dies noch kein Beweis, denn durch Maoeration 
der Sporen ließen sich in solchen Fällen doch oft noch Toxine ge- 
winnen. Daß die auf 80^ erwärmten Sporen bei Rancali doch 
noch tödlich gewirkt hätten, erkläre sich sehr einfach daraus, daß er 
dieselben nicht wie Verff. in Bouillonaufschwemmung, sondern zugleich 
mit einem Stück festen Nährbodens unter die Baut der Tiere ge- 
bracht habe. Dieser Nährboden ist aber für die Sporen ein sicherer 
Schutz gegen die Phagocyten. Wie eine Reihe dahin gerichteter 
Experimente zeigten, waren die Phagocyten nach 14 Tagen höchstens 
^/a — '/fi mm weit in den Nährboden eingedrungen, während weiter 
nach innen ein üppiges Wachstum der Sporen stattgefunden hatte. 
Dieselbe Tetanuskultur, von welcher in Bouillonaufschwemmang 
0,5 ccm ohne Schaden unter die Haut gespritzt werden konnte, 
wirkte, in einen kleinen Block festen Nährbodens eingeschlossen, be- 
reits in minimalster Dosis absolut tödlich 1 

In einer früheren Versuchsreihe hatten die Verff. gezeigt, daß 
mit Tetanus infizierte Erde ihre Virulenz verliert, wenn man dieselbe 
auf eine Temperatur erwärmt, welche zwar die Tetanusseren unge- 



Sep»i». 209 

schftdigt läßt, dagegen die Mehrzahl der symbiotischen Mikroorga- 
nismen abtötet; die Erde gewinnt ihre Virulenz wieder, wenn ihr 
Yerschiedene sonst mehr oder weniger unschädliche Bakterienarten 
lugesetzt werden. 

Im Widerspruche hiermit behauptete Rancali, daß bei sdnen 
Versuchen die zunächst erwärmte Erde durch späteren Zusatz anderer 
Bakterien nicht an Virulenz gewonnen habe. Er unterließ jedoch 
den Nachweis, daß in der erwärmten Erde wirklich außer Tetanus 
keine anderen lebensfähigen Bakterien mehr vorhanden waren. 

W. Petersen (Zürich). 

BlUB, F«, Zur Kasuistik der kryptogamen Sepsis. (MQn- 
chener med. Wochenschr. 1893. No. 16/17.) 
Verf. beschreibt ausführlich 2 Fälle von kryptogamer Sepsis, die 
dadurch ein besonderes Interesse gewinnen, daß bei ihnen schon intra 
?itam die Diagnose auf Staphylokokkenerkrankung des Blutes durch 
die bakteriologische Untersuchung gestellt werden konnte. Der erste 
Fall bot größtentheils die gewöhnlichen Symptome der Sepsis dar: 
Oberflächliche und tiefe Hautaffektionen, multiple Oelenkschmerzen, 
Pleuritis, cerebrale Symptome, Milzvergrößerung, Retinalblutungen und 
rasche Abnahme der Kräfte sowie rasche Verarmung des Blutes an 
Hämoglobin. Der Einbruch des intra yitam nachgewiesenen Staphylo- 
eoccus pyogen es albus in die Blutbahn rührt aller Wahrschein- 
lichkeit nach, wie die Sektion lehrte, von Dickdarmgeschwüren unterhalb 
der Klappe oder vom diphtherischen Belage oberhalb der Klappe her. 
Es kam zunächst zu Embolieen im Pfortadergebiete der Leber und 
Thrombenbildung, und dann durch Wanderkrankung der Venen oder 
durch die Kapillaren und Centralvenen fand ein Erguß in den großen 
Kreislauf statt. Die Krankheit hatte im ganzen etwa 14 Tage ge- 
dauert. Der zweite Fall war mit einer Miliartuberkulose kompliziert, 
die wesentlich das Krankheitsbild beherrschte. Remittierendes Fieber, 
auskultatorische Erscheinungen der Lunge und Ghorioidealtuberkel 
sprachen für Miliartuberkulose. Pat. wurde nach einigen Tagen ent- 
bunden. Bakteriologische Untersuchung des Blutes aus dem Ohr- 
läppchen ergiebt das Vorhandensein des Staphylococcus pyo- 
gen es albus. Im rechten Augenhintergrunde ist eine kleine Hämor- 
ihagie aufgetreten. Harn eiweißhaltig. Im Sputum keine Tuberkel- 
bacillen. Nach 10 Tagen ist die Hämorhagie nicht mehr wahrzunehmen. 
17 Tage nach der Aufnahme Exitus letalis. Die Sektion bestätigte 
die Diagnose Miliartuberkulose und SQptikämie. Frische Endocarditis. 
Aus dem Herzblute konnte der Staphylococcus pyogenes 
aureus und albus gezüchtet werden. Die Bronchialdrüsen der 
rechten Seite sind vergrößert und enthalten käsige Herde. In dem 
Unterlappen der rechten Lunge befindet sich in einem mittelgroßen 
Ast der Arteria pulmonalis eine Arterie mit verdickter Wand ; in der 
änßeren Lage sitzen Tuberkelknötchen. Das erweichte Material der 
Bronchialdrüsen konnte leicht Tuberkelbacillen und auch Kokken ent- 
halten und von hier aus sind höchstwahrscheinlich auf dem Wege 
des Ductus thoracicus die Mikroorganismen in das Venensystem und 

XTLB«. 14 



210 SepsU. 

von da in den großen Ereislaof gelangt. Die frischen endocarditischen 
Auflagerungen dürften als Metastasen aufzufassen sein. 

Knüppel (Berlin). 

Flschl, Ueber gastrointestinale Sepsis. (Jahrbuch für 
Kinderheilkunde u. physische Erziehung. Bd. XXXYIL Heft 3-4.) 

Die starke Neigung der Neugeborenen zu Infektionen jedweder 
Art ist eine bekannte Thatsache. So ist z. B. die Nabelwunde eine 
Eingangspforte für die verschiedensten Mikroorganismen; so hat ferner 
Gärtner erst vor kurzem anläßlich einer Pneumonieepidemie in der 
Heidelberger Gebäranstalt im Betttuche der Wöchnerinnen Strepto- 
und Staphylokokken nachweien können, welche sich in den Lungen 
der an der Krankheit gestorbeuen Kleinen wiederfanden; Neumann 
hat gezeigt, wie Eiterung erregende Mikroben in den normalen Brust- 
drüsen stillender Frauen in der Mundhöhle säugender Kinder wieder 
erscheinen u. s. f. Nur von wenigen Seiten ist jedoch bisher hervor- 
gehoben worden, daß die septische Infektion der Neugeborenen auch 
in Gestalt eines akut und chronisch verlaufenden Magendarmkatarrhs 
auftreten kann, und Verf. hat sich deshalb der dankenswerten Auf- 
gabe unterzogen, die Frage in den Kreis seiner Untersuchungen zu 
ziehen. 

Von dem großen, ihm aus dem pathologischen Institute zu Prag 
zu Gebote stehenden Materiale wählte er eine Beihe von einschlägigen 
Fällen aus und stellte aus dem Gewebssafte der Lungen, Milz, Leber, 
Nieren, Herz, Gehirn, Nabelgefäßen histologische Präparate her, welche 
fast durchweg dasselbe Resultat ergaben. In mehr als der Hälfte 
der Fälle, die meist unter der Diagnose Septikämie, bezw. Atrophie, 
Debilitas vitae u. s. w. eingeliefert worden waren, konnte der Sta- 
phylococcus pyogenes albus nachgewiesen werden, der sich 
aus den nachher angestellten Tierexperimenten als höchst pathogen 
erwies. Vier der Fälle waren klinisch unter dem Bilde des akuten 
Brechdurchfalles verlaufen, drei hatten das Bild der septischen In- 
fektion ergeben, zweimal konnte Eiterung in den Nabelgefäßen nach- 
gewiesen werden, während der Best der Fälle die gewöhnlichen 
pathologisch - anatomischen Erscheinungen der Gastroenteritis und 
pneumonischen Infiltration der Lungen darbot. Einige Male fand 
sich auch der Streptococcus pyogenes aureus, z. T. mit 
dem Bacterium coli Escherich vergesellschaftet. 

Die ätiologische Einheit dieser vom Verf. beobachteten Gruppe 
von Erkrankungen ist unleugbar, und Verf. schlägt daher als ge- 
eignete Bezeichnung den Namen „gastrointestinale Sepsis^^ vor. Das 
von Fischl beobachtete Material ist noch zu klein, um die wichtige 
Frage schon zur definitiven Entscheidung zu bringen. Es wird 
weiterer Studien auf diesem Gebiete bedürfen, zu denen die inter- 
essante Arbeit des Verf.'s die Anregung giebt. 

Maaß (Freiburg LB.). 

Pane, Ueber einige vom septischen Speichelbacillus 
(Diplococcus pneumoniae) unter besonderen Lebens- 



UntersnchiiDgsmethoden, Instmmento etc. 211 

bedingQDgen angenommene Eigentümlichkeiten. (BerL 

Min. Wochensclir. 1894. No. 19. p. 447—448.) 
Verf. fand, daß Kaninchen bei hoher Unempfindllchkeit gegen 
das Virus pneumoniae gleichzeitig für das Karbunkelgift unem- 
pfindlich sind und umgekehrt Bei gleichzeitiger Impfung beider 
Gifte unter die Haut bildet sich ein erheblicher Absceß, der auch 
einige Monate hindurch intact bleiben kann. 2—3 Monate nach der 
InfdktioD wurde derselbe eröfifnet und ließ sich daraus eine Rein- 
kultur von einem Bakterium züchten, das an Gestalt ungefähr dem 
Diplococcus pneumoniae ähnelt, ausgenommen eine deutliche 
Neigung, Ketten zu bilden. In Bouillon war sodann unter 24® C 
keine ^twickelung möglich, auch gedeiht er nicht lange Zeit in 
Kulturen auf geeigoeten Nährsubstraten, saprophytisch. Impft man 
eine Bouillonkiütur unter die Haut von Kaninchen zusammen mit 
Virus carbunc, so zeigt sich zwar ein beträchtlicher Absceß, 
aber das Kaninchen ist sicher vor der Karbunkelansteckung. Ge- 
schieht die Impfung der beiden Substrate an verschiedenen Stellen, 
so muß die mit Virus carbunc wenigstens 5 Minuten nach der 
anderen edölgen, um das Kaninchen nicht an Karbunkelinfektion 
emgehen zu lassen. Der nicht modifizierte Diplococcus pneu- 
moniae dagegen bewirkt, gleichzeitig mit Virus carbunc. einge- 
impft, den Tod des Tieres durch Septicaemia pneumonica pura. 

O. Voges (Danzig). 



Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 



KroM, W.9 Kritische und experimentelle Beiträge zur 

hygienischen Beurteilung des Wassers. [Aus dem 

bakteriologischen Institute zu Breslau.] (Zeitschr. für Hygiene. 

Bd. XVII. 1894. No. 1.) 

Der Verf. kritisiert die 4 Methoden der Beurteilung, welche sich 

▼on der hygienischen Brauchbarkeit des Wassers herausgebildet 

haben. Die Beurteilung nach der Oertlichkeit, nach dem Ursprünge 

des Wassers war üblich, bevor es eigentliche Untersuchungsmethoden 

des Wassers gab. 

Die physiologischen Eigenschaften des Wassers sind insofern von 
Wichtigkeit, als eine fQr die Sinne unangenehme Beschaffenheit des 
Trinkwassers die Genießbarkeit desselben beeinträchtigt; jedoch geben 
die Sinne ein durchaus unsicheres Urteil über die hygienische Brauch- 
barkeit eines Wassers. Die dritte Untersuchungsmethode, die 
chemische, läßt ebenfalls in den vdchtigsten Punkten im Stiche. 

Blei, Areen und Kupfer im Wasser sind schädlich. Eisen und 
die Erdsalze (Härtebestimmung) in viel geringerem Grade; dieselben 
bewirken in größeren Mengen Verdauungsstörungen. Cblorwasser- 

14» 



212 UntonnehttDgsmethoden, Instramente etc. 

«toffsänre, Salpetersäure und Schwefelsäure worden bisher als Indika- 
toren der Verunreinigung des Grundwassers durch die in den Boden 
eindringenden Abfallstoffe des menschlichen Haushaltes betrachtet. 
Nach den Ausführungen des Yerf.'s besteht dieser Satz im allgemeinen 
nicht zu Recht und die Anwesenheit dieser an und für sich un- 
schädlichen Säuren beweist noch nicht, daß ein Wasser vom hygie- 
nischen Standpunkte aus unbrauchbar ist. 

Aehnlich verhält es sich mit dem Nachweise von salpetriger Säore 
und Ammoniak. Auch die organischen Substanzen im Wasser, welche 
im allgemeinen als Produkte der Vermehrung und Fäulnis betrachtet 
werden, werden in ihrer Menge und Schädlichkeit überschätzt: Verf. 
wies durch eine Anzahl Tierversuche nach, daß Einspritzungen von 
einfach konzentriertem Wasser und von dem eingeäscherten und 
wieder gelösten Rückstande desselben Wassers eine fast völlig gleiche 
toxische Wirkung hatten; daraus folgt, daß die toxische Wirkung 
des Wasserrückstandes, wo sie hervortritt, auf anorganischen Bestand- 
teilen beruht und zwar, wie sich weiterhin ergab, hauptsächlich auf 
dem Kalium. Infektiöse Agentien gelangen nur durch direkte Zuflüsse 
in das Wasser, Zuflüsse, welche die chemische Qualität des Wassers 
nicht sichtlich zu beeinflussen brauchen. 

Die vierte Beurteilungsmethode des Wassers nennt Verf. die 
mikroskopische. Quellwasser ist bakterienfrei, ebenso das Grund- 
wasser, wenn die filtrierende Schicht gut und stark genug ist. Von 
der Art und Anlage des Brunnens weiterhin hängt es ab, ob das 
Grundwasser bakterienfrei entnommen wird. 

Noch mehr muß die Hygiene bei den Oberflächenwässern ein- 
greifen; dieselben müssen vor der Verunreinigung mit infektiösen 
Agentien bewahrt werden, ev. durch gute centrale Filtration. 

Von den im Wasser vorkommenden organisierten Krankheits- 
erregern werden zunächst die Gholerabacillen besprochen. Verf. 
fand, daß sich dieselben, je nach der verschiedenen Menge von 
Bacillen, welche zur Einsaat kamen, 1—4 Wochen in verschieden- 
artigen Wässern lebensfähig hielten, bei Schutz vor Licht und einer 
konstanten Temperatur von 16^. Bei seinen Wasseruntersuchungen 
benutzte Verf. die neuerdings von R. Koch angegebene Pepton- 
Wassermethode; er gebrauchte als Nährboden 15-proz. Extraktgelatine, 
welche um V4 ^^^^* Gehalt an Soda die gewöhnliche übertrifft 
(1^/j Proz. Fleischextrakt, 1 Proz. Pepton, Va P'^öz. Kochsalz, 16 
Proz. Gelatine, 60 ccm einer lO-proz. Sodalösung). Auf diesem Nähr- 
boden bleibt die Form der Cholerakolonieen tagelang charakte- 
ristisch. 

Für die Diagnose der Gholerabacillen im Wasser ist es not- 
wendig, die Variabilität, das typische und atypische Wachstum zu 
berücksichtigen. Die Rotreaktion ist bei Wasseruntersuchungen in- 
sofern von geringerem Werte, als im Wasser viele andere Bakterien 
vorkommen, welche dieselbe geben. Um einen Maßstab för die 
Virulenz zu gewinnen, ist es bei den Tierversuchen unter anderem 
auch nötig, die Zahl der zur Injektion gelangenden Gholerabacillen 
festzustellen. Durch 4 Versuche wird nachgewiesen, daß das patho- 



CJntenttchnngAmethoden, Instrameiite eic. 213 

feoe Yerhalten der Cholerabacillen recht erhebliche VariatioDen 
durchHuudieD kann. 

TnrimsbacilleD sind bisher noch nicht mit Sicherheit im Wasser 
nachgewiesen worden; in Wasser eingeführte TyphusbaciUen konser« 
Tieien sich besser in demselben, als die Keime der Cholera. Verf. 
nntersacht Wasser auf TyphusbaciUen in folgender Weise: 

Verflüssigte Gelatine wird, mit Zusatz von 2 Tropfen 5-proa. 
Kari>ol8äiireldsung auf je 10 ccm, in eine möglichst große Schale 
auBgegoesen und dann 1—20 Tropfen des Wassers atä die Platte 
mit einem sterilisierten feinen Haarpinsel zur Verteilung gebradit. 
Die besonders durch die Aderung verdächtigen Kolonieen werden, 
event. ohne vorherige mikroskopische Untersuchung, in Zuckeragar 
abgestochen. Ein gleichmäßiges Wachstum l&ngs des Impfstiches 
and das Fehlen von Gasbildung wflrde fQr TyphusbaciUen sprechen; 
dieselben müssen dann noch weiter, besonders auch durch die 
Parallelkultur auf Eartofieln identifiziert werden. 

Die im Wasser vorhandenen unschädlichen Bakterien werden 
ebenfalls zur hygienischen Beurteilung des Wassers benutzt, und zwar 
wird dabei in Betracht gezogen die absolute ZaU der Mikroorganismen, 
die Zahl der verschiedenen Arten und deren spezifische Beschaffenheit. 
Alle 3 Kriterien sind aber durchaus unsicher. Nicht zu entbehren 
ist dagegen die bakteriologische Zählmethode bei der Eontrolle der 
Leistungen von Einrichtungen zur Reinigung des Wassers. Die ge- 
naue Berflcksichtigung aller möglichen Infektionsquellen und die dazu 
erforderliche Besichtigung eines Brunnens an Ort und Stelle sind 
für die hygienische Beurteilung eines Wassers wesentlich ent- 
scheidend. 

Die Besultate der Untersuchungen werden am Schlüsse der 
Arbdt in einer Anzahl Thesen zusammengefaßt. 

Canon (Berlin). 

V, Chomski, Easimlr^ Bakteriologische Untersuchungen 
des Grund*- und Leitungswassers der Stadt Basel. 
[Aus dem bakteriologischen Laboratorium des pathologisch - anato- 
mischen Instituts zu Basel.] (Zeitschr. f. Hygiene. Bd. XVIL 1894 
No. 1.) 
1890/91 herrschte in Basel in höherem Maße als gewöhnlich der 
Tjrphus. Die Fälle häuften sich besonders im September 1890, in 
welchem eine größere Anzahl von Fällen in einer Kaserne vorkam, 
und im Dezember 1890, wo vor allem eine Fabrikanstalt heimgesucht 
wurde. Die bakteriologischen Untersuchungen des Trinkwassers er- 
gabt keine positiven Schlösse. Dagegen fiel Verdacht auf einen 
Sodbrannen der Kaserne, welcher in nächster Nähe eines Kanals liegt, 
der bd der Fabrikanstalt vorbeifließt und SchmutzstofFe verschiedener 
Häuser aufnimmt. Der Brunnen wurde geschlossen. Diese Typhus- 
eirfdemie gab dem Verf. Veranlassung zu bakteriologischen Unter- 
suchungen des Trinkwassers. Dabei erwies sich das Grundwasser 
und dBS Brunnenwasser einer Anzahl Sodbrunnen im allgemeinen 
bakterieDanD ; nur der oben erwähnte Brunnen ergab einen sehr 



214 UntennehangsmeUiodMi, Instromento «te. 

hohen Keimgehalt. Das Leitungswasser der Stadt, welches 1891/92 
an zwei verschiedenen Stellen sehr häufig vom Verf. untersucht wurde, 
hatte im allgemeinen zu viel Keime, besonders zahlreich waren die- 
selben nach heutigen Regengüssen. Das Leitungswasser stammt zum 
größten Teil aus Gebirgsquellen ; das Wasser wird in einem Sammel- 
bassin gesammelt und direkt der Stadt zugeführt. Der Boden, aus 
welchem die Quellen entspringen, besitzt nach Ansicht des Verf.*s nicht 
genügend filtrierende Kraft, und die Verwendung des Wassers in 
unfiltriertem Zustande ist bedenklich. Dem Referenten scheint trotz- 
dem das Grundwasser bei Epidemieen eine größere Gefahr zu be- 
dingen, insofern, als wirklich infektiöse Agentien aus der Stadt eher 
in das Brunnenwasser eines irgendwie mangelhaften Brunnens ge- 
langen können, als in das Quellen entstammende Leitungswasser. 

Canon (Berlin). 

Mathews, Albert F., On Wurtz^s method for the differen- 
tiation of Bacillus typhi abdominalis from Bacillus 
coli communis, and its application to the ezami- 
nation of contaminated drinking water. (Technology 
Quarterly. Vol. VI. No. 3. 1893. Oktober; from the Biological 
Laboratory, Massachusetts Institute of Technology, Boston.) 
Verf. hat die bisher gebräuchlichen Methoden zur Isolierung des 
Typhusbacillus aus verdächtigem Wasser und zur Unterschei- 
dung des Typhusbacillus vom Bacterium coli commune 
nachgeprüft und die Methode von Wurtz bei weitem brauchbarer 
gefunden, als die von Chantemesse und Widal, Vincent, 
Uf feimann U.A. Das Bacterium coli bildet aufdem Wurtz- 
schen Nährboden — Lackmus-Laktose-Gelatine oder -Agar — unter 
Vergärung der Laktose sehr viel Säure, was sich durch Rotfärbung 
dieses Nährbodens kenntlich macht ; der Typhusbacillus dagegen 
läßt die Alkalescenz des Nährbodens, mithin auch seine blaue Farbe 
unverändert (P6r6), soll aber nach den Untersuchungen des Verf.^s 
sogar die Alkalescenz etwas stärker machen, so daß die Kolonieen 
auf der Platte noch tiefer blau werden. Während Wurtz von den 
fraglichen Bakterienkulturen Impfstriche auf der Platte anlegte, fügt 
Verf. 1 ccm des zu untersuchenden Wassers direkt zu dem Lackmus- 
Laktose-Agar und gießt dann in der gewöhnlichen Welse Platten. 
Alle blauen Kolonieen, die nach 14-stündigem Aufenthalte im Brüt- 
schranke von 37,5® irgendwie typhusähnlich aussehen, werden dann 
zur weiteren Prüfung auf Milch, Gelatine, Bouillon, Nitratlösung und 
auf zuckerhaltige Nährlösungen in Gärungskölbchen übertragen. Verl 
empfiehlt die Anwendung der Agarplatten, da viele saprophytische 
Wasserbakterien bei 37,5® nicht wachsen, wenn auch das Aussehen 
der Typhusbacillenkolonieen auf der Agarplatte weniger charakte- 
ristisch ist, als auf der Gelatineplatte. Den Nachteil, daß sich aaf 
Agarplatten das ausgepreßte Kondenswasser infolge Bakterienwachs- 
tums als trüber Schleier auf der Oberfläche ausbreitet, will Verf. 
dadurch beseitigen, daß er die Impfung des Agars mit Wasser erst 



UntennchnngsmethodeD, Instnimento etc. 215 

gaBS kurze Zdt yor dem Erstarren vornimmt and die Platten erst 
yoUstftndig fest werden Iflßt, ehe sie in den Brütschrank kommen. 

Lösener (Berlin). 

Sveppe, Der Nachweis des Choleragiftes beim Men- 
schen. [Ans dem hygienischen Institute der deutschen Universität 
Prag.] (Berliner klinische Wochenschrift. 1894 No. 17 u. 18.) 

Verf. hat früher festgestellt, daß die Bacillen der asiatischen 
Cholera im virulenten Znstande auf gewissen Nährböden ein Gift bilden, 
welches er sich durch Spaltung eines geeigneten Eiweifikdrpers ent- 
standen denkt, und Scholl hat ermittelt, daß dieses Choleragift 
nnter analogen Bedingungen wie im Darme des Menschen entsteht. 
Diese toxische Substanz ist nicht identisch mit den immunisierenden 
Körpern; erstere findet sich außerhalb, die letzteren innerhalb des 
Bakterienprotoplasmas. Der Inhalt der Bakterienzellen, die Proteine, 
behält nach dem Erhitzen die Fähigkeit, entzündungserregend zu 
wirken. Auch das Koch 'sehe Tuberkulin ist ein Protein, die Tuber- 
kulinwirkung ist wesentlich eine Entzündungserregung. Die Deutung 
der Versuche von IL Pfeiffer, nach welchen die Kommabacillen 
giftig und das spezifische Choleragift selbst sind oder in ihrem Pro- 
toplasma bilden, ist nach Hueppe unrichtig, denn viele verschiedene 
M^roben wirken örtlich ebenso, wie Pfeiffer dies als spezifisch 
für sein Choleragift annahm. Auch mit Enzymen erhielt Hueppe 
SchutzwirkuDg gegen Cholerabakterien. Der Impfschutz, welcher bis 
jetzt gq^n Cholera bei Tieren erzielt wurde, ist eine echte Immu- 
nität, keine Qiftfestigung, und auch dies spricht gegen die Ansicht 
Pfeiffer* s, daß sein Protoplasmagift das Choleratoxin sei. 

Ob ein bei an Cholera erkrankten oder gestorbenen Menschen 
gefundenes Gift ,,das^' Choleragift ist, ist sehr schwer zu entscheiden, 
wobei nur auf die Schwierigkeiten, welche sich der Reindarstellung 
solcher Körper entgegenstellen, und auf die ähnliche Wirkung der 
verschiedensten Bakterien im Tierversuche hingewiesen sei. 

Hueppe verwendete zu seinen Versuchen nur typische Fälle, 
bei welchen im reiswasserähnlichen Stuhlgange nur oder fast jiur 
Kommabacillen vorhanden waren. Die Ausfällung geschah mit Al- 
kohol, dem etwas Aether zugesetzt wurde. Der Alkohol wurde durch 
Nachwaschen mit Aether und dieser durch Abdunsten entfernt. Die 
Lösung des Niederschlages geschah in indiffereoter Kochsalzlösung 
(0,5 Proz, Chlomatrium + 0,05 Proz. Natriumhydrat). Zur Injektion 
wurden nur klare Lösungen, niemals Suspensionen des Alkoholnieder- 
schlags in Wasser gebraucht Die in Wasser resp. der Normalkoch- 
salzlösong ungelöst gebliebenen Eiweißkörper zeigten keine giftigen 
Kgenschaften. Die Reaktionen der höchst wirksamen Präparate ent- 
sprechen fast vollständig denen des Peptons. Die Giftmengen, welche 
erhalten wurden, waren sehr verschieden; aus dem typischen Darm- 
inhalte eines Falles konnte nicht soviel Gift erhalten werden, um ein 
Meerschweinchen zu töten, während aus der gleichen Menge Dann- 
inhaltes analoger Fälle soviel Gift gewonnen wurde, um 3 Meer- 
schweiDclien zu töten. In einer Anzahl von Versuchen mit typischem 



216 yntertncbiuigtmQthodeB, lattrameot« etc. 

Darminhalte von alkalischer Reaktion wurde, nach der oben ange- 
deuteten Methode, Toxin erhalten und im Tierexperimente mit po- 
sitivem Ausfalle geprüft. Im typischen Reiswasserstuhle ge- 
lang es nicht, Toxin durch tödliche Tierkultur nachzuweisen; hier 
kam es nur zu einem m&Bigen Temperaturabfalle. Es wird hier, aadi 
der früher schon ausgesprochenen Ansicht Hueppe's „ein Teil des 
im Darme gebildeten Giftes resorbiert, ein anderer Teil aber mit dem 
Stuhle ausgeschieden und durch die Säuren des Dickdarmes gebunden'^ 
Im Erbrochenen scheint Alt das Toxin gefunden zu haben, wenn 
seine Versuche auch nicht ganz ein wandsfrei sind. Auch im Blut- 
serum ist das Toxin nachgewiesen. Von großer Bedeutung ist die 
Thatsache, daß Hueppe die Ausscheidung des im Darme nachge- 
wiesenen Choleratoxins durch den Urin feststellen konnte. 

„Wer auf dem Standpunkte der Spezifizität der Bakteriengifte im 
Sinne von Koch steht — sagt Hueppe — , wird mir wohl zu- 
geben müssen, daß ich durch diese Untersuchungen das Gholera- 
gift nachgewiesen und damit die Koc hasche Entdeckung am Men- 
schen selbst ätiologisch abgeschlossen habe. Ich selbst bin mit Rück- 
sicht auf die in der Einleitung dargelegten Gesichtspunkte etwas 
vorsichtiger und behaupte nur, daß ich in reinen und typischen 
Fällen von Cholera asiatica beim Menschen ein Gift nachgewiesen 
habe, welches von den Kommabacillen gebildet sein muß, und welches 
im Einklänge mit den Experimenten über Cholera die typischen 
Symptome dieser Krankheit auslöst, welches sich in Bezug auf den 
Ort seiner Bildung im Darmlumen und den Darmepithelien, seine 
Aufnahme in den Körper und seine Ausscheidung aus dem Körper 
so verhält, daß alle klinischen Symptome der reinen unkomplizierten 
Fälle dadurch eine ausreichende Begründung erfahren^^ 

Es sei hier am Schlüsse dieses Referates noch ausdrücklich auf 
die im Detail geschilderten Versuchsresultate, wie auf die geistvollen 
Erörterungen in der besprochenen Arbeit hingewiesen und deren 
Studium im Originale angeraten. Gerlach (Wiesbaden). 

Hueppe und Fijans, Ueber Kulturen im Hühnerei und 
über Anaörobiose der Cholerabakterien. (Archiv für 
Hygiene. Bd. XK. Heft 4.) 
Die Einführung von Eiern zu Kulturzwecken von Mikroorganis- 
men, einerseits „um den hohen Nährgehalt und die günstige chemische 
Zusammensetzung derselben zu verwerten, andererseits um annähernd 
die erschwerten Sauerstoffverhältnisse des Darmes nachzuahmen^', 
verdanken wir Hueppe (CentralbL f. Bakt. Bd. IV. 1888. Nei 3). 
Er wies nach, daß zwar durch die Kultur im Ei die Diffusion von 
Sauerstoff nicht aufgehoben, aber durch die sich im Ei bildenden 
Gase erschwert ist, so daß man schließlich den Zustand der An- 
aörobiose erhält. Außerdem ist es eine bekannte Thatsache, auf die 
schon Koch hingewiesen hat, daß dem Gholerabaciltus An- 
aörobiose zukommen muß, ohne welche seine Vegetation im Darm- 
lumen und in den Darmepithelien, sowie bisweilen selbst in den 



üntatwahomi — tt odwt, lattroMato eto. 217 

tieferen Schichteii der Darmwand und bei TierversuGheii im Binde- 
gewebe ganz unTerstindlicb wire. 

Dural ihre Impfrersache mit Oiolera anf Eiern konnten nim die 
Verffl Dachwtisea, da8 infolge der Wirkung der Vegetation der 
Kommabacinen stets eine Abnahme des Sauerstoffgehaltes der im Ei 
eiBgeeddoeeenen Luft erfolgt, die bei Iftngerer Daner des Vennches 
bis zom ToUsOndigen Versdiwinden des Saoersfarfbehaltes gehen 
kann. Zngleich ergab sich hieraus, daS auch empfiniUiche Mikroben 
im Ei Tid länger lebensfiihig und virulent bleiben, als in irgend 
emeiD anderen Medium. Denn trots der sdiließlidi erreichten völligen 
AnaSrobiose wudisen die Kommabadllen sehr deutlich. Dadnrdi ist 
die MfigUdikeit der Anafirobiose der Gholerabakterien thatsächlich 
erwiesen und zugldch Koch 's ursprüngliche Ansidit von der ätio- 
logischen Bedeutung des Kommabacillus, die so lange als 
unbewiesen gelten mu£te, ah die AnaörobioBe dieser Ifikroorganismen 
nicht nadigewiesen war, durch wissenschaftliche Untersuchungen 
gestfltst. Maaß (Frdburg L B.). 

Buge, S^ Deber GeiBelfärbung von Bakterien. (Fort- 
schritte d. Med. Bd. XU. 1894. No. 12.) 

Zur HerBteUung seiner Beize verwendet B. konzentrierte wässe- 
rige TanninlOsang und Liq. ferr. sesquichlor., letzteren in einer Ver- 
dünnung von 1 : aO Aq. dest.; als beste Zusammensetzung fond er 
3 Teile der Tanninlftsung und 1 Teil der Verdflnnang von Uq. ferri. 
Zu 10 ccm der Bfischung wird 1 com konzentrierte wässerige Fuchsin- 
Ifeung gesetzt Die Beize ist frisch nicht zu verwenden, gewinnt 
vielmehr durch längeres freies Stehen an der Luft während dniger 
Tage oder besser einiger Wochen an Wirksamkeit. Mit einer solchen 
Bdze erzielte B., ohne irgend welchen Zusatz von Alkali oder Säure, 
gleichmäfiig gute Resultate^ bei Proteus, Bact coli, Typhus und 
Cholera. 

Nach vorsichtiger Fixierung des Präparates auf einem absolut 
sauberen Deckgläscnen bleibt die ffltrierte Beize ca. 5 Minuten mit 
dem Pri^iarate in Berührung (event. ganz leichte Erwärmung). Es 
folgt dann AbspOlen, Trocknen, Färben mit Karbolfnchsin unter 
kiditer Erwärmung. Hugo Laser (Königsberg i. Pr.). 



218 SehntiiinpfluK, kBatU. IafcktioMkiimklMM«i, BrtwkkafaugshMnmuig etc. 



ScbutziiiiiiflMg, kOnstlieiie bifMctioBSkraiikiieltM, Entwick- 
lungshemmung vmA Vernichtung der Baicterlen etc. 

Hüter, Ueber Darmdesinfektion and ihren Einfluß aul 
den Verlauf des Ileotyphus. (Zeitachr. f. klinische Medizin^ 
Bd. XV. 1894. Heft 8-4.) 

Dem Verf. ist es gelungen, ein Prftparat herzuatdleUf welches 
als ein wirksames Mittel, den Darmkanal zu desinfiaeren, geltei^ 
kann. Die bisher bekannten Antiseptika waren dazu nicht branchbarj 
weil sie entweder, wie die Benzotaänre, Salicylsäure, Sublimat, Lyso] 
u. s. w., in Wasser lOdidi sind und deshalb schon im Magen oder im 
oberen Teile des Dünndarmes resorbiert werden; oder lüber sie siD<j 
schwer Idslich und kommen dadurch gar nicht, bezw. sehr unvolli 
kommen im Darmkanale zur Verteilung (Jodoform, Kalomel, Bismutj 
Naphthalin n. s. w.). 

Das Darmdesinfioiens, welches seine Zwecke in wirksamer Weis^ 
erfüllen soll, muß derartig hergestellt sein, daß es in der Darmi 
Schleimhaut genau den gleichen Weg einnimmt, wie die Bacillen, die 
event. in Betracht kommen. Da es nun eine bekannte Thatsache ist^ 
daß die Bacillen der Cholera asiatica und des Typhus abdominalis 
den gleichen Weg im Darmkanale innehalten, wie die molekularen 
Fetttröpfchen der Nahrung, so lag es ni^e, ein Präparat herzustellen^ 
welches diesen Anforderungen geredit zu werden imstande ist, und 
Verf. fand ein solches in einer EresolOlemuIsion. Diese mußte sowoh] 
ihrer Darreichungsform als der Wirksamkeit ihres Hauptbestandteile^ 
nach besonders geeignet erscheinen, zumal das Kresol anderen Desi 
inficienten gegenüber eine Reihe yon Vorzügen besitzt, wie unlöslich^ 
keit in Wasser, Fehlen jeder ätzenden Wirkung, relative Ungiftigkeil 
u. 8. w. 

Mit der in Rede stehenden Kresolform konnte Verf. seine Ver 
suche nur an Typhus machen, einmal wegen der Thatsache, daß bei 
Cholera die molekulare Resorptionsfähigkeit der Darmschleimhaui 
überhaupt fehlt, sowie wegen der rasch eintretenden Intoxikations- 
erscheinungen durch die Bakterienprodukte, infolgedessen eine event 
Tötung der Bacillen selbst, fedls sie im Darmkanale wirklich gelingen 
sollte, unnütz sein muß. Anders bdm Ileotyphus, bei dem, wenige 
stens innerhalb der ersten bis zweiten Woche, die Fähigkeit de« 
Darmes zur molekularen Resorption noch angenommen werden kann 
mithin auch -eine Darmdesinfektion nicht aussichtslos erscheinen 
dürfte. 

Die von Hill er hergestellte Kresolölemulsion, der er die Be* 
Zeichnung „Enterokresol^ beilegt, wurde einer genauen pharmako^ 
dynamischen bezw. bakteriologischen Prüfung unterzogen und dann 
klinisch bei Typhuskranken gelegentlich einer Epidemie zu Neu* 
Stadt a. H. im Jahre 1892 verwandt. Es ergab sich, daß in denjenigen 
FUlen, wo es gelang, die Kranken möglichst früh zur Behandlung 



kflüftl. lBf«lnlonskiBakh«lft«i, Entwlekdaiigiliemmimg «te. 219 

ZU bekommen (iimerhalb der ersten Woche) and dieselben sich an 
das Einndmien des Ifittels, in Eapselform ä (\1 g Kresol enthaltend 
imd pro die durchschnittlich Smal 4 Stack verabfolgt, schnell ge- 
wUinten, recht gfinstise Resultate sowohl hinsichtlich des Verlaufes als 
der Dauer der KranUieit zu erzielen waren. Die nach Angabcni H.*s 
berzuatdlenden Enterokapseln werden in der Breslauer Grelatinefabrik 
(Apotheker Zadek, Kaiser Wilhelmstr. 100) angefertigt und können 
▼on dort direkt» als auch von jeder Apotheke bezogen werden. 

Maaß (Freiburg LB.). 

TaulTer, E., Adatok a choleravibrio magatart&s&hoz 

saprophytäkkal sreinben. [Beitrftge zu dem Verhalten der 

CholeraTibrionen gegenfiber SaprophytenJ [Aus dem Laborat des 

Prof. O. Pertik.] (Budapest Oryosi Uetibp. 1894. No. 1.) 

Anl&filich der Cholera in Ungarn wurde die Frage au|geworfen, 

ob Viehdfinger den Gholerayibrionen als geeigneter Nährboden dienen 

kann? 

In Erörterung dieser Frage wurden zwei Untersuchungsreihen 
aDgestellt, die in der Mitteilung in eingehendster Weise durchgeftthrt 
werden. 

Im Laufe der Untersuchungen findet T. wieder Uffelmann's 
Ergebnisse, daß die GholeraTibrionen im frischen Dflnger rascher zu 
Grunde gehen, als in mehrere Monate altem Dflnger. 

In der Zusammenfassung der Resultate behauptet er, daß die 
Zahl der Oholerakeime in den ersten 6 Stunden — ohne auffallenden 
Untersdiied der gebräuchlichen Dilutionen — konstant abnimmt. 
Bis zur 24. Stunde bemerkte er eine Zunahme, die jedoch von der 
100. Stande rapid fäUt und in 250 Stunden sind sämtliche Keime 
mit voller Gewißheit zu Grunde gegangen. 

Den Grund des rascheren Absterbens im frischen Dflnger sucht 
Verf. tefle in den fortschreitenden chemischen Prozessen die parallel 
mit dem Fortschritte der Gärung und der Fäulnis die chemische 
Znsammensetzung des Nährbodens verändern, teils in der enormen 
Wudierung der Siprophyten, die den empfindlicheren Gholeravibrionen 
ihre Lebensbedingungen rauben. Preisich (Budapest). 



Mmw I/Htmiar. 



Neue LItteratur 

WMMmmggitaHt tob 

Dr. Abthüb WüBZBUBe, 



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röhrchen. (Ztochr. f. Hygiene. 1894. Bd. XVI. No. 8. p. 818—661.) 

Biölogi§. 
(Girong, Flnlnis, StoilSreehselprodakte m e. w.) 

Onwiti, B. u. 8toflSBii, W., Die Bedentnog dee Speichels nnd Answnrfs für die Biologie 

einiger Bnkterien. (Berl. klin. Wclieehr. 1884. No. 18. p. 418—481.) 
MagBva» F., üebcr den ZuMmmenhang der Entwinkelnng einiger Bostpilse mit klime- 

tischen Verhftttnissen ihres Standortes. (Natonritsensoh. BnndsehM. 1884. Ho. 11. 

p. 138—186.) 
Faiie, B., Ueber einige Tom septischen SpeichelbeoUlns (Diplococcns pneomonia) nnter 

besonderen Lebenslwdingangen angenommene Bigentftmliehkeiten. (Berl. klin. Wehsehr. 

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BaktetoB mA PttB8tt8B m BBbeteMea ir«fw. 

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Kram l i k m/ t %i vr € g mdä Babimim «m4 Jwa i a iw hm iWnm. 



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SdmtzfmpftBiigeii, kttnstllehe InfekttoosknuAheitM, Bntwieke» 

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ritiologie da ttenos, p. 808. 
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Hflhaerei and ttber AnaSroblose der 
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Baltrige sar hygleaisehen Bearlellang 
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for the diibrentlatlon of BaelllBs typhi 
abdominalis from Baelllas eoM oommanb, 
and Its applleation to the eramfamtion of 
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BeluitdbBpAuur , kftastUaha lafsktiaas- 

kraakhaitsa« BntwIehalaagahMamaag 

aad Vanüehtauff dar Baktvimi 

aad PasaittsB. 

Sllar, Ueber Danadeslarektlott and Ihren 

Blnfla8 aaf den Verlaaf des Ileetyphot, 

p. 818. 
Vaaflbr, B., Adatok a eholeravibrio ms- 

ga t ar ti si h oi saprophytikkal sremben, 

p. 818. 

Naaa Uttaratar, p. 880. 



Vk« 



■ aeihSwiitii 



noaii»ia4« 



Bakteriologie und Farasitenkimde. 

In YaMadmig mit 

eek. Hflfr. M Dr. LoiGbirt m Fndsor Or. Lmllff 

herMUgogeben Ton 

Dr. O. TTlilvorm in GasseL 



Verlag von Gustav Fischer in Jena. 

XTI. Bind. -^ Jan*, den is. August 1894. -6. Ne. ft. 

Pxtii flr den Buid (M Vunrntm) 14 Xark. 

JÜirlieh eraehaiiiea iwtl Bind«. 

-•»f X« b«MMii dnreb ill« Btichhaiidliuigui und Potteattelteii. |f^ 

Die Redaktion de» nCenUrtMaUe für BaktenoU^[ie umd PiMratitm^ 
ricktei an die Herren MOa/rbeiier die ergebene Bitte, etwaige 
wm JAdfemmg von ftMonder^n ÄMHMeem ihrer AiSh 
eeiikweder hei der Mltn ^ ende m g der A Ma mdlumgem em dU 
enHf dete Maemehripi eeäreiben mu woUen oder apä^ 
ne t eh Eu^emg der ereien KorrekturakoOge direkt an 
Vortegerp Herrn Guetatv FUeher in Jena^^ geiamgen mu 
Die Veriagshandlung ist leider nicht in der Lage^ epäter 
WBneeihe berüekeiehUgen wu können. 



Original -Mlttbollungen. 



ITeber eiiien neuen Froschlaich der Zuckerfabriken. 

Von 

Alfred Koeh und Hans Hosmiis. 

Mit 1 Cigar. 

Vor einiger Zeit trat in einer Zackerfabrik In einer ZackerlOsong 
91 Proz. Reinheit (d. h. 91 g Reinzncker in 100 g Rohzucker) 
40 ProE. Wasser zur Zeit, als daraus das zweite Produkt ge- 
werden sollte, eine in ihrer makroskopischen Beschaffenheit 
cmjgarinaAui an die bekannten und früher gäürchteten, von Leu- 
eosoBtoc mesenterioides gebildete fVoschlaichmassen der 
BUbeozuckerfabriken erinnernde uallertmasse auf. Proben davon 
gettagtoi durch Vermittelung eines bekannten Zuckerlafooratoriunis 
xn.li. ift 



226 Alfred Koeh und Habs Hota«at, 

an Herrn Profeasor ToIIens in GOtfingen, der uns dieselben frean< 
liehst zur mikroekopbchen Untenudhnng flberliel D^id stellte su 
sofort heraos, dafi diese Massen nicht aas Leaconostec, sondei 
ans einer anderen, morphologisch hödist wahrscheinfich einen neo< 
und sehr interessanten Typns darstdlenden Bakterienform bestände 

Die aus der Fabrik stammende Probe stellte eine ziemlich fest 
wdil durch dje Melasseraste bellbr&mdich gefirbte OaUntmasse di 
deren vorlftufige chemische Untersuchung am einen Oehalt an Lävuh 
schließen ließ. 

Beim Zerdrficken eines OaUertpartikeldiens unter dem Deckgl« 
erhielten wir ein Pr&parat» in dem wirr verschlungeoe kurze, dick 
wursti))rmig6» oft verzweigte Fftden sichtbar wurden. AU dann abi 
ein Tropfen mit diesen Fäden aitf dem Deckglase über der Flamn 
etwas erwärmt ?nirde, um ihn einzutrocknen und nach gewöhnlich 
bakteriologischer Sitte zu firbeo, venchwaDdeo plOttdkh die dick< 
Fäden auf Nimmerwiedersehen und man bemerkte nun in der FlQssi 
keit nur kurze, dflnne Bakterienstäbchen. Als nun die dicken Fädi 
ohne Erwärmung in einen Tropfen MethylenblauKteung gebrac 
wurden, enthflllte sich das Rätsel sofort Die didcen Fäden färbt 
sieh Bäoilich gar nichti wohl abttr lagen an ihrem einen Ende, res 
am einen Ende jedes Zweiges ein oder zwei sich lebhaft blau & 
bende Stäbchen, deren Längsachse meist senkrecht zur Längsach 
des dicken Trac^ens stand. Wir hab^m es also ofTenbar — sowi 
sieh ans der einfachen mikrosk<^isGhen Betrachtung schließen läßt 
hier mit einer Bi^torienform zu than, deren Stäbchen ganz Vorzug 
weise nur an ihrer einen Längsseite GkUlerte abscheiden, die si^ 
schließlich zu einem , Im Verhälteis zur Dimensien des produzier« 
den Stäbchens kolossalen QaHertfiiden oder Oallertstiel entwick^ 
Wenn eines der Bakterienstäbchen sich teilt und jedes Stäbchen 
deraelben Weise Gallerte produziert, werden die OallertflUlea sii 
teilen oder verzweigen mässen. Die hier fblgende Figur veranscha 
licht diese Verhältnisse: 




Dieses bei yerhältnismäßig sehr geringer Vergrößerung (^/,. 
mit dem Zeichenapparate entworfene mbitusbild läßt auch die l 
deutenden Dimensionen der Gallertfäden erkennen. 

Wir haben es hier also offenbar mit einem ganz neuen Tjpi 
nämlich einer gestielten Bakterienform zu thun, und es erinnert di 
sofort ditran^ daß unter den Diatomeen Formen vorkonunen« die ebe 



Utber «inta nmiao FroiehUiob dir Zuokerfabrikeii. 227 

buk wohl eatwiekelte) ?«nnreigte GaUertstiele bilden (z. B. Qom- 
phonema). Hier ist die ganze Koleoie aber sehr zierlich gebaut 
und es herraoht kein solehee IfiSyerhältniB in der GrOfie des Stides 
imd der getragenen ZeUe» wie bei unserer Bakterienfonn. 

Leider gründet sich diese Darstellung, wie oben ausdrficklich 
bemerkt, nur auf direkte mikrodeopisclie Untersuchung unseres Aus- 
gangsmateriales. Es gelang uns trotz vieler Bemflhungen nicht, die 
neue und so interessante Bakterienfonn reinzukultinerra oder auch 
Dur onser Ausgangpsmatmal in kflnstlich zusammengestellten Nähr- 
KsuDgen zum ausgiebigen Wachsen zu bringen. Einige liale wuchsen 
die in konzentrierte RohrzuckerlOsungen gebraditen Spuren unserer 
Gallertmasse allerdings zu ansehnlichen Oallertkuchen heran, aber 
damit war die Sache aus. Einige Male beobachteten wir auch in 
Hlogefaropfen Entwickdung, aber da, wie gesagt, die uns intereasie« 
mde B^terienform nicht reinkulttTiert werden konnte, vermögen 
wir auch nicht mit Sicherheit zu behaupten, ob die gleicnm&ßig auf 
aDen Seiten mit mäfiiger, aber sehr deutscher Gallertscheide um- 
gebenen Stäbchen, die in den H&ngetropfen auftraten, wirklich eine 
abweichende Entwickdungsform unseres gestidten Bakteriums dar- 
steDen. 

HauptsScblich verdtdt wurden alle unsere Eulturversuche durch 
eine ung^flcUicherweise rddilidi bdgemengte Hefe, die sich in allen 
Enltmen sdur brdt machte. 

Trotz dieser Mißerfolge zögern wir aber nicht, unsere so unvoll- 
ständigen Beobachtungen oekannt zu geben, weil wir von dem be* 
sonderen Literesse, wdches diese dgenartige Bakterienform bietet, 
überzeugt sind und deshalb mit dieser Veröffentlichung die Bitte ver- 
binden möchten, eventuell bei in Zuckerfabriken oder Raffinerien vor- 
kommenden Gallertbildungen darauf zu achten, ob Leuconostoc 
oder unsere Form vorli^ und umr im letzteren Falle Material zu- 
kommen zu lassen (an Dr. Alfred Koch in Odsenhdm, Bheingau). 

Aus unserer Qudle war kein Material mehr zu erhalten, weil 
die Ersdieinung dort sofort verschwand, als die Temperatur der 
Znckerltemig von 42 auf 5(y^ (R.?) erhöht wurde. Vidldcht hat diese 
Temperatur schon genügt, um die Gallerte zum Yerqudlen zu bringen, 
wie wir dies ja beim Idchten Erwärmen auf dem Deckglase beob- 
tthteten. In der betreffenden Fabrik muß die Erscheinung wohl in 
pntesch unangenehmem Grade aufgetreten sdn, sonst wäre das 
Uaterid wohl nicht an das Laboratorium dngesandt worden. Weitere 
Beobachtungen müssen zeigen, ob ähnliche Erschdnungen öfter vor- 
kommen und wdchen Schaden sie verursachen. 

In da* litteratur sind derartig gestidte Bakterienformen nicht 
Mttnnt ffegeben worden. Wir wollen unserer Form dahw einen 
Ifamea gdnä und sie vorbehaltlich näherer Untersuchung als B ac- 
ter ium pediculatum bezdchnen. Eine große Aehnlichkdt mit dem- 
adbcn scheinen gewisse Zustände des Bacterinm vermiforme des 
logwerbieres, die Marshall Ward besdureibt^) und abbildet, zu 



1) K. VTftrd, n« Qbkg»*Bmt j^lant «ad tlie orguiteu eomporing it (PUL Tkain. 
l^8oe.LoB«6n. VoLOLXXXm. 1S91 pl.lS. Sg.S, pl.U. Sg. iMdbMondmtd); 

IS* 



228 NieoUPABe, 

haben. Diese Form soll aber nur unter beeonderen umständen einseit 
Schleim absondern, sonst auf aUen Seiten gleichmftfiig sich mit Schieß 
umgeben. Daß diese Form der unserigen nur morphologisch, nie] 
physiologisch ähnlich ist, geht auch daraus hervor, daß ihre Gallert 
wenn wir Ward recht verstehen, in warmem Wasser hd weite 
nicht so leicht verquillt, sondern das Kochen in Wasser dnige Z< 
aushält 

Geisenheim und Dessau, 7. Juli 1894. 



üeber die Bedingnngeni unter welchen der Strept« 
oocons pyogenes die Nährgelatine verflüasigt 1 

[Aus dem bakteriologiachen Laboratorium der I. medizinischen Kliii 
der Universität zu Neapel.] 

Von 

Dr. Nleolm Pane 

in 

Neapel 

Im vorigen Jahre (1898) wies ich durch eine von mir in d 
„Assodazione dei Medid e Naturalisti** >) vorgebrachte Mitteilu] 
nach, daß gewisse Streptokokkenarten (in mdnem Falle handelte 
sich um den Streptococcus erjsipelatis, von einer Krankl 
der Klinik stammend), welche in leicht alkalisierter BouiUon, d 
durchaus keine Olykose oder bloß Spuren davon enthidt, gezüchi 
worden waren, dieselbe trübten, wänrend die Bouillon nicht tri 
wird, wenn de eine betreffende Menge von Glykose (0,1 Proz. ul 
darüber) enthält und sich in dem Beagenzglase ein rdchlicher Bod^ 
satz sammdt Ich teilte ferner noch mit^ daß, wenn man eii^ 
neutralen Bouillon mit reichlichem Glykos^ehalt 0,1—0,15 Pr<| 
reines Natronkohlensalz zusetzt, dasselbe eintritt wie bd der keil 
Glykose enthaltenden Bouillon, d. h. sie wird trüb durch die in il 
vorgenommene Kultur des ebengenannten Streptococcus*). A] 
diese Streptokokken, die ich damals gleichzeitig mit dem Strept^ 
coccuB erysipelatis studierte, trübten entweder nie oder imd 
die Bouillon. (Gegenwärtig habe ich Streptokokken von 9 verschi 



laltlert «0111111 diilg« koiitiniil«rUoh beobaelitota Batwickelangtiastinde, welehe i 
Bntitehuig d«r Vtrswolfimg <Ur OaUertfftdea In dereelbnu Woise lUiutii«reo, wie 1 
•I« obtii für unser B. pediealatnm angenommen haben. Die In Rede etebende J 
handlnng von Ward kam uns erst nach Untersnebiing nnterer Form ni €^ieht. > 

1) K. Pane, Bnlla diagnosi differeniiale tia lo etreptoeoeeo dcU' eryaipela e; 
etroptoeoeeo piogwo. (Olomale della aasoeiaalone Mapoletanea dei medid e naturalis 
1S98.) 

S) Diese kaltnrelle Verlnderlicbkeit in der gans sehwaoh alkaliseben, Ikst nentral 
oder stark alkalisehen Bonillon, ohne die darin enthaltene Glykose in Bochnang i 
sieben, ist in neoerer Zeit von Waldvogel (CentralbL f. Bakleriol. a. Faradten 
Bd. XV. ISM. Mo. SS), ohne meine Vaniiebe ansndenten, beobaebtel worden. 



ü«b«r die B«dlag«iig«ii, antar weleboi der Strapt. pjof . di« NihrgelatiiM ▼erflllMigt. 229 

denen Dniprttngen und die BoaUlonkoltur des Streptococcus 
erysi-pelatis unterscheidet sieb ganz entschieden von den übrigen 
aodwen. Naeb meinen obenerw&bnten Versucben Ober die Strepto- 
kokken babe icb andere diese betreflende Eigenschaften erforscht, die 
bis heote ganz unbekannt waren. 

Yoriftufig beschrftnke ich mich darauf, eine der wichtigsten 
Wirkungen zu beschreiben: 

„Wenn man die Kultur des Streptococcus pyogenes, 
d. h. von einem echten Abscesse des Menschen entnommen, in Nfthr- 
gelatine vornimmt bei einer Temperatur von über 28® G, so wird die- 
selbe Terflfisaigt, und zwar in längerer oder kürzerer Zeit, je nach 
den Terschiedenen Streptokokken.^ 

So z. B. verflüssigt unter den 6 Streptokokkenarten (drei von 
mir in Eiteransammlungen des Menschen, eine von Prof. Boccardo 
in einem Abscesse des M. psoas von einem an Peritonitis gestorbenen 
Manne und eine vmi Prof. De Giaza ebenfidls in einem Abscesse 
fcefiinden) der von Prof. Boccardo die Gelatine rascher, der von 
Prof. De Giaza aber langsamer. 

Die von mir, um diese Wirkung nachzuweisen, angewandte Nfthr- 
gelatine bereite ich nach einer ziemlich leichten und einfachen 
Methode, welche aber große Genauigkeit erfordert 0* 

Diese Methode besteht im wesentlichen im Filtrieren der Gelatine 
an 14 Proz. durch Watte, welche in Natronlauge gekodit ist, in dem 
Luftdruckapparate, dann ¥rird sie in dem Wasserdampfsterilisierungs- 
apparate 5—6 Minuten lang sterilisiert, sie jedesmal mit kaltem 
Wasser abkühlend. Bei der Bereitung einer N&hrgelatine, die bei 
30* sdnmlzt, ist folgendes zu beobachten: „Der Schmelzpunkt der 
Gelatine sinkt im umgekehrten Verh&ltnis zu der Zeit, w&hrend 
welcher die Temperatur wirkt.^ 

Die Schmelzung der Gelatine kann 24 Stunden nach der Impfung 
anfiug» und sogar vorher, wenn die Temperatur, welche die Ent- 
wickrimig der Bakterien befördert, auf 28—29^ bleibt Bevor die 
ESnschmdzung beginnt, sieht die Kultur des Streptococcus 
pyogenes wie gewöhnlich aus, dann fängt das Schmelzen rings 
bmun an und senkt sich allmAhlich nach unten, der Kulturbahn 
nadL Dieselbe sammelt sich meistenteils am Boden, doch bleiben 
kleine Fetzen davon in der Gelatine disseminiert Nach dnigen 
Tagen ist die ganze in dem Glase enthaltene Gelatine geschmolzen; 
sie ist klar wie die verflüssigte Gelatine einer alten Kultur des Ba- 
cillus der Septik&mie der Mäuse und des Rotlaufes der Schweine. 
INese Wirkung besitzt bloß der Streptococcus von abscessalem 
Ursprünge und sie findet sicher bei 28—29^ C statt. Bei niedrigerer 
Temperatur, bis 24^, kann sie sich auch entfalten, aber nicht bei jedem 
Streptococcus. Bei 20—22® C findet die EinschmebBung nie statt 
Idi habe Versuche angestellt, um dieselbe Wirkung auch zu stu- 
dieren bei dem im vorigen Jahre entdeckten Streptococcus ery- 
Bipelatis an einem mit Erysipelas ftdei behafteten E[ranken, sowie 



1) N. P»ii«, Pr^aruioiM npida d«U' •gar natriÜTO e d«Ua gaUtbiA nvtritivA 
di fluioiM raptriore a 80*. (GuMtta d«U« oliniolM. 1898.) 



330 NisoU Pado» U«her dieB«diii8«aitm, iiBUrwil«]MDd«r8tr«ptpf«g. «te. 

auch bei drei weiteren StoeptokokkeD, von denen der eine aoB einfl 
Blaaoiigescliwflre von einem an Mjelitia traneyersa leidenden Kau 
chen, die anderen zwei aber ans dem peritonealen wfteeerigen B 
eudate von MeerBcbweinchen stammten, die einige Tage nach int^ 
peritonealer Einimpfung von tuberkulOeem Aaewnrfe starben^ Niemi 
ab^ konnte ich je eine Spur ton Einachmdrang in den Kolton 
dieser letztgenannten Streptokokken sehen « auch itfcfat, wenn d 
Kulturen bei einer Temperatur yob Ober 28® gehalten wurden. 

Im Falle, daß solch eine Nihrgelatine, die bei circa 3M 
schmilst» nicht zur Verfügung steht, wie die von mir bereileie, kai 
jene Wirkung selbst audi mit einer Gelatine, die bei 30^23* 
schmilzt, nachgewiesen werden, indem mau die letalere in einen I 
kubatieosappasat (ca. 35®) dnstetlt, nachdem die Impfung mit de 
Streptococcus pyogenes stattgefunden hat Nach 2 Tagi 
ist sie geschmolzen und bietet dieselben Eigenschaften dar, m 
die allmählich von dem Streptococcus pyogenes verflOssig 
Gelatine. 

Die Verflüssigung ist also eine Eigenschaft, durdi welche ni 
sofort und sicher bestimmen kann, ob es sich um den Strept( 
cocctts pyogenes, vou Abscessen des Menschen abstammend, odi 
um andere Streptokokken handelt. 

Man könnte einwerfen, daß die von mir studierten Str^tokokk( 
zu wenig (9) mnd, um eine sichere SchluMblf^uag daraus zu aehe 

Jedenfalls wollte ich aber auf die Thatsache hinweisen, denn aui 
wenn man einen Streptococcus, von einem echten AbsceS d\ 
Menschen abstammend, der die Gelatine nicht verflOssigt, fiUide, wil 
jedenfalls die ThatBache, daß Streptokokken da sind, die die Gelatii 
verflfiesigen, und andere, die sie nicht v^Ossigen, unbestritti 
bleiben. 

Die Eigenschaft des Streptococous pyogenes, die Eiwei 
Stoffe zu peptonisieren, wurde zum ersten Maie von Rosenbach 
bewiesen; er sah, daß der Streptococcus pyogenes den E 
weifistoff okme Einfluß der Luft peptonisieren kann (gekochtes Binc 
fleisch und Eiweiß). 

Baumgarten behauptet, daß diese Eigenschaft durchaus noi 
wendig sei, damit eine Bakterie, die entechiedett pyegsn iel, eine 
echten Absoeß bildet 

Diese Theorie zu verteidigen, habe ich nicht im Sinne; ich wi 
bloß betonen, daß unter meinen StreptokoUien nur diejenigen di 
Gelatine verflflssigeo, welche von echten Abscessen abstammen; di 
anderen gar nicht, unter keiner Bedingung. 

Neapel, im Juni 1894. 

1) In: Baamgarlen, PAthologlBolie Mykologie. 1888. p. 880. 



OiigfaalSafaate w» baktnielogiMlMa ud pandtologbehen lutitaten ite. 231 



Originai-RefiBrate aus bakteriolagischeii und parasitologischen 
Institutan, Laboratorien etc. 



Arbeiten aas dem pathologisohan L&boratoriam des 
Bfuean of Animal Industry in Washington^ U. S. A. 

[Bulletin No. 6. (1894).] 

B«sprocbtto von 

Dr. Theebftld Smlflu 

1) Smlfii, Tkeobald, The Hogcholera gronp of bac- 
ieria. 

Das yorkommen von echten Spielarten oder Bässen fon patho- 
genen Bakterien beanspracht im hohen Grade unser Interesse, da es 
nicht allein unsere Kenntnisse über die Entwickelung pathogener 
Arten erweitert, sondern audi einen Einfluß auf die mehr praktische 
Seite der Diagnose hat Die kürzlich erschienenen Arbeiten von 
Sanarelli, Dunbar und Anderen über das Auftreten von Vibrio- 
nen in FMssen und ihre Beziehung sur echten Cholera brauchen 
onr angeführt werden, um die groSe praktische Bedeutung des 
Studiums Yon Spielarten ins klare Licht zu stellen. 

Wahrend der letzten neun Jahre hat Ref. Gelegenheit gehabt, 
die Bakterien der Hogcholera aus verschiedenen Teilen der Verdnigten 
Staaten kennen zu lernen und eine kleine Zahl echter Bässen näher 
zu ODleTSUChen. Bef. mochte zuvörderst klar legen, dafi die beschrie- 
beaen Baasen der Hogcholeragruppe durchaus verschieden von der 
Sehwemeseuehegruppe sind und nicht mit letzteren verwechselt 
werden dürfen, wie es erst wieder kfirdich von Metschnikoff 
getiuui worden ist (siehe unten). Der Unterschied ist beinahe so 
defgreifcad, ab zwischen TyphusbacOlen und den Pneumokokken 
(Micrococcus lanceolatus). Die Lokalisationen bei der Hog- 
cbolera sind fast immer auf den Darm bescliränkt. Die Schweine- 
«teadi^nippe bewirkt Brustkrankheiten und lokalisiert sich manchmal 
nadi intravenöser Impfung in den Gelenken. Bfischinfektionen dieser 
zwei Arten 'sind sehr hairflg ^). 

Die am meisten gefundene Spielart, die Bef. zum ersten Male 
1885 beschrieb und die auch Katiinchen gegenüber die höchste Vbru- 
lenz besitzt, wird B. cholerae suis a benannt'). Die zweite Spiel- 
art ißf) isolierte Bef. im Jahre 1886. Sie unterschied sich von a 
durch folgende Meitonale: In Bouillon wurde immer in 24 bis 
36 Standen eine Membran gebildet Auf Gelatineplatten wuchsen 
die Kokmieea nur, wenn mehr Alkali zugesetzt wurde, als a nötig 
halte. ScbHeBlich war die Vindenz etwas niedriger. Diese Bassen- 

S) ZritMhrifl mr Byflene. X p. 4S0. 

%) EiiM kimo Btttcbi^biiiig in daatschttr Spraohe findet d«r Leser in dieser Zeii- 
schrift (Bd. IX. p. 869, 807 wuL 889). In derselben BOtteUong befindet sieh Moh eine 
■Mkr MsfUirlielie Besdirelbnng einer SpieUrt, die in der hier referierten Arbeit Als ( 
beseiebaet wird. 



232 OnifiaaX'UtivnU mu tNikteriologia^en md fVMltolQgiiditn 

mwkinale haben sich bis zum heutigen Tage, also während eh 
Zeitraums von acht Jahren, nicht yer&ndert Nur wenn die Grelat^ 
stark alkaliseh ist, erscheinen die Kolonieen. Die ob<N4ichlicfa 
werden dann sehr ausgebreitet und sind Ton denen des Kolol 
bacillus nicht zu unterscheiden. Die Virulenz ist jetzt sehr herU 
gesetzt Kaninchen werden nur durch intravenOse Impfung getdl 

Rasse y ist bemerkenswert, da ihr nur die Virulenz des Kolol 
bacillus zukommt Kaninchen werden nur nach ziemlich hota 
(1 ccm) intrayenösen Dosen getötet Die pathologischen Veränderung 
sind ä>en80 negatiy wie nach Injektion von R coli. Die Bacil^ 
sind etwas plumper als a. InYoIutionsformen sind in langen foi 
gesetzten Kulturen ziemlich häufig austreten. Unter den kulturell 
Eigenschaften konunt zunächst in Betracht die starke Trflbaog (i 
Bouillon (bei a ist sie nur schwach), eine schwache Indolreakt^ 
und ein echt typhusartiges Aussehen der Kolonieen auf Gelati] 
Von den IVphusbadllen unterscheidet sich diese Basse durch G^ 
gärung in Dextrosebouillon. I 

Basse d unterscheidet sich von a durch viel stärkere Trübi:^ 
der Bouillon und durch herabgesetzte Virulenz. Kaninchen bleib 
nach subkutaner Impfung am Liaben. Bei intravenöser Imiifong si! 
die pathologischen Veränderungen deiyenigen von a gleich. 

Basse e unterscheidet sich von o nur durch einige kleine A 
weichungen. Die Oberflächenkolonieen auf Gelatine sind dQnn^ 
etwas mehr ausgebreitet und bläulicli durchscheinend, beinahe wie 
und Typhusbacillenkolonieen. Weiter ist die Agarkultur fadenzieheij 

Basse ^ hat Bef. in dieser Zeitschrift (siehe oben) aXs ß \\ 
schrieben. Die Bacillen scheinen etwas plumper als a zu sein. II 
Oberflächenkolonieen auf Gelatine sind si^üger und etlichemal grö& 
als diejenigen von a. Auch wird die Bouillon stärker getrübt 
bemerkenswerteste Unterschied wird in einer Variation der Im| 
krankheit bei Kaninchen kundgegeben. Statt einer 6— 7-tagigi 
Krankheit mit Lebernekrosen wird eine 10— 14-tägi^ Krankb^ 
hervorgerufen, die sich hauptsächlich im Darme lokalisiert und hj 
den ganzen FoUikdapparat ergreift Die solitären Follikel und i 
Plaques sind infiltrirt, die dedkende Mncosa Öfters nekrotisiert. I 
Blinddärme finden sich öfters oberflächliche Nekrosen, die wahrscheii 
lieh durch Bacillen verursacht sind, die durch die Leber und 4 
geschwürigen Plaques ausgeschieden werden. Bei Schweinen rd 
diese Basse nur sehr ausgedehnte diphtheritische Ndorose des Maget 
und Dickdarmes hervor. Die Krankheit ist mehr dironisch und di 
Zerstörungen der Schleimhaut grö£er als bei der a-Krankheit DI 
tödliche subkutane Dosis bei Kaninchen ist 0,2—0,3 com Bouilloi 
kultur. Manchmal erholt sich das geimpfte Tier. 

Basse tj wurde von Dr. V. A. Moore in unserem Laboratoriui 
aus einem Schweine isoliert 0« BeC hat sie in die Hogeholeragmpp 
gestellt, obwohl sie unbeweglich ist, weil sie in fast allen andere 
Beziehungen a gleicht. 

1) Bnlletlii No, 9 of the Burean of Animal Indnstry (18S8). p. 31. 



mu bskterMogtiefaen vnd p«rMitologiidian laitltatttB «to. }88 

BaciDoff der Schweinepest (DftDemark) iMtenchied sich von 
den echtev Hog pho i e r ahtt ciMen Bmr dnreli stark abgesobwAchte Vim^ 
lens — tmbrsdbeii^ch dnrcfa ^ Isoge fortgesetzte KuHnr bewirkir 

Bacillus ans eimm 7a9kr von Abeit bei einer State wurde 
aas der Vagina direkt als Agarreinkiiltar erhatten *>. Dieser nsfep-' 
scheidet sidi wm «r nor durch redasierte Virulenz und durch ein 
(jeteC tenehwundeaes) fUtenartiges Wachstum auf Agar. 

Weiter wurden anter diese Orofipe eingereiht: B. enteridHiSi 
<SftitBer, und B. typhi murin tt LoeSkr. Eatturen dieMt 
BflüEterieo fo« Kr^l belogen, würdien einer verglelsbeadea PrBftnfg 
oBtemgeo. Die üatefscbiede, die sich geltend nachten, wann 
folgende: 

Bei B. enteriditis waren die Formen etwas polymorph, tiel* 
Iddit durch dsa Alter der Kultur bedingt. Die Kolonieen glichen 
desjeoqien ton a. Kaninchen wurden nur nach intravenSser Impfung 
get&tet. Die Fennen des Miiuffesenchebaeitlus waren etwas 
breiter als diejenigen von^ a. Die Koloffieea breiteten sidv auf Oeiatine 
viel mehr an» als bei a und n&herten sich denjenigen von /}. Kanish 
eben wurden nur nach intravenöser Impfimg gelötet. Andi bei Meer» 
adiwdnebea war die sahkutane Imyfang kleiner Dosen (bis auf 0^ ccm 
BoniUonkaltvr) nicht tödlich. Eh bemerkenswerter Unterschied swiscbea 
B. cboL svis a und diesem Bacillus kam beif dier peritonealen 
InqifaDg von MeCTSchweincl^n sem Vorschehie. Selbst bei der winsigea 
Mei^e Ten 0,00^ ocm BouillonknltBr der Mftuseseuchebaeillen starben 
Jfeerschweioclien in 24^-^ Stunden unter großer Vermehrung der 
nijiEierten Bacillen. IntraaMomiaelle Impfang den Hogchelera- 
bacillua war erst in &Tagen tödHch. Impfung des enteren schOtste 
g^^ eme tödliche Dosis des letzteren Mikroben. Nach Ref% könnte 
man Bacillun er ala mehr parasitisch, aber weniger tfoxiseh ida den 
M&ueebaei)lus bezeichnend. 

Unter den echten Hfi^holerarassen wäre» «, ß^ « und ^ aus 
HogcholeraaeabrCtehen' isoliert, /, d und 17 aus Schweinen kuHMert, 
deren Krankheit entweder aius einer Mischinfektion bestand) oder 
nicht bestimmt werden konnte, a wurde inr Lamis der letzten neoa 
Jahre aus nicht weniger als 10 verschiedenen^ Ausbrttehen und ^ aas 
zwei erhalten. Die flbrigen Rassen sind nur einmal gefunden worden. 
Bae bestimmte geographische Verbreitung von a kann nicht ange- 
nommen werden. Die anderen Spielarten SMid vielleicht auch' weit 
verbreitet, aber wegen ihren schwach invasiven Eigenschaften dringen 
ae seltener in die inneren Organe vom Darme ans, wa sie nur schwer 
iielierbar smd. 

Die verscAiedenen Sassen oder Unterarten gHcben skb ia folgei^ 
den findameatalea Eigenschaften: 

Mnme Stibehen, bewegHck (mit Ausnalnne vom 1^), die Gelatine 
oieht verflftarigeBd. Atif KartoMn eine gelbtieh-weiie' oder Mtam 
liehe Aoflageraiig bfldend*). MMbb wird nicht koaguliert, aber bd 



1) B^nttfv HiK S. p. SS. 

S) Dv B«elir«t dttr MS toww nA^, ErateTf wrIM. oleil mgittgliefa. Itf «taMT 
XAv TM KrA^'biMfM, wifft« stell «Hi T«rflftii1g«a4tt 8fr«|rV4rbAcrfrll«A 



284 Original-BaüvAto wu btiktoriologiMhra «sd pvMitologMiMi InttltiifeMi «tc 

langem Stehen (8—4 Wochen) darcbscheinend^ stark alkalisch. Viel 
laicht beruht diese Ver&nderong in einer Yerseifiiag des Fettes. Ein 
^Basse bewirkte diese Verftnderang nicht. Fadenriehende Besdiaffeij 
heit nie bemerkt Alle Mitglieder« aofier y« geben keine Indolreaktio 
(Kitasato's Vorschrift nach Donham). 

Weiterhin sind bei allen Mitgliedern dieser Qroppe die Oftruog 
erscheinangen dieselben. In 1 oder 2 Proa. Dextroeebouillon ((^ 
mngskOlbchen) wird in 8—4 Ti«en bei 37® C 40—60 Proz. d^ 
Banales in der geschlossenen ROhre mit Gas in Beschlag genommei 
Dieses besteht ans aagefiUir ^/, 00^ und */, eines explosiven Gas^ 
(H)« Die BoQilk>n wird stark sauer, das Wachstum gehemmt uq 
die Bacillen bald getötet. In Bouillon ohne Muskelzucker, zu welche 
1 Pro9. Saccharose bes. Milchzucker zugosetst wird, werden Oase nicl 
entwickelt und die Bouillim bleibt im ofEonra Schenkel alkalisch ^i 

Diese FermentreakUonea unterschtiden die Hogcholeragrup| 
von den TyphuabacUlm, der Kolongruppe und vielen anderen BaciUel 
die ihnen morphologisch gleichen. Von den Typhusbadlleii unte| 
scheiden. sie sich durch Oasbildung in Dextrosebouillon, von di 
Kolonbacillen durch keine Oasbildung in Laktosebouillon. 

Alle Mitglieder dieser Gruppe (außer y) sind pathogen. D 
Impfkrankheit der Kaninchen ist bei a, /}, d, e» £, i; und drai Abori 
bacillus entweder dieselbe oder durch partielle Immunisierung d{ 
Kaninchen flberf&hrbar (siehe unten). Bei B. enteriditis ui| 
B. typhi murium ist der Virulenzgrad (jetzt) niedriger, abi 
die Lokalisation in den DarmfoUikeln bei Kaninchen auch zu seh^ 

Von dieser far die Tierpatbologie hochwichtigen Gruppe unte| 
scheidet sich die fast ebenso wichtige Schweineseuchegruppe dur^ 
kleinere, unbewegliche, Mters tanzende Formen, polare F&rbung I 
Ausstrichpraparaten aus dem Blute und den Organen geimpft 
Tiere, schwaches oder negatives Wachstum auf Gelatine, kein Wach 
tum auf Kartoffeln, Indol- und Phenolbildung (und durchdringend 
Geruch beim Oeffnen von Agarkulturen in Pe tri- Schalen). B 
gampften Tieren findet man entweder reine S^tik&mie oder Loka] 
sationen auf den serOsen Häuten. Durchgreifend i^ die verschiede) 
Fermentreaktion. Gas wird nicht gebildet Dextrose* und Saccharo^ 
bouilloB werden sauer, Laktosebouillon bleibt alkalisch. 

Wenn wir die etwas extremen Rassen / und rj beiseite lass^ 
so beziehen sich die Bassenunterschiede der übrigen Spielarten a 
etwas Variable Größe der Bacillen, auf Abweichungen der Kolonien 
auf Gelatine in Form, Ausseben und OrOfie, auf Grade der Trttbu) 
in Bouillon und Membranbildung (/?), fsdenziehendes Wachstam a 
Agar («)^ stärkere Alkalescenz der Gelatine (ß) und sehr verschiedet 
Grade der Virulenz. Ref. erklärt sieh diese Abweichungen folgende 
maßen: Diese Gruppe ist durch langsame Anpassung aus der Kolo 
grnppe entstwden und die verschiedenen Kassen stammen von ve 
schiedenen Mitgliedern dieser Gi^uppe, die durch Anpassung an dj 

1) Da in RinderbouUlon gewShnlieh Miukeliiiok«r uiirMMid tot, der sieh Bakteri 
fegSDSber wie DwtroM TerUUI, darf man flkr Laktoia nnd SaecharoMbooUlon nur di 
JaoJge Bouillon . wUüan, dia aaah dtr ImpAing mit ainar uniTaraalglreadaa Art ^ 
B. eloaeaa k«in Gas bildet, ^ieha Raferat in ditear Zaitiobrift Bd. ZIV. p, 86^ 



QiigiiMl-B«f«mt6 »OB iMkteiiologiMhen aod puruitologisoh«!! InatitatMi ete. 286 

lleik(kper einander nAhergerückt sind. Diese Hypothese ist ferner 
durch Bei best&rkt worden in Untersucbüngen, die beweisen, daß 
durch Kolonbadllen Kaninchen und Meerschweinchen höhere Resistenz 
imd sogar Immnnit&t gegen Hogcholera erhalten Icönnen. 



2) bnithy Theohald andHoore^YerannaA., Experiments 
on the production of immnnity in rabbits and guinea- 
piga with reference to hog-cholera and awine-plagoe 
bacteria. 

Ein Teil dieser Untersnchongen war schon im Jahre 1890 voll- 
endet Weitere Versuche wurden angeregt durch die Veröffent- 
lichongen Metschnikoff's, in welchen eine schnelle Immunisierung 
von Kaninchen gegen die Hogcbolerainfektion behauptet wurde. 
Dieses Besultat konnte mit froheren Erfahrungen im Laboratorium 
des Bef. nicht in länklang gebracht werden, und eine erneute Prfi- 
fuag dieser Frage schien wftnschenswort Im Laufe der Unter- 
snchuig erhielt Bef« durch sehr gfltiges Entgegenkommen des Herrn 
Metschnikoff eine Kultur des Hogcholerabacillus, welcher 
sich als eine echte Schweinesenchebakterie herausstellte. Durch diese 
Entdeckung waren die Besultate Metschnikoff 's und der Verff. 
leicht harmonisiert Eine Resumierung der Erfolge mit verschiedenen 
Immnniaierungsmethoden war immerbin von Wert als Beitrag zum 
vergleichendem Studium pathogener Bakteriengruppen. 

Es soll hier nebenbei bemerkt werden, daß in diesen ünter- 
auchnngen der erlangte Grad von Immunit&t bei Kaninchen und Meer- 
sdiweinchen sich nur auf die sonst tödliche subkutane Impfung be- 
zog. Immunit&t gegen intraabdominelle und intravenöse Impfung 
wmrde wahrscheinlich in keinem Falle erzielt. Ob der Kaninchen- 
körper schließlich gegen intravenöse Injektion virulenter Kulturen 
geschfitzt werden kann« ist fraglich, da der Immunisierungsvorgang 
g^en die sonst tödliche subkutane Dosis schon starke Abmagerung 
bewirlite. Auch kommen bei inmiunen Tieren nicht selten uner- 
wartete Lokalisationen vor, durch welche viel Material verloren 
geht Ein Kaninchen, welches 3 Jahre zuvor gegen Hogcholera 
immunisiert war und seither zweimal die subkutane Impfung überstanden 
hatte, wurde mit einer kleinen Quantität Bouillonkultur (0,06 ccm) 
intravenös geimpft Es lebte 3 Wochen länger als die subkutan ge- 
impften Kaninchen, zeigte keine Krankheitserscheinungen und starb 
pl^lich an einem Gehirnabscesse, in welchem die Hochcholerabacillen 
in Schnitten nachgewiesoi wurden. 

Hochchol era. 1. Kaninchen, die ausnahmslos nach subkutaner 
Impfung mit B. choL suis asterben, wurden nach folgenden 
Methoden behandelt: 

a) Eine Kultur von a wurde bei hoher Temperatur (43,5 — 44^ G) 
nach 200 Tagen genug abgeschwächt, um nach subkutaner Impfung 
nur einen Teil der Kaninäen zu töten. Nach zweimaliger über- 
staodener Impfkrankheit waren sie immun. 

b) Eine schwächere Basse (ß) des Hogcholerabacillus 
wurde Kaninchen 2mal subkutan beigebracht Einige fiberlebende 
Kaninchen wurden dadurch immunisiert • 



Originamtfiffttf «u bakleriologiMlMii vod pai iiiiiQliglintMm TnttMir^tit ita. 

c) Einige KaoiiichoD wurden mit doer «tnig irinüaiteii Knltor 
giiaipÜ, die dorch Symhieee mit Proteus Vulgaris abges^wicbt 
wordeu war^X B^ diesen MeKhodtn danerla die IsssMinisieromga 
wenigstens etliche Monate und niciit wenige der Versoelietiere starbeni 
im Laufe der Impfkraniclieit. 

2. Kaninchen wurdea mit aHriMfllerten BnailknihilfWHM vorbei 
bandelt, aber ohne Erfolg. Bei Meesachweinchen war diese Methode 
mdir erfolgreich. In 1890 fiel es nicht schwer, diese Ttare 
durch 10 subkutane lojektiooen von je 1 ccm BouillonlLultar, bei 
60^ G sterilisiert^ au immunisieren. Bei WiedertiQlang der Versache 
1893 war der Erfolg weniger sicher. i 

Mit sterilisierten Agarsuspensienen war das Bissultat daaeeltae^ 
Kaninchen zeigten keine erhöhte Besisteaz. Meerschweinchen dagegen 
¥rurdea entweder teilweise oder ganz gegen subkutane Impfung ge^ 
schtttzt Schweine wurdeo ebenfalla durch Agarsuspensionea giQgen 
tOdiche intravenitae Probeimpfungen geschützL Diese Impfung ward^ 
angewandt, weil subkutane Injektion von virulenten Kulturen Schweine 
nur ausnahmsweise tAtet 

8. Weiter wurde die Methode vm Seiander angewandt. 
Kaninchen wurden mit virulenter Kultur geimpft und einige Standen 
vor dem Tode das Blut gesammelt, dettriaiert, bei 60* C stmliaiert 
und Versuchstieren in 3-— 6 Dosen eingeepritet Weder Immuoit&t 
noch erhöhter Wideratead wurde beobaditeft. 

4. Schließlich wurde auch Blutserum von immunisierten Kaninchen 
und Meerschweinchen angewandt Bei Kaninchen schlug auch diese 
Methode fehl. Bei Meerschweinchen verlieh das Bhit derselben 
Species einen kaum bemerkbaren Widerstand. 

Schweineseuche. Mit den Bakterien dieser InfektionekrankH 
heit waren die Erfolge der verschiedenen Methoden idd grOSer« 
Nicht aHein mit Agarsuspensienett, sondern auch mit sterilisierteai 
Blute von sterbenden Tieren und mit Bkitserum von geschützten 
Tieren wurden Kaninchen immunisiert In allen Versudien worda 
dieselbe Kultur gebraucht, die, seit 1800 im Laboratorium knltivriert, 
Kaninchen' ohne Ausnahme nach den kleineren subkutanen Dosen in 
16-*-24 Stunden töteta Die Resultate stimmen genau mit denen 
Met8chnikoff*s überein, wenn man in seinem Aufisatee Schweine- 
seuche stott Hogcbolera liest. Weiter wurde auch die antitosjacbei 
undi bakteridde Wirkung geprflft, indem Blutserum, welches sich nlsi 
schQteend erwiesen hatte, mit einigen Tropfen Kultur gemischt undi 
nach verschiedenen Zeitintervallen Kaninchen subkutan iqjiziert wmrde. 
Eine fOnfstQndige Mischung brachte eine 36-stflndige Verzögerung 
der Todes herbei. 

Schließlich wurde gezeigt, daß Meerschweinchen,, gegen eine 
dieser Infelbionsknmkheiten gesehfltat, dadurdi keine Immunität 
gegen die andere erlangt hatten. 

Dieee Versuche, obwohl in manchen BeaiehungeB unvoUalindig, 
haben dennoch einige wichtige Thatsaehen festgestellt. Die Untere 
schiede, moiphologiadi, bioloc^sch und padiogen, zwischen Hogcholera 



1) SMm Ttmu. of th« Anodatloii. of ämmimn Phjridint. 1SS4. 



Origi— l«ntiig1i Mi bflktariologiaelMB wid powItologlKliM IiMtitnien «tc 287 

und SelmemeseiidiehakleTien, auf die Bei adion seit Jakren hinge- 
deultiti die aber irieder kflrzlich dimdi Selaader und Metachni- 
koff tUtd berflokaicktigt wurden und deswegen zu Verweekaeliing 
Anlaß gaben, zeigen aich bier wieder in den Imannisierungafei'- 
BDcbea. Wftkrend Emincfaen nur durch lange fortgesetzte Behaad- 
lung mit abgeschwäcbten Kulturen gegen Hogcholera imminisiert 
worden, war es ziemlich leicht, sie mit vencbiedenea Meiheden 
flegea «ne hochvirnlente SchweineBeMhekultur zu scbMzen. Bei 
Meerschweinchen, die von Natur aus diesen zwei Keimen gegenüber 
sdion etwas mekr rerfetent sind, war Immiinitftt auch gegen Hog- 
cholera mit verschiedenen Methoden erzielbar« 

3) Smlfh, T. and Moore, T. A«, On the variability 
•f infectioas diseases as illustrated by hogcholera 
and awineplagne. 

Diese Arbeit leitet sich zum Teil aus den Torhergehenden «b. 
Das Studium der pathogenen Wirkung der yerschiedeaen natürlichen 
Baasen der Hogcholera- und Schweineseuchebiükterien, sowie einiger 
kinstUcken Baasen der ersteren, ferner die Irnmunisierungsversoche 
an Kanindien und Meerschweinchen brachten eine Beihe konstanter 
üntersekiede in der Impfkrankheit zum Yorscbeine, welche hier nur 
ganz kurz angedeutet werden können. 

Hogcholera. Die Verschiedenheiten in der Kaninchenimpf- 
krankbeit, durch B. choL suis a und £ yerursacht, sind schon 
oben referiert worden. Bei ^ ist, wie bekannt, die Krankheit ver- 
längert und in eine echte Typhuskrankheit der Kaninchen umge- 
wandelt Dieselbe Ersdieinung wird durch künstlich abgeschwächte 
Bässen herrorgerufen. Besonders interessant ist die a-Krankheit, 
wenn das Kaninchen vorerst teilweise immunisiert wurde. Bei solch 
veränderten Typen kommen anch Lokalisatioaen in den Lungen vor, 
die in daem Falle sich ttber bekle Lungen erstreckten. 

Eine andere bemerkenswerte Abweichung der Impfkrankhdt 
worde bei Meerschweinchen gefmden, die einen gewissen Grad von 
Inmanität erlangt hatten. Es zeigten sich nadi dem Tode, der 
immer Tage und Wochen hinausgeSchobeo war, kleine zellige Infiltrate 
unter der Serosa der Bauchwand, der visceralen Pleura, im Mesen- 
terium und seltener im Herzfleische, die genau wie echte Tuberkel 
aossahen und in den erst beobachteten Fallen als solche angesehen 
wurden. Die Pseudotuberkel waren zumeist spärlich vorhanden und 
kamen auch mit anderen schweren Veränderungen (fettige Degene- 
ration der Leber) vor. In Schnitten konnte man eine LeukocTten^ 
anhänfnag mit centraler Nekrose und Bacillenhanfen konstatieren. 
BiesenselleB waren nicht au sehen. Aehnliche Verändtemngen waren 
anch bei Kaninchen nach intraabdomineller Impfung von abge- 
sdiwflditen o^Kultaren beobachtet Verff. geben eine kurze Deber- 
sicht der Litteratur der Pseudotuberkulose und drücken die Ansidit 
ana, daß vielleicht die Bacillen dieser Krankheit sich in die Hog- 
dboleragmppe stellen lassen, da die Unterschiede, soweit die Bie* 
sdueihnngen gehen, nicht dvrdigreifend zu sein scheinen. 



238 Origiiua-B«f«nto ftu baktoriologtochM «nd pMwUologlMiiM lutitaftn Oe. 

Schweineseuche. Die vwschiedeDeii Raaseo dieaer Grapp 
wie sie seit 1886 im Laboratoriam des Ret aar Untenachulig g 
kommen sind^ bewirken folgende Typen der Krankheit nach snbkatani 
Impfang am Bauche: 

1) Beine S^tikftmie mit Tod in 16—24 Stunden nach d 
Impfung. 

2) Exsudative Peritonitis mit Tod in 3—7 Tagen. 

3) Exsudative Pleuritis (mit Pericarditis) und öfters sekondä 
Pneumonie mit Tod am kOrsesten In 8 Tagen, 

4) Pleuritis (Pericarditis) und sekundftre Peritonitis mit Tod a 
kürzesten in 7 Tagen. 

5) Ausgebreitete lokale Vereiterang, von der Impfstelle au 
gehend. 

Diese verschiedenen Krankheitstypen sind immer an diesell 
Basse gebunden und können nach jahrelanger Kultur bei manche 
Bässen noch hervorgebracht werden. Bei anderen geht die kflns 
liehe Abschwftchung schneller vor sieh. 

Durch partielle Immunisierung von Kaninchen und nachfolgend! 
Impfung mit einer hochvirulenten Kultur» die in Kontrolltieren d( 
Tod in 16—24 Stunden bewirkt, haben die Verflf. folgende Type 
der Impfkrankheit beobachtet, die gröfitenteüs mit den Typen d( 
natQrlichen Bässen übereinstimmen. 

Erster Immunisierungsgrad: Peritonitis. 

Zweiter Grad : Pleuritis und Pericarditis mit oder ohne sekundäi 
Pneumonie. 

Dritter Orad: Pleuritis mit sekundärer Peritonitis. 

Höhere Grade: Multiple subkutane Abscesse; retroperitoneai 
Abscesse. 

Manche der immunisierten Tiere starben erst 9—12 Monate nao 
der Probeimpfong Die oft enormen Abscesse enthielten lebend 
Schweineseuchebakterien, die entweder vollvirulent waren oder leid 
durch einige Passagen auf die virulente Stufe zurückgeführt werde 
konnten. Diese Z&hlebigkdt der Schweineseuchebakterien im Kanin 
cheokörper ist kaum in Einklang zu bringen mit den herrschende 
Theorieen über Immunität, besonders da diese Bakterien außerhal 
des Körpers sehr leicht zerstört werden können. 

Die bakteriologische Litteratur der letzten Jahre enth&lt hii 
und da Angaben über die Abänderung des Krankheitstypos, aber si 
scheinen mehr als Zufälle birtrachtet worden zu sein. Verff. eitlere 
die verschiedenen Formen des Schweinerotlaufes, wie sie jüngst dure 
C. O. Jensen zusammengestellt worden sind. Die Untersuchung« 
Jensen 's und Anderer haben geseigti daß Botlaufendocarditis, eid 
Abart der Botlaufseptikämie; nicht blcA spontan, sondern auch oacl 
der Schutzimpfung entweder als direkte Folge letzterer oder 4 
Folge der natürlichen Infektion bei partieller Immunität auftret« 
kann. j 

In den Untersuchungoi der Verflf. wird, wie Bef. glaubt, zu 
ersten Male bestimmt darauf hingewiesen und durch Versuche gestflt 
daß die Krankheitstypen gewisser natürlicher Bakterienrassen dur 
partielle stufenweise Immunisierung der am meisten disponier^ 



Origiiua-Bd'cnto mu bdktoriologiMbra uid purMltologisohen Inttitateii «te. 289 

Versneluitiere wieder herrorgebracht werden kOnnen darch ein and 
dieselbe voUvirnlente Kultur. Diese Thatsacbe kann man durcb eine 

einlacbe Formel ansdrficken: < — i -, wobei r den Grad der Immonität 

(Besistenzgrad), v den Grad der Virulenz und t die Krankheitsform 
darstellL Eine Erhöhung des Wertes von r hat denselben EinfluB 
aof <, ab eine Erniedrigung des Wertes von v u. s. w. 

Eine weitere wichtige Thatsacbe kam bei diesen Untersuchungen 
zum Vorscheine. Eine Erhöhung der Immunität bei kleinen, dis* 
poDierten Tieren bringt einen Krankheitstypus henror, der demjenigen 
der größeren, in der Natur befallenen gleichkommt. Bei kflnstlich 
geschätzten Kaninchen wird die Impfkrankheit der Hogcholera des 
Sdiweines sehr ähnlich. Die schwersten Veränderungen finden sich 
im Follikdapparate des Darmes und Geschwüre im Blinddarme sind 
anwesend. Weiter finden sich auch Pneumonieen, die in gewissen 
Schweineepizootieen öfters auftreten. 

Bei der Schweineseuche ist die Lokalisation fast ausschließlich 
pektoraL Bei teilweise geschützten Kaninchen und Meerschweinchen 
ist dieses auch öfters der Fall. Die Septikämie ist der pektoralen 
KraDkhdt gewichen. 

Auf die Wichtigkeit dieser Thatsachen braucht Ref. nicht weiter 
hinzuweisen. Das Studium der echten, invasiven Impfkrankfaeitep 
der Versuchstiere bei verschiedenen künstlich hervorgebrachten Stufen 
der Lnmunität wird sich in der Zukunft als ein wertvolles Hilfsmittd 
bei vejrgleichend- pathologischen Untersuchungen, sowie auch bei 
Immunitätsstudien erweisen. Sie ist auch schon von Baum garten 
und sdnen Schülern bei Untersuchungen über Tuberkulose angewandt 
worden. 

4) Hoore, V. A«, Can the bacillus of hog-cholera be 
iucreased in virulence by passing it through a series 
ofrabbits? 

In 1890 berichtete Seiander über Untersuchungen, in welchen 
er die Virulenz der Schweinepestbacillen durch Serienimpfungen von 
Kaidnchen und Tauben auffallend erhöhte. Da der Schweine - 
pestbacillus mit dem Hogcholerabacillus identisch ist, 
waren die Versuche besonders interessant. Eine Zunahme der Viru- 
lenz von nnabgeschwächten natürlichen Rassen war im Laboratorium 
des Bef. noch nicht beobachtet worden. Sei an der impfte zuerst 
Eanineben, später Tauben. Die Kultur war zum Beginne so schwach- 
viroloit, daß 1 ccm notwendig war, um ein Kaninchen zu töten. 
Nach drä Passagen darch Kaninchen hatte sich die Virulenz so 
erhMit, daß der Tod in 14 Stunden, bei Tauben in 5—13 Tagen 
erfolgte. B« fortgesetzter Impfung von Tauben tötete die Kultur 
sddieälicb in 12-^14 Stunden. Diese Resultate wurden von Metsch- 
nikoff bestätigt und durch Immunisierungsversnche erweitert 

Verf. yerfolgte die Methode Selander*s so genau, als die 
Aqgaben es gestatteten. Im Anfange genügte eine subkutane Dosis 
von 0,1 ccm Bouillonkultur, Kaninchen in 5—8 Tagen zu töten. 
Nach Impfnng von 26 Kaninchen, jedes mit der Milz des vorher- 



j 



242 lOttalliiBfMi A«t dMB XI. ioteniAtioiuüai UMdlitiüicfaen Kongr om In Rom. 

Verf. hat außerdem die pathogene Wirkung des Fr&nk ersehe 
Diplococcns imtersncht, wenn er in den vorderen HOhlenraam odc 
in den Glaskörper injidert wird. Bei Anwendung frischer Eulture 
erhielt Verl in der Regel die Panophtalmie, dagegen beobachtete i 
bei Anwendung von 4—5 Tage alten Kulturen plastische Iritis od^ 
mit der Atrophie des Auges endigende langsame Infektionen. ] 
einigen Fällen hat er auch sympathische Erscheinungen beobachte 

Auf Orund dieser Resultate hat Oasparrini den Pneumd 
coccus in 25 F&Uen von Kerato-hypopion und in 4 von Paj 
Ophthalmie gesucht. 

In den Fällen von Keratohypopion hat Verf. 6mal den Pneumd 
coccus in einem so virulenten Zustande gefunden, daS die Kaninch^ 
in 23—86 Stunden getStet wurden. 8mid war er mit Eitersuphyli 
kokken tereinigt, aber doch immer virulent; 7mal fand er ihn aliel 
oder mit den Staphylokokken Tereinigt, aber die Einimpfungen i 
die Kaninchen waren n^ativ. In den anderen Fällen gelang es ihl 
nicht, die Anwesenheit desPneumococcus nachzuweisen, es handeil 
sich aber um Kranke, welche seit 10 Tagen augenkrank waren. 

In betreff des klinischen Ganges beobachtete Verf., daß, wed 
der Diplococcus sehr virulent erschien, das Resultat der Angei 
Verletzung stets schwerer war. 

Bei den 4 Fällen von Panophthalmie (1 Postoperatoria, 2 trai 
matische, 1 infolge des Keratohypopions) konnte Verf. in 2 Fäll^ 
den Diplococcus isolieren, in den anderen 2 ihn nur nachweise) 

Um die Anwesenheit des Diplococcus in dem Auge zu ej 
klären, führte Oasparrini die bakteriologische Untersuchung d^ 
normalen Cioiyunctiva aus, und nach dem Studium von 100 gesundd 
Augen (Studierenden) stellte sich heraus, daß der Fränkerscl 
Diplococcus der in der Konjunktivalhöhle am häufigsten voi 
kommende Mikroorganismus ist (8mal auf 10). | 

Coneettl (Rom), Untersuchungen über Diphtherie. 

Nach einer Reihe von Untersuchungen und klinischen Beobad 
tungen kommt Verf. zu folgenden Ergebnissen: 

1) Bei dem heutigen Stande unserer Kenntnisse kann man sagel 
daß dem Begriffe der klinischen Einheit der Diphtherie die ätiologiscli 
Einheit derselben nicht entspricht, da neben der durch den Loeff lei 
sehen Bacillus hervorgerufenen typischen Diphtherie viele ander 
besonders durch Streptokokken hervorgebrachte diphtherische Form^ 
existieren, welche dieselben klinischen und anatomisch-pathologische 
Erscheinungen aufweisen, und welche dieselben lokalen und allgemeind 
Folgerungen verursachen können. Häufig ist die morböse Infektid 
durch die Vereinigung mehrerer pathologischer Agentien hervorgi 
rufen. 

2) Es giebt eine primitive, durch den Loeffler*schen Ba 
cillus verursachte diphtherische NasenschleimhautentzflnduDg v(1 
chronischem, im allgemeinen gutartigem Verlaufe, welche unbeachU 
vorübergehen kann, aber welche der Diffnsionspunkt späterer h 
fsktionen werden kann. 



IßttiUoagai MW d«m ZI. iiit«niatioBftl«ii mediiinisclMn Kongrew» in Bom. 243 

3) Der Knipp ist eine primitive Lokalisation desselben Agens, 
wdcbes gewöhnlich den Rachen trifift, aber in den meisten Fällen ist 
er von dem Loeffl er 'sehen Bacillus bedingt (19mal anf 22 Fälle). 

4) Nach leider noch nicht zahlreichen Versuchen scheint es, daß 
das IKphtherievinis oft von tierischem Ursprünge (besonders VOgel- 
diphtherie) ist Auch bei den Tieren aber kann die Diphtherie durch 
Tersehiedene pathogene Erreger henrorgebracht werden, darunter von 
einem kurzen Diplobacillus, welchen Verf. in einer Taubenepidemie 
and bei einem an chronischem Krupp erkrankten Kinde gefunden hat 

5) Das Diphtherievirus ist weniger widerstandsfähig, ab man 
glaubt Aus 30 Pseudomembranen, welche in verschiedener Weise 
und verschiedene Zeit hindurch (3 Monate bis 13 Jahre) rafbewahrt 
wurden, hat Verf. stets negative Resultate erhalten. Auch in vielen 
Kulturen stirbt der Loeff 1er 'sehe Bacillus nach einigen Monaten. 

6) Die lokalen antibakterischen Mittel sind wenig wirksam, weil 
sie schwerlich zu der Stelle, wo die Bacillen eingenistet sind, ge- 
kngen. Jedenfalls sind vorzuziehen: das Sublimat (1:10000) ad- 
diert mit 2-proz. Borsäure; das Silbemitrat (1—2:30); Kälomel und 
Thymol in Pulver; 5-proz. Sabssäure; 2-proz. Salpetersäure, 5-proz. 
ThymolUtonng; das Kresol, Kresilol; 5— 10-proz. Sulfokresolsäure; 
llmeB Pyoktanin (1 : 5000) etc. 

7) Fttr die lokale Behandlung sind häufige, reichliche Wasch- 
ungen am besten, daneben auch antiseptische Bestäubungen und 
Gurgeln, und wenn es aosfflhrbar ist, das Einblasen von Kalomel. 

8) Die allgemeine Therapie ist ebenfalls schwer, weil in der 
Praxis typische Fälle von rein badllärer Diphtherie schwerlich vor- 
kommen, oft dagegen hat man es auch mit anderen Bakterien und 
mit andere Toxinen zu thun. 

Gaiitfty L. (Pavia), Ueber den Einfluß der Temperatur auf 
die Darmgärungen. 

Verf. hatte Gelegenheit, im Anfange der Sommerhitze mehrere 
Autointozikationen gastro-enterischen Ursprungs zu beobachten. Die 
Borbteen Erscheinungen bestanden hauptsächlich in starken, schmerz- 
lichen Magenkrämpfen, Ekel, Erbrechen, unbestimmten Abdominal- 
schmerzen etc. Fast gleichzeitig beobachtete man auf dem ganzen 
Körper die charakteristischen Bläschen des Nesselausschlages und ein 
irreguläres Fieber. 

Verl schreibt die Ursache dieser Symptomatologie nicht der 
Qualität oder Quantität der eingenommeoen Nahrung, sondern den 
lersdiiedenen Temperaturen, welchen der Unterleib ausgesetzt worden 
ist, zu. In der That stellten sich in den erwähnten Fällen die Uebel 
dn, wenn die Fenster Ml Nadit offen waren und der Körper unbe- 
deckt bUeb. 

VerL bat seine Beobachtungen ausgedehnt, und wollte sehen, ob 
andere Individuen unter den nämlichen umständen dieselben Symptome 
zeigten oder wenigstens, ob in ihrem gastro-enterischen Apparate 
Aenderungen vorkämen, welche auf eine Zunahme der normalen 
Gärungsprozesse deuteten, indem er zu diesem Zwecke die Schwefel- 

16* 



244 Htttailongm n» d«m XI. intenMtioaatoa OMdisiiiliolMii KongraiM in Bmi. 

sftureäther im Harne nach der tod Salkowski modifizierteii Bau^ 
mann* sehen Methode bestimmta 

Er fand je nach den Individuen grofie Unterschiede, da die in^ 
diyiduelle Pradispoeition eine große Bolle spielt Während bei einige] 
keine wahrnehmbare Aenderung in der Zusammensetzung des Harnej 
nachgewiesen werden konnte, war bei anderen der Einfluß der kohlei 
Luft sdion am folgenden Tage zu bemerken, indem das Aceton iq 
Harne yorkam, die Indicanreaktion deutlicher wurde und die Schwefel 
sftare&ther bisweilen ihre gewöhnliche Quantität fast yerdoppelteq 

In einer anderen Beihe von Versuchen hat VerL die Aenderungel 
der Darmgftrung bei der direkten Abkühlung des Unterleibes mi| 
Eis studiert IHe Besultate waren konstant und den ersteren entj 
gegengesetzt, d. h« es wurde eine Abnahme der konjugierten Schwefel 
säure im Harne an dem auf die Eisabkühlung folgenden Tage beob 
achtet Die Erklärung davon würde sich in der erniedrigten Tem 
peratur des Darminhaltes finden, während die früher erwähnt^ 
Symptomatologie einer durch die rasche Temperatur&nderung d^ 
Unterleibes hervorgerufeneu Dysperistaltik des Magens und der Därmi 
zuzuschreiben wäre. Wenn der Durchgang der Nahrung vom Mage{ 
in die Därme zu rasch stattfindet, wirken die unverdauten Stofife wii 
fremde Substanzen und rufen eine Darmdyspepsie hervor. Außerdeij 
bilden sie einen vorzüglichen Nährboden für die Entwickelang vo] 
Mikroorganismen, weil sie infolge des kurzen Aufenthalts im Mage| 
nicht genügend mit Salzsäure durchdrungen sind. 

BISSO9 A. (Genua), Ueber die Immunisation von Tiere| 
gegen Diphtheritis und über die Serumtherapie. 

Diese Arbeit hat den Zweck, die Wirkungen der Bakterienpn] 
dukte und einiger Medikamente bei der Behandlung der Diphtheritj 
zu studieren, sowohl insofern die Diphtherie oft auf die Haut Einflq 
ausübt, als insofern sie häufig mit dem Scharlachfieber zusamme 
auftritt. Verf. hat sich aber oft im Laufe seiDcr Untersuchungen g« 
fragt, ob die Oewöhnung eines Organismus an ein Virus eine sp^ 
fische Eigenschaft des Virus selbst sei oder ein allgemeines Verhalte 
aUer Gifte. Er beruft sich auf das biologische Gesetz, daß d^ 
tierische Organismus den äußeren Einflüssen widersteht, ein Wide^ 
stand, welcher zu der Anpassung des tierischen Organismus an sei 
Medium in dem Kampfe ums Dasein führt Sind nun die Erscheinui^ 
der Anpassung und der Immunität als biochemische Phänomene d< 
Zelle idlein oder auch als Phänomene der Begulatoren der Zellei] 
funktionen aufzufassen? Die bis jetzt gemachten Versuche strebe 
bloß dahin, das Gewebe zu immunisieren und speziell das Blutgeweb< 
Diese Immunität ist schwer zu erlangen, aber doch möglich, die dj\ 
dere, d. h. diejenige der Begulatoren, verdient studiert zu werden 

Bis so hat mit Kaninchen, Schafen und Meerschweinchen naci 
verschiedenen Methoden experimentiert, und zwar: , 

1) Mit verschiedenen Blutserum- Qualitäten. 

2) Mit sterilisierten Diphtheriekulturen. 

3) Mit Goldchlorid. 

4) Mit Jodchlorid. 



MHttihuigtD ASS dm XI. iattraatioBAlMi wdlmlnJichw KongresM in Born. 245 

6) Mit GewebepareochymsafL 

6) Mit durch Wftnne geschwftchten Diphtheriekultttren, so daß 
iu toziscbe Prinzip nicht Yolikommon unwirksam wurde. 

Verl erinnert, bevor er die eigenen Ergebnisse mitteilt, an die 
Versnche von Soux, Tersin, Behring u. a. über die Immuni- 
tttkm gegen Diphtheritis und verweilt besonders bei den Studien 
Behring*8, weil diese denjenigen, welcher die vorliegende Frage 
Btadieren will« am meisten interessieren. 

Bei der Aaseinandersetzung seiner dmrch die obenerwähnten Me- 
thoden erhaltenen Resultate lenkt Verf. die Aufmerksamkeit der Zu- 
hörer auf die Methode des Gewebeparenchymsaftes. Das Fleisch der 
an Diphtherie gestorbenen Tiere wird zerschnitten und mit einer ste- 
rifisierten Presse ausgedrOckt; die dadurch gewonnene ziemlich dicke 
Fltteigkeit wird zu Experimenten bei Tieren verwendet. 

IXe Bouillonkulturen von Diphtheritis, mit einer gewissen Menge 
des obigen Saftes gemischt, erfahren eine gewisse Abschwftchung, 
vDd wenn sie Kaninchen einverleibt werden, so erhftit man eine fie- 
acüoD, welche den Erscheinungen ähnlich ist, die man bei den dem 
hommusationsprozesse unterstellten Tieren, d. h. Temperaturerhöhung 
QDd tokale Wirkung, beobachtet 

Bei der Anwendung dieser Methode hatte Verf. die Absicht, 
dem Diphtherievirus den SbA der Parenchymalorgane, auf welche 
die Diphtherie einwirkt, gegenQberzustellen. Er dachte, daB es 
ojBglich wäre, einen Saft zu erhalten, welcher gegen die Diphtherie 
widerstandafühiger wäre, als das Protoplasma eines Elements des 
Blutserums selbst, da man weiB, daß das Gewebeleben in dem Proto- 
plasma und in den Zellenkemen stattfindet, und nicht in dem Serum 
des Bhites oder einer Serosa, welche oft das letzte Umwandlungs- 
prodnkt des Zellenlebens ist 

Da das Diphtherievirus das Produkt von afiroben Bacillen lat, 
wollte Verf. diesen Bacillen und ihren Produkten ein Medium ver- 
BchsffeD, wdches aus in Anwesenheit der geringsten Mengen Sauer- 
stoff gebadeten organischen Flüssigkeiten, wie jenen des inneren 
Zelksprotoplasmas eines Elements, bestände. Ver£ hat diese Ver- 
gehe aosgefohrt, um die obenerwähnte Frage, ob die Erscheinungen 
der Immunität und der Anpassung als ein biochemischer Prozeß der 
Zde oder der Regulatoren derselben zu betrachten sei, zu beant- 
v^men. Zu irgend einem bestimmten Ergebnisse in dieser Richtung 
Bchdnt er aber noch nicht gelangt zu sein. 

Von allen angewandten Methoden hat V^ durch die Behand- 
hmg der Tiere mit durch die Wärme abgeschw&diten Diphtherie- 
boidlloDkulturen die besten Resultate erhalten, speziell bei den Meer- 
Khweinchen. Er hat Schafe durch wiederholte Injektionen mit 
»Itheo Bouillonkulturen, deren Virulenz aber immer grOßcor war, 
anniim gemacht Das aus dem ersten Aderiasse erhaltene Blutserum 
w Verf. bei Meerschweinchen angewandt» um die Immunisations- 
Qid das therapeutische Vennögen kennen zu lernen. Nach seinen 
VersQchen immunisiert das Serum die Meerschweinchen temporär 
Meo Diphtiierie und heilt dieselben sicher von der diphtherischen 
iwktion. Das von ihm bis jetzt angewandte Serum ist aber im 



j 



846 Miltdlugw Mi 4Mi XL ialmiioMlMi Miiiihiiiiihi Ko^raN a Kos. 



Vergleich m dem Ton Behring mid Aronson erbalteoea 
schwach, weil, während Behring ein SchafBeram, deaMn 
peatiBches YermlSgen nach seiner Methode Ymt 1:1000 bestiii 
war, anwandte, und Aronson ein Hondsenun von 1 : lOOOO, diaj^ 
des Yerf/s nnr ein Vermögen von 1 : 200 besitzt 

Verf. hofft, bald seine Versoche an Menschen vertffeDtliclieiL| 
kSnnen. 

CesarühDemel und Oriaadi« Die Seramtherapie and 
Bacteriam coli. 
Die von Rodet und Ronx hervorgehobene nahe Venvukdti 
zwischen dem Bacteriam coli und dem TyphusbacilUsI 
wohl in morphologischer als in koltareller Hinsicht findet «ich 
in der physiologisch-pathologischen Wirkung der Produkte des 
riellen Stoffwechsels der beiden Mikroorganismen wieder. Verff. kd 
ten bewdseD, daS die gegen einen von diesen Mikroorganismen] 
munisierten llere ebenfidls gegen den andttten geschätzt sind« Au' 
dem erhftlt man ans dem gegen einen dieser beiden Mi 
immun gemachten Tiere ein Serum, welches schätzende und heil(l 
Eigenschaften f&r die vom anderen hervorgebrachte Infektion ' 
Der Typhusbacillus erreicht, wie bekannt, niemals jene Viraljj 
welche das Bacterlum coli unter Umständen erlangen kaim, 
halb hat das Serum jener mit dem Bacterium coli immunisie 
und mehrmals mit demselben infizierten Tiere einen höheren theii 
peutischen Wert, als das der in gleicher Weise durch den Typ hu 
bacillus behandelten. Verff. haben auch am Menschen, mit l 
friedigendem Erfolge, diese gegenseitige therapeutische Wirkung ( 
Serums geprflft; aber die Zahl der FfiJle ist doch noch ziemli«^ i 
ring und, um die Frage zu entscheiden, mOssen natflrlich noch wttt 
Versuche abgewartet w^en. 

Pane, N. (Neapel), Ueber die Immunisierung der h 

ninchen gegen das Virus des Milzbrandes ond i 

Pneumokokken vermittelst virulenter Bakter 

und über den gegenseitigen Einflufi dieses Vii 

auf die immunisierten Kaninchen. 

Seit 1891 hat sich Verf. mit der Immunisierung der Kanioc 

gegen das Virus des Milzbrandes und der Pneumokokken beschäf 

indem er sich zu diesem Zwecke der nadi bestimmten Interva 

wiederholten Impfungen des Blutes von an Milzbrand oder P 

monie gestorbenen Kaninchen bediente. Die bei der ersten Imp. 

angewandte Dosis war sehr klein, so dafl sie das Tier nicht t 

konnte. 

In früheren Arbeiten hat Verf. gezeigt, daß man für beide V? 
auch vom höchsten Grade der Virulenz, nach wiederholten Du 
gangen durch Tiere zu einer nicht tödlichen, minimalen £ 
gelangen kann. Das Tier, welches die erste Impfung überlebt» be 
alsdann nach einer gewissen Zeit (20— SO Tage), d. h. wenn 
gewöhnlichen Lebensbedingungen wiederhergestellt sind, einen grOfi 



WUiniungm »u d«m XI. intornatioiudeii nwdisiniseheii KongrtH« in Born. 247 

Widerstand als firflher gegen das Virus, so daß es eine etwa drdmal 
stärkere Dosis desselben Virus überleben kann. 

Die Einzelheiten des Verlaufes dieser Immunisierung .treten ein 
gewisses Interesse. Verf. beschränkt sich auf die wichtigsten: 

Wenn die Kaninchen eine gewisse Resistenz gegen eine ziemlich 
starke Dosis von Virus, d. h. wenn sie das erste Immunisation»- 
stadium erlangt haben, bilden sich bei der Inokulation stärkerer 
I^^'^B (Vt~l ^^ Blutes eines an der betreffenden Krankheit ge- 
storbenen Tieres) in der Nähe des Inokulationsortes unter der Haut 
bewegliche kleine Abscesse von verschiedener Gr&ße, entsprechend 
der Menge des eingeimpften Virus. Diese Abscesse bleiben dann 
fortbin, so daß der Verf. während eines ganzen Jahres zwei derselben 
vollständig unverändert beobachten konnte. Wenn man diese alten 
Abscesse entleert, so kann man aus deren Pus Bakterien zflchten, 
welche noch gewisse Eigenschaften der inokulierten Bakterien behalten, 
welche aber durch Annahme anderer Charaktere schwer zu identi- 
fizieren sind. Eine der Eigenschaften, welche Verf. konstant bei den 
ans diesen Abscessen kultivierten Bakterien gefunden hat, ist die 
Schwierigkeit, mit welcher sich letztere in Nährgelatine entwickeln, 
wenn auch dieselbe einen sehr hohen Schmelzpunkt (ca. 30^) besitzt, 
wie jene, weldie Verf. für die Züchtung des Diplococcus der 
Pneamonie anwendet, weil solche Bacillen sich nur bei einer Tem- 
peratur über 23^ entwickeln. Dm sie am Leben zu erhalten, muß 
msn die Gelatinekultur wenigstens alle 10 Tage erneuern, weU durch 
die wiederholten Durchgänge in Gelatine eine bessere Angewöhnung 
an das saprophytiscbe Leben erreicht wird. 

Wenn die Kaninchen zu einem hohen Grade von Immunität gegen 
den Milzbrandbacillus und den Pneumococcus gelangt sind 
(im letzten Falle mtlssen sie ohne große Störungen der Impfung 
1 com des Blutes eines an pneumonischer Sq;>tikämie gestorbenen 
Kaninchens widerstehen), besitzen sie denselben Grad von Immunität 
geigen die Gifte dieser Mikroorganismen selbst. Bei den gegen das 
Hilzbrandvirus immunisierte Kaninchen bilden sich nach der Injek- 
tion hober Dosen von pneumonischem Virus kleine Abscesse, wie sie 
nur bei jenen Tieren, welche gegen dieses Virus immun sind, vor- 
kommeo. Die vom Verf. mehrfach aus diesen Abscessen isolierten 
Bakterien, welche nichts anderes als in einigen Eigenschaften modi- 
fizierte pneumonische DiplobaciUen sind, zeigen eine interessante 
Eigenschaft. Wenn sie bis zur dritten Generation einem Meer- 
schwonche mit dem Milzbrandvirus zusammen oder nicht eingeimpft 
werden, können sie das Tier vor der Infektion retten. Es findet also 
das Gegentdl von demjenigen statt, was konstant bei der gleich- 
seitigen Einimpfung des virulenten oder abgeschwächten Diplo- 
bacillns mit dem virulenten Milzbrandbacillus beobachtet 
wird. Aach in diesem Falle entwickelt sich der Milzbrand- 
bacillus in dem Organismus der Kaninchen nicht, aber das Tier 
stirbt infolge pneumonischer Septikämie. 

Ueber den Grund der Immunisierung der Kaninchen gegen die 
beiden Virus stellte Verf. eine Reihe von Versuchen an. Verf. versteht 
natürlich die hoben Immunisationsgrade, weil die Erklärung der 



248 Vttteilttofni Mu don XI« Intomationalaii madiilniMliM KongntM in Born. 

leichten Grade auch in einer Erhöbung des natürlichen Widerstände 
gegen das Virus gefanden werden kann. Das Blntseram immunj 
sierter Kaninchen bat eine geringere bakterientStende Wiricang, a] 
das der normalen Kaninchen zeigt Deshalb maß man bei de^ 
Mechanismus der Immanisation das bairterientötende Verm(!^en d^ 
Blutserums ausschliefien. Die phagocy t&re Theorie tletschnikoffi 
welche letzthin von Issaeff vertreten worden ist, um die Immon{ 
sation gegen das pneumonische Virus zu erklftren, wQrde nach dei 
Verf. nicht allen Erscheinungen gerecht werden. In der That, wed 
es sich nur darum handeln wttrde, daß die virulenten Bakterie 
unscbAdlich werden , nachdem sie von den Leukocyten umwickel 
worden sind, könnte sich der Verf. nicht erkl&ren, warum viele nict 
entwickelte ^kterien unschädlich bleiben und ihr F&rbnngs- an 
Entwickelungsv«rmögen auch vide Tage nach der Einimpfung bi 
balt^. 

Es existiert aber eine Thatsache, welche nach der Ansicht d6 
Verf.'s zu gnnsten der phagoqrt&ren Theorie sprechen wQrde. MI 
dem Blutserum hoch immuner Kaninchen, welches vollst&ndig bi 
von Blutelementen war, konnte Verl Kaninchen gegen ziemlich höh 
Dosen von pneumonischem oder Hilzbrandvirus immunisieren. Andere! 
seits ist bekannt, daß durch die Bakterienprodukte oder auch selbj 
durch die Materie des Bakterienkörpers den Tieren ein ziemlic 
hoher Orad von Immunität verliehen werden kann. Es ist folglicl 
möglich, daß bei dem Mechanismus der Immunisierung die im Tiec 
Organismus vorhandenen Bakterienprodukte diejenigen sind, welchl 
das eingeimpfte Virus abschwächen. 

Nach dem Verl wOrde die Phagocytose eine wichtige, ab^ 
sekundäre Thatsache in der Immunität sein. | 

Sonsino, P. (Pisa), Die Entosoen des Menschen in Aegyp 
ten und in Tunis. 
Verf. war voriges Jahr zum Zwedte dermatologischer Studie! 
5 Monate lang in Tunis, und als Resultate seiner Beobachtungen tei] 
er folgendes mit: 

1) Die gewöhnlichen Darmwttrmer: Ascaris lumbricoideä 
Trichocephalus dispar und Ozyurus vermicularis 8in< 
sowohl unter der europäischen Bevölkerung der Stadt Tunis, all 
unter den Eingeborenen von Gabes und Gaffa sehr verbreitet 

2) Die Taenia saginata kommt ebenfalls häufig vor. 

3) Anchilostoma duodenale wurde sowohl in Oabes all 
in Oaffa gefimden. 

4) Bilharzia haematobia wurde bei der Bevölkerung Gaffiil 
und bei einigen aus mnem Orte bei Sciot-d-gerid stammenden Per 
sonen nachgewiesen. 

6) Phosphaturie ist unter den Einwohnern von Gabes sehi 
häufig, wahrscheinlich ist sie durch das harte Wasser der UmgeboD^ 
bedingt Deshalb findet man in Gabes und im ganzen südliche^ 
Tunis die Harnsteine sehr verbreitet Dieselben sind in Gabes wi^ 
in Aegypten audi von der Bilharzia haematobia bedingt 



Chol«ra. 249 

0) Es wurde weder die Anwesenheit der Filaria noctarna 
fem Manson, noch überbaopt anderer Filariae sanguinis weder 
in Tonis noch in Gabes und Gaffa nachgewiesen. Verf. hat nie die 
Gd^nfaeit gehabt, Krankheiten wie Ghylurie, Lymphscrotom, Ele* 
phantiasis o. 8. w., welche in den wärmeren Ländern gewöhnlich bei 
dem Menschen dnrch die Filaria nocturna hervorgebracht werden, 
m beobachten. 

7) Es bleibt also noch festzustellen, in welcher Gegend von 
IHmis die Filaria nocturna vorkommt. Von den drei Arten, 
wddhe in Aegypten schwere Störungen bei den Bewohnern hervor- 
bringen, hat Verl in Tunis nur die Anwesenheit von Anchylostoma 
und von Bilharzia nachweisen können. 

^ (FortMtiong folgt.) 



Referate. 



Kknperer, ft«, Ist die asiatische Cholera eine Nitrit- 
vergiftung? [Aus dem Laboratorium der L medizinischen 
KUnik in Berlin.] (Berliner klinische Wochenscbr. 1893. No. 31.) 
Wenn Emmerich seine Behauptung, die Cholera sei eine Ver- 
giftung durch salpetrige Säure, durch die Sätze stützt, daß 1) die 
Erankheitssymptome und die pathologisch-anatomischen Veränderungen 
bei Cholera asiatica und Nitritvergiftung bei Menschen und Tieren 
übereinstimmen und daß 2) im Blute von an Cholera verendeten 
Meo^chweinchen sich spektroskopisch der Absorptionsstreifen des Met- 
hämoglobins nachweisen läßt, so hält Klemperer dem entgegen, 
daß diese Analogieen nicht ausreichen zum Beweise dafür, daß 
salpetrige Säure das Gift der Cholerabacillen sei. Allerdings ist die 
Beobachtong Emmerich*s sehr beachtenswert, daß nämlich die 
CSuriermbatillen vor vielen anderen Bacillen die Fähigkeit besitzen, 
SOS Nitnten Nitrite zu bilden, aber für die Schlußfolgerung Emme- 
rich^ müßte festgestellt werden, ob die Virulenz der Cholerabacillen 
ihrer nitritbildenden Kraft durchaus parallel geht, und ob die Ab- 
nahme der Virulenz von einer Verminderung der Nitritbildung be- 
gldtet ist. Zur quantitativen Feststellung der salpetrigen Säure 
bedieot sich Klemperer der Gries'schen fieaktion unter genauer 
Einhaitang der Petri*schen Vorschriften (Arb. a. d. Beichsgesund- 
heitsamt VI.). Die verwendeten Kulturen entstammen einem im 
Dezember 1892 in Altena vorgekommenen Cholerafiille. In 7 ccm der 
Bouiltonpeptonkulturen fanden sich 0,0001 Proz. Nitrit Wurde zu 
einer solchen Kultur 0,01 g KNO3 gegeben, so fanden sich nach 
24-stttndigem Wachstnme genau 0,1 Proz. Nitrit. Von diesen Bacillen 
tMete 0,1 ccm einer Auhchwemmung einer Agarkultur ein Meer- 
schweinchen bei intraperitonealer Injektion nach 10—14 Stunden. 
Der Nitritgelialt der Asdtesflüssigkeit blieb stets unter 0,006 Proz. 
Daß das Gift der Cholerabacillen, welches Meerschweinchen zu toten 



260 Cholera. 

vermag, mit salpetriger Sftare mid ihren Salaen nichts za thui hat, 
beweist Verf., indem er von einer IT-stündigen, 2 Stunden auf Ö5® G 
erhitzten Agarkultur auf ein Bouillonröhrchen überimpfte, welches 
mit 0,01 ff Nitrat versetzt war. £s wuchs io demselben nichts und 
auch die iNitritbildung war gleich Null. Von diesen abgeschwächten 
Kulturen, welche also die nitritbildende Kraft verloren hatten, wurden 
0,05 ccm einem Meerschweinchen injiziert und dieses Tier starb an 
typischer Gholeraintoxikation (der Versuch wurde 3mal mit dem 
gleichen Resultate wiederholt). — Klemperer prüfte eine alte, aus 
Massauab stammende Gholerakultur, deren Giftigkeit so weit ge- 
sunken war, daß erst 0,9 ccm derselben ein Meerschweinchen zu töten 
imstande war. Die nitritbildende F&higkeit dieser wenig virulenten 
Kultur war ebenso groß, wie diejenige der höchst virulenten. Aas 
den mitgeteilten Versuchen geht hervor, „daß die typischen 
Erscheinungen der Gholeraintoxikation von Gholera- 
bacillen ausgelöst werden, denen durch Erw&rmung 
die nitritbildende Fähigkeit genommen war, und daß 
die Virulenz der Gholerabacillen beträchtlich ab- 
sinken kann, ohne daß eine Verminderung der Nitrit- 
bildungsfähigkeit damit Hand in Hand geht/' 

Verf. stellt sich sehr bestimmt auf den Standpunkt, daß eine 
chemische Substanz, welche den Anspruch erhebt, das spezifische 
Gift eines pathogenen Bakteriums zu sein, den tierischen Organismus 
gegen diesen Parasiten immunisieren muß. Die angestellten Versuche 
haben nun aber gezeigt, daß Kaliumnitrit nicht die Eigenschaft 
besitzt, welche das Choleragift besitzt, welches, in Bruchteilen der 
tödlichen Dosis dem Körper zugeführt, diesen gegen die Wirkung 
seiner tödlichen Dosis schütze. Das Kaliumnitrit besitzt femer 
nicht die Fähigkeit, den tierischen Organismus gegen die Gholera- 
bacillen zu immunisieren, wie dies von Gholeragift sicher nach- 
zuweisen ist. Schließlich hat Klemperer nachgewiesen, daßMeer- 
schweinchen^ welche gegen Gholera immunisiert sind, trotzdem der 
einfach tödlichen Dosis des Kaliumnitrites erliegen. 

Auf Grund aller dieser Versuche hält Klemperer 
es für unmöglich, den Salzen der salpetrigen Säure 
die Bedeutung von Choleragiften zu vindizieren. 

Das Auftreten des Metbämoglobinstreifens im Blute von Cholera* 
tieren konnte Klemperer unter 11 Fällen intraperitonealer In- 
jektion nicht ein einziges Mal sicher konstatieren. Aber ohne die 
Bichtigkeit der Emmerich'schen Befunde anzugreifen, ist doch zu 
bedenken, daß die Methämoglobinämie ein allgemeines Zeichen von 
Giftwirkung auf die Erythrocyten ist So ist Methämoglobinämie 
bezw. Methämoglobinurie bei Typhus, bei Scharlach, bei Malaria 
beobachtet worden. Wenn aber Typhusgift, Scharlachgift, Malaria- 
ffift Methämoglobin bilden können, so ist a priori nicht zu bestreiten, 
daß auch das Choleragift diese Eigenschaft haben kann. 

Klemperer hat bei seinen Choleratieren nicht Methämo- 
globinämie, aber dafür eine Vorstufe dieser Erscheinung, nämlich die 
Polychromatophilie, d. h. das Zustandekommen der Hämatoxylin* und 
Methylenblau&rbung der Erythrocyten beobachtet, die nach Ehr- 



GoDorrbde. 261 

Hell bei schweren aDftmischen Zost&nden dadurch entsteht, daß die 
Kemfarben aaeh das Discoplasma der roten Blutkörperchen tingierea. 
Mit diesen Erörterungen und Beweisen hält Verf. die Angaben 
T<m Emmerich und Tsuboi, welche die Cholera far eine Nitrit- 
wgiftung erkl&ren« f&r widerlegt, indem er als das wichtigste Kenn- 
xeiebMi des Choleragiftes betrachtet, daß es den spezifischen Cholera- 
badllen entstammt und die speaifische Eigenschaft besitzt, den Tier- 
kSrper g«gen diese zu immunisieren. 0er lach (Wiesbaden). 

Knitter, J., Mitteilung über Formbeständigkeit und 
Virnlenzdauer der Gonokokken nach Untersuchun- 
gen Yon Dr. Carl Ipsen. 

Verf. hat schon auf dem X. internationalen medizinischen Kon- 
sieS so Berlin auf die Bedeutung des Oonokokkenbefundes fdr die 
»rensische Medizin hingewiesen, und an der Hand zweier gericht- 
licher Fälle die hohe praktische Verwertbarkeit der bakteriologischen 
Untersocbang des Vaginalsekretes bei Stuprum dargethan. (Kratter, 
üeb^ die Verwertbarkeit des Oonokokkenbefundes fQr die gerichtl. 
Medizin. — Berlin, klin« Wochenschr. 1890. No. 42 und Kongreßberiobta 
Bd. V.) Dadurch war der forensischen Medizin ein neues Arbeits- 
feld erschlossen worden. 

Sein Assistent, Herr Dr. C. Ipsen, hat sich nun, seiner An* 
rtgas^ folgend, schon seit mehreren Jahren damit beschäftigt, einige 
Fragen za lösen, welche sowohl für die gerichtlidie wie für die kli- 
nis<^ Medizin von großer Bedeutung sind. £s sind folgende: 1) Wie 
lange Zeit erhalten sich die Gonokokken in angetrodcnetem Sekrete? 
(auf Wäsche und anderen Oegenständen). 2) Wie lange behalten sie 
(außerhalb des Organismus) ihre Virulenz? 

Zo dem Zwecke wurden sowohl alle ablieben Färbemethoden 
wie die angegebenen Verfahrungsweisen der Reinkultur durchgeprflft. 
BaQglich der Färbung bestätigt Ipsen neuerlich die schon von C. 
Frankel bestätigte Angabe Kratter's, daß die Methylenblau- 
firbuDg aUen anderen Färbungsmethoden yorzuziehen sei. In betreff 
des Rdnkultunrerfahrens wurden Versuche gemacht, das Wert- 
he im 'sehe V^fahren zu yereinfachen. Es ist nun in der That ge- 
famgen, das menschliche Blutserum, welches Wertheim bekanntlich 
«OS Pläcenten gewinnt, durch Ascites-, Ovarialc^sten-oder Hydrocelen- 
flOasie^eit mit gutem Erfolge zu ersetzen. Auch das schon für an- 
dere Zwecke verwendete expeditive Verfahren yon B. Pfeifler 
(Ztachr. f. Hygiene. Bd. XIII. p. 357), die Oberfläche eines schräg 
entarrten AgarrOhrcbens mit steril entnommenem menschlichen Blute 
zu Oberrieseln, hat gute Dienste geleistet für die Beinkultivierung 
mi OoDokokkra. (Vgl Abel, A. Oben und F. Schiagenhaufen.) 

Ipsen ist bei seinen im Orazer forensischen Institute ausge- 
fflhrten Untersuchungen zu folgenden Ergebnissen gelangt: 

1) Der morphologische Nachweis der Oonokokken an alten 
Flecken ist nach Tagen, Wochen, Monaten und selbst nach mehr als 
einem Jakre noch yOlUg sicher zu erbringen, indem nicht nur die 
Form «nd FArbbarkeit erhalten bleibt, sondern auch die für die 



252 

Diagnose ausscblaggebende intracenulare Lagening fortbesteht. Nar 
der Kern der Eiterzellen erscheint kleiner, er ist verschrampft 

2) Bisher ist es nicht gelangen, aus solchem angetrockneten 
Sekrete Reinkaltaren zu gewinnen; es scheint daher die Wachs- 
tamsf&higkeit and damit matmaßlich aach die Viralenz der Gono- 
kokken außerhalb des Organismus frflhzeitig zu erUtechen. Doch 
müßten, bevor ein endgUtiges Urteil hierüber möglich ist, noch die 
Ergebnisse weiterer im Gange befindlicher Versuche abgewartet wer- 
den, welche schon ihrer Natur nach lange Beobachtungszeiten erfor- 
dern. 

Heraftld, Beitrag zur Lehre von der Gonorrhöe des 
Weibes. (IL internst, dermat. Kongreß in Wien 1892.) 

Herz fei d betont die einschneidende Wirkung, welche die Ent- 
deckung des Erregers der Gonorrhöe durch Neißer fftr die Gynftr 
kologie zur Folge gehabt hat W er th ei m *s wertvolle Untersudiangen 
Ober die gonorrhöischen Adnezerkrankung haben nun vollends einen 
so mftchtigen Schritt weiter geführt, daß die heutige Gynäkologie auf 
dem großen Gebiete der latenten Gonorrhöe und der Adnexerkran- 
kungen die glänzendsten Erfolge zu verzeichnen hat. In weniger als 
1 Jahre hat H. unter 2124 Pat. 876mal unzweifelhafte gonorrhöi- 
sche Adnexerkrankungen beobachtet. Diese große Zahl von Fällen 
im Zusammenhange mit dem Umstände, daß die meisten zur Operation 
und damit zur Kontrolle der Diagnose und genauen Untersuchung 
der erkrankten Organe führen, hat es ermöglicht, ein ziemlich ge- 
naues Bild der klinischen Symptome und des pathologisch-anatomi- 
schen Prozesses aufeustellen; diese Resultate sind der Gegenstand 
des vorliegenden Vortrages, von dem ich — derselbe hat ein sehr 
speziidistisches Interesse — nur noch aus dem Schlüsse bemerken 
will, daß H. berichtet, daß es in der weitaus größten Zahl gelingt, 
im Eiter der Tuben und Ovarien, oft in Ovarialabscessen, die nicht 
direkt mit der Pyosalpinx zusammenhängen und ebenso in den oft 
sehr stark verdichteten Tubenwandungen Gonokokken mikroskopisch 
und durch das Plattenverfahren nachzuweisen. 

Im Anschluß an den Herzfeld 'sehen Vortrag sprechen Wert- 
heim und Schanta. Der erstere demonstrierte den Abklatsch 
einer Plattenkolonie von Gonokokkenkulturen und Präparate , welche 
zeigen, wie die Gonokokken als Erreger einer echten Peritonitis ziem- 
lich tief in das Bindegewebe eindringen, ja sogar bis in die nächst- 
liegenden Muskelschichten, wo sie die Gewebsspalten in großen Straßen 
erf Ollen; damit ist der Nachweis gebracht, daß die B um mischen An- 
schauungen Ober die Biologie der Gonokokkmi in dieser ffinsicht 
unrichtige waren und damit sind die tiefen Gewebsveränderungen bei 
gonorrhöischen Prozessen erklärt, ohne daß man Mischinfi^onen 
annehmen muß. 

Schanta hebt ebenfalls — wie Herzfeld — die Wichtigkeit 
der Neißer*schen und Wertheim'schen Untersudiungoi her- 
vor und berichtet von den gQnstigen Resultaten, die er bei seinen 
Adnezoperationen zu verzeichnen hat (unter 200 Operationen 3 Todes- 
fidle), was er z. T. darauf schiebt, daß nach Wertheim kleine 



Oonorrhde. 263 

Tripperdter in die Bauchhöhle gebracht, keine Eiterung» 
soDdern adhäsive Entzündungen hervorrufen. In 3 Fällen von Pyo- 
salpinz in denen die Operationen von den Fat. verweigert vrurde, 
gingen dieselben an akuter Peritonitis zu Grunde. 

Lasch (Breslau). 

NelGMr, E^ Ueber die Züchtung der Gonokokken bei 
einem Falle von Arthritis gonorrhoica. [Aus der media, 
ünirersitätsklinik in Königsberg.] (Dtsch. med. Wochenschr. 1894. 
Nol 15.) 
Wenngleich der ätiologische Zusammenhang zwischen Gonorohöe 
and deD bekannten ihr folgenden Gelenkentzündungen nicht zweifei* 
hafk ist, so konnte bisher nicht festgestellt werden, ob es die Gono- 
kokken oder ihre Stoffwechselprodukte sind, welche jene Erkrankun- 
gen hervorbringen. Allerdings kann es nach den von Jadassohn 
nnd Stanziale beschriebenen F&Uen, in welchen im Eiter aus 
goBorrhl^isch-arthritischen Gelenken weder mikroskopisch noch durch 
das Kaltarverfahren Gonokokken gefunden wurden und auch die 
Uebertragnng des Sekrets eine Erkrankung der menschlichen Ham- 
rölure nicht hervorrief, kaum angefochten werden, wenn jene ÜDter- 
sachor zu der Deberzeugung gelugt sind, daß der Eiter Gonokokken 
mcht enthalten hat Andererseits fehlt es nicht an positiven Be- 
fonden von Gonokokken in den Gelenken. In den meisten derselben 
kandelt es sich dabei um die Ergebnisse mikroskopischer Dnter- 
SDcbnngen, und nur die Befunde von Lang und Pal tauf sowie 
von Lindemann stutzten sich auf Kulturverfahren. 

In einem vom Verf. selbst untersuchten Falle war bei den Er- 
krankten eine vorausgegangene oder latent bestehende Gonorrhöe 
w^er anamnestisch noch objektiv nachzuweisen. Der klinische Ver- 
lauf der unter Schüttelfrost entstandenen, von Gelenk zu Gelenk 
fortgeschrittenen und durch Salioylbehandlung unbeeinflußt gebliebenen 
Erimmkung sprach jedoch für das Vorhandensein von Arthritis go* 
norrhoica. Die aus dem Sprunggelenke aspirierte dünne, weißlichgdb- 
hdie Flüssigkeit enthielt, wie durch mikroskopische Untersuchung 
g^irbter Prftparate nachgewiesen wurde, zahlreiche Gonokokken. 
Aof Seammagar verimpft, lieferte sie charakteristische Kolonieen. Ein 
ihnlidies Wachstum fand auch auf Glycerinagar statt; doch gelang 
die Fortzflchtung auf diesem Nährboden nicht, w&hrend Glycerinagar- 
hdomeen, auf Serumagar verimpft, dort neues Wachstum zeitigten. 
Der Verf. vermutet, daß die bei der Beschickung des Glycerinagars 
mit an^tragene Gelenkflüssigkeit in dem ersten Kulturgef&ße das 
Wachstum ermöglicht habe.. 

Ate bei den Erkrankten sich später auch in einem Fingergelenke 
fitemng einstellte, wuchsen aus dem bei der Incision entleerten 
Sekrete aof allen Platten und Röhrchen überhaupt nur 3 feine Eolo- 
Bien; mikroskopisch fanden sich im Granulationsgewebe reichlich, in 
dem Eiter aber nur sehr spärlich die Gonokokken vor. Es scheint 
demnach, daß der Sitz desselben das Gewebe ist, daß sie aber in 
den Sekreten zuweilen schnell verschwinden. Kühler (Berlin). 



264 Gonorrhöe. — Sjphilit. 

d'Arlkao, Bodolphe, Contribution k Tötude des micro- 
organiBmes de la blennorrhagie et de Torchite blen- 
norrhagique. [Th^se.] A\ 48 p. Lyon 1893. 

Obwohl Joasseaame bereits 1862 aus blennorrhöischein Eiter 
F&dchen und Sporea beschrieb, entdeckte erst Neißer den Cono- 
co ccus. Die Arbeit gipfelt in den folgenden 8&tzen: 

Die Blennorrhagie entsteht durch cten Gonoeoccus, der nicht 
saprophy tisch in der Urethra ist, sondern von anßen hineingebracht wird. 

Die Orchitis scheint als Ursache einen Mikrooiiganismas aof- 
zaweisen, den d^Arlhac dem Gonococcus Neißer vergleicht. 
Der Mikrob wurde von Eraud bakteriologisch untersucht und 
Hugonnenq vermochte besondere Produkte daraus zu isolieren. 
Als Hauptunterscheidungsmerkmal giebt d*Arlhac die Wachstums- 
sdinelligkeit der beiden Erreger an, wie die Entwickelung auf jeder 
Unterlage, ganz im Gegensatze zu dem Gonocoecus Neißer, 
welcher nicht auf jedem Substrate gedeiht 

Ergaben sich Kulturen bei gemutmaßter Orchitis, so wurde diese 
bisweilen aufgefunden ; keine Kulturen ergaben stets die Abwesenheit 
einer jeden Orchitis. £. Roth (Halle a. S.). 

LassaUe, Arthriteblennorhagiqueetarthrotomie. (Jonmal 
des malad, cutan. 1894. Februar.) 

Die voriiegende Arbeit zerfällt in 3 Teile: 

1) Das klinische Krankheitsbild: Der Verf. hebt hervor, daß die 
Acuität und Schwere der Gonorrhöe ohne Belang seien f&r das Auf- 
treten einer Gelenkaffektion. Erkältungen und Traumen sind als be- 
günstigende, sekundäre ätiologische Momente in Betracht zu ziehen; 
besonders häufig werden Knie-, Ellenbogen- oder Fußgelenk ergriffoi; 
sehr oft ist der gonorrh. Rheumatismus monartikulär. Verf. giebt 
dann eine ausfQhrliche Schilderung der verschiedenen Formen der 
Gelenkerkrankungen, wobei er den besonders häufigen Ausgang in 
Ankylosen, und zwar fibröse wie knöcherne und die sehr häufig im 
Gefolge der Erkrankung eintretende Muskelatrophie betont So klar 
und sicher das Krankheitsbild ist, so wenig Einigkeit herrscht Aber die 
Pathogenese. Der Verf. neigt dazu, für die meisten Fälle gonorrhoi- 
scher Arthropathieen den Gonococcus allein verantwortlich zu machen 
und will nur fOr die Fälle schwerer, eitriger Gelenkentzfindungen die 
Möglichkeit einer Mischinfektion durch die in der Urethra vorhan- 
denen pyogenen Mikroorganismen, die infolge der günstigen, durch 
die Gonokokkeninvasion geschaffenen Zustände in die Blutbahn ge- 
langt sind, zu geb^. 

Die Therapie hat ein doppeltes Ziel: 

1) Beseitigung der Gonorrhöe. 

2) Beseitigung der Gelenkaffektion. 

In einem der beiden vom Verf. mitgeteilten Fälle waren in der 
durch die Punktion gewonnenen FlQssigkeit keine Mikroorganismen 
zu finden. Kulturen wurden nicht angelegt Lasch (Breslau). 

Bergh, R«, Kongenitale Syphilis bei paterner Infektion. 
(Monatshefte fQr praktische Dermatologie. Bd. VIL 1893. No. 3.) 



Syphilis. 255 

Nach einem kurzen historisehen Ueberblick Aber die Frage des 
Uebertragnngsinodus der kongenitalen Syphilis kommt der Venasser 
ZQ dem Schiasse, daß nach der heutigen Anschaoang die kongenitale 
STphilis sowohl vom Vater wie yon der Mutter stammen kann. In 
FiJleD, in welchen die Syphilis des Kindes vom Vater herrührt, 
welcher das Ei infiziert hat, wird die 'Mutter später vom Fötus in- 
fiziert (par choc en retour) durch den Kreislauf, durch das zurück- 
laufende venire Blut (Ricord). Auch (Ue Möglichkeit einer kon- 
lepliooellen Syphilis (Diday,Fournier) durch den Samen ist nicht zu 
besträten. Wenn auch die wenigen Versuche (Minenr, Four- 
Dier) mit Einimpfung des Samens Syphilitischer auf Oesunde ein 
negatives Resultat ergeben haben, wie auch die physiologischen Se- 
krete, sofern sie nicht durch Exkrete von Ezkoriationen verunreinigt 
and, nicht ansteckend ersdieinen, so ist es doch möglich, dafi der 
Samen auf das Ei direkt ansteckend frirken könnte oder daß der 
Samen, in die inneren Genitalien eingebracht, infizierte (Finger). 

Säne syphilitische Mutter übertr&gt in der Regel ihr Leiden auf 
den Fotos, wenn nicht die Infektion schon l&ngere Zeit zurückliegt, 
aber auch dann, wenn die Syphilis postkonzeptionellen Ursprungs ist 
und der Fötus selbst von einem gesunden Vater stammt Die kon- 
genitale Syphilis rührt öfter von der Mutter als vom Vater her. 
Der syphilitische Mann infiziert in der Regel das Weib, wenn es 
konzipiert. Unentschieden ist dagegen die Frage, ob der Vater 
direkt, ohne die Mutter anzustecken, ein syphilitisches Kind zeugen 
kann. Man wies darauf hin, daß öfters Mütter, welche syphilitische 
Kinder zor Welt brachten, doch selbst gesund blieben. Indessen 
hat man bisweilen gerade bei solchen Individuen später tertiäre Lues 
beobachtet; femer hat man gesehen, daß solche Mütter, die wieder- 
l^t syphilitische Kinder gebaren oder abortierten, nach einer ordent- 
Behen merknriellen Behandlung gesunde Kinder erzeugten; endlich 
hat man die Erfahrung gemacht , daß ein syphilitisches Kind seine 
anscheinend gesunde Mutter nicht ansteckt, daß sie es ohne (Gefahr 
stillen kann. Inokulationsversuche an solchen Müttern sind negativ 
geblieben (Caspary, J. Neumann, Finger). Man kann nun 
hieraus schließen, daß diese Mütter, auch wenn man an ihnen keine 
ErKheinungen von Lues nachweisen kann, doch latent syphilitisch 
änd; möglich wäre es auch, daß in einigen Fällen die Mutter nicht 
eigentlich luetisch wäre, sondern gegen Syphilis immun, indem sie 
dnrch die vom syphilitischen Virus des Fötus gebildeten Toxine im- 
munisiert worden wäre. 

Verf. fügt nun einen von ihm beobachteten Fall hinzu, in wel- 
chem sich dne.pateme Infektion mit Ausschluß der Mutter annehmen 
läßt Eine Pnella publica, wiederholt im Hospitale behandelt, aber 
sie an Syphilis, gebar ein Kind, welches im Alter von 3 Wochen die 
Erscheinungen hereditärer Syphilis hat, ohne daß inzwischen die Ge- 
kgenbeit zur Ansteckung gegeben war. Die Mutter wurde 6 Mo- 
nate nach der Gteburt mit frischer Syphilis aufgenommen, Indura- 
tionen an den Nymphen, später Drüsenschwellungen, Rachenerchei- 
DOBgen, wdche unter Anwendung einer Inunktionsknr schwanden; 
nach 9 Monaten leichtes Recidiv. In der umfangreichen syphilido- 



256 TiMiMha Pftradten. 

logischen Litteratur fand Verf. nur zwei ihnliche F&Ue, Aber welche 
er kurz berichtet. 0. Voges (Danzig). 

Haswell, William A», A monograph of the Temnocepha- 
leae. (Macleay Memorial Volome. p. 93—152. Plates X— KV.) 

£me neue Temnocephala-Species, die Pro! y. Jhering in 
Braailien gesammelt bat, gab Haswell Veranlassung, seine fraheren 
Untersuchungen über diese interessanten Formen wieder aufEunehmen 
und die ganze Familie einer gründliche Reyision zu unterziehen* 

Aus dem anatomischen Teile sei mitg|eteilt| daü es dem austra- 
lischen Forscher nunmehr gelungen ist, bei einigen Arten mit Sicher- 
heit Cilien festzustellen, wodurch die Annahme einer Verwandtschaft 
mit den rhabdocoelen Turbellarien weniger Widerspruch erfahren 
dürfte. Auch die vom Referenten früher konstatierten und als Tur- 
bdlariencharaktere angesprochenen „wasserklaren Rftume^ hat Has- 
well jetzt ebenfalls aufgefunden. — Im systematischen Teile werden 
s&mtlidie bekannte und einige neue Spedes genau beschrieben und 
zum größten Teil abgebildet Es sind jetzt folgende Arten bekannt: 
T. fasciata, comes, minor, Dendyi, quadricornis, Jhe- 
ringii, Novae-Zealandiae, Englaei, chilensis Blau- 
chard, Semperi Weber, brevicornis Monticelli, madagas- 
c a r i e n s i s Vayssiöre. Was die abweichend gebauten Genitalorgane 
der letzten Art anlangt, so hält Haswell die Beschreibung für un- 
zureichend, wie dies auch Beferent bei der Besprechung der betrtf- 
fendra Abhandlung in diesen Blättern zum Ausdrucke brachte. 

Schließlich beschreibt Haswell noch ein neues Genus, Cras- 
pedella (Spenceri), das charakterisiert ist durch 5 mit Papillen 
besetzte Tentakel und durch mehrere gelappte und papillearetche 
Lamellen am hinteren Eörperpola Der Phalanx ist bei dieser Form 
rudimentär. — Zum Schlüsse handelt Haswell übar die Verwandt- 
schaft der Familie und kommt zu dem Schlüsse, daß sie zwischen 
die Trematoden und Turbellarien zu stellen seien, aber nicht genau 
in die Mitte, sondern etwas näher an die ersteren. 

6. Brandes (Halle). 

HasweU, William A., On apparently new type of the 
Platyhelminthes (Trematoda?). (M^eay Memorial Vo- 
lume, p. 163—158. plate XVL) 
Die neue Form wurde auf einem australischen Krebse, Engaeus 
fossor, in mehreren Exemphuren gefunden und Actinodactylella 
Blanchardi genannt. Am hinteren Körperpole befindet sich ein 

f roßer Saugnapf, eine kleine Sauggrube befindet sich unterhalb des 
timlappens vor der Mundöffnung. Auffallend ist femer besonders 
ein vorstülpbarer Rüssel und dUe eigentümliche Anordnung der 
papillösen Tentakel. Von diesen stehen nämlich nur 2 am vorderen 
Körperende, die übrigen sind zu je 5 auf beiden Seiten der Körper- 
ränder gleichmäßig verteilt. Ref. glaubt^ diese interessante Form 
notwendig zu den Temnocephalen stellen zu müssen, mit denen sie 
sonst eigentlich alles gemein hat G. Brandes (Halle). 



ünttTtnoh img i— r h od itt y lattnawiito «to. g57 



Untersucbungsmetliodeii, Instrumente etc. 

O^n^TeSy Cnu, Un Douvel appareil potir la rtcolte des 
eaux k differentes profondears paur ranalyaa des 
microb^s. Bio de Jaeeiro (L4»iaiiiger et Fitbot) 1698. 
Zur EfitDahme vod Waaserprobea fftr bakteFiekgiBche Dater- 
inehQDg aus beliebigen Tkhn des zn prAfeadea Oewftsaefs koostoa- 
ierte Vefl doeo Apparat nach folgendeiD Prinzip: Eine Glasflasehe 
litt Glaaatöpad wird auf daer 2 Ji« adiweren Metallplatte durch 
einen am üuren Hais gelösten Ring gdialtoBt indem dieser mittds 
Schraoben, ähnlich ivie die Bioge dnes metallenen Betortenbalters, 
an 2 aenkrecht auf der FoBidatte befestigCcn Metalbtalen in beliebiger 
Höhe fiadert werden kann. An den bddea Sdten wird in Ähnlicher 
Weise eine Qoerstaage in einer solchen Entfernung Ober der Flasche 
beCestigt, daß sie nur ein Uften, aber nicht dne yollkommene Ent- 
fanoog des GlasstSpaels aus derselben gestattet. An dem StOpiel 
ist dn Draht angebracht, welcher durch ehi in dar Querstaage bfr- 
iindliehes Loch aufwärts yerl&uft. Ein zwdtor Draht trägt den 
gmiaen Apparat an dnem oberen ScUußstttcke, welches die bdden 
sdilichen Metallatäbe oben vereinigt. Wird der voilier ducdi Dampf 
sterilisierte Apparat an dem letstbesdchneten Drahte in das Wasser 
Y^raenkt, ao kann, sobald die gewOnaehte liefe erretctat ist, der Olaa- 
stöpsel durch Zug an dem erstgenannten Drahte so weit gehoben 
werden, daß das Wasser in die Flasche dndringt. Hierauf läßt man 
den Draht los, der Glasstöpsd sinkt durch sdn eigenes Gewicht zurück 
und Yerschließt die Flasche, worauf diese mit der entnommenen Probe 
aus dem Wasser herausgezogen wird. Kühler (Berlin). 

GnwltZy E. und Steifen, W., Die Bedeutung des Speichels 
und Auswurfs für die Biologie einiger Bakterien. 
(Berliner klia. Wocheaschr. 1894. No. 18.) 
Zur Züchtung von Bakterien benutzte Adolf Schmidt das 
pneumonische und das rein schleimige Sputum (Centralbi. fftr klin. 
Media. 1893. No. 30). Vom pneumonischen Sputum wurden die rost- 
brauaen Stellen nach Entfernung der LuftUäsoben ia BesgenagUaer 
oder in flache Doppelachälchen gefällt und durch fraktionierte Steri* 
lisatioD (5X1 Stunde bei 60^ G) kähnfrd gemacht, naebdem die 
Masae Torher durch einmaliges Erwärmen auf 66^ G zum Koagulieren 
sebracbt war. Die rein schleimigen i Sputa düddi bd der Sterili- 
derung höchstens auf 55 ^^ G gebracht werden^ weil ihr rdchliober 
Mudngehalt bd höherer Temperalifr Ideht eine Verflüssigung des Sub^ 
sbatee hervorbringt Auf diesen Nährböden, wachsen der Fr aen köl- 
sche Diplococcus pneumoniae, die eiterenregenden Stsphylo- 
kokken nnd Streptokokken und die DiphtheriebadUen sdir gut. Die 
Fraenk ersehen Pneumokokken aeigen: auf diesen Nähtböden die 
Kapselhildung; auf pneumonisdiem Sputum auch dann, wenn von 
dner Agarkoltur abgeuapft war^ die selbst kapodiose Eokkea tmg. 
— Die Lebensdauer der Fraenk ersehen Pneumokokken ist auf 



268 Bohntilmpftuigi kflutl. IsfektiMiiknuiUitlttn« Entwiekeliiiigthemmiiiiy «te. 

Spatam eine bedeuteDd größere, als auf anderen Nährboden; es 
kommen selbst Kulturen zu üppigem Wacbstume, die infolge langer 
ZQcbtung auf Agar ansdieinend nicht mehr entwickelungsfi&hig sind. 
Im Anschlüsse an die Thatsache, daß die in Speichel gezüditeten 
Pneumokokken sehr bald ihre Virulenz einbüßen (vergL Sanarelli, 
dieses CentralbL Bd. X. p. 26), stellten die Verfi: fest, daß Kulturen, 
welche durch ca. S-tägiges Wachstum in Speichd deraitig in ihrer 
Virulenz abgeschwächt waren, daß sie die Tiere erst nadi ca. 
8-*-4 Tagen tAteten, sobald sie auf Sputumnihrböden übertragen 
wurden, so erheblich ata Giftigkeit zunahmen, daß die Tiere (wäße 
Mäuse) bereits nach 24 Stundni der Infektion erlagen. Aber selbst 
Kulturen, welche die Veraachstiere überhaupt nicht mehr zu töten 
Tormochten, erlangen naeh Uebertragung auf Sputumnfthrb6den schnell 
wieder eine derartige Virulenz, daß mit ihnen geimpfte Tiere aus- 
nahmslos nach 24—36 Standen sterben. Das GIdche gilt von Kul- 
turen, die nach Uebertmgung auf. Agar auf demselben überhaupt 
nicht mehr zur Entwickelang gelangten. Es scheint^ daß die che- 
misehe Zusammensetzung der SputomnährbOden für die Entwickelung 
der Pneumokokken durchaus dieselben Bedingung^ schaflt, wie der 
lebende Organismus, ?on dem es ja bekannt ist, daß er die Virulenz 
derselben in günstiger Weise za beeinflussen vermag. Für die Frage 
nach dem ursAchlichen Zusammenhange von Pneamonie und Pneumo- 
kokken, die bekanntlich in der Mundhöhle gesunder Menschen als 
unschädliche Parssiten gefunden worden sind, geht aus den Versuchen 
der Verff. hervor, daß die letzteren erst des pneumonischen Auswurfes 
bedürfen, um höhere Virulenz zu erreichen. 

Ger lach (Wiesbaden). 



Schutzlmpfking, künstliche InfektlMSkranidieiton, Entwtek« 
lungsbemmung und Vernichtung der Bakterien etc. 

Sanfeliee, Francesoo» Della influenza degli agenti fisico 
chimici sugli anaflrobi patogeni del terreno. (Annali 
deir Ist dlg. sper. Vol. III. Fase. HL) 
Verf. hat sich die Aufgabe gestellt, die konstant im Erdboden 
vorkommenden pathogenen Bakterien in ihrer Biologie und beson- 
ders in air ihren Beztohongen zum Boden und zu den solchen beein- 
flussenden Agentien zu erforschen. Vorliegende Studie beEaßt sich in erster 
Linie mit den Anafiroben^ den Bacillen des Tetanus, des malignen 
Oedems und des Bauschbrandes. 

Nach einem historischen Deberblicke über bisherige Forechungen 
über die Bakterien des Bodens geht Verf. za den verschiedenen Ab- 
schnitten seiner Untersuchungen über, zu welchen er hauptsächlich 
Sporenmaterial verwendete, da solche resistenter und im Boden vor- 
herrschend sind. 



hÜBktlMialanBkkdlio, KtwteMmigihMBMnt <>e. ggg 

Kapitel L Einwirkang lAysikaliflcfaer Agentieii aaf die pathogoieii 
AnafirobeD d«8 Bodens. 

a) W&rin& Verl erforschte den Einfloß der Wärme aif Gar- 
tenerde, welche sicher Sporen der BacQlen des malignen Oedems 
imd des Tetanus ^thielt, dann aoch stalle sporenhaltige Beinkoltmren 
dieser Bacillen nnd des Banschbrandes, a«f ganz jange Koltaren näm- 
licher Bacillen, femer auf Bmolsionen Ton BooiUon und Oedem der 
an malignem Oedem and an Baosehbrand Terandeten Meerschweinchen 
osd endlich auf fdn verpalyertes Fleisch sokher Tiere. 

Es zdgte sich, daS die ^[K>ren der pathogenen Anaßroben der 
Gartenerde bei 80* in 4—6 Standen so Grande gehen, bei einer 
Temperator von 90<^ in 10—15 Minnten, and bei 100* in 8«*«^ 
Minnten. Die meist» mit Garteneide geimpften Tiere gingen an 
Tetanos ein, wenige an malignem Oedem, einzelne an Infektion mit 
dem Baa pseadooedemat malign« Verf. bestreitet, daß die 
aof der ca. elnstOndlgen Erwärmung aaf 80* basierende Isolierung 
des Tetanasbacilius von Kitasato aas darch Impfang mit 
Gartenerde erzeugtem Eiter bti Tieren immer gdinge, da in einer 
Serie von 20 bezflglichea Experimenten nor 2mal Tod an Tetanus 
eintrat. Es zeigte sidi, dafi diesem Verfahren nicht nar pathogene 
Bakterien, sondern Sporen nicht paAogener Anafiroben und sogar 
gewöhnlicher Saprophyten des Bodens widerstanden. 

Verf. fahrt die Verschiedenheit des Erfolges obigen Verfahrens 
auf die angleiche Vertettang der einzebien paüiogenen Anaäroben in 
venchiedenen Erdschichten and -Proben zarOck, welche er erpeiri- 
mentell feststellt 

Die Sporen des malignen Oedems werden in Gelatine 
and Agarknltaren durch eine Temperatur von 80* erst in 11~12 
Standen vernichtet, bei 90* in 80—36 Bfinaten, bei 100* in 6—15 
Minoten. Verl glaubt, die ttngere WiderstandsMigkdt in den Kul- 
taren g^enOber jener in Gartenerde mit der grOforen Anzahl der 
Sporen in ersteren erklären zu mOssen. Die Virulenz erhält sich 
bei 100* C 6 Minuten länger in Agarkulturen, als in Gelatine, was 
Verl ebenfalls dem Zahlen Verhältnis der Sporen zuschreibt, da durch 
die acbndle Verflfissigung der Gelatine in letzterer die weitere Ent- 
«ickdoDg gehemmt und die Zahl der Sporen daher beschränkt bleibe, 
waa dordi Präparate erhärtet wurde. Darch üeberimpfUDg aus den 
verllflasigten Gelatinekulturen auf frische Nährböden konnte sich ab- 
rigens Verf. flberzeugen, daß bezttgliche Sporen gegenüber jenen von 
Agailniltoren nur an Viralenz fttr Tiere eingebott, ihre Entwick* 
famgafähigkeit auf kflnstlichen NährbOdra aber bewahrt hatten; 

Die Tetanussporen widerstehen ehier Temperator von 80* 
in Gelatinekoltarea 6 Mtnaten, in Agarkultaren 26 Standen, bei 
90* in Gelatine nicht dnmal eine Minate, in Agar H/| Stundea, 
bei 100* in Agar 16 Miauten. Die DUTerenz gegenober Besidtatea 
fOD Kitasato, Vincent ond Vaillard erklärt Verf. ebenfalls 
darch die versdiiedene Zahl von Sporen, die der Wärmewirkung 
ausgesetzt wurden. Gegenüber obigen französischen Autoren weist 
Verl nach, daS die Tetanussporen sich ganz unabhlngig von der 
Anwesenheit des Tetanustozins im tierischen Körper entwickeln 

17» 



UnseD. DieiBa<ii«*€h(britD4B9>«ir«ii wideratehoi bei 80^ S.filanden 
in Gelatine- und Agarkulturen , bei 90 und 100^ iiidM einmal eine 
Minute. 

Die Dateranclinng der Besitleoz der Bacillen »gegen Tenpe- 
ratoren tob 60 uad 70^ ergeh, Atä bei ersterer TempevatRir die Ba- 
oiBen dee «Mtligaen Oedems in 8—- 8 Stunden sra öininde iieheB, die 
des Tetanus eben&lls, die des fieofidbbrandes in 15^20 Ifioaten, bei 
der j ii ei > Bn Temperalur die ibeiden crtlen in 1—2 Standen, die letc- 
teren in 6-^15 Üinutaa. 

Der fiinfluA holwr Temperatami auf Mrkleinertes Fleiscfa von 
aa malignem ^Oedem TenterbeMa Tieren war folgender : Die SpoieQ 
Uitf)en viralent bei emer Temperatur von 80 <^ «wäbrend 20 Stunden, 
:hei 90 <^ eine und bei 100 <^ eine halbe Stande. 

Battsobbnandsporeo in aerUeinertem Fleische blieben bei 80® nur 
f2 Stunden, bä 90® SO und bei 100® 10 Miauten vmiknt Verf. 
ibetont, daß der Untenehied nur von der Zahl der iai Fleische iwr- 
handenen Sporen aUitoge. Derselbe weist darauf hm, daß ti Pola 
das oberflichlidiieo £rdschichteii im Juli die Mttiimakemperatur von 
60,9® G erreichen, und er glaubt^ daß bei längerer Dauer und dem 
Eii^uase des SonaenUohtes ein eterilisiereader Einfluß auf genannte 
patkhogene Bakterien des Badens mSglich sei. 

AbkQhlungen von Gelatine- uad Agarkulturen bis auf 8 bie 10® 
unter Ncdl w&brend 1^-6 Tagen ergaben negatives Resultat. 

b) SDnnenlicfai. Die in Gartenerde entbaHenen Sporen des 
nudignen Oedems ntderstanden dem Somienlicfate 60 Stuwlen, die- 
jenigen des Tetanus 60 Stunden. Die Maximalsonnenionperatur be- 
trag 67,2®. Inokulationen iK>n steriUaierter Erde, die nut stark 
^orenhaltigeD Kiiltupen der 3 Aaafirobea infiziert, dann der Sonne 
ausgesetzt wurde, bestilägtea obq[es Residtat und ergaben fiEir die 
Sporen des Bauschbraades eine WiderstandsfiLhigkeit von 24 Stnndee. 

Kapitel II. Verhaltea eur Feuchtigkeit und gegen 
Austrocknen. 

Die ünterauohfungen mit ^^enhakiger Erde ergaben, daß die 
Sporen des malignen Oedems und des Tetanus sich mehrere Monate 
im Trinkwasser von Rom virulent erhalten. Ebenso blieben in ktUffit- 
licben Kulturell entbedteae Sporen mehr als 15 l^ige im Trinkwasser 
virulent. Dm das Tetanustezin n zerstören, wurden die Tetanus- 
kulturen vorerst 6 Miauten auf 80® erhitzt. Auch die ia Fieisdi 
«ithalteaen Sporen des malignen Oedems und des Sauachbraades 
blieben in Wasser mehr als 15 Tage virulent. 

Das Veitalten ist das gleiehe^ wenn das Wasser animalische 
aad vegetabilisobe Substanzen in Zersetzung enthält. 

Sowohl die iai natOrlicfaen Erdboden enthaltenen Sporen, als 
auch die von ktastlicfaeu NfthrbGden sterilisierter Erde beigemischten 
Bparea der drei Anaäroben widerstanden der spontanen Austrooknusg 
mehr als 6 Monate. 

Kaipttel UL fiiniluß der chamischen Agentien des 
Bodens. 

Behufs Erforschung des Einflusses der Gaso bediente sich Verf. 
eines fttelidien Apparates wie Fraenkel und benutzte mit Kul- 



Bastei 2St 

9iMisGhto steriÜBierte Ente) wdeb» er I» faiiieii CtauMMcbolMff 
ifli 6m8 Biiap«idi8Fle. Die Sporn des maligora Oedems wurden 
VW SchveUMBBerateff iit 27 SdiiMten wniobM, vm AmnmiiidE in 
3 Stonäca, diejenigen des Bawcibnuides. nr 31*^28 StondeD mid in 
2V9 Scudei g^eir diejenige» des Tetanus, m&g ihr Tedli Tor^ 
her xerstört sein oder nicht, in Schwefelwasserstoff in 100 Standen 
nadk nicht nn Oranda, Die 8|K)ren des Tetsmis werden vdn Ama»^ 
sink in 4 Stondeni vemiditet, witoHKl das Tttanustoxin erst in 
4—6 Standen aersttet wifd. 61eich> volialten' sieb die fem Fleisch 
Tesendeter Tiere enthaItBnen> Spoven. 

Kohlensinne vermag in nieiir alS' 100< Stunden di& Sporsn- der 
3 pathogeaen Anafiroben' weder in. Erde noch, in Bonilionp an ler- 
stören. Die gehemmte Entwickelang giof «aach* ter sieh naeb Ueber^ 
impfimg auf frisebe VäirbMeiii. 

VoC bestimaite den Kohlensiiaregettalt des Erdbodens zweier 
Girten in Tiefsn Ton 60 en and 2 so au versehiedeaen SSsitei»; es 
ist nicht an einen schädlichen EinflnS der EoUeasflojRe dieser Erd- 
schicfateD auf die Spere& oMger AnaerobeD> zu denken^ was Verf. audi 
experimeatell fiaststsüte. 

Von chemischen Sobstanaen, dte tan Boden^ vorkommen 
können, erforschte Verf. in Bezug auf ihre Wirkung auf die genauD- 
ten Spmnen das Kali in 1-, 2- and S-proi^ liösong, Kalk als Kalk^ 
milch, schwefelsaures Natron und Kali, Alaun, schwefelsaures Eisen, 
Kali- und Natronphosphat, KaHnitrat, Kochsalz und Soda, sftmtlich 
in kalt ges&ttigter Lösung. 

Es erwiesen sich am geeigaetsten nur Zerstörung der 3 Spore»* 
arten die Kabsabe^ in swdter Lwie- Alaua und Eisensulfiit^ wahrend 
die Natronsabe meh sribst bei eiasr Einwirkung von 20— 10& 
Stnadan wirkuagstos zeigten. Verf. weist durch* die« Dntersnehungen 
nacb, dftS datdi diejenigen Snbatanaen, welche die TetaansspoMi 
TsnidUen, aucb das Tetanustoain zerstört wivd. Er betont die 
Verschiedenheit seiner Resultate und der ?on Arloing, Corne-* 
▼in nnd Themas erhidteneD) die Wirkung diemiacher Substanzen 
auf Baoachbrand betreSsad, welche DiffBreasen sich davcb die ver^ 
Bcbiedeoe Anordnung der Untersuchung^ ericlftreo. Blnem^ G«aiisck 
der wirksamen Substanzen widerstehen nur die Tetanusbaciliea einige 
Standen; die Natronsalae Termögew aaeh^ in Hisohong' keine Wurkung 



Am Schlosse seiner auterordantbcfav inbaltsraicben ArbeH hUt 
Verl die Besultate ia ftdgenden« Sbtzeo zosammea: 

1. Die Sparen» der pethogenea Anafiraben des« Bodens erteagen« 
wahrend a^hrerer StoadiBn hohe* Temperamrgrade, und es vermag 
daher die Warme sie natftdiebss Agens solche nicht* iat; kurzer Zeit 
za acmfcenv wibvend das Sonnenliebt unabMl^gig vat der Wftraie 
diea imataade ist 

2. OUge Sporen bleiben lange lebend im THnksvasser* aawohl, 
wie in Teraofrinigtmm Waaser; sie widaiateben lange der Aue- 
treclmnng, 

& Genannte Sporeit widenstehen mebrans SDanden der Wifknng 
wm Oasen, die im Boden vorhanden sein können, am wenigsten 



384 SebitiimpAaiir, k«uit. IsMtloMknHildi AM^ Blirkkd— gihwiM«i|r tto. 

Kttnikeii* and gcößere CruikeBhAumr; im Banse des Arztes «od des 
Paüente» weg« des uo?eraieidlidi«D lästigeD Oeraches ist sie kaum 
aMslQbriMr^ Uns dfeseii Ictetevwfihnten DebelsCaard m TenieideD, 
sfaid ▼•» tarnet XL A^ Apparate konstniiert worden. 

2) Quecksilberdftmpfe. Diese Metliode ist bcsooders vm LaBne* 
loBgoa und seioeo SdUllero als sieiMr tnd praktisch empfohlen 
wenho; doiA ist von anderer Seite festgestdit, daß eiiie richere 
SteriliBatioD nach 48 Scanden mooh nidit erreicht ist, vielmehr 
12 Standen erforderlidi sind. 

Bei Koatroltverenehen über die Sterilität der Katheter mittels 
da» Koltarfarfahrens isl große Vorsicht anzuwenden, damit nicht 
zogleiäi mit dorn Katheter noch etwas von der ihm anhaftenden 
antlseptiscbta FlOssigheit mit aof den Nährboden gekngt, da dadnrcb 
etwa vorhandene Keime leicht in der Entwickelang gehemmt werden. 
Eia sicleverea Resultat als durch längeres Verweilenlaasea der 
Ki^belBr iw der Nährflflssigkeit erhält man, wenn man diesdben 
mehveiB Male hinter einand^ fiär kurze Zeit in die Flllssigkeit ein- 
taaoht; es wachsen bei der letzteren Methode die Kaltarea schneller 
und reicbUcber, ab bei dem ersten Modus. Oayon verwandte zur 
Lqektion der Katheter bei diesen Versuchen eiterigen, a» Mikroben 
reichen Drin ond als Nährflassigkeit, um den thatsäcUichen Verhält- 
nissen möglichst nahe zu kommen, durch Filtration sicher sterili« 
sierten Urin. Bei den Versuchen aber die Desinfektionskrait der 
einzelnen Flflssiglseiten zeigte sich das Arg. nitr. den anderen sehr 
Oberlegen. 

Ate Besumi dieses Teiles seiner Arbeit kommt O. zu den 
Schlüsse, daß man ihr die Praxis in grölen Krankenhäasem, in 
denen Apparate o. s. w. veichlidi zur Verflgung stehen, eines der 
beiden besten Verfahren in Anweadung bringen wird, d. i, die Ste- 
rilisation der Katheter entweder im Trockenofen bei 140^ -^ nur ftr 
gute Katheter anwendbar oder durch Schwefrisäure -^ f&r alle 
Kadieter braocbbar. Beide Methoden erftUlen die Pbstulato: voll- 
ständige Sterilität and Asepeia 

II. Der Katheterismus. 

Jede erste Kathetereinführung muß durch einen Arzt geschehen 
sowohl bei akuten wie bei chronischen Retentionssaständen. Ferner 
muß der Arat selbst katheterisieren , wenn Zeichen einer Nieren- 
erlnrankmig bestehen, da in diesen Fällen eine etwaige Infektion 
ikußer in der Blase auch ia dem Ureter und der Niere einen gaos 
besondera gftnstigea Boden anr Eatwickelung flndetL Dasselbe ist 
der Fall bei bestehender Hämaturie^ welche eigentlich eine Kontra- 
indibation gegea die EtnfQhmg des Katheters ist Läßt man die 
Kranken sich: seibat katbeteriaieren^ so soll man^ ihnen die Vor- 
sdnriften aufgeseheiebea mitgeben. 

Ea folgen dann di» Vorsebctften tiber Asepsis aad Anttsepsia 
beim Battteterisierea, je nachdem aum es mit einem intziertei» oder 
nicht infizierten Patieatea zu tfaan hat. (Sana besonders empfiehlt 
<feer Verf. Blaaenausspaiungen mit Arg. nitr.-Ltaong. 



UbsO. InfektiooskimDkMtw« EtotwlekelnagalMnnHnig eto. 266 

Fttr dea Gebraach des Katheters durch die Patienten giebt Verf. 
Mgende VorBchriften: Die Patienten mfiaaen mehrere Katheter in 
Gebnuch haben^ dieselben dOrfen nicht su enges Kaliber haben und 
tagen am besten 2 Oeflhnngen. Die Beinigang geschieht am besten 
nadi Toriwngem Abseifen und Waschen durch grflndliches Auskochen 
und nachheriger Aufbewahrung in Röhren mit 4-proz. Borsäure bis 
zQiD Gsfarauche. Den größten Widerstand findet man bei den Kranken 
kiniichtlich der Beinigung der Urethr. anterior; dazu verstehen sieh 
Dor die Wenigsten. 

Zorn Einfetten empfiehlt G. eine Pomade, die au gleichen Teilen 
US Wasser, Seife und Glycerin bestdit und das Einf&hren des 
Katheten wesentlich mehr erleichtert als das Glycerin. Dm etwaigen 
ufaadlidien Folgen des Selbstkatheterisierens vonubeugen, soll man 
die Patienten täglich 2 BlasenausspOlungen mit antiseptmchen L&- 
soogea Qadien lassen. Lasch (Breslau). 

Casaedebat^ P« A., De Taction de Teau de mer sur les 
microbes. (Bev. d'Hyg. et de pol. san. 1894. No. 2. p. 104.) 
Wegen der Schwierigkeiten, welche die Sterilisation von Ab- 
«tern ond Fäkalien mit sich bringt, und der Vorteile, welche Küsten- 
^te Tim einer Einleitung derselben in das Meer haben konnten, 
ohie der Gefahr einer Ansteckung durch dieselbe bei Epidemieen aus- 
geaetzt zu sein, stellte Verf. in dem bakteriologischen Laboratorium 
des Hilitärhospitals zu Oran Versudie darüber an, ob Meerwasser 
paUK^ene Bakterien abtöten kOnne. In sterilisiertem Meerwasser 
ttarben Staphylococcus aureus in 22 bis 24 Tagen, citreus 
io 19 bis 22 Tagen, Bacillus Friedländer in 35 bis 40Tasen, 
Mttzbnmdbadllen in 21 bis 24 Tagen, Bacillen der grfinen Diarrhoe 
i& 16 bis 20 Tagen, Spirillum Deneke in 22 bis 25 Tasen, 
Proteas vulgaris in 23 bis 26 Tagen, Typhusbacillen schon 
Bach 48 Stunden ab. CSioleraspirillen verschiedener Herkunft waren 
ttch 35 resp. 32 Tagen noch lebenrfähig, wo Verf. diese Versuche 
w infieren Grflnden abbrechen mußte. Einen großen Wert legt 
M darauf; daß Typhusbacillen in sterilem Meerwasser in so kurzer 
Zeit za Grunde gehen, daß also fQr Städte, welche ihre Abwässer 
io das Meer leiten, zu Zeiten von Typhusepidemieen von dieser Seite 
iM9r keine Gefahr bestehe, und ist der Ansicht, daß auch die Gholera- 
s^rüloi , welche in stenlem Meerwasser eine so lange Lebensdauw 
^Bigen, in nicht sterilem in mehr oder weniger kurzer Zeit zu Grunde 
Pw werden. 

Verl versuchte femer zu ermittehi , ob Abwässer durch Einlei- 
toag in die Häfen oder in das Meer nahe der Küste unschädlich 
Snaacht wflrden oder ob dazu die Hinausleitung in das hohe Meer 
iWg aei, und fand, daß erstens, namentlich bei ruhigem Wasser, in- 
Uge des Gesetzes der Schwere eine Ablagerung von Keimen auf 
8dilamm und SMid und von hier eine Nachschleppung nach dem 
^de zu ermöglichen, daß aber das Letztere, wobei die Keime nicht 
QKbr jenem Gesetze unterlägen, vollständig gefahrlos sei. 

LOsener (Berlin). 



SdiatiliBpAmiri Unatl. InfektionsknuiklMlten, EntwfokdttngriramHiuig ele. 

Neifiser, Prinzipien der GonorrhOebehandlnng. (IL inter- 
nation. dermatolog. Kongreß. Wien 1892.) 
Neißer hatte in sehr anschaulicÜer und prägnuiter Weise seine 
Ansichten über die Gonorrhöebehandlang in 11 kurzgefaßten Thesen 
niedergelegt und auf diese Weise zur Diskussion gestellt Der Inhalt 
dieser 11 Thesen ist in Eflrze folgender: 

1) Die enorme Verbreitung der Gonorrhöe macht es notwendig, 
daß eine rationelle Behandlungsmethode derselben Gemeingut aller 
Aerzte und daß ihre Prophylaxe — wie bei der Syphilis — durch 
rationelle sanitätspolizeiliche Vorschriften geregelt wird. 

2) Die Diagnose der Krankheit in federn Stadium ist nur mög- 
lich durch die Anerkennung der Gonokokken als Krankheitsursache 
und es ist — außer vielleicht bei ganz akuten Fällen in den ersten 
Tagen — ausnahmslos die mikroskopische Untersuchung des Sekretes 
auf das eventuelle Vorhandensein der Krankheitserreger notwendig. 
Die mikroskopische Untersuchung sichert bei genügend einübendem 
Vorgehen fast stets die Diagnose; das Kulturverfahren wird Ar selt- 
nere, zweifelhafte Fälle reserviert bleiben. 

3) Die Gefahr der Gonorrhöe liegt in der Weiterwanderung der- 
selben in Fläche und Tiefe und in dem Ergreifen von Organen and 
tieferen Schichten der Schleimhaut, die einer therapeutischen Beein- 
flussung wesentlicU schwerer oder gar nicht zugänglich sind. Die 
Therapie soll sofort nach dem Eintreten der akuten unzweifelhaften 
Symptome eintreten. 

4) Es dflrfen jedoch an der frühzeitigen Behandlang nur Mittel 
verwendet werden, welche, ohne die Entzündung sehr zu steigen und 
die Schleimhaut zu lädieren, sicher die Gonokokken töten. Nur ad- 
stringierende oder stark ätzende Mittel sind zu verwerfen. 

Brauchbar sind: Argent. nitr. V4000 — V10001 I^'^t^^J^^ Vi 001 
Sublimat Vaoooo— Vjoooo ™d Rotter'sche Lösung. 

5) Als beste Methode für die frühzeitige antibakterielle Behandlung 
sind häufige Irrigationen der Urethra anzusehen, an deren SteUe 
aus äußeren Gründen oft werden Injektionen treten müssen. Beim 
Weibe sind nebenbei noch mechanische Behandlung des Oervix und 
der Urethra zu empfehlen. 

6) Es ist — außer in ganz frischen Fällen — möglichst früh 
auf das ev. Vorhandensein einer Urethrit. poster. zu untersuchen; 
dieselbe ist lokal nur zu behandeln, wenn bereits Gonokokken da- 
selbst nachweisbar sind. 

7) Nicht Schnelligkeit, sondern Sicherheit ist das Ziel der Therapie. 

8) Bei der Behandlung der sog. „chronischen Gonorrhöe" bei 
Mann und Frau ist zuerst die Infektiosität resp. Nichtinfektiosität 
festzustellen. 

9) Ist beim Manne im Sekrete das gonorrhöische Virus noch 
auffindbar, so ist energische Behandlung notwendig, wenn nicht, so 
genügt eine mildere Behandlung, ev. ist bei unbedeutenden Prozessen 
dieselbe ganz zu sistieren. Tidi^re Schleimhautprozesse missen loka- 
lisiert und^energisch behandelt werden. 

10) Die Behandlung muß fortwährend durch das Mikroskop kon- 
trolliert werden. 



;, kflnstt. Iiif«kt;oii8kruikheitoii, Entwiekelongthciiimiing etc. 267 

11) Es maB mehr als bisher auf RectalgonorrhOen geachtet 
werden, da diese leidit den Ausgangspunkt fQr chronische Rectal- 
«leera sind. 

In der Debatte berichtet Ehrmann, daß er 2 Impfversuche 
gemadit habe, die ihm zu beweisen schienen, daß Tripperkompli- 
kationen nicht durch den Qonococcus, sondern durch Mischinfek- 
tion herroigenifen worden seien. Er aspirierte aus einem uneröff- 
neten Periurethralabscesse mittels einer Pravaz'schen Spritze Eiter 
mid impfte in 2 Fällen gesunde Individuen ; in dem ersten FaUe hatte 
die Impfong gar keinen Mekt, im zweiten entstand eine kleine folli- 
kolire Eiterung. Lang pffiditet bis auf einige geringe Diffeienz- 
pimkte N. bd. Welander betont gelegentlich der von ihm em- 
pfohlenen Abortivknr (Abschaben des Epithela im vordersten Teile 
der Urethra, besonders der Foss. navicul. und dann sofort Ein- 
spritzen einer 2—3 proz. Arg. nitr.-Lösung) « wie sehr es darauf an- 
komme, in welcher Zeit der Qonococcus in die tieferen Schiebten 
dringe; davon hängt natürlich die Aussicht einer jeden Abortiv- 
methode ab, da jede nutolos ist, sobald der Gonococcus die 
Epitbelacbicht durchdrungen bat und der Ausfluß purulent wird. 
Dieser Zeitpunkt berechnet W. bei den einzelnen Individuen ver- 
sdiieden, 1—4 oder mehr Tage, je nach der Beschaffenheit der Schleim- 
hant, und als 2. Faktor nennt er die Menge und Vitalität resp. Viru- 
leaz der eingewanderten Gonokokken. Letenskräftige, zahlreidie, von 
einer firischen Gonorrhöe stammende Mikroben werden wesentlich 
schneller in die Tiefe dringen, als vereinzelte, nicht lebenskräftige, 
von einem chronischen Tripper stammende Gonokokken, die erst 
2 — 4 Tage zu ihrer Vermehrung und Stärkung ihrer Vitalität 
brauchen. 

Daher wird in gewissen Fällen eine Abortivkur von Nutzen 
sein können und Pontopnidan hat in 23;8 Proz. seiner Fälle 
durch diese Abortivkur Heilungen erzielt. 

In der weiteren lebhaften Debatte werden meistens therapeutische 
oder sehr spezielle pathologisch-anatomische Einzelheiten von fast 
aoBBchlieBlich dermatologischem Interesse besprochen, deren Beferat 
hier sa weit fahren wflrde. Lasch (Breslau). 

Isaae, Zur Behandlung der akuten und chronischen 
Gonorrhöe. (11. Internat dermatolog. Kongreß. Wien 1892.) 
Im Gegttisatae zu Neißer steht Isaac auf dem Standpunkte, 
daB die Gonorrhoe eine cykUsch verlaufende Infektionskrankheit ist, 
die man in den ersten Wochen Oberhaupt nicht lokal behandeln soll, 
fidmefar soll man sieh darauf beschränken, die Diät zu regeln, alle 
AODoholika m entziehen, ein Suspensorium anlegen zu lassen und Bähe 
zu empfehlen. Besonders verwirft I. die Tripperspritze; Epididymitis, 
GjBtitis und vor allem die Urethritis poster. glaubt er in vielen Fällen 
durch dm Spritsm hervoiigenrfBn ; nach 14 Tagen gestattet er Berie- 
fldongen mit 2«proz. Salicyl- oder Borsäure. Sehr energisch wendet 
er lidi gegen die Anwendung von Antropboren und die Einführung 
TOB InstrunflBten; nioht froher als ^/^ Jahr nach der Infektion 



solle eil noUbm engdührt werdeiL Vom Aigent nitr. lerep 
sich der Verl vma der mingdnden Tiefewirkung keiBen beeonc 
EinflnS auf die ib der Hefe liegeodea pathologiacheii Proces» 
der Cretkritis poetenor. 

Im Anckliil aa dJeaen Vortrag macht Köbner den Ver 
die NaflMB GoDonrhöe uid Gobocoocus ansiamerzeii und schlagt 
sieta Ton Bte&BorririSe nad Blennococcas zu spiecheD. 

Lasch (Bresla 



Reie Litteratnr 




BftttMM, e., IM «ieroolfoimL Pute L 8*. Turin (BoMnberg h 8«Ui«r) U 



(teteaaeha^imMtktdea» laitnoaeate ete. 

UbLV% A^ VMk evltaia M diploeowo di rraMikel ndl« wv». gr. 8. > P 
ia»4. 



(OIiwBf , PIbIaU, 8toi^r«eli8«lprodakto snr.) 

KiMliaa, X., Zw Biolofi« mad CbMd« d«0 Tsborktl- «nd dw BotaKMiUas. 
MitttHnng. (PhArmu. ZtMlir. f. BOlaad. 1894. No. 18. p. 891—884.) 

BeilehaBgea der Bakterlea aad Paraallea lar aaMehtea Katar. 

Xallwwa, A. P., On Worts't BMtliod for Um difIbrentiiitioD of bMiUu tjphi «^ 
from bAelUn« eoü eomiaaiiis and ite appUeation to Uia aiamination of con^^ 
driokiag wator. (TaebaoL qnartorly. 1888. Vol. VL No. 8. p. 841— 851 ) 

OhlBtUw, W., Dia Uatenachaag das WasMia. Bin Laitfiidaa avm Gebrap« 
Laboratoriam f. Aarate, Apothakar a. Stndiaranda. gr. 8*. X, 178 p. m. 74 Abt 
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O^ TMbm dfo WMnH ^^ ClwiliraiMU» mT d«B tttriMh» 



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268 ^«M Littontnr. 

solle dB solches eingeführt werdeiL Vom Argent nitr. terspricht 
sich der Verf. w^en der mangelnden Tiefewirkung keinen besonderen 
Einfluß auf die m der Tiefe liegenden pathologischen Prosesse bei 
der Urethritis posterior. 

Im Anschluß an diesen Vortrag macht Köbner den Versuch, 
die Namen Gonorrhoe und Gonococcus auszumerzen und schlägt vor, 
stets von Blennorrhoe und Blennococcus zu sprechen. 

Lasch (Breslau). 



Neue LItteratur 

Da. AXIBÜB WÜBZBÜBO, 



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Biiao, A., Ueber die Immunisation Ton 
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mer sar les mibrobee, p. 866. 
Qajoa, Le cath<t4rlame et l'aatisepeis, 

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VaUMT, Prinsipien der Gonorrh6ebehaad- 

Inng, p. 866. 
BaBfsliM, Fra a ea i eo, Della inflaeasa degli 

agenti flsico-ehlmici sugli aaaSrobi pato- 

geni del terreno, p. 868. 

I Vana Uttivatar, p. 868. 



MteBMhdraaki 



BrDaia)laJMS, 



Bakteriologie nnd Farasitenkunde. 

In Yerbindong mit 

6elL M. M Dr. LgdM m PnfisBor Dr. LoidDer 

lA IMpOg IB Onilinrald 

hemigagebeii von 

Dr. O. UMvorm in CasseL 



Verlag yon Gustav Fischer In Jena. 

XYI. Band« -<>- Jena» den 25. August 1894. -o- No« 7« 



FralB IBr dtn Band (M Vuubwb) M Kark. 

JXhrlich er»e]iein«n iwoi Biad«. 

«•»I Zv bMiehtn dnrdi alle Bochhandliingan und Pottanstaltoi. %t»^ 

Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Farasiten- 
kunde richtet an die Herren Mitarbeiter die ergAene Bitte, etwaige 
WOneehe um lA^erung van beeanderen Abdrücken ihrer Avt^ 
mätse enUeeder bei der JEineendung der Abhandlungen an die 
Medaküan auf das Man/uskript schreiben zu woUen oder apä^ 
teetene nach lErmpfamg der ersten KorraaurdbaOge direkt an 
den Verleger, Herrn Ousta/v bischer in Jena^ gelangen tm 
Massen* Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage^ später 
eingehende Wünsche berücksichtigen zu kihmen. 

Original -Mittbeilungen. 

Heber aseptisohe Frotozoenknltaren und die dazu 
verwendeten Methoden. 

[Aus dem zoologischen Institute zu Heidelberg.] 

Von 

Dr. med. Casper 0. Miller. 

Im Herbste 1887 hatte ich zuerst Gelegenheit, den Malaria- 
pamaiteD im Blute zu stadieren und kam nach Untersuchung einiger 
der Bedingungen, unter welchen die Malaria gewöhnlich vorkommt, 
mid nach Beobachtung einiger im Wasser lebenden Protozoen zum 
Schhiase, daß sieh dieser Parasit im Wasser entwickelt. Einige Kulturen 
worden 1887 unter partieller Verwendung von aseptischen Vorsichts- 
nafir^gefai versucht, und zwar an Material, welches ich auf der Poli- 

XTLB«. IS 



274 Casper O. Miller, 

klinik zu Baltimore erhielt In der Eoltar gediehen einige 
Protozoenformen, da aber die aseptischen Vorsichtsmafiregeln nicht 
ganz streng darchgefahrt waren, so war keine Sicherheit vorhanden, 
daß die so erhaltenen Formen zum Entwickelungskreise des Malaria- 
parasiten gehörten. Nichtsdestoweniger ermutigten mich die ge- 
wonnenen Resultate dazu, die Versuche im folgenden Herbste 1888 
wieder vorzunehmen. Das Material wurde von dem Bayview 
Asyl um aus der Abteilung von Prof. J. £. Atkinson geliefert, 
welchem ich meinen Dank für die freundliche Gtew&hrung des Arbeits- 
materiales hier aussprechen möchte. 

Alle aseptischen Vorsichtsmaßr^eln, welche mir bekannt waren, 
wurden sowohl bei der Zubereitung von Gläsern und Medien, wie bei 
der Anfertigung der Kulturen angewandt. Die Kulturen wurden in 
Flüssigkeiten verschiedener Zusammensetzung bereitet und unter ver- 
schiedenen Bedingungen gehalten. Nach einiger Zeit wurden die Kul- 
turen untersucht und in einigen fanden sich Protozoen. 

Es warfen sich nun die Fragen auf: Gehörten diese Formen zum 
Entwickelungscyklus des Malariaparasiten oder waren sie Verun- 
reinigungen, ferner zu welcher Klasse der Protozoen sollte man sie 
stellen und wie konnten sie gezüchtet werden? Meine Kenntnisse auf 
diesem Gebiete waren äußerst beschränkte, weshalb ich versuchte, die 
einschlägige Litteratur zusammenzustellen. 

Dieser Versuch war entmutigend, da höchst selten irgend welche 
Angaben über die Kultivierung der Formen gemacht wurden, welche 
gewöhnlich Sümpfen oder Gräben entnommen waren oder als Para- 
siten vorkamen. 

Ich hatte Gelegenheit, einige der Amöben, welche in den Faeces 
bei Dysenterie vorkommen, sowie auch Coccidien zu studieren. Nur 
in den letzten 16 Monaten habe ich systematisch die Protozoen 
studiert, vor dieser Zeit wurden meine Untersuchungen mehr vom 
pathologischen und bakteriologischen Standpunkte aus als vom mor- 
phologischen betrieben. 

Der erste Teil meiner Untersuchungen wurde in dem patho- 
logischen Laboratorium des Johns Hopkins Spital ausgäührt, 
und ich benutze die Gelegenheit, Herrn Prof. Welch für die freund- 
liche Aufnahme in sein Institut, sowie den Herren Prof. Osler, 
Dr. Brockaway und Thayer des Johns Hopkins Hospital 
zu danken. 

Bei der Uebersicht der Litteratur ist recht wenig über die Kul- 
tivierung der Amöben zu finden. 

Auerbach (1) sagt in Bezug auf die Beschaffung von Amöben, 
daß er öfters gute Erfolge erzielte, indem er einer Portion Wasser 
ein kleines Stück tierischen Gewebes zusetzte und die Schale so 
stellte, „daß sie möglichst viel direkt von den Sonnenstrahlen ge- 
troffen wurde". Nachdem etwa die Hälfte des Wassers verdunstet 
war, wurden kleine Wassermengen von Zeit zu Zeit zugesetzt Er 
brachte auch Pfianzenaufgüsse, Wasser und Schlamm unter ähnliche 
Bedingungen. Gleichzeitig mit den Amöben entwickelten sich Algen 
und Infusorien. Er bemerkt: „Das Wesentliche hierbei ist jedenf^Is 
die intensive Wirkung des Sonnenlichtes, nächstens die größere Kon- 



Uebw Meptiscbe Protosoenknltaren and die dazu yerwendeten Methoden. 275 

zeiitration des Wassers durch Verdunstung/^ Er nahm eine kleine 
Portion seines Aufgusses, Algen, Infusorien und Amöben enthaltend, 
brachte sie mit destilliertem Wasser in eine Glasschale und die 
Amöben gediehen darin acht Monate lang. Als sie ausstarben, trans- 
^bmtierte er nur ein einziges Mal. 

Hertwig und Lesser (2) erwähnen die Kultivierung von 
Amöben nicht. 

Leidy (3) erhielt seine Amöben aus Sümpfen und Gräben. 

Cnnningham (4) kultivierte Protomyxomyces copri- 
narius aus Gholerastühlen und fand ähnliche Formen im Darme 
niederer Tiere. Seine Kulturen wurden hauptsächlich in einem Dekokt 
von Kuhmist gemacht Abgesehen davon, daß er das Dekokt bis 
zimi Sieden erhitzte und die Nadeln, mit welchen er Stichkulturen 
vornahm, sterilisierte, wendete er keine weiteren aseptischen V orsichts- 
maftregeln an. 

Grassi (5) hat die Versuche Cunningham's nachgemacht 
and sowohl Amöben wie die andern von Cunningham beobachteten 
Formen gefunden, stimmt aber in der Deutung der Resultate nicht 
mit ihm überein. 

O ruber (6) erwähnt nur die Kultivierung von Amöben, indem 
er bemerkt, daß er dieselben in kleinen Glasscbalen zu isolieren ver- 
suebte, aber sie gediehen nicht. 

Kartalis (7) züchtete 1890 Amöben, welche er für Amoeba 
coli erklärte. Er sterilisierte die Gläser und Flüssigkeiten, welche 
er verwendete, unterließ es aber, die Kulturen gegen Infektionen von 
der Luft aus za schützen. 

Er machte zwei Reihen von Kulturen; in der ersten wurden die 
Flaschen mit Watte verstopft, in der zweiten nicht. In der ersteren 
entwickelten sich keine Amöben, wohl aber dagegen in der zweiten. 

Meine eigenen Kulturen wurden zwei Jahre vor denen Kar- 
talis' in Gläsern mit Wattepfropf gemacht, so daß ich sagen kann, 
daß ich demselben in keiner Weise für meine Methoden verpflichtet 
bin. Ich werde wieder auf seine Kulturen zurückkommen, wenn ich 
von den Amöben und ihrer Kultivierung sprechen werde. 

In einer späteren Arbeit (8) berichtet Kartulis: „Wenn ich 
ein offenes, mit Strohabkochung beschicktes Glas bei warmer Tem- 
peratar in unserem Laboratorium stehen ließ, so entwickelten sich in 
vielen Fällen außer Bakterien auch verschiedenartige Protozoen, oft 
aoch amöboide Tierchen. 

Schuberg (9) hat die Arbeiten von Cunningham und Kar- 
tal ia kritisiert and referiert, so daß ich es für unnötig erachte, jetzt 
weiter darauf einzugehen. 

Bei Gelegenheit einer späteren Mitteilung über Plasmodien werde 
ich über die Kulturen derselben, welche von de Bary, Cien- 
kowaki, Strasbarger u. a. gemacht wurden, eingehend referieren. 

Deber Flagellatenkulturen giebt es nur spärliche Angaben. 

Klebs (10) erwähnt, daß er Euglena auf ausgekochtem Torfe 
gezogen hat. 

Ogata (11) beschreibt eine Methode, um Flagellaten und In- 
fusorien zu isolieren. Er giebt an, daß er Polytoma uvella auf 

18« 



276 Casper O. Miller, 

Nährgelatine and Paramaecittm aarelia in wftaserigen Koltaren 
gezflchtet habe, ohne Bakterien in den Nähriösangen nachweisen zu 
können. 

Meine Kulturen wurden vorzugsweise mit Amöben und Plasmodien 
gemacht; die Kulturen von Infusorien und Flagellaten dienten mehr 
zur Kontrolle, als zum eigentlichen Studium derartiger Formen. 

Bei Anfertigung der Kulturen ist es notwendig, die möglichea 
Verunreinigungsquellen zu berficksichtigen. Diese sind wesentlich die- 
selben, welche die Bakteriologen bei ihren Kulturen auszuschließen 
bestrebt sind, n&mlich: die Luft, unreine H&nde und Instramente 
und ungenügend sterilisierte Gläser, Schalen, Watte oder N&hrbOden. 

Bei der Beschreibung der Vorsichtsmafiregeln und Methoden 
werde ich dieselben eingehender besprechen, als dies fQr solche nötig 
w&re, welche schon pnüctisch mit bakteriologiscfaen Methoden ver- 
traut sind, aber es ist notwendig, genau zu wissen, was f&rKautelen 
angewendet worden sind, um die erhaltenen Besultate beurteilen za 
können. 

Arbeitet man mit flflssigen Nährböden, so giebt es wenig Gründe 
dafür, daß es schwieriger wäre, die Kulturen rein zu erhalten, als 
wenn feste benutzt werden; kommen aber Verunreinigungen vor, so 
ist es schwerer, diese zu entdecken und sich derselben zu entledigen, 
als in Kulturen auf festen Nährböden, daher ist es nötig, doppelt 
vorsichtig vorzugehen, um Verunreinigungen zu vermeiden. Bei An- 
fertigung der Kulturen der verschiedenen Formen bin ich bestrebt 
gewesen, die Bedingungen, unter welchen sie in der Natur vorkamen, 
möglichst zu reproduzieren. Da weitaus die Mehrzahl der Protozoen 
im Wasser leben oder wenigstens in sehr feuchten Medien, . so ist 
Wasser die Basis der Kulturböden. 

Man kann bei der Auswahl der Gefäße für die Kulturen ver- 
schiedene Größen und Gestalten verwenden. Für die direkte Unter- 
suchung der Erscheinungen, welche in den Kulturen auftreten, habe 
ich sterilisierte feuchte Kammern, Kulturen im hängenden Tropfen 
und Petrischalen gebraucht. Gewöhnliche einfache (dünnwandige) 
Biergläser sind auch für gewisse Zwecke nützlich. Die einzigen 
Kulturen, auf welche ich mich verlassen konnte, sind diejenigen, 
welche in Erlenmeyergläsern gemacht wurden. Ich ziehe 
Gläser mit breitem Boden, welche von 100—160—200 ccm fassen, 
vor; größere würden für manche Zwecke praktischer sein, jedoch 
habe ich sie nicht gebraucht, weil dieselben mehr Raum im Sterili* 
sator einnehmen. Wünscht man die Kulturen nicht auf längere Zeit 
zu unterhalten, so ist es gleichgiltig, welche Gestalt oder Größe von 
Gläsern man nimmt Es ist jedoch öfters wünschenswert, die Kul- 
turen 6 — 18 Monate lang zu halten, ohne daß die Flüssigkeit ganz 
verdampft und ohne von Zeit zu Zeit frische Flüssigkeit zusetzen za 
müssen. Das Format, welches ich am meisten benutzte, war das mit 
flachem Boden und faßte 150 ccm, bei einer Höhe von 12 cm und 
einer Oeffhung von 1^/^ cm. Ein Glas, welches 12 cm Höhe, 1'/^ cm 
Oeflfnung und einen Inhalt von 175 ccm besaß, wurde bis zu einer 
Höhe von IV« cm gefüllt und enthielt noch nach zwei Jahren unge- 
fähr 2 ccm Flüssigkeit 

Bei Sterilisierung der Nährböden wurde die diskontinuierliche 



Ueb«r aseptiBeh« ProtOBoenknltnren nnd die dun Yenrtndefien Methoden. 277 

Methode am meisten verwendet, in dem gewöhnlichen Dampfeterili- 
tttor auf 15 Minaten an drei saccessiven Tagen. FQr einen Teil 
meiner Untersuchangen wurde ein Autoklav benutzt, wo. eine Sterili- 
dening von 16 Minuten unter einem Drucke von 2 Atmosphären für 
geoflgend gefunden wurde. 

Die äokulationen oder Transplantationen können mit einer 
Pktinöse gemacht werden, aber die bequemste Art, etwas 
fOD der Kultur wegzunehmen, besteht darin, eine Pipette zu ver- 
wesden. Meine Pipetten haben eine Länge von 18—20 cm und sind 
im rechten Winkel, ungefähr 2 cm vom oberen Ende, gebogen, so 
dat die Möglichkeit einer Verunreinigung durch den Fingern an- 
klebende Partikelchen, welche in die Bohre hineingelangen könnten, 
ausgeschlossen ist. Da die Pipetten höchst selten wagerecht gehalten 
werden, mag dies als eine aberflüssige Vorsichtsmaßregel erscheinen, 
es ist jedoch wOnschenswert, jede mögliche Infektionsursache nach 
Ei&ften zu vermeiden. Ungefähr zwei Dutzend derartiger Pipetten 
worden auf einmal sterilisiert bei einer Temperatur von 180 ^ während 
10 Minuten in einer Metidlbflchse, wie sie für Sterilisierung von Glas- 
platten fttr Plattenkulturen benutzt wird. Die Büchse wird in einer 
horizontalen Lage auf einem handlichen Gestell aufbewahrt, und zwar 
ao, daß so viel derselben über den Rand des Gestelles hinausragt, 
daS der Deckel frei bleibt Wenn man eine Pipette herausnimmt, 
moB man dafür sorgen, daß die übrigen nicht berührt werden und 
ganz besonders vermeiden, daß das untere Ende der Pipette mit 
dem oberen der übrigen in Kontakt kommt, für den Fall, daß die- 
selben nnvorsichtigerweise mit den Fingern berührt worden wären. 
Nach dem Gebrauche kommen die Pipetten in ein Gtefiäß, welches eine 
KarboUOsuDg enthält. 

Es ist durchw^ wichtig, darauf zu sehen, daß der Arbeitstisch 
mA alle umliegenden Gregenstände und Apparate von Flüssigkeiten, 
welche Protozoen enthalten, frei bleibt. Sollte der Arbeitstisch oder 
der Tisch des Mikroskopes mit einer solchen Flüssigkeit zufällig ver- 
noreinigt werden, so muß dieselbe sofort mit einem mit 95-proz. 
Alkohol durchtränkten Lappen oder Stück Filtrierpapier entfernt 
Verden, und sollte man dies f&r nötig halten, so kann man den 
Alkohol einige Minuten lang auf die beschmutzte Stelle einwirken 
Isssen. 

Ganz besondere Vorsicht ist dann nötig, wenn man mit den 
trockenen Sporen von Plasmodien arbeitet, denn sonst werden der 
Arbotsplatz und die Luft rasch mit einer großen Menge von Verun- 
leiaiguiigen erfüllt sein. 

Objektträger, auf denen die Kulturen beobachtet worden sind, 
Verden darauf in 95-proz. Alkohol gethan, wie auch alle Instrumente, 
welche mit den Kulturen in Berührung kommen. 

Schöpft man etwas von der Flüssigkeit zum Studium oder zu 
IiMknlationen heraus, so werden die Gläser horizontal zwischen 
Daamen und Zeigefinger der linken Hand gehalten. Der Wattepfropf 
vvd mit der rechten Hand entfernt und zwischen die Finger der 
loto gesetzt, gerade wie bei der Transplantierung von Bakterien. 

Die Gläser werden gründlich gereinigt und mit einem Watte- 
P^pfen versehen, ohne daß der Watteverschluß zu fest gemacht 



278 C»8per O. Hiller, 

würde, aber fest genug, um YerunreiniguDgen zu Yermeiden; sie 
werden dann im Sterilisator mit heißer Luft sterilisiert bei einer 
Temperatur, von 160 <» C auf 10—30 Minuten, oder bis die Watte 
beginnt, ihre weiße Farbe in ein leichtes Braun zu verändern. 

Es ist mir nicht gelungen, irgendwelche Protozoen ohne Zugegen- 
sein von Bakterien zu züchten, und es ist ein Teil meiner Aufgabe 
gewesen, die Bakterien in den Kulturen zu verfolgen und dieselben 
in Bezug auf ihre günstige oder ungünstige Einwirkung auf das Ge- 
deihen der Protozoen zu studieren, sowie auch zu ermitteln, welche 
Verunreinigungen stattfinden. Beim Studium der Bakterien fanden 
alle bekannten Methoden, die Verunreinigungen zu vermeiden, An- 
wendung, und bei der Anfertigung von Nährböden benutzte ich die 
gewöhnliche N&hrgelatine und Agar-Agar. Keine der Methoden zur 
Kultur von anaörobiscben Bakterien kam zur Verwendung. 

Was auch für organische Substanzen dem Wasser zugesetzt 
werden, so ist die Lösung stets eine verdünnte. Wie erw&hnt, 
sind Protozoen und Bakterien in den Kulturen immer zusammen 
vorhanden. Wenn nun eine große Menge organischer Substanz zu- 
gegen ist, so vermehren sich die Bakterien so außerordentlich rasch 
und ihre Stoffwechselprodukte häufen sich so enorm an, daß sie bald 
das Gedeihen der Protozoen stören; dies ist ganz besonders der Fall, 
wenn die vorhandenen Bakterienformen den kultivierten Protozoen 
gefährlich sind. 

Die Infusionen werden so angefertigt, daß sie für die betreffenden 
Formen, welche man zu studieren wünscht, passend sind; Hanfauf- 
guß wird n einer Weißweinfarbe verdünnt; neutralisierte Bouillon, 
wie sie zur Herstellung von Nährgelatine benutzt wird, 2 — 4 Teile 
auf 100 Teile Wasser, ^/j Proz. Glycerin mit einem kleinen Stück 
Sehne (ein kubisches Stück von etwa 1 mm Größe in jedem Glase); 
verdünnter Heuaufguß mit ^1^ Proz. Traubenzucker oder V5 ^^^ 
Milch sind die hauptsächlichsten Nährlösungen. Man kann konzen- 
triertere Lösungen gebrauchen, ich erzielte aber mit verdünnten 
bessere Resultate. Nach Filtrierung wurden diese Lösungen in die 
Gläser bis zu einer Höhe von 1 — 1^2 ^^ hineingefüllt. Meistens 
ist es zweckmäßig, die Flüssigkeit nicht zu hoch stehen zu lassen. 

Eine der Verunreinigungsquellen, welche man zu bekämpfen hat, 
sind Pilze, die durch den Wattepfropf hindurch wachsen, und auch dieses 
habe ich nicht verhindern können. Wenn Pilze in die Kultur hinein- 
gelangt und mit bloßem Auge nicht sichtbar waren, wurden in £s- 
marchröhren Kulturen gemacht von der unteren Seite des Watte- 
pfropfes, um zu bestimmen, ob die Pilze als Verunreiniger während 
der Untersuchung der Kultur hineingelangt, oder ob dieselben durch 
den Pfropf hineingewachsen wären, und stets stellte sich heraus, daß 
sie durchgewachsen waren. Glücklicherweise besitzen wir eine Me- 
thode, um uns der meisten Pilze zu entledigen, indem wir uns den Um- 
stand zu nutze machen, daß viele Pilze bei einer Temperatur von 
37® C nicht mehr wachsen. Man kann sich daher derselben entr 
ledigen, indem man die Kulturen in den Thermostaten setzt Amöben, 
Plasmodien und manche andere Protozoen gedeihen bei einer Tempe- 
ratur von 37 ^ C. 

Eine andere mögliche Verunreinigungsquelle sind Insekten, welche 



Ueber tMptlsehe ProtoKMokoltiireii und die dMu Ytrweiidetoii Methoden. 279 

durch den Wattepfropf hindurchkriechen und Bakterien u. s. w. mit 
sich hineinschleppen. Solche Kulturen sind zu verwerfen. 

Das Gelingen emer Protozoenkultur wird von der Oeschicklich«- 
keit in der Isolierung der einzelnen Formen, einer genaueren Kennt- 
nis ihrer Lebensgeschichte, dem gewissenhaften Studium der Beding- 
ungen^ unter welchen sie im Freien gedeihen, der richtigen Beurteilung 
des Eänflusses, welchen Bakterien auf ihr Wachstum ausüben und der 
rationellen Handhabung der Bakterien abhängen. 

Ich hatte beabsichtigt, einige der Metho<^, welche ich zur Iso^ 
UeruDg der Protozoen verwendet habe, kurz mitzuteilen, ziehe aber 
vor, damit zu warten, bis dieselben und die Bedingungen, unter 
welchen sie gedeihen, besprochen worden sind. 

Dm einen Begriff zu bekommen von deiyenigen Protozoenformen, 
welche man als Verunreinigungen aus der Luft zu erwarten hat, 
wurden 1890 einige mit sterilisierter Nährflüssigkeit gefüllte Gläser 
ungepfiropft der Luft ausgesetzt In den meisten entwickelten sich 
Pilze und Bakterien, in zweien Pleurokokken uud etwas, was sich als 
Plasmodien herausstellte. In diesem Falle entledigte ich mich der 
Algen, indem ich die Kultur ins Dunkle brachte; seitdem konnte 
ich dieselben stets auf diesem Wege los werden. 

1892 wurden diese Versuche mit einer größeren Anzahl Gläser 
wiederholt, von denen einige wenige Tage, die meisten aber einen 
Monat lang entkorkt ausgesetzt wurden. In denjenigen, welche wenige 
Tage ausgesetzt wurden, bekam ich Bakterien und Pilze, mit den 
anderen war ich glücklicher. Von 11 Gläsern, welche einen Monat 
lang aasgesetzt wurden, enthielten 4 Amöben, 1 Amöben und Mona- 
dmen, 2 Infusorien und 3 Zoosporen von Plasmodien. Alle beher- 
bergten Bakterien und einige Pilze, welche durch eine Temperatur 
von 37^ G entfernt wurden. 

Einige der Amöbenkulturen sind bis 25 mal umgepflanzt worden 
nnd sind jetzt noch im Gedeihen. 

Die Methoden, Plasmodien zu kultivieren und die erzielten Resul- 
tate sollen zuerst studiert werden, dann die Amöben und zum Schlüsse 
die ' Bakterien, welche in den Kulturen mit den Plasmodien und 
Amöben zusammen gefunden werden; die Ciliaten- und Flagellaten- 
knlturen sollen als Kontrollversuche angeführt werden, so oft dies 
erforderlich erscheint. 

Erhält man die Kulturen aus der Luft, dem Wasser etc., so 
würde man die Gegenwart vieler sehr verschiedener Bakterienarten 
erwarten, und dies ist thatsächlich der Fall. Ganz allgemein kann 
man sagen, daß einige Bakterien dem Gedeihen von Amöben, andere 
dem von Plasmodien günstig sind, während viele demselben schädlich 
sind. Ich habe Kulturen mit mir bekannten Bakterien und Amöben 
genommen und dann andere Bakterien zugesetzt und dann den guten 
oder bösen Einfluß derselben studiert. Beim Studium derartiger 
Formen ist es öfters notwendig, dieselben unter denselben Bedingungen 
zu haJten, um entscheiden zu können, ob man es mit denselben oder 
mit verschiedenen zu thun hat; sie werden dann' auf denselben Nähr- 
böden, unter denselben atmosphärischen Verhältnissen und unter den- 
selben oder ähnlichen Bakterienbedingungen gezüchtet Es wurde 
der Versuch gemacht, zwei verschiedene Amöbenarten in dieselbe 



2gO Cftsper O. Miller, Ueb« iMptiMfa« ProtoiMiikaltiriii «le. 

Knltiir hineinzabriogen (wobei dieselben so gewihlt warden, daß sich 
die Arten genfigend morphologisch anterschieden, damit sie nicht 
miteinander verwechselt werden konnten), wo sie dann unter genau 
denselben Bedingungen gezüchtet werden. 

Wenn hingegen AmOben sich untereinander so &hneln, daß die 
Untersuchung der Arten eine schwierige wird, ist es unzweckmäßig, 
dieselben in einer Kultur zu vereinigm; sie werden dann in ge- 
trennten Kulturen unter denselben Bedingungen untersucht Nur 
wenn man imstande ist, Amöben zu züchten und eine Methode besitzt, 
die einzelnen Spedes auseinander zu halten, kann man aus Kultor- 
tersuchen an parasitischen Formen wirklich positive Schlüsse ziehen« 

Zum Schlüsse sei es mir gestattet, Herrn Hofrat Bütscbli 
meinen innigsten Dank für mannigfaltige Förderung meiner Unter- 
suchungen und Belehrungen jeder Art auszusprechen, ferner auch 
den Herren Dr. Schewiakoff und v. Erlanger für die Unter- 
stützung bei meiner Arbeit und ihren Rat und Bdstand bei der An- 
fertigung meiner Mitteilungen zu danken. Endlich bin ich meinem 
Freunde, Herrn B. Lauterborn, für einen höchst reichlichen Vorrat 
an Protozoenmaterial verpflichtet, welches aus dem Altrhein von Neu- 
hofen stammt 

Ich hoffe, demnächst meine Arbeit über Plasmodien verOffent- 
lidien zu können, und die anderen sollen so rasch darauf folgen, als 
die Umstände es möglich erscheinen lassen. 

Juli 1894. 

Nachschrift Erst nach Absendung des Manuskriptes wurde 
mir der Anfeatz von Celli und Fiocca, Beiträge zur AmöbeD- 
forschung (Centralbl. t Bakteriol. Bd. XV. No. 13/14 p. 470) bekannt. 
Ich behalte mir vor, auf denselben in meiner ausführlichen MitteUang 
über Amöben genauer einzugehen. 

LtttentnrrtneioliBii. 
1) Anerbaoh, L., Ueber di« EinielUgkeit der AmISben. (Zdtsohr. f. wias. Zoologie. 

Bd. Vn. 1866. p. 891.) 
1) Hartwig, B. und Lester, B., CJeb«r Bbliopodoii vad dcnaolbon nAh«ftek«ndo 

OrganiamoD. (Arch. f. mikrotkop. AnAt Bd. X. 1874. Sopplem.) 
8) Loidj, J., Inst-wator Bhisopoda of North America. 1879. 
4) Cnnningham, D. D. , On the doYolopment of eertaiiii nueroscoplo orgenism 

oocorring in the intestinal canal. (Quart Joom. Microaoop. So. Vol. XXI. 1881.) 
8) Qraeai. B., Intomo ad alonnl Protisti endoparaasiüci* (Atti loa tt. so. hbU 

Vol. ZXIV. 188a.) 

6) Qrnber, A., Stadien fiber Amöben. (Zeitechr. f. wiss. Zoologie. Bd. XLI. 1885.) 

7) Kartnlis, Einig« über die Patbogeneie der DjsenterieamSben. (CeDtralM. f. 
Bakt o. Parasitenk. Bd. IX. 1891. Mo. 11.) 

8) Kartnlis, Ueber pathogeae Protoioen bei dem Menschen. (Zeltsshr. f. Hygieoe 
o. Infektionskrankh. Bd. XIU. 1898.) 

9) Sehnberg, A., Die parasitischen Amöben des menschlichen Darmes. (Centralbl. 
t Bakt. n. Parasitenk. Bd. XHI. 1898. Mo. SO.) 

10) K 1 e bs, O., Ueber die Organisation einiger Flagellatengmppen and ihre Besiebongen 
tn Algen nnd Infnsorien. 1888. 

11) Ogata, M., üeber die Beinknltor gewisser Protoioen. (CentralbL £ Bakt a. 
Parasitenk. Bd. XlV. 1898.) 



J. Jackson Clarke, ObserTAtions on th« Hit tology of Cftncer. 281 



Observations on the Histology of Cancer. 

By 
i. Jaekson Ctoke, M.B. Lond. F.R.aS., 

PaUiologiit to St. lUrj's Hospiua aad Aasittoot-Sorgaon 
at the North- Weit London Hotpitel. 

With 1 pUte. 

The qaestion of the presence and meaning of sporozoa m 
maligiia&t growths inereases in interest and the debates regarding 
the itiatiDCtiYe marks of the bodies which different authore regard as 
aporoxoa seem no nearer a conclosioD than they were two years ago. 
Tbiis, althoogh I have elsewhere ^) briefly expressed my Yiews, I 
thiDk it may not be oat of place if I give in more detail than I ha^e 
hitherto been ableto do, some of the data on which I have based 
cortam condosions. 

About 70 epidermoidal Cancers, which I have examined, gave me 
in every instance the same results, but in one of these growths owing 
to its looser textare the contrast between the heterologoas (parasitic) 
and the homologoas or tissne-cells, was more marked and hence I have 
seleeted this growth as the source of the illustrations, though all I 
have to say applies equally to all the growths I eumined. 

A lobulated tomoar as large as a cbestnut was removed by my 
friend Dr. Scanes Spicer from the front of the septum of the 
nose of a man aged eighty. In the pathological report on the growth 
written in May 1892 I stated that the tumour was a sqaamoas 
epithelioma and contained large numbers of sporozoa. I came to the 
coodosion that growth had its origin in the skin of the columna 
oasi The sporozoa I recognised in the sections were identical in 
all their more important features with the psorosperms I had pre- 
vioasly described *) in the human kidney and Ureter, I subsequentlv 
foond that in some of their phases the parasites were identical with 
those originally described byL Pfeiffer') and with those described 
bj L. Wickham^), and in other of their phases they are identical 
with some of the bodies, figured by Eorotneff^) and Eurloff). 

In preparing the sections a great variety of stains were used 
bot for convenience of Illustration and for other reasons which will 
appear I will with one exception confine myself to bodies as seen in 
sectioDs well-stained with the Biondi-Ehrlich-Heidenhain 



The various celMncIusions abondantly present in eyery section 
I have described sulficiently elsewhere and I will not occupy space 
by forther description but will confine myself to the bodies which in 

1) Jackson Clarke, MorUd growths and tporoioa. London 1898. 

t) Jackson Clarke, Transaetäons of the Pathological Societj of London. 189 t. 

3} L. Pfeiffer, Protosoen als Krankheiteesreger. 1891. 

4) L. Wiekham, Psorospermoses ootan^es. Paris 1890. 

6)Koratneff, Centralblatt ftir Bakteriol. o. Paras. 1893. Mar« 

•) Karloff, ibid. 1894. Mar. 



282 ^* Jaekson Clarke, 

epidermoidal caDcers constitate the greater part of so-called epithelial 
pearls. They are distingoished by uieir dense teztare, and tbeir high 
power of refracting light, as well as by their aize and staining reac- 
tions. In form they are most varied: round, oval| club-ehaped, 
branched and contorted elements appear in great nambers in every 
section. And this is trae of every epidermoidal Cancer I have eza- 
mined ; nay more, their homologues are present in Cancers of other 
kindSi breast, testis, ntems, and stomac^, as well as in the psoro- 
spermial cysts of the kidney and nreter. 

Before any histological elements can be satisfactorily discussed 
it is necessary to recall any previoas descriptions there may be of 
the elements in qaestion. Happily in the case of Cancer this is not 
difficult and I have more than once feit surprised that so few of the 
aathors who have come to conclude that sporozoa are present in 
Cancer have made clear the relation of the bodies they regard as 
parasitic to the descriptions of the older writers. 

The bodies to which I refer were first described byVirchow^) 
as epithelial cells in which endogenous cell-formation occorred and it 
is advisable here to recall the author's words. 

y ircho w in the same place also compared the mode of division 
of the brood-ceUs to the formation of poUen-grains, a simile which 
is remarkably soitable. 

Hansemann has described in epidermoidal Cancer irregulär 
mitoses which agree completely with forms I have observed in the 
free cells of which I am speaking, and this author has framed a 
hypothesis that irregulär mitosis leads to Üie formation of hypo- 
cbromatic nuclei which are associated with a loss of differentiation 
and a gain of independence on the part of the cancer-celL Hanse- 
mann has not however accounted for the „brood-celP. 

Amongst these bodies, generaUy regarded as degenerated cell?, 
are some which present indubitable mitotic figures with achromatic 
filaments >) such as the one shown in fig. 1. Such bodies certainly 
indicate vital ativity, and are I think incompatible with the idea of 
degeneration. 

Others of these free cells present another phase of mitosis such 
as is shown in fig. 2. The cyanophile and erythrophile portions of 
the nucleus are in the form of fragments rather than of filaments 
and the portion of the cell which immediately surronnds them no 
longer takes the red stain. 

Others against of these free bodies show a peculiar reticulation 
which usually Starts in the central part of the cell and shows signs of 
fragmentation into large divisions, ezamples of this phase of are shown 



1) Virehow, Virehow's Archiv. Vol. III. p. 221. ^En ist endlieh noch eine Er- 
scheinnng in erw&hnen, welche mit der endogenen Bildung beim Krebee maammenflUlt, 
nlmlich die Entstehong konientriseher Schichten am Bmtrinme. Inebesondere in 
epidermoidalen Krebsen und Cancroiden sieht man nicht selten eine Art Ton alTeollrem 
Bau, indem in einem Hohlräume entweder ein einiiger Bratraom mit endogenen Kör- 
pern (Fig. 5) oder ein ganses Nest kleinerer Bildungen (Fig. 6) sich beflndet, welche 
▼on konientrischen Schichten in Terschledener Mächtigkeit umlagert tfaid.'' 

2) The achromatic filaments are omitted in the flgure. 



Obserratloi» oa tbe HIstology of Cancer. 283 

in figs. 3 and 4. In tbe latter the transition from the redHStaining 
cell-protoplasm to the cyanophOe gninules is shown, also the for- 
mation of smaU fragments side by side with larger ones. 

flg. 5 illustrates a moBt important and in sqnamous epithelioma 
a conunon condition, tbat is tbe presence of both reticolar non- 
nndeated corpusdes certainly not leucocytes and of nucleated leuco- 
cytifonn corpnscles endosed by the remains of one of the red staining 
free-bodies. A similar condition from a hsematoxylin stained pre» 
paration I have described and figured elsewhere^) and L. Pfeif- 
fer^) bas also fignred a similar condition. From the study of a 
bürge nomber of Cancers of yarions kinds I have come to tbe con- 
dnsion tbat tbe leacocytiform corpusdes like tbe non-nudeated bodies 
are danghter-cells of Üie large red-staining bodies and not leucocytes. 
For, b^des the occurrence of such corpusdes side by side with the 
reticolate bodies within tbe same capsule (remains of the large 
red-staining bodies) there occur in support of the idea such bodies 
as are shown in fig. 6 as well as other appearances to be mentioned 
later. 

Fig. 6 represents two corpusdes lying side by side in a coUec« 
tion of similar free bodies. 

The lower of the two shows four of the leucocytiform bodies at 
the peripbery of one of the red-staining bodies. Are they phagocytes? 
Two dicumstances led me to conclude in the negative. First although 
tbe tissue bas been hardened in spirit and MOller and not fixed by an 
inatantaneous procesSi there is no indication of Separation between 
the corpusdes and remains of the original red-staining body but on 
the contrary there is distinct evidence of organic continuity between 
the corpusdes and tbe remains of the rednstaining body. In the 
second place the upper of the two elements in fig. 6 shows distinctly 
the formation of daughter-cells within one of the red-staining bodies. 
The oudei of these corpusdes their form and arrangement is not 
eompatible with their being leucocytes and is only compatible with 
their being the result of irregulär mitotic processes similar to those 
shown in figs. 1 and 2. 

Tbe most rudimentary dement which results from the subdivision 
of the red-staining bodies is a small granulär sphere 3—4 fi in 
diameter such as are shown in fig. 7. Mixed with these bodies are 
sometimes irregulär cyanophile filaments and sometimes leucocytiform 
corpusdes, as shown in fig. 7. The reaction of tbe granules to 
Biondi is red, the importance of this reaction is bowever not great 
because to add b»matoxylin their reaction is constanüy blue and 
when treated with iodine green by itself they stain intensely green. 
I re^rd these granulär spheres as homologous with bocUes I have 
described in other Cancers and with stages in the life-history of Goccid. 
Oriform, and of the Psorosperms of Ureter. They are certainly not 
leaoocytes nor have they ever been leucoqrtes which have undergone 



1) Jackson Clarke, Morbid growth« asd sporoioa. 1898. fig. 9. 
t) L. Pfeiffer, Untersuchungen fiber den Krebs. 1898. 



284 ^' JAekson Clarke, 

degeneratioo. The last portion of dead leococytes to remain is the 
nncleas wbicb is absent in the bodies in question. 

Another phase of sabdiyision of the free red-stainiog bodies is 
shown in fig. 8. This phase I take to be identical with that delineated 
by L. Wiclsham and which I bave described elsewhere^). The 
resttit of the sabdiyision leads to the formation of reticaiar bodies 
oval or round which stain deeply with nuclear dyes and some show 
a formation of a nnclens (as shown in fig. 9) apparenüy by conden- 
sation of chromatic filaments. 

In many of the capsules both red, green, and nncleated bodies 
are foond side by side, see fig. 9. This is only an example of 
the nncertainty of the reaction of the Biondi reagent; for as I 
have stated above both the reticular and the granulär bodies stain 
well with acid hsematozylin« The Biondi reagent has another serioas 
drawback in that it frequently feules rapidly. Thus all results ob- 
tained by the use of this stain should be chedced by the ose of more 
reliable reagents such as hsematoxylin and eosin. The great value 
of the Biondi reagent is in its giying good differential picturesfor 
demonstration. 

Perhaps the most convincing of all the appearences obtained in 
the study of squamous epithelioma are sudi as can be isolated by 
teasing änd have been described by L. Pfeiffer, Wickham and 
myself. To select two of these I would mention round doubly re- 
fracting capsules (see L. Pfeiffer, Protozoen als Krankheitserreger) 
fiUed with small round non-nucleated bodies, and besides these the 
irregulär branched sometimes longitudinally striated bodies well 
described by Eorotneff and Eurloff (I showed drawings of the 
same bodies to the Pathological Society in 1892), may be isolated 
and shown to be breaking up into the same round granulär bodies. 

Fig. 10 represents a body of this kind which I have demonstrated 
to the above-named society >). The body was isolated from a teasing 
made from a piece of tissue stained in bulk with borax-carmine. 
The granulär bodies are about equal in size and none of tbem 
appear to have definite nuclei. Thus it will be seen that whUe I 
agree with Eorotneff that the large irregulär bodies are parasites, 
the phases of sporing I have met with differ Crom those described 
by this distinguished biologist As I found in the so-called psoro- 
sperms of the human ureter ^) so in the squamous epithelioma and other 
Cancers the elementary swarm-spore in a granulär oorpuscle which 
is frequently devoid of a nudeus. These granulär spores mixed with 
leucocytes form the Contents of the broken-down epithelial pearls of 
squamous epithelioma. 

I would here explain that I employ the term spore in a wide 
sense, to include both sporogonia and spores proper. There is at 
present no safe ground for absolute destinction of Üiese structures. 

The study of secondary growths in lymphatic glands gives fartber 



i! 



Abstraet of paper. (Brit. Med. Joarn. 189S. Dec. M.) 
AlMitrMt (Brit Med. Jonm. iS94. Uay 19.) 
8) Jackson Clark«, Path. See. Trans. 1891. 



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ObMrratioiu ob tbe fliitologjr of Cuiear. 286 

Support to the view that many cells in canceroas growths closely 
simalate leococytes bat are seen to resalt from the snbdmsion of 
8(KiUed caDeer-cells. In glanda infeeted from canceroas breaata 
the km of sabdivision of the parasites osoally resemblea that 
shown in tbe apper of the two elements in fig. 6 bot in the case of 
ghods infeeted from epidermoidal Cancer the mode of subdivision 
Bore commonly resembles that shown in fig. 6 and the study of the 
adTudog edge of the growth in sach ceUs strongly Supports the 
Tiew of L. Pfeiffer, namely that the sporozoa of Cancer are poly- 
phagoos in tbe same seose as myxoeporidia, sarcosporidia etc. and 
that 10 oome eases the parasites invade and destroy tissnes indepen- 
dently of epithelial cells. And thongh it has been shown that epi- 
thelial emboli may easily be detached from canceroas (prowths the 
coDtemplation of the eartiest fod of secondary growths in Omentum 
Shows that the fod are composed of small roond cells which have 
sooe of the distinctive characters of epithelium. I condosion I would 
express the opinion that it is no argument to dispose of the bodies 
I haye described in this paper by terming them pseodo-cocddia 
•8 has been done by Metscbnikoff« 

If the parasites of Cancer were known to be cocddia this course 
vodld be open, bat there is every reason to beliete that the sporo- 
zoa of Cancer ave not cocddia in Uie biological sense of the word. 
DoriBg the last three years I have frequently kept slices of Cancer 
in moist Chambers for different periods of time and in one instance 
only have I met with a body resembling an encapsuled cocddium 
oviforme. This was in an epidermoidal Cancer which had been in a 
Petri dish for six weeln. This cocddiumlike body showed no forma- 
tioD of lasting spores. 

1894, July 3. 



of SfVMI. 

FS|. 1. Ftm pftradto sbowiag mitotie MÜTity. 

rif. S. FrM ptruito thowing m form of dubImt MtlTlty with the p rw ncd of 
cTuopUI« lud «lythrophUe gnaolM. 

^. 8. FrM pATAtito ihowing eyanophU« grannlM urangMl lo foar maaMt. 

rif . 4. A bo47 slBdlir to ''S" sbowing orTthropUle to eyuiophUe partielos «nd 
^foTMiira of grAonlor bodloi. 

Hf. a. ▲ froo ptfMito rabdivldiiig lato leacooTtiform «ad graniüAr bodioo, tbo 
littir iro foapo— d throngboiit of a mlztnro of red and blve granulet bat witbont a 



rif. 6. Two fro« pa ra ittn, tbo nppor odo dhridliig into rouad dangbtor-oolJa, tbo 
^w OM dSvidiag into lottcoejtiform oolbi and ilmalatlng pbagooytoii«. 

^. T. A froo parasito dlridod bita granulär **iporoa" moot of which aro otainod rod. 

Vif. 8. A liinilar parasito with roticolar sporot stainod groon. 

'^ f • A parasito similar to that shown in Bg. 8 partielos of tbo original motbor- 
pvuili rmala among tbo groon '«sporos". 

^- 10. An irrsgttlar parasito sabdivldlng lato granulär sporos, iiolatod by toasUig 
^ ft ipsciMa staiaod with boraz-eanniao. 

▲n Um agnros war« drawa with Zeiss's Vit ^^* olMam. Zolss oo. 8 aad all 
^**^ tkst tbowa in Sg. 10 wart stidaed with nioodi. 



286 A. Looss, 



Bemerkungen zur Lebensgeschiohte der Bilharzia hae- 
matobia im Anschlösse an G. Sandison Brook's 
Arbeit über denselben Gegenstand ')- 

Von 

Dr. JL. liOOBS 

in 

Leipzig. 

Dr. Brock, praktischer Arzt in Bustenburg im Transvaal, 
Südafrika, berichtet über seine Beobachtungen und Erfahrungen über 
die Bilharziakrankheit an dem ton ihm bewohnten Orte. 

Die Arbeit zerf&Ut in eine Anzahl von Abschnitten, von denen 
diqenigen über die pathologischen Effekte des Parasitismus der 
Bilharzia, über Symptomatologie, Diagnose, Prognose und Behand- 
lung vorwiegend medizinisches Interesse bieten und hier außer Be- 
tracht bleiben kOnnen. Als Punkte von allgemeinerer Bedeutung 
seien daraus nur hervorgehoben, daß die Prognose nach des Verf/s 
Erfahrungen nicht so ungünstig ist, wie in Aegypten, da die Wir- 
kungen der Bilharziose in dem Bustenburger Distrikte nicht so 
schwere zu sein scheinen. Bemerkenswert ist ferner noch die Angabe, 
daß die an der Hämaturie Leidenden von den Lebensversicherungs- 
gesellschaften nicht zur Versicherung angenommen werden. Was die 
Behandlung anlangt, so hat Verf. mit den bis jetzt vorgeschlagenen 
Mitteln zur Entfernung der Parasiten (Terpentinöl, einer Mischung 
von diesem mit Extr. filids maris) keine Erfolge erzielt, was bei 
dem geschützten Sitze derselben nur zu wohl begreiflich ist; er 
beschränkt sich hauptsächlich darauf, für die einzelnen Symptome 
lindernde Mittel zur Anwendung zu bringen. 

Ich bin nun der Ansicht, daß bei dem gegenwärtigen Stande 
unserer Kenntnisse von der Lebensgeschichte des Parasiten das 
letztere Verfahren das einzige ist, welches stets Aussichten auf Erfolg 
bietet, wenn auch nicht solche auf radikalen Erfolg. Eine rationelle 
Therapie in der anderen Bichtung, die also auf Entfernung der 
Würmer aus dem Körper ausgeht, dürfte ohne genaue Kenntnis der 
Inkubationszeit der Krankheit und der Lebensdauer der Würmer in 
wahrscheinlich sehr zahlreichen FlQlen von vornherein vergebens 
sein, und zwar deshalb, weil meinen eigenen Erfahrungen nach die 
Gegenwart der Schmarotzer und das Auftreten der Symptome des 
Leidens zeitlich durchaus nicht immer zusammentreffen. 

Naturgemäß, daß nach der Infektion immer erst eine Zeit ver- 
streichen muß, während welcher das Heranwachsen der Parasiten zur 
(jeschlechtsreife, die Produktion der Eier und die Ansammlung und 
der schließliche Durchbruch derselben in die Hamorgane erfolgen; 
die Krankheitserreger müssen also augenscheinlich schon längere 
Zeit vor Beginn der eigentlichen Krankheit im Körper anwesend 
sein. Andererseits aber deutet der gar nicht seltene Befund, daß 

1) On the Bilhftriia haanifttobift. (The Journal of Pathologj and Bactorio- 
logy. Vol. II.) Bdinbnrgh and London (Tonng J. Pentland) 1898. 



Bamerkimg«!! lor LebensgMchiohte der BilhanU haematobi» eto. 287 

bei sehr stark affizierten und tiefgreifende Veränderungen zeigen- 
den iQdividuen bei der Sektion doch nur ganz wenige oder aber nur 
junge, noch nicht geschlechtsreife Würmer vorfindet, mit 
Bestimmtheit darauf hin, daß die Krankheit des Trägers die An- 
wesenheit der Krankheitserreger weit überdauert, worauf übrigens 
Tcnnatongsweise schon Leuckart hinweist^). Unter solchen Um- 
standen kann es sehr leicht kommen, daß eine Behandlung, die auf 
eine AbtOtung und Entfernung der Würmer in den GefäJßen hin- 
arbeitet, erfolglos ist und bleibt, weil diese, obwohl sie die Krankheit 
Temrsachten, doch bereits wieder abgestorben und aus den Gefäßen 
TQ-schwunden sind. So muß es dann hier von großer Bedeutung 
fldn, die Inkubationszeit der Krankheit und die Lebensdauer ihrer 
Erreger zu kennen. Bisher sind über beide nur Vermutungen laut 
geworden und auch diese differieren ansehnlich unter einander. Wäh- 
rad Hatch*) nicht mehr als 4 Wochen von der Infektion bis zum 
Auftreten der ersten Krankheitserscheinungen rechnet, nimmt Brock 
auf Grund seiner Erfdirungen 4 Monate an; über die Lebensdauer 
der Würmer hat sich nur Sonsino geäußert, der sie auf 2— 3 Jahre 
schätzt, ohne Gründe für diese speziellen Zahlen anzugeben. Ich 
selbst möchte die letztere nach dem, was ich gesehen, auf nicht 
mehr als 1 Jahr, ja vielleicht noch auf weniger schätzen, und zwar 
vorwiegend auf Grund der Thatsache, daß mir während des ganzen 
Winters (Oktober bis März) nicht ein einziges Individuum des Wurmes 
aofgesloßen ist, welches im Vollbesitze der geschlechtlichen Beife 
gewesen wäre Weder traf ich ein Männchen mit gefüllter Samen- 
blase oder überhaupt reifen Spermatozoon, noch Weibchen mit reifen 
Eiern im Uterus oder Samenfäden in ihren Geschlechtswegen. Es 
waren alles ohne Ausnahme noch jüngere Tiere und sie erweckten, 
da sie außerdem meistens ungefähr gleich alt erschienen, den Ein- 
drodc, als liege die Periode ihrer Einwanderung in den Menschen 
nicht weit zurück und als sei sie überdies der Dauer nach nicht 
allzu ausgedehnt Genaueres hierüber läßt sich zur Zeit freilich noch 
nicht sagen; ganz im allgemeinen aber kann ich mir, um auf die 
Therapie zurückzukommen, von einer solchen, die, nachdem die 
Symptome des Leidens einmal vorhanden sind, auf AbtOtung und 
Entfernung der ausgebildeten Würmer aus dem KOrper hinarbeitet, 
nicht viel Erfolg mehr versprechen, da in letzter Instanz ja nicht 
eigentlich die Würmer, sondern ihre Eier die Ursache der Krankheit 
bilden. Sowie diese aber einmal abgelegt und in die Gpewebe über- 
führt sind, ist das UnglQck geschehen; die Aussicht auf Erfolg in 
der in Bede stehenden Bichtong wird um so geringer, je weiter das 
Leiden vorschreitet und je länger es dauert Nun sucht aber bekannt- 
lich, in Aegvpten wenigstens, kaum jemals ein an Hämaturie Leiden- 
der anmittdbar nach dem Auftreten der ersten Symptome den Arzt 
auf; in den meisten Fällen wird die Sache hängen gelassen, bis 
sdiwere ond schwerste Folgeerscheinungen sich dazu gesellen; dann 
aber scheint mir die von Brock befolgte Heilmethode entschieden 
den Vorzug zu verdienen. 



1) FanitltoD das HeoielMo. II. Aufl. Tr«mttodeo. p. 6S4. 
t) Th« LAno0t. 1S87. p. 876. 



288 ^' Loosi, 

Das, was ich hier sagte, hat allerdings nar Geltung fttr den 
Fall eines einmaligen Importes der Wormlceime in den Körper. Aq 
den infizierten Lokalitäten wird es aber in weitaus den meisteii 
Fällen dabei sein Bewenden nicht haben; die Verhältnisse lieget 
yielmehr so, daß die Einfühmng der Parasiten immer weiter fortn 
schreitet, sei es kontinnierlich, sei es in Intervallen. Es ist dabei 
sehr wahrscheinlich, dafi gar nicht selten der Parasitentrfiger selbst 
mit der von ihm ausgebenden Brut sich neu infiziert; freilich nich^ 
in der Weise, wie es Harley, Sonsino and Brock annehmeDj 
daß die Eier im Körper verharren and sich dort direkt weiter ent^ 
wickeln, sondern immer nur so, daß die jungen Würmer nach Ablauj 
ihres fi«ien Lebens wieder von demselben Lidividuom, das sie nach 
außen bef&rderte, aufgenommen werden. Die Gelegenheit dazu ist^ 
wie wir bald sehen werden, sehr oft und sehr reichlich gegeben. 

Auch hier wird aber eine auf Entfernung der WQrmer hinzielend^ 
Therapie bezOglich ihres Erfolges immer unsicher bleiben; dagegeii 
gewinnt eine rationelle Prophylaxis die höchste Bedeutung. Si4 
läßt sich aach ohne genauere Kenntnis der Lebensgeschichte unsere^ 
Parasiten schon jetzt bewirken durch möglichste Unschädlichmachang 
der nach außen gelangenden Wurmeier. Es sollte, mit anderen 
Worten, von den Aerzten, wie Oberhaupt allen intelligenten Bewohnern 
der infizierten Länder, möglichst dahin gewirkt werden, daß die an 
Hämaturie Leidenden ihren Urin niemals in da^ 
Wasser abgeben, sondern immer an abgeschlossene oder trockene 
Orte, wo den Embryonen das Ausschlüpfen aus ihren Eihüllen oni 
möglich ist Ich komme weiter unten hierauf nochmals zurOck. 

Im Gegensätze zu den oben aufgezählten Abschnitten der Arbeit 
Brock 's haben nun die flbrigen Aber Aetiologie, Prophylaxis und 
Anatomie der Bilharzia auch zoologisches Interesse; freilich betritt 
der Verf. in seiner Eigenschaft als praktischer Arzt hier ein ihn! 
augenscheinlich fremdes Gebiet und er ist bei der Abfassung besonders 
des zuletzt genannten Abschnittes nicht glücklich gewesen. Er kennt 
mit Ausnahme der englisch geschriebenen, weder die Litterator, wa^ 
bei seinem entlegenen Aufenthaltsorte allerdings begreiflich und wohl 
auch entschuldbar ist, noch hat er von der Organisation der Tremas 
toden und ihrer Embryonen, über deren einen er schreibt, die geringst! 
Ahnung. So kommt es, daß seine Beschreibung des Bilharzia^ 
embryoe, obwohl ihr eine augenscheinlich gute und sorgsame Be^ 
obachtung zu Grunde liegt, doch als eine durchaus verfehlte bezeichnet 
werden muß. Da es nun bei dem großen Interesse, welches die 
Bilharziafirage gesenwärtig auf sich gezogen hat, sehr leicht mögJ 
lieh ist, daß diese fehlerhaften Angaben in der Litteratur Eingang 
und Verbreitung finden, so dürfte eine schleunige Richtigstellung am 
Platze sein. Ich halte mich zu einer solchen um so mehr für be^ 
rechtigt, als ich, dank der Liebenswürdigkeit des Herrn Dr. Schieße 
Bey, Chefarztes des Regierungsspitales in Alezandrien, längere 2^i( 
hindurch reichlich Gelegenheit gehabt habe, unsere Tiere zu studieren 
und auch über ihren Bau zu voller Klarheit zu kommen ^). 



1) Vergleiche hieran aach meine knrse HltteUnng, die ron Herrn Oehoimrat 
Lenckart in seinen „Parasiten des Menschen" p. 510* yeröffenüicht worden ist. 



ficmarkttiigeti »ur tiel>«iifgeMiiiAlkto d«r fiUhanU hMtnatobU etc. S(g$ 

Brock giebl zunAcfast an, unter den mit dem Urine der 
Kranken abgegangenen Eiern des Wurmes — nur diese konnte er zu 
seinen Untersuchungen benutzen — alle Entwickelungsstadien an- 
gelnden zu haben (1. c p. 6 S.-A.). Ich konnte in meiner früheren 
Pnblikatioo (p. 521*), zu der mir bloß eine vorläufige Mitteilung 
Brock's über seine Untersuchungen vorlagt), hierzu nur bemerken, 
ds8 mir solche niemals zu Gresicht gekommen seien. In der aus- 
fiährlichen Arbeit giebt Verf. Abbildungen solcher ««Entwickelungs- 
atadien^ and diese lassen mit aller Deutlichkeit erkennen, daß es 
sich in ihnen nicht um Entwickelungsfonnen mit ,^örniger Embryonal- 
miase^, sondern um abgestorbene und mit körnig-kalkiger Detritus- 
misse gefüllte Eier handelt, wie sie bis jetzt von allen Beobachtern 
hiofig und regelmäßig sowohl in dem Urine, als auch in den Ge- 
weben der Bilharziaträger aufgefunden wurden; andere Formen, 
deren Inhalt auf einem „vorgeschritteneren^ Stadium der Klüftung 
stdien sollen (1. c. Taf. VUL Fig. 2 B), sind Zwischenformen, die 
angenacheinlich später abgestorben und noch nicht völlig verkalkt 
and zerfallen sind. Die mit dem Urine abgehenden und einen noch 
lebendigen Inhalt besitzenden Eier zeigen diesen ausnahmslos als 
bereita wohl entwickelten und zum Ausschlüpfen fertigen Embryonal- 
körper. 

Die Größe der reifen Eier wird von Brock auf Vi8o~Vi6o Zoll 
in der Länge und Vss5 Zoll in der Breite angegeben, was nach der 
Umrechnung in das in der wissenschaftlichen Welt soust gebräuch- 
liche Maßsystem 0,14—0,16 mm, bezüglich 0,079 mm ergiebt. Diese 
Maße sind für die Bilharzien Aegyptens entschieden zu klein; die 
Eier der letzteren messen nur selten unter 0,2 mm in der Länge und 
0,081 mm in der Breite. Ob sich aus diesen Größeountersdiieden 
(yoraoBgesetzt, daß bei den Brock *schen Messungen kein Fehler 
ontecgelaufai ist) eine Verschiedenheit der die Eier produzierenden 
Warmer herleiten läßt, scheint mir zum mindesten fraglich; immerhin 
tber dürften sie bis auf weiteres nicht aus dem Auge verloren werden. 
Dtf Endstachel, der nach Brock 's Erfahrungen wie nach den 
laeinigen bei den mit dem Urine abgehenden Eiern ausnahmslos end- 
stiadig ist, soll 0,0127 mm, also den zehnten Teil der Gesamtlänge 
des Eies messen, wogegen ich ihn nicht länger als 0,00ä mm antraf, 
vss ungefähr dem 24 Teile der Gesamtlänge entsprechen würde. Auf 
den Zeichnungen Brock's zeigt nun der Stachel im Gegensatze zu 
dem Texte V^ — ^/8 6 ^^^ Eilänge, was im Durchschnitte allerdings 
OKhr zu gunsten meiner Messuogen spricht Die im Innern der 
Schale gelegene Hüllhaut des EmbryonalkOrpers hat Brock richtig 



Was das Aeußere des Bilharziaembryos anlangt, so hat der 
Verl außer den eigentlichen Flimmerbaaren auch die von mir be- 
schriebenen zwei Beihen stärkerer Zäpfchen beobachtet, die er als 
starre Filamente bezeichnet und für „Reste von Ligamenten^^ ansieht, 
,jdt denen der Embryo an seiner Hülle befestigt war^^ (p. 8 S.-A.). 
Daß eine solche Verbindung existiert, ist bis jetzt nicht erwiesen und 



1) ABalomy and Phytlology of th« BUhaniA-oTum. (The Lancet. 1805. p. 68S.) 
xw.ni. ^^ 



S90 A todsÄ, 

dürfte Dach dem, was wir von den anderen Trematodenembryonen 
wissen, kaam irgend welche Wahrscheinlichkeit Ar sich haben, ja 
direkt anwahrscheinlich sein. Zwischen diesen steifen H&rchen sollen 
sich Beihen seitlicher Oeffnungen befinden, durch welche 
glänzende Körnchen ausgestoßen nnd in den Zwischenraum z?ri8chen 
EmbryonalkOrper und HOllhaut üborfOhrt werden. Auch größere 
„globules^ sollen aus ihnen hervortreten, und so kommt Verf. zu der 
Vermutung, daß die ezcretory ducts in ihnen sich öffnen, und daß 
von ihnen the function of an anus seems to be performed (p. 9 S.-A.). 
Die beigegebenen Abbildungen (Fig. 11. Taf. IX. Fig. 15, 16, 17. 
Taf. X) lassen nun deutlich erkennen, daß wir es in ihnen mit nichts 
anderem zu thun haben, als mit den oben beschriebenen „starren 
Filamenten'V den auch von mir beschriebenen zwei Beihen von 
stärkeren Zäpfchen, welche, wie ich schon früher mitteilte, bei 
längerem Liegen und allmählichem Absterben der Embryonen an- 
schwellen und zu knöpfchen- oder bläschenartigen Bildungen werden, 
aber mit wirklichen Oeffnungen nicht das geringste zu thun haben. 
Die „glänzenden Körnchen^, welche frei in dem Innenraume zwischen 
Embryo und Schale angetroffen werden, treten, wie schon Sonsino 
richtig beobachtet bat, nicht durch diese „Oeffnungen*^ sondern durch 
den Mund nach außen hervor. Außer diesen „apertures^ und der 
Mundöfinung, die Verf. richtig gesehen hat, beschreibt er weiterhin 
noch am Hinterende eine slight depression; er konnte bei ihr aber 
weder eine Verbindung mit dem Darmapparate konstatieren, noch 
erkennen, daß durch sie irgend etwas nach außen hervorgestoßen 
wurde. Er hält diese Einkerbung demnach nur fQr eine rudimentary 
structure, or it may be that it is an open „foramen caudale^^ da die 
Wa8serg:efäße beider Seiten sehr nahe bei ihr verbunden sein sollen. 
Auch diese problematische Oeffnung existiert in der That nicht; 
außerdem unterscheidet aber der Verf. augenscheinlich zwischen 
excretory ducts und water vascular vessels, von denen die ersteren 
in der seitlichen, letztere in der Gaudalöffnung mit der Außenwelt 
kommunizieren sollen. Daß zwei derartig getrennte Gefäßsysteme 
bei den Trematoden nicht existieren, ist seit den Zeiten van Bene- 
den's bekannt^); auch sonst sind des Verf.*s Kenntnisse tiber den 
Bau des Exkretionsapparates bei den Trematoden und speziell deren 
Embryonen nur schwache. Er läßt es an der Mundpapille beginnen, 
um deren Basis herum ein Binggefäß gelegen sein sdl (p. 10 S.-A.). 
Von dem Binggefäße aus steigt jederseits ein Gefäß nach abwärts; 
beide sollen sich in der Nähe des problematischen Gaudalporus ver- 
einigen und vorher emige anastomosierende Zweige abgeben, welche 
ramify over the whole body and specially concentrate and arrange 
themselves around four particular points, placed in pairs. Während 
des Lebens ist an diesen 4 Punkten a rhythmical oontractile move- 
ment, augenscheinlich in a short tube near the dorsal surfaoe of the 
embryo, zu beobachten; die Bewegung hat aber nichts mit der Be- 
wegung der Cilien zu thun, welche oft in Buhe sind, während die 
kontraktilen Organe eine lebhafte Thätigkeit erkennen lassen. Verf. 

1) Bulletin de l'acad. toj. des sc. de BmxeUes. T. XIX. 186S. 



BMMrknngen nur LebraigMehiobte d«r BilhAnU hMoiAtobU etc. 291 

ist der Anrieht, daß sie wahracheiDlich dazu dienen to propel a 
MNaiahing fluid tbroagb the water-vaacular-system and perhaps also 
to establish oommonication between that System and the fluid in 
which the embryo swims. Er glaubt oft auch einen Kanal von jedem 
kontraktilen Organe nach der nächsten „lateralen Oeffnung^' hin 
beotMchtet zu haben, ohne freilich von einer Girkulation selbst irgend 
etwas bemerken zn kOnnen. 

Es ist ohne weiteres klar, daß mit den 4 Punkten mit ihrer 
Rhythmischen Kontraktionsbewegung'* die 4 Flimmertrichter des 
Bilharziaembryos gemeint sind, von deren Auftreten bei den 
Trematodenembryonen Verf., obwohl sie seit 1859 (Thiry) resp. 
1863 (Leackart) bekannt sind '), augenscheinlich noch keine Kennt- 
nis hat Die Angaben über den Verlauf der Gefftße sind ebenfalls 
znm größten Teile irrtümlich; es existiert weder ein Gefftßring um 
die Basis der Mundpapille, noch Anastomosen resp. ein „Netzwerk** 
der LAngsgeC&ße untereinander, noch endlich eine Vereinigung der- 
selben an dem hinteren Körperpole. Jedes der LängsgeQLße hat viel- 
mehr eine separate seitliche Mündung kurz vor dem Hinterende des 
Leibes; es geht von da aus in Windungen ein Stück nadi vom, dann 
wieder bis hinter die Oeffoung zurück, endlich wieder nach vorn, 
um rieh nunmehr in 2 Aeste zu spalten, welche schließlich in den 
Flimmertrichtem endigen. 

Nicht minder irrtümlich sind die Angaben, welche Brock über 
den Dannapparat der Embryonen macht. Die Mundöffnung hat er 
richtig gesehen und l&ßt an rie einen distinct Oesophagus sich an- 
schließen, der nach hinten in the large stomach endigt, which occnpies 
part of the middle division of the embryo and terminates behind in 
a Wide tube. This tube is very indistinctly differentiated und 
scheint nach einem kurzen Verlaufe, fast unmittelbar nach seinem 
Henrortreten aus dem Magen, to bifurcate (p. 10). Verf. giebt an, 
den Anblick dieser Teilung so oft bei seinen Exemplaren gehabt zu 
haben, daß er sich von ihrer ihatsächlichen Existenz in allen Fällen 
voll flberzengt fühlt Was aus diesen beiden Darmschenkeln weiter 
wird, hat er mit Sicherheit nii^ends gesehen, nur einmal bemerkte 
ar dieselben im Hinterende so weit einander sich nähernd as if about 
to reonite; weiter freilich konnte er sie auch hier nicht verfolgen. 
So kommt er zu dem Schlüsse, daß considering the manner in 
whidi excretion takes place^ it is at any rate unlikely ^at they 
tenninate in a Single anus at the posterior extremity of the body 
(p. m 

Mb läßt sich nun auch hier nicht direkt sagen, daß des Verf.^s 
fieabochtungen mangelhafte wären; es ist mir, der ich mich mit dem 
Stadium unserer Tiere selbst eingehend und längere Zeit befaßt habe, 
aus eigener Anschauung vielmehr alles das bekannt, was Brock 
gesdien zn haben angiebt und seine vielfach irrtümliche und fehler- 
hafte Deutung des Beobachteten hat ihren Grund wiederum nur in 

1) Thirj» Beiträge sar KenntnU das Cercarift macrooerc«. (Zeikschr. f. 
wltemifh 2ool. Bd. X 1869. p. S71.) — Lanekart, Die menschlichen Parasiten. 
Le^^ ■. Heidelberg 1S6S. Brsterer fiuid sie bei den Keimschliaohen und Cerearien, 
bei den Bmbrjoneo des Leberegels laerst auf. 



29S P. 1 d« MasAilia«!^ 

der uDzureichenden Kenntnis der OrganisatioD der Formen, die ei 
beschreibt In Wirklichkeit liegen die Verhältnisse folgendermaBen: 
Er bat zunächst den Nervenknoten, welcher über dem Ende des ein- 
fach schlauchförmigen Magensackes liegt, gänslich fibersehen oder ihn 
vielmehr dem letzteren zugerechnet, verfuhrt durch die scharfe 
hintere Begrenzung des Knotens and die im Verhältnis stark körnige 
Beschaffenheit seiner Zellen, die ihn dem körnigen Inhalte des Magens 
bis zu einem gewissen Grade ähnlich machen. Der large stomach, 
von dem Brock spricht, ist also nichts anderes als der Nervenknoten 
des Embryos, während der eigentliche Magen des letzteren von 
Brock als Oesophagus gedeutet wurde. Auch die problematische 
Gabelung des Darmes kann man gar nicht selten wiedererkennen^ 
dann nämlich, wenn von dem Keimlager im Hinterende des Embryonal- 
körpers aus ein größerer Ballen in der Leibeshöhle so sich nach vorn 
schiebt, daß er den Nervenknoten nicht ganz erreicht und zwischeu 
seiner und der Leibeswand jederseits einen Zwischenraum frei l&ßt. 
Da weiter hinten der Leibesinnenraum völlig von den Keimzellen 
erffillt wird, so begreift es sich sehr einfach, daß Brock seine so- 
genannten Darmschenkel zwar vorn deutlich begrenzt sah, sie aber 
nach hinten zu niemals weiter verfolgen konnte. (SdiiaS folgt) 



üeber einen Strongylus in der Niere des Schweines 
(Sclerostomam pinguioola Verr. — Stephanuras den- 

tatas Dies.). 

Von 

Dr. P. 8. de Hagalhies, 

Professor in dar medisinischen FaknlUt in Rio de Janeiro. 
Mit 1 Figur. 

Ich verdanke das Material, welches mir zur Ausarbeituog der 
folgenden Notiz gedient hat, dem H. Dr. Moraes Barros, einem 
meiner früheren Schflier, welcher mir schon vor l&ngerer Zeit mit- 
geteilt hatte, er habe in den Nieren der in Piracicaba (S. Paulo) 
geschlachteten Schweine kleine Nematoden gefunden. Er sendete 
mir auf meine Bitte einige Exemplare zur Untersuchung uod fQr 
meine Sammlungen. 

Im vergangenen Februar erhielt ich zwei kleine Flaschen, von 
denen die eine vier vollständige Nematoden, die andere nur Bruch- 
stücke der Würmer enthielt, aus Maogel der zur Erhaltung an- 
gewendeten Flüssigkeit. 

Von den vier wohl erhalten angelangten Nematoden waren zwei 
weiblichen, die beiden anderen mftnnlidien Geschlechts. Die letzteren 
waren 19 und 17 mm lang und 2 mm dick, die beiden Weibeben 
23 und 25 mm lang und an der dicksten Stelle von S mm Durch- 
messer. Das Maß der Eier betrug 0,08 und 0,04 mm. Sie waren 
von länglich ovaler Gestalt. 



Uttber «inen Strongyliu in dir Mkre d«t Schweines etc. 



293 



' Die Größe dieser Parasiten, das Tier, welches sie beherbergte, 
die Organe, in welchen sie lebten, und das Land, aus welchem sie 
kirnen, alles dies mußte mich sogleich an den Stephanurus 
dentatus Diesing denken lassen. In der That wurde diese Diagnose 
, durch einige ihrer Charaktere bestätigt, während andere sich in 
\ ^oUkommenem Widerspruche mit der klassischen Be- 
schreibung des Stephanurus dentatus D. befanden, so daß 
ich eine genauere Untersuchung anstellen mußte. Aus meinen Be- 
obacbtnngen mußte ich schließen, daß ich es entweder mit einer 
anderen Art zu thun habe oder daß die Beschreibung von Diesing 
nicht ganz genau sei. 

IMe Nematoden, welche 
ich Tor mir hatte, waren von 
cylindrischer Gestalt ; bei 
zweien davon, einem Ifänn- 
chea and einem Weibchen, 
ist der Körper nach vorn 
verschmälert; die beiden 
anderen dagegen, eines von 
jedem Greschlechte, waren im 
Gegenteil nach hinten dün- 
ner. Der Mund ist kreis- 
f&rmig; er folgt auf eine 
Höblang, deren Umkreis ein 
wenig unter seinem Rande 
mit sechs kleinen, paarweise 
gestellten Zähnen versehen 
ist. Die Mundöffnung Hegt 
von der Längsachse des 
Körpers des Nematoden ein 
wenig entfernt, indem das 
Kopfende ein wenig ge- 
beogt ist. 

Das Schwanzende des 
Weibehens ist stumpf, en- 
digt aber in eine mediane, 

s^abelftrmige Spitze; an jeder Seite findet sich eine große An- 
sehwellnng von blasigem Aussehen. Der Schwanz des Männchens 
ist nicht ganz gerade; an seinem Ende ist er ein wenig gekrümmt 
Die ziemlich stark entwickelte Bursa ist mehrlappig; sie besitzt 
b^6 symmetrisch angeordnete Lappen. Zwei von den Rippen 
d» Bursa sind dreiteilig, zwei andere zweiteilig, die übrigen 
einfiach. Ihre genaue Untersuchung verlangt eine vollständige Ent- 
faltung der Bursa, was ich nidit habe erreichen können. Da 
ich die vollständigen Exemplare, welche ich besaß, nicht aufopfern 
wollte, mußte ich zur Untersuchung der Einzelheiten die erhaltenen 
Fragmente benutzen. Es ist sehr leicht, das Vorhandensein von 
zwei einander ähnlichen und gleichmäßig entvnckelten Spicula 
festzustellen ; diese Organe sind sehr schwach gekrümmt, fast gerade ; 
dn jedes ist von einer häutigen, hyalinen Kapsel umgeben. Die 




Männlicbea SehwanseDd« yod Sclerostomam 
pingaicolfti Yon t. Linstow ges. 



294 P- 8. d« Mftgftlhaes, 

Spicola zeigen in ihrer ganzen Länge, mit Ausnahme ihres leicht 
aufgetriebenen, spindelförmigen Endes und der Umgebung desselben 
auf den Seiten ihrer leichten Krümmung einen schmalen Flfigel, 
welcher aus einer zusammenhängenden Reihe zarter Cilien, ähnlich 
einer Franze, zu bestehen scheint. Die Ausdehnung der Spicola ohne 
die Gilien beträgt 0,06 mm. Die ganzen Spicula sind 0,8 mm lang 
und an der Basis 0,021 mm dick. 

Wenn die Bildung des Kopfendes unseres Nematoden mit der 
klassischen Beschreibung flbereinstimmt, wenn der Schwanz des 
Weibchens seiner Form nach der von Diesing für seinen Ste- 
phanurus dentatus angegebenen entspricht, wenn die Bildang 
der Bursa der desselben Organes bei diesem Wurme sehr nahe 
kommt, so bildet das Vorhandensein zweier Spicula einen wesent- 
lichen Unterschied. 

Die Beschreibung Diesing*s ist von allen Autoren, welche sich 
mit diesem Hehninthen beschäftigt haben, angenommen und wieder- 
holt worden; auch die neuesten Schriftsteller geben die klassischen^ 
ursprflnglichen Charaktere zur Bestimmung des Genus Stephan- 
urus, sowie der einzigen dazu gehörigen Spedes, Stephanurus 
dentatus, an. 

Dujardin^) hat nur die ursprüngliche Beschreibung angenofin- 
men, indem er die spezifischen Charaktere benutzte, obgleich er das 
Genus zu denen rechnet, welche nicht mit Sicherheit in 
den von ihm aufgestellten Abschnitten unterzubringen 
sind. 

Cobbold'), welcher sich übrigens in seinem Buche ausführlich 
mit dem Stephanurus dentatus beschäftigt, bemüht sich, seine 
spezifische Gleichheit mit dem von White Cressy und Fletcher 
in den Vereinigten Staaten gefundenen und Ton Verril Sclero- 
stomum pinguicola getauften Parasiten festzustellen, wdcher 
auch in Australien von Morris angetroflfon und von ihm seibat 
untersucht wurde. Er beschränkt sich ebenfalls auf die Wieder* 
holung der Beschreibung von Diesing, ohne an ihr irgend eine 
Aenderung oder Beschränkung anzubringen. 

Bailliet') und Neumann*) machen es ebenso; sie nehmen 
die klassische Beschreibung an. 

Lutz hat zweimal erwähnt, daß er das Sclerostomum 
pinguicola (Stephanurus dentatus) beobachtet habe. Iq 
einem in dem Centralblatte ffir Bakteriologie und Parasitenkunde 
veröffentlichten Aufsatze (Bd. m. 1888. No. 21) stellt er einfach die 
Häufigkeit des Parasiten in S. Paulo und seine pathologische Wichtig. 
keit fest; in einer früheren, in der Deutschen Zeitschrift für Tier- 
medizin und vergL Pathol. (Bd. XII. p. 65) erschienenen Arbeit hatte 
er von demselben Nematoden gesprochen. Ich kenne die letztere 
Veröffentlichung von Lutz nur aus Citaten, besonders aus dem von 



1) Hist. nater. des belminthM. p. 289. 

S) Parasites. London 1879. p. 407-419. 

S) Zool. mMicale et agricole. Paris 1886. p. S55 — 856. 

4) Malad, paras. de« anim. domeat Pari« 1899. p. 686-^686. 



U«b«r etneQ Strongyliia in der Niere des Schweines eto. 295 

Neamann^X ^^ ^r den Faodort des Parasiten angiebt: „in dem 
Fettgewebe, welches die Niere umgiebt, von wo er in 
diese Organe und in die Nebennieren eindringen und 
eiternde Gänge aushöhlen kann^\ 

Da ich mir kein Exemplar der genannten zweiten Arbeit von 
Latx verschaffen konnte and seinen sich auf Stephanurus den* 
tatas beziehenden Inhalt zu kennen wünschte, so wendete ich mich 
an die Freundlichkeit des Verfassers und bat ihn um Nachricht über 
dieseo Gegenstand. Lutz antwortete mir '), seine betreffende Arbeit 
enthalte nur ein Verzeichnis der Parasiten, welche er bei 
Haustieren angetroffen habe; das Sclerostomum pin- 
Kuicola sei sehr häufig bei Schweinen im Innern der 
Provinz S. Paulo. Er fügte hinzu (hierin mit dem Gitate Neu- 
mann's übermstimmend), die Nematoden fänden sich in 
der Fettkapsel der Niere, wo sie sehr oft mit Eiter 
geffillte Höhlen hervorbrächten. 

Auf meine Frage, ob er die morphologische Uebereinstimmung 
des beobachteten Parasiten mit der klassischen Beschreibung Die- 
sing'a festgestellt habe, antwortete mir Lutz, er habe diese ver- 
jdeidiende Untersuchung nicht unternommen und die spejsifische 
Bestimmung des Sclerostomum pinguicola nur nach 
dem Fundorte des Nematoden gemacht, ohne der Frage 
auf den Grund zu gehen. Er habe die Diagnose bloß nach dem 
Fandort gemacht, weil es unwahrscheinlich sei, mehr als 
einen Parasiten bei demselben Wirte unter so eigen- 
tftmlichen Verhältnissen anzutreffen. Der Unterschied 
der Größe und die Verschiedenheit des Fundorts ließen die Hypothese 
verwerf^ daß der Parasit auf Strongylus dentatus R. zu be- 
ziehen sei, und um alle Verwirrung zu vermeiden, habe er den Namen 
Sclerostomum pinguicola dem Synonym Stephanurus den- 
tatus vorgezogen. 

Ich habe noch das Buch von Zürn anzuführen'), in welchem,* 
obgleich er sich auf viel spätere Werke bezieht, als die von Die- 
81 ng, wie z. B. die Angaben in der zweiten Ausgabe des Buches 
von Leackart, die ursprüngliche Beschreibung Die sing' s allein 
gegeben, und ein einfaches Spiculum als spezifischer Charakter des 
Stephanurus dentatus erwähnt wird. Zürn sagt^), dieser 
Nematode müsse zu den Strongyliden gerechnet werden, während er 
anderwärts dem Strongylus zwei Spicula zuschreibt. Außerdem 
bemerkter, Leuckart nenne den Parasiten Sclerostomum pin- 
guicola. 

Idi kann meinesteils versichern, daß bei den von mir unter- 
sachten Nematoden zwei Spicula vorkommen. Die Gegenwart 
dieser beiden Kopulationsorgane ist so leicht wahrzunehmen, daß 
ich nicht b^^eifen kann, wie sie anderen Beobachtern hat entgehen 
können. 



1) Dp. dt p. 746. 

S) la nttcris. 

S) Um Sdnnarotser «vf und in d«m Körper unserer HAoaaCngetiere. S. Aufl. 1S9S. 

4) Dp. dt. p. 877. 



296 ^* MAgAlhaes, üeb«r ein«n Strongyliu in der Nier« d« 8ehw«iiMt etc. 

Wenn übrigens die Einheit des Spicolams onter den dem Ste 
phanarus zugeschriebenen CharaJcteren fehlte, so wflrde das Genui 
viel Yon seiner Bedeutung yerlieren. Die Verschmtierang des vorderel 
Körperteiles gilt auch als charakteristisch fQr das Oenus Stephan 
urus. Bei den von mir beobachteten Exemplaren fand sich dies< 
Verdünnung an zwei Stücken, fehlte aber und war sogar umgekehr 
bei den beiden anderen. 

Die Gestalt sowohl, als die 6r5Se der Parasiten können unte] 
dem Einfluß der Eonservationsflüssigkeit, in der sie sich befanden 
gelitten haben. Dieselbe Ursache könnte vielleicht auch eine Za 
sammenziehung der Körper der Parasiten verursacht haben, was ihr< 
etwas geringere OröBe, im Vergleich mit der von den Autoren an 
gegebenen, verursacht haben könnte. Jedenfalls würde der Unter 
schied der Größe, welche bei Strongylus dentatus R. viel be- 
deutender ist, keine spezifische Annäerung erlauben. Aber nichl 
nur der Größenunterschied und die Verschiedenheit des Fandorte^ 
verbieten jeden Gedanken an eine Zusammenstellung des Nieren« 
Strongyliden mit dem Strongylus dentatus; die Charaktere des 
letzteren unterscheiden sich bedeutend von jenem. Die eiförmige 
Anschwellung des Halses des Strongylus dentatus, die Papillen 
und die Zahnreihe, mit welcher sein Mund umgebe ist, bilden leicht 
wahrzunehmende Charaktere, welche unserem Nematoden ganz fehlen* 

Was den Fundort des Parasiten betrifft, so waren die orsprüng- 
liehen Exemplare Diesing*s von Natterer in Cysten des Mesen- 
teriums aufgefunden worden. Andere Beobachter, wie Cobbold 
nach der. Citation von Neun! an n (Dp. cit p. 536), geben als seinen 
Wohnort die Unterleibseingeweide und das Fettgewebe an, welches 
diese Eingeweide umgiebt Lutz hat den Nematoden in der Fett- 
kapsel der Niere angetroffen; White hat ihn in dem Fettgewebe 
in der Nähe der Niere gesehen and erwähnt, ebenso wie Lutz, 
daß die den Wurm enthaltenen Höhlen mit Eiter gefüllt waren. Die 
Exemplare, welche ich untersucht habe, stammten aus dem Parenchym 
der Niere selbst 

Ueber die Wirkungen, welche diese Parasiten bei den Schweinen 
hervorbringen, ist man noch in Ungewifiheit; die Angaben der Be- 
obachter stimmen nicht untereinander Qberein. Während man in 
den Vereinigten Staaten dem Wurm große Missethaten zuschrieb, 
während Lutz und White die von ihm verursachten Eiterhöblen 
gesehen haben, schreibt mir mein Kollege und Freund, Dr. Moraes 
Barr OS, die Gegenwart der Parasiten scheine fCü: die Tiere, welche 
sie beherbergen, keine Folgen zu haben. Ich führe hier ein Stück 
aus seinem Briefe an, welcher die Sendung der Parasiten begleitete : 

„Die Nierenkelche und die Hamkanälchen sind diegenigen Teile 
der Nieren, wo ich diese Nematoden immer angetroffen habe. Bis- 
weilen findet man in derselben Niere 19 Parasiten, ohne daß man an 
der Gesundheit des von ihnen bewohnten Tieres eine Veränderung 
wahrnahm. Wenn man eine Niere bald (bis zu 2 Stunden) nach 
dem Tode des Schweines öffnet, findet man die Würmer noch am 
Leben, sie kommen von selbst aus dem Nierenparenchym heraus. 
Wenn die eine Niere infiziert ist, so ist es die andere auch. Um die 



MHtoiliiDKtii AU dem XI. Intermtioiilileii oMdlslnfselMn Kongraase in Born. 297 

Kematoden auüEiiSQeheii, habe ich immer L&ngsschnitte and kleinere 
Schnitte nach anderen Richtungen gemacht, and diese haben mir 
hnmer das positive Resaltat ergeben. Ich habe diesen Parasiten 
niemals in einem anderen Organe, oder bei einem anderen Tiere an- 
getroflen*^ 

Noch ein Bedenken. Wenn der oben beschriebene Parasit der 
edite Stephanurus dentatas ist, ond wenn das entsprechende 
Genas anterdrflckt wflrde, indem man den Nematoden in das Genas 
Strongylos stellte, so würde der Speciesname dentatus an- 
mOglicb werden, weil es schon einen Strongylus dentatas R 
giebt Die Benennung Strongylus (Sclerostomum) pingui* 
cola w&re nach meiner Ansicht allein anwendbar. 

Rio de Janeiro, Juni 1894. 



BaMeriologiscIie und parasitologlsche Kongresse. 

Mitteilimgeii aus dem XI. internationalen medizinischen 
Kongresse in Rom. 

Referent: Dr. &• Sanarelli, Privatdozent in Rom. 

(Fortsetsoog.) 

Renetll, B. B« (Gagliari), Ueber die Mikroorganismen, 
welche gewöhnlich die experimentellen komplizier- 
tes Brüche infizieren. 
Verf. hat die infolge eines der Infektion ausgesetzten Bruches 
lierroigiebrachten Infektionen und anatomisch -pathologischen Ver- 
letzm^ea und die sie hervorbringenden Mikroorganismen zu studieren 
gesacht. 

Als Versuchstiere hat sich Verf. der Kaninchen bedient, welche, 
Dadiden man ihnen mit allen Regeln der Antisepsis das obere 
Schenkelbem gebroch^i hatte, in einen Garten oder in einen Stall 
gelassen wurden. Die Kaninchen starben immer nach verschiedener 
Zeit. Sie wurden alsdann seziert, die makroskopischen anatomisch- 
patiiologischCT Verletzungen studiert und die mikroskopische Be- 
obacbtuDg der Stoffe bei der Bruchstelle und des Blutes der Organe 
aosgef&hrt Mit den Exsudaten und mit dem Blute der Organe 
wurden Gelatioeplatten und Reagenzgläser mit geschmolzenem Agar 
geimpft und nach 24—48 Stunden konnte man die entwickelten 
Mikroorganismen isolieren. Bei seinen Versuchen hat Verf. stets als 
die bfdbion hervorbringende Mikroorganismen diejenigen, welche er 
ans dem Herzblnte od^ aus dem Blute der Organe isoliert hatte 
ind nicht jene, welche er bei der Bruchstelle fand, betrachtet, weil 
wegen des direkten Kontaktes mit der Außenwelt an dieser Stelle 
die Mikroorgmoismen zahlreich und verschiedenartig sind. Außerdem 
hat Verf. die reine Kultur der aus dem Blute der Organe der infolge 



298 lCittolIiuig«n AUS dem XI. inteniatioiudeD iiMdlBioiseh«ii KongrasM in Rom. 

komplizierten Braches gestorbenen Kaninchen isolierten Mikroorganis- 
men gesunden Kaninchen oder Meerschweinchen inokuliert, um den 
ätiologischen Zusammenhang zwischen der bei dem ersten Tiere 
beobachteten Infektion und der bei dem zweiten experimentell her- 
Yorgerufenen zu konstatieren. Verf. hat auch Fragmente von aUea 
Organa des infolge des Schenkelbruches gestorbenen Kaninchens 
und Stacke des Markes sowohl des gebrochenen als des gesunden 
Beines mit Sublimat fixiert und durch geeignete Methoden gefärbt. 
Aus seinen Versuchen zieht Verf. folgende Schlüsse: 

1) Die sich selbst überlassenen, der Infektion ausgesetzten Brüche 
bringen Infektionen hervor, welche zum sicheren Tode führen. 

2) Die vom Verf. beobachteten Infektionen wurden von einem 
der folgenden Mikroorganismen hervorgebracht: Bacillus oedema- 
tis maligni, pseudooedematis maligni, Bacterium coli 
commune, Staphylococcus pyogenes aureus, Streptococ- 
cus septicus. 

3) Der Bacillus pseudooedematis maligni kann, je nach- 
dem er die lymphatischen oder die Blutwege nimüit und auch im 
Verhältnisse zu der Zahl der vorhandenen Bacillen, chronische oder 
akute Infektionen hervorbringen. 

4) Was den Verlauf der Infektionen betrifft, so wurden bei der 
Anwesenheit des Bacillus oedematis maligni oder des Pseudo- 
oedematis akute, beim gleichzeitigen Vorhandensein der beiden 
erwähnten Mikroben oder des Bacillus oedematis maligni mit 
dem Streptococcus septicus gemischte akute, bei Anwesen- 
heit des Bacterium coli commune und des Bacillus pseudo- 
oedematis maligni subakute chronische, endlich bei dem 
gleichzeitigen Vorkommen im Blute des Bacillus pseudooedema- 
tis maligni und des Staphylococcus aureus gemischte chro- 
nische Infektionen beobachtet 

5) Die Organe der gestorbenen Kaninchen können hinsichtlich 
der Schwere und Häufigkdt der beobachteten anatomisch -patho- 
logischen Veränderungen wie folgt geordnet werden: 

a) Das Mark des gebrochenen Schenkels, in welchem Verf. oft Ge- 
webenekrosen, Nekrobiosen der Zdlenelemente bei der Bruchstelle, 
außerdem akute Myelitis, Myelitis suppurata, chronische Myelitis 
mit Neubildung von Bindegeweben und manchmal auch mit 
amyloidischer Degeneration der Markgewebe beobachten konnte. 
Bei dem Marke findet stets eine Zunahme der Weiß- und Bot- 
körperchen im Verhütnisse zu den anderen Markelementen und 
das Verschwinden des Fettnetzes statt 

b) Die Leber, in welcher Verf. Lebererweichungen mit Fett- 
degeneration des Organgewebes, Hepatitis suppuratae u. a. und 
in manchen Fällen auch Nekrosen ganzer Stücke des Organ- 
gewebes nachgewiesen hat. 

c) Die Milz zeigte oft akute Milzentzündungserscheinungen und 
Fälle dironischer Milzentzündungen mit Zerstörung der Biesen- 



d) In den Nieren konnte Verf. manchmal Parenchymnephritis oder 
in anderen Fällen Nekrosen der Nierenepithelien beobachten. 



ans d«m XI. intoinationAlen iiiediiiiiifeh«ii Kongrwte in Rom. 299 

e) Die Muskeln zdgten einige Male auf weiten Strecken schwere 
Entzflndnngserscheinan^en, manchmal dagegen wurden sowohl 
Fasemekrc^n als Hyalinentartung derselben nachgewiesen. 

f) Ln den Därmen hat Verf. selten starke Hyperämieen mit 
schweren Geschwthrbildungen beobachtet 

g) Die Lymphgefäße und die Lymphdrüsen waren oft Yon 
intensiven akuten oder chronisdien Entzündungen befallen, außer* 
dem hat Verf. in manchen solcher Drüsen eine Zerstörung der 
Riesenzellen gefunden. 

h) Bei Herz, Lungen und Gehirn konnte Verf. im allgemeinen 
kane merklichen Entzündungen beobachten, ausgenommen wenige 
Fälle, bei welchen in den Lungen die Entzündung von akuter 
Natur war, und zwei Fälle von Encephalitis. 

6) Oft konnte man beobachten, daß im Marke des gesunden 
Schenkels, in jenem des unteren Beines, in der Milz und den Lymph* 
drüsen die Lymphgewebe zugenommen hatten und daß diese Organe 
sich in einem Zustande erhöhter Thätigkelt befanden, um die durch 
den Brach bedingten Verluste auszugleichen. 

7) Wenn der Bacillus pseudooedematis maligni und 
das Bacterium coli communis chronische Infektionen bei den 
Tieren hervorrufen, ist der Tod der letzteren vor allem der toxischen 
Wirkung der Absonderungsprodukte dieser beiden Mikroorganismen 
zuzuflchreiben ; auf Grund der Thatsache, daß die Histologie der 
Diwane sowohl in den Kernen der fixen Zellen, wie in jenen der 
beweglichen eine verbreitete Ghromatolisis zeigt 

Gnamierl (Pisa), Ueber die Parasiten der Variola und 
der Vaccine. 
In einer im Jahre 1892 in dem Archivio per le scienze mediche 
publizierten Abhandlung über die Pathologie und Aetiologie der 
Vaccine- und Variolainfektion hatte der Vortragende behauptet, daß 
die Alterationen vor der Bildung der Pusteln und die Pustelbildung 
sdbet von einem parasitischen Mikroorganismus herrührten, den er 
Cytoryctes vaccinae resp. variolae benannte. Im Verlaufe 
ier von ihm in derselben Kchtung fortgesetzten Studien hat er die 
damals erürterten Thatsachen immer aufs neue bestätigt gefunden. 
Außerdem ist es ihm gelungen, neue Ergebnisse zu sammeln, die über 
die Entstehung der charakteristischen anatomischen Verletzungen ein 
oaerwartetes Licht verbreiten und der ätiologischen Lehre von der 
InfdrtioD zum Fundamente dienen können. Indem er sich namentlich 
dem Indium der Morphologie und Biologie widmete, hat er zunächst 
konatatiert, daß der Cytoryctes variolae amöboider Bewegungen 
flbig ist. Wenn er im hängenden Tropfm auf dem warmen Objekt- 
tische den Inhalt des Anfangsbläschens untersuchte, trat ihm diese 
Thatsache öfters entgegen. So konnte er sich von der Vermehrung 
des Parasiten im Gesichtsfelde des Mikroskopes überzeugen und 
Endieinungen von Phagocytose durch vielkemige Leukocyten be- 
ohachten. Durch Mischung einer Lösung von Methylenblau in Blut- 
serum mit dem aus dem Bläschen entnommenen Tropfen gelang es 
ihm, den inneren Bau des Cytoryctes kennen zu lernen. Für diesen 



900 mttoUwig«!! AU dam XI. intoniAtliMialra medfiinitohaB KongretM in Ron. 

ist ein leicht fiUrbbarer, meistens exzentrisch im Parasiten liegender 
Körper von kagelfftrmiger Gestalt charalcteristiscb, welcher Yon einer 
Art von hellem Hofe amgeben ist. Dieser helle Hof findet sich nicht 
in eine Membran eingebaut, sondern rings um ihn her lassen sich 
meist konzentrisch eine Anzahl Yon stark liditbrechenden KOmchen 
beobachten. Es ist außerordentlich schwer, diesen sowie den übrigen 
Teil Yom KOrper des Parasiten in irgend einer Weise za fkrben. 
Der Vortragende zweifelt nicht daran, daß der färbbare Körper eine 
chromatische Kemsubstanz sei, welche sich in der Mitte des darch 
den hellen Hof dargestdilten Kemsaftes befindet. Den übrigen Teil 
des Körpers, welcher eine veränderliche Gestalt und Größe hat, 
erklärt er f&r protoplasmatisehe Substanz. Der Verf. hat auch in 
der Vaccinelymphe und in Kulturen derselben auf der Hornhaut von 
Kaninchen Körper entdeckt, an denen sich ein ähnlicher Bau nach- 
weisen läßt Bei diesoi ist es ihm vermittdst passender Fixierung 
und doppelter Färbung gelungen, SidMtanzen ans Licht zu ziehen, 
welche fQr verschiedene Aniliuf&rbuag «npftnglich sind. Die Ver- 
suche, welche Redner mit verschiedenen Beizmitteln genaacht hat, 
um in der Ciomea verwandte Alterationen zu erzeugen, sind ihm 
nicht gelungen. Sdiließlich drflckt er noch einmal seine Deberzeugung 
dahin aus, daß die Infektion durch Vaccine und Variola von der 
Wirkung des Cytoryctes vaccinae resp. variolae herrühre, 
einem Rhizopoden, welchem er den betr. Namen beigelegt habe, weil 
er die spezielle Fähigkeit besitzt, das ProtopUsma der Epithelial- 
zellen auszuhöhlen. 

Hentl (Pavia), Ueber die Aetiologie der Variola. 

Verf. ist in seinen Studien zu folgenden wesentlichen Ergeb- 
nissen geführt worden: Indem er an ungefähr 10 Kranken eine 
beträchtliche Anzahl von Blatternpusteln bakteriologisch untersuchte, 
fand er den Staphylococcus pyogenes aureus nebst einem 
Mikrophyten der normalen Epidermis regelmäßig wiederkehrend. Verf. 
stellte darauf ähnliche Untersuchungen bei einigen an Variola hae- 
morrhagica im Beginne der Krankheit (Purpura variolosa) gestorbenen 
Individuen an, sowie an kleinen, den Lebenden mit großer Vorsicht 
vor der Pustelbildung entnommenen Hautstfickchen. Die bakterio- 
logischen Befunde waren hier überall durchaus negativ und auf 
wenige Kolonieen bekannter Bakterien der normalen Epidermis be- 
schränkt. Durch Proben zerstreuter auaörobischer Kulturen ließ sich 
ebensowenig irgend ein Resultat erzielen. Auch bei den mikro- 
skopischen Untersuchungen an Hautstücken von an Purpura variolosa 
gestorbenen Individuen wurden keine Bakterien gefunden. Jedoch 
zeigten sich in den Epithehsellen des Malpighi'schen Netzes mit 
außerordentlicher Konstanz charakteristische Körperchen, weldie sich 
nach Biondi's Methode mit Hämatoxylin und mit einer besonderen 
Mischung von Hämatoxylin und SaflFranin leicht färben lassen. Die- 
selben sind von verschiedener Gestalt, bisweilen nehmen sie die der 
Zahl 8 an; bald sind sie sehr klein, bald 2—3 fi groß. In der 
Regel ist jedes einzelne in einer besonderen Zelle befindlich, in einer 
kleinen Lücke des Protoplasmas. Der Kern der Zelle, welche sie 



AUftiiMbM Mmt Paiteiteli. SOI 

omschliefit, wird von fremden Körperchen bald mehr, bald weniger 
TOBchobeD. Auch bei mikroekopischen Untersuchungen an schon 
eatwickeltai Blatterpusteln ließen sich gewisse sehr kleine, den soeben 
beschriebenen Körperchen vergleichbare Elemente entdecken. Aber 
wegen der starken Veränderungen der Gewebe gestatteten Präparate 
di^r Art kein vollkommen sicheres Urteil. Besultatlos blieben 
KontroUversttche bei anderen Krankheiten. Da in 5 Fällen hämor- 
rhagischer Pocken und in der präpustulären Periode gewöhnlicher 
Blattern die Resultate immer dieselben waren, so unternahm Verf. In- 
okulationen in die Cornea von Kaninchen. Diese in größtem Maßstäbe 
usgeführten Inokulationen erseugten nie Eiterung, aber ausnahmslos 
zeigte sich eine charakteristische Eruption durchsichtiger kleiner 
Knoten auf der Oberfläche der Horidiaut, die innerhalb von 10 bis 
12 Tagen wieder heilte. In diesen nach 2 — ^S Tagen entnommenen 
Knötehea kamen dieselben Körperchen sum Vorsdieine, welche der 
Vortragende schon in der Haut von blattemkranken Menschen ge- 
funden hatte. Dieselben zeigen sich allein an der Impfstelle, die 
mit einer Zone von in aktiver Kernvermehrung begriffenen Zellen 
amgd)en ist. Hiemach hält es Ver£ für wahrscheinlich, daß die be- 
schriebenen Körperchen den wirklichen Parasiten der Variola dar- 
stellen. 

Wegen der konstanten Wiederkehr der bei den Hornhautiigek- 
tionen erhaltenen Besultate stellte Verf. den Versuch an, ob sich das 
Variolavims außer in der Haut noch anderswo lokalisiert vorfände. 
Er sammelte deshalb bei Sektionen, wenige Stunden nach dem Tode, 
Torsiebtig Stücke verschiedener Organe, um mit deren Pulpa In- 
okulationen in die Ck>mea zu machen. So ließ sich das Variolavirus 
anfier auf der Haut auch oft im Pharynx und Larynx lokalisiert 
aaffinden. Bisweilen waren auch Lunge, Hoden und Rflckeumark 
Tirulent, nie jedoch das Herzblut, die Leber, die Milz, die Niere oder 
das Gehirn. Diese Resultate bewogen den Redner zu einer Reihe 
TOD Untersuchungen der Vaccine, bei denen er zu ähnlidien Ergeb- 
nissen gelangte wie GuarnierL Er entdeckte in den Körperdien 
der Variola and Vaccine schwache amöboide Bewegungen, jedoch 
möchte er dieselben nicht, wie Guarnieri, der Klasse der Proto- 
xoen zuzählen, sondern vielmehr der der LobosL (rortMuaog folgt.) 



Referate. 



ZepfyW.^ Zur Kenntnis der Fürbungsursachen niederer 
Organismen. (Dritte Mitteilung.) Ueber Produktion von 
Carotin-artigen Farbstoffen bei niederen Tieren und 
Pflanzen. (Beiträge zur Physiologie und Morphologie niederer 
Ofganisnieu, herausgegeben von W. Zopf. Heft S.) Lemjjg(Fdi30 



n,. 






sog AllcMiMiMs ttb«r PVMitea. 

1) Niedere Krebse. 

Nachdem Verf. bereits 1889 auf das VorkommeD roter Carotin* 
artiger Stofie (FettfarbstoffiBj bei gewissen niederen Krebsen aufmerk- 
sam gemacht und bald darauf auch eine diesbezflglicbe Publikation 
Blanchard's erschienen war, unterwarft er die Frage nach den 
Färbungsursachen speziell bei dem auch von Blancbard unter- 
suchten Diaptomus bacillifer KOlbel einer Nacbprttfong. Das 
Untersuchungsmaterial stammte aus dem Lüner See im Bhaeticon 
und war Verl von Schmeil und Zschokke überlassen. 

Durch heißen Aetheralkohol wurden die Tiere vollständig ent- 
fftrbt und aus der Lösung durch im Original nadisusehende Opera- 
tionen . zunächst ein gelber Farbstoff gewonnen (gelbes Carotin mit 
zwei Absorptionsbändern). AuBerdem &nd sich noch ein in Aether 
mit rotgelber bis braunroter Farbe löslicher Stoff vor, dessen 
Spektogramm in verschiedenen Lösungsmitteln abgebildet wird (rotes 
(krotin). Mit Schwefelsäure gab der Röckstand Blaufärbung, 
mit Kalkwasser oder Baryumbydroxyd ziegelrote Fällungen 
unbekannter Zusammensetzung. Beide Farbstoffe wie deren Verbin- 
dungen sind an der Luft sehr zersetzlich. 

Anschließend erwähnt Verf. die bisher vorliegenden Angaben 
über das Vorkommen von Ciarotinen bei Krebsen, denen zufolge solche 
bisher nur bei höheren Crustaeeen durch Maly, Krukenberg 
und Mosely gefunden wurden, und vergleicht kurz anderweitig ge- 
fundene ähnliche Farbstoffe. Speziell kommt hior auch der vom Verf. 
aus den Flügeln von Lina Populi isolierte, dem Diaptomus-Pigmente 
sehr ähnliche Körper in Betracht und vielleicht sind beide identisch. 
Darüber ist aber naturgemäß ohne chemische Analyse nichts auszu- 
sagen. Das rote Diptomus-Carotin wird einstweilen als neu ange- 
sehen und als „Diaptomin^^ bezeichnet Blanchard scheint nach 
Verf. ein Gemisch beider (des roten und gelben) vor sich gehabt zu 
haben. 

Aus Diaptomus denticornis wurden weiterhin zwei Farb- 
stoffe — in gleicher Weise — isoliert, die voraussichtlich mit den- 
jenigen aus D. bacillifer identisch sind, und ähnliche Resultate eigab 
die Untersuchung von D. Wierzejski Rieh, und Cyclops stre- 
nuus Fischer (als Gemenge), so daß hiemach jene Farbstoffe weiter 
verbreitet zu sein scheinen. Schließlich beschäftigt sich Verf. mit 
dem Einwände, daß der gelbe Farbstoff etwa aus den von den Tieren 
verzehrten Algenzellen stammen könnte. 

2) Hypocreaceen-artige Pilze. 

Verf. beschäftigt sich hier mit den verschiedenen Ascomyceteo 
eigentümlichen gelben und roten Färbungen, die nach der Blaufärbung 
mit Schwefelsäure (auf DQnnschnitten) voraussichtlich gleichfalls durch 
Ciarotine bewirkt werden. 

Aus dem auf Pflaumenblättern gemein auftretenden parasitischen 
Polystigma rubrum (die sogen. „Rotfleckigkeit** der Blätter 
veranlassend) wurden in gleicher Weise wie oben zwei Farbstoffe ge- 
wonnen und insbesondere deren spektroskopisches Verhalten unter- 
sucht; es waren das ein gelbes und ein rotes Carotin, Ober die Ans- 
fOhrliches im Originale eingesehen werden muß. Das rote wird als 



Allgwuelii« thn PiuTMilteii. 90g 

„Polystigmin'* bezeichnet, das gelbe scheint dem ans MohrrOben 
und grünen Blättern bekannten nahe verwandt zu sein. 

Die UntersuchoDg von Polystigma falvnm (die orangen 
Flecken auf den Blättern der Traubenkirsche hervormfend) ergab das 
fOTzngsweise Vorhandensein eines mit dem vorigen nicht ganz aber- 
enistimmenden gelben Carotins. 

Weiterhin wurden aus den conidienbildenden Stromaten von 
Nectria cinnabarina Fr. (=» Tabercnlaria vulgaris Tode) zwei 
Carotine, ein gelbes und ein rotes, isoliert, von denen das rote 
als ^^Nectriin*" bezeichnet wird und mit den bisher bekannten, speziell 
auch dem Polystigmin nach Verf. nicht identisch sein soll. Spektro- 
äkopiscbes Verhalten, Löslichkeitsverhältnisse (verglichen mit ähn- 
lichen) können hier nicht ausffihrlich besprochen werden, doch will 
Ret den Wunsch nicht unterdrücken, daß sich endlich einmal ein 
Chemiker findet, welcher den einen oder anderen dieser Farbstoffe 
einer eingehenderen exakten Untersuchung unterwirft Dahingestellt 
bleibt freilich immerhin, ob dabei Besonderes herauskommt, bezw. ob 
das Besultat der immerhin erheblichen Mühe, die schon das Sammeln 
atisreicbender Materialmengen verursacht, entspricht 

Endlich behandelt Verf. noch den gelben Farbstoff der Tremellinee 
Ditiola radiata (Alb. und Schw.), welcher bezüglich des Spek- 
tnims und der Farbe der Lüsungen mit dem von Calocera vis- 
cosa übereinstimmt, und fügt daran einige kurze Bemerkungen über 
chemische Verhältnisse. Nach diesen sollen die roten Carotine 
sauerstoffhaltig, die gelben dagegen sauerstofffrei sein. 
Letzteres wird aus der Thatsache gefolgert, dafi das Mohrrüben- 
Oirotin nach anderweitigen Untersuchungen als Kohlenwasser- 
stoff dasteht; ersteres ergiebt sich nach Verf. aus der Fähigkeit 
der roten (Carotine, mit Alkalien und alkalischen Erden Verbindungen 
einzugehen, eine Thatsache, die — selbst wo sie dnwurfefrei erwiesen 
wäre — für die Annidime des Verf.'s. freilich nichts aussagt. Anderer- 
seits läSt sich daraus, daß ein einziger dieser verschiedenen gelben 
Farbstoffe eine sauerstoflffreie Verbindung ist, kaum etwas über die 
chemische Natur der übrigen folgern, da ganz allgemein gleiche Pig- 
mente natürlich nicht gleiche Zusammensetzung haben müssen, selbst 
wenn sie in einigen anderweitigen Eigenschaften übereinstimmen. 
Wir dürfen hier füglich erst weitere Untersuchungen von chemischer 
Seite abwarten. Wehmer (Hannover). 

Z&fiL W., Ueber einige niedere tierische und pflanz- 
liche Organismen, welche als Krankheitserreger in 

: Algen (Pilzen), niederen Tieren und höheren Pflan- 
zen auftreten. Erste Mitteilung, mit 2 Tafeln. (Beiträge zur 
Physiologie und Morphologie niederer Organismen, herausgegeben 
von W. Zopf. Heft 4. p. 43---68.) Leipzig (Felix) 1894. 
L Woronia glomerata, ein Beitrag zur Kenntnis 

der tierischen Natur gewisser Synchjtriaceen. 

Einleitend weist Verf. auf die bei anderer Oelegenheit von ihm 

ausgespiocliene Ansicht, derzufolge gewisse Synchytrium- artige 

Orgaiämen (Olpidiopsis, Reesia, Woronia, Synchytium 



304 AUg«m«SiiM tttMc PuMÜttf. 

u. &.) vou den Phycomyoeteii und spesiell den Ghytridiac^en ab- 
zutrennen und mehr den niederen Tieren anzugliedem seien, 
hin, und sucht dieselbe nunmehr — insbesondere auch gegenüber der 
A. Fi seherischen Auffassung — durch thats&chliche Unterlagen eu 
begründen. Die MitteUungen beziehen sich zon&chst auf den von 
Gornu bereits gesehenen und als Chytridium glomeratum 
beschriebenen, in Algen parasitierenden Oi^anismus, der diesem Autor 
j^och nur in der Dauersporenform vorlag und neuerdings von 
Fischer zu Woronia(al8 W. glomerata) gestellt wurde. Dieser 
Auffassung pflichtet auf Grund seiner entwickelungsgeschichtlichen 
Beobachtungen auch Verf. bei. Es gestaltet sich n&mUch auf Grund 
von Beobachtung und — nicht immer einwurfsfreier — Kombination 
des Verl's der gesamte Entwickelungsgang in der Weise, daß aus 
der überwinternden Dauerspore eine Cyste wird, welche eine 
Anzahl von Zoosporen entlkßt, die alsbald in die jungen Vauche- 
rienschläuche eindringen, wo sie in den Amöbenzustand über- 
gehen und zu größeren Verbänden von ausgesprochenem Plas- 
modium Charakter zusammentreten. Die sp&terhin sich wieder 
trennenden Amöben runden sich ab und gehen in den Cyste n- 
zustand über. Nachdem in den Cysten Schwärmer gebildet, 
gelangen diese durch einen Entleerungsschlauch in das umgeb^de 
Medium, dringen wiederum in Vauch^cn ein und nunmehr wieder- 
holt sich event. noch mehrere Male der mit der Entwickelung von 
Schwärmercysten abschließende Cyklus. Dauercystenbil- 
dung tritt alsdann erst mit ungünstiger werdenden Bedingungen 
(Austrocknen des Wassers) ein. Für mehrere dieser Angaben fehlt 
freilich der strikte Nachweis durch thatsächliche Beobachtung. 

Betreffs der Wirtswahl beschränkt sich der Parasit scheinbar 
ausschließlich auf Vaucherien, da er in anderen Algen nie be- 
obachtet wurde, überdies scheint er nur die vegetativen Organe 
zu befallen. In diesen pflegen niemals Hypertrophieen irgend welcher 
Form, dagegen häufig sehr zahlreiche Querwände aufiiutreteu, 
und zwar findet ihre Bildung nach Annahme des Verf.^s von selten 
des Wirts plasmas (und nicht jenes des Parasiten) als Raaktions- 
erscheinung gegen den vom Parasiten ausgeübten Reiz statt Die 
Ernährung geschieht durch alle innerhalb der Vaacherienzelle 
vorhandenen — also auch durch feste — Inhaltsstoffe, und aus 
der Aufnahme fester Körper mit Hilfe der Pseudopodien sowie der 
schließlich erfolgenden Ausscheidung der unverdauten Ingesta folgert 
Verf., daß es sich hier um einen Organismus von au^esprochenem 
,,tierischem^ Charakter handelt. Die Erscheinung im einzdnen zeigt 
insbesondere Anklang an die bei Pseudosporeen und Vampy- 
r eilen bekannten ähnlichen Vorgänge. 

Nach einigen weiteren Bemerkungen über die Phänologie 
giebt Verf. nodi eine eingehendere Erörterung der Verwandt- 
schaftsverhältnisse sowie der Frage, ob die Worooien „Tiere*' 
oder „Pflanzen^ sind, was hier aber nur angedeutet werden mag. 
Auf Grund der Aehnlichkeit mit der in Saprolegnien schmarotzenden 
Woronia polycystis Cornu stellt Vert den beschriebenen Orga- 
niamus mit Fischer zu der gleichen Gattung als W« glomerata 



AllgemtiiMt flb«r Parasiten. 905 

und erUftrt die Woronien fOr offenbare ^Tiere^. Der Anschluß dürfte 
an dieMonadineae zoosporeae zu suchen sein, doch inll Verf. 
Aber die defimÜTe Stellung noch nicht entscheiden. Kurze Angaben 
Ober zwei weitere Spedes der Gattung beschliefien diesen durch 
Figuren der Taff. II und III erläuterten Abschnitt. 

IL Einige neue Beobachtungen an Labyrinthala 
Cienkowskü Zpf. 

Dieser im 2. Heft der «^Beiträge*' eingehender beschriebene 
Organismiis wurde auch neuerdings wieder Tom Verf., und zwar ala 
Pansit in Vancheria sessilis, deren Schläuche mit Tausenden 
der Qyslenzustände auf weite Strecken angefOllt erschienen, be- 
obachtet. Beim Encystierungsprozesse bildet diese Art bisweUen eine 
doppelte Membran, und zwar tritt dieser Vorgang — zufolge 
neuerer Beobachtungen des Verf.'s — insbesondere beim allmählichen 
Eintrocknen der Vaucheriarasen ein, so daß Verf. darin eine 
Anpassungserscheinung sieht. Aehnliches kommt übrigens 
toch bei anderen niederen Organismen vor (Vampyrellen). 

Die genannten Dauerzustände benutzte Verf. alsdann zu einem 
genaueren Verfolg der Keimung, als er bei Gelegenheit der 
fiHheren Beobachtungen stattgefundm hatte, und die einzelnen Stadien 
werden gleichzeitig auf Tal VI zur Anschauung gebracht Nachdem 
flkh das Aassehen des Plasmas in bestimmter Weise verändert 
hat, beginnt eine schwache Bewegung innerhalb der Cyste und 
bald sieht man vereinzelte Pseudopodien die Wand durchbohren. 
Nach läogerer oder kürzerer Zeit schlüpft dann der PlasmakOrper 
heraus, doch entschwinden die spindelfftrmigen Amöben dem Auge 
io bald, daß ein weiterer Verfolg nicht möglich ist. 

IIL Latrostium comprimens, ein neuer Chytridia- 
ceen-artiger Schmarotzer in den Oosporen von Van- 
cheria. 

Bei Gelegenheit des Studiums der zwei oben behandelten Orga- 
nsmen fand Verl in den Oogonien zweier Vaucheriaarten aus 
Wiesentllinpeln bei Halle vielfach relativ große, rundliche Gebilde 
vom Aussehen von Dauersporen, die stets zwischen Oospore und 
Oogoninmwand der Vaucheria eingeklemmt waren. Die bereits 
Tor längeier Zeit eingeleiteten Versuche zur Aufklärung der Natur 
dieser Gebilde hatten zu keinem Resultate geführt — Bereits im 
ersten Frühjahre fraktifiziert nach Angabe des Verl's der Fremd- 
oiganismiis in Zoosporangien gleichfalls innerhalb des Oogons; 
jene sind dünnwandig und von der Gestalt einer bikonvexen Linse. 
An einer bestimmten Stelle öffnen sich dieselben und entlassen 
50—100 winzige kugelige Schwärmsporen mit einer Cilie. Der 
weitere Verfolg und so auch die Beobachtung der Oogoninfektion 
begegnet merklichen Schwierigkeiten und gelang nicht. 

Dagegen ließen sich die parasitischen Beziehungen der 
Schwärmsporangien zur Vaucheriaspore ziemlich genau fest- 
atdlen. Es geht nämlich von jenen ein die Oosporenwand durch- 
bohrender Myceteehlauch in das Innere der Oosporen, um sich hier 
za einem reich verzweigten, sehr zarten Mycelium zu entwickeln. 

xrr.Bi so 



306 SolieidWMkrat 

Weitere Einzelheiten auch über Form und GrBßenverh&ltnisse der 
Dauersporen sind im Originale einzusehen und dürfen hier über- 
gangen werden. Es gelang übrigens bisher gleichfalls noch nicht, 
deren Keimung zu beobacäten, obschon Verf. an dem genetischen 
Zusammenhange zwischen ihnen und den Sporangien-tragenden Pflänz- 
chen nicht zweifelt. 

Der Parasit ist zufolge der angeführten Eigenschaften eine 
Ghytridiaceeund zu den Bhizidiaceen zu steHen; doch weicht 
er Yon den bekannten Rh izophidiu märten in mehrere Punkten 
ab. Verf. setzt ihn daher in ein neues Genus Latrostium und 
bezeichnet die Species als L. com pri mens. Die Einwirkung auf 
die Wirtszelle äußert sich in einer AbtOtang derselben, worauf der 
Inhalt mehr oder weniger aufgezehrt wird. 

Abbildungen des Organismus sind auf Taf. III gegeben. 

Weh m er (Hannover). 

KrSnlg, Scheidensekretuntersuchungen bei 100 Schwan- 
geren. Aseptik in der Geburtshilfe. (Gentralblatt für 
Gynäkologie. 1894 No. 1.) 

Bekanntlich hat Dö derlei n die Sonderung des Scheiden- 
Sekretes in normales und pathologisches streng durchgeführt Nor- 
males Sekret enthält fast ausschließlich Scheidenbacillen und reagiert 
intensiv sauer, pathologisches Sekret reagiert schwach sauer, neutral 
oder alkalisch, zeigt schon im Deckglaspräparate eine Mischkultur 
verschiedener Mikroorganismen und enthält zuweilen auch pathogene 
Keime (Staphylokokken und Streptokokken). 

K r ö n i g hat nun bei mehr als 300 Schwangeren das Scheidensekret 
niemals von neutraler oder gar alkalischer Reaktion gefunden und ist, ge- 
stützt auf eigene Laboratoriums versuche, der Meinung, daß auch im patho- 
logischen Sekrete der Säuregrad ein so hoher ist, daß z. B. der 
Streptococcus pyogenes nicht gedeihen kann. Wenn K. auch 
nach Döderlein^s Vorgang die Einteilung in normales und patho- 
logisches Sekret beibehält, so spricht er doch dem pathologischen 
Sekrete jede pathogene Bedeutung für die Besitzerin bei der Geburt 
oder im Wochenbette ab. 

Von 100 Schwangeren hatten 51 normales, 38 pathologisches and 
11 hochpathologisches Sekret Mit normalem Sekrete geimpfte Platten 
blieben fast stets steril, 6mal keimte Soor auf; pathologisches Sekret 
ergab ein ähnliches Resultat. Bloß bei hochpathologischem Sekrete 
finden wir etwa in der Hälfte der Fälle das Angehen von Gono- 
kokken — niemals aber von Staphylokokken oder Streptokokken — 
verzeichnet. 

Krönig kommt daher zum Schlüsse, daß das Sekret nicht 
touchierter Schwangerer niemals Keinie enthält — von Soor und 
Gonokokken abgesehen. „Die Vagina jeder nicht touchier- 
ten Schwangeren ist aseptisch^^ 

Der Soorpilz ist für das Woch^bett belanglos. Der Gono- 
coccus kann schwere Wochenbettinfektionen hervorrufen. 

Verf. widerspricht der Ansicht Döderlein's, daß die Scheiden* 
baciUen allein die Säurebildner im Sekrete sind. Er hat aus patholo- 



Seheidensekrat 307 

gochem Scheidenaekrete einen Coccus gezQchtet, der aach Säure 
bildete, und will also ein kokkenhaltiges Sekret nicht anormal nennen^ 
wenn Kokken ebenso Säure bilden kOnnen, wie die D ö d e r 1 e i n ^schen 
SdieideDbadllen. 

Im übrigen sei die natürliche saure Sekretion der Scheide das 
Primftre» enl sekundär siedeln sich Keime auf dem ibnen zusagenden 
Nihri)odeii an. Keimfreies Sekret eines Neugeborenen reagierte auch 
suur. 24 Standen post partum zeigte es die Bakterienflora 
der mfltterlicben Scheide, Yon wo aus die kindliche Vagina also offen* 
bar infiziert werde. 

Bei 221 Schwangeren, von denen 104 pathologisches und 117 
Mnoalea Sekret nach Döderle in' scher Einteilung aufwiesen, hat 
Erönig den Wocbenbettverlauf terfolgt Die Prozentzahlen, ein 
gestörtes oder krankes Wochenbett betreffend, fielen nicht zu gunsten 
des Dormalen Sekretes ans, namentlich wenn es sieh um intra partum 
sieht touchierte Schwangere handelte. 

Er empfiehlt daher aädas lebhafteste, die Scheidendesinfektion wäh- 
leod der Geburt zu unterlassen. Eine Serie von 283 Wöchnerinnen 
ohne antiaeptische Spülungen ergiebt 80 Proz. normale Wochenbetten 
gegen 70 Frm. in dem Berichte von Döderlein und Günther 
aber 305 nach ihrer Vorschrift desinfizierte Wöchnerinnen. Vor 
lilem sind bei unterlassener Desinfektion die schweren Infektionsf&lle 
^iaiet geworden. 

Bein bakteriologische Versuche haben ergeben, daß auch bei 
fiiacher Endometritis septica die Zahl und Virulenz der Keime in 
den Lochien durch die Antisepsis nicht vermindert wird, doch will 
Verl in dieser Frage vor allem klinische Erfahrungen sprechen lassen. 

Schloff er (Graz). 

Mdeilebi, Die Scheidensekretuntersuchungen. (Central- 
bktt f. Gynäkologie. 1894. No. 1.) 

Döderlein nimmt gegen den vorstehend referierten Vortrag 
Erönig's Stellung. Er bespricht zuerst die seit dem Erscheinen 
semer Monographie „Das Scheidensekret und seine Bedeutung für das 
Puerperalfieber^ veröffentlichten Arbeiten über diesen Gegenstand 
(Barguburu, Williams, Burckhardt). Namentlich Burck- 
litrdt's Resultate decken sich vielfach völlig mit denen Döder- 
lein's. 

Verfl wendet sich gegen die Auffassung Krönig^s, er (Döder- 
lein) sei unter Bezugnahme auf das Vorhandensein von Staphylo- 
kokken im Scheidensekrete ein Verfechter der antiseptischen Richtung 
in der Geburtshilfe. Krönig^s Ansicht, daß nur dem Strepto- 
coccus eine Bedeutung für das Puerperalfieber zukomme, deckt sich 
gerade mit dem von Döderlein in dieser Hinsicht eingenommenen 
und ausführlich vcnrfochtenen Standpunkte. 

Wenn Krönig auch hochpathologisches Sekret stets von saurer 
Betktioo gefunden hat, giebt Döderlein zu bedenken, daß er selbst 
Bit äußerst empfindlichen Reagenzpapieren gearbeitet hat, und er- 
ioaert daran, daß der Streit über die Reaktion der Milch auch erst 
iatäi die Erkenntnis von der Verschiedenheit der angewendeten 

20* 



3Qg PaeriMralfieber. — PMaritiam. 

Beagenzpaiuere und dem Vorgänge der amphoteren Reaktion ge- 
schlichtet wurde. Daß das keimfreie Sekret Neugeborener sauer 
reagiere, erklärt er fflr nicht stichhaltig; die schwache BOtong, die 
es auf blauem Lackmuspapier erzeugt, verschwindet bald und ist 
durch die Gegenwart von Kohlensäure, nicht von Milchsäure, dem 
Produkte der ScheidenbacUlen, bedingt Eine Infektion der kind- 
lichen durch die mütterliche Schade bei der Geburt hält Döder- 
lein fBr ausgeschlossen, zum mindesten bei in Schädellage geborenes 
Frflchten. 

In den häufigen negativen Resultaten der Kultunrersuche Er5- 
nig's sieht er keineswegs einen Beweis für die Keimfreiheit der 
betreffenden Sekrete, sondern bloß dafflr, daß Krönig's Nährböden 
den auf sie verimpften Keimen nicht zusagten. Die Behauptung, daB 
im Scheidensekrete niemals Streptokokken vorkommen, bezeichnet er 
im Hinblick auf seine eigenen, airf Williams* und Burckhardt's 
Versuchsergebnisse als ungerechtfertigt Schloffer (Graz). 

Giemetschka, Zur Kenntnis der Pathogenese der puer- 
peralen Infektion. (Prager mediz. Wochenschr. XIX. No. 19.) 

Der vom Verf. beschriebene Fall ist sowohl in pathologischer 
wie in klinisdier und baktetiologischer Beziehung nicht olme Be- 
deutung, weil in demselben nachgewiesen wurde, dsiß eine unter dem 
Bilde eines Puerperalprozesses sich darstellende pathologische Ver- 
änderung des Gtenitalff^temes nur durch eine sekundäre Lokalisation 
des im Körper schon vorhanden gewesenen Diplococcus pneu« 
moniae erzeugt werden kann. 

Die Infektion der Patientin hatte während der Schwangerschaft 
mit dem Pneumococcus, und zwar, wie die Sektion ergab, von 
der Nase aus stattgefunden. Es entwickelte sich nicht nur eine 
Pneumonie, später Meningitis und Endocartitis, sondern auch dei 
Fötus war von der Mutter aus pneumonisch infiziert worden und in- 
folge der acquirierten Pneumonie bald nach der Geburt zu Grunde 
gegangen. Bei der Patientin selbst war es auf dem Wege der Blut^ 
bahn an der durch die Geburt ffesetzten Wundfläche im Uterus zui 
Infektion gekommen, die zu Metroiymphangitis suppurativa und eitrigei 
Infiltration eines Scheidenrisses gefQhrt hatte. 

Das gleiche ätiologische Moment, der Diplococcus pneu^ 
moniae, hatte somit sämtliche pathologischen Befunde im Orgaois 
mus der Puerpera verursacht 

Wir haben hier also einen Puerperalprozeß vor uns, der nicht 
von außen her erzeugt worden ist, sondern die Genitalerkranknn; 
war die Folge einer Art von Autoinfektion mit dem Diplokokkengifti 
gewesen. Maaß (Freiburg L B.). 

Bu Bois Saint-S^vrin , Panaris des pdcheurs et microb( 

rouge de la s ardine. [Beitrag zur Lehre voo den Berufiikrank 

heiten.] (Annales de l'Institut Pasteur. 1894. 3.) 

Auf den Fischerstationen in Neufundland, Island und der Nord 

see kommt das Panaritium so häufig vor, daß es seit langem ali 

Berufskrankheit der Fischer aufgefaßt wird. Am meisten findet sid 



Pnarp«nlfieber. — > Paatfltiiim. 309 

die Affektkm da, wo die Fischer Angelschnttre gebraachen, welche 
ab Köder mehr oder weniger verdorbene Fische tragen. — Im Juli 
1893 wurde in einem Geschäft wdches sich mit der Herstellong von 
Oelsardiiien beschäftigt, die Bemerkung gemadit, daß die oberste 
Lage der in Blechbüchsen eingelegten Sardinen eine lebhaft rote 
Faibe angenommen hatten und, wenn sie unf erlötet stehen blieben, 
eioai fiuiligai Geruch verbreiteten. Die Untersuchung der gleich- 
mlBig über die Schuppen aitftretenden Böte erwies das Vorhaoden- 
sdn sdur zahlreicher Coccobacillen. Gleichseitig mit dem Auftreten 
der roten VerfiMinng an den Fischen verlief eine kleine Panaritium- 
epidemie. Von dem Eiter eines spontan aufgebrochenen Panaritium 
wurde eine kleine Menge in Bouillon und in Gelatine übertragen als 
AnsgaagBoiaterial für die mittels Plattenverfahrens hergestellten Bein- 
knltaren. In der Bouillon, die bei 37 ^ C gehalten wurde, zeigte sich 
schon nach wenigen Stunden reichliche Verffirbung und lebhaftes Auf- 
bnusen; in den n&chsten Tagen entstand eine dicke,* bläuliche Decke. 
Die bei Zimm^emperatur gehaltene Gelatine verflüssigte sich sehr 
sdmeU Iftnga des ganzen Stiches, trübt sich sodann und erhält eine 
Decke, die nach dnigen Tagen rosa gefärbte Bänder zeigt Von 
einer GelaÜnereinkultur wurden 3 mit Kartoffeln und 3 mit Oel- 
saniiaen beschickte Beagenzgläser geimpft, die im Autoklaven sterili- 
siert worden waren. Schon nach einigen Stunden zeigten die 6 im 
Brtttofien bei 37^ G gehaltenen Kulturen lebhafte Karminröte und Ge- 
mch nach Trimethylamin und die Anwesenheit von den im ersten 
Falle beobachteten kleinen Coccobacillen, die zu zwei und zwei ver- 
einigt, kanm länger als breit (0,5 bis 0,6 ^) sind. Manchmal findet 
nan dieselben auch zu je vier zusammenliegend ; in Bouillon bilden 
äe lange Fäden. Sie nehmen leicht Anilinfarben auf, lassen sich nach 
Gram aber nicht färben. In Plattenkulturen bilden sie kleine grau- 
gdbliche Kolonieen, die nach 4S Stunden von einer Verflüssigungs- 
zone umgeben sind und in ihrer Mitte beginnende Bötung gewahren 
lasBen. Will man eine Kolonie mit der Platinnadel wegnehmen, so 
UDgt sie sich fest an und zieht sich zu einem langen Faden aus. 
Der m den Kulturen gebildete Farbstoff ist löslich in Alkohol, mehr 
tMMdi in Wasser. 

In den Panaritien kommt der beschriebene Mikroorganismus 
Didit in Beinkultur, sondern in Gesellschaft schmaler, sehr verschie- 
den langer Bacillen vor, welche Anaöroben sind und vom Verf. eben- 
hßs m Beinkultur dargestellt wurden. Diese Anaöroben bewirken 
das obm beschriebene Aufbrausen der Bouillon und das Auftreten 
von Oasblasen in der Tiefe des Impfstiches in Gelatine. Die mit 
den beiden Mikroben an Mäusen, Batten und Kaninchen angestellten 
Tierversuche fielen negativ aus, abgesehen von einem Falle, in 
wddiem ein Kaninchen 2 ccm eines Gemisches von gleichen Mengen 
der beiden Bakterienknlturen subkutan injiziert erhielt. Am fünften 
Tage nach der Impfung trat ein Absceß auf, der am neunten Tage 
ioddiert wurde und didcen Eiter enthielt, in welchem auüer den in- 
jizierten Bakterienarten keine anderen Mikroben vorhanden waren. 
Das „paaaiis des ptehenrs** ist nach Verf. als eine durch die beiden 
Bakterienarten zustande gebrachte Mischinfektion zu betrachten. 

Gerlach (Wiesbaden). 



312 TriehinoM. — . Cystiaereiu eelialosM. 

ein DormaleB Stadiam der TrichioeneDtwickelaiig ist and daß die 
Infektion normalerweise durch die Embryonen geschieht^ weldie von 
diesen eingewanderten Trichinen herstammen. 

9) Die Weibchen, welche in die Gewebe eindringen, haben mehr 
Aussicht^ den Organismus zu infizieren, als die im Darmkanale ?er- 
bleibenden. 

10) Da die Weibchen hauptsächlich in den P eye raschen Platten 
und in den Mesenterialdrasen gefunden wurden, so ist es außer- 
ordentlich wahrscheinlich, daß fOr gewöhnlich das Lymphsystem zu- 
nächst die Dissemination der Embryonen Obemimmt; später erat 
gelangen dieselben in die Blutgefiüle, in die Kapillaren und von hier 
durch eine Art Diapedese in das eigentliche Gewebe. 

11) Die Thatsache, daß erwadisene Trichinen in die Gewebe 
eindringen, läßt die Trichinose noch ernster erscheinen, als sie es 
nach unseren bisherigen Kenntnissen bereits war ; erstens, weil unsere 
Medilnmente auf diese eingedrungenen Parasiten und ihre Larven 
nur sehr schwer wirken können ; zweitens, weil diese Weibchen nicht 
mehr mit den Faeces ausgestoßen werden; drittens, weil die Beiz- 
erscheinungen, welche in diesem Stadium der Krankheit hervorgerufen 
werden, viel schwerer sind, als wenn die erwachsenen Trichinen im 
Darme bleiben. 

12) Das Eindringen erwachsener Trichinen in die Darmwand 
giebt uns eine genügende Erklärung für die heftigen gastro^nte- 
stinalen Erscheinungen, welche so oft den Beginn der Krankheit be- 
zeichnen. W. Petersen (ZQrich). 

Lewin, Georg, Ceber Cysticercus cellulosae in der Haut 
des Menschen. (Archiv £. Dermatologie. Bd. XKVI. 1894. p. 71 
—87 u. 217-239.) 

Der Verf., welcher als Chef einer dermatologischen Klinik viel- 
fach Gelegenheit hatte, die Hautfinne des Menschen zu beobachten, 
hat schon 1877 in den Üharit6-Annalen und später in Eulenburg ^s 
Encyklopädie gediegene Arbeiten über den G^enatand publiziert. 
Seit Stich, derSchfller des trefiPlichen Rom borg, 1854 in ersterer 
Zeitschrift seinen gediegenen Artikel publiziert hat, ist unser Wissen 
über Hautfinnen am meisten durch G. Lewin vermehrt worden. 

In dem geschichtlichen Ueberblicke, wobei auch di« Finnen 
sonstiger Organe berücksichtigt werden, giebt L. die Entwickelung 
der Lehre von den alten Griechen bis 9xd die Neuzeit. Was den 
Fall von Rumler betrifft, so muß derselbe nach meiner Ansicht 
unbedingt auf P a c c h i o n i 'sehe Granulationen gedeutet werden. Das 
Verdienst, den Cysticercus in die Klinik eingeführt zu haben, 
gebührt dem ausgezeichneten Hallenser Kliniker Krukenberg. In 
dem Artikel der Charitö-Annalen hat Lew in (1877) sechs diagnosti- 
zierte F&lle publiziert Später hat besonders Guttmann ergänzende 
Beiträge geliefert, ebenso Karewski, dem wir 8 neue Fälle danken. 

Bezüglich der Frequenz zeigt sich, daß in Berlin eine Finne auf 
18—72 Sektionen gefunden wurde (in allerlei Organen). G. Lewin 
hat die Hautfinnen im ganzen 14mal gesehen. In der Aetiologie 



Krebs. — TriohinoM. 311 

Sporen darstellteD ; dieselben fanden sich auch oft frei oder am Rande 
TOD degenerierten Kernen. S. h&lt diese fttr identisch mit den eigen- 
tflmlichen spindelf&rmigen Körpern, die P ei ff er im Blute yon Falco 
tinnoncoliis gefanden hat. Bei der Entwickelnng dieser Parasiten- 
fonn teilt rieh der Kern in eine Reihe kleiner Körperchen, die ent- 
weder kreisf&rmig angeordnet sind oder in zwei Haufen oder Töllig 
QDregelra&ßig liegen. Letztgenannter Parasit ist nicht karyophag, 
floodem zerstört das Protoplasma der Leukocyten; man findet daher 
im Blate eine Menge freier Leukocytenkeme, die allmfthlich durch 
Einwirkong des Blutplasmas zu Grunde gehen. In dem Kampfe 
zwiBchen Parasiten und Leukocyten geht jedenfalls auch eine Anzahl 
Ton ersteren zu Grunde. Die Parasiten scheinen mit Vorliebe die 
weniger widerstandsffthigen H&matoblasten zu überfallen. 

W. Petersen (Zürich). 

idlery J«, Protozoa and Carcinoma. (American Journal of 
Medical Sdences. GVIL 1894. p. 68.) 
Verf. kommt bei der mit Rflcksicht auf die parasitische Natur 
des Gardnoms vorgenommenen Arbeit zu dem Schlüsse, daß, obwohl 
7rilein8chlfl8se h&ußg als Protozoen beschrieben worden sind, dennoch 
Protozoenparasiten gelegentlich in Garcinomen vorkommen können und 
utch wirUich vorkommen. Diese sind jedoch nicht spezifisch und 
finden sich nicht in jedem Krebse, auch nicht in bgendwelcher 
eharakteristischen Vertdlung. Eine ausgezeichnete Liste von Litteratur- 
angaben ist beigefügt Novy (Ann Arbor). 

Cetfontalne, Gontribution k Tötude de la trichinöse. 
(Arcbives de biologie. Bd. XIIL Fase. L p. 126.) 
C. kommt auf Grund seiner Untersuchungen über die Trichinose 
zu folgenden Schlüssen : 

1) Sobald das trichinenhaltige Fleisch von einem geeigneten 
Organismus aufgenommen ist, werden die Gysten zerstört und die 
Itfven im Mi^en in Freiheit gesetzt. 

2) Die Trichinen bleiben entweder eine gewisse Zeit im Magen 
oder sie gehen unmittelbar in den Darm über. 

3) IKe Darmtrichinen wachsen und vom 2. Tage ab findet die 
Befruchtung statt. 

4) Die Männchen werden nach einem mehr oder weniger langen 
Anfenthalte in dem Darme mit den Faeces ausgestossen. 

5) Bei dem Weibchen beginnt die Entwickelung der Larven so- 
fart nach der Befruchtung. 

6) Die Embryonen werden vom 6. Tage (nach erfolgter Infektion) 
in Freiheit gesetzt. 

7) Eine gewisse Anzahl von Weibchen dringt in die Darmwand 
ein und durch diese hindurch bis ins Mesenterium; andere Weibchen 
k5nnea im Darme verweilen und dort Embryonen hervorbringen, wenn 
sie nicht sehr schnell ausgestofien werden. 

8) Da alle erwachsenen Trichinen, die im Gewebe angetrolBen 
wurden, Weibchen waren und zwar ausschließlich befruchtete Weibchen, 
so mufi man annehmen, daß dieses Eindringen in den Oi^anismus 



314 Bothriocaphalai Utas. 

los. Der Kontakt mit Händen soll nicht schuld sein an dem häufigen 
Vorkommen von Echinococcus, weU diese Haustiere dort za 
Lande nicht allzu zärtlich behandelt würden. Verantwortlich wird 
hingegen die animalische Nahrung gemacht, und zwar yor allem 
Schafe und Fische. Zur Stütze dieser ungeheuerlichen Behauptung 
wird nur angefügt, daß die letzteren häufig roh gegessen werden 
und daß Hunderte yonSchafenan Cysticercus cellulosus (siel) 
sterben. 

Man weiß nicht, was man mehr bewundem soll, die Ignoranz 
des Autors oder die Gutmütigkeit des Herausgebers der Wochen- 
schrift, aber interessant müßte es sein, zu erfahren, wie sich Herr 
Schandein den Zusammenhang zwischen Cysticercus cellu- 
losae und Echinokokken denkt. — Ja, ja, die über die Schulter 
angesehenen Hilfiswissenschaften 1 G. Brandes (Halle a. S.)- 

Schröder. A. E., Zur Entwickelungsgeschichte des brei- 
ten Bandwurms (Bothriocephalus latus). (Wratsch. 1894, 
No. 12.) [Russisch.] 

Der Verf. hat 90 Hechte (Esox lucius) von 7—39 cm Länge 
auf das Vorkommen von Bothriocephalus -Finnen untersuch! 
und 48 Exemplare (53,3 Proz.) infiziert gefunden (41 lebend und 7 
tot gekaufte Hechte). Die Länge dieser Fische schwankte von 
15,3—39 cm und die Zahl der gefundenen Finnen variierte zwischen 
1 und 33. 11 Hechte wiesen keine Finnen in den Eingeweiden, 15 
keine in der Muskulatur auf, doch dürfte letzterer Umstand wohl mit 
der Schwierigkeit zusammenhängen, kleinere Finnen in der Muskulatui 
aufzufinden. 

Die Größe der Bothriocephalus-Finnen schwankte zwischen 
0,25 und 30 mm; so waren in einem Hechte von 21 cm Länge C 
Finnen in den inneren Organen, 27 in der Muskulatur zu beobachten; 
und zwar von 1 mm und darunter bis 25 mm und darüber. 

Zahl, Größe und lokale Verteilung der Finnen in den Hechtei 
scheinen von einander unabhängig zu sein, manchmal fanden siel 
kleine Exemplare in der Muskulatur und große in den Eingeweiden 
manchmal liegen die Verhältnisse gerade umgekehrt. Niemals warei 
die Bothriocephalus- Finnen eingekapselt. Das freie Vorkommei 
von Finnen in der Leibeshöhle der Hechte oder ihr teilweises Hinein 
ragen in dieselbe aus der Darmwand will der Verf. nicht auf aktive 
Wanderung, sondern auf Druckatrophie der über der wachsende] 
Finne befindlichen Gewebe zurückführen. (Ref. erinnert hier daran 
daß man nicht selten deutliche Gangspuren der Bothrio 
cephal US- Finnen sieht, so daß die Möglichkeit aktiver Wanderunf 
nicht zu bestreiten ist.) 

Aus der Thatsache, daß die nicht infiziert gefundenen Hechte 
im Mittel kleiner waren, als die infizierten, sowie aus dem Umstände 
daß von 9 in einem See gefangenen Hechten die beiden größere] 
(19,5 resp. 21,5 cm) infiziert und die kleineren (7—11 cm) nicht in 
fiziert gefunden wurden, will der Verf. schließen, daß die letzterei 
noch keine Zeit, sich zu infizieren, gehabt hätten, was nach MeiDuu| 
des Ref. angesichts der wenigen Beobachtungen sowie des bei Fische] 



Tftbakaftule. 315 

mit dw 6rO£e nicht immer harmonierenden Alters nicht genügend 
begründet ist Wohl aber muß Ref. zugeben, tiafi, wenn in Hechten 
Bot hriocephal US-Finnen von 0,2—0,4 mm Länge wirklich vor- 
kommeii, wie der Verf. behauptet, Ref. selbst aber nie gesehen hat, 
die Ansicht des Letzteren, daß nämlich ein Zwischenträger fQr den 
Hecht existiert, an Wahrscheinlichkeit yerliert. Bef. ist mit ent- 
^rechenden Untersuchungen beschäftigt und wird bei anderer Ge- 
legenheit Aber seine Funde berichten. 

M. Braun (Königsberg i. Pr.). 

fielireiiSyJ., Trockene und nasse Fäule des Tabaks. „Der 
Dachbrand."^ (Zeitschrift für Pfianzenkrankheiten. Bd. HL 1893. 
p. 82—90.) 
Die Mitteilungen des Verf.'s beziehen sich auf die durch zwd 
Sklerotinien (Sei. Libertiana Fuck. und Sei. Fuckeliana de 
Barj »s Botrytis cinerea Pers.) hervorgerufenen und mit ver- 
schiedenen Namen belegten Fäulniserscheinungen der leben- 
den oder schon getrocknet gewesenen und wieder (durch 
atmosphärische Einflüsse etc.) angefeuchteten Tabaksblätter. Verf. 
laA; es jedoch dahingestellt, ob die erstere der beiden Species that- 
säehlich mit der aufgenannten identisch oder das beobachtete Mycel 
(auf Grund mangelnder Gonidien* und Apothecien-Bildung) etwa der 
ScL tuberosa angehörte. 

Stets sind die genannten Arten als Ursache der Fäule zu be- 
trachteD, denn andere neben ihnen erscheinende Pilzformen (Peni- 
cilliam glaucum und Aspergillus glaucus) treten nur 
sekund&r hinzu und bringen, wie Kulturen derselben auf Blättern 
dartbates, fQr sich jene charakteristische Erweichung des Blatt- 
gewebes nicht hervor. Am verbreitetsten auf den Trockenräumen der 
Tabaksblätter ist Sei. Libertiana, während die zweite Art in un- 
gleich geringerem Grade auftritt; diese ist aber nach Verf. mit der 
auf Speisezwiebeln und Beben erscheinenden Botrytis identisch und 
kann von ersteren gelegentlich auf den Tabak übergehen. 

Beide pflegen zuerst, und bisweilen ausschließlich, auf der Bippe 
anfeutreten (Bippen faule) und von da ins Mesophyll einzudringen; 
Sei. Libertiana bildet dabei einen feinen weißen Ueberzug, wäh- 
rend die andere sogleich durch die reichlich erzeugten Cionidienträger 
aofiallt; das endophyte Mycel findet man nur intercellulär. Nur die 
Sklerotien der ersten finden sich frei, leicht loslösbar, auf dem 
Blatte, während in die der zweiten ein Teil des Blattgewebes mit 
eingeschlossen wird; jene erreichen einen Durchmesser bis 1 cm. 
Beide Pilze bewirken die gleichen Veränderungen des Blattes, wie 
solche in anderen Fällen auch schon von de Bary und Eieß- 
ling studiert wurden. Verf. glaubt sie gleichfalls der Wirkung eines 
von den Hyphen ausgeschiedenen giftigen Ferments zuschreiben 
zu dürfen, übersieht dabei scheinbar jedoch diejenige der gleichfalls 
reichlich produzierten Oxalsäure, denn nach eigener Angabe desselben 
findet in den absterbenden Zellen eine reichliche Kalkoxalatbildung 
statt Auch auf künstlichen Medien verschiedener Zusammensetzung 
wuchsen die beiden Pilze gut. 



S16 ^P^ Litteratnr. 

Bei richtiger Leitung des Trocknens bleibt die Pilzvegetation auf 
die Mittelrippe beschränkt; im übrigen sollen nach Verf. beide Sklero- 
tinien erst der Erstarkung durch saprophytische Ernährung (in toten 
Fartieen) bedOrfen, um als Parasiten am lebenden Blatte auftreten 
zu können — eine ähnliche Angabe liegt bereits von de Bary vor. 
Da als Veranlasser der Infektion durch Sei Libertina nur die 
Ascosporen in Betracht kommen können, muß solche bereits auf 
dem Felde erfolgt seiUi worüber noch nähere Aufklärung erwünscht 
ist; die Ausbreitung von Blatt zn Blatt erfolgt durch rein vegetatives 
Wachstum, bei Sei. Fuckeliana jedoch außerdem reichlich durch 
die C!onidien. Letztere Art kann auch auf Hanf parasitisch auftreten, 
stimmt auch darin also mit der den Hanf krebs veranlassenden 
Sei. Libertiana überein. 

Endlich bespricht Verf. noch kurz die bisher vorli^enden An- 
gaben über den „Dachbrand^* von Müller rThurgau (welcher andere 
Pilzformen fand) und M i c i o 1, die jedoch einen kausalen Zusammenhang 
zwischen der Fäulnis selbst und den beobachteten Species nicht 
deutlich erkennen lassen. Sturgis gab als Ursache der Bippen- 
filule („Stem-rof die Botrytis longibrachiata, voraussichtlich 
mit oben genannter Species identisch, an, während derselbe den 
Dachbrand („pole-burn^O durch Bakterien auf ursprünglich ^on 
neutralen Pilzen (G 1 a d o s po rium) bewohnten Stellen des Blattgewebes 
entstehen läßt. Es gelang demselben jedoch nicht, durch Impfung 
die genannte Erscheinung hervorzurufen. De Toni beobachtete 
parasitisch auf Tabaksblättem Botrytis vulgaris Fr. 

Ueber Angaben betreffs Maßregeln gegen Auftreten und Weiter- 
verbreitung genannter Pilze ist das Original einzusehen. 

Wehmer (Hannover). 



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tftvmBmaaMxh» ItaohdraokM«! ÜI«nDUB INitiU) ia J« 



Bakteriologie und Parasitenkunde. 

In Yerbindnng mit 

QiilL M. M Dr. Lenckart ni ProflM Dr. Loe&lff 

IB Ldpilf ta QfalftiraU 

heratugegeben von 

Dr. O. TThlv^orin in Cassel. 



Verlag von Gustav Fischer In Jena. 

XVL Band. -t>- Jena, den 6. September 1894. -o- No. 8/9, 



Pnis Ar dMt Band (96 Hiiaiiii«rn) U Iburk. 

J&hrlicli erscheinen swei Bftnde. 

-«»f Zn besiehen dnrch alle Bachhandlnnc^n nnd Postanstalten. |4^ 

Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasiten- 
kundef* richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige 
Wünmehe wm lAeftrwng vtm beeonderen Abdrücken ihrer Auf» 
eMge enHoeder bei der Büneendung der Abhandlungen an die 
BedakOan auf da» Manuskript »ehreiben sm woOen oder »pä» 
te&iene nach Bmipfang der ersten KorrekiuraXnBüge d/lrekt an 
den Verieger, Herrn Cfustav Fischer in Jenaf geiangen 9U 
ia s sen * Die Verlagshandlung ist leider nicht in der Lage, später 
eingehende Wünsche berücksichtigen zu Mhmen* 

Original -Mittheilungen. 

Zur Note der Herren Ä. Lastig und N. De Oiaza 

ffUeber das Vorkommen von feinen Spirillen in den 

Ausleerungen von Gholerakranken. 

Von 

Dr. H. Kowalski, 

Begimentsarst 
in 

Wien. 

In Bd. XV. No. 19/20 des Gentralblattes für Bakteriologie und 
Parasitenkande bringen die Herren A. Lustig (Florenz) und N. De 
Giaxa (Neapel) in Erinnerung, daß sie schon im Jahre 1886 eine 
MitteDoDg publiziert haben („Ueber die vier Cholerafälle in Triest^^ 

ZTLBd. )i 



822 H. Kowalski, 

in der Wiener med. Wochenschrift No. 10, 11 und 12), aus der zu 
entnehmen wäre, daß ihnen die Existenz feiner Sfurillen in Darm- 
entleerangen von Cholerakranken schon damals, also frOher als 
Anderen, bekannt war und daß trotzdem der Herr Lastig w&hrend 
der im nächstfolgenden Jahre (1887) in Triest aasgebrochenen EpU 
demie bei der Untersachaog von mehr als 100 Cholerakranken (Bak- 
teriologische Stadien Aber Cholera asiatica von A. Lastig. Zeit- 
schrift für Hygiene. Bd. III. 1888) keine Gelegenheit fand, dieselben 
wiederzufinden. Es scheint ihm deshalb, daß diese Spirillen in keiner 
Beziehung zu der asiatischen Cholera stehen. 

Dieser Mitteilung sehe ich mich veranlaßt, nachstehende Be- 
merkung beizufügen. 

In der ersterwähnten Arbeit der genannten Herren findet sich 
über die mikroskopisch-bakteriologische Untersuchong nur folgender 
Passus vor: 

„Es wäre von wissenschaftlichem Interesse gewesen, gleich beim 
Ausbruche der Krankheitsfälle Kulturen der aus den Dejektionen der 
Kranken stammenden Bacillen anzufertigen — die uns aber dieses 
Mal aus Mangel an Arbeitsmitteln fehlen ~ was auch unseren mikro- 
skopischen Präparaten mehr Wert beigelegt hätte. Wir fanden in 
den mit Fuchsin gefärbten Präparaten der frisch entleerten Dejektionen 
die verschiedenen Formen von Mikroorganismen : Kommabacillen^ 
Vibrionen und Spirillen und nur spärliche morphologische 
Bestandteile der Schleimbaut oder des Transsudationsprozesses. 

Die Abbildung (gezeichnet bei Ocul. 3, Oelimmersion 1/16, Mik. 
Leitz, Vergr. 1000), die wir beigeben, stammt aus einem Dauer- 
Präparate einer Schleimflocke des Beiswasserstuhlesdes H.(am zweiten 
Krankheitstage). Da sind nur eine einzelne Epitbelzelle und nur ver- 
einzelte Kommabacillen, zu Gruppen vereinigte Kokken, Vibrionen 
und Spirillen zu beobachten/^ 

In der zweiten obenerwähnten, von Herrn A. Lus tig publizierten 
Arbeit ist nur eine Stelle vorfindlich, welche hier in Betracht ge- 
zogen werden könnte, die, wörtlich angeführt, folgendermaßen lautet 
und einen grellen Widerspruch zu der eingangs erwähnten jüngsten 
Angabe der beiden Herren (Lustig und De Giaza) dokumentiert. 
Gleich auf der ersten Seite dieser Arbeit wird folgendes berichtet: 

,^an bereitete in der üblichen Weise aus einer in dem flüssigen 
Darminhalte suspendierten kleinen Schleimflocke eine Anzahl mit 
!Fttchsln gefärbter mikroskopischer Präparate. 

Indem man diese durch ein Reich er t'sches Objektiv mit homo- 
gener ^/^o Immersion bei dem Beleuchtungsapparate von Abbe be- 
obachtete, sah man, außer Epithelialzellen der Darmschleimhaut, 
Mikroparasiten von verschiedener morphologischer Struktur, größere 
und kleinere Kommabacillen, Stäbchen und Spirillen. 

Aus diesen mikroskopischen Beobachtungen wäre es unmöglich 
gewesen, zu bestimmen, ob unter den Bacillen, welche sich in jedem 
Sehfelde zeigten, auch die Koch 'sehen waren. Um sich hierüber 
endgiltig zu entscheiden, mußte man den Erfolg der schon angelegten 
Plattenkulturen abwarten. . . .^' 



Zur Not« der Herren A. Lnitig und K. de Qiaxa etc. 

ObwobI Herr Lästig in der letzterwähnten Arbeit geradeso 
wie in der ersten Publikation ganz aosdrücklich and in ganz gleichem 
Ssne Yon Spirillen erwfthnt, findet er in seiner letzten Mitteilung 
(Bd. XY. No. 19 and 20 d. Z.) doch fQr angezeigt, zu erinnern, dal 
er diesdben bei mehr als 100 Gholerakranken nicht gefanden habe. 

Fflr diesen Widersprach finde ich nur die nachfolgende Ei> 
Uining plausibel. 

Herr Lustig hat geradeso, irie er größere and kleinere Komma- 
bidlleQ gesehen, auch dOnne und dickere Spirillen yor sich gehabt ; 
er war sieh dessen nicht bewuSt, daß die dQnneren selbständige Spi- 
rfflen sm generis waren, hat dieselben hOchst wahrscheinlich zu den 
Koch 'sehen Spirillen zugez&hlt und aus dem Grunde dieser Form 
bä seinen sp&teren Untersuchungen keine weitere Beachtung ge* 
Bcbenkt Erst durch meine Publikation veranlaßt, hat er sich er- 
innert, daß dOnne. Spirillen auch in seinen Präparaten zu sehen waren, 
die hfebst wahrscheinlich mit den von mir beschriebenen Spirillen 
identisch sein dürften, was flbrigens nicht aus der Mitteilung der 
Herren Lustig und De Giaxa, wohl aber nach der der Mitteilung 
beigegebenen Zeichnung mit größter Wahrscheinlichkeit als richtig 
ftnzQnehmen wäre. Unter dieser Voraussetzung kann die Thatsache 
zugegeben werden, daß auch in Triest im Stuhle eines Gholerakranken 
feine Spirillen angetroffen wurden. 

Ich glaube, daß unlieb wie Lustig und De Giaxa auch 
Andere Herren die erwähnten Spirillen gesehen, aber dieselben nicht 
weiter beachtet haben. So habe ich neulich in der wissenschaftlichen 
Aosstelluog in Bom zur Zeit des letzten internationalen medizinischen 
Kongresses unter den exponierten bakteriologischen Photogramm^ 
lodi ein Photogiamm von Prof. Zettnow aus Berlin exponiert ge- 
sehen, an dem ich unter dem sogen. „Fischzuge von Koch* sehen 
Cholerabadllen^ auch ganz ausgezeichnete mebrerwähnte zarte Spi- 
rillen wiedererkennen konnte. 

Nach dieser Erwägung erscheint mir die Behauptung beider 
Herren nicht erwiesen und daß diese Spirillen in keiner Beziehung 
ZQ der asiatischen Cholera stehen, aJs hinfällig oder mindestens als 
toreilig. 

Ebenso ist die Bemerkung der Herren Lustig und De Giaxa 
nebt richtig, daß sie die zarten Spirillen bei Cholera früher als 
^ere gesehen hätten. Ich erlaube mir diesbezQglich zu erwähnen, 
^ ich noch gegenwärtig sowohl Deckglaspräparate, als von mir 
^gefertigte Photogramme von Dejekten und Darminhalt von Cholera- 
knuiken und Oboleraleichen besitze, die ich während meiner bakterio- 
logischen Cholerastudien zur Zeit der im Jahre 1884 in Paris aus- 
gebrochenen Choleraepidemie gewonnen habe und die letzteren im 
Ähre 1887 in der wissenschf^tlichen Ausstellung des hygienischen 
demographischen Kongresses in Wien exponierte, welche unzweifelhaft 
beweisen, daß ich die fraglichen Spirillen schon damals vor mir 
juute und sehen mußte, daß mir jedoch, wie vielen anderen, bei dem 
intensiven Forschen nach der Existenz der Koch 'sehen Bacillen und 
Spirillen die weitere Beachtung derselben um so leichter verloren 
gehen konnte, als wir damaJs hauptsächlich den Kulturen Koch*- 

21* 



324 Theobaid Smith, Grob« nnd feine SpiriUen im Danae eines Schweinei. 

Bcher Bacillen die größte Bedeatiing beilegten und die vorhandenen 
Spirillen iveniger sorgfältig studierten. 

Erst meine Untersuchungen in Hamburg zur Zeit der großen 
Epidemie im August und September 1892 gaben mir Veranliusang, 
diesen Gebilden größere Bedeutung beizulegen und denselben weiter 
nachzuforschen, worüber ich in der k. k. Gesellschaft der Aerzte in 
Wien meine vorläufigen, jedoch genügend ausführlichen MitteUungen 
machte. Von da an bin ich bemüht, keine Gelegenheit unbenutzt 
vorübergehen zu lassen und auch andere Forscher recht nachhaltig 
zu ersuchen, diesen Spirillen, die ich, um weiteren Verwechslangen 
entgegenzutreten, mit dem Namen „Spirillum hachaizae^' oder 
Spirillum hachaizicum bezeichnen möchte, ganz besondere Auf* 
merksamkeit zuwenden zu wollen. 

Auf die interessanten und schätzenswerten Berichte über Vor- 
kommen feiner Spirillen in den Dejektionen Cholerakranker, welche 
die Herren R. Abel, Dr. Aufrecht und M. Rechtsamer in d. Z. 
publiziert haben, behalte ich mir vor, bei günstigerer Gelegenheit 
zurückzukommen, da ich hoffe, daß auch die diesjährige Gholera- 
epidemie in Europa noch weitere diesbezügliche Mitteilungen ver^ 
anlassen dürfte. 

Wien, den 9. Juli 1894 



Grobe und feine Spirillen im Danne eines Schweines. 

Von 

Dr. Theobaid Smith 

in 

Washington, D. C. ü. S. A. 

Die kürzlich erschienenen Schriften über feine Spirillen in den 
Dejektionen Cholerakranker veranlassen mich, eine Beobachtung aus 
der Tierpathologie mitzuteilen. Anfangs 1889 fand ich nicht ver- 
flüssigende Kommabacillen in kleinen Geschwüren des Dickdarmes bei 
einem Schweine, die ich in dieser Zeitschrift ^) kurz beschrieben habe. 
In denselben Ausstrichpräparaten, mit alkalischem Methylenblau ge- 
färbt, fand ich neben massenhaften Vibrionen auch sehr viele feine 
Spirillen, die aus zwei bis drei Wellenlängen bestanden. Die Wellen- 
länge der fixierten Form betrug ungefähr 2 fi. Ein Präparat, jetzt 
über fünf Jahre alt, zeigt die winzigen Spirillen noch recht deutlich. 
In Kulturen kamen sie damals nicht wieder zum Vorschein. Weitere 
Untersuchungen über die Gegenwart dieser Organismen bei anderen 
Tieren sind nicht angestellt worden. 

Washington, 2. Juli 1894. 



1) Bd. X. 1891. p. 179. 



Siehftrd ClauBea, VerlDdenrngen des Choloravibrio. 325 



Verandenuigen des Gholeravibrio. 

[Aus dem hygienischen Institut der Universität Königsberg.] 

Von 

Bldiard Claußen, 



In 

Königsberg i. Pr. 

Im Anschlufi an die kflrzlich erschienenen Arbeiten von Bor- 
doni-Uffreduzzi (Hygien. Bundschau. 1894. No. 11) und Celli 
and Sartoni (Gentralbl. f. Bakteriologie. No. 21) Ober transitorische 
EigenflchafteDL des Chderavibrio möchte ich eine auffiUlige Erschei- 
oong mitteilen, welche ich bei einer Untersuchung auf Cholera- 
badllen beobachtet habe. 

I>nreb einen an der Grenze stationierten Arzt wurden uns aus 
dem verseuchten russischen Grenzgebiet Dejektionen eines Mädchens, 
die angeblich an der asiatischen Cholera erkrankt war, eingeschickt. 

Die mikroskopische Untersuchung ergab im hängenden Tropfen 
die charakteristische Bewegung, im gäärbten Präparat sehr zahlreiche 
deutiich gekrümmte Stäbchenfonnen. 

Die Gelatineplatten zeigten viele Kolonieen, die zwar die eigen- 
artige Struktur der Cholerabacillenkolonieen besaßen, deren Rand 
jedoch zerfallen war und wie angenagt aussah. Sie bestanden aus 
etwas didkeren gekrammten Stäbchen mit lebhafter Bewegung. Bei 
den Kulturen in Peptonwasser sah man ebenfalls gekrümmte Stäbchen 
ond Bew^;ung. Die Nitrosoindolreaktion trat nicht ein, 
während sie sehr deutlich war bei einem KontrolWersuch , welcher 
mit der aus der Sammlung entnommenen Cholerakultur in demselben 
Nährmaterial zu gleicher Zeit angestellt wurde. Es wurden nun aus 
den Gelatineplatten Reinkulturen gezüchtet und dayon neue Platten 
gegoBStti, Kulturen in Peptonwasser und Stichkulturen angelegt und 
dnem Meerschweinchen 1 ccm einer starken Aufschwemmung der 
Agarkaltur in BouUlon (1 Platinöse auf 1 ccm) intraperitoneal in- 
jiziert. 

Anf den Gelatineplatten wuchsen wieder die oben beschriebenen 
Kdonieen, die daraus gefertigten mikroskopischen Präparate zeigten 
auch jetzt etwas dickere gekrümmte Formen. Die Nitrosoindolreaktion 
trat nicht ein. Die Stichkulturen entwickelten sich sehr langsam 
und ohne die charakteristische Form. Das Tier verendete nicht. 

Wieder wiirden Yon den Platten Reinkulturen auf Agar und 
davon Kulturen in Peptonwasser angelegt und einem Meerschweinchen 
die gleiche Menge wie yorher injiziert. 

Das Tier verendete unter den Erscheinungen der Peritonitis. 
Die, von dem peritonealen Exsudat, der Milz und dem Blute aus den 
Herzhöhlen angelegten Agarkulturen ergaben Reinkulturen von Cholera- 
badUeo. Die Peptonwasserkulturen zeigten eine schöne Nitrosoindol- 
reaktion, die Stichkulturen hatten Trichterform. 



A* Lattigy 

Dasselbe Resultat wurde bei einem dritten gleichartigen Ver- 
such gefunden. Aus diesen Ergebnissen kann man wohl den für die 
bakteriologische Choleradiagnose nicht unwichtigen Schluß ziehen, 
daß der Choleravibrio mitunter bei Veränderung seiner Lebens- 
bedingungen, besonders bei Verpflanzung aus natürlichen Verhältnissen 
auf künstliche Nährböden, einige zur sicheren Diagnose notwendigen 
Eigenschaften verliert und sie erst wiedergewinnt, wenn er sich an 
den neuen Nährboden gewohnt haft. 

Königsberg, 17. Juli 1894' 



Mikroskopische üntersnohang von Oholsraezkromenteny 
welche 33 Jahre lang in Facini'scher Flüssigkeit auf- 
bewahrt worden waren» Historische Merkwürdigkeit 

Von 

Prof. A. Lvsttg 

hl 

Florenz. 

Es ist bekannt, daß Filippo Pacini^) im Jahre 1854 seine 
mikroskopischen Beobachtungen und pathologischen Folgerungen aber 
die asiatische Cholera veröffentlichte und in der DarmfiQssigkeit eine 
große Menge von Vibrionen beschrieben hat, ,y&ußerst dQnn, 0,0020 bis 
40 mm lang und 0,0005—7 mm dick''. Die teilweise ZerstGmag der 
Schleimhaut mußte mau nach Pacinl einem organisierten Wesen 
zuschreiben; die von ihm beobachteten „Vibrionen^^ hielt er für filbig, 
die Ablösung des Epitheliuma und die anderen Alterationen hervor- 
zubringen. Aber er sagt ausdrücklich: ,,Um diesen Vibrionen die 
Qualität eines Kontagiums der Cholera zuschreiben zu können, wäre 
es nötig, eine ungewöhnliche, diese Krankeit konstant begleit^ds 
Species in loco wiedererkennen zu können.^' 

Pacini war schon von der parasitären Natur der asiatischen 
Cholera überzeugt und schloß im Jahre 1854 mit der Vermutung: 
,.Auch andere, künftig zu entdeckende mikroskopische Wesen könnten 
die Ursache der Alterationen im Darme sein.'* 

Auf diese erste Arbeit folgte im Jahre 1865 eine andere*) üb^ 
denselben Gegenstand, worin er die an der Basis der abgelösten 
Darmzotten bestehenden Läsionen beschreibt, welche von einer dichten 
Masse «feinster Moleküle von der Größe eines Tausendstel Millimeters 
höchstens umgeben sei, ein weißlich opakes Aussehen und eine ge* 
wisse Konsistenz und Dichtigkeit besitze. 



4)Tomma8oCrud6li, Note poar rhUtoire de la d^eouvcrta dtt b*cille dv 
oholdra. (Areh. ital. de biologi«. — OmmIU medica italluia. FIraue iS54.) 
%) CroMoa madio« di Firania. 186I^/1S66. 



Ifikvoskoplscht Untartuchaog top GholtraezkremtnteD ttc 327 

Diese Molekfile sind Dach Pacini lebende Wesen, einem 
Ferment fthnlicb, und als spezifische Ursache der Krankheit nennt maa 
8ie ,,cholerigene8 Fernient^\ 

In einer qi&teren Arbeit im Jahre 1871 ^ wird das cho lerigene 
Ferment aach Cholerapila (fungo del cholere) genannt; er 
spricht ihm jede toxische Wirkung auf den Organismus ab und 
ffAt nur dne mechanische zu. Im Jahre 1880*) sagt Pacini; 
,J>ie Cholera wird durch eine besondere Art von llikrobium dar- 
gestelli, d. h. durch eines jener organisierten Kontagien von tierischer 
oder pflanzlicher Natur, welche örtlich wirken, wie die Milbe in der. 
SrftUie oder der Pilz beim Grinde, ohne eine allgemeine Infektion. 
henroraQbEingen.^ 

Das cholerigene Mikrobium ist von körniger oder molekularer 
<3estalt und angefUir ein Tausendstel eines Millimeters im Durch- 



In einer späteren, polemischen Arbeit (12. April und 12. Dezember 
1892^) sagt er, statt Bacillen zu kultivieren, um den echtea 
Choleradelinquenten aufzufinden» habe er ihn in den Einge* 
weidea der Cholerakranken aufgesucht, wo er das absorbierende 
l^theliniii und auch viele Zotten zerstört, die man dann in den 
Dejcdctionen findet; „und um ihn unter so vielen Millionen von 
Bacillen und von anderen fQr unschuldig gehaltenen zu unterscheiden, 
suchte ich ihn bei seinem Werke der Zerstörung und auch der Nestbil- 
doBg au flberraschen^. Er sagt, die Cholerabacillen drängen nicht in das 
Blat ein. Von den Bacillen und Mikrobien, welche die Eingeweide 
10 der asiatischen Cholera belagern, handelt er auf Seite 13 desselben 
Aa£uitze& 

Ans dem bis jetzt Gesagten scheint mir deutlich hervorzugehen,. 
daC Pacini (t 1883) auf zweifellose Weise die Ansicht ausgesprochen 
hat, die asiatische Cholera werde durch spezifische Mikrobien hervor- 
ftebracht und diese hätten ihren Sitz im Darme und nicht im Blute. 
Abweichend von Gietl (1841), von Parkes (1849), von Cadet 
(1864), von Kl ob (1867) und vielleicht von Anderen^ welche Mikro- 
organismen in den Choleraansleerungen beschrieben habeb, betont er 
mit voller Üeberzeugung die Spezifizität dieses von ihm beschriebenea 
Qioleramikrobiums. Aber kann man behaupten, wie es nach der 
Entdeckung des Kammabacillus durch Koch mehrfach geschehea 
ist,. Paci&i habe denselben Bacillus vor Augen gehabt, wie den voa 
Koch aufgefundenen ? Bei dem geringeren Werte, welchen die mikro^ 
skopische, nicht von der bakterioskopischen begleitete Untersuchung 
hat, kann die Frage nur einen rein historischen Wert haben und 
idi komme auf den Gegenstand nur der Merkwürdigkeit halber 
zurück. 

Durch die Freundlichkeit des Prof. Giulio Chiarugi, des Nach- 
folgers Pacini^s, erhielt ich ein Qlasfläschchen von 50 ccm Inbrit^: 
durch einen eingeschliffenen Stöpsel gut verschlossen, worin Pacini 

1) L'IaipanUle di Firenio. 1S71. Agotto. (S. Htdicinlach-ehinirgiaoht Randflehan* 
Wien 1S79.) 

S) FImiM, eoi tipi dei soeeestori Le Monnier. ISSO. 
S) FlrMue , tipognüft eooperatiT«. 1S9S. 



328 ^* Lttttig, Ifikroskopisehe üntonaefanog Ton CbolerMxkramenton etc. 

im Jahre 1861 ^) eine gewisse Menge von diarrhöischen Cholera- 
exkrementen in seiner FlQssigkeit II (Qoecksilberchlorid 1, Chlor- 
natrium 2« destilliertes Wasser 200) aufbewahrt hatte. Die von 
Pacini's eigener Hand geschriebene Etikette gab dies an. 

Auf dem Boden des Glases befand sich eine wenige Millimeter 
dicke Schicht einer gelblich-weiüen klebrigen Masse. Mit dieser 
machte ich Impfungen auf Oelatine und Agar, aber der N&hrboden 
blieb vollkommen unfruchtbar. 

Die mikroskopische PrOfung dieses Stoffes wurde so ausgeführt, 
daß ich sie auf die gewöhnliche Weise auf Deckglftschen ausbreitete, 
durch leichte Erwärmung trocknete und ohne weiteres in Kanada- 
balsam einschloß. Auch die Färbungen nach den gewöhnlichen 
Metboden gaben gute Resultate. 

In den nicht gefärbten Präparaten sah ich der Gestalt nach 
völlig wohlerhaltene Mikroorganismen von fast metallischem Glänze, 
infolge der Einwirkung des Sublimats. Die vorwiegenden Formen 
werden dargestellt durch einen kommaartigen Bacillus mit verdflnnten, 
abgerundeten Enden, ungefähr von der Länge und Dicke der Komma- 
bacillen, welche man in denCholerastühlen findet und die ich aus meinen 
direkten Untersuchungen kenne*). Außer diesen Kommabacillen 
finden sich einige gerade von derselben Länge und Dicke wie die 
gekrflmmten, sowie andere, körnige Bildungen, welche vieUeicht 
Kokken darstellen. 

Die Deutlichkeit der Präparate läßt keinen Zwdfel, sie scheinen 
mit frischem und nicht mit so altem Materiale angefertigt zu sein. 
Ich wiederhole es: Ich habe über diese Beobachtungen, welche mit 
den von Pacini selbst für cholerisch erklärten und von ihm selbst 
in seiner trefflichen Flüssigkeit seit 83 Jahren aufbewahrten Aas- 
leerungen angestellt wurden, nur als über eine Merkwürdigkeit be- 
richten wollen, indem ich durchaus nicht behaupten will (was 
übrigens nur relativen Wert haben würde), Pacini habe schon da- 
mals den viel später von Koch gesehenen Bacillus beschrieben, 
um so mehr, da dies durchaus nicht aus der von dem italienischen 
Forscher gelieferten Beschreibung der Mikrobien der Cholera her- 
vorgeht. 

Die Pacini 'sehe Aufbewahrungsmethode ist vorzüglich ge- 
eignet, um ohne weitere Färbung nach einiger Zeit die Mikrooiga- 
nismen sowohl in Reinkulturen, als in den verschiedenen Materialien, 
in denen sie sich befinden können, sichtbar zu machen. 

Florenz, Mai 1894. 

1) Im Jahre 1861 kamen In Floreni nur wenige letale CholeraflUIe yor, welche 
Ton Pacini flir aolche gehalten worden. 

S) A. L a a ti g , Bakteriologiaeht Untersnehnngen Aber Cholera aiiatkft. (Zeltschrift 
f, Hygiene. 1S87.) 



A. Ctlli nnd B. Fioeea, 9eitri^ mr AmSbenforschiing ete. 



Beitrage zur Amöbenforschimg. Zweite vorläufige Mit- 

teUmig. üeber die Klassifikation der Amöben und 

einige gezüchtete Species. 

[Aus dem hygienischen Institute der üniversit&t Born.] 

Von 

Prof. A. Celli und Dr. R. Floeea. 

Die Klassifikation der Amöben ist noch vorzunehmen. Ehren- 
berg^) und seine Vorgänger*) benutzten als Kriterien der Arten- 
anterBCbeidung die Fortbewegung, die gewöhnliche Form, die Farbe 
und andere derartige sehr veränderliche Gharaictere. Dujardin') 
zog hauptsächlich ihre Größe und die allgemeine Form ihrer ver- 
inderlichen Ausbreitungen in Betracht; jedoch faßte er diese Unter- 
schiede nicht als wahrhaft spezifische Eigenschaften auf, sondern 
vielmehr als provisorische Angaben und Merkmale, höchstens aus- 
reichend zu einer einfachen Aufzählung der Formen, aber nicht zu 
einer wirklichen Unterscheidung der Arten. 

So machten es auch Glapardde und Lachmann ^), die 
bekannten, nicht genflgendes Material zu haben, um eine syste- 
matische Beform vornehmen zu können, und während sie die Ver- 
suche von Dujardin und Auerbach^) als zu kühn bezeichneten, 
es vorzogen, gar nichts zu thun, als schlecht zu thun. 

Die neueren geschätzten Autoren, wie Lieberkühn ^), Leu- 
ckartO« Greef*), Leidy»), Maggii<>), Grassi**), welche neue 
oder auch schon bekannte Formen beschrieben, wichen nicht von den 
obengenannten Kriterien ab, denen folgend Maggi, in trefflicher 
Weise alle vorausgehenden Arbeiten zusammenfassend, 44 Arten auf- 
zählt, zu denen Grassi fernere 5 hinzufügt, die er in Tieren ge- 
fanden hat 

Bfitschli ^>) hingegen beschränkt sich darauf, in der Ordnung 
der Bhizopoden, Unterordnung A m o e b a e a , in der Familie A m o e b a 
lob OS a das Genus Amoeba zu unterscheiden, ohne die Arten 
(überhaupt aufzuzählen. Er erwähnt nur, daß sie sehr zahlreich sind, 
aber daß nur ca. ein Dutzend gewissermaßen voll charakterisiert seien, 
ohne sie jedoch genauer anzugeben. 



1) Die iBftuioostierohen als Tollkommene Orgmnismen. Leipilg 1888. 
S) Cit. Ton MagRi. (Atti dell' Istitato Lombitfdo. 1876.) 
S) Bistoin naturelle des Zoophytes. Parle 1841. 

4) Emdee enr lee Infneoires ete. Parle 1858—59. 

5) Zeiteehr. f. wiseensch. Zoologie. Bd. VIL 1856. 
S) Zeittebr. f. wieeensch. Zoologie. Bd. VIU. 1856. 

T) Bericht fiber die wiseensch. Leistnngen in der Naturgeschichte der niederen 
T&sre. 1857—71. 

8) Arehir f. mikroskop. Anatomie. Bd. II. 1866. 

f ) Proceedings of the Acad. of natnr. soienc of Philadelphia. 1874. 

10) loe. eit. 

11) Atti dell* soc ital. dl sdenie natural. Vol. XXIV. MUano 1882. 

IS) H. O. Bronn's Klassen und Ordnungen des Tierreiches. Bd. I. Protoaoa. 
Ldlp>% 1889. 



330 A. Celli nnd R. Pioeoft, 

Da wir zuerst^) verschiedene Amöben kultiviert und isolie 
haben, haben wir sie in vielen aufeinander folgenden Kultun 
studieren und feststellen können, welche davon wirklich autonoii 
Organismen sind, unveränderlich in den verschiedenen Generatione 
und welches ihre sichersten unterschiedlichen Merkmale sind, die jet 
fOr eine rationelle Klassifikation dieser Wesen folgende sind: 

1) Wohnort. 

Der Boden ist die Wohnstätte der Bakterien wie auch d 
Amöben: aus der Erde geht in die auch sehr verunreinigten G 
Wässer (SQmpfe, Brunnen) eine oder die andere Species über, die w 
als Wasserbewohner kennen lernen werden. Hingegen enthält d^ 
Darm direkt oder indirekt verschiedene Arten, auch mehr als eii 
auf einmal; z. B. finden wir von den bisher kultivierten 7 v< 
9 Species im Darme des Menschen und der Tiere wieder. So fand< 
wir in der Dysenterie außer der A. coli andere (A. spinös 
diaphana, reticularis), von denen einige auch unter normale 
Bedingungen oder in anderen Krankheiten, z. B. bei Darmkatarr 
gefunden werden; auch in der Scheide findet man sie leicht. 

Aus der Erde gehen sie natürlich leicht mit dem Staube in d 
Luft über, in der stets welche gefunden werden. Trotzdem fand« 
wir sie bisher in Nase, Mund, Pharynx und Ohr nicht. 

2) Merkmale des Amöbenzustandes, wie Form, Bewegus 

Größe, Struktur. 
Diese sind stets sehr wichtig, genügen aber zur genauen Defia 
tion nicht, da z. B. die Wellenbewegung nicht nur der A. undu 
lans zukommt, sondern auch der A. coli und in gewissen Fäll< 
auch der A. spinosa; auch können Form, Größe und Struktur sei 
viel Aehnlichkeit in Formen haben, die im übrigen recht ve 
schieden sind. 

3) Fortpflanzung. 

Diese vollzieht sich in den aufeinander folgenden Kulturen ste 
durch Teilung ohne (wenigstens unseren Beobachtungen zufolge) vo 
hergehende Konjugation; jedoch ist sie bei demselben Nährboden fi 
die verschiedenen Arten mehr oder weniger reichlich und schnell. 

So ist sie bei einigen (z.B. A. reticularis) so zahlreich, dt 
sie an die Bakterien erinnert, während sich andere (z. B. A. a r b c 
rescens) stets in wenigen Exemplaren vermehren. 

4) Merkmale des Ruhezustandes. 
Da diese vorübergehend sind, haben sie geringere Wichtigkei 
Sie sind jedoch nicht zu vernachlässigen, da man außerhalb d 
Kulturen, z. B. in den Faeces, manchmal Amöben lange Zeit b 
wegungslos in diesem Stadium antrifft. 



1) Centralbl. f. Bakteriol. n. ParMitetik. Bd. XV. 1894. No. 18/14. 



B«itrig« tur Amobenforsefaoiig. Zweite vorläaflge MitteilnDg. 331 

b) Merkmale des Cysten- oder Dauerzustandes. 

Diese sind sehr wichtig, da sie außer ihrer Permanenz auch sehr 
Qterschiedficfa sind. Das ist so sicher, daß mit Ausnahme zweier 
iKöben (A. vermicularis und A. diaphana) ein geübtes Auge 
9e stets mit Sicherheit im Cystenstadium unterscheiden l»nn. 

6) Entwickelungscyklus. 

Dieser kann durch seine verschieden lange Dauer, auch bei sonst 
sehr nahen Arten, von hohem diagnostischem Werte sein. 

Aq8 dem Gesagten geht hervor, daß keines der bisher hervor- 
sdiobenen Kriterien, auch nicht der besten, wie die mit 2 und 5 
lezeichDeten, allein für die Klassifikation der Amöben genagt Hin- 
gt^ erreicht man diesen Zweck mit Leichtigkeit und Sicherheit 
mn mao alle angegebenen Merkmale in Betracht zieht 

So haben wir bis jetzt die folgenden Arten unterscheiden können, 
ieren einigen wir schon gebräuchliche Namen gaben, auch wenn sie 
^t Töllig mit der Beschreibung und den Figuren der Autoren über- 
^mmten, da es schwierig ist (wir werden es in der nftchsten 
Arbeit fersuchen), anzugeben, welches die wahrscheinlichsten Syuo- 
mt der schon beschriebenen Formen sind. 

Wir haben also: 

Genus Amoeba Aut (emend. Bütschli). 
Species: 

1. Amoeba lobosa 

'^^rakterisiert besonders durch die stets lappenförmigen Pseudo- 
podien). 

Varietäten: 

Var. a) Guttula (Syn. Amoeba guttula Duj.) 
I Wohnort: Boden, Sumpf, Trinkwasser, Flußwasser, Meeres- 
k^, Staub, Darm von Menschen und Tieren, Abzugswasser. 

Amöbenzustand: Sehr veränderliche Form, meist mit Vor- 
%Q eines Durchmessers über den anderen ; unregelmäßig gebuch- 
^^ Kontur. 

Bewegungen: Sehr lebhaft, mit Ausstreckung stets stumpfer 
^ sehr beweglicher Pseudopodien. Durch verschiedenartige Be- 
^^Bgen and Formveränderungen wird eine Fortbewegung erzielt. 

Größe: Im längsten Durchmesser 2 — 4 lu, im kürzesten 1—2 ju. 
I Struktur: Hyalines, sehr bewegliches Ektoplasma in ca. der 
^ der Amöben und fein gekörntes Entoplasma, in dem man 
4iifig d^ blasenförmigen Kern sieht. 

Fortpflanzung: Reichlich und, wie gewöhnlich, durch Teilung 
'^ Torhergehende Konjugation. 

Ruhezustand: Kreisförmig mit einzigem und scharfem Kontur 
^^ schwankender Größe und kömigerem Inhalte als im vor- 
"^eodm Stadium; ohne sichtbaren Kern. 

Cysten- oder Dauerzustand: Rundliche Form, selten im 
^reckneten N&lurboden etwas unregelmäßig; mittlere Größe von 
^"^/<; anzige Wand; in einigen Andeutung einer doppelten Wand, 



332 ^' <^«Ili und ^' Fioee«, 

deren äußere etwas ninzlich ; Inhalt sehr feinkörnig, &st hyalm, ohne 
sichtbaren Kern. 

Entwickelungscyklus: Ziemlich kurz; nach 1 — l^/yStnndeii 
treten die Amöben aus den Cysten aus; nach ca. 24 Standen geht 
der Amöbenzustand in den Ruhezustand Ober und dann gleich in 
den Cystenzustand. 

Nach Austreten der Amöben ist die Cystenwand so dann und 
durchsichtig, daß sie nur noch für sehr kurze Zeit sichtbar bleibt 
und dann verschwindet. 

Var. b) Oblonga (Syn. Amoeba oblonga Schma.) 

Wohnort: Boden, Schlamm, Trinkwasser, Darm yon Mensdien 
und vielleicht von Tieren. 

Amöbenzustand: Veränderliche, vorzugsweise gestreckte 
Form mit gebuchtetem Kontur; manchmal zeigt sich an einem Pole 
ein Büschel Bakterien und erinnert dann an die A. Lieberkuehnii 
von Maggi. 

Bewegungen: Bisweilen sehr lebhaft wie in A. guttnla 
durch Ausstreckung gelappter Pseudopodien, bisweilen träge mit Aus- 
streckung kurzer und gedrungener Pseudopodien. Fortbewegung 
findet in der länglichen Form mit lebhaften Bewegungen statt. 

Größe: Ungefähr doppelt als in der vorhergehenden. 

Struktur: Hyalines Ektoplasma, manchmal reichlich und 
manchmal gering. Das Entoplasma besteht aus ziemlich feinen und 
lichtbrechenden Kömchen, stets mit sichtbarem blasenförmigem Kern. 
Manchmal sieht man zwischen den Körnchen 1—2 nicht pulsierende 
Vakuolen. 

Fortpflanzung: Weniger reichlich als in A. guttula und, 
wie gewöhnlich, durch Teilung ohne vorangehende Konjugation. 

Ruhezustand: Kreisförmig, ziemlich gleichmäßige Größe und 
kernigerer lohalt als im vorangebenden Zustande. Kern in vielen 
Formen sichtbar. 

Cysten- oder Dauerzustand: Runde Form, mittlere, 
gleichmäßige Größe von 1,6 — 2 /u; doppelte Wand; die äußere sehi 
dünn und mit verschiedener Wellenzahl und Weite. Die innere Wand 
dicker und stets kreisrund. Inhalt emförmig feinkörnig, ohne sieht« 
baren Kern. 

Entwickelungscyklus: Von längerer Dauer als der vor- 
hergehende, d. h. die Amöben treten in ca. 6 Stunden aus den 
Cysten aus; nach 30 Stunden sind schon viele rund, aber manchmal 
sind einige noch nach 90 Stunden amöbenf5rmig. Gewöhnlich jedoch 
sind sie nach circa 40 Stunden schon encystiert Dem Austritte dei 
Amöbe geht eine lebhafte Bewegung des Cysteninhaltes voraus. 

Nach dem Austritte der Amöbe bleibt die leere Cyste noch eine 
Zeit lang sichtbar. 

Var. c) Undulans. 

Wohnort: Boden, Schlamm und Sumpf, Thermalwasser. 

Amöbenzustand: Breite Form, nicht vorwiegend länglich 
Sehr veränderlich durch die Wellungen des Kontur. 

Bewegungen: Lebhaft und nicht sowohl in der Ausstreckung 
von Pseudopodien bestehend, als in der schnellen Wellung des Kontur 



Bcitrige rar Ain5b«nfonehimg« Zweite Torlftiiflge Mitteilung. 333 

io der die hyaline Substanz vorausgeht and die kömige Substanz 
dann einfließt. Die Fortbewegung geht zusammen mit der Ver- 
iDderang der Form. 

Große: Größeste aller bisher kultivierten Amöben; schwankt 
zwischen 6—12 ^. 

Struktur: Beichliches hyalines Ektoplasma und körniges Ento- 
plasma, welches den blasenförmigen Kern enthält In den wenig 
beweglichen Formen sieht man eine einförmige protoplasmatische 
Masse ohne sichtlichen Unterschied zwischen Ekto- und Entoplasma. 
Manchmal beobachtet man eine bis mehrere nicht pulsierende Vakuolen. 

Fortpflanzung: Nicht reichlich und, wie stets, durch Teilung, 
ohne vorhergehende Konjugation. 

Buhezustand: Oval oder rundlich; im ersten Falle lagert 
eine körnige Masse der unbeweglichen oder sich kaum wellenden 
hfafineo Masse seitlich an. Am Saume, in der kömigen Masse liegt 
der Kern. Im zweiten Falle existiert eine körnige Masse mit dem 
Kerne ond kaum mit einem dünnen hyalinen Saume. Nach und nach 
2^ sich in den runden Formen der kreisrunde Kontur und dann 
wird aach der immer blasenförmige Kern deutlicher, der unregel- 
mäßig in einem Punkte der einförmig gekörnten Masse liegt. 

Cysten- oder Dauerzustand: Eine maximale Größe für 
ftUe eocystierten Formen von 2—3 fi. Kreisrunde Form von grün- 
lidier Farbe. Aeußere Wand dünn, mit breiten Windungen, manchmal 
reichlicher an einer Seite; in einigen Formen ist sie so dünn, daß 
sie za fehlen scheint Die innere Wand ist klar und deutlich ab- 
gesetzt, wie ein schwärzlicher kreisrunder Ring, meist mit 3--4 Ver- 
(ückoDgen oder Knoten in ungefähr gleichen Abständen. Diese Knoten 
sieht man auch, wenn man die Mikrometerschraube bewegt, in der 
inneren Zone. Oft sieht man zwischen Inhalt und innerer Wand eine 
sehr feine hyaline Zone. Der Inhalt ist feinkörnig; sehr häufig ent- 
l^t er anch einen bläschenförmigen Kern. 

Nicht selten sieht man diese encystierten Formen in lebhafte 
Bewegung geraten. Man sieht dann die Wand unbeweglich und den 
körnigen Inhalt, der sich mit großer Geschwindigkeit zusammenzieht 
wie ein Körper, der sich mit äußerster Schnelligkeit in einer Flüssig- 
st bewegt. Die Bewegung hört mit dem Beginne des 

Entwickelungscyklus auf, d. h. mit dem Austreten der 
Amöben aus den Cysten, welches nach 3 — 5 Stunden eintritt. Nach 
^ Stunden treten die Amöben aus den Cysten aus. Diese werden 
^ ongefthr 72 Stunden rund und sind nach ferneren 12 Stunden 
^D encystirt. Während ziemlich langer Zeit kann man die leeren 
wsten noch beobachten, ehe sie sich auflösen. 

Var. d) coli (Syn. Amoeba coli Loesch). 

2. Amoeba spinosa n. sp. ^). 
Wohnort: Boden, Sumpf, Brunnen- und Quell wasser, Fluß- 
ond Mineralwasser, Meereshafen, Staub, Scheide, im gesunden wie 

1) It Ist wahnebeinUeh, daS diese Speeies Ton Lieberktlhn angedeutet worden 
■t (Acsd^mie Belgiqve. Mdmoires des ssyants Strängen. Tome XXVI.) 



334 A. Celli ODd R. Fiocea, 

im diarrhöe- und dysenteriekranken Menscbendarme; Ti^darm (Meer- 
schweinchen, Frösche u. s. w.); Abzugswasser. 

Amöbenzustand: Form wenig und langsam ver&ndwlich, 
meist rundlich, zerklüftet; Bew^ungen gewöhnlich träge, bestehen 
während einer langen Periode im Ausstoßen von kurzen, feinen 
Pseudopodien, spitz wie Doraen und in der Modifikation des Kontur 
in eine oder zwei Spitzen, so daß die Amöbe unregelmäßig in Spitzen 
oder Zähne zerklüftet wird, vorzugsweise auf der Seite, wo mehr 
hyaline Substanz ist. Auch während der lebhaftesten Bewegung ist 
die Fortbewegung wenig oder nicht vorhanden. 

Größe 6—10 fi. 

Struktur: Hyalines Ektoplasma in sehr geringer Menge. In 
einigen Formen sieht man es gar nicht, in anderen erscheint es wie 
ein seitliches hyalines Wärzchen, in anderen bildet es einen zerklüfteten 
Kontur, der nur kurze Zeit sichtbar ist, weil er sofort von dem 
Entoplasma eingenommen wird, welches aus feinkörniger, licht- 
brechender Substanz besteht Der stets blasenförmige Kern wird 
während der Bewegungen deutlich ; in anderen Formen bleibt er von 
der kömigen Substanz verdeckt. Vakuolen fehlen fast nie; sie 
schwanken von 1—7 und wechseln Form und Platz bei den Be- 
wegungen der Amöbe, aber man sieht sie nicht pulsieren. 

Fortpflanzung: Ziemlich reichlich und stets durch Teilong 
ohne vorausgehende Konjugation. 

Ruhezustand: Rundliche, granulierte Form mit manchmal 
sichtbarem Kern. Je mehr sich der Cystenzustand nähert, je kömiger 
wird die Form und erhalt eine warzige, gezackte Oberfläche, so 
daß sie maulbeerenförmig erscheint. 

Cysten- oder Dauerzustand: Die Form gleicht der ob- 
longen, mit Ausnahme der inneren Wand, die nicht ganz kreisnmd 
ist, sondern mehr oder weniger rundlich oder eckig, so daß manch- 
mal Fünf- oder Sechsecke entstehen. Der Inhalt ist einförmig fein- 
körnig und eher dunkel. Man sieht in diesem Zustande nie emen 
Kern. 

Der Entwickelungscyklus ist eher langsam; nach 4 bis 
5^2 Stunden sind alle Amöben aus den Cysten ausgetreten; nach 
48 bis 50 Stunden sind sie meist rund; aber einige bleiben noch 
nach 4 bis 6 Tagen Amöben. Im allgemeinen sind sie jedoch schon 
nach drca 60 Stunden encystiert. Die Cysten sind noch ziemlich 
lange Zeit nach Austritt der Amöben sichtbar. 

Varietät: Im Abzugswasser findet sich eine Amoeba spi- 
nosa, die sehr beweglich durch ihre fingerfSörmigen feinen oder zu- 
gespitzten Pseudopodien ist Man kann im hängenden Tropfen ihren 
Uebergang in die typische A. spinosa verfolgen. 

3. Amoeba dlapbana n. sp. 

Wohnort: Boden, Menschendarm bei DysenterieOIlen. 

Amöbenzustand: Form meist rundlich, manchmal ein wenig 
gestreckt, stets sehr veränderlich von der eckigen und mit Spitzen 
versehenen bis zu der aus einer unregelmäßigen Masse bestehenden 
Form, die wie ein Protoplasmalappen aussieht. 



Baitrige sur Amdbrafonehnog. Zw«ite Torlttoflge Mitteilung. 335 

Bewegung: Sehr lebhaft, während deren sie manchmal lange 
Pseudospodien ausstrecken, welche sie dann einziehen und mit 
Schnelligkeit aus der rundlichen Form in die eines unregelmäßigen 
and zerklüfteten Blattes übergehen. 

Manchmal scheint die Bewegung auch wellenförmig. Trotz der 
lebhaften Bewegung ist die Fortbewegung gering wie bei der A. 
spinosa. 

Größe: Schwankt im Längsdurchmesser von 0,5 — 2 /i. 

Struktur: Zuerst fast homogen, so daß die hyaline Substanz 
sich nicht gut von der kömigen unterscheidet. Später sieht man 
einige glanzende Kömchen, die Tielieicht verschluckte Bakterien sind ; 
and aach dann bleibt es schwer, die hyaline Substanz von der 
kömigen zu unterscheiden, da die Bewegung dahin strebt, schnell die 
ganze Masse zu verschmelzen. Der Kern ist gewöhnlich nicht sichtbar. 

Fortpflanzung: Selur reichlich und, wie gewöhnlich, durch 
Teilung. Es bilden sich bei der letzten Teilung Anhäufungen von 
Formen, die dann rund und encystiert werden. 

Ruhezustand: Die Formen sind körnig, rundlich, mit un- 
regelmäßigem Kontur, wie kleine, weiße, geschrumpfte Blutkörperchen. 

Cysten- oder Dauerzustand: Bunde Cysten mit einer 
einzigen Wand, mit fein getüpfeltem Inhalte, von der nicht sehr ein- 
heitlichen Größe von 0,7—2 jm. Ohne sichtbaren Kern. Durch diesen 
Charakter gleichen die Cysten denen von A. vermicularis. 

Entwickelungscyklus: In 2—3^/, Stunden treten die 
Amöben aus den Cysten aus. Nach 28--30 Stunden sind sie schon 
rund, und nach 36—40 Stunden sind sie schon encystiert. Jedoch 
sieht man zwischen ihnen noch längere Zeit einige Amöben. Nach 
Austritt der Amöben verschwinden die Cysten sofort 

4. Amoelia yermieularis (Weiße). 

Wohnort: Boden, Schlamm, Trinkwasser, Scheidensekret der 
gesunden und der krebskranken Frau, mensdilicher Darm bei Dysenterie. 

Amöbenzustand: Form sehr wenig veränderlich, immer ge- 
streckt wie ein Würmchen. 

Bewegung: Träge; die lebhafteste Bewegung zeigt sich in 
einer seitlichen Beugung, so daß die Amöbe einen Bogen bildet, ein 
S oder einen Winkel und sich dann zusammenknäult, um sich wieder 
zu strecken, sich zum Haken zu krUmmen, sich an einem Fde zu 
spalten. Die Fortbewegung ist jedoch sehr beschränkt. 

QegBn das Ende des Amöbenzustandes sieht man die Amöbe aus 
der wnrmförmigen Figur in die ranzlige, gezähnte abergehen. 

Größe: Längsdurchmesser 4—6 /u; Querdurchmesser ca. 1 fi. 

Struktur: Hyaline oder sehr feinkörnige Substanz ; der Unter- 
schied zwischen Ekto* und Entoplasma ist nicht einmal in der 
Periode der kräftigsten Bewegungen deutlich. Man sieht gewöhnlich 
den blasenf&rmigen Kern. Vakuolen sind nie sichtbar. 

Fortpflanzung: Ziemlich reichlich und, wie gewöhnlich, 
durch Teilung. 

Buhezustand: Bunde Formen, scharfer Kontur, feinkörniger 
Inhalt, einheitliche Größe, ohne sichtbaren Kern. 



336 ^ <^«ll< ^^ ^ Pioee«, 

Cysten- oder Dauerzastand: Rande Formen, einheitliche 
OrOße von 0,6—3 fi^ einzige Wand mit scharfem Kontur, feingetQpfelter 
Inhalt 

Entwickelungscyklus: !Semlich lang. Die Amöben ge- 
brauchen ungefähr 3 Standen, um aus den Cysten zu treten. Nach 
40—42 Stunden sind die meisten rund. Nach 72 Stunden sind sie 
meist encystiert Jedoch beobachtet man noch nach 6 Tagen einige 
in Bewegung. 

Nach dem Austreten der Amöben Terschwinden die Cysten. 

6. Amoeba retleulariB ^- sp- 

Wohnort: Boden, Sampfund Thermalschlamm (Ischia), mensch- 
licher Darm bei Dysenterie. 

Amöbenzustand: Form dauernd länglich, oval, dreieckig, 
viereckig, rundlich; yon den Ecken gehen Aufierst feine Fäden aus, 
1—2—3 an der Zahl, mit denen die Amöben sich untereinander zu 
einem Netze vereinigen. 

Bewegung: Sehr langsam, fahrt im äußersten Falle zu einer 
sehr leichten Veränderung des Kontur; fast ohne Fortbew^ung; 
kaum aus den Cysten herausgekommen, sind die Amöben unregel- 
mäßige Protoplasmamassen ; dann strecken sie sich in die Länge, ver- 
ändern die Form und strecken die oben genannten Fäden aus, die 
sie schnell beim Aufhören des Amöbenzustandes einziehen. 

Größe: Schwankt zwischen 2— 4^ und, die Fäden inbegriflfen, 
zwischen 8—14 /u. 

Struktur: Bestehend aus einer homogenen, hyalinen Substanz, 
stets ohne sichtbaren Kern, sehr selten vakuolenhaltig. 

Fortpflanzung: Sehr lebhaft und durch Teilung ; d. h. man 
sieht die Formen feiner werden ; aus einer bilden sich 2—3 Elemente, 
die eiförmig, birnförmig, rundlich sein können und durch äußerst feine 
Fäden vereinigt sind, die später zerreißen, so daß die Elemente selb- 
ständig werden. 

Ruhezustand: Vollständig runde Formen, feinkörnig und 
von verschiedener Größe. 

Cysten- oder Dauerzustand: Formen, deren Größe 
zwischen 0,2—2 fi schwankt, d. h. von der Größe einer Schimmel- 
spore bis zu der eines roten Blutkörperchens und zuweilen bis zu 
der einer Cyste der A. undulans; die kleinen Formen sind stets 
die zahlreicheren und manchmal zu Gruppen vereinigt ; stets eine 
einzige kreisrunde, dünne Wand; die kleinen Formen stets rund; In- 
halt hyalin, stark lichtbrechend, in den großen Formen höchstens 
außerordentlich fein punktiert; ohne sichtbaren Kern. 

Entwickelungscyklus: Schnell; nach 3—5 Standen sind 
alle Amöben ausgetreten ; nach 20 Stunden sind sie schon rund oder 
encystiert; nach 30 Stunden findet man schon fast keine Amöben- 
form mehr. 

Nachdem die Amöben ausgetreten sind, verschwinden die Cysten 
sofort. 



1) Nioht mit der A. reticalosa tod Bfittehll la yerwechtaln. 



B«itrige lor Am5b«nfonehiuig. Zweite yorlftafige Mitteilnag. 337 

6. imoeba arborescens n. sp. 

Wohnort: Sampfiscblamm (Maccarese). 

Amöbenzustand: Form sehr veränderlicb , entweder aus 
Zweigen bestehend, die in einem Punkte zusammenlaufen, oder aus 
einer rundlichen Masse, von der Pseudopodien ausgehen, die nie 
nniereinander anastomosieren. 

Bewegung: Ziemlich lebhaft, wahrend deren die verschiedensten 
Yerzweigungsformen auftreten ; nur eine langsame Fortbewegung wird 
beobachtet 

Größe: Verschieden, in den verzweigten längsten Formen von 
5—10—12 /u. 

Struktur: Bestehend aus einer hyalinen, feinkörnigen Substanz; 
der Kern ist in den sehr verzweigten Formen nicht sichtbar, erscheint 
aber manchmal in dem kugelförmigen Teile, von dem die Zweige aus- 
geheD; man beobachtet nie Vakuolen. 

Fortpflanzung: Wenig lebhaft, weniger als in allen anderen 
Amöben und, wie gewöhnlich, durch Teilung. 

Ruhezustand: Zuerst unregelmäßig, höckerige Formen, rund- 
liche Formen, von denen kurze, fingerförmige Fortsätze ausgehen; 
mit stark lichtbrechenden Körnchen, ohne sichtbaren Kern ; an diesen 
unregelmäßigen Massen ohne Struktur kann man der Wiederkehr der 
▼erzweigten Form beiwohnen. Die wirklich runden Formen bestehen 
in einer Masse einförmiger, stark lichtbrechender sehr kleiner Körn- 
chen, zwischen denen der blasenförmige Kern sichtbar wird. 

Cysten- oder Dauerzustand: Runde Formen mittlerer 
Gröfie von 1,5—2 /i, maulbeerenförmig; äußere Wand dicker, leicht 
wellig; die innere nicht immer leicht erkennbar; wo sie unterschied- 
lich ist, ist sie kreisrund; der Inhalt besteht aus zwei Teilen. Der 
tine Teil aus 1—2 großen, sehr lichtbrechenden Körnchen, der andere 
aus einer feinkörnigen oder durchsichtigen Masse ; im letzteren Falle 
ist die innere Wand gut sichtbar. 

Entwicklungscyklus: Der längste aller Formen; die 
Amöben treten nach 1—4 Tagen der Impfung in den Kulturen auf 
und sind noch nach 8—15 Tagen sichtbar; in einem Falle sahen wir 
sie noch nach 20 Tagen. 

Nachdem die Amöben ausgetreten sind, bleiben die Cysten noch 
lange mit der doppelt konturierten Wand, dem hyalinen Inhalte und 
manchmal mit zwei lichtbrechenden Körpern sichtbar. 

In der folgenden Tabelle (Tergl. p. 338 f.) sind die charakte- 
ristischsten Eigenschaften der oben beschriebenen Amöben kurz zu- 
aamoiengefaßt. 

Auch aus einem einfachen Blicke auf die Tabelle geht klar her- 
▼or, daß die beschriebenen Species gut charakterisiert sind und von 
einander durch grundlegende Unterschiede abweichen. Die Amoeba 
coli ist zwar klassifiziert, aber nicht beschrieben, und zwar absichtlich, 
da dieser vorläufigen Mitteilung eine andere folgen wird, die schon in 
Vorbereitung ist und welche die Amöben des menschlichen Körpers 
im Normalzustände wie in den pathologischen Zuständen und besonders 
in der Dysenterie behandeln wird. 

Bom, 27. JuU 1894. 

ZTl.Bi. SS 



338 



Celli 



Fi«eea, 



VwMtit 



Wobaort 



A. lobota 



gvtUJA Boden, Luft, Baefatic ge- LeUiaft, Mit Avs-'LliigfdarcU 
WuMr,I>m streekt mntkmm^w^gt^', iiieM«r2-i 

^Mfpftm PMado-i QMrdarcU 
dka. Portbe- 1— S \l ' 



I 



oblonga Bodea^Wi 



OTdalaiM 'Boden, Wa 



A. loboM 

A. fpIlMMA 



A. dUphAn* 



coli 



A.T«rm!enUri0 



A. retimüarb 



A.ftrboretotDt 



id. id. 



' Bnit II. bnch. 



id. 4—8 |L I 



Boden, Sumpf, iRondlieh, Ber- 
Lnft,WMeer,' kl&ftel 
getnnder und 
kranker Men- 
•chenderm. 
Scheide, Tier, 
dann 

Boden, Darm UnregelmiTtig 



Lebknft mit Wel-.6— IS |i 
lenbewegnageB j 
det Konton nnd 
Fortbevegnng 



Boden,Wasser, 
Schlamm, 
Scheideotekr. 
Djs. Darm 

Boden, Ther- 
maischlamm, 
Sumpf, Darm 
bei Dysenter. 



Sampfschlamm 



Oeatreckt wie 
ein Wfirm 
ehcD 



Unregelmiftig 
mit SU einem 
Nets Tcreinig- 
ten Fiden 



Oans aas Ter- 
zweigten 
Psendopodien 
bestehend 



Tilge mit Ans- 
strecken Ton ^< 
tnen Psendopo- 
dien. Wenige od. 
keine Fortbewe- 



Sehr lebhaft mit 
Ansstrecken Ton 
Psendopodien od. 
Ton Spitaen ; od. 
Wellenbewegung. 
Wenige od. keine 
Fortbewegnng 

Trige, hakenfSr^ 
mig. Langsame 
Fortbewegnng 



Sehr trIge, kaum 
mit Verftndemn- 
gen des Kontnrs, 
Wenige od. keine 
Fortbewegung 

Ziemlich lebhaft. 
Mit Ansstrecken 
▼on stets Tsr« 
iweigten Psendo- 
podien. Lai 
same Fortbewe- 
gnng 



0,5—2 |i 



6—10 )L 



Undadnrchn 
3 — 6)1 Q« 
durchmessa 
nngefZhr 1 

I--4 fA. 1 
den Ffidei 
8—14 u 



5—12 



Bcitrig« ssr Amöbenfondmof. Zwtite TorUofige MitteUiug. 



839 



StraktBT 



Fortpiuisaiig 



Im Rabe- 
BosUode 



Im CyttaaiusUiide 



Entwiek«- 

lUBgBCjklM 



Ek». Bfld Kato- 
pUiBS. Kain 



ü id. Sera stets 
Khtfaar. Ifttch' 
Bki 1— S Vsktt- 



i^ 14 Ein« bis 
Beboe Vakno- 



B«iehlich 



Weniger rcicb- 



mcbt reicb- 
lleh 



Spirfiehes oder 
micbtbens Ek' 
i^duiHL Ken 
Mkt inaer 

scklier. 1_4 
VtkaolcD 



Uff ipirfitlMe 
nd oieht ianu 
nditberes Proto- 
flMBft. Sera 
■satunehtUr. 



Ziemlieb Trieb- 
Beb 



SsBge 

Ma 
kWgeSabstm. 
Xcnbiaflg. 

Bsi^ bjeÜM 
S<^itnL OfaM 
»ktberea Kern 



i^ id, Ken ttsoeb- 



Eiosiger Kon- 
tor. Kdrai- 
fer Inbalt 
Kern nnsiebt 
ber 



Id. id. 
blnfig 



id. 8ebr kSr- 
nifer Inhalt, 
Kern sleht- 
ber 



Sebr rrieblich 



b7nliae|ZiemUch reieb- 
Ueb 



Anfserofdent 
lieh rriebüeb 



8«lir gwiag 



Kern 



Oberfliche oft 
wermig. In- 
halt kSmig. 
Kern maseb' 
mal sichtbar 



Einiigar Kon- 
tnr ; kSmi 
ger Inhalt 



Einsige Wand , in einigen 
▲ndeatang einer doppelten, 
deren An fssregemnaelt. In 
halt sshr feinkörnig, fast 
hyalin. Or0(se 1— l,ft |i 

Doppelte Wand. Die ftofsere 
sehr fein, wellig. Dis in- 
nere dicker, krcismnd. In- 
halt feinkörnig. Orölse 1,6 

Doppelte Wand. Die infiiere 
dinn mit breiten Wladnn- 
gen. Die innere kraismad 
mit 8—4 Knoten. Inhalt 
feinkörnig. FArbong grün 
lieb. Kera hlnflg. Oröfse 



Wie in A. oblonga, aber mit 
innerer Wand, eckig oder 
randlich 



Elnaige Waadf panktierter Ungeflbr 80 
Inhalt. Gröfse Ton 0,6~S |i Standen 



id. id. Oröfte 

einbeitlicber 



id. id. 



OröAe 
weefa 



■elad 



id. Kömiger, 
sehr licht- 
brechender 
Inhalt Kern 
sichtbar 



id. id. Oröfse eiaheitllcher, 
▼on 0»8 — 1 |i 



Blniige Wand. Hyalinen 
oder sehr fein getüpfelter 
Inhalt. Gröfse sehr wech- 
selnd Ton 0,S — 8 |i 



Doppelt« Wand, 
dicker, leicht gewellt. In- 
nere kreisrnnd. Der Inhalt 
besteht ans ein bis swei 
grolseB Körnchen mnd ans 
einer feinkörnigen oder 
hyalinen Hasse. Oröfse Ton 
1,0-8 |i 

88» 



Ungeflbr 80 
Standen 



Ungeahr40 
Standen 



Ungefibr 84 
Standen 



OngeAhr 60 
Standen 



UngeOihr TO 
Standen 



Ungeflbr 80 
Standen 



Einige Tage 



340 ^* Loost, 



Bemerkungen zur Lebensgeschichte der Bilharzia hae- 

matobia im Anschlüsse an Q. Sandison Brock's 

Arbeit über denselben Gfegenstand. 

Von 

Dr. A« Looss 

in 

Leipzig. 

(SchlaB.) 

Die beiden großen Drüsenzellen, die seitlich neben dem Munde 
nach außen münden, hat Verf. ebenfalls gesehen, sie aber augen- 
scheinlich nicht einmal als Zellen erkannt, wie er überhaupt den 
ganzen Körper des Embryos nicht aus Zellen, sondern aus einem 
contractile protoplasm bestehen läßt, through which refractile gra- 
nulös and globules of various sizes are interspersed (p. 9). Er 
beschreibt die Zellen als solide Strukturen einer roughly granulär 
mass, with a bright double outline and contaioing in their interior 
ooe or more prominent nuclei. Nach vom entsenden sie zwei stalk- 
like processes, die neben dem Munde auf zwei kleinen Vorsprüngen 
endigen. Der Gedanke, daß diese Körper mit den Kernen in ihrem 
Inneren Zellen sein könnten, scheint dem Verf. nicht gekommen zu 
sein, vielmehr erscheint es ihm difficult to imagine what the function 
of these structures may be and their morphological significance is 
equally obscure. It may be that the peduncles are muscular organs, 
helping in the movements of the head and giving more rigidity to 
the „neck*^ (p. 11). Es kann dagegen, meines Erachtens, nicht dem 
geringsten Zweifel unterliegen, daß unsere Gebilde, die sich in ihrem 
ganzen Verhalten vollkommen an die einzelligen Drüsen anderer 
Trematodenarten anschließen, wie schon früher mitgeteilt, typische 
Drüsen sind, die augenscheinlich für das weitere Fortkommen der 
Bilharziaembryonen eine wichtige Bedeutung haben. Ich komme 
später nochmals auf sie zurück. 

Endlich macht Brock auch über das Ausschlüpfen der Embryo- 
nen noch einige Angaben, die ebenfalls fehlerhaft sind. Er läßt die 
Drehungen und Windungen des Embryos vor dem Ausschlüpfen dazu 
dienen, denselben von seinen Verbindungen mit der inneren Schalen- 
haut zu befreien, Verbindungen, die in Wirklichkeit, wie schon 
erwähnt, nicht existieren. Denselben Zweck soll das Ausstoßen jener 
Körnchen und Kügelchen aus den lateral apectures haben, welche die 
Hülle ausdehnen sollen und so assist in the Separation of the attach- 
ments. Der Embryo selbst soll dann auf die Schale drücken, um sie 
zum Bersten zu bringen; auch das stimmt nicht Ich habe Hunderte 
von jungen Würmern aus ihren EihüUen hervortreten sehen, aber 
niemals bemerkt, daß sie dabei versucht hätten, aktiv die Schale 
schließlich zu sprengen; letzteres erscheint vielmehr zweifellos als 
eine Einwirkung des Wassers, welches lebhi^t durch die Schale 



Beinerkiing«n rar LebensgMoldcfato der BIlhurBia haematobl« ete. 341 

nach iDDen dififiindiert, sie auftreibt und schließlich zum Platzen 
bringt* 

Die ÄDatomie des erwachsenen Wurmes hat Brock zu unter- 
snchra nicht Gelegenheit gehabt; er giebt deshalb nar eine kurze 
Zasammenstellung der Hauptsachen aus der vorhandenen Litteratur. 
Nen ist darin _^ daß bei dem Männchen der Darm im Hinterende 
dorch einen minote excretory pore nach außen münden soll (p. 13). 
Der Darm endet hier eben so einfach und blind geschlossen wie bei 
dem Weibchen. 

ungleich wichtiger als dieser Abschnitt Ober den Bau der 
Bilharzia und ihrer Embryonen, dessen Gebiet dem Autor fühl- 
bar fem liegt , ja meiner Ansicht nach sogar sehr bedeutsam ist 
nim ein weiterer Abschnitt, in welchem Brock seine Erfahrungen 
Aber die Aetiologie der Bilharziakrankheit darlegt Er kommt 
auf Grand einer dreijährigen Praxis zu der Deberzeugung, daß fflr 
das Gebiet von Rustenburg es nur das Baden sein kann, welches 
die Ansteckung mit dem Leiden herbeiführt, nimmt also die bereits 
von Harley und Allen aufgestellten Theorieen wieder auf. Seine 
Gründe hierzu sind allerdings weit gewichtiger als die der genannten 
ilteren Autoren. Er kann unter mehreren Hunderten von Beispielen 
nicbt eine Ausnahme von der Regel auffinden, daß alle, die an der 
Parasitenkrankheit litten, auch die Gewohnheit hatten, zu baden; 
unter den Knaben, welche besonders gern schwammen, machten sich 
die Zeichen des Leidens am ersten bemerkbar, und es war schwer, 
wenn nicht unmöglich, einen unter ihnen, der viel gebadet hatte, zu 
finden, der nicht vor dem Eintreten der geschlechtlichen Reife von 
der Krankheit befallen worden wäre. Er erklärt aus denselben Ver- 
hältnissen auch die bekannte und von verschiedenen Seiten betonte 
Ungleichheit in der Verteilung der Krankheit auf die Geschlechter, 
denn es zeigen in der dortigen Gegend die nur außerordentlich selten 
an der Hämaturie leidenden Frauen und Mädchen, obwohl sie, beson- 
ders in frQheren Jahren, dasselbe Wasser trinken wie die Knaben, 
doch fflr das Baden und Schwimmen nur recht geringe Neigung. Er 
leitet aus dem letztbetonten Umstände einen, wie mir scheinen will, 
Dicht zu unterschätzenden Einwurf gegen die von Sonsino und 
Fritsch vertretene Ansicht her, daß es das unreine Trinkwasser 
Bei, welches die Infektion vermittele. Es kommt zu den oben an- 
gefeihrten Gründen weiter die Thatsache hinzu, daß Neuankommende, 
wenn sie öfter im freien Wasser zu baden wagen, bald die Krank- 
heit erwerben, während andere, welche dieses vermeiden, verschont 
bleiben. 

Brock nimmt also das Baden als wahrscheinlichste Ursache 
der Krankheit an; über die speziellere Art und Weise aber, wie die 
Infektion während desselben vor sich gehen soll, spricht er sich nicht 
wdter aus. Ich nannte nun oben diese Ansichten sehr bedeutsam, 
und ich thue dies deswegen, weil meine im Laufe von 6 Monaten in 
Alexandrien angestellten Experimente zur Aufklärung der Lebens- 
geacfaicbte der Bilharzia mich lange, ehe die Arbeit Brock 's in 
meine Hände kam, bereits zu der üeberzeugung geführt hatten, daß ein- 
mal der Embryo sei bst das Infektionsmaterial abgebe, und daß femer 



842 ^' Looss, 

ein Eindringen in den Menseben nicht anders als darch direkte 
Einwanderung durch die Haut geschehen könne; dafür, daß 
4]ese letztere nur auf dem Wege durch die Harnröhre stattfinde, wie 
Harley und Allen vermuteten, fand ich zunächst keinen positiven 
Anhalt. Leider ist es mir nun bis jetzt noch nicht geglückt, den 
positiven Nachweis für meine Behauptung zu erbringen, wie sich denn 
überhaupt die kurze Spanne von sechs, durch anderweite Studien, 
sowie durch mancherlei OesundheitBstörungen noch mehrfach unter- 
brochenen Monaten als unzureichend zu völliger Erreichung meines 
Zweckes erwiesen hat. Ich habe infolgedessen lange geschwankt, 
ob ich die Resultate meiner Versuche der Oeffentlichkeit übergeben 
solle, oder warten, bis mir eine vielleicht mögliche Rückkehr nach 
A^^pten zu einem günstigeren Erfolge verhelfe. Da für diese letztere 
aber zunächst kaum Aussicht ist, und da andererseits auch negative 
Resultate unter Umständen einen Fortschritt unserer Kenntnisse ini 
sich einschließen können, so mögen einige kurze Mitteilungen darüber 
im Anschluß an die oben referierten Erfahrungen Brock^s hier 
Platz finden. 

Als das Wahrscheinlichste und zunächst zu Erwartende war eä 
natürlich anzusehen, daß der aus der Eischale befreite Embryo nach 
Art der übrigen Distomenembryonen in einen Zwischen wirt aus der 
Klasse der Weichtiere eindringe. Ich wiederholte bei den Expen^ 
menten in dieser Richtung die Versuche Cobbold's und Sonsino's^ 
aber mit dem gleichen, durchaus negativen Erfolge. Weder bei den 
häufigsten Gasteropoden des Nildeltas (Cleopatra bulimoides^ 
Melaniatuberculata,ViviparaunicoIor,Lanistes cari^ 
natus,PhysaAlexandrina) noch bei Lamellibranchiaten (Co r bi^ 
cula Caillaudi) zeigte sich irgend eine Infektion, gleichviel, oh 
dieselbe bei Tage, im direkten Sonnenlichte, oder bei Nacht, ob sie 
bei erhöhter oder gewöhnlicher Temperatur, in großen oder kleinen 
Bassins versucht wurde. Gleich negativ waren die Bemühungen, iü 
denselben Mollusken, die auf oft mehrtägigen Exkursionen an notori^ 
sehen Infektionsherden des Deltas gesammelt waren, irgend eine 
Gercarienform aufzufinden, welche auch nur mit einiger Wahrschein^ 
lichkeit auf die Bilharzia hätte bezogen werden können. Namens 
lieh diese letzteren negativen Erfahrungen sind es, welche mich ver^ 
anlassen, die Mollusken jetzt d e f i n i t i v als Zwischenwirte für unseren 
Wurm außer Rechnung zu setzen. Derselbe ist in Aegypten so häufig^ 
viel häutiger, als es die bisher veröflfentlichten Statistiken — die allere 
dings Stadt- und Landbevölkerung gleichmäßig betreffen, während 
ich mich bei meinen Untersuchungen hauptsächlich an die letztere 
hielt — nachweisen, daß man, falls eine Gercarie der Bilharzifl 
im Freien existierte, sie daselbst sicher und auch häufig finden 
müßte. Und das um so mehr, als die Mollusken der Nilwässer un^ 
gemein häufig Gercarien beherbergen: 50 — 60 Proz. zeigen sich fast 
überall infiziert, an manchen Orten aber erwiesen sich von 100 unter- 
suchten nur 2 frei von Parasiten 1 . 

Dasselbe Resultat ergaben in ganz der gleichen Weise angestellte 
Versuche mit Grustaceen und Insektenlarven (Daphnia, Cyclops, 
Ghironomus, Gulex, Geratopogon, Ephemera u. a.)i die 



BemerkuDgen zur LebeoagMohicht« der Bilharsia haematobia etc. 848 

karz vorher Sonsino positiv als Zwischen wirte hingestellt hatte ^). 
Die freischwimmenden Embryonen nahmen nicht die geringste Notiz 
von den in ihrer Umgebung aufhältlichen Larven und ebensowenig 
erwiesen sie sich bei späterer Untersuchung in dieselben eingedrungen. 
Nachtraglich hat sich dann Sonsino auch von der absoluten Un* 
haltbarkeit seiner Angaben überzeugt und die vorschnell publizierte 
«Entdeckang*' widerrufen *). 

Nicht glücklicher verliefen, nachdem so auch Crustaceen und 
Insektenlarven als mutmaßlidie Zwischenträger des Wurmes hatten 
Ton der Liste gestrichen werden müssen, entsprechende Versuche 
mit kleinen Würmern und Fischen. Für letztere erschien schon von 
Tomherein die Wahrscheinhchk^t nur gering, da die Fellachen, so- 
weit ich in Erfahrung bringen konnte, im ganzen nur wenig von 
Fischen sich nähren und diese dann vorher meist kochen. Die 
aofierordentliche Häufigkeit des Parasiten stand jedenfalls in keinem 
Verhältnis zu der Häufigkeit des Genusses von Fischen in rohem 
oder angenügend gekochtem Zustande. Thatsächlich zeigten denn 
auch die mit den Embryonen tagelang in Berühung gewesenen Fische 
nirgends eine Spur etwa eingedrungener Würmer. 

Zum Schlüsse lag endlich noch die Möglichkeit vor, daß die letzteren 
auf oder in Pflanzen ein Unterkommen finden und mit diesen, die 
Tielfach roh und ungereinigt genossen werden, in den definitiven 
Träger gelangen konnten. Ich habe auch in dieser Richtung Ver- 
suche angestellt, allerdings nicht viele. Die absolute Nichtachtung, 
welche die freien Embryonen den zu ihnen gebrachten Pflanzenteilen 
gegenüber zeigten, war so identisch mit der den Mollusken und In- 
sektenlarven gegenüber bewiesenen, daß ich bald jede Hoffnung auf- 
gab, auf diesem Wege zu einem positiven Resultate zu gelangen. 

Das eben betonte Verhalten der Embryonen anderen Tieren 
gegenüber war es nun auch wesentlich, welches mich schließlich zu 
der definitiven Ueberzeugung brachte, daß die Uebertragung der 
Embryonen mit Hilfe eines Zwischenträgers aus der 
Klasse der niederen Tiere nicht vor sich gehen könne. 
Es blieb deshalb nur noch die Möglichkeit übrig, daß der Embryo 
direkt in den Menschen gelange und dort zu einer Sporosyste aus- 
wacbse, die ihre Brut dann an ihren Träger abgebe; denn daß bei 
der Bilharzia eine Zwischengeneration zur Entwickelung 
kommt, und daß der erwachsene Wurm nicht durch Umwandlung 
sofort aus dem Embryonalkörper entsteht, wie Sonsino annahm, 
scheint mir infolge des Vorhandenseins eines typischen Keimlagers 
im Bünterleibe des Embryos zweifellos. 

Die Versuche wurden jetzt so angestellt, daß die ausgeschlüpften 
Embryonen mit filtriertem Wasser ausgewaschen und dann in reines, 
ebenfalls filtriertes Wasser übertragen und mit diesem an verschiedene 
Tiere zum Trinken gegeben wurden. Mit dem Menschen selbst zu 

i) SonsiDO, STÜnppo, ddo vitale e ospiteintermedio della Bilharii* haema- 
tobia. (Processi Ter bau deUa Soc. Toteana etc. Pisa, 11. Agosto 1S93) und Discovery 
•f tbe life hiatory of the Bilharzia. (The Lancet. 1S93. pag. 621 f.). 

S) Sonsino, Aggiuita aUa precedenta nota snllo syiinppo della Bilharsia 
kaematobia. (Prooassi verbali della Soc. Toseana. Pisa, 21. Gennalo lS9i.) 



344 ^* i'oo**? 

experimentieren, ging leider nicht gut an ; es würde, glaube ich, iü 
Aegypten auch kein eiuwandsfreies Resultat ergeben haben, denn fast 
jeder zweite oder dritte Mann ist dort bereits von selbst infiziert 
Ich benutzte deshalb ASfen verschiedener Species, bei denen ja durch 
Gobbold ebenfalls das Vorhandensein einer Bilharzia konstatiert 
wurde. Die Tiere bekamen durch 6 und 8 Wochen hindurch ULglich 
ein, zwei, teilweise sogar drei Mal von dem stark embryonenhaltigen 
Wasser zu trinken, dasselbe wurde teils in gewöhnlicher Temperatur, 
teils auf 37 ® G erwärmt gegeben, einer Temperatur, bei der sich die 
Embryonen außerordentlich lebhaft und agil zeigen — die spätere 
Untersuchung (nach 8 und 10 Wochen) mehrerer Affen ergab aber 
in allen Fällen ein durchaus negatives Besultatl Da bei einer 
Ueberführung der Wurmkeime mit dem Trinkwasser dieselben stets 
den Magen zu passieren hatten, war es von Interesse, womöglich die 
Wirkung des Magensaftes auf sie zu prüfen. Die Magenschleimhaut 
eines der getöteten Affen wurde dazu benutzt, und es stellte sich 
dabei heraus, daß die jungen Würmer die Einwirkung desselben selbst 
bei Gegenwart von relativ viel Wasser nicht vertragen konnten, 
sondern alsbald abstarben, während die nicht mit der Schleimhaut in 
Berührung gebrachten noch lange am Leben blieben. Dieser Erfolg 
deckte sich sehr wohl mit dem der Trinkversuche, ließ aber natur- 
gemäß die Uebertragung der Würmer auf dem eingeschlagenen 
Wege keineswegs als wahrscheinlich, ja direkt unangängig erscheinen. 
So blieb mir zuletzt nur noch ein Ausweg übrig in der Annahme 
der Möglichkeit, daß schließlich die Parasiten direkt durdi die Haut 
ihres späteren Wirtes in das Innere desselben eindrängen. Sehr viel 
Aussicht schien mir diese Annahme, um es offen zu gestehen, von 
Anfang an nicht zu bieten, indessen ließen sich bei näherer Be- 
trachtung doch Thatsachen auffinden, welche man in einem diesem 
UebertragUDgsmodus günstigen Sinne auslegen konnte. Wenn der 
Embryo direkt in seinen späteren Träger durch dessen Haut ein- 
dringt, dann erklärt sich unschwer das Vorhandensein der beiden 
mächtigen Drüsen im Vorderkörper, welche in dieser Ausdehnung 
nirgends bei anderen Trematodenembryonen sich finden« Sie sind 
aber durchaus identisch mit den Stacheldrüsen mancher Gercarien, 
und bei diesen kann man direkt beobachten, wie ihr Sekret eine er- 
weichende Wirkung z. B. auf die Haut von Frosch- und Insekten- 
larven ausübt^). Es wäre auf diese Weise auch am leichtesten 
möglich, daß die jungen Parasiten gleich von vornherein in das 
Blutgrfäßsystem gelangen und bei ihrer Kleinheit dann leicht hier- 
hin und dorthin geführt werden können. Des weiteren aber ist auch 
die Gelegenheit, auf diese Weise sich zu infizieren, für die 
ackerbautreibende Landbevölkerung Aegyptens eine sehr günstige, 
eine zweifellos günstigere, als wenn der Import der Wurmbrut durch 
das Trinkwasser geschähe. Nicht nur, daß besonders die Männer 
sich oft und regelmäßig waschen, daß sie gerne baden, sie sind vor 
allem auch zur Zeit des Hochwassers gezwungen, bei ihrer Feldarbeit 



1) Gf. hienn meiue Arbeit Aber die Diitomen nnserer Fitehe und FMschai 
(LenckartQndChQn'e BiblioUiee* aoologica. 1S94. No. 16. peg. S8S.) 



Bemtfkuigftn mur Lebtnsgeschiehte d«r Bilhariia haematobia etc. 345 

8tiiDdeDlai)g oft bis Aber die Knie im Wasser zu stehen, in demselben 
Wasser, welches eine kurze Strecke weiter vielleicht eben ein bilharzia- 
kranker Vetter mit neuen Embryonen bevölkert Es würde so be- 
sonders za der Zeit der Nilflberschwemmungen eine ffir den Erwerb 
der Krankheit günstige Periode eintreten, wohingegen dann zur Zeit 
des niedrigen Wasserstandes, wo alle Felder und selbst die Mehrzahl 
der Kaoftle und Gräben trocken liegen, die Einwanderung der Em- 
bryonen nur ausnahmsweise geschehen könnte. Vielleicht daß hiermit 
das bereits von Bilharz und Oriesinger beobachtete und sp&ter 
oft wieder konstatierte Schwanken in der Häufigkeit der Bilharzia- 
erkankuogen seine Erklärung fända Bei einem Import der Keime 
mit dem Trinkwasser wäre diese Periodicität in dem Auftreten der 
Krankheit nicht wohl zu erklären; noch bedeutsamer erscheint mir 
in dieser Hinsicht aber der Umstand, daß jene Schwankungen meines 
Wissens bis jetzt nur aus Aegypten bekannt sind, wo die Wasser- 
standsverhältnisse ebenfalls einer Periodicität unterliegen, während 
aus anderen Gegenden, wo das letztere nicht der Fall ist, auch von 
einem Schwanken in der Häufigkeit der Erkrankungsfälle noch nichts 
bekannt ist. Jedenfalls dürfte es sich lohnen, diesen Verhältnissen 
von jetzt ab eine eingehendere Aufmerksamkeit zu schenken. 

Es könnte endlich dieser Einwanderungsmodus des Wurmes auch 
auf die so auflBUlig ungleiche Infektion der beiden Geschlechter ein 
licht werfen, die durch die Annahme einer Uebertragung durch das 
Trinkwasser kaum erklärt werden kann. Es sind eben besonders die 
Männer, welche in häufige und vor allem länger dauernde Berührung 
mit dem Wasser kommen, und dabei meist auch in Gesellschaft, 
wobei der eine das Infektionsmaterial für den Nachbar liefern kann. 

Alle die hier angeführten Ueberlegungen sprechen allerdings in 
ziemMdi einleuchtender Weise nicht nur für die Möglichkeit, sondern 
%ognT für eine gewisse Wahrscheinlichkeit eines willkürlichen Ein- 
dringens der Wurmbrut in einen neuen Träger. Und in diesem Sinne 
Bind denn auch die oben angeführten praktischen Erfahrungen 
Brock *s, die für eine Erwerbung der Krankheit durch das Baden 
sprechen, für mich von nicht zu unterschätzender Bedeutung. 

Der positive Beweis der Richtigkeit meiner Ueberzeugung ist mir 
freilich bis jetzt ebensowenig gelungen, als die früher angestellten 
VoBuche Resultate aufwiesen. Allerdings konnten die betrefifenden 
Experimente, da die Zeit meines Aufenthaltes in Aegypten zum größten 
Teile verflossen war und auch der Rest sich leider nur allzuschnell 
seinem Ende näherte, nicht mehr in derselben Ausdehnung und mit 
derselben Ruhe vorgenommen werden, wie die früheren. Sie mußten 
schließlich unvollendet abgebrochen werden, und es kann so ihr 
negatives Resultat nicht als endgiltig angesehen werden. Wer weiß 
auch, ob nicht die von mir gewählten Wirte, ob nicht die Jahreszeit, 
ob nicht endlich andere, bislang noch unbekannte Faktoren dabei 
hindemd im Wege gestanden haben — Verhältnisse, die freilich ganz 
in der gleichen Weise auf die anderen Versuche und ihre Ergebnisse 
eingewirkt haben können. Auf jeden Fall scheint mir, daß nur ein 
sm Orte Heimischer, oder jemand, dem eine längere Zeit zur Ver- 
fügung steht, hier zu einem endlichen positiven Resultate gelangen 



346 WillUm H«s*«rt, 

kann. Was aber die rein praktische Seite der Sache anbelangt» 
80 ist, wie oben bereits erwiÄnt, auch jetzt schon, ohne daß wir die 
Lebensgeschichte des Parasiten in extenso kennen, eine rationelle 
Prophylaxis für die Bilharziakrankheit mOglich. Diese besteht darin, 
den Yon den Kranken ausgestreuten Warmkeimen die Möglichkeit 
einer weiteren Entwickelung abzuschneiden, dadurch, daß man sie 
von jeder BerOhrung mit Wasser und besonders dem Wasser der 
offenen Gräben und Kanäle peinlichst fernhält 
Leipzig, 25. Juli 1894. 



Geisselförbung ohne Beize. 

[Aus dem hygienischen Institut der Universität GKittingen.] 

Von 

Dr. William Hessert 

Bisher hat man allgemein angenommen, daß im Trockenpräparat 
eine Färbung der Bakteriengeißeln mittelst Anilinfarbstoffen in der 
Regel nur nach vorgängiger Anwendung von Beizen zu erreichen sei ^). 
Eine Ausnahme machen Bakterienarten mit kräftiger entwickelten 
Geißelfädeu, wie Spirillum Dndula, welche diese mit den ge«* 
wohnlichen Farblösungen unschwer färben und sogar im ungefärbten 
Zustande erkennen las^n "). Gelegentlich der mUcroskopischen Unter- 
suchung voD Cbolerakulturen bin ich darauf gekommen, cUß die Geißeln 
des R. KocbUchen Vibrio sich mit wässerig^alkoholischen Anilin- 
farblösungen färben, wenn man letztere nur lange Zeit und unter 
Erwärmung einwirken läßt 

Von dem in deetilli^tem Wasser au^eschwemmten Untersuchungs- 
material (junge Agarkultur) wird ein Tröpfchen auf dem gut ge* 
reinigten Deckgläschen mit Sorgfalt verteilt und fixiert. Es hat dies 
mit einiger Vorsicht zu geschehen, damit nicht die zarten Gteißel- 
fäden Schaden nehmen. Das Fixieren des lufttrockenen Präparates 
wird entweder in der bisher üblichen Weise (mittelst droimaligen 
Durchziehens durdi die Flamme) oder unter Anwendung von Chemi* 
kalien (z. B. einer gesättigten alkoholischen Sublimatlösung) ') be- 
wirkt, was ich für schonender halte. Das fixierte Präparat (im Falle 
der Anwendung von Sublimat noch Abwaschen mit Wasser) wird im 
weiteren mit der Farblösuog unter häufigem Erwärmen etwa 30 bia 



1) Vergl. R. Koch in Ferd. Cohni Beitrilge lur Biologie der PlUaien. 11. 
(1S77.) p. 404 and 416; Künstler, Comptet rendiis. CV. (1SS7.) p. 684. Bef. ift 
Centnübl. f. Bakuriologie. U. (1SS7.) p. TSB; B. 2f euhaat, Centralbl.f. Bakteriologie« 
V. (1S80.) p. Sl| F. Ltfffler, ebendaselbst. VI. (1SS9.) p. S09 nnd VU. (1890.) 
p. 625; Treniiman, ebendaselbst. VI. (1880.) 8. 488. 

S) Vergl. B. Kooh a. a. O. nnd C. QUnther, Einfahmng in das Stodiam der 
Bakteriologie. 8. Anfl. Leipsig 1898 p. 74. 

8) Mir von Berrn Dr. H. Beiehenbach empfohlen. 



0«iBeUirbaiig ohn« Beite. 347 

40 Minaten behandelt, dann gewaschen, getrocknet und in Eanada- 
balaam eingelegt 

Als Farbflüssigkeit hat sich mir die 10-proz. w&sserige Ver- 
dOnnimg einer gesättigten alhoholisohen PuchsinlOsung am besten 
bewährt. Am leichtesten &rbten sich Präparate aus jungen, etwa 
24 Standen alten Agarkulturen (37 <^). Es liefert dieses einfache Ver- 
Iiduren der Geißelfärbung freilich keiäe 'so augenfälligen Bilder wie 
die Ton F. L Off 1er angegebene Methode, indem die Farbstoffauf- 
nahme eine minder reichliche ist und dementsprechend die Bakterien- 
zellen und deren 6ei£eln auch weniger vergrößert erscheinen. Nichts- 
destoweniger habe ich bei Choleravibriooen guten Erfolg g^abt, denn 
die Färbung ist meist ausreichend, um. die Geißeln ohne Anstrengung 
des Auges erkennen zu können, auch sind Bakterie mit Geißdn im 
Präparat oft in reicher Zahl vorhanden. Bisweilen werden freilich 
die Geißeb auch nur als äußerst feine Fäden eben wahrnehmbar, S6 
daß ein wenig geübtes Auge m kaum finden kann. In manchen 
Präparaten fiel mir auf daß einzelnen Vibrionen anstatt einer endr 
ständigen Geißel deren zwei anzuhaften schienen, biswälen auchi 
daß der Bakterienleib an beiden Enden mit einem Geißelfaden ver« 
sehen wax. 

Auch bei anderen Bakterien habe ich versucht, die Geißelfärbung 
in dieser einfftchen Weise zu erreichen und damit, einige befriedigende 
Ergebnisse, aber doch keine so regelmäßigen Erfolge wie beim 
Cboleravibrio, erzielt: keine Geißelfärbung kam zustande bei Baa 
cyanogenes und beim Vibrio aquatilis Hamburgensis 
(Dnnbar); wohl waren beim letzteren nach 3-stündiger Einwirkung 
der Farblösuag einige wenige Geißeln eben wahrnehmbar geworden* 
Beim Typbusbacillus traten die Geißelfäden nach l-stündiger 
Einwirkung deutlich hervor. Weniger nahmen die Geißeln von Bac- 
terium coli commune die Farbe an, immerhin konnten auch 
diese in einem mit Sublimat fixierten Präparat, wenn auch in geringer 
Zahl, wahrnehmbar gemacht werden. Beim VibrieFinkler- Prior, 
ist es mir, gelungen wenigstens einige im Präparat zerstreut liegende 
Geißelfaden durch Färbung hervortreten zu lassen. 

Durch andere Aufgaben in der weiteren Verfolgung des Gegeur 
Standes verhindert, gebe ich meine Beobachtung in dem Glauben, be^ 
ksant, daß die Thatsache der Geißelfärbung mit Fuchsinlösung ohne 
Bme an sich von Interesse und das Verfahren selbst einer VervoU- 
kommauag zugänglich sein möchte, welche es vielleicht eine praktische 
Bedeutung noch gewinnen ließe. 

Göttin gen, im Juli 1894. 



348 ^- H- Wakker, 



Ein neues Eulturgefäss für Filze. 

VOD 

Dr. J. H. Wakker 

in 

Pasoeroean auf Java. 

Mit I FigoMD. 

Wer yiel mit Pilzen gearbeitet hat, zumal in einem tropischen 
Klima, ^wird Öfters, wie ich, Gelegenheit gdiabt haben, zu bemerken, 
daß die Beagenzglasknlturen rasch zu alt werden und verhältnismäßig 
nur wenig Sporen liefern. Das Benutzern solcher Gläser hat den 
Nachteil, daß man sehr oft neue infizieren muß, um stets keimfähige 
Sporen zu haben und den Pilz nicht gänzlich zu verlieren, während 
zweitens die Oberfläche im Verhältnis zu der nötigen Quantität des 
Nährmaterials immer ziemlich gering ist, selbst wenn man die übliche 
Methode der schiefen Erstarrung benutzt. 

Zu gleicher Zeit haben die Glasdosen, welche gerade beide Un- 
annehmlichkeiten nicht besitzen, wieder den Nachteil, daß sie in einem 
Lokal, wo man Thüre und Fenster nicht immer geschloss^ haben 
kann, leicht beim Oeffnen vom einfallenden Staube verunreinigt werden 
können, weil die Luft durch die große Oefhung nur gar zu leichten 
Zutritt hat 

Es ist mir jetzt gelungen, ein neues Kulturgefäß zu konstruieren, 
welches die Vorteile der beiden obengenannten vereinigt, ohne deren 
Nachteile zu besitzen ; ich achte es fflr wünschenswert, hier eine Be- 
schreibung dieses Gefäßes mitzuteilen, weil vielleicht andere M ykologen 
die nämlichen Schwierigkeiten wie ich schon erlebt haben. 

Wie schon oben hervorgehoben, glaube ich, daß meine neue Glas- 
dose, zumal für Untersuchungen in den Tropen, wo man wohl immer 
mit Agar-Agar zu arbeiten genötigt ist, welches sich bekanntlich nur 
langsam filtrieren läßt und deshalb sparsam benutzt werden muß, 
und wo der hohen Temperatur halber das Arbeiten in einem ge- 
schlossenen Baume geradezu unmöglich ist, große Dienste leisten kann. 

In Wirklichkeit ist sie, wie die Zeichnung (Fig. 1) veranschaulicht, 
eine einfache Glasdose, in der Mitte mit einer Oeflmung o versehen, 
welche sich am Ende eines konischen Halses h vorfindet. Letzterer 
ist an der weiten Seite auch ofien und mit einem verdickten Bande r 
versehen. Er bildet ein Stück mit dem Deckel, welcher bei oo, luft- 
dicht schließend, dem eigentlichen cylindrischen Kulturgefiäße aufge- 
schliffen ist. 

Der Gebrauch ist ein sehr einfacher: Wenn die Agar-Agarlösung 
fertig ist, wird der Deckel geöfinet und eine beliebig dünne Schicht n 
auf den Boden des Gefäßes gegossen, welches dann gleich geschlossen 
wird und bis zum Ende des Versuches auch geschlossen bleibt. Die 
Oefihung verschließt man mittels eines sterilisierten Wattepfropfes to 
im Halse und schützt ihn gegen Staub in der fflr Bea^^enzgläser 
üblichen Weise durch Filtrierpapier oder eine Kautschukkappe f. 



Ein MUM KultorgeOi für PUm. 



349 



Natflrlich kann man jedes beliebige Nährmaterial (Gelatine, Kar- 
tofielstückchen n. s. w.) ebenso gut zur Füllung benutzen als Agar- 
Iteimg. 

m der Verschluß fertig, dann kann das ganze Qe&ß w&hrend 
beliebiger Zeit oder zu wiederholten Malen stilisiert werden, und 







.5^ 



V\g. 1. 

zwar am bequemsten im Eoch*schen Dampfsterilisierungscylinder, 
welcher, wenn man die Dosen airf einem geeigneten Gestelle ruhen 
läßt, deren verschiedene zu gleicher Zeit enthalten kann. Ich be- 
nutzte als Gestelle anfangs Dreiecke von Blech, in welchen der Boden 
der Dosen eingeklemmt wurde und welche auf drei FOßen ruhten ; 
später zeigte es sich mir als bequemer, eine 
in Korb (Fig. 2) anfertigen zu lassen von der 
Größe des Sterilisierungsapparates, in welchem 
die Dosen aufgestellt werden und welcher zum 
bequemen Einbringen und Herausheben weit 
geägneter ist. Noch einfacher wäre es aller- 
dings, den Sterilisieruogscylinder auch mit einer 
sdüichen lliür zu versehen und die Etagen, auf 
welchen die Dosen ruhen müssen, im Innern 
anzubringen. Diese Einrichtung hatte ich aber 
noch Di<£t Gelegenheit zu versuchen. 

Hat man die Gewißheit, daß das Innere 
gm oBd gar keimfrei ist, dann kann die Be- 
säimg stattfinden, wie gesagt, ohne den Deckel 
n ^en, indem man nach einfachem Ent- 
fernen des Wattepfropfes eine Platinnadel, mit 
Sporen versehen, durch die Oe£fnung in Be* 
lämmg mit der Nährschicht bringt. Man 
Bchliefit dann wieder, wie sonst die Reagenz- ^^ff- >- 

fljiser, und die Entwickelung des Pilzes schrei- 
tet hmgsamer oder schneller wie in einer gewöhnlichen Glasdose 
weiter. 

Man hat dann den Vorteil, daß der Pilz w&hrend einer langen 
Zeit, welche von dem Diameter der Dose abhängt, auf einer sehr kleinen 
Qnaatität des Nährmaterials wächst und immerfort Sporen (resp. 



■t60 Origioal^RcfBrate an« bakteriologteehen aad pmrMttoIogitehen Inttitateii etc. 

flkler^tieD) bildet, ohne daß eine VenmreiQigaiig wfthrend der Bes&ung 
stattgefiinden haben kann. 

Wflnscht man neue Kaltaren anzastellen, wpza die Sporen anserem 
KnhargefU entnommen werden sollen, dann ist sogar in Tielen F&llen 
ein Oeflfnen des Deckels nicht einmal notwendig, weil man die Sporen 
mittels der Platinnadel wieder durch die kleine Oefhang der Pilz- 
decke entnehmen kann. 

Ich will hier nodi ein paar Bemerkongen einschalten: 

Erstens ist es wünschenswert, daß der Boden der Grefftße ganz 
flach ist; hat man dann die Agarschicht nicht za dünn Renommoi, 
dann zeigt sich in schönster Weise die bekannte Spor^bildung in 
rein konzentrischen Kreisen. Ist die Schicht nicht überall gleich dick 
oder nicht genaa horizontal, dann sind die Figuren undeatlich und 
verschwommen. 

Zweitens will ich hier bemerken, daß ein Verschluß mittels Filtrier- 
papier der Kaotschukkappe vorzuziehen ist. Bei Benutzung der 
letzteren jedoch muß die Luft bei der Abkühlung nach dem Steri- 
lisieren zwischen Deckel und Dose hindurch und ein Mitschleppen 
von Sporen ist dabei nicht ganz ausgeschlossen. Im anderen FaUe 
geht sie durch den Hals und wird vom Filtrierpapiar und von der 
Watte genügend gereinigt. 

Schließlich ist es klar, daß unsere Glasdose auch für Bakterien- 
kolturen sehr geeignet ist, doch scheinen mir in den meisten Fällen 
die üblichen Reagenzgl&ser zu diesem Zwecke wohl genügend. 

Pasoeroean (Java), Mai 1894. 



Original-Referate aus bakteriologischen und parasitologisdien 
Instituten, Laboratorien etc. 

Aus dem pathologtsch-aiiatomlselien Instltnte in Wien. 

Beiträge zur Biologie des Gk)iiococcus und zur patho- 
logischen Anatomie des gonorrhoischen Frooesses')- 

Von 

£. Finger, A. fthon und F. Schlagenhaufer. 

Verff. bestätigen zunächst die von Wert heim gemachten An* 
gaben über die Reinzflchtung des Oonococcus Neißer uod 
berichten des weiteren über ihre VersttchOf einfachere und leichter aus- 
führbare Methoden der Gonokolckenkttltivierung ausfindig zu machen. 

An Stelle des zeitraubenden und umständlichen Plattenverfahrens 
wurde mit Erfolg die Ausstriohmethode auf in Petri^schen Schalea 
erstarrtem Rinderserumagar mit Hilfe eines breiten Platinspatels in 
Form mehrerer paralleler Striche geübt, eine Methode, die aufier der 

1) ArehiT f. Dennat. n. Syphilis. Bd. XVIII. 1894. Ko. 1 n. 2. 



OrigfMi-Itoferita warn bakleriologischM und paratitologiicbM Inttitiiten «te. 351 

Em&cliiieit und Raschheit der AusfUhning vor allem den Vonsag 
bietet, daß dabei die AnwenduDg der für Gonokokken nicht günstigen 
tOberea Temperaturen, die zar Flflssigerhaltang des Agars nOtig 
tmd, vermieden wird. 

Das sdiwer erhältliche Henschensemm, sowie das Rinderseram^ 
dessen sterile Beschaflhng auch mancherlei Schwierigkeiten begegnet, 
irnrden zunächst durch den von Pfeiffer für die Züchtung des 
Influenzabacillus angegebenen Blutagar in Petri'scher Schale 
ecsetzt; sowohl Isolierung desOonococcusals auch Weiterzflchtung 
desselben auf diesem Mährboden gelangen anstandslos, nur standen 
die damit gewonnenen Kulturen in Hinsicht der Deppigkeit des 
Wachstoms den auf Serumagar erhaltenen nach. (Abel berichtet 
Aber analoge Resultate.) 

Die Erfahrungen der Verff., daß eine selbst stärkere sauere 
Reaktion des Nährbodens der Entwickelung der Oonokokken nicht 
sachteilig ist, sowie einige klinische Ueberlegungen (Fi ring er) 
fährten zn dem Versuche, menschlichen Harn zur Züchtung der 
Gonokokken zu benutzen. Der verwendete Harn wurde entweder 
nach sterilem Auffangen sogleich benutzt oder aber zur Sicherheit 
noch nachträglich Vs Stunde auf 70—80^ C erhitzt. Der Nährboden 
wurde in derselben Weise bereitet, wie der von Wert heim an- 
g^ebene Serumagar. Die Züchtung der Gonokokken auf diesem 
Nährboden gelang vollkommen, ja es erwiesen sich die damit er» 
haltenen Kulturen sogar viel üppiger als die auf Menschenserumagar 
gezüchteten. In Hinsicht der Verläßlichkeit stand der Hamagar 
allerdings dem Serumagar nach, ein Umstand, der wohl darin seine 
Erklämng findet, daß mit der stets wechselnden Zusammensetzung 
des Harnes auch die Güte dieses Nährsubstrates variiert. 

Gerade diese Thatsache war der Grund zu den Versuchen, die 
flir das Wachstum der Gonokokken eigentlich nötigen Nährstoffs 
angfindig zu machen, um so vielleicht einen synthetisch darzustellen'- 
den, stets gleich zusammengesetzten Nährboden zu erhalten. 

Die in dieser Hinsicht angestellten Versuchsreihen ergaben nun^ 
daß Albumin nnd Globulin, durch Dialyse aus Menschenserum erhalten^ 
diejenigen Stoffe sind, die das Nährmaterial fttr den Gonococcus 
in Seram abgeben, daß ebenso der im Harne befindliche stickstoff- 
haltige Körper, der Harnstoff, die wesentliche Nährsubstanz des 
Harnes bildet, daß aber auch die anderen Komponenten des Harnes, 
and zwar vor allem schwefelsaures Natrium und schwefelsaures 
Kalium eine gewisse Rolle bei der Ernährung der Gonokokken spielen 
nnd daß endlich ein höherer Peptongehalt des Nährbodens, was auch 
schon Wertheim betont, von nicht unbedeutendem Einflüsse ist. 

Auf die Biologie des Gonococcus näher eingehend, bestätigen 
Verft. zunächst die von Wert heim angegebenen Merkmale und 
Eigestümlichkeiten der Kulturen und das rasche, geradezu als 
charakteristisch geltende Auftreten von Degenerationsformen in Rein^ 
kolturen, betonen die relativ größere Empfindlichkeit des Gono- 
eoccus gegenüber einem stärkeren Alkaligehalt des Nährbodens als 
gegenüber einer selbst stark saueren Reaktion desselben und verlegen 



^2 OrigliialoRsfenil« an« bakUiiologisehan und p«rMltologifcli«i lottitataa «te. 

mit Bumm die Temperaturgreazen fflr das Wachstam der Godo- 
kokkeo innerhalb 25— 39» G. 

Temperaturen aber 39® vernichten bei längerer Einwirkung die 
Lebensfähigkeit des Gonococcus. — Bei Brüttemperatur bleiben 
Beinkulturen auf Serumagar bei entsprechendem Schutze vor Aus- 
trocknung selbst bis über 4 Wochen lang lebensfähig (Wert heim), 
auf Hamagar erlischt die Lebensfähigkeit früher. Bei Zimmer- 
temperatur konnten Reinkulturen nie über 48 Stunden lebensfähig 
erhalten werden, während aus gonorrhoischem Eiter, der bei Zimmer- 
temperatur aufbewahrt wurde, die Züchtung der Gonokokken stets 
so lange gelang, als der Eiter noch nicht völlig eingetrocknet war 
(einmal noch nach 72 Stunden). 

Die Virulenz der Gonokokken in künstlichen Nährböden erleidet 
selbst durch längere Fortzüchtung keine Einbuße (eine durch 5 Monate 
auf Serumagar fortgezüchtete Kultur erwies sich noch als vollviruient). 

Die für die Behandlung gonorrhoischer Prozesse usuellen Anti- 
septika (Kalium hypermang., Karbolsäure, Sublimat, Argentum nitric), 
in den in der Therapie gebräuchlichen Konzentrationen mit Rein- 
kulturen von Gonokokken auf Serumagar durch 2 Minuten in Kontakt 
bdassen, vernichten die Lebensfähigkeit der Kulturen nicht 

Im experimentellen Teile beweisen Verflf. zunächst, daß sie es 
thatsächlich mit Reinkulturen von Gonokokken zu thun hatten; an 
sechs an Menschen ausgeführten Impfungen (Serumagar», Pf ei ff er 's 
Blutagar- und Harnagarkulturen) schloß sich nach einer Inkubation 
von 2—3 Tagen (Wert heim) prompt ein Prozeß aq, der als zweifel- 
lose gonorrhoische Urethritis anzusehen war (klinischer Verlauf, mikro- 
skopische Untersuchung, Kultur). 

Des weiteren aber wird der Beweis geliefert, daß ein eben ab- 
gelaufener gonorrhoischer Prozeß auch temporär keine Immunität 
gegen Neuinfektion hinterläßt und daß bestehende chronische Ure- 
thritis, sei solche nun gonokokkenführend oder nicht, Neuinfektion 
nicht ausschließt, daß der gonorrhoische Prozeß demnach sowohl der 
Reinfektion als auch der Superinfektion fähig ist. 

Das Auftreten der Urethritis posterior konnte bei diesen Ex- 
perimenten nie vor Beginn der dritten Woche konstatiert werden. 

Bei den ausgeführten Tierexperimenten bildeten Bauchhöhle und 
Oelenkshöhle das Hauptfeld der Versuche. 

An die in das Kniegelenk verschiedener Tiere (Hunde, Kaninchen, 
Meerschweinchen) gemachte Injektion von Gonokokkenreinkulturen, in 
verschiedenen Vehikeln suspendiert, schloß sich jedesmal eine akute 
Entzündung des Gelenkes an, die aber sehr rasch ablief; die mikro- 
skopische und kulturelle Untersuchung des dem Gelenke entnommenen 
Exsudates zeigte nach 24 Stunden nur mehr sehr wenige, nach 
48 Stunden meist gar keine Gonokokken mehr. Versuche mit den 
aus Gonokokkenreinkulturen durch Filtration und Auskochen ge- 
wonnenen Stoffwecbselprodukten ergaben bei Injektion in das Knie- 
gelenk kein Resultat 

Bei den Versuchen am Peritoneum von weißen Mäusen konnte 
bei genauer Einhaltung der von Wertheim gemachten Versuchs- 
bedingungen stets nur eine circumskripte, auf die Umgebung der 



LiparafaNDiBwiuide beschMoktbleibeade eiterige Jlntzflndmigiiefvor* 
gerufen werden, aber ohne Ytanehmsg dter. Gonokokken ;*aiteh hier 
«area diesdben nach 48 Stmiden meist' gar nidit mehr oder nur 
lereinzelt noch nachzuwdäen. ^ 

Da die Tierrersoche ftbr die pfttholos^8di-*anatomi8che Frage des 
goaorrhoiBchen Prozesses kein Material lieferten, wurde eine sich 
gerade gttnstig darbietende Gelegenheit benutzt, an moribunden 
Mensdeo Imptangen zu machen,. tibi so in den Besitz brauGld)a(ren 
Hatmales zu gelangen. Von 14 gemachten Impfungen waren jedoch 
BOT 3 positiv, obiPBhL dazu KidluiBn .vecwendet warden, i die. sich 
schon vorher als vollvinileDt erwiesen hatten. 

AuaoahmalOB war bei den ^Patienten,, die «in DQ^tives Hesidtat 
ergeben hattefi, konstant erhShte Temperatur, meist Ober SI9^ 0^ zu 
koistatäsn», so daS VeriL glauben, fßat das Mditiiaften; der Impfung 
bei diesen FUlen neben anderen Momenteih auch das Fieber verant«* 
WQitlicii »sehen m pifissän. Im Einklanger damit cdnd 'tielleidit 
aoeh die »Ergebnisse, bei den Tiervos^nehen dahin zu evkl&ren, di^ 
die bdanntUok stets hdkene Eigenwärme, der zu den Versuchen 
benutzten ISdre daqehige Moment bildet, welches eine Vermehrung 
der Gonokokken nur kurze Zeit naeh der. Impfung tol&Bt, während 
die HauptniasBe der Gonokokken innerhalb der ersten 24 Stunden 
tu Gmndie geht, di% dadufrchi en^ugtn Entetkndnng also nluf eine 
rasch yorOborgdiende ist. [ • 

Was nun die pathologische Anatomie des gönorrbotschen Pn>4 
zesses anlangt, so; lieferte namentlich eine Ton den drei an Jdori^ 
bunden gemachten positiven Impfungen ^iehe «Ausbeute, die um so 
wertMÜer erscheint, weil der Prozeß ein relatfy sehr, frischer war 
(lon dtFlspfung bis zum Tode vecstrich ein Zeitraum von 8 Tagen). 
HistologiBch bot dieser IUI das ausgesprochoie fild eines akuten^ 
oter^eniKatarrhes: Des^mätion und Lockerung des* Epithels, dichte 
lafitratic» des subepithelialen Bindegewebes, des Epithela der Lakunen 
ond der Ausführungsgänge der Li ttre 'sehen Drüsen mit^ poly-^ 
inklearea Leikocyten. * i 

Wiektig erseheint dabei äie Thfttsache, difi dieoe akute Urethritis 
kein gleidimißig diffuser, sondern ein vorwiegend lakunärer und peri- 
laknntrer EntzfindungsproaeS war. Geringe Veränderungen zeigte 
das Plattenq^thel der ffossa nati^laris, stärkere xlas Cylinderepitbel 
des übrigen Teiles der Pars anterior und die intensiVsten Ver- 
änderungen bot stets das Epithel in der nächsten Nähe der Mor- 
gagni 'sehen Lakunen. Zur vollständigen Bloßlegung des subepiüie- 
Kalen Bindegewebes war es nirgends gekommen. 

Auch Se Veränderungen im Bindegewebe sind keine gleich- 
näSigeo; die dichteste Innltration mit Eiterzellen zeigt das peri- 
foDflnoläre, die Morgagni 'sehen Taschen umschließende Binde- 
gewebe. 

Die KaplDargefilße sind aufEsllend erweitert und mit Leukocyten 
strotzend gefüllt 

Den bakteriologischen Befund anlangend, war die Ausbeute an 
GoMAokken Färbung mit Boraxmethylenblau, Differenzierung in 

XTLBi. M 



354 Origi]Ml-S«ferftto au iMtktariolo^Mhai und paratHologlMliai 

^/^-proz. EsaigB&iire) im iSiiklADge mit den hochgradigen lüi 
logischen Yerändeningen eine sehr große. 

Vor allem bemerkenawort erscheint dabei das Verhältnis 
Gonokokken zom Epithel; wtiirend am Plattenepithel GonokoU 
nur oberflächlich wuchernd angetroffen werden, dasselbe also i 
Eindringen der Kokken einen stftriceron Widerstand zu bieten sch^ 
durchdringen die Oonokokken das Cylinderepithel ungemein rt 
und in ganz charaktexistischer Weise» nämlich netzf&rmig die ] 
thelien umspinnend. 

Reichlich finden sich bereits Oonokokken im Bindegewebe, 
allem dort, wo der Entzfindungsprozeß am intensivsten ist, du 
in der Nähe der Lakunen. wichtig erscheint femer das ra^ 
Eindringen der Oonokokken in die Tiefe der Morgagni'sj 
Lakunen, sowie in die Ausffihnmgsgänge und das Lumen der Lit^ 
sehen Drflsen. ferner die Thatsache, daß die Oonokokken nicht j 
an der Oberfläche des Epithels in den Protoplasmaleib der Le^ 
^yten eingedrungen erscheinen, sondern schon innerhalb der Epi^ 
schichten, im Lumen der Taschen und DrOsen, sowie bereits 
Bindegewebe vorwiegend intracellulär angetroffen werden, ein I 
stand, der die Annahme eines aktiven Eindringens dieser Kokice< 
den Zellleib der Leuko<7ten nicht von der Hand weisen läßt 

Bot schon dieser Fall viel des Interessanten, so that es l 
mehr jener Fall, den Verff. zum Schlüsse als Beitrag zur pa 
logischen Anatomie der gonorrhoischen Bheumatoiderkrankung 
teilen, dessen eingehendero Besprechunff hier aber nicht möglich 

Er beweist (es handdt sich um eine an eine Angenblennor 
sich anschließende Arthritis gonorrhoica bei dnem KindeX daß 
Oonococcus imstande ist, durch die Blutbahn verschleppt, 
Ursache entzündlicher Veränderungen der Oelenke, des diese 
umgebenden Oewebes und selbst des Perichondriums zu werden 
daß der Oonococcus fähig ist, echte Bindegewebseiternng her 
zurufen. 

Damit fällt aber auch die exceptionelle, dem Oonococ 
bisher eingeräumte Stellung als Erreger spezifischer, oberflächlii 
SchleimhautentzOndungen weg, und der Oonococcus Neißer fij 
somit seinen Platz neben dem Streptococcus und Staph; 
coccus pyogenes und dem Diplococcus pneumoniae. 



mnininigiii ans dem XI* intariMtioiiftlai mediaiiiitekeii KoagretM in Born» $55 



Bakterielogisclie und parasttologlsche Kongresse. 

Mitteilnngen aus dem XI. internationalen medizinischen 
Eongiesse in Born. 

Beferent: Dr. &• Sanarelll, PriYatdozent in Born. 

(Fortietmig.) 

lardiiaftiTa (Born), üeber das perniciöse Fieber mit 
gast ro- intestinaler Lokalisation. 

Erfiihnmgsm&Sig nimmt die Malariäinfektion verschiedene kli- 
Biflche Formen und verschiedene Bedentung fOr das Leben des 
Menschen an; je nach der 6%end nnd innerhalb derselben Oegend 
je nach der Jahreszeit. Die schweren Formen dersdben tret^ in 
der rOmisehen Campagna, wo alle Formen vorkommen, nur im Sommer 
uid Herbste aa£ 

Die im Winter beobachteten Malariafieber sind nicht als prim&re, 
8ondem als Bückftlle ans dem Herbste und Sommer anzusehen. 

Kleine Epidemieen schwacher Malariainfektion zeigen sich im 
Frühling ; diese sind jedoch nicht pemiciOs und tragen den Typus 
des Quarten- und noch häufiger des Tertiuifiebers. 

Der Parasit des schweren Fiebers, wie es im Sommer und 
Herbete vorkommt, unterscheidet sich von dem des milden Fiebers, 
wie es seine morphologischen Charakterzflge schon bei den ersten 
Bikroekopisehen Untersuchungen darthun. 

Die Sommer- und Herbs&eber weisen einen weniger konstanten 
Typus nxd^ als die milden Fieber. Bei genauerer Untersuchung stellt 
sich jedoch heraus, daß es sich oft nur um eine scheinbare ünregel- 
mifiigkeit handelt und daß zwei Grundtypen, der der Quotidiana 
und der der Tertiana zu unterscheiden sind, welchen die verschie- 
deaen Wirkungen der Parasiten analog sind. 

AoSer den morpholc^ischen Difierentialcharakteren der im Sommer 
imd Herbste vorkommenden Parasiten existiert noch ein anderer, wd- 
dier von großer Wichtigkeit ist Das der Haut entnommene Blut 
weist nidit alle Lebensphasen dieses Parasiten auf, wie bei den 
Qoartanfiebem und fast immer bei den klassischen Tertianfiebem. 
In deflDsdben kommen wohl die jugendlichen Formen mit Pigment- 
ktaichen oder auch die Formen mit PigmentklOmpchen, aber selten 
Spaltangsformm zum Vorscheine. Begnügt man sich damit, das Blut 
der Haut zu untersuchen, so möchte man in den meisten F&llen 
behaupten, daß sieh dieser Parasit im Qeheimeh fortpflanzt Wenn 
man aber die Untersuchung auf die inneren Organe ausdehnt, sei es 
wahrend des Lebens durdh Aspiration des Milzblutes, sei es, daß 
man nach dem Tode die Milz selbst, das Knochenmark, das Oehim, 
die Meningen, den Darm untersucht, so weist sich die Vermehrung 
der PaiasiteniMinen in allen ihren Phasen auf, in der Begel nach 
erfolgter Bildung des Pigmentes, in Ausnahmefülen vorher. So läßt 
lieh die Behauptung aufirtellen, daß die Parasiten der im 

IS» 



BgO MittriloBgiSB Mft dkm XL itilanMitioiuÜMi wiHUriniwhen KongrMM Sa Bmb. 

FeirriBililiii^' A« (Neapel), Die KryptöBeptikimie:» 

D6r hier referierte Fall von Kryptoaeptikämie ist der fftnhe oder 
sechste, bei welchem Verf. die Gelegenheit gehabt hat, Staphylokokken 
im Blute intra Titaih und wfthrend der J^eberanfftHe su beobachten. 
Er ist ein klassisches Beispiel toü Eryptoseptikilmie in dem engen 
Sinn eineQ septischen Prozesses, bei dessen Veriauf es unmöglich ist^ 
den Eintritts weg der Infektion nacheu weisen nnd bei welchem man 
keine bestimmte Lokalisation der letzteren beobaohten kann. 

Eine auf das rechte Bein beschränkte Furunkulose, ohne Fieber, 
welche zwanzig Tage vorher vorhanden war, kann als die entlegene 
Ürsacbef der Kryptoseptikämie angesehen werden. Das Interessant« 
ist aber besonders, daß nach dem Erscheinen der letzteren die Fu- 
runkulose lokal vollständig geheilt, war und man nur einen gefärbten 
Flecken beobachtete. Die morb5sen Erscheihungen begannen mit 
Muskel- und Gelenkschmerzen der Beine und mit Fieber. Ersten 
sind nach 3 Tagen verschwunden, während das letztere blieb. E^ 
war gewöhnlich ein tägliches Wechselfieber, schwach in . den ersten 
Tagesstunden (Maximum 40,4 um 11—3 Uhr); selten war es durch 
Tage vollständiger Apyrexie unterbrochen, ohne daß diese apyretischen 
Intervalle einen besonderen Typus hatten. Ebenfalls selten Schüttel- 
frost oder Ausschwitzungen. 

Die wichti^te klinische Erscheinung, welche, abgesehen von dem 
positiven bakteriologischen Befund, idlein genügen würde, den toxisch^ 
septischen Ursprung der Krankheit festzustellen, wurde am 15. Tage 
beobuchtet Sobald das Fieber zunahm, beobachtete man zu gleicher 
Zeit einen imponierenden adynamischen Zustand, ähnlich wie beim 
Typhus, und ein diffuses, an den Beinen mehr hervortretendes Rös- 
chen, morphologisch ähnlich dem Erythema po^ymorphus von 
Hebra. Sobald das Fieber nachließ, verschwanden sofort beide Er- 
scheinungen und blieb von Erythema nur eine leichte Andeutung. Bei 
Wiedererscheinen des Fiebers traten wieder dieselben Erscheinungen 
auf. Die Verdauungsfunktioneii ließen im Laufe der ganzen Kranke 
heit nichts bemerken, ausgenommen Inappetenz und Verstopfung. 
Dagegen war einen Monat vor der obenerwähnten Furunkulose 
Diarrhöe mit starken Bauchschmerzen vorhanden. In dem Atmungs- 
apparate ebensowenig wie beiip Herzen und den anderen Organen 
war irgend etwas Besonderes zu bemerken; abgesehen von einer 
leichten Vergrößerung der iSüz und an manchen Tagen eine Zunahme 
der Leberdimensionen. Der Harn war immer blaß und ziemlich 
reichlich, weder Albumin noch G^v^soi; noch yroerythrip, noch Harn- 
cylinder. Die hämatoskopische Untersuchung war in betreff der An- 
wesenheit von Malariaparasiten negativ,. dagegen waren die Staphylo- 
kokken /vorbanden. Die hypodermischen InjeKtionen von Chinin (2 g 
pro Tag) waren erfolglos, obsdion der allgemeine Blutkreislauf eine 
rasche Absorption des Medikaments erlauben konnte. . 

Der morböse Prozeß dauerte etwa eine« Monat, mit wenigen und 
kurzen Ruhezeiten, et endigte nut Lysis und jetst;iat der Etkrankte 
vollständig geiiesen. 



Ifittoilainan wb d«m ZI. iatornatloDalea madisiniBehea KongrMM in Born. 361 

Tomton, Ueber Gonokokken. 

-^ YerL bemerkt daß der Gonococcas der kausale Erreger des 
Uennorrhagischen ProaMSses ist Die Diagnose der Blennorrhoe kann 
man mittels des Mikroskops feststellen, die Untersuchung muß aber 
mehreremal im Verlauf der Infektion gemacht werden. Um den 
Gonococcus zu finden, ist es nötige eine gewisse Irritation der 
interessierten Teile zu veranlassen und auch den Eulturprozeß von 
Wertbeim anzuwenden. Jede Epithel varietät kann als Kultur- 
boden dienen, auch die Bindegewebe und die Endotheiien können Sitz 
der Gonokokken sein. Die prädisponierenden Ursachen der Gono- 
kokkeninvasion und deren Vermehrung können die Vaskulisation, der 
Beichtnm an Sekreten, die Müdigkeit der Gewebe, wie auch die An- 
wesenheit von großen lymphatischen und intrazelligen Teilen und 
noch unbekannte diemische Umstände sein. Diese Ursachen können 
angeboren sein oder durch das Alter des Individuums oder durch 
andere, traumatische, chemische, bakterische, vorhergehende Er- 
krankungen bedingt sein. In den von außen herrührenden gewöhn- 
lichen Infektionen ist der blennorrhagische Prozeß vor allem eine 
Epithelerkrankung, begleitet von einer Eiterentzündung der unter- 
stehenden Bindegewebeu Die wichtigsten von dem blennorrhagischen 
Prozesse hervorgerufenen Phänomene sind folgende: Die Vermehrung 
der Gonokokken in den zelligen Zwischenräumen und das Eindringen 
der Eiterkörperchen in dieselben, die Anschwellung der Epithelial- 
zellen, deren Zerstörung und deren Elimination, und gleichzeitig be- 
merkt man eine zellige Infiltration der Bindegewebe. 

Die Bindegewebe können manchmal vollständig bloßgestellt werden 
dnrch die Zerstörung ihrer Epithelüberschicht, und nach Dinkler 
kann sich Venöse und Thrombose bilden. Wenn die morböse Ent- 
zündung oberflächlich und von kurzer Dauer ist, hat die Genesung 
eine Restitutio ad integrum zum Resultate, wenn dag^en die 
Entzündung ihren Sitz tiefer hat und länger dauert, endigt sie mit 
einer Narbenretraktion der Bindegewebe. 

Der Gonococcus kann Degeneration oder eine Vermehrung 
der Epitbelzellen hervorrufen. Dieses hyperplastische Epithel kann 
Idcht durch Zerstörung der Epithelelemente und durch Bloßstellen 
der unterstehenden Bindegewebe Erosionen verursachen. Die Binde- 
gewebssellen können sich auch unter dem Einfluß der Gonokokken 
vermehren. 

Die Erkrankungen, welche man nach einer ersten Blennorrhoe 
in den entferntesten Teilen des Körpers sich bilden sieht, können 
theoretisch als von demselben Gonococcus und von denselben 
Giften hervorgerufen betrachtet werden. 

Die Leukocyten verhalten sich gegenüber dem Gonococcus 
nicht wie die Phagocyten; sie dienen nur dazu, die Parasiten außer- 
halb des Olganismus oder in die verschiedenen Teile desselben zu 
versetzen. Die Gonokokken entwickeln sich in den Leukocyten ebenso 
gut wie in den lymphatischen und zelligen Zwischenräumen. 

Gemischte Infektionsformen können auch in der Blennorrhoe 
vorkommen; die schweren EiterungsfUle der Bindegewebe sind von 
einer sekundären, durch die Eitermikroben hervorgerufenen Infektion 



364 Diendona^f 

pathogen war. Gflnther^) fand bei der Untersaehang tod Sp 
wasser eine VibriODeoart, welche aaf der Oelatineplatte kreism 
wie mit dem Zirkel aosgeachnitteoe Kolonieen mit ganz glai 
Bande, braaner F&rbang and einem anSerordentlieh fein gekör 
Geffige bildete. NitroBoindolreaktion war stets negativ, ebenso 
liefen alle Infektionsversache ohne Erfolg. Günther nannte di 
Saphrophyten ^Vibrio aqaatilis^. Etwa aa derselben Zeit 
deckte Kießling'^ in Wasserproben aas Blankenese einen Vibt 
welcher ganz ähuicne Eigenschaften wie der Günther'sche u 
and wahrscheinlich aach mit diesem identisch ist. Nach dem 
scheinen dieser Mitteilongen folgte dne grofie Reihe von Veröfll 
lichangen über Vibrionenbefande im Wasser. 

WeibeP) fand im Bronnenwasser eine Vibrionenart, we 
Gelatine rascher als Gholeravibrionen verflOssigte; die Pathogei 
fttr Tiere warde nicht geprüft. Bajwid^) isolierte aas Weicl 
wasser einen Vibrio, welcher bd niederer Temperator (12^) 
ganz in derselben Weise wachs, wie echte Cholerabakterien, bei hdli 
Temperator aber sich leicht unterscheiden ließ. B a j wi d ' s Assis 
Orlowski fand in einem Bronnen von Lablin einen ganz &hnli< 
Vibrio. Die beiden Vibrionen wurden ,3Acillas choleroi 
o und ß^ genannt Loeffler^) konstatierte im Peenefluß die 
Wesenheit von Vibrionen, welche bei 37 <^ üppige Entwickelung zeij 
die Gelatine aber sehr schnell, ähnlich wie die Fink 1er- Prior'» 
verflüssigten. Fokker*) züchtete aus einer Wasserprobe vom H 
in Groningen eine Vibrionenart, welche Gelatine rasch verflüssi 
Dann und wann, jedoch nicht regdmfißig, konnte die Nitrosoiii 
reaktion erhalten werden. Injektionen veiflüssigter Gelatinekulti 
in die Peritonealhöhle von Meerschweinchen und Mäusen waren 
folglos. Verf. h&lt seinen V i b r i o für einm degenerierten Chol« 
bacillus, weil er dasselbe Enzym bildete, wie Cholerabaktei 
und weil er bei der Fortzüchtung während dreier Monate seine Eii 
schatten, besonders das Peptonisierungsvermögen, verfind< 
Fischer^) fand in dem Stuhle einer an Darchfall erkranl 
Frau einen Vibrio, welcher sich in Gdatineknlturen ähnlich < 
Fi nk 1er- Prior^ sehen verhielt In Bouillon und Peptonlös 
fand Trübung und Häutchenbildung, aber nur schwache Indohreak 

1) Gfinther, Ueber «ine neue, In Wmmt g«fiind«n6 KommAbMUlenart (D«ai 
mtd. WoelMiwehr. 189S. No. 49. p. Uli.) 

S) KieAling, Ein d«m GholerATibr io Ihnlieher Komm*b*eillat. I 
MU dem k. GetandhaitMunto. Bd. VIU. 1898. Haft 8. p. 480. Bef. dieM Zail 
Bd. XIV. p. 778.) 

8) W e i b • 1 , Ueber eine neue, im BrannenwMier g<etenden« Vibilonenart (I 
Zeitoehr. Bd. ZUL p. 117.) 

4) Bvjwld, üeber iwai neve Arten von SpiriUen im Wmmt. (Dieie Zeitte 
Bd. XIU. p. 180.) 

6} Loeffler, Zum Naohweia der CholerabAkterien im Waeeer. (Dieae Zeit 
Bd. XIIL p. 880.) 

8) Fokker, üeber einen dem Gholerabaoillva Ibnliehan Pfla. (Deal 
med. Woebenaehrift. 1898. p. 188. Bef. dieae Zeltachrift. Bd. Xin. p. 440.) 

7) Fia obe r , Üeber einige bemerkenawerte Befond« bei der Unteraaehiiiig eho 
TerdXohtigen Materiala. (Daataeha madiiiniaehe Woebenaehr. 1898. Mo. 88—86. B 
dieae Zeltaebr. Bd. ZIT. p. 78.) 



Zuiammen/aiMDde Uebenicht etc. 366 

statt Ein Teil der Bobkotan geimiiften Mäuse bekam nach einiger Zeit 
Haatgesehwüre, aiu deren Sekrete der Vibrio gezflchtet werden 
ko&nte, weshalb F. seine neagefondene Bakterienart ,,Vibrio hei- 
cogenes^* nennt Vogler^) fand bei einer größeren Reihe von 
StaUaDtersnchangen eine Vibrionenart, welche manche Aehnlichkeit im 
Wichstnm auf Gelatine mit CShoIerayibrionen zeigte. Doch war die 
Nitrofioindolreaktion stets negativ, ebenso verliefen intraperitoneale 
lapfimgen an Meerschweinchen ohne ^olg. Blei seh') isolierte 
m den Dejekiioneo eines unter choleraartigen Erscheinungen 
gestorbenen Mannes eine Bakterienart, welche auf Odatineplatten 
aafu^ dem Cholerabacillus ähnlich wuchs, im übrigen aber 
sieh in mannigfacher Buchung von diesem unterschied: Eurz- 
ittbdien, welche zuweilen gekrümmt waren, aber nie Spirillenform 
«igten. Gholerarotreaktion wurde wohl konstatiert. Wolf >) fand 
bei der Untersuchung des Cervicalsekretes dner an chronischer Endo- 
netritis leidenden Frau einen kommaförmigen Bacillus, welcher 
dvch sein Wachstum auf der Gelatineplatte an den G holer avibrio 
erisoerte. Doch war die Verflüssigung eine yiel raschere, indem eine 
oneo Tag alte Kultur schon so weit vorgeschritten war wie eine 8 — 
^'tägige Gholeraknitnr. Bei Zusatz von Schwefdsäure zu einer 
BooilloDknltur trat zwar eine zart rosarote Färbung auf, welche 
aber bei längerem Stehenbleiben bald in Braun umschlug. Bei Zu- 
satz Ton Schwefelsäure und Jodkaliumkleister trat keine Blaufärbung 
ein, 80 daS also kdne Nitritbildung durch die Bacillen zustande 
bin. In einer Wasserprobe aus Stolpe in Pommern entdeckte Bon- 
koff «) 2 Vibrionenarten, von denen die eine in den ersten 24 Stunden 
in Wachstume sehr an das der Choleravibrionen erinnerte, aber nicht 
die Gholerarotreaktion gab ; von 4 damit geimpften Meerschweinchen 
Btarb nar eines unter choleraähnlichen Erscheinungen. Die andere 
M gab zwar die charakteristische Rotreaktion, verflüssigte aber die 
Gdatine nicht und verhielt sich bezüglich der Pathogenität sehr in- 
lEODStaot Zörkendörfer^) isolierte aus einem Stuhle einer unter 
diolerayordäehtigen Erscheinungen erkrankten Frau einen Vibrio, 
velcher anfangs choleraähnlich auf der Oelatineplatte wuchs, vom 
iveiten Tage ab jedoch so schnell verflüssigte, daß eine Verwechselung 
lidit mehr möglich war. Die Nitrosoindolreaktion war stets negativ, 
UektioDsversudie an Meerschweinchen, Kaninchen und Tauben ver^ 
«fen resultatlos. 
_ Blac hstein*) fand in Seinewasser einen Kommabacillus, 

1) Vogler, D«b«r «inmi neuen, im diarrhdischen Stahle geftindenen V i b r i o. 
(I^o^Mhe sed. WoebeoBclir. 1898. No. 86. Befer. dies« Zeitschrift. Bd. XIV. p. 665.) 

S) Bleiseh, IL, Beitrag nr bekteriologisehen Difierentialdiagnose der Cholera. 
('■i'Mlv. t Hygiene. Bd. XBL p. 81. Befer. diese Zeitschrift. Bd. XHI. p. 889.) 

9) Weif, Beitrlge nr Kenntnis des Gerrikelsekretes bei ^ironischen Bndometri- 
^«ttMMtediener med. Wochenschrift. 1898. No. 87 nnd 88. Befer. diese Zeitschr. 
^ XIV. p. 640.) 

^) Ben ho ff, Ueber ewei neae, im Wasser gefundene KommabaclUenarten. (Aroh. 
^ Hjgitiie. Bd. XIX. p. 948. Befer. diese Zeitschrift Bd. XV. p. 669.) 

*)Z9rkend5rfer, Ein neuer, im Stahle eines cholerayerdichtigen Falles ge- 
*«*«»« Vibrio. (Prager med. Wochenschr. 1898. No. 44.) 

<)BUehsteln, Contribotion k Ttode microbiqne de l'ean. (AnnaL de llnstitut 
^^ütcsr. 1898. p. 689. Befer. diese Zeitschrift. Bd. XV. p. 885.) 



Dieudonn^y 

welcher dm GholeiuvHirioiieD in manelier Besiehang ähnlich mr, ddi 
aber darch die feinere OraBulierang ud das opakere Aueeehea Bein« 
Kaltaren doch ?on diese» trennen liaS» Saaarelli^) isolierte 
mittele einee besonderen N&hrbedens aas Sdae- and Mamewasser 
nicht weniger als 32 Vibrionen, wa denen jedodi nur 4, aaf welche 
wir noch aarückkommen werden, insofern eine größere AelMiUehkieit 
mit CholeiaTibrionen hatten, als sie Nitrosoindolreaktion gaben oni 
für Tiere sich pathogen erwiesea. Von den ttbrigen gaben 3 die 
BotreaktiM nach 8 Tagen, die übrigen ganz sdiwach oder flberhanpt 
nicht Mit den Vibrionen, wekdie bei dar ersten Impfung aberhai^t 
keine oder nar geringe Erankheitssymptome bei den Tieren hervor- 
riefen, konnte bei wiederholter Impfang fiMt stets eine tödliche Isr 
fektion erzielt werden. Warde mit diesen VS^rioaen gleiohzeitig ttae 
sterilisierte Kultar von Bact coli injiaiert, so starb» die Versachs- 
tiere regelmäfiig. Verl glaabt in seinen ScfaloSfelgeningen Mr die 
an» den Dejektionen Gholerakrankev stammenden and die im Wasser 
gefundenen Vibrionen einen gemetasamen Urspraag and verschiedene, 
morphologisch scharf bestimmte Yariet&tea der Vibrionen annehmen 
za müssen, welche alle beim Menschen nad beim Tiere das gleiche 
Krankheitsbild hervorrofen können. Die einheitlich morphotogisehe 
Anfassung dw Gholeravibrioaen müßte daher nach S. vorlassen 
werden. 

Fischer*) besdireibt eine Beihe von Meeresbakterien, welche 
sich von Cholerabacillen besonders dnrck ihre gioBe Vorliebe fftr 
Seewassernährböden unterscheiden« Endlich gehören hierher die von 
R. K c h > ) erwähnten, im Wasser gefandenen Vibrionenarten. Ofloa- 
bar sind solche Befände von Vibrionen im Wasser gar nicht so selten 
und jeder, der bei Wassenmtersaehimgen genauer d^maf achtet, wird 
zuweilen solche von Gholerabakterien ohne weiteres zu differeaasierenr 
den Vibrionen entdecken. 

Wesentlich verschieden hiervon ist eiae zweite Gruppe von 
Vibrionen, welche bei der Untersuchung große, oft fut nnüberwmd- 
liehe Schwierigkeiten für die Diagnoee boten. Hierher isC vor allem 
der von Neißer im August 1893 gedfandene und von Rabner^), 
Neißer^) und Oünther«) beschriebene „Vibrio Berolinensis^ 
zu rechnen. Derselbe wurde aus Wasser isaliert, welchem zuvor 
Gholeravibrk>nen zugesetzt worden waren, weshalb es Danbar fOr 
nicht ausgeschlossen hält, daß der Vibrio Berol inen eis ein 
editer, vielleicht durch langen Verweilen im Wasser veränderter 



1) Sanar^lli, La» Tibriont dM eaux et rödologie da «hoUm* (Amflaat 4t 
riastitat Pastoor. 1898. p. 693. B«ftf. diM« Zeiteohrift. Bd. XV. p. MO.) 

5) Fit eh er, Die BekterieB det Heere» neob den UnCertoehuigeii der PUnktos* 
expedition unter gleiebieitif(er BertcktichCignng einiget ftlterer and neuerer Uottr- 
toohangen. fief. dieae Zeittehrift. Bd. XV. p. 667. 

a^ e. A. O. p. 688. 

4) Babner, Vibrio Berolinenalt, ein neaer Kommebfteillei. (Hjg 
Eondtcheo. 1898. No. 16. Bef. diete Zetttehr. Bd. XiV. f. 666.) 

6) NeiAer, Ueber einen neuen We^sterTibrio, der die Nitsotehidolreefction 
liefert. (Aroh. f. Hygiene. Bd, XIX. p. 194. BeC diete Zeittehr. Bd. XIV. p. 666.) 

6)'6ünther, Weitere Stadien ftber den Vibrio Be^rolineatie. (Bbendt 
p. «140 



ZasammenfiMVttiide Utbtnicht etc. 367 

Choleravibrio sei. Bei der erstmaligeii. Pifferenzierung tH>t dei^* 
Vibrio nichjt unerbel^liche 3chwierigkeiteQ. Weder morpMogiachg. 
wh in fidDeni Verhalten im Gelatixiesticbie, in Milcb ond auderen 
Nihrböden ließ er sich vom ecbtep Eommabacillii,8 q^tersqbeideii, 
anch die NitrosoiDdolre^jction sowie die PathogeQit&t fiQ^ Meer*! 
8ckweiiiGhen war gleich; dagegen gelang die Trennung gut durch di^ 
GdaÜDeplattenkultar. Aul Platten bildete er nämlich nach 24Stundei)i 
Ueine, kreisrunde, fein gratulierte Kolonieen, welche nach 48 Stu]i4ea 
noch nicht makroskopisch zu sehei^ waren. Heider^) isolierte ai^fik 
einer Wasserprobe vom DoQaukanal eine Bakteri^art, welche er 
Vibrio Danubicus nennt Derselbe gleicht morphologisch yOllig 
d^ echten CbiOleravibrio; als Unterscheidungsmerkmal wi^d ap«. 
sefQhn, daß der genaopte Vibrio auf dünn besäten Platten ober- 
iichliche Eolonieen bildete mit ganz flach ausgebreiteten, uar^elr 
m&fijg vmißsk Auflagerupgea und anderen kleinen Differenzen, ^ufier«-. 
dem das Verbalten defif Vibrio bei subkutaner Impfung au£ l^iäu^ 
uid endlich die große Leichtigkeit, mii( welcher der Vibrio bei 
Meerschweinchen yon den Luftwegen aii« Infektionen hervorru^ 
Bemerkensweirt ist äiß- Mitteilung, daß am Tage nach der Igotn^hm«^ 
der Waaserprobe ein Mann an Cholera erkrankte, welcher Tags zijKn 
m an der Donau, allerdings am Hauptstrome an ein^r Stelle wei^t 
oaterbalb des Abgangs des Kanals gearbeitet ha,ttie. D u n b a r ^) b^ 
richtet Aber Befunde voi^ Vibrionep im Stromgebiete der £lb^ fernei^ 
im Rheme, der Pegivtz und aus der Amstel l^ Amsterdam, wel,c)iiit 
«Bhngs keip^ durdigreifenden qualitativen Unterscheidiiingsmerkmi^^ 
gege&Qber den echten Cholerabakteri^n feststellen ließen. Durch d,ia 
eingehendsten vergleichenden Untersuchungen konnten an denselben 
keine Eigenschaften eptdeckt werden, welche nicht auch schon ao^ 
echt^ Cholerakulturea beibrachtet wurden; alles deutete, desbaU) 
darauf hin, 4aß es sich um echte Choleraba^llen handlj^, zigmal dsi 
diese Vibrionen aas de^^ Flußläufen verschwände? zu der Zeit, al^ 
die Choleraerkmnkungen aufhörten. Erst durch eine BeohaqhtuQg 
Katscher's') war es möglich, die betreffenden Kulturen als dea 
Choleravibrionen nicbt gehörig %^ ke^nzeiicbnen* Kutscher fa^cf 
aftfldich, daß ein Teil diesef Wasservibrlonen sowohl als auch ver^ 
fiduedene aus Stühlen cholenqiv^rdäcbti^r Ik(en8c]p^ isoliejrta 
Vibrionen bei Luftzutritt und geeigneter Temperatqr granmeißÜcl^ 
phogphorescierten. Da bei zahlreichen Versuchen mit u^zwe^fe^? 
haften Cholerak9lturen nie Phospborescenz beobach^t wvde, so ]fa^u^ 
&an mit ziemlicher Bestimipthelt behaupten, daß solche phospb^ef^r 
^eresde Vibrionen keine echten Cholerabs^terien sind. Da jed(M(ib 
diese Eigenschaft der Phospborescenz bei 38 von 68 Kulturen ins 



l) Haider, Vibrio Df,nahica«. (Oies« Z9it9chrift. Bd. XXV. 2fo. 11, 
P. 841.) 

t)Oiiabar, ünteranchnogen ftbov choltrathnliobe WMMrbAktAri«^. (Deutsche 
Bii Wocheiisehrift. 1891. p. 799.) — Venache lom NachweU Tpii GholeraTib^ooef 
« rbilwM9«r. (Arb. MU. d^n k. GMtwdbeitsamte. Bd. IX. p. S79.) 

S)Kattehery Ein Beitrag lor Keontaia der den Choleravibrionen fthnUehea 
«^•nerbekteviea. (DentBche med. VVochenschrifL 189S. p. 1801. Befer. diese, Zelt- 
««krift. Bd. XV. p. U.) 



368 D!«ndono4, 

konstant war, so glaubt Donbar selbst yorl&ofig noch einige Reserve 
in der Diagnose bewahren zu mflssen, wenn auch die Annahme, daß 
es keine echten Cboleravibrionen sind, mehr Wahrscheinlichkeit fQr 
sich habe. Maaßen^) giebt als weiteres Unterscheidungsmerkmal 
dieser leuchtenden Vibrionen von echten Cholerabakterien die Fftbig* 
keit der ersteren an, auf Bouillon von geeigneter Alkalit&t mit Zu- 
sätzen von Glycerin oder Kohlehydraten (Rohrzucker, Milchzucker) 
starke, meist faltige Häute zu bilden; ferner konnte auf solchen 
Zuckemfthrböden Indolbildung und ein nachheriges Wiedereintreten 
der alkalischen Reaktion beobachtet werden. 

Wie schon erwähnt, isolierte Sanarelli aus Seinewasser eine 
giOfiere Anzahl von Vibrionen, unter denen 4, nämlich der von 
St. Gloud, Point*du-Jour, Gennevilliers Ko. 5 und Versailles (Seine) 
nach 24 Stunden deutliche Nitrosoindolreaktion zeigten und mehr 
oder weniger pathogen für Meerschweinchen (der von St. Cloud auch 
für Tauben) waren. Ivänoff*) beschreibt eine Vibrionenart, welche 
er als zuftlligen Befund aus den Darmentleerungen einer Typhas- 
kranken isoliert hatte. Da jedoch gerade die Ausleerung, aus 
welcher der Vibrio isoliert wurde, durch eine Darminfusion mit 
Berliner Leitungswasser erzielt wurde, so hält es L für nicht ausge- 
schlossen, daß der neue Vibrio aus dem Wasser stammt. Derselbe 
hat in seinem biologischen, kulturellen und pathogenetischen Verhalten 
viele BerQhrungspunkte mit echten Cholerabacillen, unterscheidet sich 
aber auf der Oelatineplatte dadurch, daß die Kolonieen nach 24 — 
36 Stunden an Stelle der bekannten Körnung der Cholerakolonieen 
eine deutlich zu erkennende Fadenbildung zeigen. Morphologisch 
lassen sich die Vibrionen durdi ihre ausgesprochene Neigung, in 
Spirillenform zu beharren, besonders aber durch ihre Größe differen- 
zieren. Celli und Santori') beschreiben einen „Vibrio roma- 
nus^, welchen sie bei 12 zwdfcllos cholerakranken Individuen isoliert 
hatten. Derselbe giebt nicht die Indolreaktion, wirkt bei den Tieren 
nicht pathogen und wächst nicht bei 3V weder in Bouillon noch in 
Agar. Verff. halten diesen Vibrio fQr eine atypische Form und 
eine transitorische Varietät des echten Choleravibrio, besonders 
da die unterscheidenden Merkmale nicht permanent blieben. Nach 
8 Monaten künstlicher Weiterzüchtung gab derselbe wieder die Indol* 
reaktion, nur die Pathogenität war auch nach dieser Zeit fast Null. 
In neuerer Zeit beschreibt Chantemesse^) einen Vibrio, welcher 
bei der im Frühjahr 1894 in Lissabon herrschenden Choleraepidemie 
gefunden wurde. Derselbe unterscheidet sich in manchen Beziehungen 
von dem echten Choleravibrio und erinnert in seinem Wachstome 



1) MaaAen, Beitrag« rar Differtniienuig •inig«r d«m Vibrio der aeiAtbehco 
Choler» verwandter Vibrionen nnd körte Angaben Aber eiwelAfreie NIhrbMen Ton alU 
gemeiner Anwendbarkeit (Arbeiten ans dem k. Getandbeitiamte. Bd. IX. 18Si. p. 401 . 
Bef. diese Zeitschrift. Bd. XV. p. 922.) 

2) Ivinoff, Ueber eine nene eholeraihnliche Vibrionenart (Zdtsebr. f. Hjg. 
Bd. XV. p. 434. Befer. diese Zeltschrift. Bd. XV. p. 488.) 

8) Celli and Santori, Ueber eine transitorische Varietftt Tom Choler»- 
Tibrio. (Diese Zeitschrift. Bd. XV. p. 789.) 

4] Chantemesse, L'4pid^mie de Lisbonne. (La semaine m4dieale. 1894. 
No. 84. p. 271.) 



gMimimnfawende Üeberueht etc. 369 

an den Finkler*Prior*8chen Vibrio, worüber noch weitere 
Unteisachungen folgen werden. Da bei der Lissaboner Epidemie bei 
einer groften Masse Erkrankungen nnr ein Todesfall beobachtet 
warde, so glaubt Ch. bd dem bakteriologischen Befunde, daß es sich 
hier um ein epidemisches Auftreten von Cholera nostras gehandelt 
liabe. Endlich ?er5ffentlicht Pfuhl ^) in neuester Zeit den Fund 
eines Vibrio im Nordhafen zu Berlin, welchen er nach seinem 
Wachstume auf Gelatine und der Pathogenität für Tauben als identisch 
mit dem Vibrio Metschnikovi erklärt 

Wie wir sehen, sind in der letztenZeit eine Reihe yon Vibrionen 
beschrieben, deren Differenzierung von echten Choleravibrionen eine 
äoBeret schwierige genannt werden muß. Bei einzelnen derselben 
seheint es doch nicht ausgeschlossen zu sein, daß es sich um echte 
Cholerabakterien handelte, welche unter der Einwirkung veränderter 
äußerer Bedingungen gewisse Eigenschaften verändert hatten. 
Pfeiffer und Issaeff') teilen in einer neuerdings erschienenen 
Vardffentlichung mit, ein empfindliches Reagens zur Differenzierung 
nahe verwandter, sonst schwer oder gar nicht zu trennender Vibrionen- 
trten in der spezifischen Wirkung der Choleraimmunität gefunden zu 
haben. Es zeigte sich nämlich, daß Meerschweinchen, welche aktiv 
gegen Cholera immunisiert sind, gegen jede nachfolgende Cholera- 
infektioB dauernd immun sind und daß das Serum solcher gegen 
Cholera immunisierter Tiere nur gegen die Infektion mit echten 
Choleravibrionen eine sp^ifische Wirkung auszuüben vermag, 
während es den übrigen Bakterienarten gegenüber sich nicht anders 
verhält, wie das Blutserum normaler Tiere. In allen Fällen, wo das 
Choleraserum spezifisch wirkte, gingen die injizierten Vibrionen rasch 
zu Gründe, während in den Fällen, wo der spezifische Einfluß des 
Cbolerasemms fehlte, stets eine fortschreitende Vermehrung der in- 
jizierten Vibrionen festzustellen war, welche bis zum Tode des Tieres 
anhielt. Mittels dieser Methode ließen sich einige aus Wasser iso- 
lierte, dann die leuchtenden Vibrionen Dunbar^s, der Vibrio 
Danubicus, die Cholera Massauah als artverschieden von 
echter Cholera feststellen, während sich u.a. der Vibrio Ivänoff 
wie echte Cholerabakterien verhielt. 

In einer weiteren Arbeit teilt Pfeiffer*) die interessante 
Beobachtung mit, daß Cholerabakterien, wenn sie mit einer Spur von 
hodiwirksamem Choleraserum gemischt in die Bauchhöhle von Meer- 
schweinchen emgespritzt werden, dort innerhalb überraschend kurzer 
Zeit vollständig aufgelöst werden, während andere Vibrionenarten eine 
derartige Beeinflussung nicht erkennen lassen. Auf Grund dieser 
Thatsache empfiehlt P. folgende Versuchsanordnung für die Cholera- 
in schwierigen Fällen, z. B. zur Identifizierung von aus dem 



1) Plnhl, XJßbtr das Vorkomoien d«8 Vibrio Metschoikovi (Gamaleia) 
ia «iaam dIfontUdhen WMMrlMife. (ZeitBcbrift fBr Hygiene. Bd. XVU. Heft 8. p. 8Si.) 
Ret «eM 2eitsehr. Bd. ZVL p. 224. 

f) Pfeiffer, B. und leseeff, Ueber die tpesiflsehe Bedeutang der Gholera- 
iamBtftt. (Zeitschrift fOr Hygiene. Bd. XIII. Heft 2. p. S55.) 

S) Pfeiffer, B., V^ettere Untersnchnngen fiber des Wesen der CboleridmmmiiUt 
od Ibcr qMtfsehe bftkteridde Prosesse. (Zeitsehrilt für Hygiene. Bd. XVIII. p. 1.) 
ZVLBi. M 



370 Selbstorbitiaiig de» Heuet. — Allgemeines fkber Bi&terieiu 

Wasser gezüchteten VibrioDenknltaren. Man injiziert von der in 
Frage stehenden Kultur zwei gldch großen Meerschweinchen je eine 
Oese in 1 ccm Bouillon. Tier I erhält mit der Bouillon gemischt 
0,02—0,06 Choleraserum, Tier n eventuell die gidche Dose nor- 
malen Meerschweinchenserums. Nach 20, 30, 40 und 60 Minuten 
werden beiden Tieren aus der Bauchhöhle TrOpfchen des Exsudates 
entnommen. Sind bei Tier I schon nach 20—30 Minuten die Vibrionen 
total in Kömchen verwandelt, während bei Tier II noch nach 1 Stande 
zahlreiche, wohl erhaltene und zum Teil bewegliche Kommabacillen 
sich konstatieren lassen, so spricht dies durchaus fflr die Choleranatar 
der geprflften Kultur. 

In einer kritischen Besprechung der Arbeit von Pfeiffer and 
Issaeff bemerkt C. FraenkeM), daß er dem Tierversuche einen 
so entscheidenden Einfluß auf die Klassifizierung der Mikroorganismen 
nicht zuerkennen kOnne, da doch bekanntlich gerade die Abweichungen 
im Verhalten der Mikroben gegenüber dem tierischen Organismus 
wenig geeignet sein, Merkmale ffir eine Abgrenzung der einzelnen 
Arten von einander zu liefern. 

In einfach liegenden Fällen wird jedenfalls, was auch Pfeiffer 
betont, die Choleradiagnoee, wie sie Koch nach den charakteristischen, 
morphologischen und biologischen Eigenschaften des Gholera- 
vibrio festgestellt hat, wenigstens nach dem jetzigen Stande der 
Wissenschaft genügen, um geübten Bakteriologen die Unterscheidung 
von choleraähnlichen Vibrionenarten zu ermöglichen. Nur unter be- 
sonders schwierigen Umständen, z. B. zur Differenzierung von Vibrio- 
nen aus. dem Wasser, wird es notwendig werden, die von Pfeif fei 
angegebene Methode heranzuziehen. 



Referate. 



Berthelot, H,, Remarques sur Töchauffement et l'in^ 

flammation spontan6e des foins. (Compt rend. GXVIl 

1893. p. 1039 f,) 

Die Erhitzung bezw. Selbstentzündung aufgeschichteten feuchtei 

Heues wird in erster Linie durch die fermentative Thätigkeit vod 

Mikroorganismen verursacht Doch leiten diese nur den Prozeß ein: 

die hohe Endtemperatur ist erst die Folge eines rein chemischet 

Vorganges, nämlich der Oxydation der durch die Gärung diemisct 

veränderten organischen Materie. Busse (Berlin). 

Klemperer, F. und Levy, E», Grundriß der klinischei 
Bakteriologie für Aerzte und Studierende. 8®. 329 p 
Berlin (Aug. Hirschwald) 1894 

1) Fraenkel , C, Bemerkmigtii mar Cholenifragtt. (Hjgienisebe Rnndschaii. 189^ 
No. 18.) 



AllgrauiiMs Aber Bakterien. 371 

Felix Klemperer und E. Levy, Priyatdozenten anderUni- 
wraitat Straßbarg L E., haben den Versuch unternommen, ,,die 
Resultate der bakteriologischen Forschung unter klinischen Qesichts- 
ponkten zusammenzufassen". Das klar und anregend geschriebene 
Buch ist hauptsächlich fflr den praktischen Arzt ,,als Berater des 
Gesunden und als Helfer des Kranken*' bestimmt und will zur Ver- 
bieitoDg eines bakteriologisch geschulten Denkens und Handelns 
gerade unter den Kreisen der praktischen Aerzte beilragen. Von 
diesen Gesichtspunkten aus ist der Stofi behandelt in einer verh&lt- 
msmäßig — wenn der Ausdruck hier überhaupt angebracht ist — 
populären Darstellungsweise. Von Citaten und umständlichen Details 
ist daher auch Abstand genommen worden. Trotzdem ist dem Buche 
der wissenschaftliche Charakter dank den eingehenden Spezialkennt- 
Dissea der Herren Verff. durchaus gewahrt worden. 

Einige der neueren, wennschon recht zuverlässigen und eleganten 
Methoden haben wohl nur aus dem Grunde, weil über ihre Brauch- 
barkeit ein allgemein giltiges Urteil noch nicht gefällt ist, keine Auf- 
oahme gefunden (so die MöUer^sche Sporenfilrbung, die van Er- 
m engem* sehe neue Geifielfärbung, die Pregrscbe Methode etc.). 

Ua& die Verff. trotz aller dagegen gerichteten Publikationen 
noch 15—25 Proz. Salpetersäure zur Entfärbung bei der 
Tuberkelbacilleofärbung empfehlen, und zwar als einzige zweizeitige 
Entfilrbangsmethode, läßt sich, da wir viel bessere und schonendere 
Entfärbungsmethoden haben, weniger gut verteidigen. Dem prak- 
tischen Arzte sollte man nicht als einzige Methoden gerade für die 
Tuberkelbacillenf&rbung zwei Verfahren empfehlen, von denen das 
eine zwar für uns von dem größten historischen Interesse ist und in 
der Hand des geübten Arbeiters und bei gut färbbaren Bacillen die 
ausgezeichnetsten B^ultate giebt, in der Hand des Ungeübten aber 
infolge der vorhandenen Fehlerquellen zum F